Ben hatte sich bis in den Kassenbereich begeben können, unbemerkt von den beiden Räubern, die sich an den Geldausgaben zu schaffen machten. Noch einmal seine Waffe überprüfend, lugte er zu Semir, der mit erhobenen Händen im Rücken der Männer stand. Unmerklich nickte er nur kurz. Das war für Ben das Zeichen. Sofort schnellte er hoch, richtete die Waffe auf den ersten Angreifer und packte ihn zusätzlich am Kragen. „Hände hoch, Polizei.“, schrie er und zog damit die volle Aufmerksamkeit auf sich. Semir, der dicht bei einem der Gangster stand, hieb diesem die Füße weg, nagelte ihn mit einem Fuß am Boden fest und richtete seine Waffe auf den anderen. Alle vier waren vollkommen überrascht, offensichtlich mehr als Anfänger, und legten ihre Waffen auf den Boden. Vier? Moment mal, das waren doch fünf. „Verdammt Semir, da versucht einer sich dünne zu machen.“, stieß Ben aus und zeigte in Richtung Parkplatz, wo gerade quietschende Reifen zu hören waren. „Shit...kommst du mit denen hier klar?“, wollte Ben wissen und sprang über den Tresen, als er seine beiden Gefangenen an eine Eisenstange gebunden hatte. „Schnapp ihn dir, aber lass meinen Wagen heile.“, grinste Semir, während er Ben die Schlüssel zuwarf und dann seine beiden Gangster fesselte. Der Jungkommissar rannte auf den Parkplatz und sah sich um. Erschrocken nahm er wahr, wie ein schwarzer Audi auf ihn zuraste und ihn umgefahren hätte, hätte er sich nicht durch einen Sprung zur Seite gerettet. „Du verdammtes...“, Ben verschluckte die letzten Worte, sprang in den BMW seines Kollegen und verfolgte den Mann in dem Audi. „Noch schlimmere Laune kann ich jetzt bestimmt nicht mehr kriegen...“, knurrte Ben nur.
Die Jagd ging los. Der Audi fuhr rasante und riskante Manöver, überholte rechts und links und drängte sich durch die noch so kleinste Lücke. „Sag mal, ist der wahnsinnig?“, stieß Ben wütend aus und wich den sich quer stellenden Fahrzeugen aus. Immer wieder musste er abbremsen, wieder beschleunigen und ausweichen, um nicht mit den anderen Verkehrsteilnehmern zusammenzukrachen. „So, jetzt reicht es mir.“, fauchte er und holte auf. „Scheiße, scheiße, scheiße...“, stieß der Räuber aus und machte im nächsten Moment große Augen. Als er sich umsah, hatte er einen aufgehäuften Sandhaufen an einer Baustelle übersehen. Das Fahrzeug schoss wie eine Rakete über diesen Sandberg hinweg, landete auf der Seite und schlidderte noch einige Meter weiter, riss dabei noch einige Poller um und kam dann entgültig zum Stillstand. Ben brachte den BMW in sicherer Entfernung zum Fahrzeug zum Stehen, stieg dann aus und rannte mit gezogener Waffe auf den Audi zu. „So Endstation, Freundchen. Mir das Mittagessen verderben... so haben wir nicht gewettet.“, knurrte der Jungkommissar nur und zog dann den vollkommen benommenen Räuber hoch, schmiss ihn gegen den Wagen und legte ihm dann Handschellen an. Als er mit ihm zum BMW zurückgehen wollte, kam gerade Semir mit einem Streifenwagen der Kollegen angefahren. „Hey, mein Wagen ist ja noch in einem Stück, wie ich das sehe.“, lachte er und stockte, als er den Mann ohne Maske sah. „Wusste ich es doch... Kreuzer. Sie können es auch wohl nie lassen, oder?“, zischte Semir und ließ den Mann von den Kollegen wegbringen. „Du kennst ihn?“ „Hm, hab ihn mehrmals verhaftet.“, erklärte Semir und sah dann zu einem der am Unfall unbeteiligten Fahrer rüber. War das etwa? Nein, das konnte nicht sein... er musste doch noch sitzen.
„Ben, siehst du da auch, wen ich sehe?“, fragte Semir seinen Partner nur und der Angesprochene drehte sich um. Auch Ben bekam große, staunende Augen. „Was macht der denn hier? Ich dachte, der müsste noch sitzen.“, stieß Ben aus. „Das dachte ich aus. Los, den kauf ich mir.“, knurrte Semir nur und ging zu dem silbernen Alfa rüber, klopfte laut gegen die Scheibe und wartete darauf, dass der Fahrer ihn erkannte. Die Scheibe fuhr runter und ein junger, arrogant wirkender Kopf mit nach hinten gestylten blonden Haaren kam hinter einer Sonnenbrille zum Vorschein. „Rubens...Konstantin Rubens, hab ich’s doch richtig vermutet.“, stieß Semir wütend aus, riss die Tür auf, den Mann aus dem Auto und knallte ihn gegen sein Dach. „Hey, Moment mal, was soll das denn?“, stieß der Mann wütend und erschrocken über den Überfall zugleich aus. „Seit wann sind Sie wieder draußen?“, fauchte Semir den Mann an. „Semir!! Was soll das denn...wir sollten ganz freundlich sein...meinst du nicht?“, wollte Ben von ihm wissen. Er löste Semirs Hände, die sich in die Jacke von Konstantin Rubens gekrallt hatten. „Er hat aber viel länger einsitzen müssen. Bist du abgehauen oder was?“, fauchte Semir den Mann an. „Ich weiß gar nicht, was Sie wollen, Gerkhan...ich bin vor gut drei Wochen entlassen worden...wegen guter Führung...“, grinste der Mann sie an. Natürlich bemerkten Semir und Ben das dies nicht ernst gemeint war. „Wegen guter Führung kann ich Sie auch wieder einbuchten...“, knurrte Semir wütend. Ihm passte es überhaupt nicht, dass dieser Mann wieder auf freiem Fuß war. Aber es war nichts im Gegenzug zu das, was ihm noch bevorstand.