Für mich ein starker Film und vielleicht der beste der Reihe - wenn ich mich denn noch an die anderen erinnern könnte, weil die ja teilweise schon so lange her sind. Man merkt aber, dass hinter der Kamera die alten Cobra-Hasen am Start waren. Regie, Kamera, Schnitt, alles altgediente.
Am Anfang dachte ich erst, die zwei Frauen sind Zwillinge oder von ein und derselben Schauspielerin gespielt, weil sie gerade im Auto große Ähnlichkeit hatten. Die oben schon erwähnte Konsequenz mit dem Tod einer von beiden spielt dem Dramafaktor rein, was ich gut finde, wenn man schon in einer eher düsteren Optik spielt und viele Nachtszenen hat. Für eine Autobahnpolizei aber sehr wenig FTL, es spielt sich mehr auf normalen Straßen oder Industriebrachen ab. Generell bin ich aber auch kein Fan von Action in der Nacht. Die Drohnenaufnahmen top, aber warum so wenig und warum so kurz und schnell weggeschnitten? Vor allem in dieser riesigen Industrieanlage kann man doch die Weite der Optik mal nutzen. Auch mal unter nem Kran drunter her sausen oder beim Endstunt im Hafenbecken mitfliegen.
Apropos Endstunt: ich bin überhaupt kein Freund davon, Szenen aus dem Film in das Intro zu packen - das spoilert doch alles! In der Sekunde, wo du in Minute 3 den Alfa Romeo siehst, weißt du doch schon, was in Minute 87 mit ihm passiert - warum?? Und dann nimmst du im Schnitt noch nicht mal die Szene aus dem Intro, mit das Beste an diesem Stunt, sondern nur andere Kameraeinstellungen - hää??
Und apropos Schnitt: ich bin auch kein Fan von zerschnittener Action, wenn man von Action 1 zu Action 2 immer hin und her schneidet. Das nimmt mir jegliche Spannung. Drohnenshot BMW, zack Semir kämpft, zack 2 Autos fahren durch den Matsch, zack Semir kriegt aufs Maul, zack 2 Autos fahren durch eine Halle, zack Semir hängt am Seil - also entweder ich fokussiere mich auf die Verfolgungsjagd oder auf den ums Leben fightende Semir, oder geht das nur mir so? Fand ich keine prickelnde Lösung von Darius.
Gefühlt zum drölfsten Mal ist Michael Lott der Semi-Bösewicht mit Familienhintergrund (das war doch schon mal so oder?? Vater in aussichtloser Situation), ebenso Simon Licht als skrupelloser Firmenboss ("Moral kann ich mir nicht leisten!") - soll keine Kritik sein, im Gegenteil, vor allem bei Lott. Insgesamt durch die Bank gute Schauspielleistungen. Auch das Ende mit dem gefühlten Standoff, gut inszeniert und wenn Semir zielen will, kann er auch nur ein Bein treffen.
Semir - tja. Ich mag einfach die Konsequenz, mit dem sie ihn erzählen. Wir wissen doch alle, dass er nicht im Bett bleibt. Wir wissen doch alle, dass er sich nicht ändern wird. Und wenn sich in einer Beziehung nicht jemand biegt oder ändert und die andere dann noch ein vergangenes Trauma hat, dann passt es eben nicht. Kessler war der Inbegriff eines Supporting Actor, mit der man Geschichten aufbauen, verändern oder wie hier auslösen konnte durch ihre Entführung - mehr nicht. Der Breakup war nur folgerichtig, Semirs Reaktion natürlich bisschen kindisch ("Sag doch auch mal was, du als Frau").
Alles in allem ein grundsolider Cobra-Film.