Beiträge von Yon

    Zum ersten Mal muss Ben sich in der Dienststelle einen Schuss setzen. Ich glaube, jetzt kann es nicht mehr lange dauern, bis er sich verrät. Aber durch die erfolgreiche Jagd und Festnahme der Bankräuber ist seine Gunst bei der Chefin wieder etwas gestiegen. Nur das Verschlafen am Morgen hat sie nicht vergessen, da wird Ben in Zukunft aufpassen müssen. Jetzt bin ich auf das Gespräch gespannt, das Semir mit ihm führen wird. Ich befürchte, er wird sich wieder irgendwie rausreden können, hoffe aber, dass er sich seinem Freund endlich anvertraut.

    Trotz der Dämmerung erkennt der eine Gangster Ben Jäger als Sohn seines "Erzfeindes" Konrad und erkennt, dass er damit eine goldene Geisel in seiner Gewalt hat. Aber was machen die jetzt mit Semir? Kann er die Gangster beschreiben? Dann wäre es gefährlich ihn liegenzulassen.

    PAST

    Am nächsten Morgen war Semir schon um halb Acht auf dem Revier. Zum einen trieb ihn natürlich die Neugier in die Dienststelle nach dem, was wohl die Spurensicherung herausgefunden haben mag und ob schon Ergebnisse der Gerichtsmedizin vorlagen, zum anderen ließ der Schmerz in seinem Knöchel ihn nicht länger schlafen. Er hatte den Knöchel am Abend noch gekühlt und über Nacht einen Salbenverband angelegt, konnte aber nicht verhindern, dass dieser heute Morgen angeschwollen und dunkelblau war. Die Tatsache, dass er auftreten und auch einigermaßen auf ebenem Grund laufen konnte, beruhigte ihn aber etwas. Er war wohl lediglich verstaucht.

    Er legte seinen Fuß auf einen herangezogenen Besucherstuhl und blätterte durch die Unterlagen auf seinem Schreibtisch. Statt KTU oder Gerichtsmedizin hatte Susanne Neuigkeiten für sie. Eine entsprechende Notiz hatte sie am Vorabend auf seinen Schreibtisch gelegt. Sie kündigte ihr Erscheinen im Büro für 9:00 Uhr an. Mittlerweile war der Rechner hochgefahren und im Maileingang fanden sich Bilder der drei toten Männer. Frontalaufnahmen der Gesichter und Detailaufnahmen von Hand- und Fußgelenken, an denen Wunden zu erkennen waren, die auf Fesselung hindeuteten. Die Hinterköpfe aller drei waren blutverkrustet. Semir startete damit, die Fotos auszudrucken und stand auf, um sich einen Kaffee aus der Teeküche zu holen.

    Kaum war er mit dem dampfenden Getränk und den Ausdrucken an seinen Schreibtisch zurückgekehrt, betrat Alex die PAST. „Morgen“, begrüßte er die Kollegen in der Zentrale, die an diesem Samstagmorgen Dienst hatten und betrat dann das Büro. „Guten Morgen, was macht dein Fuß?“ -„Tut weh, dick und blau, aber ich kann damit laufen. Wenn du auch einen Kaffee möchtest, musst du neuen aufsetzen. Susanne kommt gleich, um uns etwas zu erzählen, sie hat wohl schon etwas herausgefunden. Fotos habe ich schon ausgedruckt, von KTU und Gerichtsmedizin liegt noch nichts vor“, klärte Semir seinen Partner kurz auf, der sich jetzt in die Teeküche begab und die Kaffeemaschine erneut in Gang brachte.

