Beiträge von Yon

    Ich denke, die "Ich"-Form ist eine Herausforderung und bin gespannt, ob du ihr gewachsen sein wirst. Wichtig ist auch für mich, dass die Geschichte zuende geschrieben wird. Ansonsten wirst du mich bei deiner nächsten Story nicht als Leser gewinnen können.
    Ebenso wichtig ist aber auch, dass die Geschichte logisch ist. So bin ich gespannt, wie du die Gefangenschaft von Alex und Bella begründen wirst. Dass Kim Krüger sich schon am zweiten Tag eines unentschuldigten Fehlens am Grab ihres Kollegen stehen sieht, halte ich für etwas unrealistisch, aber ansonsten gefällt mir dein Schreibstil.

    Oh Mann, das möchte ich mir aber nicht vorstellen, wie die Wunde ausgebrannt wird. Haben sie Ben denn vorher noch eine Flasche Whiskey eingeflöst, damit es dem Westernstil noch näher kommt. Was sagt denn unsere Fachfrau zu dem Vorgehen?
    Und jetzt planen sie, sich auch Semir noch vorzunehmen, und zwar mit Minen! Irgendwie sind eure Verbrecher ganz schön krank im Kopf.

    Ben zeigt klare Anzeichen einer Dehydrierung, ob man so etwas alleine beheben kann, d.h. ohne Krankenhaus und Infusion, weiß ich nicht. Das wird schwer werden, weil Ben sicher auch keine getrunkene Flüssigkeit bei sich behält. Ich fürchte fast, er kommt um eine Klinikeinweisung nicht herum, es sei denn Sarah kann die notwendigen Sachen irgendwie beschaffen.

    Robert beim Firmenchef

    „Wir haben ein Problem“, begrüßte der Firmenchef den Angestellten des Bauamts, „Ihre Lebensgefährtin und ihre Kinder sind uns abhanden gekommen.“ – „Abhanden? Was soll das heißen?“ – „Sie sind weg, und zwei meiner Männer sind von der Polizei festgenommen worden. Damit haben wir jetzt ein Problem“, Horst Wilckens machte eine kurze Pause, um seine Worte auf Robert wirken zu lassen, „auf meine Leute kann ich mich 100%ig verlassen. Ich werde ihnen meinen Anwalt vorbeischicken. Aber wie sieht es mit Ihnen aus? Wo sind Ihre Freundin und die Kinder? Wer hat sie befreit? Wer die Polizei verständigt?“ – „Ich weiß es nicht, Herr Wilckens. Ich habe niemanden irgendein Wörtchen erzählt.“ – „Das ist wohl auch besser so, Sie stecken genauso tief in der Scheiße, wenn unsere Abmachungen bekannt würden, wie wir. Ich hoffe doch, dass Ihre Freundin - wie war noch ihr Name? Andrea? – nichts von unseren Geschäften weiß? Muss ich vielleicht jeden Moment damit rechnen, dass meine Sekretärin reinkommt und mir den Besuch von Ermittlungsbeamten ankündigt? Zumal letzte Woche schon jemand hier war.“

    Robert blickte auf den Boden. „Ich habe ehrlich keine Ahnung, das müssen Sie mir glauben. Sie haben mir versichert, sie kämen nach der Ausschusssitzung am Mittwoch frei, und darauf habe ich mich verlassen. Ich habe stillgehalten. Sie weiß von nichts, ehrlich!“ – „Mein Sohn sagte mir, dass heute früh zwei Männer zum Versteck kamen, zwei meiner Leute überwältigen konnten und mit der Frau und einem Kind entkommen sind. Mit nur einem Kind, hören Sie? Sie wissen, was ich denke?“ Der Firmenchef sah Robert herausfordernd an. „Ich denke, dass eine der Töchter Ihrer Lebensgefährtin entkommen konnte und Hilfe geholt hat. Meinen Sie nicht auch? Wie sonst hätten die das Versteck finden können. Es wusste niemand davon, auch Sie nicht. Und jetzt frage ich Sie: Wohin wird ein achtjähriges Mädchen mitten in der Nacht gehen, um Hilfe zu holen? Ganz alleine in der dunklen Nacht? Zu Ihnen anscheinend nicht, sonst hätten meine Leute das schon bemerkt. Haben Sie eine Idee? Vielleicht zu ihrem tatsächlichen Vater?“

