Beiträge von Elvira

    Sofie stand auf und ging raus. Sie brauchte Luft. Auch wenn sie allein im Wohnwagen war, so fühlte sie sich eingeengt. Ein kleiner Spaziergang war sicher nicht verkehrt und so ging sie auch zu den Tierbehausungen. Paul war nicht da und somit war sie allein. Alle anderen Leute hier waren sicher schon in tiefen Träumen versunken. Sofie ging einfach durch die Stallungen und Zelte. Die Luft war frisch aber nicht kalt. „Ach Leo, warum kommst du nicht zu mir zurück?“ weinte sie leise. Dann stieß sie mit dem Fuß gegen etwas Weiches. Sie bückte sich und hob es auf. Sie besah es sich und lachte plötzlich. „LEO!!! LEO!!!“ rief sie und sah sich um. Dieser kleine Rucksack gehörte Leo. Sie hatte ihn sofort erkannt. „Leo?“ rief sie erneut. Keine Antwort. „Schatz…wo bist du denn?” harkte sie nach. „Bist du hier?“ fragte sie und betrat das Zeltm wo Pascha untergebracht war. Der alte Löwe sah sie mit müden Augen an und knurrte leise. „Sorry, aber ich suche Leo. Er muss hier sein. Hast du ihn gesehen?“ wollte sie von dem Tier wissen. Doch dieser schien der Grund gar nicht zu interessieren. Sofie stellte fest, das Leo nicht hier war. Doch wo war er? Lag er vielleicht schon im Bett? Sofort rannte sie zum Wohnwagen um dieser Idee nachzugehen. Doch auch das Bett von Leo war leer. „Leo? Wo bist du denn?” stöhnte sie. Sie setzte sich an den Tisch und legte den Rucksack drauf. „Mein Schatz, wo steckst du denn nur? Ich vermisse dich…” weinte sie leise. Nur eine halbe Stunde später kam Paul in den Wagen. „Sofie? Was ist denn?” wollte er wissen. „Leo,er war hier. Sein Rucksack...er muss hier gewesen sein…” weinte sie. Paul nahm sie in den Arm. “Man wird ihn schon finden…” versprach er. Sofie schluchzte leise. Paul strich ihr über den Nacken und tröstete sie. „Du musst auch mal schlafen….“ ermahnte er sie. „Aber wie kann ich das tun, wenn mein Kind irgendwo ist..vielleicht in Gefahr…“ wollte sie wissen. „Sssshhhht….ganz sicher ist er nicht in Gefahr….“ widersprach er. „Ich werde morgen Herrn Gerkan anrufen und ihm sagen, dass ich den Rucksack gefunden habe. Leo muss hier gewesen sein. Er muss einfach…“ entschloss sich Sofie.

    Friedrich Gerresheimer hatte sich einen Wagen aus dem Zirkus kurzgeschlossen und fuhr dem Wagen hinterher in dem Leo mit dem Mann eingestiegen war. „Leo, Leo…man steigt doch nicht zu fremden Leuten in den Wagen…” tadelte er den Jungen in Gedanken. Wie gut das ich das Autofahren nicht verlernt habe, dachte er weiter und fuhr dem Wagen hinterher. Die Fahrt ging durch Düsseldorf nach Mettmann. Dort hielt der Wagen vor einem ziemlich alten Haus und Friedrich sah, das Leo von dem Mann mehr ins Haus gezerrt wurde als das er freiwillig ging. Was sich da drinnen abspielten wollte Friedrich sich gar nicht vorstellen. Er hielt an, stieg aus und ging in Richtung Haus. Kerzenlicht erhellte ein Zimmer im Obergeschoss. Ob Leo dort war? Friedrich wartete bis der Mann wieder abfuhr. Er hatte sich das Kennzeichen aufgeschrieben und wollte der Polizei den Hinweis geben, was er beobachtet hatte. Doch jetzt hieß es erst einmal Leo da raus zu holen. Er schlich durch das Haus, was auch innen sehr baufällig war. „Leo?” rief er durch das Haus. Keine Antwort. Er dachte kurz nach und ging dann in die oberte Etage. Vor seinem inneren Auge ging er die Fenster von außen durch und hoffte nun das richtige Zimmer zu finden. Er probierte die Tür, vor der er nun stand. Sie war verschlossen. „Leo?” fragte er leise. „Friedrich!! Bitte hol mich hier raus…bitte…” weinte Leo. „Gleich mein Kleiner…geh zurück. Ich trete die Tür ein…” befahl der Alte und rannte mit voller Wucht gegen die Tür. Sie gab sofort nach. Leo sprang ihn in die Arme. „Paul….er …. Er hat…”schluchzte der Junge. Friedrich nahm den Kleinen auf den Arm und verließ das Haus, bevor der Mistkerl wieder kam. „Ganz ruhig..niemand wird dir was tun….ich werde dich beschützen…” versprach Friedrich und setzte Leo auf die Rückbank des gestohlenen Wagens.

    Am nächsten Morgen kam Semir ins Büro und sah Susanne freundlich an. „Hier….das war letzte Nacht los. Ein Autodiebstahl beim Zirkus Lombard, ein Raub und zwei Unfälle mit Blechschaden…” gab sie bekannt. „Autodiebstahl, okay…sind die Ergebnisse von der Speichelprobe schon da?” wollte er wissen. Susanne verneinte es. „Danke, ist Ben schon da?” harkte Semir nach. Susanne sah zur Uhr. „Um diese Uhrzeit….?” fragte sie lachend. Semir folgte dem Blick. „Du hast Recht ….wie könnte ich das nur denken…” gab er zurück. „Ach so, Frau Winther hat angerufen. Sie erwartet deinen Rückruf und sie sagte es ist dringend..” rief Susanne ihm nach, als er ins Büro ging. Semir hob die Hand dass er verstanden hatte. Sofort griff er zum Telefon und rief Sofie Winther an. „Semir Gerkan hier. Sie wollten mich erreichen?” fragte er als sie sich meldete. „Ja…Leo…er war hier im Zirkus. Ich habe seinen Rucksack gefunden…” erklräte sie aufgeregt. „Dann ist er zurück gekommen. Gott sei Dank…” stieß er aus. „Nein..nein, er ist nicht da, aber er muss hier gewesen sein. Sein Rucksack lag auf dem Boden bei den Tieren. Er muss hier gewesen sein…” widersprach sie sofort. “Okay Frau Winther, ich komme gleich raus….” versprach Semir. Er beendete das Gespräch und gab Susanne den Befehl das Ben hier warten sollte, bis er zurück war. Semir stieg in seinen BMW und fuhr zum Zirkus. Dort ging er direkt zum Wohnwagen wo Sofie und Paul Winther wohnten, doch bevor er anklopfte wurde er Zeuge eines Streites der Eheleute. “Du!!! NUR DU!!! ALLES DREHT SICH NUR UM DICH, Sofie. Denkst du eigentlich auch mal an mich? Weißt du wie ich mich fühlte als Martin weg war? Und jetzt Leo? Ich bin nicht kalt…aber ich denke auch an den Zirkus. Wir müssen weiter!!” hörte er Paul Winther brüllen. “Ich will nur Leo zurück, mehr nicht. Danach können wir weiter. Aber so lange bleiben wir hier!” setzte Sofie dagegen. „Das werden wir nicht und ich denke, du weißt genau wie ich, das Leo längst tot ist. Vergiss ihn.” stieß Paul aus. „Wie kannst du so etwas sagen? Das ist nicht wahr!!!” weinte Sofie. Semir klopfte an.

    Julius wartete auf seine Enkelin, als plötzlich die Türklingel ertönte. „Ah, da bist du...“, er stockte mitten im Satz, als er Ben und einen weiteren Mann vor der Tür sah. Der zweite Mann richtete sofort die Pistole auf Henker und dieser hob erschrocken die Hände. „Er sagt, sie können das Buch hier lesen. Stimmt das?“, wollte Konrad Singer wissen. Julius nickte nur. „Dann los... hier ist das Buch. Sie werden mir helfen, den Schatz aus dem Dom zu finden oder ich töte erst ihn und dann sie.“, fauchte er und drückte den Jungkommissar am Historiker vorbei. Julius Henker ging zurück zu seinem Schreibtisch und schon einen Stapel Papiere über das ,was er recherchiert und übersetzt hatte. Er musste unter allen Umständen verhindern, dass dieser Gangster sich die Geheimnisse des Buches zunutze machte. „Also, los... lesen sie schon.“, fauchte Singer den Mann an. „Ja, aber... wissen sie denn gar nichts über den Fluch?“, fragte Henker und öffnete vorsichtig und unbemerkt eine Schublade an seinem Schreibtisch. „Was machen sie da? Hände weg... Los.“, fauchte Singer und stieß Ben dem Mann so stark entgegen, dass dieser ihn auffangen musste. Dabei riss er aber auch die Unterlagen vom Tisch, die Henker angesammelt hatte. „Ahhh, was haben wir denn hier?“, zischte Konrad und bückte sich nach den Unterlagen. Ben wollte gerade mit dem Fuß ausholen, die Waffe dem Mann aus der Hand schlagen, als sich Konrad erschrocken umdrehte und vollkommen panisch abdrückte. Ein Aufschrei und Ben fiel getroffen zu Boden. „Oh mein Gott... sie haben ihn erschossen.“, stieß Julius aus und wollte sich neben den am Boden liegenden Mann knien, der ohne Bewusstsein war. „Hände weg... sie werden mir jetzt helfen oder ich werde sie töten.“, fauchte er und zog den Mann von Ben weg, nahm die Papiere und stieß ihm zum Wagen. „Los, sie fahren. Ab zum Dom und dann werden wir den Schatz heben.“, fauchte Konrad. „Sie sind verrückt.“

    Die Fahrt ging langsam vonstatten. Der Historiker war schon lange kein Auto mehr gefahren und so waren die Eingewöhnungsschwierigkeiten doch mehr als lästig für Konrad. „Fahren sie ordentlich oder wollen sie, dass wir auffallen.“, stieß er aus und drückte dem Mann die Pistole in die Seite. „Nehmen sie das Ding weg oder wollen sie, dass ich den Wagen gegen eine Laterne setze?“, zischte Henker und betete inständig, dass der junge Hauptkommissar in seinem Haus noch lebte und schnell gefunden werden würde. Der Kölner Stadtverkehr, seit einiger Zeit durch unzählige Baustellen mehr als zähflüssig, war an diesem frühen Morgen mehr als verstopft. Teilweise ging es nur im Kriechtempo voran. Doch nach einiger Zeit erreichten die beiden Männer den Kölner Dom, wo zu dieser frühen Morgenstunde keine Menschenseele war. Nur die vielen Tauben tummelten sich auf den Treppen, die nun beide Männer betraten und dadurch die Vögel aufscheuchten. „Und wie sollen wir da jetzt rein kommen?“, fragte Julius und grinste den Mann schadenfroh an. „Denken sie nicht, ich wäre darauf nicht vorbereitet.“, höhnte Konrad Singer nur und zog einen Schlüsselbund aus der Tasche. Vorbereitend hatte er sich einen Nachschlüssel für die Domtüren machen lassen. „Los, rein da.“, fauchte er den Historiker an, als er das große Portal aufgeschlossen hatte. Die Männer schlüpften durch die Tür und zogen sie hinter sich zu. Doch sie wurden von vier dunkel gekleideten Gestalten beobachtet. Was würde nun passieren?