    Als Alex mit seinem Kaffee wieder das gemeinsame Büro betrat, klingelte das Telefon auf Semirs Schreibtisch, der nach dem ersten Signal abhob. „Gerkan, Kripo Autobahn…Ja, Heino, Was habt ihr?“ Semir lauschte dem anrufenden Gerichtsmediziner eine Zeitlang ohne Unterbrechung und machte sich einige Notizen auf den Ausdrucken der Fotos der Leichen. Anschließend fasste er das Gehörte für Alex und auch für sich selbst nochmal zusammen. „Also, wir haben drei männliche Leichen, wir nennen sie Leiche 1,2 und 3. Leiche 1 und 2 sind je etwa 30-40 Jahre alt, Leiche 3 deutlich älter, alle drei sind wohl zum gleichen Zeitpunkt getötet worden. Alle trugen Anzüge mittlerer Qualität, die Hände waren auf dem Rücken gefesselt, die Füße ebenfalls zusammengebunden. Alle drei starben durch aufgesetzte Genickschüsse, wurden also geradezu hingerichtet.“ – „Also können wir Selbstmord oder eine natürliche Todesursache ausschließen“, bemerkte Alex trocken und erntete dafür einen strafenden Blick eines älteren Kollegen. „Es wird davon ausgegangen, dass die Leichen gleich nach ihrer Tötung in die Säcke gepackt und in diesem Raum entsorgt wurden, darauf deutet die Blutmenge in den Beuteln hin. Vielleicht mussten sie sogar noch lebend selbst reinsteigen, wurden dann erschossen und die Säcke daraufhin zugebunden? Die Plastiksäcke waren alle unversehrt, lediglich einer war eingerissen, sie dürften aber nicht geschliffen worden sein, sondern vorsichtig getragen. Vielleicht war der Fundort auch der Tatort?“, mutmaßte Semir, „eine Identifizierung war noch nicht möglich. Die gefundenen Gegenstände sind noch in der KTU, wir fahren am besten selber gleich mal rüber.“ Semir stand aus seinem Schreibtischstuhl auf und hängte die ausgedruckten Fotos an die Magnettafel und betrachtete sie eingehend.

    Als er damit fertig war, betrat Susanne die PAST. Sie legte ihre Tasche auf ihren Tisch im Großraumbüro und ging gleich in das Büro der Kripo-Beamten, als sie sah, dass diese schon anwesend waren. „Jungs, ich habe gestern noch etwas rausgefunden“, sie hatte die volle Aufmerksamkeit von Semir und Alex, „ich habe mich gefragt, was das für Räume mitten im Wald sind, die ihr da entdeckt habt, also habe ich ein wenig recherchiert. Es handelt sich um den Keller eines alten Forsthauses. Der Wald in Frechen ist damals durch die Autobahn zerschnitten worden, ein kleiner Rest des Waldes ist nördlich und südlich der A4 noch erhalten geblieben. Im südlichen Teil, nahe des heutigen Rasthof Frechen, Fahrtrichtung Köln, stand das Forsthaus, seit dem Autobahnbau verlassen im dem kleinen Wald-Reststück. Das Haus ist in den 70er Jahren abgerissen worden. Den Keller hatte man damals im Erdboden gelassen und nur mit Holzbrettern abgedeckt. Dann geriet der Ort in Vergessenheit, und die Bretter sind wohl morsch geworden. Das zur Geschichte. Und nun zur Gegenwart und Zukunft. Vor drei Monaten wurde entschieden, den Keller als Fundament für einen Funkmast zu nutzen, dafür sollte der gesamte Raum mit Beton ausgegossen werden.“ – „Damit wären die Leichen im Keller gut entsorgt“, meinte Alex, „wer wusste von den Plänen für die Funkmasten?“ – „Der Provider ist Mobil-TEL, eine Münchner Mobilfunk-Firma, die ausführende Baufirma ist Wilckens Bau, vielleicht sind noch Architekten, Gutachter usw. beteiligt, das herauszufinden ist euer Job.“

    Semir grübelte. Wilckens Bau, Wilckens Bau, da war doch was? Er zog die Stirn kraus. Woran erinnerte ihn der Name? „Wilckens Bau?“, fragte er jetzt laut, „der Name kommt mir bekannt vor.“ – „Wilckens Bau ist an beinahe jeder Autobahnbaustelle beteiligt und überall hängen Werbeschilder herum“, versuchte Susanne zu helfen. „Nein, das meinte ich nicht. Moment..“, er rollte an seinen Schreibtisch und gab „Wilckens“ in die Suchmaske seines Computers ein. „Hier! Der Sprinter vor drei Wochen, den wir auf der Landstraße angehalten haben, dessen Fahrer ohnmächtig war und später verstarb, das war ein Wagen der Firma Wilckens Bau. Und der Fahrer war bei der Firma angestellt. Vielleicht nur ein Zufall?“

    „Schauen wir uns in der Firma mal um?“, fragte nun Alex, „Aber erst geht es zur KTU.“

    Ich wollte jetzt erst fragen, warum Alex und Semir die Wohnung auf den Kopf stellten, aber ich glaube, mit

