Beiträge von Elvira

    Frank Riefenstahl sah den Beamten an. „Lassen Sie mir Benjamin Block ins Büro bringen!“ forderte er auf und wandte sich an den Arzt. „Was ist mit ihm?“ wollte er wissen. „Nun, so wie ich das bisher sehe ist der Mann auf übelste Art missbraucht worden. Er hat Bisse im Genitalbereich, sein After ist extrem geweitet und….die psychischen Folgen sind eindeutig zu sehen.“ gab der Arzt von sich. „Er soll doch in wenigen Tagen verlegt werden….“ stieß Riefenstahl aus, der nun den gesamten Plan davon schwimmen sah. „Das ist sicher das Beste. Hier wird er keine Ruhe haben.“ stimmte der Arzt zu. „Denken Sie er ist bis dahin wieder soweit fit?“ harkte Riefenstahl nach. „Ich werde tun was ich kann. Körperlich wird es sicher schnell heilen.“ nickte der Arzt. Frank Riefenstahl sah noch einmal auf den Mann, der immer noch wimmerte, obwohl er ein Schlafmittel bekommen hatte und verließ die Station. In seinem Büro standen bereits Benjamin Block und der Beamte. „Lassen Sie uns allein!“ forderte Riefenstahl den Mann auf. Dieser nickte und verschwand. „Herr Jäger….was geht dort im Zellenblock ab? Wir haben eben Carlos Pérez in einem desolaten Zustand gefunden. Der Arzt hat erklärt, dass er missbraucht wurde!“ fauchte Riefenstahl den jungen Hauptkommissaren an. „Das ist genau das, was ich Ihnen vor einigen Tagen erzählt habe. Sputnik…und der Don. Er erpresst von den anderen Häftlingen Schutzgeld. Wer nicht zahlt wird von Sputnik vergewaltigt.“ erzählte Ben. „Sputnik?“ harkte Riefenstahl nach. „Der Schwule aus Zelle 12. Michael Spornick. Sie haben mir doch selbst den Namen genannt!“ fauchte Ben wütend. Konnte es sein, das Riefenstahl verwirrt war? Er schien nicht mehr zu wissen, was vor wenigen Tagen war. „Ja...ja…sicher….aber wir dürfen den Plan nicht gefährden. Wie gut stehen die Chancen das Carlos bis dahin fit ist?“ harkte Ben nun nach. „Der Arzt befürwortet die Verlegung auf jeden Fall. Die körperlichen Schäden werden sicher schnell heilen, aber die psychischen…die werden dauern.“ gab Frank Riefenstahl leise von sich. Ben fluchte leise. „Sorgen Sie dafür, dass Roman Sommer auf eine andere Station verlegt wird. Er ist eine Gefahr für die Anderen! Außerdem muss einer der Schließer ebenfalls mitmischen. Der Don, wie Roman sich hier nennt, kommt nachts in die Zellen der Neulinge um sie mit seinen Regeln vertraut zu machen.“ warnte Ben. Frank Riefenstahl nickte. „Wissen Sie welcher Beamte?“ harkte er nach. Ben schüttelte den Kopf. „Nein leider nicht. Aber wenn Sie den Don woanders unterbringen, dann ist den Häftlingen schon mal geholfen. Sputnik ist allein so hilflos wie ein Baby…“ bat Ben.

    Nur wenig später gab es Tumult im Zellenblock, in dem auch Ben untergebracht war. Mehrere Beamte drangen in die Zelle von Don Roman Sommer ein und zerrten den feisten Mann aus der Zelle raus. „Lasst mich los!!! Ihr sollt mich loslassen! Ich protestiere gegen diese Behandlung!!“ zeterte der Mann. Auch Ben sah was passierte und grinste insgeheim. Sicher würde sich Sputnik nun verkriechen. Ohne den starken Don war er ein Nichts. Ein Niemand. „Hey….das könnt ihr nicht mit mir machen. Leute…es gibt einen Verräter unter uns!! Packt ihn euch und bringt ihn um!!“ schrie der Don, als er weg gebracht wurde. Zunächst war alles ruhig. Niemand sagte was. Doch dann kamen einige Stimmen aus den Zellen. „Er muss verraten worden sein. Wir haben einen Spitzel unter uns...“ stieß der eine aus. „Aber jetzt können wir unser sauer verdientest Geld für uns behalten und müssen es nicht mehr abgeben. Das hat auch seinen Vorteil. Sputnik wird nichts mehr tun. Der wird den Schwanz einklemmen und sich in die hinterste Ecke verkriechen.“ gab ein Anderer zu verstehen. „Wir sollten ihm zeigen, dass er jetzt nichts mehr machen kann. Direkt beim Abendessen...“ schlug ein Dritter vor. „Wenn ihr das macht, dann seid ihr nicht besser als der Don...“ gab Ben sein Senf dazu. „Da hat Benni Recht. Und ihr seid doch Besser als Don oder?“ warf auch Mike ein. „Ja klar sind wir besser. Aber Sputnik hat Strafe verdient. Diese kleine Schwuchtel hat genug Schaden angerichtet!“ forderte der Erste. „Ruhe in den Zellen!“ forderte eine Aufsicht auf. Sofort trat das Schweigen ein. Ben sah auf den Gang und bemerkte einen einzigen Aufseher. Martin Mayer hieß der Mann und war bereits älter als die Anderen Schließer hier. Er sah irgendwie verloren aus, als er vor der Zelle stand in der eben noch der Don gesessen hatte. Ob er der Verbündete war? Ben sah ihn sich näher an. Irgendwie traute er dem Alten nicht zu, korrupt zu sein. Doch er wusste auch dass viele Menschen für Geld alles taten. Wenn es sein musste würden sie dafür sogar die eigene Familie verraten. „Hey…Mayer… jetzt musst du mit deinem lausigen Gehalt auskommen du armer Schlucker…“ lachte eine weitere Stimme. Ben zuckte zusammen. Also war Mayer den Gefangenen als Komplize des Dons bekannt. „Halt deine Klappe Ralf! Pass lieber auf, das du mit dem hinkommst was du hast.“ fauchte der Beamte zurück. Flach…dachte Ben nur. Sehr flach. Dann legte er sich aufs Bett und schlief etwas.

    Semir wurde von Kim nach Hause gefahren wo er von Andrea stürmisch begrüßt wurde. „Bist du auch wirklich in Ordnung? Was sagt der Arzt?“ bedrängte sie ihn. „Es ist alles in Ordnung. Ich habe nicht mal eine Gehirnerschütterung. Die Männern die mich überfallen haben, haben mir lediglich ein Narkosemittel gespritzt.“ beruhigte er sie. Sie sah ihn skeptisch an. „Da ist doch noch was...“ harkte sie nach. Semir lächelte leicht. Er konnte seiner Frau nichts vormachen. „Ja...du hast Recht. Ich hatte Angst, dass es Heroin war...oder sonst was. Dieser Mistkerl sagte mir ich hätte nur noch 72 Stunden Aber der Arzt findet nichts Schädliches im Blut. Es war wohl nur eine Warnung. Aber dafür haben sie dem jungen Kollegen pures Heroin gespritzt. Er kämpft auf der Intensivstation um sein Leben.“ Berichtete Semir. „Oh mein Gott...was für Schweine. Habt ihr was von Ben gehört? Weiß er schon mehr?“ harkte Andrea nach. „Nein... ich war ja auch nicht im Büro. Aber direkt morgenfrüh bin ich bei Krüger und harke nach.“ erklärte er. Andrea nickte „Genau...nichts wirst du bis morgen tun. Du legst dich hin und lässt dich von uns verwöhnen.“ befahl sie. Semir küsste seine Frau. „Du bist die beste Medizin für mich.“ strahlte er und ging ins Wohnzimmer. „Wo sind die Mädchen?“ fragte er erstaunt, als er seine Kinder nicht sah. „Ayda ist zum Geburtstag in der Nachbarschaft und Layla schläft noch. Sie wird aber sicher gleich wach.“ gab Andrea zurück. Semir ließ sich auf die Couch fallen und zog die Decke hoch. „Liegst du bequem? Oder möchtest du noch ein Kissen?“ wollte Andrea wissen, als sie mit dem Tablett zu ihm kam. „Nein...es ist alles bestens...“ lehnte Semir ab. „Gut...dann schlaf doch etwas. Ich wecke dich wenn das Essen fertig ist.“ Schlug sie vor. „Okay...mache ich. Was tust du in der Zeit?“ harkte er nach. „Nun...da du jetzt schon zuhause bist, kann ich meinen Geliebten nicht reinlassen und ein Schäferstündchen machen, also werde ich mich um die Bügelwäsche kümmern.“ grinste Andrea frech. Semir sah sie an. „Du hast einen Geliebten? Wie ist sein Name? Wo wohnt er?“ sprang er sofort darauf an. Andrea lachte laut. „Felix...und er wohnt hier mit uns zusammen.“ gab sie zurück. Ein kurzes Miau kam von dem Kater, als er seinen Namen hörte. Semir lachte leicht. „Felix ist keine Konkurrenz für mich. Du bist nicht nur wunderschön und eine perfekte Ehefrau...nein du bist auch eine perfekte Mutter, Hausfrau und Krankenschwester. Ich liebe dich...“ hauchte er. Andrea sah ihn an und küsste ihn. „Du Charmeur...“ sagte sie und verschwand. Semir trank den Tee und legte sich gemütlich hin. Nur wenig später schlief er tatsächlich ein und bemerkte gar nicht, dass Felix es sich auf seinen Bauch gemütlich machte. Doch zwei Stunden später war die Ruhe vorbei. Andrea weckte ihn weil das Essen fertig war. „Ich komme...“ gab Semir zurück und schälte sich aus der Decke. Mit leicht müden Schritten ging er in die Küche wo Andrea mit Layla beschäftigt war und das knapp zweijährige Mädchen fütterte. „Hallo mein kleiner Engel...“ begrüßte er seine Jüngste. „Papa…“ strahlte das Mädchen.

    Carlos war wieder in seiner Zelle und sah aus dem kleinen Fenster. In elf Tagen sollte er wieder auf freiem Fuß sein. Darauf freute er sich schon. Die Tür ging auf. Carlos drehte sich um und zuckte zusammen. Roman Sommer, alias Don stand vor ihm. „Hallo Carlos…“ grinste er breit. „Was willst du hier?“ fauchte er ihn wütend an. „Meine übliche Leistung. Du hast sonst keinen Beschützer und du hast doch gemerkt, was passieren kann, wenn man ohne Schutz ist…oder? Ich denke auch du hast daraus gelernt. Und nur keine Sorge. Benjamin wird auch gleich noch zahlen.“ grinste der Don ihn an. „Hau ab!! Du wirst nichts bekommen. Nicht von mir. Mach deine dreckigen Geschäfte mit anderen Leuten!“ fauchte Carlos wütend und wollte sich an dem Don vorbeidrängen. Doch es klappte nicht. Roman Sommer stieß den Mann gegen die Wand. „Also gut…ich sehe es eigentlich anders und bin normalerweise ein sehr friedvoller Mensch, aber auch mir platzt irgendwann die Hutschnur und das ist genau jetzt. Sieh mal…ich habe die Schnauze voll von dem was du und Benjamin hier abziehen. Das macht die anderen Gefangenen mutig und sie wollen mir am Ende auch nichts mehr bezahlen. Und wenn ich nicht bezahlt werde, dann muss ich für mein Geld arbeiten. Das geht nicht….Ich werde deshalb an dir ein Exempel statuieren. Zahle freiwillig und wir vergessen den Disput. Wenn nicht, dann mache dich auf heiße Stunden mit Sputnik bereit. Er ist schon ganz versessen auf dich.“ grinste der Don. Carlos wurde auf die Pritsche gestoßen von der er sofort wieder aufstand. Doch nicht lange und er lag wieder. „Lass mich in Ruhe!!“ schrei Carlos panisch. Er versuchte seiner Stimme eine Festigkeit zu verleihen, was kläglich scheiterte. Die Angst ließ sich nicht einfach abschalten. „Ich dachte du wärst vernünftig. Sputnik…er gehört dir, aber sei lieb zu ihm, hörst du…“ meinte der Don und verließ die Zelle. Die Helfer von ihm blieben mit Sputnik in der Zelle und nur wenige Minuten später hörte am die unterdrückten Schreie von Carlos, die langsam in ein Wimmern übergingen. Nach zwei Stunden war es ruhig in der Zelle und die Männer kamen heraus. Der Don sah sie an. „Und? Denkt ihr er hat es nun verstanden, dass es besser ist zu zahlen?“ fragte er. Sputnik nickte leicht. „Das war wirklich verdammt gut…“ gurrte er zufrieden. Roman Sommer lächelte. „Schön, dass du dich amüsieren konntest.“ lobte er seinen Schützling. „Dann werden wir uns heute noch Blümchen vornehmen…“ hängte er an. Erst gegen Mitternacht wurde Carlos von der Aufsicht gefunden. Er wimmerte vor sich hin und weinte. Der gerufene Arzt ließ ihn umgehend auf die Krankenstation bringen. Direktor Frank Riefenstahl wurde ebenfalls dorthin beordert. „Oh mein Gott….Wer war das?“ fragte er, als er Carlos sah. Doch Carlos redete nicht. Er wimmerte vor sich hin, wie ein kleines Kind.