    Semir sah, wie die Ärzte sich den Schweiß von der Stirn wischten und ihm zunickten. Dann kam der Arzt heraus. „Doc?“, fragte er besorgt. „Sie hatte einen Herzstillstand... Herr Gerkhan... das Kind. Wir wissen nicht, wie lange es noch diesem Stress aushält... Sie müssen sich im Klaren sein, dass das Kind...“, versuchte der Arzt ihm zu erklären. Semir schüttelte den Kopf. „Nein....sagen Sie es nicht... sagen Sie nicht, dass das Kind.... sterben muss... bitte... sagen Sie das nicht....“, weinte Semir leise. Der Arzt lächelte leicht. „Nein... es wird sicher nicht sterben. Sie ist jetzt im siebten Monat und wir können es notfalls holen. Wenn es sein muss. Aber... die Geburt wäre zu viel für ihre Frau in diesem Zustand... es könnte sein, dass Sie sich entscheiden müssen....“, gab der Mann in Weiß zu verstehen. Semir sah zu seiner Frau. Tränen liefen ihm über das Gesicht. „Ich will mich nicht entscheiden... ich will beide haben... ich will es..“, kam forsch aber leise hoffend von ihm. „Sie sollten sich etwas hinlegen... ich habe ein Bett ins Zimmer Ihrer Frau schieben lassen. Sie dürfen bei ihr sein...“, lächelte der Arzt. Semir nickte nur. Er sah nicht, wie der Arzt eine Spritze aufzog und zuckte zusammen, als diese in seinem Oberarm entleert wurde. „Was ist das?“, fragte er erstaunt. „Nur eine kleine Einschlafhilfe....legen Sie sich hin.“, nickte der Arzt ihm zu. Semir tat was der Arzt sagte und legte sich ins Bett. Es dauerte keine zwanzig Minuten bis er völlig weg getreten war.

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    Eine kurze info ; Das ist für eine kurze Zeit mein letzter Teil in der Story, denn am Samstag findet mein Umzug in die neue Wohnung statt. Aber Chris wird so lange weiterposten...

    Ben ist ja wieder auf dem "Gefahr hier bin ich, finde mich"-Trip

    Mal anders gefragt..wann ist er das denn nicht? Also bei mir in der nächsten wird er auch nicht gerade sanft behandelt...(nur mal so als kleiner hinweis)

    Aber trotzdem sollte Semir bei Josh noch ein bißchen rumquengeln.

    Oh ja..das sollte er wirklich..und das ist etwas was er sehr gut kann. Wie so ein kleinkind was keinen Lolly bekomt.
    Chris...weiter aber nicht so langsam!!! ;)

    Friedrich packte die Sachen zusammen. „So…Leo…ich werde dich nun wieder zum Zirkus zurück bringen. Du gehörst zu deiner Mutter und zu Paul. Sie weint sicher schon sehr stark und es ist nicht nötig…“ erklärte er. „Aber, ich will nicht. Ich fehle denen nicht. Sie streiten sich doch wenn ich da bin. Immer wieder und ich stehe da und ….“ weinte Leo, dem es bei dem alten Mann sehr gefiel. Hier wurden seine Sorgen angehört, hier stand er im Mittelpunkt. „Aber du willst doch Dompteur werden. Wie soll das gehen? Hast du denn kein Tier, was dir ans Herz gewachsen ist?“ harkte Friedrich nach und hoffte so Leo überzeugen zu können, dass er bei seinen Eltern am besten aufgehoben war. „Natürlich, da ist der Löwe. Pascha heißt er. Der ist schon doppelt so alt wie ich und ganz lieb…“ erklärte Leo mit tiefer Begeisterung. „Und meinst du nicht, dass Pascha dich vermisst? Wer kümmert sich denn um ihn, wenn du nicht da bist?“ harkte Friedrich nach. Leo sah ihn mit großen Augen an. „Meinst du Pascha könnte jetzt verhungern?“ fragte er besorgt. „Nun vielleicht nicht verhungern, aber auch Tiere trauern und Pascha weiß nicht ob du wieder kommst. Er ist sicher traurig wenn du nicht da bist und dann mag er nicht essen, nicht trinken, kann nicht schlafen und wartet nur auf dich…“ erklärte Friedrich weiter. Er übertrieb dabei extra. Doch genau das schien zu wirken. „Du hast Recht. Pascha könnte mich vermissten. Vielleicht sollte ich wirklich zurück gehen. Aber dann gehe ich allein. Ich will nicht, das du mitkommst..“ betonte Leo. „Gut, aber ich bringe dich bis zum Stellplatz. Du gehst aber allein zurück. Denn es ist schon dunkel und du solltest eigentlich längst im Bett liegen…“ lächelte Friedrich. Leo steckte sich das Stück Brot in den Mund und spülte es mit Kakao runter. „So, dann lass uns mal gehen, Friedrich. Ich will nach Hause. Ich will jetzt zu meiner Mama, aber ich werde ihr sagen, das auch ich sehr traurig bin über Martins Tod…“ erklärte Leo mit fester Stimme.

    Paul fuhr in die Stadt und sah sich um. Doch er sah keines der Kinder allein durch die Straßen laufen. Verdammt, seit die Kinder gefunden wurden, passten die Eltern noch mehr auf ihre Knaben auf. Er brauchte doch nur noch einen, einen einzigen. Dann musste er eh wieder zurück stecken und mit Sofie zufrieden sein. Wenn Leo noch da wäre, dann wäre es sehr gut. Der Junge würde niemals seiner Mutter erzählen was Paul mit ihm machen würde. Aber er ist ja nicht da. Er hat ihn verlassen. Dabei hatte Paul ihn doch nicht einmal angefasst. Ahnte Leo was ihm bevorstand? War er deshalb weggelaufen? Er stöhnte leise auf. Unverrichteter Dinge musste er wieder zum Zirkus zurück fahren und sich irgendwie begnügen mit dem was er hatte. Gerade als er auf dem Zirkusplatz fuhr entdeckte er etwas, das ihm ein Freudestrahl ins Gesicht zauberte. „Da bist du ja…mein geliebter Sohn..“ sagte er leise und ging hinter der kleinen Gestalt her. „Hallo Leo..“ sagte er leise und fasste den Jungen an die Schulter. „Paul hallo….” kam leise von Leo. „Weißt du was du deiner Mutter und mir für Sorgen gemacht hast? Wir haben Angst um dich gehabt! Wo warst du denn?“ wollte er von ihm wissen und ging in die Hocke. Er zog den Jungen fest an sich ran und drückte ihn. „Du tust mir weh..“ beklagte sich der Junge. „Oh pardon, soll ich dir mal was ganz tolles zeigen?“ wollte Paul von dem Jungen wissen. „Was denn?“ harkte Leo nach. „Das ist ein Geheimnism dazu müssen wir weg fahren. Mit dem Auto. Ich will die was ganz Tolles zeigen, aber du darfst nichts verraten..“ ermahnte Paul den Jungen. Leo überlegte kurz und stimmte dann ein. „Aber erst ziehe ich mich um…“ sagte er. Paul schüttelte energisch den Kopf. „Das geht nicht. Wir müssen direkt los, danach kannst du dich doch auch umziehen. Es wird dir sicher gefallen..“ lächelte Paul. Wieder überlegte Leo. „Also gut, aber ich muss vor Mitternacht im Bett sein…“ ermahnte er seinen Stiefvater.

    Unser aufrichtiges Beileid gehört den Angehörigen, die Freunde und Kollegen.

    Wie sagte Semir in einer der Folgen:

    „Einen Kollegen kann man ersetzen aber Freunde nicht....“

    Das gleiche gilt natürlich besonders als Angehörige. Es ist immer schwer einen Verlust hinzunehmen und wir wünschen allen die Kraft dies durchzustehen.

    Jonas und Paul sahen sich an, als die Männer das Zelt betraten. „Sorry, aber es ist noch keine Vorstellung…“ kam sofort von Peter. „Danke, das ist uns bekannt. Semir Gerkan, Kripo Autobahn, das ist mein Kollege Ben Jäger. Wir benötigen von Ihnen beiden eine Speichelprobe, das ein schwerwiegender Verdacht sich gegenüber Zirkusangehörige ergeben hat…“ erklärte Semir ohne näher darauf einzugehen. „Sie meinen die Kindermorde? Ha, ist ja klar. Wenn was passiert dann ist der Zirkus dran schuld. Hey, wir sind normal arbeitende Menschen, keine Monster!“ fauchte Jonas wütend. „Das ist schon klar. Bitte behindern Sie nicht die Ermittlungen und wenn Sie nichts zu verbergen haben, dann können Sie ja ganz beruhigt sein…“ kam von dem Mann, der als Ben Jäger vorgestellt wurde. „Na komm schon Jonas, was ist denn dabei. Wir haben nichts zu verbergen…“ gab Peter zurück. Jonas sah ihn an. „Weißt du was mich ankotzt, als vor zwei Jahren Martin getötet wurde, da hat die Polizei nichts unternommen! Gar nichts, jetzt…ja jetzt sind ja Kinder von normalen Familien betroffen. Da wird dann ermittelt…“ fauchte Jonas wütend. „Herr….?“ fragte der kleinere Polizist nach. „Gerner…Jonas Gerner…“ knurrte Jonas. „Herr Gerner,wir wissen, dass der Täter in dem Fall Martin Winther nicht gefunden wurde, aber es zeigt einiges darauf hin, dass wir nun den gleichen Täter suchen. Und damit hätten wir dann auch Martins Mörder. Also sind Sie mit dem Speicheltest einverstanden?“ wollte der Polizist wissen Jonas sah Peter an und dieser nickte. „Ja okay. Machen Sie schon. Sie werden sehen, dass der Mörder nicht bei uns zu finden ist..“ gab Jonas klein bei. Auch bei Peter wurde eine Probe genommen. „Gibt es hier noch mehr männliche Angestellten?“ wollte der Kleine wissen. „Ja sicher unsere Clowns Sven und Sascha und Arne, unser Manager. Die finden Sie alle dort hinten in Wagen Nr. 7…“ gab Jonas bekannt.

