„Was ist mit ihm?“, fragte Semir besorgt. „Sie haben ihn da rausgeholt und erstversorgt? Danke dafür, aber alles Andere darf ich Ihnen nicht sagen.“e der Arzt. „Doch schon, ich bin Semir Gerkhan von der Kripo Autobahn. Ab sofort bearbeiten wir den Fall. Also?“, zog Semir den Ausweis und hielt ihm den Arzt unter die Nase. „Sieht nicht gut aus. Wir müssen ihn schnell in ein Krankenhaus bringen. Wir fahren in die Uniklinik, denn nach dem Schaum vor dem Mund zu urteilen, ist er vergiftet worden. Die Frage ist nur, was es ist und ob er es überlebt. Und nun entschuldigen Sie mich bitte.“, gab der Arzt von sich. Er ließ den Schwerverletzten in den Rettungswagen bringen. Semir sah Andrea an. „Tja …. Soweit zu unseren gemeinsamen Abend… tut mir Leid…“, sagte er traurig. Andrea lächelte. „Schon gut… du bist halt ein Held… Ich bin stolz auf dich.“, hauchte sie ihm ins Ohr. „Dann ist alles wieder gut?“, wollte er wissen und schlang seine Arme um Andreas Körper. „Nicht ganz.“, kam es von ihr. „Was heißt das?“, wollte Semir wissen und sah Andrea abwartend an. „Du wirst mit mir in ein zweites Konzert gehen und dieses Mal wünsche ich, dass du durchhältst.“, forderte sie und sah ihren Mann eindringlich an. Ergeben stöhnte er auf. „Okay, und dieses Mal verspreche ich dir, dass ich den Abend nicht einschlafe.“, versicherte Semir seiner Frau. „Soll ich alleine nach Hause fahren und du wartest hier auf Ben?“, wollte Andrea wissen. „Ich denke, es ist hier nichts mehr zu tun. Fahren wir nach Hause und kuscheln noch ein bisschen.“, schnurrte er. Andrea stimmte zu. Die Kollegen in Uniform und die Spurensicherer waren ja hier und so würde Semir alles auf seinen Schreibtisch kriegen.
Der Krankenwagen erreichte die Uniklinik und sofort sprangen die Sanitäter mit der Tragbare aus den Wagen, schoben ihn sofort in den Schockraum. Noch immer überkamen ihn Krämpfe und die Atmung setzte immer weiter aus. „Verdammt, er stirbt uns weg.“, schrie Dr. Sabrina Jung ihr Team an. Sofort wurde der junge Tenor in den Schockraum gefahren, doch es kam nur noch zu einem letzten Aufbäumen und dann brach er regungslos zusammen. „Shit... Defi... schnell.“, schrie sie und griff nach dem Gerät, setzte es auf die Brust des Mannes und entlud es. Doch es war zu spät. Die Linie war durchgezogen. Der Mann regte sich nicht mehr und sein Herz schlug nicht mehr. „Verdammt... verdammt... verdammt.“, stieß sie aus und schlug auf die Trage. Das war ihr erster Patient, den sie verloren hatte. Sie fühlte sich furchtbar. Doch dann bemerkte sie den Schaum vor dem Mund des Toten. „Schnell, toxikologische Untersuchung des Toten und dann ab in die Gerichtsmedizin. Hier liegt eine Vergiftung vor.“, stieß sie aus und sofort hatte sie eine Probe des Schaums genommen und unter ihr Mikro gelegt. Der Körper wurde von den Sanitätern wieder hochgehoben, auf eine Trage gepackt und in die Gerichtsmedizin gefahren. Was würde sie nur finden?
Am nächsten Tag kam Semir gut gelaunt ins Büro. Fröhlich pfiff er vor sich hin und begrüßte Susanne. „Na, musstest du nicht auf der Couch schlafen?“, fragte Susanne schnippisch. Semir sah sie erschrocken an. „Woher...“, fing er an. „Ich habe mit Andrea eigentlich schon fast gewettet, dass du es entweder vergessen würdest oder aber einschläfst.“, lachte sie und sah Semir nur an. „Das ist nicht fair von euch.“, knurrte er. Ben kam dazu. „Na, gestern eingeschlafen?“, wollte er wissen und klopfte seinem Partner auf die Schulter. „Hast du etwa auch mitgewettet?“, fauchte Semir seinen Partner an. „Semir... bitte. Ich wusste, dass du null Sinn für Kultur hast.“, lachte er „Das sagt derjenige, der Artischocken für Fische hält.“, zischte Semir nur erbost. „Hey, beides kann man essen, oder?“, meinte Ben nur und ging ins Büro. Semir kam hinterher. Er ließ sich einfach auf den Stuhl fallen und wollte sich die erste Akte schnappen, als das Telefon klingelte. „Ja... Gerkhan.“, meldete er sich. „Doktor Feldmann hier. Ich habe euren Unfallkandidaten von gestern Abend aufgemacht und bin mit ihm soweit durch.“, berichtete er. „Ist gut. Wir kommen sofort.“, entgegnete Semir und legte dann auf. „Was ist?“, wollte Ben wissen. „Wir hatten gestern auf dem Heimweg einen verunglückten Fahrer. Er ist gestorben. Der Doc ist gerade mit ihm fertig.“, meinte Semir und nahm seine Jacke wieder. „Kommst du, dann können wir gleich in die Gerichtsmedizin.“ „Muss das denn immer vor dem Frühstück sein?“, knurrte Ben und folgte seinem Partner zum Wagen.
Dr. Daniel Feldmann wusch sich gerade die Hände, als die beiden Kommissare in sein Reich traten. „Wow, war kein Verkehr oder seid ihr geflogen, dass ihr so schnell hier seit?“, fragte er lachend. „Wofür gibt’s Blaulicht.“, lachte Semir nur. „Ihr seid unmöglich.“, lachte der Pathologe und ging zum Tisch rüber. „Wann ist er gestern verstorben?“, wollte Semir wissen. „Etwa gegen halb zwölf. Die Ärztin konnte ihm nicht mehr helfen.“, erwiderte der Arzt und zog das Leichentuch vom Kopf des Opfers runter. Ben sah etwas angewidert auf den toten Körper, was dem Arzt nicht verborgen blieb. „Na na Ben, hast du noch nie einen Toten gesehen?“, wollte er wissen. „Schon, aber ich kann mich nicht an den Anblick gewöhnen.“, meinte er. Der Arzt lachte. „Weichei.“, hauchte er hustend vor sich her. „Was war das für ein Schaum vor seinem Mund?“, kam die Frage nun von Semir. „Cyanwasserstoff.“, erklärte er und lugte durch seine Brille. „Was?“, fragte Ben und sah Semir an, der ebenfalls nicht verstand, was der Doktor von ihnen wollte. Daniel lachte auf, nahm seine Brille von der Nase und putzte sie kurz an seinem Kittelsaumen. „Blausäure Jungs... oder für euch ganz einfach... Bittermandeln.“, erklärte er. „Aber... worin? Ich meine, das Zeug riecht doch sehr stark nach Mandeln, deswegen ja der Name. Womit hat er es aufgenommen?“, wollte Ben wissen. Der Pathologe reichte den Beiden seinen vorläufigen Bericht. „Na dem, was ich ermittelt habe, war er in etwas, was er vorher zu sich genommen hat. Was es war, kann ich leider nicht mehr feststellen.“, erklärte er und entließ damit Semir und Ben.