    Natürlich wusste Robert, an wen sich Ayda wenden würde, aber er schüttelte trotzdem mit dem Kopf. Solange wie möglich sollten Andrea und die Kinder in Sicherheit sein. Semir, wie Robert Andreas Noch-Ehemann einschätzte, würde sie bestimmt an einen sicheren Ort bringen. Er wollte ihm dafür soviel Zeit wie möglich ermöglichen.

    „Bis Mittwoch werde ich Sie keinen Moment aus den Augen lassen, das sollte Ihnen klar sein. Geben Sie sich keine Mühe, es wird immer jemand von meinen Leuten an Ihnen kleben. Sollten wir mitbekommen, dass Sie versuchen, sich anders als in unserem Sinne zu verhalten, werden Sie unsere Rache spüren. Sie werden sich nicht dauerhaft vor uns verstecken können. In ein paar Tagen ist die Geschichte vorbei, und wir gehen getrennte Wege. Haben wir uns verstanden?“ Der Firmenchef war deutlich geworden.

    Frank Wilckens betrat das Büro seines Vaters und gab Robert mit einem eiskalten Grinsen seine Sachen zurück, die er ihm vorher abgenommen hatte.

    Natürlich hat Harald auf Ben geschossen, wurde aber von Matze gestört, und traf ihn nur ins Bein. Schlimm genug, aber die Geisel ist noch am Leben. Jetzt wird 1 Mio mehr gefordert, und Konrad ist sauer auf die Polizei. Will er das wirklich alleine durchziehen?

    Ben ist wieder in seinem Kellerraum, und jetzt stößt Sarah langsam auch an die Grenze ihrer Belastbarkeit. War es ihr bislang möglich, den Entzug aus der Distanz einer Krankenschwester zu begleiten, wird sie jetzt doch von ihren Gefühlen übermannt und muss den Raum verlassen. Wie gut, dass sie in dieser Situation nicht alleine ist und auf Semir zählen kann.

    Erste Verbindungen

    Die am Versteck festgenommenen Kai-Uwe und Olaf waren in der Zwischenzeit von Alex zur PAST gebracht worden und warteten dort auf ihre Vernehmung. Bis auf Angaben zu ihrer Person wollten sie ohne Anwalt nichts aussagen.

    Semir machte sich auf den Weg zur PAST, nachdem Ben ihm versprochen hatte, Andrea und die Kinder an einen sicheren Ort zu bringen, und der sicherste Ort, den er sich momentan vorstellen konnte, war die Villa seines Vaters. Konrad war auch gleich bereit, die drei bei sich aufzunehmen. Platz war genug vorhanden. Er ließ gleich zwei Gästezimmer herrichten und sagte seiner Köchin Bescheid, dass sie in der nächsten Zeit Gäste hätten. Zur Sicherheit, falls der Ort doch durchsickern oder jemand die Fahrt dorthin beobachtet haben sollte, blieb auch Ben vorerst bei seinem Vater.

    Die persönlichen Angaben von Olaf und Kai-Uwe reichten Susanne allerdings schon aus, um aus diversen Datenbanken eine Verbindung zur Baufirma Wilckens herzustellen. Olaf hatte von mehreren Jahren als Fahrer gearbeitet und Kai-Uwe war zur selben Zeit als Polier dort angestellt und auf mehreren Baustellen tätig. Die berufliche Zusammenarbeit wurde damals wegen kleinerer Delikte, die beiden hatten Baustellenmaterial und Kupferrohre gestohlen und verkauft, beendet. Olaf und Kai-Uwe waren beide fristlos entlassen worden. Sollte Wilckens nun zwei Handlanger gesucht und sich an seine ehemaligen Mitarbeiter erinnert haben, von denen er wusste, dass sie es mit den rechtlichen Vorschriften nicht ganz so genau nahmen?

