@jenni Das kann ich sehr gut nachvollziehen, ich bin damals auch lieber solcherlei Konfrontationen ausgewichen, habe über das Mobbing gegen mich nie mit jemandem gesprochen und irgendwann wurde mein Jahrgang auch „reifer“, ich wurde deutlich mehr akzeptiert und wenn ich während meines Abschlussjahres Lust hatte, eine recht niveaulose Unterhaltung zu führen, dann habe ich ironischerweise mit den Jungs rumgeblödelt, die mich in der 5./6. Klasse massiv gedisst haben. Freunde sind wir nie geworden, auch weil ich mich hätte verbiegen müssen, nur um „dazuzugehören“, zu einer Clique die nie meinem Typ entsprach, darauf habe ich dankend verzichtet und heute bin ich froh drüber, ich habe meine eigene „Clique“ und der ganze Mist ist Schnee von gestern.
Ich wollte vor meinen Eltern, Freunden, Geschwistern, Lehrern, whatever, nie als Opfer dastehen, als jemand der Hilfe von Mutti oder dem Vertrauenslehrer braucht, um gegen die Mobber gegenanzugehen, von daher verstehe ich dich auch.
Aber du musst Susan auch verstehen. Bei ihr war das ja nicht so wie bei mir, dass es irgendjemand war, der sie kein Stück kannte und einfach nur auf Erkrankungen/Benachteiligungen herumhacken wollte, da kann man lernen, einfach irgendwann drüber zu lachen und die hobbylosen Mobber zu bemitleiden. Hier ist das anders und gerade das ist der springende Punkt, wer sich so verhält, welches Verhältnis man zu dieser Person hat, bzw. in welchem Kontext man mit ihr zu tun hat und was danach passiert. Wenn man damit schon „vors Gericht zieht“, hat man auch gewisse Erwartungen von Täter und „Richter“ und die sind hier sicherlich nicht im Ansatz erfüllt worden. Mit Bloßstellen der Mobber hat es nichts zu tun, wenn man sachlich das beansprucht, was nun wirklich kein Beinbruch seitens des Mobbers wäre.
Ich habe auch die eine oder andere Geschichte, die ich in mich reingefressen habe und andere würden mir da sicher raten, dieses und jenes einfach hinter mir zu lassen, zu vergessen und lieber nach vorne zu blicken, ja, aber das sagt sich leicht und ist manchmal überhaupt nicht einfach, denn die wenigsten können sich wirklich hundertprozentig in dich reinversetzen, die wenigsten verstehen, warum dich das nach einer gewissen Zeit immer noch so beschäftigt und sind genervt und auch wenn es manchmal einfach nur ein Gespräch ist, das es ermöglicht, endgültig mit der Sache abzuschließen, ist und bleibt es trotzdem wichtig. Das sollte man einfach respektieren.
Und wie ich schon (mehrfach) Actionheld 2.0 erklärt habe, jeder darf hier seine Meinung frei äußern. Man darf sich meiner Meinung nach aber nicht beschweren, wenn man für eine Aussage wie „Opfer sein oder nicht“ auch mal etwas Gegenwind und Kritik bekommt. Denn in dem Moment kennt sicherlich keiner der Beteiligten die Gründe, die dich zu dieser Aussage bewegen. Womit wir wieder am Anfang wären und sich der Kreis schließt.