    Die beiden liefen in die Wohnung. Alles wurde auf den Kopf gestellt.


    meinst du, dass sie schon vorher auf dem Kopf gestollt worden war.
    :)
    Ich habe jetzt dieses Kapitel zum zweiten Mal gelesen, und ich hoffe, du wirst es nicht bei jeder Kritik neu überarbeiten, denn ein zweites Mal von vorne anfangen, werde ich nicht. Ich weiß noch nicht, ob ich dabei bleiben werde, bei deiner Story, mal sehen, das hängt davon ab, wie das zweite Kapitel wird und wann es kommt. Auf jeden Fall solltest du vermeiden, Szenen und Dialoge aus Cobra11-Folgen zu übernehmen, so stammt der Satz ¨Wo sollen wir denn sein?¨ aus Bad Bank, wenn ich mich nicht irre.
    Trotzdem schreib weiter, das übt. Ich bin gespannt, was für eine Story du dir ausgedacht hast, und was der überwältigte Werkstatt-Heini aussagen wird.

    Hi,
    Willkommen in der Autorenwelt.

    Ich finde die Idee spannend, mal eine ganze Cobra11-Geschichte in nur einem Kapitel zu packen.
    Leider ist deine Story zu schnell. Erst ist der Wagen kaputt, beide Polizisten anscheinend verletzt aber trotzdem in der Lage, den Fall aufzuklären, Alex wird noch angeschossen, Semir kann den Gangster festsetzen und nach dem nächsten Halbsatz hat der Alltag Semir und Alex wieder.
    Mir ging es ein wenig zu schnell.

    Das war knapp. Der Drogenspürhund schlägt bei Bens Auto an, aber einen Polizisten hat man ja nicht gleich in Verdacht, Drogen zu konsumieren, außerdem könnte der Wagen ja auch mal zum Transport von Drogen verwendet worden sein. Gut, dass Ben gerade nicht daneben steht, dem wäre sicher ganz anders geworden, hätte er das gesehen. Auch diese Polizeiaktion scheitert - wen wundert's, weil Ben die Info weitergegeben hatte. Lediglich zwei kleine Drogenkonsumenten können aufgegriffen werden. Bens Probleme nehmen zu. Drogenanhängig, im Streit mit Sarah, drohender Ärger mit Semir und der Chefin, ich glaube, die Schlinge zieht sich allmählich zu.

    Von Nicole erfährt Alex, dass nicht Semir auf sie geschossen hat, sondern ein Mann, der hinter Semir stand und ihn auch gestriffen hat. Der anfängliche Verdacht, sie könnte mit drinstecken, scheint damit wohl ausgeräumt.
    Aber in der Suche nach Semir bringt es die Ermittler nicht weiter, die jetzt im Hintergrund mit Einwilligung der Chefin weitersuchen.

    Na, die Aktion ging ja gründlich daneben. Semir versucht, die Bösen zu stellen und bekommt nicht mit, dass sich einer von ihnen von hinten anschleichen und ihn überwältigigen kann. Und Ben ist nicht zur Stelle, kann sich nur noch ergeben, um seinen Partner aus dem Würgegriff zu befreien.
    Was passiert nun? Nehmen die Gangster unsere ¨Helden¨ mit?

    Aufnahme

    Die Feuerwehr brachte ihre Äxte wieder zum Wagen, zunächst musste die Flatterbandabsperrung ausreichen. Erst wenn die Aufnahme des Leichenfundorts komplett abgeschlossen war, konnte an den Einriss der morschen Decke gedacht werden, Um den Einsturz weiterer Personen oder Tiere zu verhindern, sollte dann ein engmaschiges Drahtgitter über die Öffnung gelegt werden.

    Alex und Semir gingen zum Parkplatz zurück und warteten dort auf das Eintreffen der Spurensicherung und Gerichtsmedizin. Sie meldeten dem diensthabenden Beamten in der PAST, was sie im Wald entdeckt hatten. Kim Krüger hatte schon Feierabend gemacht, und Susanne saß auch nicht mehr im Büro, der Telefonist sagte aber zu, die Chefin sofort zu alarmieren und zum Fundort zu schicken. Die beiden Hauptkommissare begrüßten die Männer und Frauen der Spurensicherung und brachten sie dann zu der abgesicherten Falltür, die offen stand, seit sie den Raum verlassen hatten. Die Feuerwehr hatte ihre Scheinwerfer stehen gelassen, die Polizei würden sie nach der Aufnahmen und Untersuchung des Leichenfundorts zurück zur Station bringen.