    Semir und Ben gingen zu dem Wagen und klopften an. Ein leises „Ja bitte!“ und sie traten ein. „Hallo zusammen. Semir Gerkan, Kripo Autobahn das ist mein Kollege Ben Jäger. Wir sind hier wegen Martin Winther …“ erklärte Semir diesmal. „Wegen dem Martin? Der ist doch schon zwei Jahre tot. Der Täter konnte nie ermittelt werden..“ kam erstaunt von einem gut sechzigjährigen Mann. „Nun, deshalb ermitteln wir ja. Wie ihnen sicher bekannt ist, sind mehrere Kinder tot aufgefunden worden. Immer wieder Jungs und alle im gleichen Alter….“ fing Semir an zu erklären. „Ach, und Sie suchen den Täter nun bei uns? Fällt Ihnen nichts Besseres ein?“ fauchte der Alte ihn an. Semir lächelte leicht. Er konnte die Leute sehr gut verstehen. Viele behandelten die Zirkusleute wie Zigeuner und vergaßen, dass sie nur ihren Job machten und damit ihren Lebensunterhalt verdienten. „Wir hegen keine Vorurteile. Nur sieht es so aus, dass wir von vielen Männern Speichelproben nehmen müssen, da wir Sperma bei den toten Kindern gefunden haben. Und um den Täter zu stellen wäre es sehr wichtig, wenn wir ….nun ja…“ erklärte Semir weiter. „Ah, na das ist was Anderes. Jungs wir geben unsere Proben ab. Von uns hat niemand was getan…“ befahl der Alte. Die beiden jüngeren Männer nickten nur und öffnete bereitwillig den Mund. Ben nahm die Proben und beschriftete sie. „Sie werden sehen. unter uns ist der Mörder nicht zu finden. Aber wenn Sie ihn haben, dann sollten Sie ihn herbringen. Wir würden ihm gern zeigen was wir mit Kindermörder machen..“ bat der Alte. Semir lächelte milde. „Das geht leider nicht. Selbstjustiz ist in Deutschland strafbar…“ stellte er sofort richtig. „Wir machen doch keine Selbstjustiz. Wir werden nur der Gerechtigkeit gerecht. Wenn Sie so wollen….“ lachte der Alte. „Schon klar…danke für die Mitarbeit…” verabschiedete Semir sich und verschwand mit Ben.

    Ben fuhr schnell und konzentriert die Straße entlang. „So, jetzt sagen sie mir, was diese Brüder von ihnen wollten. Nach der Aufmachung zu urteilen, waren es vier schwarzgekleidete Gestalten in langen Mänteln.“, stieß Ben aus und sah seinen Beifahrer nur an. Dieser blickte auf die Waffe am Gürtel des Kommissars. „Ich... ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Vielleicht sollte ich alleine weiterfahren.“, stieß er aus und wollte an der roten Ampel aus den Wagen springen. Doch geistesgegenwärtig hielt Ben seinen Fahrgast fest. „Wo wollen sie denn hin? Sie werden mir jetzt erklären, was die Männer von ihnen wollten und was sie da haben.“, zischte der Jungkommissar und ergriff die Tasche. Doch der Mann hielt sie ebenfalls fest. Beide zogen so sehr daran, dass es irgendwann der Stabilität der Tasche zuviel wurde und sie auseinander riss. „Was ist das denn?“, fauchte er und sah über den Rand des Wagens. Doch sein Blick war schreckerfüllt, als er sah, was da auf dem Boden lag. „Das... das ist...“, stammelte er und spürte dann einen kurzen Ruck an seinem Gürtel. Er blickte auf und sah in die Mündung seiner eigenen Pistole. „Was soll denn das?“, wollte er vorsichtig wissen. „Sie sind Bulle und damit eine gute Versicherung für mich und mein Vorhaben. Außerdem ist mir mein Helfer weggestorben. Sie werden ihn ersetzen.“, lachte Konrad Singer.

    Doktor Werther sah auf die Werte von Andrea, als er wieder in der Intensivstation stand. „Merkwürdig.“, murmelte er und sah auf das Gerät. Die Werte müssten sich nach der Behandlung eigentlich verbessert haben, dachte er, doch es war anders. Alles auf den Geräten war unverändert. „Herr Doktor... was ist mit Frau Gerkhan?“, wollte die Schwester wissen. Der Arzt blickte sie sorgenvoll an. „Eigentlich sollte das Antibiotika das Fieber senken und das Nasenbluten stoppen, aber immer noch ist alles unverändert.“, erklärte er und sah zur Schwester hinüber. „Was sollen wir jetzt machen?“, fragte sie. Der Doktor konnte nur mit den Schultern zucken. „Hoffen wir, dass sie bald wieder gesund wird.“, meinte der Arzt und ging wieder aus dem Zimmer. Die Schwester nickte nur und wischte mit einem feuchten Lappen die Stirn der Patientin ab. Doch es war ein Tropfen auf dem heißen Stein. Der Lappen brachte nur die augenblickliche Kühlung. Es war nicht dauerhaft. Immer wieder wälzte sich Andrea hin und her. Die Augen waren fiebrig und sie zitterte wie Espenlaub. „Arme Frau Gerkhan...“, kam es nur von der Schwester. Sie wandte sich zum Gehen und ließ die Patientin allein zurück. Allein mit ihren heftigen Fiberstößen und den dadurch verbundenen Träumen. „Semir... Semir... Aida...“, murmelte Andrea immer wieder vor sich her und schmiss sich nach links und rechts. Ihr Traum war heftig. Sie war in einem großen, hohen Raum, doch was war das? Überall brannte es und Semir lag unter einem großen Balken begraben. „Semir... Semir...“, murmelte sie immer und immer wieder. Ihr war heiß und kalt zugleich. Dieser Traum brachte sie beinahe um den Verstand. Würde sich das Ganze bewahrheiten?

    Julius Henker saß über dem Buch und kritzelte mit seinem Bleistift ein Wort nach dem anderen auf einen Zettel nieder. „Was für eine Plackerei.“, stieß er aus, warf seinen Bleistift hin, schob die Brille auf die hohe Stirn und rieb sich müde die Augen. Wieder blickte er auf das Buch, wo er sich immer wieder Notizen machte und die Übersetzung des mittelalterlichen Latein anfertigte. „Ich mach mir jetzt einen Tee.“, knurrte er und wollte aufstehen. Sein Blick fiel unweigerlich auf eine Stelle, die er fast übersehen hätte. Seine Sinne wurden neugierig und schon saß er wieder über dem Buch und übersetzte den Part, der ihn ins Auge gestochen war. „Der Fluch berührt den, der mit reinen Händen und klaren Augen das Buch der Bücher berührt. Seid daher unrein und blind, solltet ihr versuchen das Buch zu lesen.“, stand plötzlich auf seinem Übersetzungszettel. „Das ist es... Das ist es... So muss man das Buch lesen.“, feierte er und griff zu seinem Handy. „Laura...mein Schatz...hier ist dein Opa...“, sagte er sanft. „Opa...wie geht es dir?“, hörte er sie sagen. „Mein Schatz...ich brauche deine Hilfe bei einer meiner Arbeiten...ich brauche dich....hörst du...?“, fragte er. „Aber Opa...ich bin doch noch ein Kind...ich gehe zur Schule und...“, erklärte seine Enkelin, die 15 Jahre alt war. „Genau deshalb brauche ich dich... ich brauche deine Unschuld...“, versuchte er dem Kind zu erklären. „Aber Opa.....wie willst du das denn machen....“, lachte das Mädchen. „Nein...du hast mich falsch verstanden. Laura...ich brauche dich als Person. Du hast doch mal gesagt, dass du meine Arbeit entdecken willst... nun, ich biete dir die Chance...aber du musst dich entscheiden....und zwar sofort...“, stellte Julius seine Enkelin vor die Wahl.

    Paul Winther sah nach den Tieren. Verdammt wo steckte Sofie nun schon wieder? Es waren doch ihre Tiere und sie musste sie versorgen, doch seit sie wieder auf Tour waren wurde sie immer merkwürdiger. Martins Tod war immer noch im Vordergrund. Und nun war auch noch Leo verschwunden. Natürlich konnte er nachvollziehen, dass sie um die Kinder trauerte und auch er litt darunter das Leo nicht mehr da war. Leo, dieser süße Blondschopf, mit diesem Lächeln und diesem Selbstbewusstsein. Leo war nie wie Martin. Martin war schwach und konnte sich nicht wehren. Ob Leo wohl...nein…nein…Leo nicht. Leo war stark und ließ sich nicht beherrschen, doch genau das war auch der Reiz den er brauchte. Er musste Leo finden, damit Sofie wieder glücklich war. Wenn Leo nun auch starb würde der Zirkus wieder für eine lange Zeit nicht auf Wanderschaft gehen. Das ging nicht. Er brauchte diese Reisen. Er musste dafür sorgen, dass Leo wieder kam. „Paul?“ riss ihn die Stimme seiner Frau aus den Gedanken. „Sofie!!! Wo warst du denn? “ fauchte er sie an. „Ich...ich...war aus. Ich musste mal abschalten..“ erklärte sie. Sie wandte sich zum gehen. Er hielt sie fest. „Sofie, ich liebe dich, aber so geht es nicht weiter. Wenn du dir nicht endlich Hilfe nimmst um die Trauer zu bewältigen, dann bleibt mir nur ….“ Warnte er sie. Sofie wischte die Hand weg. „Was? Willst du dich von mir scheiden lassen? Nur zu!!! Lasst mich alle allein!!! Lasst mich alle in meiner Trauer allein!!!“ weinte sie und rannte aus dem Zelt. „Sofie!!! Nein, das war nicht so gemeint. Nun warte doch!!” versuchte er sie zu beruhigen und rannte hinterher. Sie waren nun in Solingen. Das war ihre letzte Station und er spürte dass der Stress, den er nun wieder ausgesetzt war seinen Tribut zollte. Er musste heute wieder los. Das war seine letzte Chance, seinem inneren Drang zu stillen.