    Da beide Verhafteten schwiegen, begann Susanne weiter im Internet zu suchen und stellte bald fest, dass Olaf in einem sozialen Netzwerk mit Frank Wilckens befreundet war, dem Sohn des Firmenchefs. Mit dieser Verbindung konfrontiert, knickte Olaf im Verhör ein und erzählte, sie wären von Frank Wilckens dafür angeheuert worden, ein paar Tage auf die kleine Familie aufzupassen. Die Frau und die Mädchen würden sich in der Hütte aufhalten und sollten gut versorgt werden, durften aber auf keinen Fall das Anwesen verlassen. Von den Hintergründen hatten sie nicht viel Ahnung. Für sie zählte nur das schnelle Geld. Sie wussten lediglich, dass der Mann der festgehaltenen Frau unter Druck gesetzt werden sollte, der würde beim Bauamt arbeiten und sollte durch die Entführung dazu „überredet“ werden, sich ein wenig für die Firma Wilckens einzusetzen. Als Semir dieses hörte, verließ er den Verhörraum. Er hatte genug erfahren.

    Alex konfrontierte sie noch mit den drei toten Buchhaltern in dem verlassenen Keller im Wald, aber da schalteten sie auf Stur und schwiegen. Sie wurden in die Zelle gebracht.

    Semir ging in sein Büro und rief Andrea an, erreichte aber nur Ben. „Andrea ist im Bad, soll sie dich zurückrufen?“, fragte dieser. „Ja, das wäre gut. Du Ben, ich glaube du hattest Recht. Robert wird anscheinend von Wilckens unter Druck gesetzt und soll der Baufirma Vorteile beim Amt verschaffen. Das haben die beiden Typen ausgesagt, die wir heute früh festnehmen konnten. Wir sollten jetzt Andrea damit konfrontieren. Sie kann mich im Büro erreichen.“

    Das geht aber ab. Ich hatte den Übergang von Semir auf den Geländewagen direkt vor Augen und sah ihn auch die Böschung herunterfallen. Jessy legt tatsächlich auf Semir an und schießt mehrfach knapp daneben (kann sie so gut zielen und wollte daneben schießen, oder kann sie nur nicht treffen?).
    Dann stellt sich Kevin in den Schussweg, kann sie aber nicht davon abhalten, den Abzug erneut zu betätigen. Hoffentlich hat sie wieder nicht getroffen.

    Ich halte diese Erziehungsmaßnahmen auch bei Hunden für nicht angebracht. Aber hier zeigt sich der ganze Hass, der sich über Jahre in Harald angestaut hat. Und die Farbbombe ist dann noch das Tüpfelchen auf dem i und bringt ihn dazu, seine Waffe zu ziehen. Ein Schuss .... ein gern genutzter Cliffhanger!

    Hartmuts Mut schrumpft auf dem Weg zu Jennys Krankenzimmer immer mehr in sich zusammen, und dann steht sie auch noch ihren Eltern gegenüber, kein Wunder, dass er verlegen ist. Aber Jenny am nächsten Tag aus dem Krankenhaus abzuholen, ist doch schon mal eine gute Idee.

    Ja, damit hatte Semir wohl nicht gerechnet, dass Ben die offene Tür gleich zur Flucht nutzt. Vorher lag er ja auch wie ein Häufchen Elend auf dem Bett, dann wurde er aber mächtig mobil und schafft es bis in den Garten, wo er sich die Seele aus dem Leib kotzt. Gut, dass er etwas im Magen hatte, mit leerem Magen ist Übelkeit noch schlimmer.