    Semir kam langsam wieder zu sich. Er sah, dass er in einem der Kellerräume eingesperrt war. „Au verdammt.“, stieß er aus, als er seine Hand befühlte. Sicher war sie gebrochen und gerade seine rechte Hand, seine Aktionshand, mit der er alles tat. Die war nun einige Zeit sicher nicht zu gebrauchen. Vorsichtig versuchte er sie ruhig zu halten. Sie schmerzte höllisch. Das Handy. Sofort fiel ihm sein Handy ein. Warum musste er es nur immer in die Gesäßtasche packen? Er versuchte mit der linken Hand an seine rechte Gesäßtasche und dem darin befindlichen Handy zu gelangen. Doch er schaffte es nicht. „Dann eben mit der rechten...“, dachte Semir nur und biss die Zähne zusammen, als der das Handgelenk verdrehte, doch schnell ließ er davon ab. Die Schmerzen waren zu stark. „Ben!!“, schrie er, doch niemand kam. Sicher war Ben schon zu weit durch den Gang weg, als das er Semir hören konnte. Der Deutschtürke ging zur Tür. Sie war aus Holz und schien nicht sonderlich stabil zu sein. „Einen Versuch ist es wert.“, dachte er, sammelte seine ganze Kraft und trat gegen die Querverstrebung. Mit einem Krachen ging die Tür auf und Semir war frei. Vorsichtig nahm er seine Waffe in die linke Hand und ging zum Ausgang. Verdammt, Mendes war sicherlich schon weg. Doch wo war Ben? Als er diesen Gedanken hatte, hörte er auf einmal Schritte an der Gabelung, wo sich er und sein Partner getrennt hatten. Ein zweites Mal wollte er sich nicht überrumpeln lassen. Semir presste sich an die Wand und horchte auf. Die Schritte kamen immer näher und der Deutschtürke machte einen Satz um die Ecke, ließ jedoch sofort die Waffe wieder sinken. „Verdammt Ben... ich hätte dich beinahe erschossen.“, fauchte er wütend. „Semir, bist du das?“, fragte dieser verwirrt und ängstlich zugleich. „Ja sicher. Ben, erkennst du mich nicht mehr?“ „Semir... ich... ich kann nichts mehr sehen.“, stieß er aus und fiel Semir in die Arme.

    Robert Mendes war sicher aus dem Kellergang rausgekommen, doch was war mit Laszlo? Plötzlich kam ihm der Junge von etwa 16 Jahren entgegen. „Wo warst du denn verdammt?“, fauchte Mendes ihn an. Der rumänische Junge blickte ihn erschrocken an. „Großer Mann... wollte mich erschießen... hab ihn Flüssigkeit in Augen gekippt.“, keuchte er nur und machte große, feuchte Augen. „Schon okay... komm, wir haben viel vorzubereiten für morgen. Die Bullen werden sich wünschen, dass sie uns nie gefunden hätten.“, stieß Mendes aus. Laszlo war als kleiner Waise zu ihm und seine Familie gekommen. Nach dem Tod seiner kleinen Tochter und dem Selbstmord seiner Frau hatte Robert nur noch ihn. Für ihn sorgte er und für ihn machte er das eigentlich. Doch in erster Linie ging es ihm um Rache. Keiner wusste was von Laszlo und so konnte er ihn gut schützen. Vor jedem, der ihm zu nahe kam. „Komm, wir müssen von hier weg.“, begehrte Robert auf und zog seinen Ziehsohn mit sich. „Wohin wir gehen?“, wollte dieser wissen. Er wusste, was Robert alles widerfahren war und er war bereit, seinem deutschen Papa zu helfen. Denn es war auch seine Familie, die dort gestorben war. Seine richtige Familie starb, als er noch ganz klein war und so hatte er hier in Deutschland ein neues Leben gefunden. Das war nun zerstört durch die Machenschaften eines ruchlosen und geldgeilen Konzernbesitzers. Laszlo wusste nur nicht, dass Robert andere Menschen teilnahmslos tötete.

    Semir schrie auf, als er Ben mit der rechten Hand halten wollte. „Au….verdammt….“, stieß er aus. Ben versuchte ihn zu fixieren. „Was ist denn? Bist du verletzt?“, wollte er wissen. „Dieser Mistkerl hat mir vermutlich das rechte Handgelenk gebrochen…“, kam als Erklärung von Semir. „Oh nicht gut…. Wie sollen wir denn fahren? Du kannst nicht lenken und ich kann nichts sehen…“, fragte Ben nach. „Die Kollegen müssen uns abholen…na komm… verlassen wir erst einmal den Keller. Was ist mit deinen Augen?“, harkte Semir nach. „Ich sehe alles wie durch Nebel. Sie brennen ganz fürchterlich…“, gab Ben von sich. Auf der Straße ließ Semir dann durch Ben sein Handy raus holen. „Chefin…. Wir sind von Mendes außer Gefecht gesetzt worden. Ben kann nichts sehen und meine Hand…sie ist vermutlich gebrochen. Ich brauche einen Fahrer…“, erklärte Semir. „Was ist mit dem Dienstwagen?“ harkte Kim Krüger nach. „Chefin…in brauche nur einen Fahrer…dem Wagen geht es gut. Aber wenn Sie wissen wollen wie es uns geht, dann…“, fauchte Semir durch das Handy, doch Kim schien bereits aufgelegt zu haben. Nur wenig später waren Hotte und Dieter vor Ort. „Oh man… Ben…du siehst ja schrecklich aus.“, stieß Hotte aus als er Ben sah. Dieter griff Semir ans Handgelenk. „Das ist gar nicht gut…Semir…scheint gebrochen…“, erklärte er während Semir laut aufschrie. Die beiden wurden in die Klinik gebracht.

    Dr. Neuhäuser sah sich Semirs Gelenk an. Er hatte bereits Röntgenaufnahmen machen lassen und stand kurz darauf vor dem kleinen Bildschirm, auf dem die Bilder zu sehen waren. „Nun…. Es scheint nicht gebrochen zu sein. Keine knöchernen Verletzungen zu sehen. Aber sehr stark geprellt. Wir werden das Gelenk ne Weile ruhig stellen müssen. Ein Gipsverband ist das Beste was ich Ihnen verordnen kann.“, murmelte der Arzt. „Was? Das Beste? Ich bin Rechtshänder und…wie soll ich denn damit ne Waffe halten?“, maulte Semir leise. „Sie werden für einige Zeit keine Waffe halten können. Dann muss Ihr Kollege halt schießen. Besser wäre sowieso, wenn man überhaupt nicht schießt.“, knurrte der Arzt. „Ach und was mach ich wenn die auf mich schießen? Soll ich denen Wattebäusche hinterher werfen oder was?“, grinste Semir. „Nein… alle Waffen gehören verboten…“, erklärte der Arzt. „Ja sicher… ohne Waffen wäre es eine tolle Gesellschaft. Dann schlagen wir uns alle tot…ist doch egal.“, knurrte Semir und war etwas verärgert über die Einstellung des Arztes. „Was ist mit meinem Kollegen?“, harkte Semir nach, als der Gipsverband angelegt wurde. „Das wird gleich in Angriff genommen. Erst einmal Sie und dann der Kollege.“, lächelte der Arzt leicht. Semir besah sich sein verbundenes Gelenk und versuchte die Finger zu krümmen. Der Arzt sah ihn warnend an. „Würden Sie das bitte lassen? Der Gips muss erst einmal trocknen…“, fauchte ihn die Schwester an. „Entschuldigung…ich wollten nur testen wie weit ich sie bewegen kann… Mein Leben hängt davon ab.“, gab Semir zu verstehen. „Wenn der Gips trocken ist, dann werden Sie die Finger gar nicht bewegen können. Für drei Wochen.“, erklärte der Arzt. „Drei Wochen? Hey… das ist viel zu lange!!!“, empörte Semir sich. „Ich werden Sie für drei Wochen nur bedingt dienstfähig schreiben.“, gab der Arzt bekannt. „Na super….ganz tolles Geburtstagsgeschenk…“, knurrte Semir. In drei Tagen hatte er Geburtstag und durfte mit Gipsarm zu hause sitzen. Da hätte er dann auch ne Party steigen lassen können, dachte er bei sich.

    Am Nachmittag wurde Carlos zu seinem Anwalt gebracht, der ihn im Besucherraum erwartete. „Hallo Carlos...Sie sind wieder wohl auf, das freut mich sehr.“ begrüßte dieser ihn. Carlos schluckte leicht. Denn es war nicht sein Anwalt der ihn besuchte, sondern auch Hans Bauer. Die rechte Hand von Vohwinkel. Dieser tauchte eigentlich nur auf, wenn es wichtig war. „Herr Bauer...“ nickte Carlos ihm zu. „Die Aufsicht setzte sich nicht weit von den Männern entfernt auf einen Stuhl. „Was machst du denn hier?“ raunte Carlos ihm leise zu. „Nun wie ich schon beim letzten Mal sage, ist die Beweislage sehr gut für uns. Es gibt da ein Aufnahmefehler den wir zu unseren Gunsten auslegen können und auch werden.“ fing Hans an. Carlos nickte nur. „Wann?“ harkte er nach. „Wenn alles gut geht, dann werden wir in elf Tagen zuschlagen. Du wirst höchstens eine Stunde in diesem Transporter sein, dann wirst du frei sein.“ grinste Hans. „Hör mal...hier drin ist ein Typ, der mir sehr zur Seite gestanden hat. Er heißt Benjamin Block. Das ist ein Teufelskerl...er taugt was. Und er will auch abhauen. Zufällig wird er am gleichen Tag verlegt. Auch nach Köln und er fährt mit mir zusammen. Das ist schon klar. Können wir ihn mitnehmen? Er hat mich vor dem Don gerettet.“ bat Carlos. „Benjamin Block? Was hat er gemacht, das er hier einsitzt?“ wollte Hans wissen. „Nach seinen Angaben hat er versucht einen Bullen zu ermorden und sitzt für sieben Jahre ein. Er ist wirklich zu gebrauchen. Ich habe gesehen wie er drei Kerle zusammen geschlagen hat...“ stieß Carlos aus. „Da ich vom Boss die Order habe auch neue Leute anzuheuern...warum nicht...versuchen wir es...“ grinste Hans. Carlos atmete tief ein. „Das ist klasse...“ strahlte er. Hans stand auf und verabschiedete sich mit einem festen Händedruck. „Nur keine Sorge...in wenigen Tagen habe ich Sie hier raus.“ versprach er laut und vernehmlich. Carlos nickte nur. Der Beamte sah ihn mitleidig an. „Das sagen alle Anwälte. Damit verdienen die ihr Geld. Ich würde nicht soviel auf das Gelaber geben. Deine Strafe wirst du egal wo und in welchem Knast absitzen müssen.“ verhöhnte er den Gefangenen. „Carlos sah ihn an. „Halt die Klappe Mayer...meinst du nicht, dass ich weiß das du mit dem Don zusammen arbeitest? Du lässt ihn in die Zeller der Neulinge, damit sie direkt unter Druck gesetzt werden. Wenn der Direktor das erfährt, kannst du demnächst die Klos schrubben...als Insasse!“ fauchte Carlos ihn an.