    Semir und Ben fuhren zum Zirkus und trafen auf Paul Winther der wohl gerade weg wollte. „Semir…der Wagen von dem trägt den Zug des Zirkus…“ gab Ben zu bedenken. Semir nickte und stellte sich so, dass der Wagen nicht weg konnte. „Hey, ich muss weg!!“ beschwerte sich Winther. „Einen Augenblick bitte, Herr Winther. Wir müssten ein paar Fragen stellen..“ erklärte Semir und zeigte seinen Ausweis vor. „Ah, Sie sind es. Wie kann ich helfen?“ wollte PaulWinther freundlich wissen. „Nun,wir haben da eine kleine Frage. Dieser Wagen hier, kann jeder aus dem Zirkus ihn fahren?“ fing Ben an. „Nun ja, der Schlüssel steckt immer. Also ja, jeder der einen Führerschein hat, kann ihn nehmen und fahren…“ nickte Paul. „Wer ist denn gestern Nacht so gegen zwei damit gefahren…?“ harkte Semir nach. Paul lächelte. „Nun…wir führen kein Fahrtenbuch, aber ich lag um diese Zeit im Bett. Vielleicht fragen Sie mal Peter und Jonas….“ schlug Paul vor. Semir lächelte und nickte. „Danke für die Auskunft. Noch eine Bitte. Wären Sie mit einem Speicheltest einverstanden?“ bat Semir fragend. Paul sah ihn an. „Warum?“ wollte er wissen. ““Nun…es ist in dem Fall wichtig ...” wich Semir aus Paul zuckte mit den Schultern. „Klar, ich hab nichts zu befürchten…“ lachte er und ließ sich eine Speichelprobe entnehmen. „Wo finden wir die anderen Herren?“ harkte Ben nach. „Die dürften in der Manege zum Proben sein. Wir haben heute Abend die letzte Vorstellung. Danach geht es wieder ins Quartier für sechs Wochen…“ erklärte Paul Winther. „Danke für die Auskunft…“ verabschiedete Semir sich und ließ nun auch Paul Winther fahren. Ben sah ihm nach. „Ein netter Zeitgenosse…..“ meinte er nur. Semir nickte. „Ja und sehr zuvorkommend…” stimmte er zu. Sie wandten sich dem Zelt zu und gingen hinein.

    „Was konnte er dir sagen?“ wollte Semir wissen und hielt sich den Schädel. „Na, du wirst dich erst mal hinlegen. Semir du bist ganz blass…“ kam besorgt von Ben. „Wenn du mir nicht sofort sagst, was er gesagt hat, dann frage ich ihn selbst!“ fauchte Semir. „Also gut, er hat einen Wagen gesehen, der auf der Seite einen Schriftzug vom Zirkus hatte, der vor wenigen Tagen hier gastierte. Er ist sich sogar sicher, dass der Kerl ein Kostüm angehabt hatte. Clown Oder so…“erzählte Ben. Semir sah ihn an. „Der Zirkus? Das wäre eine Möglichkeit, die ich jetzt noch gar nicht in Erwägung gezogen habe. Aber das würde passen, lass uns gleich mal eine Liste machen mit den verschwundenen Kindern, den Fundorten der Leichen und den Reiseweg des Zirkus. Wenn das was der Penner sagt, wahr ist, dann... Verdammt, daran will ich eigentlich nicht denken, aber dann könnte einer aus dem Zirkus der Kinderschänder sein…“ stieß Semir aus. „Ja das wäre eine Möglichkeit…“ bestätigte Ben. Endlich hatten sie eine Spur. „Aber warum wurde Horn dann befreit?“ wollte er wissen. Semir sah ihn erneut an. „Das weiß ich nicht…“ gab er zu. Sie fuhren zur PAST um den Plan den sie gefasst hatten zu überprüfen. „So, angefangen hat der Zirkus in Essen. Dort verschwand Simon Meesters. Dann ging es nach Köln. Von dort nach Oberhausen wo wir Simon Meesters Leiche fanden. Tobias Schneider ist aus Oberhausen verschwunden und als vermisst gemeldet.“ zählte Semir auf. „Und ihn haben wir an der A3 in Richtung Solingen gefunden…“ gab Ben bekannt. Semir sah ihn an. „Oh verdammt….“ stieß er aus. Er atmete tief durch und machte sich an der Aufzählung ran. „Okay, der Zirkus zog weiter nach Düsseldorf, wo Marlon Brandt verschwand. Dessen Leiche haben wir am der Autobahn nach Wuppertal gefunden, wo der Zirkus ebenfalls gastierte. Dort verschwand Erich Kleppter. Ben, das ist es. Einer aus dem Zirkus….“ stieß er aus und sah seinen Partner an. Ben zog die Schultern hoch. „Dann müssten wir einen Speicheltest von allen männlichen Zirkusangehörigen durchziehen. Und diese mit dem Sperma abgleichen…“ dachte Ben nach. „Genau, und das werden wir jetzt auch tun…“ gab Semir bekannt.

    In der PAST mussten sie zu Kim Krüger die in ihrem Büro saß. „Ist sie sauer?“ wollte Ben vorher wissen. Susanne lächelte leicht. „Nicht weniger als sonst..wenn ihr ein Auto schrottet.“ Gab sie bekannt. Semir verzog das Gesicht. „Mir ist übel…. Ich glaub ich lege mich doch hin..“ stöhnte er. Ben sah ihn an. „Oh nein….diese Scheiße bade ich nicht allein aus!“ protestierte er und zog Semir mit. Artig klopfte er an. „Ja bitte!“ hörten sie von Kim. „Chefin….Sie wollten uns sprechen?“ fing Ben an. Kim sah ihn an. Die Augen verengten sich. „Allerdings!!! Was zum Teufel fällt Ihnen ein, wieder Ihren Kopf durchzusetzen? Ich sagte doch, dass Sie beide…ich wiederhole mich auch gern….für Kleinkinder wie Ihnen erklärte ich es genau…Sie Beide heißt das Sie Ben und Sie Semir zusammen fahren!!! Nicht allein!! Jetzt ist dieser Horn auf freiem Fuß und kann sich erneut ein Kind holen! Haben Sie damit erreicht, was Sie wollten?“ schrie Kim wütend. Semir hielt sich die Ohren zu. Natürlich bemerkte Kim es. „Was soll das?“ fauchte sie ihn an. „Mein Kopf….ich bin niedergeschlagen worden und mit Chloroform betäubt….dieser Horn wurde sicher nicht befreit obwohl er von mir wollte, das ich auf den Parkplatz fahre. Er wollte austreten..“ stöhnte Semir leise. „Das darf doch wohl nicht wahr sein…..Ben..wenn Sie dabei gewesen wären, dann wäre Semir das erspart geblieben! Was zum Teufel dachten Sie sich?“ fauchte Kim erneut und sah Ben eindringlich an. „Das ist einfach so gewesen, das wir zwei Spuren hatten. Eine Spaziergängerin hat ein Shirt von Leo Winther gefunden…wir wollten es untersuchen lassen und…“ erklärte Ben nun. Kim sah ihn an. „Ist es eins von ihm gewesen?“ fragte sie leise. „Ja…Seine Mutter hat es eindeutig erkannt. Wir haben sogar die Vermutung, das der Zirkus viel tiefer darin steckt. Daran wollten wir nun arbeiten..“ erklärte Ben vorsichtig.

    „Das ist gar nicht gut... Sehen Sie was Sie mit Ihrem Anfassen angestellt haben?“, fauchte Julius leise. „Was??? Ich??? Aber ich hab doch ….Sie meinen das ist der Fluch?“, harkte Ben nach. Julius nickte. „Semir...das ist dieser Historiker...Julius Henker...“, stellte Ben den Mann vor. Semir nickte nur kurz und sah Ben an. „Andrea ist sehr krank....sie muss hier blieben...“, stieß er leise aus. „Hier ist sie besser aufgehoben...Herr Henker meint übrigens, dass ich Schuld daran habe, das Andrea krank ist... er sagt auch dass es der Fluch ist.“, erklärte Ben. Semir rollte die Augen. „Ben...bitte...ich habe jetzt wirklich andere Sorgen als mich mit dem Fluch zu beschäftigen...“, knurrte er wütend. Er ließ Ben einfach stehen und ging auf den Parkplatz. „Semir!! Nun warte doch mal!! Henker hat mir erklärt, wie es ausgehen kann und....ich meine...ich hab...als ich vor seiner Tür stand.....einen Tagtraum gehabt und da hab ich Andrea bluten sehen...du hattest die Hände voller Blut und ich dachte....“, versuchte Ben zu erklären. Semir blieb stehen. „Ben...zum letzten Mal...es gibt keinen Fluch! Kapier das endlich. Der Doc hat mir gesagt, dass das, was Andrea hat, normalerweise im Mittelmeerraum zu finden ist... und wir hatten Urlaub in Ägypten gemacht... das liegt zufällig am Mittelmeer... dort wird sie sich vermutlich infiziert haben und die Krankheit dauert, bis sie ausbricht... also ganz natürlich... und kein Fluch.... und nun hör auf davon zu reden!!“, fauchte Semir ihn an.

    Margot wartete zuhause mit Aida auf die Rückkehr von Semir. Endlich hörte sie den Schlüssel. „Nein...Ben...nein.... es ist nichts und hat nichts damit zu tun.... ich will nichts mehr hören...“, hörte sie ihn sagen. „Semir? Was ist mit Andrea?“, unterbrach Margot das Gespräch mit dem Kollegen. „Sie hat Kalamara....“, erklärte Semir. „Was ist das?“, wollte Margot wissen. „Guten Abend gnädige Frau....Seine Frau hat Kala-Azar... das ist eine bakterielle Erkrankung und sie wird im Krankenhaus bleiben. Dort ist sie in guten Händen.... entschuldigen Sie.... ich bin Julius Henker... Historiker von Beruf...“, stellte Julius sich vor, denn Semir redete schon wieder mit Ben. „Oh das hört sich gar nicht gut an...“, stieß Margot aus. „Historiker ist eine sehr schöner Beruf....man hat immer mit der Vergangenheit zu tun und man vergisst dabei, dass man selbst schon antik ist...“, lächelte Julius. „Das mein ich doch gar nicht...ich meine die Krankheit...“, berichtigte Margot ihn. Julius lächelte nur kurz. „Hören sie... kann man diesen ganzen Zauber nicht brechen?“, wollte Ben wissen und sah zu Semir, der gedankenverloren in die Gegend sah. Doch dann fuhr er auf. „Ben... hör auf damit. Es gibt diesen Fluch nicht. Mach dich nicht verrückt und vor allem, mach mich nicht verrückt. Ich verlier schon den Verstand.“, zischte Semir und ließ seinen Kopf in den Schoß sinken. Margot kam auf ihn zu. „Komm Semir, ich mach dir schnell was zu essen. Du musst bei Kräften bleiben.“ Dann wandte sich an Ben und Julius Henker. „Bitte, gehen sie jetzt und führen sie ihr abergläubisches Geschwafel woanders weiter.“, bat sie energisch und strich ihrem Schwiegersohn aufmunternd über die Schultern. Ben nickte und schob den Historiker zur Tür raus.