    Roberts Haus

    Frank Wilckens verließ das Büro seines Vaters und fuhr zur Adresse von Robert. Hier war er am letzten Samstag zum letzten Mal gewesen, als Olaf, Kai-Uwe und er Andrea und ihre Kinder abgeholt hatten, um den Druck auf Robert zu erhöhen. Am Mittwoch sollte die Ausschusssitzung stattfinden, und auf die kam es ihnen an. Bis dahin musste Robert mitspielen. Es galt, den Zuschlag zu erhalten. Das Projekt würde die Kölner Niederlassung der Firma Wilckens mehrere Monate beschäftigen und ein gutes Einkommen sichern.

    Robert hatte dem Chef bereits gesteckt, dass das günstigste Angebot von der Firma Schreiber abgegeben worden war, einem großen Bauunternehmen aus Berlin. Jetzt musste Wilckens Bau aus anderen Gründen den Zuschlag erhalten. Das wirtschaftlichste Angebot zählte, und das musste nicht zwangsläufig das günstigste sein. Sie waren eine alteingesessene Kölner Firma und versorgten die Region mit etwa 1000 Arbeitsplätzen. Nahezu alle Gewerke konnten aus einer Hand erledigt werden, ohne den risikobehafteten Einsatz von Subunternehmern. Außerdem hatten sie bereits aussagekräftige Referenzen vorzuweisen, zuletzt ein Klinik-Erweiterungsbau in Bergheim und den Neubau zweier Autobahn-Rasthöfe, allesamt ohne Zeitverzug und im Budget, qualitativ hochwertig und mängelfrei abgeliefert. Genau das würde Robert in der Ausschusssitzung verkaufen müssen, so überzeugend, dass die Wahl trotz des höheren Preises auf Wilckens Bau fallen musste.

    Und ausgerechnet in dieser Situation verkündete er letzte Woche, aussteigen zu wollen aus dem Geschäft. Das musste unbedingt verhindert werden. Die Firma war auf diesen Auftrag angewiesen, eine Tatsache, die außer Horst Wilckens lediglich seine Buchhaltung wusste. Sonst sah die Auftragslage zurzeit nicht so rosig aus. Eine auf Großprojekte spezialisierte Firma konnte sich nicht nur mit Kleinkram über Wasser halten.

    So musste Robert zum weiteren Mitmachen bewegt werden, und da fielen ihnen die Lebensgefährtin von Robert und deren zwei Kinder ein. Frank hatte die Idee, die drei zu entführen und eine Freilassung von Roberts Mitarbeit abhängig zu machen. Nach der Ausschusssitzung, die dann hoffentlich positiv für die Firma Wilckens ausgehen würde, hätten sie die Familie wieder zusammen geführt. Und nun das! Die Frau und die Kinder waren nicht mehr in ihrer Gewalt. Und bis Mittwoch waren es noch einige Tage.

    Frank stoppte seinen Wagen gegenüber von Roberts Haus. Robert hatte durchaus etwas zu verlieren, dachte er bei sich, als er das Haus und die schicke schwarze Limousine auf der Einfahrt betrachtete. Aber sein Vater konnte sich nicht darauf verlassen, dass er sie nicht trotzdem verraten würde. Er ging auf die Haustür zu. Es war mittlerweile 9:00 Uhr. Er klingelte. Robert kam in Jeans und Hemd zur Haustür. „Sie?“, fragte er erstaunt, als er den Sohn des Firmenchefs erkannte. „Ja, mein Vater möchte mit Ihnen reden, ich soll Sieabholen. Kein Anruf mehr, nur Schuhe an und mitkommen.“ – „Was will er denn noch? Er hat meine Freundin und ihre Töchter, reicht das nicht? Ich tue doch schon, was ich soll und kann.“

    Die Antwort ließ Frank aufhorchen, sollte Robert noch nichts von Andreas Befreiung wissen? Dann hatte sie sich also noch nicht bei ihrem Lebensgefährten gemeldet? „Das wird er Ihnen selbst sagen. Darf ich Sie nun bitten?“ Robert holte von drinnen nur noch seine Jacke, zog sich Schuhe über und zog die Tür ins Schloss. Nachdem er sein Haus verschlossen hatte, trottete er hinter Frank Wilckens zu dessen Auto und ließ sich auf der Rücksitzbank nieder. ‚Worauf habe ich mich da bloß eingelassen?‘, dachte er bei sich, ‚Und wofür?‘.