    Ben saß in seiner Zelle und las in dem Buch als die Zellentür aufging. Er sah auf und war verwundert, dass Carlos rein kam. „Was machst du denn hier?“ fragte er erstaunt. „Du willst doch raus oder?“ harkte Carlos nach. „Ja sicher! Aber wie ich schon sagte, ich werde in elf Tagen verlegt und damit ist nichts mit Freiheit.“ meinte Ben nur. „Ich werde auch verlegt. Das weißt du doch und ich denke nicht, dass die uns getrennt verschiffen. Vermutlich in so einem großen Bus mit den Zellen. Und mein Boss wird diesen überfallen und uns befreien. Wenn du willst. Aber dann musst du für meinen Boss arbeiten...“ erklärte Carlos. „Nun...das ist kein Problem. Wer ist denn dein Boss?“ fragte Ben nach. Carlos grinste. „Andreas Vohwinkel...“ gab er bekannt. Ben zog die Schultern hoch. „Kenne ich nicht...“ grinste er. „Du kennst ihn nicht? Das ist die Nr. 1 wenn es um Drogen geht. Er ist der Mann der alles regelt...Brauchst du Waffen? Vohwinkel beschafft sie dir. Du willst Mädchen haben? Kein Ding...Vohwinkel hat sie...du braucht Koks? Auch davon hat er genug...“ zählte Carlos auf. Ben sah ihn an. „Ich weiß nicht...“ murmelte er nachdenklich. „Gut...dann nicht...mehr als anbieten kann ich es dir nicht.“ kam von Carlos und er drehte sich um. „Hey...also gut...ich mach mit...ich hoffe nur, dass ich dann wirklich frei bin...“ lenkte Ben ein. Carlos verschwand, doch Ben sollte nicht lange Ruhe haben. Nur zehn Minuten später wurde er von der Zelle in den Besucherraum gebracht. Dort wartete Sklogowski auf ihn. „Wo ist Gerber?“ fragte er. „Herr Block...setzen Sie sich!“ forderte der LKA-Mann ihn auf. Ben tat es. „ Ist was passiert?“ fragte er leise. Sklogowski nickte. „Fynn Gerber ist wieder frei, aber er liegt im Krankenhaus. Vohwinkel hat ihn süchtig gemacht und ihm im Krankenhaus einen goldenen Schuss verpasst. Wir wissen nicht ob er überlebt. Klaus Gerber ist natürlich bei ihm.“ erzählte der LKA-Mann leise. „Das tut mir sehr Leid. Wie stehen seine Chancen?“ harkte Ben nach. „Die Ärzte sind sich nicht sicher. Fynn kämpft, aber er ist sehr geschwächt. Wie weit sind Sie?“ stellte Fritz die Gegenfrage. „Wenn alles klappt bin ich in elf Tagen in der Bande. ‚Also wesentlich länger als Sie gesagt haben, als ich den Fall übernahm. Sie müssen dafür sorgen, dass ich mit Carlos verlegt werde. Dieser Bus wird überfallen und er wird genau wie ich befreit.“ raunte Ben ihm zu. Sklogowski nickte. „Das ist kein Problem. Gerkan hat mir von diesem Plan erzählt. Das kriege ich hin.“ gab er zurück. „Was ist mit Semir?“ wollte Ben noch wissen. „Vohwinkel hat einen der Informanten umgelegt und Herr Gerkan hat eine Spritze mit Betäubungsmittel verabreicht bekommen. Vohwinkels Mann sagte ihm, dass er innerhalb von 72 Stunden sterben wird, wenn er kein Gegengift bekommt, aber die Ärzte können keine schädliche Substanz feststellen. Wir halten es für ein Ablenkungsmanöver um ihn aus dem Verkehr zu ziehen. Sie können sich Vorstellen, das Herr Gerkan darauf nicht eingeht. Er macht weiter.“ erzählte Sklogowski. Über Bens Gesicht huschte ein Grinsen. „Ja...so kenne ich ihn.“ gab er zu.

    hier gibt es schon mal was...hallo...Forum...melde mich zurück...;)

    Semir sah sich in der Tankselle um. „Der Gute hat einen Fehler gemacht…“, lachte er plötzlich. Ben kam zu ihm. „Wieso?“, wollte er wissen und Semirs Finger ging nach oben. Dort hing ziemlich versteckt eine Kamera. „Ich wette wir haben ihn drauf. Und damit können wir dann endlich nach diesem Mistkerl suchen, der mir fast meine Frau genommen hat.“, knurrte Semir wütend. Ben spürte, dass er vor Wut kochte. „Hey…. Sei froh, dass Dieter ihr den Kaffee weggenommen hat.“, legte er ihm die Hand auf die Schulter. „Ja sicher…. Nur was, wenn sie ihn irgendwo unterwegs getrunken hätte…Ben wir müssen diesen Mistkerl finden. Er muss einen Vorrat haben oder es war absichtlich, dass er ihn Andrea verkauft hat.“, mutmaßte Semir. „Dann müsste er wissen, dass du mit Andrea verheiratet bist. Nein….ich denke, es ist wirklich ein Feldzug gegen Mewes…“, widersprach Ben. „Vermutlich hast du Recht…“, murmelte Semir als sein Handy klingelte. „Hartmut? Was ist mit dem Kaffee von Andrea?“, wollte er sofort wissen, als er sah wer anrief. „Der Kaffee war tatsächlich mit Blausäure versetzt. Da hat Andrea wirklich Glück gehabt.“, gab der Techniker von sich. „Danke Hartmut… das weiß ich…“ murmelte Semir nur und beendete das Gespräch. Er sah Ben an. „Das war eine Kriegserklärung mir gegenüber…“, stieß er wütend aus. Die Spurensicherung sowie der Arzt trafen ein. Nur wenig später kam der Arzt zu ihnen. „Tja…die Todesursache muss ich sicher nicht erläutern. Der Arme wurde regelrecht hingerichtet.“, erklärte er. Semir nickte. „Komm Ben. ..wir werden Mewes noch einmal einen Besuch abstatten.“, knurrte er und verschwand mit Ben.

    Mewes hob gerade den Hörer ab, als Semir und Ben ins Büro stürmten. „Verdammt ja…ich hab das Geld…“, stieß er aus. Sofort stoppten die Beamten. „Ja…ja…sie sind hier…“, gab er durch und reichte den Hörer an Semir weiter. „Ja?“, meldete er sich. „Ich habe Sie zum Boten auserkoren. Sie dürfen sozusagen die Glücksfee für mich spielen…“, hörte der Hauptkommissar den Erpresser sprechen. „Verdammt noch mal…hören Sie auf mit diesem Spiel. Es sterben Menschen, die nichts mit Ihrem Schicksal zu tun haben, Mendes…“, stieß Semir wütend aus und wagte einen Schuss ins Blaue. Der Erpresser schwieg erschrocken doch es dauerte nicht lange, bis er scheinbar wieder gefasst war. „Sie werden mir das Geld zum ehemaligen Rastplatz Eifeltor bringen. Ich warne Sie…. Wenn Sie auch nur einen Trick versuchen, wird es für weitere Menschen tödlich enden!“, warnte ihn der Mann. „Okay…ich tu was Sie sagen…“, ging es beherrscht mit Semir weiter. Er atmete tief durch und sah zu Ben. „Wann?“, fragte er weiter. Der Techniker hob die Hand, dass es fast soweit war, und er ihn geortet hätte, doch dann knackte es im Hörer. Semir ließ ihn sinken. „Aufgelegt…“, gab er bekannt. Er wandte sich an Mewes. „Sie glauben wirklich, dass Mendes dahinter steckt?“, wollte dieser wissen. „Das war eine Vermutung. Bisher haben wir ihn noch nicht gefunden. Aber es ist gut möglich. Sagen Sie mir bitte was über Mendes? Warum wurde er gekündigt?“, forderte Semir auf.

    Mendes legte auf, denn er sah auf die Uhr während er telefonierte. Irgendwo hatte er mal gelesen, dass die Polizei Gespräche orten konnte und er war noch nicht soweit. Vor ihm auf dem Tisch lag ein kleines Bündel mit Dynamit. Wie einfach es doch war über den Schwarzmarkt an Sprengstoff zu kommen, dachte er. Doch für ihn war es nicht wichtig. Er präparierte Rohre mit Nadeln, Glassplitter, Schrauben, Steine. Dann verschloss er es und befestigte das Dynamit daran. Nun musste er nur noch einen geeigneten Platz finden. Und den hatte er schon im Auge. Rastplatz Drei Eichen… dort hielten einige Autos an und machten eine Pause. Hier sollte das tödliche Ding hochgehen. Mendes war es ziemlich egal ob er unschuldige Menschen tötete, denn auch seine Laura war unschuldig und musste sterben. Nur weil einer der reichen Männer dachte Schicksal zu spielen und ihn in ein Loch zu stürzen. Er griff erneut zum Telefon und rief Mewes an. „Geben Sie mir doch noch einmal Herrn Gerkhan…“, forderte er auf. „Ja…?“, hörte er kurz darauf. „Herr Gerkhan…. Sie werden sich um 15 Uhr auf dem alten Rastplatz einfinden. Ich warne Sie erneut….sollten Sie einen Trick versuchen, dann werden Sie viele Menschen damit verletzen…halten Sie sich an meine Vorgaben und wir werden alle ein schönes Leben genießen können….“, drohte er. „Okay… ich tu was Sie wollen…“, war die Antwort. Dann war wieder das Klacken zu hören. Wieder wanderte Semirs Blick zu Hartmut. „Wieder nichts Semir. Tut mir Leid.“, erwiderte der Techniker. Mit aufgestauter Wut ließ Semir den Hörer sinken und sah Mewes an. „Was können sie uns über Mendes erzählen?“, fragte der Deutschtürke wieder. „Schwieriger Mann... er war mal ein guter Arbeiter, aber ich musste ihn wegen betriebsinterner Angelegenheiten entlassen.“, erklärte Mewes. Ben lachte verächtlich auf. „Klar... das heißt, er hat sie zu viel gekostet und sie haben ihn einfach prompt auf die Straße gesetzt. Ist doch so, oder?“, fauchte der junge Hauptkommissar und sah den Mann herablassend an. Aus der Firma seines Vaters kannte er solche Methoden nur zu gut. „Herr Jäger, ich glaube nicht, dass ich mit ihnen über personaltechnische Dinge debattieren muss, oder?“, schnauzte Mewes Ben an. „Der Mann hat durch die Kündigung seine schwer kranke Tochter verloren und seine Frau. Was glauben sie, warum er so wütend auf sie ist?“, schrie Ben zurück und ging wutentbrannt auf Mewes zu, doch Semir packte ihn und schob ihn aus dem Büro raus.