    Jetzt, wo die Dämmerung bereits vollständig Besitz von dem Waldstück ergriffen hatte, drang das Scheinwerferlicht wie ein gelber Lichtkegel aus der Tiefe in die Baumkronen und warf gespenstige Schatten auf die Umgebung. Die Beamten der Spurensicherung zogen sich ihre weißen für den einmaligen Gebrauch vorgesehenen Anzüge, Handschuhe und Mundschutze über und begannen den Abstieg in den unterirdischen Raum. Alex und Semir hielten sich im Hintergrund. Es waren jetzt schon mehr als genug Leute dort unten, sie konnten genauso gut an der frischen Luft auf Ergebnisse und auf das Eintreffen ihrer Chefin warten. Kim Krüger traf ein, gerade als der Fotograf nach getaner Arbeit die Stiege emporstieg und zu den Kommissaren trat. Er deutete die fragenden Blicke der drei Beamten richtig und schilderte den Fund in knappen Worten: „Drei Leichen in drei Säcken, alle männlich, mittleren Alters“ – „Was zur Todesursache?“ – „Ich bin Fotograf, Frau …“ – „Krüger, Kripo Autobahn“ – „Frau Krüger, da müssen Sie die Kollegen der Gerichtsmedizin fragen.“ – „Danke, die Fotos schicken Sie bitte auch zu uns?“ – „Aber natürlich, ich beeile mich.“ Der Fotograf verabschiedete sich und ging über den Waldweg zu seinem Auto.

    Kim Krüger wandte sich jetzt an ihre beiden Beamten. „Was hatten Sie hier zu suchen?“ Semir übernahm die Antwort. „Wir wollten uns gerade einen Kaffee holen, da kam eine Frau in die Gaststätte und suchte ihren 10-jährigen Sohn, wir halfen ihr beim Suchen. Er sollte sich ihrer Aussage nach mit seinem Hund in diesem Waldstück aufhalten, also sind wir den Wald abgegangen. Ich fand den Hund hier im Unterholz, aber bevor ich ihn erreichte, bin ich durch die morsche Decke eingebrochen und landete direkt neben dem Jungen. Er hat sich das Bein gebrochen und ist bereits im Krankenhaus. Auf der Suche nach einem Ausstieg, fand ich die Stiege mit der Falltür und den Säcken, denen ein unangenehmer Gestank entströmte. So fanden wir die Leichen.“ Kim nickte und schritt dann zu der aufgeklappten Falltür. Als sich Semir und Alex nicht rührten, drehte sie sich um. „Kommen Sie, meine Herren?“

    Ein Mann der Spurensicherung war schon dabei, die Taschen der Männer, die allesamt Anzüge trugen, nach Gegenständen zu untersuchen. Alle Fundstücke legte er in kleine Plastiktüten und legte diese auf die Brust des jeweiligen Eigentümers, die jetzt nebeneinander hingelegt waren. Semir griff sich eine der Tüten. Streichhölzer, Zigaretten, Schlüssel, mp3-Player, keine Papiere, keine Brieftasche. „Bringt ihr das alles in die KTU, das soll Hartmut sich mal anschauen. Und bringt nichts durcheinander“, bat Semir einen der Beamten der Spurensicherung, der diese Bitte mit einem so vielsagenden Blick quittierte, dass Semir schnell entschuldigend und lächelnd die Hand hob. Nachdem auch der Gerichtsmediziner ihnen zugesagt hatte, sich mit der Auswertung beeilen zu wollen und ihnen die baldmöglichste Übersendung der Ergebnisse zugesichert hatte, schlug Semir vor: „Ich denke, wir sollten zurück zur Dienststelle fahren und Feierabend machen. Ergebnisse werden sicher nicht vor morgen früh vorliegen. Tja Alex, das war’s dann wohl mit dem Wochenende“, und in die Runde rief er noch: „Tschüß Jungs.“

    Oh Mann, Sarah steigert sich da wirklich in etwas hinein, und dann platzt es aus hier heraus. Und Ben wird von ihr aus seiner eigenen Wohnung geschmissen. Völlig sprachlos geht er in die Tiefgarage, setzt sich einen Schuss und schläft in seinem Wagen. Er hat ja nicht mal versucht, Sarah zu beruhigen, ok, hätte in der Situation sicher auch keinen Erfolg gehabt. Aber wenn Ben jetzt nicht bald reinen Tisch macht und seinen besten Freunden die Wahrheit erzählt, läuft er ernsthaft Gefahr alles zu verlieren.