    Und ich dachte Semirs und Andreas Ersatz-Wohnung läge direkt neben ihrem brandgeschädigtem Haus? Da verwundert es mich doch sehr, dass Semir da mit seinem Auto hinfahren musste. Aber hatte ich wohl falsch in Erinnerung.
    Andrea hätte aber doch Geschirr einpacken sollen, denn rußverschmutztes Geschirr zu reinigen, da reicht ein Waschgang meistens nicht aus (ich weiß leider, wovon ich rede). Andererseits wird es vielleicht auch Sarah gut tun, sich mal mit diesen einfachen Haushaltsarbeiten zu beschäftigen, das lenkt sie doch vielleicht für einen Augenblick ab. Ben geht es indessen immer schlechter, essen will er nicht (GANZ schlechtes Zeichen bei Ben). Jetzt hat Sarah zumindest Semir zur Unterstützung, der sie ein paar Stunden entlasten kann.

    Aus Sicht der Entführer hat die Geldübergabe gut geklappt und den Sender haben sie auch gefunden und entfernt. Schon ärgerlich. Denn ich glaube nicht, dass sie Ben jetzt einfach so laufen lassen werden, Geld und Geisel in einer Hand. Das ist nicht gut. Wie soll Semir ihnen jetzt auf die Spur kommen?

    Baufirma Wilckens

    Es klopfte und die Sekretärin betrat das Büro ihres Chefs. „Herr Wilckens? Ihr Sohn steht draußen, er sagt es sei sehr dringend.“ – „Soll reinkommen, danke, Claudia. Bringen sie uns Kaffee? Wie viel Zeit bleibt mir bis zum nächsten Termin?“ – „Noch 45 Minuten, Herr Wilckens, ich sage Ihnen dann Bescheid“, entgegnete die brünette Mitvierzigerin, die mit ihren streng nach hinten frisierten und zu einem Dutt gefassten Haaren und der schwarzgeränderten Brille Ähnlichkeit mit einer Dorfschullehrerin aufwies, und schloss die Tür. Sie war nun schon über 20 Jahre in der Firma, hatte sich von der unbedeutenden Schreibkraft zur Chefsekretärin empor gearbeitet.

    Keine Minute später stand Frank Wilckens im Büro seines Vaters und setzte sich gleich in einen der ledernen Besucherstühle. „Vater, sie sind entkommen. Ich..“, er unterbrach sich, da Claudia das Büro mit einem kleinen Tablett betrat und zwei Kaffeetassen auf den Tisch stellte, dazu Milch, Zucker und etwas Gebäck. Erst als sie den Raum wieder verlassen hatte, brach es aus Horst Wilckens heraus: „Was! Wie konnte das passieren? Habt ihr nicht aufgepasst?“ – „Doch, Vater. Ich war im Haus und habe es durch das Fenster beobachtet. Kai-Uwe schlenderte über den Hof und hielt Wache, und Olaf ging mit dem Frühstück zu der Frau und den Kindern. Dann kamen zwei Männer aus dem Wald, der eine überwältigte Kai-Uwe und schlug ihn bewusstlos, der andere kämpfte mit Olaf, als dieser die Hütte betrat. Aber Olaf konnte siech wehren, konnte die Waffe des Angreifers nehmen und schoss auf ihn, aber er muss eine Weste getragen haben, jedenfalls habe ich ihn nachher wieder gesehen. Ich bin dann durch den Hinterausgang raus und zur Straße gelaufen.“ – „Moment, ich verstehe nur Bahnhof. Du willst mir sagen, zwei Männer haben die Frau und die zwei Gören befreit? Wo sind Kai-Uwe und Olaf jetzt?“ – „Da ist Polizei gekommen, ich vermute, die beiden Männer waren auch Polizisten, so wie die vorgingen. Sie werden Kai-Uwe und Olaf mitgenommen haben.“ - „Woher wussten die von dem Versteck? Ob Robert geplaudert hat? Aber das hätten wir doch mitbekommen, den überwachen wir ständig, und der hat solche Angst um die Frau und die Kinder. Der hätte niemandem etwas gesagt. Außerdem kennt er den Hof ja auch gar nicht, weiß nicht, wo seine Familie war. Nein, ich glaube nicht, dass wir ein Leck haben, aber überprüf‘ das bitte! Glaubst du, dass Olaf und Kai-Uwe bei der Polizei schweigen werden?“ – „Ich denke schon, aber du solltest ihnen sicherheitshalber einen Anwalt zur Verfügung stellen. Den werden sie brauchen“, bat Frank seinen Vater. „Das werde ich. Und du holst Robert her, bevor die Polizei ihn aufsucht. Bis Mittwoch brauchen wir ihn noch, dann lassen wir auch ihn verschwinden.“ – „Du willst ihn…?“ – „Ja Frank, wenn zwei Leute ein Geheimnis haben, dann bleibt dieses Geheimnis nur geheim, wenn…“ – „… einer der beiden tot ist“, vollendete Frank den Satz seines Vaters. Der nickte nur. „Dieser Robert kann uns die Firma kosten, wenn er sein Wissen ausplaudert.“