    „Ben, beruhig dich.“ „Beruhigen? Semir, wie soll ich mich beruhigen. Dieses Arschloch ist doch mitverantwortlich dafür, dass fünf Menschen sterben mussten. Und ich wette, er wird das unter einkalkuliertes Finanzrisiko führen.“, fauchte Ben und strich sich nachdenklich über den Kopf. „Was machen wir jetzt?“, wollte er von seinem Partner wissen. Dieser tippte schon auf seinem Handy herum und wählte Susanne an. „Jetzt? Jetzt fahren wir zu diesem Robert Mendes und fühlen ihm ein wenig auf den Zahn.“, meinte Semir und ließ sich von Susanne noch einmal die Adresse nennen. Wenige Minuten später saßen sie im Wagen und steuerten ihn in die Hub-Stevens-Strasse 8. „Hier wohnt der?“, fragte Ben, als sie ausstiegen. Sie standen vor einen heruntergekommenen Hochhaus. „Ich glaube, wenn du alles im Leben verlierst, was du liebst, ist dir das Leben nicht mehr so wichtig.“, philosophierte Semir nur und ging mit Ben zum Eingang. Die Namen auf den Klingelschildern waren alle entweder mit Graffiti übersprüht oder kaum noch lesbar. „Verdammt, wie sollen wir denn da wissen, wo Mendes wohnt?“, grummelte Ben und klingelte jetzt einfach bei irgendwem. „Jaaa?“, kam es genervt aus der Sprechanlage. „Paketdienst... können sie mal bitte öffnen?“, fragte Ben mit fester Stimme. „Okay.“, erklang es dann gleichgültig zurück und im nächsten Moment ertönte der Summer. „Fangen wir oben an und arbeiten uns nach unten durch?“, schlug Semir vor. Ben nickte zustimmend. Sie ahnten nicht, dass Robert Mendes sich in diesem Moment im Keller befand und dort in seiner kleinen Werkstatt an seiner Überraschung bastelte.

    Andreas Vohwinkel sah Hans an und schnaubte wütend, als dieser ihm erzählte, was er von Fynn erfahren hatte. „Die haben was?“ fragte er nach. „Sie haben einen Kollegen in den Knast gesteckt, der mit Carlos Kontakt aufnehmen soll und dann in die Bande aufgenommen werden soll. Sie wollen uns ausheben.“ gab Hans zurück. „Diese Idioten...warum schnallen die nicht, das sie gegen mich keine Chance haben? Reicht es ihnen nicht, dass ich einen umgebracht habe? Wollen sie noch mehr Opfer...okay...dann spielen wir das Spiel mal mit...“ Andreas machte eine kleine Pause. „Ich denke du wirst Carlos besuchen. Aber sag ihm nicht, dass dieser Kerl ein Bulle ist. Carlos ist nicht helle genug und würde mir meinen Plan, den ich nun verfolge zu Nichte machen. Wenn Carlos vorschlägt den Jungen mitzunehmen, dann stimm zu.“ grinste Andreas. „Und was hast du dann vor?“ harkte Hans nun nach. „Wir werden den Spieß umdrehen. Du sagtest doch das dieser Benjamin von der Autobahnpolizei ist...genau wie mein Freund Gerkan. Ich kann mir vorstellen, das Benni alles tun würde um seinen Kollegen vor einem grausamen Tod zu bewahren oder nicht?“ grinste Andreas. „Du willst Gerkan auch süchtig machen?“ fragte Hans erstaunt. „Nein...das Zeug ist mir zu schade um noch einen Bullen an die Nadel zu bringen. Wir werden den Spieß einfach umdrehen. Benni wird mir Informationen bringen, solange ich Gerkan in meiner Gewalt habe. Und er wird mir sogar helfen, ihn zu bekommen...“ erklärte Vohwinkel seinen Plan. Als er fertig war, lachte Hans auf. „Das ist echt genial...das wird ein Spaß... Willst du Gerkan holen oder was?“ wollte Hans wissen. „Nein....noch nicht. Lass uns noch etwas spielen. Ich denke die Bullen wissen von unserem Waffendeal in wenigen Tagen. Dort werden sie sich auf die Lauer legen und wir werden dank Gerkans Hilfe dort wegkommen. Bis dahin habe ich Benni hier und er wird mitmachen.“ erklärte Andreas seinen Plan. Hans sah auf die Uhr. „Fynn dürfte mittlerweile das zeitliche gesegnet haben und sein Bruder wird im Selbstmitleid vergehen.“ grinste er. Andreas nickte. „Ja...und damit ist auch Klaus Gerber ausgeschaltet. Nun fehlen nur noch die Autobahnbullen und die haben sich mit dem falschen angelegt. Nach diesem Fall werden sie mich nie wieder unterschätzen. Wenn Gerkan tot ist, dann ist alles in Ordnung. Und er wird einen sehr langsamen Tod sterben, das verspreche ich dir.“ drohte Andreas.

    Ben saß mit Mike und Carlos an einem Tisch und frühstückte. „Ich wette, dass dieser Don uns nicht in Ruhe lässt.“ meinte Ben und sah verstohlen zu dem Insassen, der die anderen Häftlinge erpresste. „Ganz sicher nicht. Aber ich werde nicht zahlen. Nie...ich lasse mich nicht erpressen und werde mich nicht unterordnen lassen. Außerdem werde ich meinem Anwalt einen Tipp geben. Wenn der Don meinen Boss kennen würde, dann würde er vor mir kriechen.“ gab Carlos zurück. Ben lachte auf. „ja klar...hey...der Don hat vor niemanden Angst. Und weißt du auch warum? Weil hier niemand etwas gegen ihn unternimmt! Niemand.! Nicht einmal dein Anwalt kann ihn was. Er macht das schon seit Jahren!“ stieß Mike aus. „Es hat noch niemand gewagt, etwas gegen ihn zu machen, weil hier nur Feiglinge sitzen. Der einzige der wirklich was macht ist unser Benni hier. Er hat ihm gezeigt das er nicht alles mit jedem machen kann was er will.“ meinte Carlos im Gegenzug. „Nein...er ist direkt auf der Krankenstation gelandet. Weil er nicht zahlen wollte, hat Don ihn zusammenschlagen lassen! Genau wie dich. Und das wurmt dich. Du hast nämlich eingesehen, dass du auch keine Chance gegen ihn hast. Und deinem Boss ist das doch völlig egal. Warum bist du sonst noch hier!“ lachte Mike. „Meinst du? Du wirst schon sehen. Spätestens übermorgen wird der Don Geschichte sein. Und dann wird Sputnik sich nicht mehr hinter ihm verstecken können. Dann ist diese Schwuchtel hier Freiwild und sicher werden das einige der Freunde hier nutzen. Und was mich angeht...ich werde nicht mehr lange hier sein. Ich werde verlegt...falls du es noch nicht mitbekommen hast!“ fauchte Carlos zurück. Mike sah Ben an. „Hör mal Benni...das ist ein Großkotz. Der reißt hier seine Klappe auf, aber wenn der Don ihn in die Finger bekommt, dann ist er ganz ruhig und macht sich vor Angst in die Hose.“ reizte Mike Carlos. Dieser sprang auf und schlug Mike seine Faust ins Gesicht. „Ich bin nicht feige!!“ schrie er wütend. Ben versuchte die Männer auseinander zu bekommen, die sich nun gegenseitig schlugen. Dabei bekam er eine Faust ins Gesicht und ging stöhnend zu Boden. Nur kurz darauf gellten Pfiffe durch den Saal. Die Aufsichtsbeamten griffen ein. Sie drehten Mike und Carlos die Arme auf den Rücken und drückten sie wieder auf die Bank. Auch Ben wurde so behandelt, obwohl er nur versucht hatte Frieden zu stiften. „Wisch dir dein Blut weg und iss weiter!“ fauchte ihn einer der Beamten an. Ben nickte. „Hier lief einiges schief. Wie die Beamten mit den Häftlingen umgingen war nicht korrekt und er würde einiges an den Direktor herantragen müssen. Er leerte seinen Teller und sah Carlos an. „Alles okay?“ wollte er wissen. Carlos nickte. „Ja sicher...dieses Weichei wird schon noch seine Quittung bekommen. Genau wie der Don...“ versprach er.

    15.09.2011 "72 Stunden Angst"

    Ben und Semir bewegen sich auf ungewohntem Terrain: Statt in einem PS-starken Gefährt, drehen sie ihre Runden auf einem "Drahtesel". Die beiden sind dazu verdonnert worden, als Fahrrad-Polizisten Dienst zu schieben. Sie werden Zeuge, wie plötzlich eine Gruppe Drogendealer regelrecht niedergemäht werden. Im Zuge der Ermittlungen wird schnell klar, dass sich in Deutschland offenbar eine Drogenorganisation breitmacht, die ohne jeden Skrupel agiert.

    Eine Spur führt Ben und Semir zu einer Frau aus Semirs Vergangenheit - Nazan - und deren neunjährige Tochter Dana, die plötzlich entführt wurde. Nazan kann sich weder erklären, woher die Verbrecher ihre Adresse haben, noch was sie von ihr wollen. Doch Nazan gesteht Semir ein anderes Geheimnis: Dana ist seine leibliche Tochter!
    Mehr denn je setzen Ben und er alles daran, das Mädchen zu finden und ziehen so den Zorn der Drogenorganisation auf sich, die offenbar etwas mit der Verschleppung des Mädchens zu tun hat.

    Nach einer Verhaftung eskaliert die Lage und die Verbrecher verüben einen Bombenanschlag auf das Autobahnrevier. Doch die hartgesottenen Polizisten zeigen sich unbeeindruckt und holen zum Gegenschlag aus, um Danas Leben zu retten. So kommt es schließlich in Istanbul zu einem fulminanten Show-Down.

    Dein Wunsch Elina, ist mir Befehl...also fast...hier kommt die Fortsetzung....unserer Story. Allerdings hat es bei Chris einen Mord im Haus gegeben...genauer gesagt in seiner Wohnung. ...sein Router wurde umgebracht...und der Arme ist ohne Internet....;) deshalb heute und morgen von mir die Teile und dann ist eh bist Sonntag schluss.... FAntreffen

    *************************************************************************************************************************************************************************