    Da hätte Kevin die Chance gehabt, mit Semir und Ben zu dem Haus zu fahren, die Entführer festzunageln und festzunehmen, und was macht er? Er tischt ihnen eine Lügengeschichte auf. Meint er wirklich, er könnte Jenny da alleine rausholen? Ich bin sicher, Ben und Semir hätten Kevin schon richtig verstanden, wenn dieser ihnen von den unterschiedlichen Charakteren der drei Geschwister erzählt hätte. Aber die Lüge ist ja nicht unentdeckt geblieben.

    Grausiger Fund

    Alex hatte durchaus den angenehmeren Teil der Aufgabe abbekommen, dachte Semir und setzte sich neben Bastian auf den Fußboden. „Da sind wir beide in einen schönen Schlamassel geraten, was Bastian?“, meinte er zu dem Reglosen. Als hätte er ihn mit seiner Stimme geweckt, kam Leben in den Jungen. „Mama? Bella? AU!“ – „Hey Bastian, nicht bewegen, du bist gefallen und hast dir das Bein gebrochen. Deine Mama wird gleich hier sein.“ – „Aua. Das tut so weh!“, weinte der Junge, „wer - sind - Sie?“ – „Ich heiße Semir, ich hatte dich gesucht und bin dann selber hier reingefallen. Wieso bist du hier entlang gelaufen?“, wollte er von dem Zehnjährigen wissen, auch um ihn in ein Gespräch zu verwickeln und so von seinem Schock und den Schmerzen etwas abzulenken. „Bella hat sich losgerissen, ich bin ihr nachgerannt. Plötzlich bin ich gestürzt und hier gelandet.“

    Alex hatte mittlerweile mit Bella, die artig an ihrer Leine mit ihm mitlief, den dunkelgrünen Ford Mondeo erreicht. Nadja Winter kam ihm schon entgegen. „Haben sie ihn? Bella!“ Die Hündin freute sich, ihr Frauchen wieder zu sehen, wurde aber nach der Begrüßung von ihrem Frauchen in den Wagen gesperrt. „Wo ist er?“, wollte sie von dem Polizisten wissen. „Er ist in ein Loch gestürzt und hat sich das Bein gebrochen. Mein Partner ist bei ihm. Wir haben schon einen Rettungswagen gerufen, müssen den Sanitätern aber den Weg zeigen, damit nicht noch mehr Leute einstürzen.

    Er wurde unterbrochen durch die Martinshörner der Feuerwehr und des Rettungswagens, die nun auf dem Rastplatz eintrafen. Er hob seine Arme, um die Fahrer auf sich aufmerksam zu machen und winkte sie an den Rand des Parkplatzes. „Guten Abend, begrüßte er die Rettungskräfte, „ich bin Alex Brandt von der Kripo Autobahn. Das ist Frau Winter, ihr Sohn ist hinten im Wald in einen unterirdischen Raum gestürzt und hat sich wahrscheinlich das Bein gebrochen. Ich bringe Sie hin. Mein Partner ist bei ihm“, erläuterte er kurz und knapp die Situation. „Eine Leiter brauchen wir nicht mehr, wir haben eine Treppe gefunden, und es ist uns gelungen, die Falltür zu öffnen“, wandte er sich nun an die Feuerwehr, während die Sanitäter bereits die Trage aus ihrem Wagen holten, „aber Sie sollten den Bereich absperren und sichern, damit nicht noch mehr passiert, vielleicht sollten wir die morsche Decke einfach ganz einreißen, dann ist das Loch zumindest zu sehen. Ach, da fällt mir was ein, haben Sie Scheinwerfer an Bord? Irgendetwas hat da im Loch bestialisch gestunken. Wir wollen doch mal genau nachsehen, was das ist.“

    Alex ging mit den Sanitätern und Nadja Winter voran, die Feuerwehr folgte mit Absperrband, Scheinwerfern und Äxten. Als sie die offen stehende Falltür erreicht hatten, warnte er seine Begleiter erneut vor dem Gestank, der sie jetzt erwartete, dann ließ er den Sanitätern den Vortritt.

