Sehr positiv überrascht war ich am vergangenen Dienstag auf der Premierenfeier und auch heute hat mich "Vendetta" vollends überzeugt. Der Film ist komplett anders als seine Vorgänger "Revolution" und "Die dunkle Seite", kämpft jedoch mit seinen eigenen Mitteln und wird zu einem runden Ergebnis. Er ist ein packender Actionfilm, der sich nicht mit schweren Gesellschafts- oder Psychologiethemen beschäftigt, wie es zuletzt durchaus des Öfteren auf grandiose Weise der Fall war. Dennoch entsteht eine Menge Thrill und gemeinsam mit einer durchweg gesunden Dosierung ! von Komik wird "Vendetta" zu einem Film der richtig Bock macht und durch die hervorragend eingebrachten Emotionen rund um Semirs und Boschkos Familien, am Ende als Produkt einfach nur schön ist. Eine runde Sache einfach.
"Die dunkle Seite" war finster, tiefgründig und raffiniert, ein Psychothriller. Für mich der beste aller Zeiten, und ich bin mir angesichts der sich angekündigten Veränderung für 2016 auch sicher, dass das für immer so bleiben wird. "Vendetta" geht komplett anders vor und glänzt dennoch insbesondere durch den im Fokus stehenden Dramaanteil um Semir und dessen Familie. Der eigentliche Plot ist nicht sonderlich originell und innovativ, große Drogenclans und rachsüchtige Bösewichte hat man schon dutzende Male sehen können. Dennoch lässt Regisseur Nico Zavelberg die Handlung mit einer sehr gelungenen Inszenierungsweise glänzen und bekommt dabei Unterstützung von einer phänomenalen Kamerarbeit von Tobias Schmidt und einem meisterhaften Soundtrack von Nik Reich und Jaro Messerschmidt. Mit viel Liebe zum Detail wird eine recht simple Geschichte sehr weit ausgeholt und mühevoll aufgebaut um dann in der zweiten Hälfte zu einer packenden Mischung von Spannung, Drama, Emotionen und Action zu kommen. Den Albanien-Teil sehe ich visuell mal wieder als hollywoodreif an, insbesondere durch Kamera und Soundtrack. Ich fühlte mich mehr als nur einmal an einen Film aus der "Bourne" Reihe erinnert.
Sehr überzeugen tut zudem auch Schauspieler Matthias Weidenhöfer. Er bringt die Rolle des Boschko sehr glaubhaft und sympathisch herüber. Einer der besten Momente des gesamten Films ist daher neben der Szene mit Andrea und Dana im Badezimmer und dem traumhaften bekannten "Andrea-Semir" Thema, auch Boschkos Entscheidung Semir doch nicht auszuliefern und die geplante Entführung rückgängig zu machen. In einem sonst vielleicht an manchen Stellen vorhersehbaren Handlungsverlauf ein wirklich sehr starker Moment, der mich sehr berührt hat.
Weniger zu überzeugen weiß für mich einmal mehr die Rolle der Dana Wegener, auch wenn ihre Beziehung zu Semir auf sehr gelungene Art und Weise beleuchtet wird. Ihr pubertäres Benehmen verläuft mir jedoch zu sehr nach Standartmustern und auch ihre Wandlung am Ende ist einfach viel zu klischeehaft und überspitzt das zuvor ansonsten wunderbar inszenierte Happy-End.
Kritik gibts von mir nur für das komplette Ausblenden der Ereignisse aus "Tag der Abrechnung". Sander spaziert einfach so durchs Bild, kein Wort über Isabel und Jenny. Scheinbar absichtlich meidet man auch eine bloße Erwähnung. Dafür kann der Film nichts, aber stören tut der erneute Bruch der horizontalen Erzählung dennoch. Dana wird im Pilot ja auch erzählt, warum dann der andere Handlungstrang nicht auch mal kurz?!
Besser als die letzten 3 Streifen? Nein. Aber von schlechter kann auch keine Rede sein. Das Punktesystem ist für mich mittlerweile komplett nichtsaussagend und unbrauchbar, aber wenn ich so überlege.. 10 Punkte! Warum auch nicht. Vollends zufrieden!