    Regen und Donner, Blitz und dichte Wolken. Das Wetter wurde diese Nacht nur von einem bestimmt. Regen, Regen und nochmals Regen. Pladdernd fiel das aus dem Himmel strömende Nass gegen die Fensterscheiben des einsam stehenden Hauses von Julius Henker. Innen drin jedoch war alles Lebende noch auf den Beinen, obwohl die nahe gelegene Kirchturmuhr gerade die zweite Morgenstunde geschlagen hatte. Ben hielt sich nur noch mit viel Kaffee und dem Willen, diesen Fluch zu brechen, auf den Beinen. Julius warf ein Buch nach dem anderen von seiner Stehleiter auf seinen Schreibtisch und rief immer wieder „Nein“ aus, wenn er das nicht fand, was er suchte. „Herr Henker, wonach suchen wir eigentlich?“, wollte Ben wissen und sah zu dem alten Kauz hoch. „Nach einem mittelalterlichen Rezept für Steinpilzsuppe.“, entgegnete er. Ben hielt inne und sah ihn an. „Natürlich nach der Aufhebung des Fluches. Ich hatte irgendwo eine Aufzeichnung eines Mönches, der einen Mitbruder von dem Fluch befreien konnte... Ah, da ist es.“, stieß er aus und stieg mit einem unhandlichen, in Lederumschläge eingebettetes Buch in den Armen von der Leiter. Ben stellte sich interessiert hinter dem Historiker. „Hmm, ich muss es erst übertragen... Das kann dauern.“, meinte der Mann nachdenklich. Entgeistert sah Ben den Mann an. „Was? Ich muss nun noch länger mit dem Fluch behaftet bleiben?“, stieß er aus. „Jetzt regen sie sich mal ab. So schlimm wird’s nicht.“ „Haben sie einen an der Waffel? Sie haben doch gesehen, was ich im Krankenhaus angerichtet habe.“, fauchte der Jungkommissar. „Okay, okay... kommen sie morgen Abend wieder. Bis dahin dürfte ich es geschafft haben.“, versicherte Julius. Ben nickte ergeben und fuhr vollkommen übermüdet nach Hause. Er wusste noch nicht, dass dieser Tag ihm mehr bringen sollte, als die anderen Tage.

    Ben grinste leicht als er sah, wie schnell die Leute auf einmal wieder in die Fahrzeuge stiegen und abfuhren. Er mochte diese Gaffer genauso wenig wie Semir. Sie störten und fotografierten Sachen die nicht fotografiert werden durften oder sollten. Sie vernichteten Spuren und behinderten die Leute die hier arbeiten mussten. Während Semir die Leute vertrieb ging er zu dem Gerichtsmediziner, der nicht weit von den Büschen hockte. „Hallo Mark…was haben wir?“ fragte er und wies auf die Plane. „Ein Junge, ca. 9 höchstens 10 Jahre alt. Er heißt Erik Sommer und wohnt in Düsseldorf. Er hatte einen Kinderausweis dabei. Zwei Kollegen sind bereits unterwegs um die Eltern zu informieren. Der Junge ist wie auch die anderen Opfer grausam zugerichtet und missbraucht worden. Auch er scheint über einige Tage hinweg gefesselt gewesen zu sein.“ erklärte der Arzt im Telegrammstil. „Okay…Spermaspuren?“ harkte Ben nach. „Das kann ich dir erst nach der Obduktion sagen. Aber da hinten der Penner behauptet dass er gesehen hat, wer den Jungen abgelegt hat…“ erklärte Mark Stahl. „Danke…“ murmelte Ben und ging zu dem Obdachlosen, der auf einer Bank saß. „Hallo, ich bin Ben Jäger von der Kripo Autobahn. Sie haben gesehen wie das Kind hier abgelegt wurde?“ harkte er nach. Der Mann nickte. „Haben Sie was zu trinken für mich?“ bat der Penner. Ben hielt ihm eine Flasche Wasser hin. Doch der Mann lehnte ab. „Ich will mich nicht vergiften...“ behauptete er. Ben lächelte. „Okay, ich mache Ihnen einen Vorschlag. Sie sagen mir was Sie gesehen haben und ich schenke Ihnen eine Flasche von dem Fusel den Sie trinken wollen...“ bot er an. Der Mann überlegte und willigte ein.

    „Ich kenne keinen Martin, ich…ich…“ stammelte Horn. Er wurde von dem Mann auf einen Stuhl gezwungen der mit Hand- und Fußfesseln aus Eisen versehen war. Horn wehrte sich nicht. „Was wollen Sie von mir? Ein Geständnis? Das gebe ich Ihnen, ich habe Kinder geliebt, ja…aber ich habe keines der Kinder getötet! Einer war schon tot…als ich….als ich….” verteidigte Horn sich. „Halten Sie den Mund! Sie haben Kinder missbraucht!! Sie haben Martin getötet und andere Kinder. Wo ist Leo?“ fragte die Frau fauchend. Sie legte ihre Hände an zwei Knüppel die vor ihr in einem Tisch eingelassen waren. „Was haben Sie vor?“ fragte er ängstlich. „Wo ist Leo? Ich wiederholte die Frage nicht noch einmal…” warnte Sofie. „Ich kenne keinen Leo!! Ich schwöre es!!“ kam von Horn. Doch direkt mit dem letzten Wort spürte er einen heftigen Schmerz und schrie auf. „Wo ist Leo?“ kam die kühle Frage von Sofie. „Ich...ich...kenne keinen Leo. Ich schwöre es, ich kenne den Jungen nicht…“ weinte Horn. Wieder schrie er auf, denn Sofie drückte den Hebel erneut hoch. Strom jagte durch den Körper des Kinderschänders und er zog sich bei jedem Schlag zusammen. „Wo ist Leo?“ wiederholte sie. So ging es gut eine halbe Stunde, denn Sofie dosierte die Stromschläge so, dass sie zwar schmerzten aber nicht zur Bewusstlosigkeit führten. Horn schrie und schwor seine Unschuld. Sofie hatte kein Mitleid mit dem Mann, der Kinder als Lustobjekt sah. „Gibst du zu, meinen Martin getötet zu haben?“ fragte sie nach einer Weile. Horn weinte, er zitterte und spürte jeden Nerv in seinem Körper. Um Erlösung zu bekommen hätte er nun alles zu gegeben. „Ja…ja…bitte hören Sie auf…bitte…ich habe ihn getötet…ich habe ihn getötet…“ stöhnte er. Sofie sah ihn an. Sie schloss die Augen. „Dann bekommst du nun die Quittung für die Tat…” sagte sie und drehte den Strom voll auf. Horn schrie und sackte zusammen. Sie sah hart auf dem Mann der ihr den Sohn genommen hatte. „Wenn du wieder wach bist, wirst du mir sagen wo Leo ist…“ versprach sie und sah ihren Helfer an. „Ich will, dass er versorgt wird. Ich bin morgen wieder da und dann geht es weiter...“ befahl sie. Müller nickte. Er löste die Hand- und Fußfesseln und zog dem bewusstlosen Horn vom Stuhl. Achtlos ließ er ihn in einem Käfig fallen und schloss die Tür.

    Ben steuerte seinen Wagen zu der angegebenen Adresse. Als er vor dem Haus parkte, wurde er auf einmal müde, sein Kopf fiel aufs Lenkrad und schon in der nächsten Sekunde war Ben eingeschlafen. Doch es war kein tiefer Schlaf. Ben bewegte sich wie im Nebel und durchwatete ein Zimmer. Plötzlich stand er in einer großen Blutlache und folgte dieser automatisch. Plötzlich sah er Andrea am Boden liegen, um ihr herum Blut und daneben Semir sitzen ,seine Hände voll Blut und wie gebannt sah er zu Ben hoch. „Warum hast du das getan?“, fragte er ihn. Plötzlich schreckte Ben aus seinem Schlaf wieder hoch, als hätte ihn ein Blitzschlag getroffen. Was war das gerade? War das ein Traum oder ein Blick in die Zukunft? Er wusste es nicht. Hoffentlich würde dieser Historiker ihm eine Antwort geben können.

    Ben stieg aus und klingelte bei dem Namen Henker. „Was für ein toller Name für einen Historiker...richtig passend.“, knurrte er leise. Ein alter, knorriger Mann öffnete die Tür. „Ja?“, fragte der Kauz. „Ich suche den Herrn Henker...“, erklärte Ben und stellte sich vor. „Der steht vor Ihnen...Julius Henker...aber keine Angst...bisher habe ich meinen Namen noch nicht umgesetzt...“, grinste der Alte. „Das beruhigt mich jetzt ungemein...“, meinte Ben nur. „Was führt die Polizei zu mir?“, wollte Henker wissen. „Es geht um ein Buch.....von Amadeus Romanus Lauch von Baldarin“, gab Ben bekannt. „Sie meinen DAS BUCH!!! Es ist DAS BUCH!!! Sie sollten nicht so abfällig von diesem Buch sprechen... es verdient unsere Ehrfurcht...“, kam erbost von dem Alten. „Es ist ein Buch.....auf dem ein Fluch lastet...“, kam von Ben. „Nein...das ist nicht richtig....nicht auf dem Buch liegt der Fluch... Jeder, der es anfasst wird von einem Fluch belegt, den der Schreiber in seinen Zeilen gelegt hat. Passen Sie auf... es geht so... mit jedem Wort welches der Schreiber zu Papier bringt, sagt er eine Formel und je mehr er schreibt um so intensiver wird der Fluch. Doch damit hat sich Amadeus nicht zufrieden gegeben, denn er hat den Fluch auch auf das Umfeld des Frevlers gelegt. Das heißt jeder, der mit einer Person, die das Buch berührt oder gar gelesen hat, bekannt ist, wird vom Unheil heimgesucht.“, kam verschwörerisch von dem Alten. Bei den Worten hob er die buschigen Augenbrauen. Ben sah ihn irritiert an. „Was ist, wenn derjenige, der das Buch berührt hat, weil es bei einem Unfall zum Beispiel aus seiner Box gefallen ist....und es nur wieder hinein gelegt hat?“, wollte Ben wissen. „Sie meinen, ohne zu lesen was darin steht?“, harkte der Alte nach. Ben nickte. „Da ist, denke ich, kein Unterschied. Um das Buch berühren zu dürfen, muss man eine besondere Formel sprechen...“, erklärte der Alte.

