Beiträge von Yon

    Da sehe ich auch Probleme auf Sarah zukommen. Irgendwann muss sie wieder rein zu Ben, sei es zum Windeln wechseln, Infusion wechseln, Eimer leeren ... vielleicht fragt sie wenigstens Andrea um Hilfe, damit sie nicht ganz alleine davor steht?
    Und Semir mit der Krüger auf Tour. Sollten sie den Dealer finden, könnte die ganze Drogengeschichte auffliegen. Bin gespannt, ob diese noch zu verhindern ist.

    Semir und Robert

    „Semir!“, meldete sich Alex über Funk, „die Luft sollte jetzt rein sein, ihr habt Zeit genug.“ Das bedeutete, sie hätten ausreichend Zeit, einen Ort für die Entsorgung von Roberts Sachen zu finden und weiterzufahren, bevor irgendein möglicher Verfolger in Sichtweite kommen würde. Dann wollten sie den Wagen wechseln und Robert in Sicherheit bringen.

    Parallel zur Straße fuhr ein langer Güterzug. Der brachte Semir auf eine Idee. Er erhöhte die Geschwindigkeit und raste an dem Zug vorbei, bis einige Kilometer später eine Brücke über diese Bahnstrecke führte, auf der Semir den Golf stoppte, ausstieg und die Tasche vom Rücksitz nahm. Er hielt die Tasche über das Geländer und wartete auf den Zug. Als die offenen Kohlen-Waggons unter ihm entlangbrausten, ließ er sie los, und die Tasche landete auf den Kohlen und entfernte sich rasch mit dem Zug. Semir setzte sich wieder hinter das Lenkrad. Robert schaute ihn erstaunt an: „Und jetzt?“ Semir grinste: „Wenn in der Tasche der Sender ist, dann fahren Sie jetzt mit der Bahn.“

    Innerhalb der nächsten halben Stunde, in der Semir die Landstraßen in Richtung Eifel öfters wechselte, erzählte Robert ihm nach Aufforderung seine Fassung der gesamten Geschichte:

    „Es begann vor vier Jahren, ich war im Bauamt schon mehrere Jahre mit der Vergabe von Bauaufträgen betraut, da lernte ich bei der Einweihung des neues Sportzentrums im Norden Kölns Horst Wilckens kennen, der sich bei mir noch mal für die schnelle, ungewohnt unbürokratische Abwicklung des Bauauftrags bedankte. Der Auftrag kam damals vollkommen korrekt zustand, Wilckens hatte einfach das beste Angebot abgegeben. Wir kamen ins Gespräch, verstanden uns auch ganz gut und zum Schluss lud er mich zum Golf spielen ein. In meinen Augen entwickelte sich eine Art Freundschaft. Wir trafen uns daraufhin öfters auf dem Golfplatz. Aber wie ich jetzt schon länger weiß, kennt Horst Wilckens keine Freundschaften. Jedes Wort, jede Tat, alles hatte seine Berechnung. Ich hätte ohne ihn niemals Zutritt zu diesem Golfplatz erhalten, alleine die Aufnahmegebühr übersteigt mein Jahreseinkommen bei weitem, aber das wusste ich damals nicht, ich kam ja schließlich auf Einladung dorthin.“

    „Sie haben damals keinen Verdacht geschöpft, nicht vermutet, dass Wilckens irgendwann einmal eine Gegenleistung erwartete?“, unterbrach Semir Roberts Erzählung.

    „Damals noch nicht, aber nach einigen Monaten lief wieder eine Ausschreibung und da bat er mich zwischen zwei Schlägen, sein Angebot doch zu befürworten, es ging damals um eine Straßensanierung, da gab es eh nicht viele Anbieter, ich hatte einen gewissen Ermessensspielraum, nutzte ihn, Wilckens bekam den Auftrag und ich ein Baugrundstück in Rodenkirchen. Und damit war ich drin. Austeigen hätte mich nicht nur den Job gekostet. Wenn ich heute zurück denke, ich hätte es natürlich wissen müssen. Aber irgendwie wollte auch ich ein Stückchen vom Kuchen abbekommen, ich hatte über Wilckens einige schräge Vögel kennen gelernt, die ihr Geld alle nicht auf ganz legale Weise verdient hatten, ich wollte gerne in dieser Liga mitspielen. So baute ich auf dem Grundstück ein schmuckes Haus, fuhr ein schickes Auto.“