    Während die Sanitäter sich um den verunglückten Jungen und dessen aufgebrachte Mutter kümmerten, begann die Feuerwehr mit dem Aufbau ihrer akkubetriebenen Scheinwerfer, um den dunklen Raum unterhalb der Falltür zu erhellen. Der Raum war komplett leer, abgesehen von der Ecke unterhalb der Treppe. Dort lagen drei große, schwarze Säcke, einer davon eingerissen. Und hier lag auch die Ursache für den Verwesungsgeruch in diesem Raum. Ein junger Feuerwehrmann trat vor, zog sein Messer hervor und schnitt den Sack ganz auf. „WAASS?“, schrie er und fuhr zurück, als ihn zum einen der verstärkte Leichengeruch in die Nase stieg und er im selben Augenblick den Inhalt des Sacks erkannte: es war der schon leicht verweste Körper eines Menschen, „d…d…das ist ein T…T…Toter“, stammelte er weiter.

    „Hände weg!“, befahl Alex, als sich ein anderer Feuerwehrmann dem Fund nähern wollte, „das ist ein Fall für die Spurensicherung. Wir sollten hier nichts weiter anfassen.“ Er hatte sein Handy bereits in der Hand, um die zuständigen Beamten zu alarmieren. Semir, von dem Aufschrei und den bestimmenden Worten seines Partners angelockt, trat aus dem anderen Raum, in dem er gerade noch die Personalien von Nadja Winter und ihrem Sohn aufgenommen hatte, der mittlerweile gut stabilisiert und versorgt auf der Trage lag. „Was habt ihr?“, fragte er in die Runde. „Einen Toten im ersten Sack. Und noch zwei weitere Säcke, noch ungeöffnet.“ Semir trat vorsichtig auf den Fund zu und verzog bei dem Anblick des Toten angewidert sein Gesicht.

    Hinter ihm wurde jetzt Bastian von den Sanitätern herausgetragen, gefolgt von seiner Mutter. „Lasst uns auch hier rausgehen“, schlug Semir vor, „hier unten bekommt man ja keine Luft. Und die SpuSi weiß schon, was sie zu tun hat. Sperren wir das Gebiet ab.“

    Ich habe auch kein Problem, dass deine Story heute pausiert. Es gibt auch Situationen, da kommt man nicht zum Schreiben. Das Leben in der realen Welt ist halt wichtiger als das Leben im Cobra-Universum. Ich wünsche euch viel Spaß mit eurem Familienzuwachs. Der Name Daisy ist für mich belegt mit Erinnerungen an meine kleine Maus, und wenn eure Daisy nur annähernd so süß und lieb ist wie es meine Daisy war, habt ihr einen absoluten Glücksgriff mit ihr gemacht, und sie mit euch sowieso.

    Lohrbach hat ja doch noch einen Fahrer gefunden, und der LKW soll mit einem Sender ausgestattet werden. Dann sollten sie sich bloß bei der Verfolgung nicht als Zivilstreife zu erkennen geben, sonst könnte der "Streifenwagen" auf den Überfall verzichten.
    Dass Simon auch bei der Befragung im Krankenhaus nichts sagt ist verständlich. Schließlich sieht er seine Familie in Gefahr.

    Falltür

    Die Wartezeit verbrachte Semir damit, sich genauer umzuschauen. Dass er eben eine Leiter geordert hatte, um über diese den unterirdischen Raum verlassen zu können, war ihm im Nachhinein merkwürdig vorgekommen. Sollte dieses ein Keller sein, so musste es einen Zugang von oben geben. So ließ er seine Augen über alle vier Wände gleiten und bemerkte tatsächlich eine Tür an der im Schatten liegenden Wand, sie war ebenso wie die Wand weißgestrichen und hob sich nur durch die über die Mauersteine vorstehenden Angeln hervor. Er humpelte langsam auf die Tür zu, das Auftreten war zwar schmerzhaft, aber Semir war überzeugt davon, sich den Knöchel lediglich verstaucht zu haben. Die Tür war abgeschlossen, wie er nach einem Klinkendruck feststellte, gab aber bei einem beherzten Zug nach und öffnete sich.