    Ben sah ihn unentwegt an. Der Alte hatte eine ziemlich ungewöhnliche Art über diese Dinge zu reden. „Ja, aber was ist, wenn es unwissentlich geschah?“, wollte Ben wissen. Der Alte grinste leicht. „Woher soll das Buch wissen, dass derjenige, der es gerade öffnet, keine bösen Gedanken hegt?“, stellte er die Gegenfrage. Ben schloss die Augen. „Ich habe es angefasst, als es bei einem Überfall den Gangstern quasi runtergefallen ist. Ich hab es nur in die Kiste zurück getan und es hatte geglüht...es war...“, versuchte Ben es nun direkt. „Das ist nicht gut....das ist gar nicht gut....“, stöhne der Alte. Ben wurde es heiß. „Was soll das heißen?“, fragte er heiser. „Mein Tee....er ist kalt...wie soll er denn wirken, wenn er nicht heiß ist...?“, grinste der Alte und wies auf die Tasse. „Ich meine das Buch!“, stieß Ben aus. „Oh ja.... das Buch....nun ja....Wenn Sie eine gute Seele haben, dann dürfte nichts passieren....wenn Sie jedoch böse Gedanken hegen, dann machen Sie sich bereit...“, kam von Henker. „Worauf bereit?“, wagte Ben heiser zu fragen. „Auf den Tod...mein Freund... denn das ist die Strafe für alles Böse, was sich dem Buch bemächtigt.“, kam verschwörerisch von dem Alten. „Was kann man denn gegen das Buch tun?“, wollte Ben wissen. „Gegen das Buch? Gar nichts....aber gegen den Fluch.....da hilft nur Beten....beten...beten....“, der Alte machte eine Pause. „Das hilf?“, fragte Ben hoffnungsvoll. „Keine Ahnung... kann sein...ich meine, die Kirche sagt ja immer, wer betet dem wird vergeben....aber ob das bei dem Fluch hilft... probieren Sie es doch aus...“, schlug der Alte vor. „Sie können mir also nicht sagen, wofür man diese Sachen die dort geschrieben stehen nutzen kann?“, wollte Ben wissen. Er rieb sich die Augen. „Das hab ich nicht gesagt....bisher haben wir nur über den Fluch gesprochen...“, grinste Henker. „Herr Henker....ich muss wissen, warum die Gangster sich dieses Buch ausgesucht haben. Es ist seit gestern Nacht in der Hand von Unbekannten...“, erklärte Ben. „Das ist nicht gut...das ist gar nicht gut... Also Amadeus war ja ein Alchemist....er hat Formeln in das Buch geschrieben... mit seinem Blut....wissen Sie... er hat sich in die Finger gestochen...das Blut gesammelt und dann mit einer Gänsefeder auf das Papier gebracht....Eine sehr schmerzhafte Art und Weise ein Buch zu schreiben.....da finde ich doch heute den PC und seine Tastatur viel besser...“, scherzte der Alte.

    Leo sah den alten Mann an, bei dem er nun schon einige Tage war. „Was machst du eigentlich?“ wollte er von seinem neuen Freund wissen. „Oh, ich mache nicht mehr viel. Meine Frau und meine Kinder wollen nichts mehr mit mir zu tun haben. Früher war ich sogar Lehrer an einer Schule für hochbegabte Kinder. Aber dann, bin ich abgestürzt und habe immer mehr getrunken. Mein Leben war ein Trümmerhaufen und als meine Frau mich verließ, war ich noch übler dran. Das Leben hatte für mich keinen Sinn mehr. Doch vor kurzem habe ich dann ein Erlebnis gehabt, was mich umgedreht hat. Das Leben lohnt sich. Egal was man macht, das weiß ich jetzt. Aber nun sag mir, warum du nicht wieder nach Hause willst. Ist es so schlimm beim Zirkus?“ wollte Friedrich wissen. Leo sah ihn an. „Das ist nicht der Zirkus. Meine Eltern…. Vor zwei Jahren wurde mein Bruder Martin tot aufgefunden. Er war gerade neun Jahre alt. Meine Mama sagt, er ist missbraucht worden. Ich weiß nicht genau was das ist, aber Martin ist tot und Mama hat sehr geweint. Sie hat sehr lange geweint, Tag und Nacht. Nur, wenn wir eine Vorstellung hatten, lachte sie. Aber das war nur Show, so wie alles dort.“ beklagte Leo sich. „Und dein Papa?“ harkte Friedrich nach. „Mein wirklicher Papa ist vor gut fünf Jahren in der Manege gestorben. Er war Trapezkünstler und eines Tages ist er abgestürzt. Ich war gerade vier Jahre alt…“ erzählte Leo. „Und du hast getrauert um Martin und keiner hatte es gesehen oder?“ harkte Friedrich nach. Er wusste, dass der Junge zu seinen Eltern zurück musste und er wollte ihn dazu überreden. „Denkst du nicht, dass deine Mama um dich Angst hat?“ harkte er nach. „Nein, sie ist zu sehr mit der Trauer um Martin beschäftigt….“ meinte Leo nur. „Ich denke, sie weint um dich. Du bist doch auch ihr Kind. Hast du denn einen neuen Papa?“ ging die Befragung weiter. „Ja den Paul, er ist ganz nett, aber nicht mein Papa. Aber er hat mich sehr lieb…“ erklärte Leo weiter. „Und hast du deinen Stiefpapa gern?“ kam die nächste Frage. Leo zog die Schultern hoch. „Ich weiß nicht…Paul ist okay, aber er ist nicht mein Papa, auch wenn ich mich nicht so genau an ihn erinnern kann. Martin hat mir ganz oft von ihm erzählt, aber Martin ist ja tot…“ Leo fing an zu weinen. „Ah mein Junge, weine nur. Das tut manchmal sehr gut. Weinen befreit und morgen sieht die Welt schon anders aus…“ tröstete Friedrich ihn.

    Ben fuhr mit Semir, der sich gegen den Ratschlag des Arztes sich untersuchen zu lassen sträubte, zur PAST. „Der Wagen war ein weißer Mercedes..älteres Modell. Das Kennzeichen war Köln, das weiß ich...“ gab Semir von sich. „Und weiter? Semir, es gibt tausend weiße Mercedes in Köln…“ kam von Ben. „Ich weiß, oh…Ben..fahr rechts ran...bitte...“ stöhnte Semir plötzlich. Ben sah ihn an. „Alles in Ordnung?“ fragte er besorgt. Semir schüttelte den Kopf und würgte. Sofort fuhr Ben auf den Standstreifen und Semir sprang raus. Er würgte und übergab sich am Straßenrand. Ben wartete bis er wieder saß. „Okay, ab ins Krankenhaus...“ meinte er nur. „Nein..nein, das ist nicht nötig. Mir war nur übel von dem Chloroform...“ lehnte Semir ab. „Du hast eine Gehirnerschütterung. Das hat der Doc auch gesagt und solltest liegen...“ ermahnte Ben ihn. „Ich nehme gleich zwei Aspirin und dann ist gut…“ widersprach Semir. „Warum bist du denn so verbohrt?“ stöhnte Ben leise. „Weil niemand Semir Gerkan niederschlägt, betäubt und dann einfach liegen lässt. Niemand verstehst du? Niemand…!“ fauchte Semir wütend. Ben lachte leise. „Häuptling türkischer Hengst ist in seinem Ego angegriffen. So was aber auch...“ gab er von sich und sah auf die Straßen. „Ben, Semir…wir haben erneut ein Kind gefunden, am Rastplatz „Drei Eichen“ aber diesmal haben wir einen Zeugen. Und wenn ihr zurück kommt wartet die Chefin auf euch…“ hörten sie Susannes Stimme aus dem Funk. „Worauf wartest du noch…hin!! Gibt Gas!!“ fauchte Semir seinen Partner an. „Ja doch….“ knurrte Ben zurück. Dass Semirs Laune sich änderte war nur verständlich. Sie kamen an und sahen schon die Traube der Menschen die sich dort eingefunden hatten. Viele waren Autofahrer die sich an der Situation ergötzten. Semir ging sofort zu den uniformierten Kollegen und nahm das Megaphon an sich. Er stellte sich auf das Dach des Streifenwagens und legte es an. „Alle die hier nichts zu suchen haben und nur gaffen wollen sind aufgefordert umgehend den Ort zu verlassen. Jeder, den ich in den nächsten fünf Minuten noch hier antreffe, wird wegen Behinderung der Rettungskräfte in Haft genommen und hat mit einem erheblichen Bußgeld zu rechnen!“ sagte er.