    „Was haben Sie Ihren Kollegen erzählt?“ – „Meinen Kollegen erzählte ich etwas von einer Erbschaft, meinen Eltern von Prämien, meine Eltern verstanden sowieso nicht, was ich beruflich machte, sie waren froh, dass ich einen so gut bezahlten Job hatte und fragten nicht näher nach.“

    „Und Andrea?“ – „Andrea ja, Andrea hat nachgefragt, nahm mir die Geschichte mit der Erbschaft aber auch ab, denke ich. Aber sie brachte mich auch zum Nachdenken, und so wollte ich jetzt einen Schlussstrich ziehen und aussteigen, auch wenn es mich alles kosten würde, was ich habe, und ich dafür eventuell sogar ins Gefängnis gehen müsste.“

    „Und Wilckens will das verhindern? Weil es ihm auch an den Kragen gehen würde, wenn Sie auspackten? Denn bei Korruption gibt es nur Täter, keine Opfer.“ – „Ja, er hat ein Angebot für einen großen Bau abgegeben, ein Einkaufszentrum mit Büros, am Mittwoch ist die Ausschusssitzung, in der über den Auftrag entschieden werden soll.“ – „Und damit Sie bis dahin brav Ihre Füße stillhalten, hat er Andrea und die Kinder entführt?“, Semirs Stimme wurde lauter, er sah wieder Ayda vor sich, wie sie mitten in der Nach vor seiner Wohnungstür stand, sah Lilly und Andrea auf dieser Matratze in dieser Hütte kauern. „Ja, das war sein Sohn Frank“, lautete Roberts kleinlaute Antwort, „es tut mir auch …“

    Ein Funkspruch unterbrach Roberts Schilderung: „Semir! Pass auf!“

    Ich glaube auch, da kann die Sache und Kevin Jessy noch so sehr leid tun, aus den beiden wird wohl nichts mehr. Andreas ist tot, Thomas geständig, ob Jessy wirklich als unzurechnungsfähig eingeschätzt werden wird, wird sich noch zeigen. Während der Taten wusste sie genau, was sie tat, aber die "sie-hatte-ja-eine-schwere-Kindheit-Erleichterung" wird ihr wohl zugestanden werden. Apropos Kondheit, wäre es jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, ihren Vater anzuzeigen?

    Für Julia ist es kein Problem, die 4 Mio vom Bankdirektor abzuholen. Ob sie sich im Klaren darüber ist, dass sie dafür besser einen Rollkoffer mitnehmen sollte?

    OT: Es hat mich mal interessiert, und ist vielleicht für andere Autoren von Entführungsgeschichten auch interessant: Hier kann man nachsehen, wie viel Geld wiegt. 4Mio in 200€-Scheinen wiegt demnach 21,4 kg und hat ein Volumen von 25l - Da hätten die Verbrecher lieber 500€-Scheine fordern sollen, die sind um mehr als die Hälfte leichter.

    Und die Schrankmann ist zunächst mal machtlos, wird sich das Nachspiel nach gelungener Aktion aber sicher nicht entgehen lassen, bin gespannt, wie die "Helden" sie wieder beschwichtigen wollen.