    Rupert Mewes fuhr zeitig zum Betrieb. Er hatte die halbe Nacht nicht geschlafen wegen dem Ärger mit der Polizei. Peter Schwindel stürzte auf ihn zu. „Herr Mewes…. Die Polizei wartet in Ihrem Büro.“, sagte er aufgeregt. Rupert nickte nur. „Ja schon gut… ich komme ja…“, maulte Rupert. Er hasste es, wenn es bereits am Morgen so hektisch war. Seine Sekretärin begrüßte ihn freundlich. „Frau Tempel…haben Sie die Herren von der Polizei bereits einen Kaffee gebracht?“, wollte er unfreundlich wissen. „Ja selbstverständlich… Herr Mewes…“, gab sie beherrscht zurück. Sie war lange genug im Betrieb beschäftigt um mit den Launen des Mewes umgehen zu können. Mewes betrat sein Büro und begrüßte die beiden Männer, die in der Besucherecke seines Büros saßen. „Herr Mewes?“, fragte der Kleinere von beiden. Rupert nickte. „Mein Name ist Semir Gerkhan, mein Kollege Ben Jäger.“, stellte sich Semir vor und sah, dass der Mann etwas zusammengezuckt war. „Um was geht es und wie kann ich der Polizei helfen?“, wollte er wissen und bat die beiden wieder Platz zu nehmen. „Wir untersuchen eine Reihe von Todesfällen, die im Zusammenhang mit einem ihrer Produkte stehen.“, erklärte Ben und hielt sich die Wange, nachdem er einen Schluck vom heißen Kaffee getrunken hatte. „Ist ihnen nicht gut?“, wollte Rupert Mewes wissen. Ben schüttelte den Kopf. „Nur Zahnschmerzen... sprechen sie ruhig weiter.“ „Beachten sie ihn gar nicht. Er ist ein Jammerlappen.“, meinte Semir nur und wurde von Ben dafür in die Rippe geknufft. „Herr Mewes, es geht um ihren Latte Macchiato... damit wurden bisher drei Leute umgebracht. Haben sie eine Erklärung dafür?“, fragte Semir und sah den Geschäftsmann eindringlich an. „Nein, ich bin selbst geschockt, aber müssen sie wirklich alle meine Produkte aus dem Verkehr ziehen?“, fragte er nur. „Ja, um weitere Leben zu schützen. Das verstehen sie sicherlich.“, entgegnete Ben und sah auf. Mewes nickte, doch so richtig zufriedenstellend war die Antwort nicht für ihn. „Herr Mewes, haben sie in den letzten Tagen irgend eine Erpresserbotschaft erhalten? Irgendwas, was darauf hinweißt, dass sie erpresst werden oder werden sie überhaupt erpresst?“, wollte Semir wissen. „Tut mir Leid, meine Herren, doch ich kann ihnen nicht helfen. Ich werde nicht erpresst, nein.“, erwiderte er, doch so richtig glaubten ihm Ben und Semir nicht. „Wir würden dennoch gerne eine Liste all ihrer Mitarbeiter haben, auch der ehemaligen.“, bat Semir freundlich. Mewes nickte und eine viertel Stunde später war die Liste fertig. Ben und Semir fuhren zurück zur Wache.

    „Du kannst sagen, was du willst, aber ich glaube, dieser Typ hat uns nicht die Wahrheit gesagt.“, schnaubte Ben und fühlte mit seiner Zunge nach seinem Zahn. Er verzog das Gesicht, als der Schmerz durch sein ganzes Gesicht fuhr. „Ben, geh endlich damit zum Zahnarzt. Was es auch ist, es könnte sich entzünden.“, meinte Semir führsorglich. „Ja, Papa.“, stöhnte sein junger Partner nur auf und verdrehte gekonnt die Augen. „Aber ich muss dir Recht geben. So ganz koscher kommt mir dieser Mewes auch nicht vor. Na, hoffentlich finden wir was heraus, wenn wir die Namen durch den Computer jagen.“, fügte Semir hinzu und bog auf den Parkplatz der PASt ein. „Schnell Dieter, da ist Semir. Weg mit dem Geschenk.“, stieß Hotte aus, als er den kleinen Türken zur Tür reinkommen sah. Schnell verschwand das Päckchen unter dem Tisch, was von der Chefin mit Argusaugen beobachtet wurde. Auch sie war natürlich in die kleine Verschwörung durch Ben eingeweiht worden. „Und, meine Herren, gibt es was neues?“, fragte sie sofort, als sie sah, dass Semir seine Blicke zu Dieter schweifen ließ und an ihm verharrte. Semir drehte sich zu Kim. „Wir waren gerade bei Herrn Mewes, aber sehr kooperativ hat er sich nicht gerade verhalten.“, erklärte der Deutschtürke und reichte ihr die Liste mit den Namen. „Das sind die Namen der Mitarbeiter, die in der Abfüllabteilung arbeiten oder gearbeitet haben.“ „Sie meinen, dass einer von ihnen der Täter ist? Gibt es ein Erpresserschreiben?“, wollte Kim wissen und sah abwechselnd zwischen den beiden Kommissaren hin und her. „Mewes sagt, es gibt keines, aber wir haben den Verdacht, dass er lügt.“, entgegnete Ben mit leicht zittriger Stimme. „Gut, dann überprüfen sie die Namen und hoffen wir, dass es keine weiteren Toten gibt.“, meinte Kim und ließ dann ihre Beamten an die Arbeit gehen. Ihre Hoffnung sollte sich nicht erfüllen.

    Annett Reeder fuhr mit ihrem kleinen Käfer über die Autobahn. Die Studentin hatte es sehr eilig und musste vor Vorlesungsbeginn noch ihre kleine Tochter zu Annetts Mutter bringen, da die KiTa wegen einer Maserepidemie vorübergehend geschlossen wurde. „Mama, ich habe Durst.“, quengelte die Kleine und rutschte in ihrem Sitz hin und her. „Bei Oma kriegst du was zu trinken. Jetzt nicht, Schätzchen.“, erwiderte die Mutter genervt und kramte blind in ihrem Handschubfach nach ihrem letzten Becher Latte. Sie nahm einen guten, aber kleinen Schluck davon. „Ich will auch davon. Wieso darfst du das trinken?“, protestierte die Kleine und riss am Arm der Mutter. „Lass das, Jasmin.“, fauchte sie und wollte sich losreißen, verschüttete dabei das Meiste. „Verdammt.“, schrie sie aus, als die heiße Masse auf ihrer Hose landete. „Kannst du nicht hören, wenn man was zu dir sagt.“, fauchte die überforderte Mutter ihre Tochter an und lenkte den Kleinwagen auf den nächsten Rastplatz. Sie stieg aus und ging auf die Toilette, um sich zu säubern, den Rest des Latte-Bechers warf sie in einen Papierkorb. Sie stand vor dem Spiegel und versuchte mit Wasser und den Papiertüchern den Fleck soweit zu entfernen, dass er nicht mehr sichtbar war, als sie plötzlich heftige Atemnot verspürte. Ihr wurde schwarz vor Augen und sie kippte nach hinten weg, der Reinigungskraft in die Arme. „Oh mein Gott...ruft einen Arzt schnell!!“, schrie Beate Furch zu ihrer Kollegin als sie die junge Frau auffing. „MAMA...... MAMA.....“, weinte ein kleines Mädchen. Sofort war die Kollegin mit ihrem Handy da, rief die Rettung und versuchte das kleine Mädchen zu beruhigen. Es dauerte nicht sehr lang bis der Notarzt da war. Doch er konnte für Annett nichts mehr machen. Schaum trat aus ihrem Mund. Er sah erschrocken zu dem Kind, was dem Sterben der Mutter zu gesehen hatte. „Was für ein ...“, fauchte er wütend. Dann rief er die Polizei.

    Semir und Ben saßen im Büro und warteten auf die Ergebnisse, als sie den Anruf einer weiteren Toten bekamen. Sofort rasten sie los. Ben vergaß seine Zahnschmerzen und Semir, dass er Hotte und Dieter fragen wollte, was sie da vorhin versteckt hatten. Sie kamen auf der Raststätte an und wurden direkt in die Toilettenräume gebracht. Ein kleines Mädchen saß auf dem Stuhl bei einer der Rettungsassistenten, während der Notarzt gerade die Leiche einer Frau abdeckte. „Hallo Doc.... das Gleiche?“, fragte Semir nur. Der Arzt nickte. „Wer ist die Kleine?“, wollte Ben wissen. „Vermutlich ihre Tochter. Die Tote heißt Annett Reeder. Die Kleine heißt Jasmin. Sie hat vermutlich mit angesehen, wie ihre Mutter starb. Bittermandel oder wie ihr sie auch kennt Blausäure. Wann zum Teufel schnappt ihr euch endlich den Mistkerl?“, ranzte der Arzt die Polizisten an. „Wir sind dran. Leider gibt es nur sehr wenige Hinweise, aber wenn du mir den Namen verrätst, verspreche ich dir, dass ich ihn heute noch verhafte...“, giftete Ben ihn an. „Entschuldige... aber es ist so...ich meine... die Kleine dort... sie musste sehen, wie ihre Mutter unter Krämpfen starb.“, versuchte der Arzt seine Situation zu erklären. Ben nickte nur. „Schon gut...ich versteh dich.“, sagte er. „Wir haben übrigens die Oma informiert. Die Kleine sagte, sie wollten zu ihr fahren, weil die Mama arbeiten musste. Sie wird sicher gleich hier sein.“, erklärte einer der umstehenden Polizisten. „Das hier... haben wir gefunden.“, er hob einen Latte Macchiato Becher hoch. Semir griff ihn und sah Ben an. „Wir werden Mewes noch einmal besuchen komm!“, befahl er hart.

    „Atmen Sie tief ein und aus. Ganz ruhig liegen bleiben…“ redete Dr. Volkhoven auf Semir ein, der immer noch würgte. „Verdammt...was ist das denn?“ stieß dieser aus, als sein Magen sich beruhigt hatte. „Das scheint eine Nebenwirkung des Schlafmittels zu sein.“ meinte der Doktor. Die Schwester kam herein und reichte ihm ein Blatt. „Ah…die Blutergebnisse….“meinte er und sah sich die Ergebnisse an. „Okay…..ja…ja…..“ murmelte er und Semir wurde schon nervös. „Ist alles in Ordnung? Was hat der Mistkerl mir in die Venen gejagt?“ harkte er nach. Dr. Volkhoven ließ das Blatt sinken. „Ich kann keine schädliche Substanz finden. Entweder existiert das Gift nicht oder es ist nicht nachweisbar.“ gab er bekannt. „soll das heißen, der Kerl hat mir nur Angst einjagen wollen?“ kam nachdenklich von Semir. „Das ist gut möglich. Wir können nur abwarten.“ erklärte der Arzt weiter. Semir setzte sich auf und warf die Decke zur Seite. „Dieser verdammte Mistkerl.“ stieß er aus. Kim sah ihn an. „Semir! Sie bleiben bis übermorgen hier!“ befahl sie. „Aber Chefin!! Bis dahin kann Vohwinkel schon über alle Berge sein!“ widersprach Semir. „Sie haben vielleicht etwas im Blut und das muss jetzt erst einmal geklärt werden. Wenn nichts passiert, dann ist alles in Ordnung, aber wenn Sie krank werden, dann…dann muss sofort gehandelt werden.“ warf sie ein. „Genau das ist es doch. Vohwinkel hat wenn er mir Gift gespritzt hat, das Gegenmittel! Ich muss es vorher wissen!“ fauchte Semir wütend zurück. Er sah den Arzt an. „Haben Sie irgend eine Veränderung im Blut gesehen, die auf eine Krankheit oder Vergiftung hindeuten?“ wollte er wissen. „Das kann ich verneinen. Ihr Blutbild gleicht dem einen gesunden Menschen. Normalerweise könnten Sie nach Hause gehen...“ meinte Dr. Volkhoven. „Sehen Sie….ich darf gehen!“ grinste Semir und zog sich an. Die Übelkeit und auch der Schwindel waren verschwunden. „also gut…ich kann Sie eh nicht ans Bett fesseln. Aber Sie sollen wenigstens heute hier bleiben. Sie können ja mal versuchen Fynn Gerber zu vernehmen.“ schlug Kim vor. Semir sah den Arzt an. „Es wäre besser…“ stimmte er zu. Semir nickte. „also gut…ich bleibe bis morgen früh, aber dann werde ich wieder gehen!“ legte Semir fest. Ein weiterer Arzt kam ins Zimmer und flüsterte Dr. Volkhoven etwas ins Ohr. „oh verdammt!“ stieß dieser aus. „Ist doch etwas zu finden?“ wollte Semir sofort wissen und sah ihn besorgt an. „Nein...bei Ihnen nicht…aber…Fynn Gerber ist mit einer Überdosis auf die Intensiv gekommen.“ stieß der Arzt aus. „Verdammt!“ kam auch von Semir und Kim.