    Sofie fuhr zum Treffpunkt und musste dort eine geraume Zeit warten. Ihr Handy klingelte. „Paul? Ist Leo wieder da?” fragte sie sofort. „Nein. Wo bist du?” wollte ihr Mann wissen. „Ich bin noch unterwegs, verspäte mich ein wenig. Ich suche meinen Sohn in der Stadt und versuchte heraus zu finden, warum er weg gelaufen ist. Ich habe Zettel in der Stadt ausgehangen…“ erklärte sie. „Das ist gut, aber wo genau bist du? Ich kann dir helfen..“ schlug ihr Mann vor. „Nein, nein…kümmere du dich um die letzte Vorstellung.“ bat sie ihn. „Sofie, bitte tu nichts unüberlegtes. Die Polizei findet Leo schon…“ erklärte er leise. Sie hörte genau die Angst die in diesen Worten lag. „Keine Sorge, ich tue nichts was andere Mütter nicht tun würden...“ beruhigte sie ihn und beendete das Gespräch, denn sie sah den Wagen ankommen. Mit verschränkten Armen stand sie in der Halle und sah die Männer an die aussteigen. Einer von ihnen war gefesselt. „Ist er das?“ wollte der Mann wissen. Sofie sah ihn an. „Ja, das ist das Schwein…“ bestätigte sie. „Wo ist mein Sohn?“ fragte sie hart. „Ich weiß nicht was Sie wollen. Aber ich weiß, dass Sie damit nicht durchkommen. Die Bullen werden mich schon bald hier finden und dann sind Sie dran...“ knurrte der Gefesselte. Sofie lächelte leicht. „Bringen Sie ihn in den Käfig. Dort wird er die nächsten Tage ohne Essen und Trinken bleiben. Vielleicht macht es ihn gesprächiger...“ forderte sie den Mann auf, der ihr Horn gebracht hatte. „Nein!!!!“ schrie Horn und versuchte sich gegen den Mann zu wehren, doch dieser drehte kurzerhand die gefesselten Hände um und drückte ihn vorwärts. „Ich habe nichts getan!! Ich bin unschuldig!!“ schrie Horn verzweifelt. Sofie sah ihn an als er im Käfig war. „Sie haben Martin getötet und andere Kinder. Und jetzt Leo, wo ist er? Sagen Sie es mir und ich lasse Sie wieder frei...“ schlug sie ihm vor. „Nein...nein...ich … ich habe das nicht getan. Ich bin kein Mörder!!“ kam von Horn. „Sie sind ein Kinderschänder. Sie haben vielen Kindern Leid zugefügt. Es reicht…“ stieß Sofie aus. Sie wandte sich an den Mann und reichte ihm ein Bündel Geld. „Das dürfte reichen. Sie haben einen guten Job gemacht. Danke…“ lächelte sie ihn an. Müller nahm das Bündel und lächelte.

    Er sah sich verstohlen um, als er den Plastiksack abstellte. Nur nicht auffallen, dachte er und zog sich weiter in das Gebüsch. Zum Glück war niemand auf dem Parkplatz. Dies war sein vorletztes Opfer für eine geraume Weile. Die Pause war das Schlimmste was ihm passieren konnte, aber es ging nicht anders. Jetzt blieb ihm nur noch einer... Einer der noch in der Unterkunft war und sich so langsam seinem Willen fügte. Fast schon traurig legte er den Leichnam eines knapp zehnjährigen Jungen ins Gras und deckte ihn mit umherliegende Äste notdürftig zu. „Schade mein Kleiner, aber du würdest mich verraten und das kann ich nicht zulassen…“ sagte er. Dann küsste er das Opfer noch einmal auf die Stirn und stieg wieder in sein Auto. Er fuhr zurück und legte sich ins Bett als wäre nichts gewesen. Zufriedenheit machte sich in seinem Körper breit. Doch er wusste auch, dass der Trieb sich nicht lange unter Kontrolle halten ließ. Schon sehr bald würde er es wieder spüren und sich das nächste Kind holen. Vielleicht sollte er es mal mit einem Mädchen versuchen? Sicher war das anders als mit Jungs. Junge oder Mädchen? Die Frage war nicht einfach zu beantworten. Wenn Leo da wäre, dann könnte er ihn haben. Leo würde ihn nicht verraten. Der Junge war mit seinem eigenen Problem so schwer beschäftigt, dass er sich keine Gedanken machen würde, was er von ihm wollte. Aber Leo war nicht da. Er war weg. Leo war schuld, dass er sich fremde Kinder holen musste. Seine kranken Ideen waren kaum aufzuhalten. Er gab einem kleinen Jungen, der vor Trauer und wegen der Unverständnis seiner Eltern weg gelaufen war, ein Zeichen setzen wollte, die Schuld an seinen Taten. Doch er ahnte nicht, dass er bei seinem Tun eben am Parkplatz beobachtet worden war.

    ich bin nicht im Urlaub. Noch nicht.....aber im Stress...dennoch möchte ich dir ein Feed gönnen. :)

    Ich arbeite also beim Polizeipräsidenten...geil...ich dachte es wäre eine türkische Firma...l0l... aber gut..ich nehme jeden Job. Semir soll also doch nach England und das die Fälle ineinandergehen ist jetzt auch ganz offensichtlich. Na...da Ben ja bereits auf dem WEg ist, wieder sich bestimmt mit Semir verabreden sofern Ben ans Telefong geht. Jungs...macht geheime Klingelzeichen aus, dann wisst ihr immer wer gerade anruft.

    „Das ist kein Witz, Herr Gerkhan. Das ist bitterer Ernst.“, stieß der Direktor aus. „Ihr Kollege und sie sind in großer Gefahr.“, meinte er. Sofort weiteten sich die Augen von Ben. „Wieso bitte ich? Er hat doch das Buch aufgeschlagen und nicht ich.“, fauchte Semir zurück und lehnte sich auf eine Stange. „Der Fluch des Buches... er trifft nicht denjenigen alleine... meist sind auch die unmittelbaren Personen, Freunde, Familie und dergleichen, betroffen. Leute, die damit gar nichts zu tun haben, werden vom Fluch heimgesucht.“, erzählte der Museumsdirektor. Ben war sprachlos. Semir hingegen lachte nur drei Mal auf. „Dann sollte ich dich wohl in Zukunft in eine Zelle sperren, bis der Fluch vorbei ist.“, grinste er. „Ähm... wie kann ich mehr über diesen Fluch erfahren?“, wollte Ben dann wissen. Semir sah ihn verärgert an. „Hör auf damit... so was gibt es nicht.“, zischte er, doch Ben ließ sich nicht davon abbringen. „Ich kenne da einen Historiker, der sich seit Jahren mit diesem Buch befasst hat. Aber ich sollte sie warnen... er ist ein bisschen... sagen wir schwierig.“, meinte der Mann und schrieb Ben eine Adresse und eine Telefonnummer auf. Ben nahm den Zettel entgegen und in diesem Moment klingelte Semirs Telefon. „Hartmut, was gibt’s?“, wollte Semir wissen. „Semir, ich habe die Identität des Tote festgestellt. Könntet ihr rüberkommen, dann brauch ich nicht alles über Telefon zu erklären. Das wird nämlich sonst zu teuer.“, lachte Hartmut. „Alles Klar, wir sind gleich da.“, meinte Semir nur und legte auf. „Los, komm, du Unglücksvogel und nimm deinen Fluch mit.“, wies der Deutschtürke an und überließ damit die eigentliche Arbeit den Stadtkollegen, machte aber gleichzeitig deutlich, dass sie ebenfalls ein Interesse an dem Fall hatten.

    Hartmut werkelte an seiner Bank herum, als er das Kreischen von zwei Bremsen hörte. „Ah, da seid ihr ja schon. Ich hab schon auf euch gewartet.“, meinte der KTU-Techniker, als die beiden Kommissare in die Werkstatt kamen. „So, dann schieß mal los. Wir warten.“, kam es angespannt und bestimmend von Semir. „Was ist denn dir über die Leber gelaufen?“, wollte Hartmut wissen. „Ach, lass mal... also, wer ist unser Kunde?“, knurrte Semir nur. „Stefan Langhagen... ein alter Bekannter, jedenfalls für die Kollegen aus Kiel.“, meinte Hartmut und reichte dem Kommissar die Akte zu. „Wie jetzt... aus Kiel?“, kam es brummend von Ben. „Na ja, Stefan Langhagen kam erst vor anderthalb Monaten aus der Kieler Haft raus und ist dann gleich hierher.“, meinte Hartmut. Semir nickte nur. „Und, was hat er so ausgefressen?“, wollte Ben wissen. „Tja, so schwer war er gar nicht, aber es hat für vier Jahre gereicht. Seit 1998 ist er eigentlich nur straffällig geworden. Verschiedene Delikte... Autodiebstahl, kleinere Raubüberfälle auf Tankstellen, Spielhallen und Nachtcasinos.“, rezitierte der KTU-Chef aus dem Gedächtnis. „Und wie haben die Kollegen ihn dann gekriegt?“, wollte Ben wissen und sah Hartmut nur an. „Tja, die Kollegen aus dem Norden scheinen was auf dem Kasten zu haben. Sie haben ihm eine Falle gestellt und zack.. war er im Netz.“, lachte Hartmut. „Tja, dann werden wir uns mal die Wohnung des Opfers vornehmen.“, schlug Semir vor. Ben nickte, doch kaum waren sie aus der KTU raus, hörten sie einen Schrei und ein höllisches Poltern. Sofort drehten sich die beiden um und rannten erneut in die KTU. Hartmut lag am Boden und fluchte wie ein Rohrspatz. „Verdammt....diese Idioten...ich sagte doch der Karton mit den Kabeln gehört nicht nach unten....“, fauchte er wütend und rappelte sich auf. „Hartmut...bist du okay?“, wollte Semir wissen und half ihm hoch. „Ja sicher doch...diese verdammten Azubis...“, knurrte Hartmut wütend. Semir und Ben grinsten leicht und verschwanden.

    Sie fuhren in die Wohnung, wo der Tote gewohnt haben sollte. Der Hausmeister war nicht darüber begeistert die Tür zu öffnen und erst als Ben ihm erklärte, was ihm passieren könnte, wenn er es nicht tat, gab der Mann den Schlüssel heraus und die beiden erklommen die Treppen. Es dauerte wenige Augenblicke, bis sie vor der Tür standen. Ben schloss die Tür auf und sie traten ein. „Whow...sehr häuslich...“, meinte Ben, als er das Licht anmachte und sich vor einer Müllhalde stehen sah. „Arbeit für die Spurensicherung...“, meinte Semir nur und griff schon zum Handy. „Warte … lass uns erst einmal umsehen...“, kam von Ben. Schon ging er durch die leeren Pizzakartons und Bierdosen. Auch Semir sah sich um. „Man... der Typ hat wohl nichts von Saubermachen gehört...“, stöhnte er. „Ja und genau das ist unser Glück... sieh mal!“, rief Ben aus dem Wohnzimmer. Semir ging hin. „Was ist... hast du noch was zu essen gefunden?“, frotzelte er seinen Partner. „Sehr witzig... nein einen Routenplan des Transporters mit dem das Buch zum Museum transportiert werden sollte. Also war er mit von der Partie und er ist der erste, dem der Fluch mit aller Härte getroffen hat.“, stieß Ben aus. „Och Ben... hör doch endlich mal auf mit dem Fluch...“, stöhnte Semir genervt. „Semir... er wurde ermordet... das ist der Fluch... dieser Typ sagte doch, dass jeder, der das Buch in Händen hält und darin liest, vom Fluch mit aller Härte getroffen wird... und du musst zugeben...der Tod ist hart...“, grinste Ben. „Ben... noch ein einziges mal... ES GIBT KEINEN FLUCH!!!“, fauchte Semir erneut. „Wir werden sehen... ich glaube an diesen Mysterien...“, kam trotzig von Ben. „Ben... der Mann wurde erschossen...einfach erschossen... wie oft haben wir schon Menschen gehabt, die erschossen wurden? Genau... etliche... und nicht alle sind von einem Fluch besessen... die hatten zum Teil einfach Pech...“, erklärte Semir.

