Junge, Junge. Nie zuvor gab es unter den ernst gemeinten und ernstzunehmenden Folgen der kompletten Serie eine Episode, bei der die Qualität der Story und die Qualität der Umsetzung auf der 10-Punkte-Skala volle zehn Punkte auseinanderliegen.
Was Tozza und Paschmann hier inszenieren, ist das größtmögliche Spektakel, das man bei Alarm für Cobra 11 ohne Actioneinlagen (nimmt man den 5-Sekunden-Crash in der Mitte mal weg) bieten kann. Sollte es diesen C11-Fan geben, der die Alex-Ära ganz klar bevorzugt und der zufälligerweise die Folgen der Serie nicht kennt, in denen es um Semirs Familie geht, für den dürfte „Happy Birthday“ mit Sicherheit die neue beste Folge der Serie sein und für alle anderen wird es wohl der größte Flop aller Zeiten werden.
Ich bin überzeugt davon dass niemand, absolut niemand aus so einer beschissenen Geschichte so viel herausholen hätte können wie das Duo Tozza/Paschmann. Kein gefühlvoller Zavelberg, kein intensiver Höret, kein schnittbegeisterter Simaifar und schon gar kein Polinski - und wahrscheinlich nicht mal Steven Spielberg. Das ist fast schon ein verkürzter Kinofilm. So etwas wäre 2017 noch absolut undenkbar gewesen und selbst in der Alex-Ära hat man sehr, sehr selten so eine Wahnsinns-Inszenierung gesehen. Und das Brillante ist dabei ja noch, dass die Schauspieler da absolut mitspielen und alles geben. Ganz zu schweigen vom Soundtrack, der eine einzigartige Wucht ist. Hammer!
Und doch kann man bei aller Qualität leider nicht verstecken, dass man ganz toll - es kommt einem teilweise fast schon absichtlich vor - in jedes einzelne Fettnäpfchen tritt, in das man hier hätte treten können. Bezüglich Ben. Bezüglich Kemal. Bezüglich Selma. Bezüglich Onkel Ömer. Bezüglich Semirs Vater. Man hat hier einfach auf fast alles geschissen, was man in der Vergangenheit zu Semirs Familie erzählt hat. Hätte man auch nur ein bisschen Recherche betrieben - und meinetwegen die Fans der ersten Stunde mal gefragt - das hier wäre ein unangefochtenes Meisterwerk allererster Güte gewesen, weit über Bombenstimmung, Ausgelöscht, Angst und Tag der Abrechnung. Nie hat es so wehgetan wie heute, zu erleben, wie wenig sich ein Herr Joha, ein Herr Atalay oder auch ein Herr Beck mit der Serie auskennen. Man bekommt am Ende alle Fragen beantwortet, die die Episode stellt und trotzdem bleibt das Gefühl, dass man jetzt viel weniger weiß als vorher.
Cobra-X Zu deinem Punkt mit Pauls Aussage in der Mitte, ehrlich gesagt, ich habe das absolut kommen sehen, deshalb sehe ich das weniger als Kritikpunkt. Tozza und Paschmann haben das vorher „zwischen den Zeilen“ meiner Meinung nach hier und da auch schon durchschimmern lassen und indirekt stand das so auch schon im Spoilertext drin. Und in dem Kontext fand ich sogar Bens Auftritt schlüssig und nachvollziehbar, wenn man bedenkt, wie gute Freunde Semir und Ben immer waren.
Fazit:
Geschichte: 0/10
Umsetzung: 10/10
Macht 5/10 als Gesamtnote ... unter ganz, ganz, ganz starker Berücksichtigung der Leistung von Tozza und Paschmann - und Erdogan Atalay. Also, bei ihm nur die Leistung vor der Kamera, nicht dahinter...