    Semir wurde auf die Intensivstation gebracht und sah vor einem der Zimmer Klaus Gerber sitzen. „Herr Gerber?“ sprach er ihn an. Klaus Gerber sah ihn an. Semir erkannte die Tränen, die der Mann vergossen hatte. „Ist alles in Ordnung?“ wollte Semir wissen. Klaus schüttelte den Kopf. „Ich bin Schuld wenn mein Bruder stirbt. Ich habe diese Schwester zu ihm gelassen und sie hat ihn den Stoff besorgt.“ stieß Klaus aus. „Das ist doch Blödsinn. Wenn jemand Schuld hat, dann Vohwinkel!“ widersprach Semir. „Nein…nein. Sie verstehen das nicht. Ich habe Fynn versprochen ihn zu beschützen und ich …ich habe sie ins Zimmer gehen lassen. Ich habe seinen Mörder ins Zimmer gehen lassen...“ wiederholte Klaus. Semir erkannte, dass der Mann nicht vernehmungsfähig war. „Wie ging es Ihrem Bruder vorher?“ wollte Semir wissen. „Er war in einem sehr desolaten Zustand als ich ihn fand. Er war auf einmal im Gebäude des LKA. Und…ich habe ihn gesehen, wie er vor einem Aktenschrank hockte. Er schien etwas zu suchen. Als ich ihn aufforderte sich umzudrehen, und ich ihn erkannte, kippte er um. Seine Rippen sind gebrochen. Er hat blaue Flecke, hatte zu wenig getrunken. Vohwinkel hat ihn fertig gemacht. Hat ihn an die Nadel gebracht. Die Fesselmale waren deutlich an Hand- und Fußgelenken zu sehen. Fynn musste durch die Hölle gegangen sein.“ stieß Klaus aus. Semir räusperte sich. „Wenn diese falsche Schwester bei ihm war, könnte es sein, dass er etwas verraten hat?“ wollte Semir wissen. Klaus sah ihn an. „Sie denken, mein Bruder hat sein Wissen für Drogen verkauft?“ harkte er nach. Doch Semir hörte die Wut in den Worten. „Es wäre nicht das erste Mal, das Vohwinkel daraus Vorteil zieht. Ich will Ihrem Bruder nichts unterstellen, aber ich kann es nicht ausschließen. Weiß er das mein Kollege in die Bande eingeschleust werden soll?“ fragte Semir nur direkt. Klaus schüttelte den Kopf. „Ich habe ihm nichts gesagt.“ log er. Semir nickte und atmete tief ein. „Ich wünsche Ihrem Bruder alles erdenklich gute…“ sagte er und stand auf. Bevor er gehen konnte, hielt Klaus ihn am Pyjama fest. „Tun Sie mir ein Gefallen, Gerkan?“ bat er. Semir nickte. „Was kann ich machen?“ wollte er wissen. „Ich werde hier bei Fynn bleiben. Stellen Sie den Kerl und bringen Sie ihn da hin wohin er gehört. Für immer…“ gab Klaus von sich. Semir nickte. „Das verspreche ich Ihnen…“ bestätigte er. „Ähm Herr Gerber…können Sie die falsche Schwester beschreiben? Vielleicht finden wir sie…“ harkte er nach. Klaus nickte. „Sie hatte lange blonde Haare, die zu einem Zopf geflochten waren. Eine ziemliche Oberweite und ich muss ehrlich sagen, dass die Beine verdammt lang waren. Alles in Allem war sie …. Weiblich aber auch maskulin…sie wirkte sehr männlich, aber …“ gab Klaus die Beschreibung ab. „Könnten Sie sich vorstellen, dass es ein Mann war?“ stieß Semir aus. „Ein Mann? Nein…eigentlich nicht. Warum fragen Sie?“ harkte Klaus nun nach. „Weil es einen Mann in Vohwinkels Reihen gibt, der sich sehr oft als Frau verkleidet. Hans Bauer heißt er…“ gab Semir bekannt. „Wenn ich ein Foto von ihm sehen könnte würde ich ihn sicher wieder erkennen, wenn er es war.“ stieß Klaus aus. „Dann kommen Sie morgen aufs Revier. Ich zeige Ihnen eins.“ versprach Semir und verabschiedete sich endgültig.

    Nur ein paar Zimmer weiter öffnete Semir die Augen und sah sich verwirrt um. Das er nicht in seinem eigenen Bett lag war ihm sofort bewusst. Und dann kam die Erinnerung. Er behielt die Ruhe, denn er spürte, dass er nicht gefesselt war. Hatte man ihn hier eingesperrt? Er wollte sichergehen und erhob sich langsam. Schwindel und Übelkeit überkam ihm. Das Zimmer drehte sich und er hielt sich am Bett fest. Langsam an der Wand abstützend ging er zur Tür und öffnete sie. Sie war nicht verschlossen. Er sah auf einen langen Gang und wollte gerade weitergehen, als eine Frau ihn ansah. „Aber Herr Gerkan...Sie dürfen nicht allein laufen...“ ermahnte sie ihn. „Legen Sie sich bitte wieder hin. Der Arzt kommt gleich zu Ihnen“ hängte sie lächelnd an. „Wo bin ich?“ fragte er lallend. „Im Krankenhaus. Kommen Sie...ich bringe Sie wieder ins Bett...“ bot sie an. Kaum lag er wieder öffnete sich die Tür. Kim Krüger trat ein. „Guten morgen Semir...haben Sie ausgeschlafen?“ wollte sie wissen. Sie trug zwei Becher mit Kaffee und hielt ihm einen hin. „Hier...das können Sie sicher gebrauchen. Wissen Sie was passiert ist?“ harkte sie nach. Semir nickte leicht. „ Die Bande von Vohwinkel hat gestern meinen Informanten erschossen und als ich zuhause war haben mich Typen von Vohwinkel haben mich vor meiner Haustür aufgelauert und mir etwas verpasst. Der Kerl sagte, dass wenn ich nicht sterben will, die Füße stillhalten soll. Und er mir dann das Gegengift bringt. Ich weiß nicht was er mir gespritzt hat...“ erzählte Semir stockend. „Der Arzt hat lediglich Betäubungsmittel in Ihrem Blut gefunden.“ erklärte Kim nachdenklich. „Aber wenn er mir was Anderes gespritzt hat, dann.....Chefin...“ harkte Semir nach. Es ging ihm eigentlich recht gut. „Andrea hat sie gegen halb Drei im Garten gefunden. Sie waren bewusstlos. Der Arzt wird sicher gleich sagen, was gefunden wurde.“ Versuchte Kim ihn zu beruhigen. Wie auf Kommando kam Dr. Volkhoven herein. „Guten Morgen allerseits...Herr Gerkan...wie geht es Ihnen?“ wollte er sofort wissen. „Eigentlich gut. Was ist in der Spritze gewesen, Doc?“ fragte Semir sofort. „Darauf komme ich gleich zu sprechen, Herr Gerkan. Erst einmal werde ich Sie untersuchen.“ wich der Arzt aus. „Chefin...die Kerle wissen wo ich wohne. Ich muss meine Familie in Sicherheit bringen...“ ermahnte Semir seine Vorgesetze. „Ich werde mich darum kümmern. Sie werden hier bleiben, bis sicher ist, dass Sie keine gefährlichen Substanzen in Ihrem Blut haben.“ legte sie fest. Semir nickte. Er spürte einen Druck im Kopf, der sich ausbreitete. „Diese Mistkerle werden das büßen...“ versprach er. „Auf dieser Station liegt auch Fynn Gerber. Nur drei Zimmer weiter.“ gab sie bekannt. Semir sah sie an. „ mir ist schlecht...“ stöhnte er plötzlich und übergab sich.

    Klaus Gerber sah auf als die hübsche Schwester aus dem Zimmer kam. „So…alles erledigt…“ lächelte sie und trug das kleine Tablett auf dem vermutlich die Blutprobe lag davon. „Ist alles in Ordnung?“ fragte er besorgt. „ja…Ihr Bruder wäscht sich etwas und dann können Sie rein.“ nickte sie. Klaus war erleichtert. Die Schwester verschwand. Klaus setzte sich noch einmal auf den Stuhl und las die Zeitung zu Ende. Dann klopfte er zaghaft an der Tür. Von Fynn kam keine Antwort. Klaus lächelte. Vermutlich war sein Bruder wieder eingeschlafen. Er drückte die Klinke runter und betrat das Zimmer. „FYNN!!“ schrie er als er seinen Bruder mit der Spritze im Arm sah. „Fynn!! Sag was!!“ forderte er seinen Bruder auf, der scheinbar schlief. „Fynn...kommt schon!!“ Nichts. Keine Reaktion. Klaus rannte auf den Flur. „EINEN ARZT!!! BITTE EINEN ARZT!!“ schrie er verzweifelt. Nur wenig später erschien ein Arzt auf dem Flur. „Bitte...schnell…mein Bruder…“ stieß Klaus verzweifelt aus. Der Arzt drängte sich an ihm vorbei und untersuchte Fynn. „Überdosis!“ stellte er fest. „Was? Das kann doch nicht….das geht nicht…Fynn…“ weinte Klaus und stürzte sich auf das Bett seines Bruders. Der Arzt zog ihn weg und rief zwei Pfleger. „Sofort auf die Intensiv!“ forderte er auf. Er hob sie Spritze auf und reichte sie einer Schwester weiter. „Die geht ins Labor. Hat Vorrang!“ befahl er. Die Schwester nickte und rannte los. Nun sah er Klaus an. „Was ist passiert? Wie kommt Ihr Bruder an die Droge?“ harkte er nach. „Ich… die Schwester….sie hat ihm Blut abgenommen und versorgt…und dann…sie sagte ich soll noch etwas warten, weil er sich wäscht. Als ich rein kam…da… da sah ich die Spritze und…“ stammelte Klaus. „Okay…beruhigen Sie sich. Welche Schwester war das?“ versuchte der Arzt heraus zu finden. „Schwester Sabine….ja….Sabine...“ gab Klaus zurück. Der Arzt sah ihn an. „Wir haben keine Schwester Sabine…“ murmelte er nachdenklich. „Was ist mit meinem Bruder?“ wollte Klaus wissen. „Kommen Sie…wir gehen zu ihm…“ beruhigte der Arzt. Klaus nickte und ging mit. Nur wenig später standen sie auf der Intensivstation in dem Zimmer wo Fynn lag. „Was ist mit ihm?“ wiederholte Klaus erneut. „ So wie es aussieht hat er eine Überdosis bekommen. Vermutlich Heroin. Das werden wir wissen, wenn die Untersuchungsergebnisse da sind. Derzeit können wir ihn lediglich überwachen. Sein Puls ist kräftig und er scheint zu kämpfen. Das ist ein gutes Zeichen.“ erklärte der Arzt nach einem Blick auf die Geräte. Tränen liefen über Klaus Gesicht. Er hatte seinem Bruder doch geschworen, dass er ihn beschützen würde und nun hatte er den Mörder selbst ins Zimmer geschickt. Vor dem Krankenzimmer ließ er sich auf einen Stuhl fallen und weinte leise. Er hatte Schuld wenn sein Bruder nun starb.