    Ben hat eine Idee

    Semir saß Andrea gegenüber, trank einen Schluck Kaffee und schaute grübelnd in seine Tasse. „Kannst du dir vorstellen, wer euch hätte entführen sollen und warum? Ist bei Robert etwas zu holen? Setzt ihn jemand unter Druck? Und warum ist er nicht zur Polizei gegangen?“ Andrea schüttelte bei jeder einzelnen Frage ihren Kopf. „Ich weiß es doch nicht, Semir!“ – „Ist Robert reich, könnte er erpresst werden?“ – „Nicht dass ich wüsste. Ja, er hat ein gutes Einkommen, ein schönes Haus, aber Vermögen? Nein, ich glaube nicht.“ – „Was macht Robert beruflich?“ – „Er ist im Bauamt tätig, Baugenehmigungen, Ausschreibungen, viel Papierkram, Sitzungen im Bauausschuss.“ – „War da in letzter Zeit etwas Besonderes? Mehr Arbeit als sonst? Er war ja sogar am Samstag im Büro. Weißt du, woran er gerade arbeitet?“ – „Nein, er hat mir nie was erzählt.“ Ben stieß sich jetzt von der Küchenzeile ab und ging Richtung Flur, in der Tür drehte er sich zu seinem Freund um. „Semir, kommst du mal bitte?“ Semir zog die Stirn kraus und wollte schon etwas erwidern, aber Ben war schon im Wohnzimmer angekommen. Semir übergab die noch schlafende Lilly an Andrea, während sich Ayda auf einen eigenen Stuhl setzte. Dann ging er zu Ben.

    „Was ist denn, Ben?“, wollte Semir wissen und schloss die Wohnzimmertür hinter sich. „Semir, es gibt doch wirklich nur folgende Möglichkeiten: Robert wird erpresst und hat die Polizei nicht eingeschaltet, weil die Entführer dieses von ihm verlangten. Dann frage ich mich allerdings, warum er nicht wenigstens dich informiert hat.“ – „Ben, ich bin die Polizei in seinen Augen.“ – „Oder“, fuhr Ben fort, „er hat es nicht getan, weil er sich damit selbst schaden würde. Ich muss kurz was klären.“

