Kim sah dem letzten Rettungswagen nach und zog ihr Telefon aus der Tasche. “Hartmut? Tut mir leid, aber wir brauchen ihr Team nochmal.....Ja, wir haben sie gefunden, sie sind im Krankenhaus. Alles andere erzähl ich ihnen später.“ Sie nannte ihm die Adresse und rief dann in der Past an. “Susanne, wir haben sie. Sie werden jetzt in die Uniklinik gebracht.... Nein, ich glaube nicht... ich weiß noch nichts genaues. Schicken sie bitte Siggi und Bernd her und wir brauchen einen Gerichtsmediziner.“ Sie steckte ihr Handy weg und sah sich die drei Toten genauer an. Der eine kam ihr bekannt vor. Sie durchsuchte die Taschen des Mannes und fand eine Brieftasche, in der ein Führerschein steckte. “Anton Koslowski.“ murmelte sie und überlegte. Den Namen hatte sie schon mal gehört. Dann fiel es ihr ein. Könnte das der Vater von Damian Koslowski sein? Einer der „Autobahnpiraten“, der damals ums Leben gekommen ist. Nach dem Vater wurde gesucht, aber man hat ihn nie gefunden. Kim konnte sich fast denken, dass es hier um Rache gegangen ist. Aber Genaueres würde sie erst von Ben und Semir erfahren. Kim durchsuchte auch die anderen Toten, um einen Hinweis auf ihre Identität zu bekommen. Einer der Männer hatte nichts bei sich was ihr weiter helfen konnte. Der andere hieß Sascha Czelinski und war noch sehr jung. Gerade erst 25 Jahre alt geworden. Kim sah auf, als Bonrath auf sie zu geeilt kam. “Chefin, das SEK hat die Gebäude durchsucht und noch einen Toten gefunden.“ erzählte er völlig außer Atem. Das darf doch nicht wahr sein!, dachte sie. „Wo genau?“ und bedeutete Dieter, dass er vor gehen sollte.
Susanne sah erschrocken auf, als Claudia plötzlich vor ihr stand. Sie war so in Gedanken versunken, dass sie es gar nicht gemerkt hatte, wie ihre Ablösung hereingekommen war. “Danke! Du hast was gut bei mir!“ sagte die Sekretärin und ergriff Claudias Hand. Sie hatte ihre Kollegin angerufen und gefragt, ob sie einspringen könnte, denn sie wollte unbedingt ins Krankenhaus. Susanne hielt es hier einfach nicht aus. Sie wollte wissen, wie es Ayda, Ben und Semir ging. Andrea war ihr beste Freundin und bestimmt völlig fertig.
“Kein Problem! Und nun mach das du wegkommst! Und ruf mich an, wenn du etwas weißt.“sagte Claudia und setzte sich hinter den Schreibtisch. “Mach ich!“ Sie nahm ihre Tasche und Jacke und lief los.
„Andrea!“ rief sie, als sie ihre Freundin im Warteraum erblickte und erschrak, als sie das geschwollene Gesicht sah. Susanne umarmte sie ganz fest. Dann ergriff sie die Hand ihrer Freundin und sah ihr in die Augen, die voller Sorge waren. “Wie geht es Ayda? Und dir? Du siehst schlimm aus.“
Andrea schluckte schwer. „Sie machen gerade ein MRT von ihrem Kopf. Sie weiß nicht mehr, was passiert ist, Susanne! Ich mache mir solche Sorgen! Wenn sie nun Hirnverletzungen hat?“ Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Susanne drückte sie wieder an sich. “Nein, das darfst du nicht mal denken. Alles wird gut, glaub mir!“ versuchte die Sekretärin ihre Freundin zu beruhigen. “Und Semir?“ fragte Susanne nun.
“Er wird gerade operiert, er hat eine Schusswunde im Oberschenkel und Verletzungen an den Handgelenken und wer weiß was noch, sie haben ihn geschlagen. Sein Gesicht... Das ist alles so schrecklich!“ Andrea setzte sich auf die Bank und nahm die Hände vor das Gesicht. Ihre Schultern zuckten, bei jedem Schluchzen. Susanne setzte sich neben sie und strich ihr über den Rücken. “Es wird alles gut werden! Du wirst sehen!“ Aber auch sie mußte gegen die aufkommenden Tränen ankämpfen. “Weißt du etwas von Ben?“
“Er ist zum CT. Aber es schien ihm gut zu gehen.“ sagte Andrea leise. Susanne nickte. “Hat der Arzt sich schon dein Gesicht angesehen, das sieht wirklich schlimm aus.“
“Ja, aber das sind nur Prellungen, es ist nichts gebrochen. “Die Tür ging auf und der Arzt, der Ayda behandelt hat und eine Schwester kamen in den Raum. Andrea sprang auf. Wo war ihre Tochter? Ihr Magen krampfte sich zusammen. “Wo...wo ist sie?“
„Beruhigen sie sich! Wir haben sie nur auf ein Zimmer gebracht. Ihre Tochter war stark unterkühlt und hat ein mittelschwere Gehirnerschütterung. Das MRT war unauffällig, aber wir werden ihre Tochter noch hier behalten. Zur Beobachtung! Wir haben ihr ein leichtes Beruhigungsmittel gegeben. Die Schwester bringt sie gleich in das Zimmer ihrer Tochter. Sie können bei ihr bleiben, es ist ein Familienzimmer.“ sagte der Arzt und berührte leicht Andreas Oberarm, als er sah, wie sie immer noch am ganzen Körper zitterte. “Wie gesagt, das MRT hat keine Verletzungen angezeigt und die kleine Platzwunde am Kopf ist nur oberflächlich.“ versuchte er sie zu beruhigen.
„Aber wieso erinnert sie sich nicht, was passiert ist?“
„Das kommt häufiger vor bei einem Schädel-Hirn-Trauma. Aber meistens kommt die Erinnerung nach kurzer Zeit zurück. Wir können nur abwarten. Entschuldigen sie mich jetzt, ich muss zu meinem nächsten Patienten. Die Schwester bringt sie zu ihrer Tochter.“ sagte er und wollte gehen.
„Herr Doktor?“ Der Arzt blieb stehen und wandte sich um. “Ja?“
„Mein Mann wird gerade operiert, könnten sie mir bitte Bescheid sagen, wenn er aus dem OP kommt?“ bat Andrea. Der Arzt nickte.“Natürlich!“
„Kommen sie!“ forderte nun die Schwester Andrea auf. “Einen Moment bitte!“ Und an Susanne gewandt, die ebenfalls erleichtert war, sagte sie. “Würdest du bitte Robert anrufen! Ich hab in der Aufregung ganz vergessen ihm Bescheid zu sagen. Er macht sich sicher große Sorgen. Sag ihm, dass ich über Nacht hierbleibe. Morgen früh melde ich mich dann bei ihm.“
„Ja, mach ich und nun geh zu Ayda! Ich warte hier auf Ben!“ sagte Susanne.