    Während dessen wurde im Gefängnis die Nachtruhe eingeläutet. Ben war seit heute wieder in seiner Zelle, während Carlos immer noch den sterbenden Schwan spielte. Ben musste insgeheim lachen, wie sehr sich die Beamten im Gefängnis doch täuschen ließen. Doch er hatte es geschafft, dass Carlos ihn mitnahm. Nun musste nur noch der Transport erledigt werden. Es war Mittwoch und am späten Nachmittag kamen einige Mithäftlinge mit einem Wagen voller Bücher aus der Gefängnisbücherei durch die Gänge und jeder Häftling suchte sich ein Buch aus. Ben entschied sich für einen Kriminalroman. Er umfasste 590 Seiten und das sollte reichen um keine Langeweile zu bekommen, dachte Ben. Er setzte sich aufs Bett und fing an zu lesen. „Hey...Benni...da bist du ja wieder. Bist du wieder in Ordnung?“ hörte er Mike rufen. „Ja danke...geht soweit wieder. Sag mal...kennst du einen Carlos Pérez?“ fragte Ben. „Ja...und ich rate dir, halt dich von ihm fern. Der Typ gehört zum Anhängsel von Andreas Vohwinkel. Das ist ein ganz übler Zeitgenosse.“ warnte Mike ihn. „Kennst du diesen Vohwinkel auch?“ harkte Ben nach. „Nein...also nicht persönlich. Nur von Erzählungen her und der Typ geht über Leichen.“ antwortete sein Freund. „Na...so gefährlich schien mir Carlos nicht. Er lag im gleichen Zimmer wie ich. Der Typ hatte auch Besuch vom Don und seinen Freunden und wurde übel zugerichtet.“ gab Ben Bericht ab. „Kein Wunder...für den Don sind die Leute die von Vohwinkel hier reinkommen, kein leichtes Opfer. Dieser Carlos scheint genau wie du gegen die Zahlung zu sein. Du solltest es dir aber überlegen. Ich meine...was sind schon dreißig Euro gegen heile Knochen...“ meinte Mike nachdenklich. „Verdammt viel Geld...“ knurrte Ben zurück. „Ich habe diesem Dom beim Hofgang deutlich gesagt, das er mich mal könne...und Sputnik auch. Sollte der Typ mich noch mal angehen, dann zeige ich ihm wo der Hammer hängt...“ drohte der Hauptkommissar. „Aber lass dir eins sagen. Ich werde dich nicht immer beschützen können. Der Don weiß ganz genau, dass ich auf deiner Seite bin und wird mich zurück halten.“ warnte Mike. Ben lachte leise. „Du solltest wirklich zahlen. Ist nur ein guter Rat.“ hängte Mike an. „Ich werde nicht zahlen. Dreißig Euro sind ein Vermögen und der Don verdient es nicht. Ich kann mich wehren und glaub mir...ich werde mich wehren...“ versprach Ben. Er schlug das Buch auf. Ein Zettel fiel heraus. Ben nahm ihn auf und las. „Morgen werde ich zu dir kommen und dann ist Zahltag.“ las er. Wer damit gemeint war, konnte er nicht sagen, denn sicher wusste der Don nicht welches Buch er sich aussuchte. Oder doch?

    Schon am nächsten Morgen fuhr Hans ins Krankenhaus und schlich sich als Schwester durch die Gänge. Er wusste wo Fynn lag und ging zielstrebig auf das Zimmer zu. Vor der Tür saß ein Mann der ihn misstrauisch ansah. Hans nahm eine der Patiententafeln und einige Spritzutensilien sowie das Desinfektionsmittel von dem Tisch. Damit ging er auf den Mann zu. „Guten Morgen...“ säuselte er mit einer hoher weiblich klingenden Stimme. „Guten Morgen. Was stehen für Untersuchungen bei meinem Bruder an?“ wollte der Mann wissen. „Er muss etwas bluten. Wir müssen sein Blut untersuchen wegen dem Drogenscreen...“ erklärte Hans. Der Mann musterte die Utensilien und nickte dann „Also gut...Schwester...?“ harkte er nach. „Sabine...ich bin Schwester Sabine...“ lächelte Hans. Seine Kopfhaut fing schon an zu jucken, denn die Perücke ließ seinen eigentlich kahlen Kopf schwitzen. „Mein Bruder schläft gerade...“ erklärte der Mann. „Das ist kein Problem Herr Gerber. Ich werde ihn nur ganz kurz stören. Nur es muss sein...“ lächelte Hans. Der Mann nickte. „Also gut...“ stöhnte er und wollte mit ihm rein. „Tut mir Leid, aber wir müssen die Privatsphäre unserer Patienten einhalten... es geht aus hygienischen Gründen schon nicht, das Sie mit reinkommen.“ mahnte er sofort. „Aber ich bin sein Bruder!“ protestierte der Mann. „Dennoch...bitte bleiben Sie draußen...“ wiederholte Hans energischer. Der Mann gab klein bei und Hans betrat das Zimmer. Er sah Fynn auf dem Bett liegen. Blass und kaum wieder zu erkennen. „Hallo Fynn...“ begrüßte er ihn. Fynn Gerber zuckte zusammen und stieß ein leises „Nein...“ aus. Bevor er um Hilfe rufen konnte presste Hans ihm die Hand auf den Mund. „Ganz ruhig...ich tu dir nur was Gutes.“ lachte Hans. Fynn nickte. „Hast du Informationen für mich?“ harkte Hans nach. Wieder nickte Fynn. „Sehr gut. Braver Junge. Ich habe auch was für dich. Ein Geschenk wenn die Informationen gut sind.“ grinste Hans und zog langsam die Hand weg. „Die Polizei hat ...hat einen weiteren Mann eingeschleust. Er sitzt noch im Gefängnis...aber er soll sich an Carlos ranmachen...“ stieß Fynn ängstlich aus. Hans sah ihn an. „Wie heißt der Mann?“ harkte er nach. „Ben...Benjamin Block...mein Bruder hat es mir gesagt.“ kam von Fynn. Hans überlegte kurz. „Und er soll den Ausbruch verhindern oder was? Wie heißt der Mann wirklich?“ wollte Hans wissen. „Nein...er soll ihn mitmachen. Er heißt in Wirklichkeit Ben Jäger... Er ist von der Autobahnpolizei. Sie wollen euch ausheben.“ stieß Fynn aus. Er hatte natürlich bereits bemerkt welches Geschenk Hans für ihn hatte und die Gier war nicht zu bremsen. Das er für seine Sucht einen Kollegen in Gefahr brachte, scherte ihm nicht. „Weiter?“ harkte Hans nach. „Mehr weiß ich nicht ... wirklich...ich schwöre...bitte gib mir den Stoff. Ich brauche ihn...“ bettelte Fynn. Hans reichte ihm die Spritze und sofort setzte Fynn sich die Nadel an. „Einen guten Trip...“ grinste Hans und verließ das Zimmer.

    In der Nacht wurde Andrea wach und fühlte neben sich. Doch der Platz an dem ihr Mann sonst lag, war leer. „Semir?“ fragte sie leise und stand auf .Sie hatte doch im Unterbewusstsein das Auto gehört. Sie ging die Treppen runter und sah ins Wohnzimmer. Keine Spur von ihrem Mann. „Semir?“ wiederholte sie. Sie machte das Licht an. Semir war nicht zu sehen. Andrea sah aus dem Fenster. Der BMW stand tatsächlich in der Einfahrt. Doch noch etwas bemerkte Andrea. Etwas lag vor dem BMW auf dem Boden. Angst überfiel sie und sofort rannte sie zur Tür und hinaus. „SEMIR!!“ schrie sie als sie erkannte wer dort lag. Ihr Mann reagierte nicht. Vorsichtig ging Andrea auf den leblosen Körper zu. Sollte eingetroffen sein, wo vor sie immer Angst hatte? Sollte Semir tatsächlich erschossen worden sein? Sie ließ sich auf die Knie fallen und kämpfte mit den Tränen. Vorsichtig drehte sie den Körper um. „Semir?“ fragte sie erneut und untersuchte ihren Mann laienhaft. Sie konnte keine Wunde feststellen. Der Puls schlug kräftig. „Hey...komm schon. Wach auf...“ versuchte sie ihn zu wecke. Doch ohne Erfolg. Ihr Mann reagierte nicht. Dafür zuckte er immer wieder zusammen. Andrea zog ihr Handy und rief Kim Krüger an. „Krüger…“ kam leise und verschlafen. „Frau Krüger...ich bin es... Andrea Gerkan. Ich habe Semir bewusstlos neben seinen Wagen gefunden. Direkt vor unserer Haustür. Er wacht nicht auf…bitte… ich brauche Hilfe...“ erklärte sie. „Ich bin sofort bei Ihnen und bringen einen Arzt mit!“ gab Kim durch, die sich nun hellwach anhörte. Andrea beendete das Gespräch und strich ihrem Mann über die Wange. „Hey…wach doch auf…was ist denn mit dir…wach auf...“ bat sie ihn. Doch er reagierte nicht. Tatsächlich waren wenige Minuten nach ihrem Anruf Kim Krüger bei ihr und hatte den Notarzt im Schlepptau. Dieser untersuchte Semir während sie Kim Rede und Antwort stand. Kim zog sie von Semir weg, doch Andrea sah immer wieder zu ihm um eine Veränderung an ihm festzustellen. „Frau Gerkan…was ist passiert?“ harkte Kim nach. „Ich…ich habe ihn hier gefunden. Er war nicht im Bett und ich hatte das Auto gehört…und dann habe ich nachgesehen und ihn hier gefunden. Was ist denn mit ihm?“ wollte Andrea wissen.

    Sie sah besorgt auf ihren schlafenden Mann. Nach einigen Minuten schien der Arzt mit der Untersuchung fertig zu sein. „Was fehlt ihm?“ fragte Andrea besorgt. „Also so wie ich es sehe, wurde Ihrem Mann ein Narkotikum gespritzt. Allerdings kann ich schädliche Substanzen nicht ausschließen und würde ihn gern mit in die Klinik nehmen.“ gab der Arzt von sich. Andrea nickte. „Schlafmittel? Aber wieso? Vielleicht wollte man ihn entführen und ich bin dazwischen gekommen?“ mutmaßte die verängstigte Ehefrau. Kim sah sie an. „Wissen Sie wie lange er schon hier liegt?“ wollte sie wissen. „Nein...ich...ich habe den Wagen gehört, kurz vor dem Einschlafen. Das war so gegen halb zwölf. Und vor einer guten Stunde bin ich aufgestanden...“ erklärte Andrea. Kim sah auf die Uhr. Es war halb vier morgens. „Also muss es zwischen halb Zwölf und halb drei passiert sein. Wie lange hält so eine Narkose an?“ wandte sie sich an den Arzt. „Das kommt auf die Dosierung an. Schon allein deshalb möchte ich ihn gern in der Klinik haben.“ gab der Arzt zurück und ließ Semir auf die Trage zum Krankenwagen bringen. „Kann ich mit?“ bat Andrea. Kim sah sie an. „Wir fahren hinterher. Haben Sie jemanden der bei den Kindern bleibt?“ wollte Kim wissen. Andrea sah sie an. „Nein...ich...ich hab nicht daran gedacht...“ antwortete sie leise und sah wieder zum Krankenwagen. Kim bemerkte, dass die Sorge um Semir sie fast auffraß. „Ich mache Ihnen einen Vorschlag, Frau Gerkan. Ich fahre mit ins Krankenhaus und werde Sie sofort informieren, was mit ihm ist. Er ist nicht verletzt und das ist schon mal gut. Es wird alles gut...versprochen. Sie können sich dann für morgen jemanden für die Kinder suchen und ins Krankenhaus kommen. Oder wenn die Kinder im Kindergarten und in der Schule sind.“ schlug sie vor und lächelte sanft. Andrea nickte. „Aber Sie rufen mich auf jeden Fall an!“ forderte sie die Vorgesetzte ihres Mannes auf. Kim nickte erneut. „Ich werde Sie anrufen...versprochen...“ bestätigte sie noch einmal. Andrea nickte leicht. Sie sah dem Krankenwagen hinterher, als dieser abfuhr.