    Semir kam nach gut zwei Stunden wieder zu sich und sah sich zunächst verwirrt um. „Sind Sie in Ordnung? Hallo, hören Sie mich?“ drang eine Stimme zu ihm durch. „Ja, oh verdammt…“ stieß er aus. Seine Stimme war heiser und er versuchte die Person, die mit ihm sprach, zu fixieren. Doch das einzige was er mitbekam war ein rot-gelber Schein. Er versuchte sich gegen die Hände zu wehren, die ihn abtasteten. Das war sicher der Verbrecher. „Ganz ruhig, ich bin Dr. Rother. Können Sie mir Ihren Namen nennen?“ hörte Semir. „Gerkan, Semir Gerkan…“ antwortete Semir. Seine Zunge war extrem schwer. Dann versuchte er aufzustehen, doch Hände drückten ihn wieder runter. „Bleiben Sie ganz ruhig. Sie wurden betäubt und das Gift muss erstmal aus Ihnen raus..“ beruhigte der Arzt ihn. Semir nickte. „Mein Kopf, er dröhnt...“ gab er zu. „Das kommt von dem Chloroform. Ich werde Ihnen etwas dagegen geben. Wissen Sie noch was Sie hier gemacht haben, Herr Gerkan?“ kam die nächste Frage. Semir sah ihn an. Der Blick wurde klarer. „Ich...ich…habe Pause gemacht…“ nickte er. „Sehr gut, gibt es jemanden den wir informieren müssen?“ wollte Dr. Rother wissen. Semir nickte. „Ben Jäger von der Autobahnpolizei...“ bestätigte er. Semir schloss erneut die Augen. Übelkeit kam auf. Doch plötzlich zuckte er hoch. „Wo ist Horn? “fragte er sofort. Dr. Rother sah ihn an. „Wer ist das?” wollte er wissen. „Mein Gefangener, ich…ich sollte ihn nach Münster bringen...” erklärte Semir weiter. „Sie sind auch Polizist?“ harkte Dr. Rother nach. „Ja...ja Kripo Autobahn. Ich hatte den Auftrag Horn nach Münster zu bringen…“ ging es bei Semir weiter. „Außer Ihnen war niemand im bzw. am Wagen…“ gab Rother bekannt. „Verdammt, das war eine Befreiungsaktion…“ stöhnte Semir und hielt sich den Kopf.

    Ben verließ gerade sein Büro als er von Susanne gerufen wurde. „Dr. Rother für dich..“ gab sie bekannt und hielt ihm den Hörer hin. Ben überlegte kurz, Er kannte keinen Rother. „Ben Jäger, Kripo Autobahn...“ meldete er sich. „Dr. Rother hier, wir haben auf dem Rastplatz Friedenshöhe einen Herrn Gerkan aufgefunden. Er wurde betäubt und scheinbar vorher niedergeschlagen. Es geht ihm einigermaßen gut, aber er bittet Sie herzukommen, da er selbst nicht in der Lage ist ein Fahrzeug zu führen…“ erklärte der Mann. Ben sah erschrocken auf Susanne. „Okay, bin unterwegs….“ gab er durch und legte auf. „Semir wurde betäubt. Ich fahre hin...“ gab er bekannt und war verschwunden. Ben setzte sich ans Steuer seines Mercedes und raste los. Mit Blaulicht und Sirene kam er schnell voran und erreichte gute eine Stunde nach dem Anruf den Parkplatz. Er hielt an und ließ die Reifen kreischen. „Semir?“ fragte er und rannte zum BMW. Sein Partner saß auf dem Beifahrer und hatte die Augen geschlossen. „Nicht so laut, bitte...“ kam flehend von Semir. „Bist du okay? Was ist passiert? Wo ist Horn?“ schoss Ben die Fragen ab. „Langsam, langsam… meine grauen Zellen wollen nicht so schnell…“stöhnte Semir. Er öffnete die Augen und sah ihn an. „Ben, die haben Horn befreit...“ erklärte er. „Wer?“ harkte Ben nach. „Ein Mann, er hat mich niedergeschlagen und dann die Waffe an den Kopf gepresst. Das nächste, was ich spürte, war der ekelhafte Gestank von Chloroform. Aufgewacht bin ich dann wegen dem Doc…“ gab Semir Bericht ab. „Verdammt…ich hätte es doch mit dir machen sollen. Dann wären sie nicht …Okay, ich schreibe Horn zur Fahndung aus. Kannst du den Kerl beschreiben?“ wollte Ben wissen. „Nein.. ich hab ihn nicht gesehen…“ gab Semir zu. „Okay, bleib ganz ruhig….“ meinte Ben nur und griff zum Mikro. „Cobra 11 an Zentrale. Fandung; Rainer Horn wurde befreit. Er ist von Unbekannten befreit worden und befindet sich auf der Flucht!” gab Ben durch.

    Abendessen...

    Ben rief noch auf den Weg zurück zur PAST Sofie Winther an. Hartmut hatte eindeutig Spuren von Leo gefunden und Sofie musste bestätigen, das dieses Shirt ihrem Sohn gehörte. Ben sah Sofie an, die in die PAST gekommen war, nachdem Ben ihr von dem Shirtfund erzählt hatte. „Das Shirt ist es...“ erklärte er. Sofie nahm es und fing an zu weinen „Das gehört Leo, das ist sein…sein Lieblingshirt. Oh mein Gott, nicht noch einmal. Bitte…ich verkrafte das nicht…“ flehte sie. Ben sah sie mitleidig an. „Wir wissen nicht, ob Leo tot ist, aber…“ versuchte er zu erklären. Sofie sah ihn an. Ihre Augen funkelten. „Nein!!! Nein er…er ist nicht tot. Er will mich verärgern, er will mir Vorwürfe machen und lässt es jetzt so aussehen. Das ist seine Art…das ist die Art die ich so verurteile. Das ist eine Art die Martin nie hatte, nie…“ fauchte sie wütend und stand auf. „Frau Winther, lieben Sie Leo eigentlich?“ wollte Ben wissen und wusste, dass der damit sehr dünnes Eis betrat. „Natürlich liebe ich ihn. Er ist mein Sohn, mein Fleisch und Blut. Aber er versteht einfach nicht, dass es Regeln gibt. Er ist wie sein Vater….“ erklärte sie. Doch Ben hörte auch den bitteren Ton. „Er wollte nicht wie Martin Clown werden?“ harkte er nach. „Nein, er wollte Dompteur werden. Wie ich, aber…das ist zu gefährlich. Ich wurde von meinen Eltern dazu gezwungen, das wollte ich Leo ersparen. Aber das können Sie sicher nicht verstehen…“ klagte sie. Ben lächelte leicht. „Ich habe zwar selbst keine Kinder, aber ich habe einen Vater, der mir auch alles vorschreiben wollte. Ich geben Ihnen einen Rat…lassen Sie den Jungen doch das machen was er will. Immerhin setzt er eine Tradition fort..“ schlug er vor. Sofie lächelte leicht. „Ich wünschte ich könnte ihm sagen, dass ich ihn liebe. Dass ich ihn vermisse, aber er ist nicht mehr da und wird vielleicht nie wieder ….“ Kam leise von ihr. „Frau Winther, noch ist nicht sicher, ob Leo sich überhaupt in Gefahr ist. Vielleicht versteckt er sich ja doch..“ versuchte Ben ihr Mut zu machen Sofie nickte. Bevor sie etwas sagen konnte zeigte ihr Handy, dass sie eine SMS erhalten hatte. Sie las sie und lächelte. „Was wichtiges?“ harkte Ben nach. „Nein, nein…also eigentlich doch. Sind wir fertig? Ich muss weg…“ kam etwas nervös von ihr. Ben nickte. „War das Leo?“ versuchte er herauszufinden. „Nein leider nicht. Suchen Sie meinen Jungen...bitte…“ flehte sie erneut. Ben nickte nur.

    Rainer Horn sah den Mann zunächst erstaunt an. Dann sah er zu Semir Gerkan der vor dem BMW auf dem Boden lag und tief schlief. Sein Blick wanderte wieder zu dem Mann, der ihn ansah. „Wer sind sie? Was wollen Sie von mir?“ fragte er leise. Der Mann sagte nichts und durchsuchte Gerkan nach dem Schlüssel für die Handschellen. Er fand ihn schnell und öffnete die Fesseln. „Danke für die Befreiung, aber wer sind Sie?“ versuchte Horn erneut herauszufinden, wem er seine Freiheit zu verdanken hatte. Auch jetzt sprach der Mann kein Wort. Er zerrte Horn raus und riss ihm den immer noch gefesselten Arm auf den Rücken. „AUA!! Sind Sie wahnsinnig!“ schrie Horn wütend. Er trat nach hinten aus, doch er traf nicht. Stattdessen griff der Mann nun den freien Arm und zerrte ihn auf den Rücken. Die Handschellen schnappten zu. „Der Knast ist zu schade für dich. Ich habe da was viel Besseres…“ fauchte ihn der Mann an. Horn ahnte, dass er nicht befreit wurde, sondern dies eine Aktion war ihn aus den Fängen der Polizei zu holen und ihm nun vermutlich viel Schlimmeres erwartete, als im Gefängnis. „Hören Sie, wir können sicher über alles reden. Ich…“ versuchte er. „Halt deinen Mund. Ich will von einem Kinderschänder und Kindermörder nichts hören…“ kam der Befehl, der mit einem Druck im Genick unterstützt wurde. Horn schrie leise auf. „Was haben Sie mit mir vor? Das ist Selbstjustiz, das ist verboten…“ zog er nun die rechtliche Schiene vor. Doch dem Mann schien es nicht zu interessieren. Noch einmal sah Horn auf den schlafenden Polizisten. Dann wurde er von dem Mann zum weißen Wagen gezerrt und auf die Rückbank gezwungen. „Solltest du auch nur einen Trick wagen, dann ist es aus. Hörst du...“ warnte ihn der Mann. Horn nickte. Er hatte große Angst vor dem was ihm nun bevorstand.