Sofie stand auf und ging raus. Sie brauchte Luft. Auch wenn sie allein im Wohnwagen war, so fühlte sie sich eingeengt. Ein kleiner Spaziergang war sicher nicht verkehrt und so ging sie auch zu den Tierbehausungen. Paul war nicht da und somit war sie allein. Alle anderen Leute hier waren sicher schon in tiefen Träumen versunken. Sofie ging einfach durch die Stallungen und Zelte. Die Luft war frisch aber nicht kalt. „Ach Leo, warum kommst du nicht zu mir zurück?“ weinte sie leise. Dann stieß sie mit dem Fuß gegen etwas Weiches. Sie bückte sich und hob es auf. Sie besah es sich und lachte plötzlich. „LEO!!! LEO!!!“ rief sie und sah sich um. Dieser kleine Rucksack gehörte Leo. Sie hatte ihn sofort erkannt. „Leo?“ rief sie erneut. Keine Antwort. „Schatz…wo bist du denn?” harkte sie nach. „Bist du hier?“ fragte sie und betrat das Zeltm wo Pascha untergebracht war. Der alte Löwe sah sie mit müden Augen an und knurrte leise. „Sorry, aber ich suche Leo. Er muss hier sein. Hast du ihn gesehen?“ wollte sie von dem Tier wissen. Doch dieser schien der Grund gar nicht zu interessieren. Sofie stellte fest, das Leo nicht hier war. Doch wo war er? Lag er vielleicht schon im Bett? Sofort rannte sie zum Wohnwagen um dieser Idee nachzugehen. Doch auch das Bett von Leo war leer. „Leo? Wo bist du denn?” stöhnte sie. Sie setzte sich an den Tisch und legte den Rucksack drauf. „Mein Schatz, wo steckst du denn nur? Ich vermisse dich…” weinte sie leise. Nur eine halbe Stunde später kam Paul in den Wagen. „Sofie? Was ist denn?” wollte er wissen. „Leo,er war hier. Sein Rucksack...er muss hier gewesen sein…” weinte sie. Paul nahm sie in den Arm. “Man wird ihn schon finden…” versprach er. Sofie schluchzte leise. Paul strich ihr über den Nacken und tröstete sie. „Du musst auch mal schlafen….“ ermahnte er sie. „Aber wie kann ich das tun, wenn mein Kind irgendwo ist..vielleicht in Gefahr…“ wollte sie wissen. „Sssshhhht….ganz sicher ist er nicht in Gefahr….“ widersprach er. „Ich werde morgen Herrn Gerkan anrufen und ihm sagen, dass ich den Rucksack gefunden habe. Leo muss hier gewesen sein. Er muss einfach…“ entschloss sich Sofie.
Friedrich Gerresheimer hatte sich einen Wagen aus dem Zirkus kurzgeschlossen und fuhr dem Wagen hinterher in dem Leo mit dem Mann eingestiegen war. „Leo, Leo…man steigt doch nicht zu fremden Leuten in den Wagen…” tadelte er den Jungen in Gedanken. Wie gut das ich das Autofahren nicht verlernt habe, dachte er weiter und fuhr dem Wagen hinterher. Die Fahrt ging durch Düsseldorf nach Mettmann. Dort hielt der Wagen vor einem ziemlich alten Haus und Friedrich sah, das Leo von dem Mann mehr ins Haus gezerrt wurde als das er freiwillig ging. Was sich da drinnen abspielten wollte Friedrich sich gar nicht vorstellen. Er hielt an, stieg aus und ging in Richtung Haus. Kerzenlicht erhellte ein Zimmer im Obergeschoss. Ob Leo dort war? Friedrich wartete bis der Mann wieder abfuhr. Er hatte sich das Kennzeichen aufgeschrieben und wollte der Polizei den Hinweis geben, was er beobachtet hatte. Doch jetzt hieß es erst einmal Leo da raus zu holen. Er schlich durch das Haus, was auch innen sehr baufällig war. „Leo?” rief er durch das Haus. Keine Antwort. Er dachte kurz nach und ging dann in die oberte Etage. Vor seinem inneren Auge ging er die Fenster von außen durch und hoffte nun das richtige Zimmer zu finden. Er probierte die Tür, vor der er nun stand. Sie war verschlossen. „Leo?” fragte er leise. „Friedrich!! Bitte hol mich hier raus…bitte…” weinte Leo. „Gleich mein Kleiner…geh zurück. Ich trete die Tür ein…” befahl der Alte und rannte mit voller Wucht gegen die Tür. Sie gab sofort nach. Leo sprang ihn in die Arme. „Paul….er …. Er hat…”schluchzte der Junge. Friedrich nahm den Kleinen auf den Arm und verließ das Haus, bevor der Mistkerl wieder kam. „Ganz ruhig..niemand wird dir was tun….ich werde dich beschützen…” versprach Friedrich und setzte Leo auf die Rückbank des gestohlenen Wagens.
Am nächsten Morgen kam Semir ins Büro und sah Susanne freundlich an. „Hier….das war letzte Nacht los. Ein Autodiebstahl beim Zirkus Lombard, ein Raub und zwei Unfälle mit Blechschaden…” gab sie bekannt. „Autodiebstahl, okay…sind die Ergebnisse von der Speichelprobe schon da?” wollte er wissen. Susanne verneinte es. „Danke, ist Ben schon da?” harkte Semir nach. Susanne sah zur Uhr. „Um diese Uhrzeit….?” fragte sie lachend. Semir folgte dem Blick. „Du hast Recht ….wie könnte ich das nur denken…” gab er zurück. „Ach so, Frau Winther hat angerufen. Sie erwartet deinen Rückruf und sie sagte es ist dringend..” rief Susanne ihm nach, als er ins Büro ging. Semir hob die Hand dass er verstanden hatte. Sofort griff er zum Telefon und rief Sofie Winther an. „Semir Gerkan hier. Sie wollten mich erreichen?” fragte er als sie sich meldete. „Ja…Leo…er war hier im Zirkus. Ich habe seinen Rucksack gefunden…” erklräte sie aufgeregt. „Dann ist er zurück gekommen. Gott sei Dank…” stieß er aus. „Nein..nein, er ist nicht da, aber er muss hier gewesen sein. Sein Rucksack lag auf dem Boden bei den Tieren. Er muss hier gewesen sein…” widersprach sie sofort. “Okay Frau Winther, ich komme gleich raus….” versprach Semir. Er beendete das Gespräch und gab Susanne den Befehl das Ben hier warten sollte, bis er zurück war. Semir stieg in seinen BMW und fuhr zum Zirkus. Dort ging er direkt zum Wohnwagen wo Sofie und Paul Winther wohnten, doch bevor er anklopfte wurde er Zeuge eines Streites der Eheleute. “Du!!! NUR DU!!! ALLES DREHT SICH NUR UM DICH, Sofie. Denkst du eigentlich auch mal an mich? Weißt du wie ich mich fühlte als Martin weg war? Und jetzt Leo? Ich bin nicht kalt…aber ich denke auch an den Zirkus. Wir müssen weiter!!” hörte er Paul Winther brüllen. “Ich will nur Leo zurück, mehr nicht. Danach können wir weiter. Aber so lange bleiben wir hier!” setzte Sofie dagegen. „Das werden wir nicht und ich denke, du weißt genau wie ich, das Leo längst tot ist. Vergiss ihn.” stieß Paul aus. „Wie kannst du so etwas sagen? Das ist nicht wahr!!!” weinte Sofie. Semir klopfte an.