    Nur wenige Augenblicke nach der Alarmierung waren die Kollegen vor Ort. Der Gerichtsmediziner sah sich den Toten an. „Die Schüsse gingen direkt ins Herz. Aus nächster Nähe abgefeuert. Aber warum zweimal? Einer hätte gereicht. Das Geld hat er allerdings noch bei sich. Also war es kein Raubmord.“ Erklärte er. Semir nickte. „Ich weiß…ich war kurz zuvor bei ihm und habe interessante Informationen erhalten. Das Geld hat er von mir. Ich habe auch eine Warnung erhalten.“ Gab er leise von sich. Dr. März sah ihn an. „Was meinst du?“ harkte er nach. Semir reichte ihm den Zettel, den er mittlerweile in einer der üblichen Plastiktüten gepackt hatte. „Kannst den direkt in der KTU abgeben, obwohl ich nicht damit rechne dass dort Fingerabdrücke drauf sind.“ meinte er nur. Dr. März nickte. „Die Warnung ist deutlich…und wird durch den Tod von diesem Herrn sicher noch bekräftigt. Was wirst du tun?“ wollte März wissen. Semir stand ruckartig auf. Er ballte die Hände zu Fäusten. „Ich werde sicher nicht klein beigeben und mich verstecken. Das die Typen auf Vohwinkels Gehaltsliste stehen, ist ganz deutlich. Aber ich werde jeden einzelnen stellen und ins Gefängnis bringen. Und mit den Beiden die ihn umgebracht haben fange ich an.“ versprach Semir leise. Es hörte sich wie ein Schwur an. „Du bekommst meinen Bericht spätestens morgen auf den Schreibtisch.“ erklärte März weiter und erhob sich. Die Leiche von Charlie wurde abtransportiert. Semir sah den Sargträgern zu. Dr. Walther März legte Semir die Hand auf die Schulter. „Er war dein Freund oder?“ harkte er nach. Semir nickte erst. „Er war viel mehr als das…“ hängte er an. Traurig ging er zu seinem BMW und stieg ein. Semir fuhr auf dem schnellsten Weg nach Hause. Seine Gedanken waren immer noch bei Charlie, der einen sinnlosen Tod starb. Semir parkte seinen Wagen direkt vor der Tür im Carport und stieg aus. Er wollte zur Tür gehen, als er eine Bewegung hinter sich spürte. Blitzartig wirbelte herum um den Angreifer in Empfang zu nehmen, doch die schienen damit gerechnet zu haben, denn nun entstand eine Bewegung neben ihm. Ein heftiger Schmerz durchzuckte Semir, als er einen Schlag ins Genick bekam. Sofort waren alle Glieder wie gelähmt. Semir hingegen war hellwach. Mit einem leisen Stöhnen ging er zu Boden. Keines der Körperglieder ließ sich bewegen. Er war wie paralysiert.

    „Hör mir jetzt genau zu…ich sage es nur einmal. Wenn dir deine Familie wichtig ist, dann hör auf Vohwinkel auf den Nerv zu gehen. Er hätte auch Verwendung für deine hübsche Frau und deinen Töchtern. Was meinst du wie viele Perverslinge es gibt, die deine Töchter zeigen, wo der Hammer hängt. Deine Frau würde auf dem Strich sicher auch einiges einbringen. Vergiss das nicht…“ warnte ihn eine Stimme. Semir versuchte ihn zu fixieren aber es gelang ihm nicht. Die Stimme kam ihm nicht bekannt vor. „Und damit du merkst dass es kein Witz war, werde ich dich jetzt beglücken. Mein Boss hat mir nämlich ein Geschenk gebracht. Stillhalten!“ warnte die Stimme. Schon spürte Semir die Spitze einer Nadel in seiner Ellbeuge. Er wollte nein schreien, doch seine Stimme gehorchte ihm nicht. Alles in ihm stemmte sich gegen das, was nun in seine Adern floss. „Ich sage dir noch was…. Dieses Zeug wirkt in 72 Stunden tödlich. Wenn du nicht sterben willst, dann halt dich zurück. Dann komme ich in drei Tagen wieder und gebe dir das Gegengift. Und nun angenehme Träume!“ lachte die Stimme. Semir spürte eine Veränderung in sich. Panik überkam ihn und er versuchte sich zu beruhigen. Dann wurde er immer müder und schlief schlussendlich ein. Wirre Träume fingen ihn ein. Er sah sich auf einer Brüstung stehen und runter springen. Die Arme verwandelten sich in Flügel und er schlug kräftig damit. Der Wind trug ihn immer weiter in die Höhe. Bis er den Weltraum erreicht hatte. Die Sterne um ihn fingen an zu tanzen. Veränderten ihre Farben und schienen ihn zu rufen. Semir…hörte er immer wieder. Semir….komm zu mir….komm…hier kann dir nichts passieren. Deine Freunde sind alle hier…hörte er. Langsam ging er auf den Stern los und erschrak als das Gesicht von Andreas Vohwinkel ihn anlachte. Voller Panik ergriff er die Flucht, doch egal wo er auch hinging waren die Schergen seines Feindes da. „Lasst mich in Ruhe!!“ schrie er laut. Doch nichts war zu hören. Nur dieses Gelächter der Verbrecher klang in seinen Ohren. Am liebsten hätte er sie sich zugehalten, doch die Arme waren immer noch die Flügel die ihn hielten. Flieg zurück….na los…hau ab! Lass uns in Ruhe!! Schrieen ihn die Verbrecher an. Semir flog zurück. Doch die Erde kam nicht näher. Sie entfernte sich immer mehr. Die Angst wurde immer größer. Doch je mehr er sich anstrengte umso weiter entfernte er sich von der Erde und somit von seiner Familie.

    „Hey, mein Freund.“ begrüßte Semir seinen Freund Charlie am Abend. „Hör mal…ihr habt ganz schön Staub aufgewirbelt.“ fing dieser gleich an. Semir grinste. „Wir?“ harkte er nach. „Ja sicher. Ihr , also als Apparat alle Bullen. Hier laufen die Telefone heiß. Die Drogenhändler haben zurück gefahren, weil die letzte Zeit immer mehr Razzien gemacht wurden. Die Parkplätze sind nicht mehr sicher…“ erklärte Charlie. „Du findest nirgends mehr einen Dealer der dir den Stoff verkaufen will…also wenn man die Plätze nicht kennt…“ hängte er grinsend an. „Schon klar. Du kennst sie natürlich. Was weißt du denn von einem geplanten Ausbruch aus dem Knast in Aachen?“ harkte Semir nach. „Du meinst Pérez? Das wird nächste Woche starten.“ bestätigte Charlie. „Weißt du auch wie?“ fragte Semir. „Nein…darüber schweigt man sich aus. Aber ich denke so viele Möglichkeiten gibt es ja nicht...“ grinste Charlie. Semir nickte. „Ach echt? Klar gibt es viele Möglichkeiten, mir würde aber schon ein konkreter Hinweis helfen…“ stöhnte er. „Semir…du wirst alt. Früher hättest du alle Möglichkeiten durchprobiert. Weißt du eigentlich das es im Knast einen Typen gibt, der die anderen Häftlinge erpresst?“ kam von Charlie. Semir nickte. „Ich habe meinen Kollegen da drinnen. Er soll mit Pérez fliehen und sich Vohwinkels Bande anschließen. Dann können wir diesen Mistkerl auch in den Knast bringen.“ Semir nahm einen Schluck aus der Bierflasche die Charlie ihm geöffnet hatte. „Das ist verdammt gefährlich. Vohwinkel hat schon einen Bullen in seinen Reihen und man munkelt dass man ihn süchtig gemacht hat.“ stieß Charlie aus. „Ich weiß….Fynn Gerber. Wir haben ihn ins Krankenhaus gebracht, als er im LKA auftauchte.“ nickte Semir. „Denk daran, dass Süchtige sehr gefährlich sind. Sie würden für den nächsten Schuss alles machen.“ mahnte Charlie. „Weißt du ob Vohwinkel in der nächsten Zeit was vorhat?“ harkte Semir nach. Charlie wog den Kopf hin und her. „Nichts was wirklich feststeht. Man munkelt von einem Waffendeal, der in drei Wochen stattfinden soll. Wo weiß ich noch nicht. Aber ich werde dich informieren, sobald ich es weiß.“ versprach Charlie. „Das ist ziemlich vage…“ murmelte Semir. „Hey…Infos nur gegen Zahlung… deine steht noch aus...“ grinste Charlie. Semir nickte und zog einen Hunderter aus der Tasche. „Du misstraust mir...das tu weh….“ tadelte er ihn lachend. „Na schon besser. Die Ware wird im Niehler Hafen ankommen. Pier 14 beim Tadeus…“ kam von Charlie. „was ist Tadeus?“ harkte Semir nach. „Keine Ahnung. Das müsst ihr herausfinden. Ist jetzt besser, wenn du gehst.“ drängte Charlie zum Aufbruch. Semir nickte. „Danke...du hast mir sehr geholfen.“ Semir verabschiedete sich von seinem Freund und verließ das Versteck.

    Semir sah sich aufmerksam um, als er wieder auf die Straße kam. Niemand war zu sehen und so konnte er zu seinem Auto gehen ohne das für Charlie eine Gefahr bestand. Der BMW stand etwas weiter den Rhein runter auf einem Parkplatz. Charlie hatte ziemliche Angst, dass er als Bullenfreund auffällt und ließ sich immer die schwierigsten Plätze einfallen, wo er seine Informationen an Semir verkaufte. Diesmal war es ein Ponton wo die Schiffe anlegten. Doch für Semir hat es sich gelohnt diesen Weg zu gehen. Charlie konnte ihm wieder einiges erzählen womit er im Vorteil war. Vor allem der Waffenhandel, den Vohwinkel durchziehen wollte und von dem er wusste wo er stattfand war ein Vorteil für die Polizei. Sie konnte in aller Ruhe die Falle aufbauen um Vohwinkel in den Knast zu bringen. Doch Semir wusste auch, das es Wunschdenken war. So einfach würde sich Vohwinkel sicher nicht fangen lassen und leichtsinnig war der Mann auch nicht. Semir kam am BMW an und bemerkte einen Zettel an der Windschutzscheibe. Erst dachte er, dass es die üblichen Werbezettel waren, doch dann erkannte er, dass etwas Handgeschriebenes drauf stand. Semir zog sich Einmalhandschuhe, die er immer bei sich hatte an und nahm den Zettel. „Halt dich zurück, oder du bist tot!“ stand dort. Semir sah sich um. Niemand war zu sehen. Vermutlich hatte man den Zettel schon vor einiger zeit eingeklemmt. Aber wusste jemand von seinem Informanten? War Charlie nun in Gefahr? Er wollte einsteigen als auf einmal Schüsse fielen. Sie kamen aus der Richtung wo er eben noch war. Semir zog seine Waffe und rannte hin. Nicht weit von der Treppe sah er zwei Männern weglaufen. Er konnte jedoch nicht sagen ob sie runter wollten oder gerade herauf kamen. „Stehen bleiben!!! Polizei!!“ schrie er und gab einen Warnschuss ab. Doch die Männer erwiderten das Feuer und Semir musste in Deckung gehen. Einige Passanten rannte n aufgeregt durcheinander. Andere warfen sich zur Boden. Semir musste höllisch aufpassen, dass er keinen unbeteiligten verletzte. „RUNTER!! Deckung!! Auf den Boden und unten bleiben!!“ schrie er immer wieder. Die Aufgeschreckten Passanten machten ihm Platz. Schon an der nächsten Ecke stellte Semir fest, dass die Männer die Panik der Leute genutzt hatten und entkommen waren. Semir rannte zurück wo er seinen Informanten verlassen hatte und fand diesen mit zwei Schüssen in die Herzgegend tot in seinem Versteck liegen. „Verdammt Charlie…“ stieß er aus und wählte die Kollegen an.