Die erste 45 minütige Folge mit Alex Brandt hat mich leider nicht so richtig überzeugt. Auch heute noch nicht, auch wenn sie mir besser gefallen hat, als beim Vorab anschauen auf RTLnow. Wirklich schlecht ist die Folge nicht, aber es gibt einfach zu viele Dinge, die mich stören, und trotz der 0815-Story besser hätten sein können, ja, sogar sein müssen.
Insgesamt fällt die doch recht billige Produktion deutlich auf. Für Stunts und Action ist wenig Platz und die Locations sind nicht gerade die originellsten. Wir haben es hier mit einer sehr schlichten Umsetzung zu tun, die mich persönlich nicht fesseln konnte. Man hat überhaupt kein Raumgefühl, ist zwar von Anfang an in der Geschichte drin, und doch fehlt komplett die Spannung.
Mit den Charakteren entsteht ganz und gar keine Identifikation, da sie zum einen sehr eindimensional gezeichnet sind, und zum anderen auch die schauspielerischen Leistungen sehr zu wünschen übrig lassen. Jennifer Ulrich ist zwar eigentlich eine sehr gute Schauspielerin, trotzdem ist ihr diese Rolle hier schwer abzukaufen. Christoph Gareisen als Dr. Ruhnau ist die wohl größte Fehlbesetzung der letzten Jahre. Abenteurlich sein Spiel, vor allem am Ende der Episode.
Visuell ist die Folge ebenso schwach. Kein Vergleich zu "Revolution", eher auf Niveau Anno 2005. Auch die Kameraarbeit- und perspektiven sind ziemlich schwach.
Überzeugen tut hingegen Vinzenz Kiefer als Alex Brandt. Vor allem optisch, auch was die Kleidung angeht, passten Alex und Semir heute noch besser zueinander. Sie wirkten stellenweise schon wie ein eingespieltes Team. Die Parallelen zu Alex´ Vergangenheit, auf die immer wieder angespielt wurden, lassen auf in Zukunft noch viel Spannung rund um den Charakter hoffen.
Auch die Szenen in der Schwebebahn gefielen mir sehr, hier wurden auch erstmals die Beweggründe von Nicole näher beleuchtet und man konnte den Charakter besser verstehen.
Am meisten ärgern tut mich das Ende. Das beginnt schon mit dieser unglaublichen Vorhersehbarkeit im Wald und wird dann noch getoppt durch eine billige Explosion mit schlechten Kameraperspektiven und durch eine unglaubliche Drehbuchschwäche. Ruhnau will Semir weiss machen, er habe in Notwehr auf Nicole geschossen?! Hat er denn nicht direkt danach bei seiner Flucht auch noch wie wild auf Semir gefeuert? Will er das dann auch als Notwehr verkaufen? Versuchter Mord = versuchter Mord. Das gibt überhaupt keinen Sinn, dass Ruhnau hier noch versucht, sich herauszureden. Es wurde eingebaut um die Tochter als Zeugin ins Spiel zu bringen, die sich die Frage stellen muss ob sie ihren Vater deckt oder nicht. Dafür hätte man dann aber Ruhnau nicht auf Semir feuern lassen dürfen. Komplett sinnlos. Gut gemeint, und doch grausamst schlecht im Endprodukt.
Auch haarsträubend die Tatsache, dass Nicole, kurz davor noch niedergeschossen und von Alex reanimiert, wieder putzmunter mit ins Krankenhaus geht, um sich von ihrem Bruder zu verabschieden.
Dann regt mich auch die Schlussszene enorm auf. Eigentlich ist ja auch das gut gemeint, und könnte wirklich ein starker Moment in einem Film sein. Nicht aber hier. Sowohl der Junge im Koma, als auch das Entführungsopfer kamen in der gesamten Episode vielleicht in 2, maximal 3 Szenen vor. Dann aber sieht man am Ende plötzlich wie das Entführungsopfer, natürlich überhaupt nicht traumatisiert von den Erlebnissen und unmittelbar nach ihrer Gefangenschaft, dem kleinen Bruder iher Entführerin nun Geschichten aus einem Märchenbuch vorliest. Nee. Sorry, das hat mich definitiv nicht erreicht, geschweige denn berührt. Dazu hatte der Zuschauer überhaupt keine emotionale Bindung zum Jungen, oder auch zum Entführungsopfer. Man hätte die Folge da beenden müssen, als das Mädchen an Alex und Semir vorbei ging und Alex sagte: "Vielleicht ist er ja doch nicht so allein". Das wäre ein schönes Ende gewesen. Alles was dann noch folgte, war mir einfach zu symbolisch, gekünstelt, ergo unrealistisch und einfach nicht ernstnehmbar.
Damit diese Szene ihre Wirkung hätte bringen können, hätte die gesamte Geschichte viel emotionaler erzählt sein müssen, die Charaktere hätten viel tiefer gezeichnet sein müssen. Wie etwa damals in der Folge "Entführt". Da gab es von Anfang an die düstere und spannende Atmosphäre (die zudem auch noch von besserern Schauspielern bereichert wurde), die von Anfang an ein viel größeres Mitgefühl mit dem Opfer und den Angehörigen entstehen ließ.
Kurz gesagt: Meine Kritik geht eindeutig an Heinz Dietz, der diese Folge einfach zu 0815-mäßig erzählt hat. Aber auch das Drehbuch, welches zwar gute Ansätze hatte, wurde nicht konsequent genug vollendet und weist haarsträubende Lücken auf, was Logik und Sinn angeht.