    Ben zog sein Handy hervor und wählte eine Nummer aus dem Verzeichnis. Kurze Zeit später meldete sich sein Gesprächspartner. „Papa? Ich bin’s, Ben. … Ja, du pass auf, ich habe eine Frage. Hältst du es für möglich, dass ein Angestellter im Bauamt und Mitglied im Bauausschuss korrupt ist? … Hmm, nicht nur für möglich, sondern für sicher … Weißt du, ob gerade eine größere Ausschreibung im Ausschuss ansteht, dessen Ausgang für eine Firma von großer Bedeutung sein könnte? Du weißt, was ich meine, ein Großprojekt vielleicht? … Wie? Ein Bürogebäude mit Einkaufszeile? Am Mittwoch? … Wieviel?“ Ben pfiff angesichts der Summe, die ihm sein Vater nannte, anerkennend. „Nimmst du auch an der Ausschreibung teil? … Aha, ich verstehe. Danke, das war es schon. Oder Moment noch, hast du Namen von Firmen, die eventuell auch an dem Auftrag interessiert sein könnten? … Ja, Moment, ich hole was.“ Ben hielt kurz seine Hand vor das Mikro und fragte Semir nach etwas zu Schreiben, dann konzentrierte er sich wieder auf das Gespräch, nahm von Semir den gereichten Block und Kugelschreiber entgegen. „Papa? Kannst loslegen. Schreiber, Wilckens, du auch? Und wer, glaubst du, macht das beste Angebot? Schreiber, Wilckens zu teuer. Danke Papa, ich erkläre dir bei Gelegenheit, warum ich das wissen muss.“ Er beendete das Gespräch und begann, Semir das Erfahrene zu erläutern.

    „Also, Robert ist in diesem Bau-Ausschuss, der nächste Woche Mittwoch über die Vergabe eines Großprojekts entscheiden wird. Und wenn ich mir ansehe, wie dieser Robert lebt, sein ganzes Auftreten, sein Haus, sein Auto, dann glaube ich fest, dass er dort schon etwas zu sagen hat, also kein kleines Ausschussmitglied ist. Was wäre denn, wenn einer der Bieter ihn unter Druck setzen würde, so nach dem Motto ‚wenn ich die Ausschreibung gewinne, dann passiert dir und deiner Familie nichts‘ oder „dann zahlen wir dir einen Obolus…‘? Vielleicht hat Robert schon länger mal die Hand aufgehalten und jemanden zum Gewinn einer Ausschreibung verholfen? Vielleicht will er deshalb nicht zur Polizei? Korruption kennt nicht einen Täter und ein Opfer, sondern nur Täter, beide würden sich bei der Aufdeckung ihrer Machenschaften ans Messer liefern. Du solltest möglichst bald mit Robert sprechen. Und die möglichen Baufirmen überprüfen.“ Er reichte seinem Freund den Zettel mit den Firmennamen. „Deinen Vater auch?“ – „Ha“, musste Ben auflachen, „Semir, nein, mein Vater hat nur mitgeboten, um seinen Namen mal wieder ins Spiel zu bringen. Sein Angebot ist wahrscheinlich viel zu hoch, als dass er eine Chance hätte. Er kann nur einen Teil der ausgeschriebenen Gewerke selbst durchführen, für anderes bräuchte er selber Subunternehmer, das macht die ganze Sache teuer. Aber Schreiber und Wilckens solltet ihr euch vornehmen.“ – „Wilckens“, dachte Semir laut, „da waren wir doch diese Woche gerade?“

    Robert korrupt? Konnte das sein? Semir würde Andrea vorerst nicht mit diesem Verdacht konfrontieren, und er war Ben dankbar, dass er für dieses Gespräch die Gegenwart von Andrea vermieden hatte.

    Auch Andrea machte sich so ihre Gedanken. Warum waren sie entführt worden? War es überhaupt eine Entführung? Was hatte Robert damit zu tun? Warum hatte er nicht die Polizei gerufen oder sich bei Semir gemeldet? War er am Ende … Nein, das traute sich Andrea nicht mal zu denken.

    Endlich Action!! Kevin entscheidet sich doch, mit Jessy das Haus zu verlassen, die beiden Brüder werden von der Polizei belagert, Andreas zieht eine Waffe und wird von Semir sofort ausgeschaltet. Und Jessy kann entkommen (bei der Polizeiübermacht eigentlich ein kleines Wunder). Und Semir will vom Schiebedach aus den Geländewagen "entern"? Hat der denn auch ein offenes Dach? Oder wie denkt er sich das?