Semir und Ben sahen sich an. „Seit wann ist er weg?“ harkte Ben sofort nach. „ich habe den Zettel erst vor zwei Stunden gefunden. Leo ist noch nie weg gelaufen….ich...ich… bin schuld...ich habe nur an Martin gedacht…ich…bin unfähig eine Mutter zu sein. Deshalb werde ich bestraft...“ weinte Sofie. „Frau Winther…lassen Sie uns in den Wagen gehen...bitte...und dann erzählen Sie uns alles...“ bat Ben einfühlsam. Sofie nickte und ging vor. Ben und Semir folgten ihr. Wenig später saßen sie am Tisch. Sofie mache Kaffee und setzte sich zu den Beiden. „Wissen Sie…Martin…er war ein wundervoller Junge. So lebhaft. Er wollte Clown werden. Er hatte alles was er dafür brauchte...er war so ein zufriedenes Kind…“ fing sie an zu erzählen. „Was ist passiert?“ wollte Semir wissen. „Es war am 18. März. 2009 wir haben gerade unsere Tour durch das Rheinland gestartet. Es war ein Abend wie jeder andere. Die Zuschauer kamen und sahen sich die Vorstellung an. Als ich zurück ins Zelt kam, lag nur noch Leo im Bett. Martin war nicht mehr da. kein Hinweis wo er war. Wir haben alles abgesucht, aber er blieb verschwunden. Dann habe ich die Polizei angerufen. Sie haben alle befragt und die Gegen abgesucht und nichts gefunden. Sechs Tage habe ich vor lauter Sorge kaum geschlafen. Jedes Mal wenn die Polizei kam, dachte ich, jetzt bringen sie die deinen Sohn wieder. Aber nichts. Und dann sagten sie mir, dass er tot ist. Ich…ich ..und jetzt Leo, ich habe Angst das Ganze wieder durchzumachen...“ schluchzte Sofie. Ben ergriff ihre Hand. „Hat Leo etwas zurück gelassen?“ wollte er wissen Sofie wischte sich die Tränen weg und zeigte den Beiden den Zettel. Semir las ihn und schluckte. Dieser Junge schien sich allein gefühlt zu haben, weil die Eltern dem Bruder nachtrauerten und es nicht bemerkten, dass dieses Kind auch darunter litt. „Können Sie sich vorstellen wo er hingegangen sein könnte? Hat er ein Versteck oder so etwas? Kennt er jemanden hier?“ harkte er nach. Doch Sofie schüttelte nur den Kopf.
„Kinderschänder!!!“ schrien die Leute als Rainer Horn aus dem Haus gebracht wurde. „An den Pranger mit ihm!! Er gehört gesteinigt!!“ kamen die Rufe. Rainer sah sie an. „Er gehört gehängt!!“ Die Todesstrafe für ihn!!“ ging es weiter. Die Polizisten grinsten sich leicht an. Mark Schneider war selbst Vater von zwei Kindern und konnte es nur befürworten. Doch sein Beruf ließ der eigenen Meinung keinen Platz. Hier hieß es, diesen Mann vor den aufgebrachten Bürgern zu schützen. „Was machen Sie mit mir?“ fragte er besorgt. „Wir bringen Sie zur Autobahnpolizei. Die bearbeiten gerade neue Fälle von Kinderschändung und haben ein paar Fragen an Sie. Wir sind derzeit nur als Helfer der Kollegen im Einsatz.“ erklärte er sachlich. „Aber ich habe doch gar nichts getan. Ich...ich...“ stammelte Rainer. „Das ist mir ziemlich egal. Und ganz ohne ist es ja nicht. Denken Sie doch an den kleinen Dominik...“ fauchte der Kollege. „Thomas…“ mahnte Mark ihn. „Ist doch war. Am liebsten würde ich den Kerl der Meute übergeben. Das wäre nur die gerechte Strafe für ihn...“ kam von Thomas Reuter. „Das mit dem Jungen war ein Versehen. Ich..ich…“ verteidigte Rainer Horn sofort. Mark sah ihn warnend an. „Ich warne dich, sag jetzt nichts Falsches. Ich bin selbst Vater und ich kann sehr gut verstehen, wenn die Bürger hier durchdrehen...“ kam wütend von ihm. Rainer Horn schwieg. Er stieg in den Streifenwagen und wurde zur Wache der Autobahnpolizei gebracht. Die Fahrt ging schweigend ab. Auf dem Parkplatz sah Rainer Horn die Beamten an. „Glauben Sie mir, ich tute keinem Kind was Böses. Wirklich nicht, ich bin kein Schänder. Ich liebe Kinder...“ verteidigte er sich. Mark zog ihn heran. „Halt deine Klappe!“ fauchte er ihn nur an und Horn schwieg erschrocken.