    Sofort schlug Semir ein modriger Geruch entgegen, und da war noch etwas anderes in der Luft, ein Duft, der sich mit jeder Sekunde, die er die Tür länger geöffnet hielt, verstärkte, bis er sich seinen Arm vors Gesicht schlug, um ihm zu entgehen, um ihn daran zu hindern, ihm tief in die Nase und ins Gehirn zu steigen. Es stank bestialisch! Und Semir konnte den Geruch auch identifizieren. Es war Leichengeruch, der Geruch verwesender Körper. Das muss es gewesen sein, was den Hund an- und Bastian schließlich in die Falle lockte. Ihm wurde übel und er musste die Tür kurz schließen, um tief Luft zu holen.

    Dann nahm er seinen Mut zusammen und riss die Tür ganz auf. Im Gegensatz zum ersten Raum, in den durch die teilweise eingestürzte Decke Tageslicht fiel, war dieser Raum stockdunkel, lediglich durch die nun geöffnete Tür strömte etwas Licht, aus zweiter Hand sozusagen, hinein und gab den Blick frei auf eine Stiege, die nach oben führte, und an der Decke aufhörte. Seine Neugierde war geweckt. Versucht, möglichst wenig Luft zu holen, ging er auf die schmale Treppe zu und erklomm die Stufen. Genau über der Treppe befand sich eine rechteckige, hölzerne Falltür, die nach oben zu öffnen war. Aber so sehr Semir sich dagegen stemmte, sie gab dem Druck nicht nach. Er schüttelte seinen Kopf, machte sich auf den Rückweg in den ersten Raum und schloss die Verbindungstür hinter sich. Bastian hatte sich nicht bewegt. „Semir?“, klang jetzt die Stimme seines Partners von oben. Als Semir nach oben blickte, erkannte er Alex Gesicht genau an der Stelle, an der er vor etwa 10 Minuten eingebrochen war. „Hey, pass auf, du bist noch auf der brüchigen Decke“, warnte er ihn, „ist die Feuerwehr und der RTW schon zu sehen? Was ist mit dem Hund?“ – „Nein, noch ist keiner zu sehen“, kam die Antwort, nachdem Alex sich kurz zum Parkplatz umgeblickt hatte, „den Hund habe ich hier angebunden“. „Einer von uns sollte sie hierher lotsen, und auch Bastians Mutter. Hier ist noch ein zweiter Raum, Alex. Etwa 6 Meter weiter dort“, Semir wies mit dem Arm in die Richtung, „befindet sich eine Falltür, die du vielleicht von oben öffnen kannst. Aber ich warne dich, darin stinkt es nach Verwesung.“ – „Ich sehe mal nach.“

    Alex erhob sich und ging in einem Bogen um die Einbruchstellen herum. Er zog dabei immer mal mit dem Fuß durch die Blätter und Zweige, um zu erkennen, wo der Waldboden aufhörte und die Holzdecke begann. So tastete er sich vorsichtig am Rand des unterirdischen Gemäuers entlang, bis er die Falltür sah. Der Griff war ein massiver, leicht verrosteter Eisenring. Alex drehte an dem Ring und zog kräftig an der Holztür. Knarzend öffnete sie sich und Alex trat gleich zwei, drei Stufen hinab. Dann schlug er sich die Hände vors Gesicht. Bei Gott! Semir hatte nicht übertrieben mit seiner Warnung vor diesem Gestank. „Igitt“, rief er, „was ist denn das für ein Gestank? Das ist ja furchtbar!“ – „Ich freue mich auch, dich zu sehen“, entgegnete ihm Semir, der jetzt auch an die Stiege getreten war. Der Junge hat sich das Bein gebrochen. Wo bleiben die denn?“ – „Ich werde den Hund zu Frau Winter bringen und die Rettungskräfte herbringen, hältst du es noch ein wenig hier unten bei dem Jungen aus, Semir?“

    Will Ben auch in Zukunft nicht auffliegen, muss er sich bald etwas einfallen lassen, denn zunächst ist es in der Tiefgarage auf Dauer nicht sicher, irgendwann wird er dort Nachbarn oder vielleicht sogar Sarah begegnen, und darüber hinaus kann er sicher nicht seine nächtliche längere Abwesenheit im Bett begründen. Und die Einstichstellen wird er auch nicht ewig geheimhalten können. Und sein Dienst ist ja auch nicht so regelmäßig, da wird er sicher öfters an seine Grenzen kommen und dann keine Möglichkeit haben, sich schnell mal einen Schuss zu setzen. Ich gehe davon aus, dass Ben bald auffliegen wird, zumindest hoffe ich das.