    Im Golf

    Robert schluckte und sah dem Mann zum ersten Mal ins Gesicht und die stechend-blauen Augen. „Die finde ich gut, die würde ich nehmen“, stammelte er, bemüht unbekümmert zu klingen. „Dann mache ich das. Vielen Dank und noch einen schönen Tag.“ – „Danke, Ihnen auch.“ Während sein Gesprächspartner mit der Karte den Buchladen betrat, begab sich Robert zurück auf den Bürgersteig und setzte seinen Weg fort. Im Buchladen zückte der Mann sein Handy: „Semir? Robert hat verstanden. Er kommt zu dir.“ – „Okay, danke, Alex. Und halte die Verfolger von mir fern.“

    „Was tut er?“, fragte Frank Wilckens ganz aufgeregt, als er aus seinem Auto heraus Robert beobachtete. „Er schaut sich Karten an und berät einen anderen Kunden, der sich jetzt für eine Karte entschieden hat“, meinte sein Beifahrer und setzte sein Fernglas ab. Gemeinsam sahen sie, wie Robert seinen Weg fortsetzte.Beide Seiten der Straße waren dicht zugeparkt, ein Stehen in zweiter Reihe nicht möglich, da dieses den gesamten Verkehr blockiert hätte. So blieb Frank nichts anderes übrig, als in seiner Parklücke stehen zu bleiben. Er würde sein Auto erst dann versetzen, wenn Robert diese Straße verließ oder aus ihrem Blickfeld trat.

    Alex verließ den Laden wieder und ging in die Seitenstraße, in der er seinen Dienstwagen geparkt hatte. Er fuhr erst an Robert vorbei, dann an dem geparkten dunkelgrünen Golf, den sie sich für diese Aktion von Sönke, einem Streifenpolizisten der PAST, geliehen hatten, weil er wesentlich unauffälliger war, als der zivile Streifenwagen, und in dem Semir am Steuer saß und auf Robert wartete. Dann lenkte Alex seinen Mercedes wieder an den Straßenrand und hielt mit laufendem Motor an. Er griff sich einen Straßenatlas und tat so, als ob er ihn studierte.

    Robert erkannte den angegebenen Golf, änderte sein Tempo aber nicht, sondern ging geradeaus weiter, als ob er auch an diesem Wagen vorbeigehen wollte. Erst auf Höhe der Beifahrertür machte er einen Schritt zur Seite und stieg schnell ein. Er erkannte Andreas Noch-Ehemann als Fahrer. Ihr Verhältnis war auch in den letzten Monaten recht unterkühlt geblieben. Robert legte auch keinen Wert darauf, dieses zu bessern, aber nun scheint es, als wäre er ausgerechnet auf diesen Mann angewiesen. Sie gingen sich zwar nicht mehr an die Gurgel, aber sowas wie gute Bekannte würde aus ihnen in diesem Leben wohl nicht mehr werden.

    Statt einer Begrüßung legte Semir den ersten Gang ein, drehte die Musik lauter und lenkte den Golf von der Parklücke auf die Straße. „Anschnallen!“, befahl er Robert leise, stellte dann zufrieden fest, dass Alex sich in seinem Mercedes hinter ihn gesetzt hat und nun versuchen würde, die Lücke zwischen Semir und möglichen Verfolgern zu vergrößern und ihm so den Rücken freizuhalten. „Wo ist Andrea?“, wollte Robert von Semir wissen. „In Sicherheit“, antwortete Semir kurz angebunden, „auf dem Rücksitz liegt eine Tasche, ziehen Sie sich komplett um und leeren Sie Ihre Taschen aus.“ – „Was haben Sie vor?“ – „Beeilen Sie sich“, hörte er statt einer erklärenden Antwort, und Semir steuerte nun scharf nach links, um die Ausfallstraße aus der Stadt zu erreichen. Robert schüttelte den Kopf und begann, sein Jackett, das Hemd und die Hose auszuziehen und stopfte die Sachen in die vorher ausgeleerte Reisetasche. Er zog die Jeans, das T- und Sweatshirt an, die Sachen, die Andrea morgens noch aus seinem Haus geholt hatte. Angeschnallt auf dem Beifahrersitz zog sich diese Prozedur hin und entbehrte durchaus nicht einer gewissen Komik, zumal Semir sich auch keine Mühe gab, den Wagen ruhig auf der Straße zu halten, so dass manches Fahrmanöver ihn am schnellen Überstreifen der Ersatzkleidung hinderte. Semir konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, schaute aber gleich wieder ernsthaft abwechselnd in den Rückspiegel und auf die Straße.

    Auf dem Armaturenbrett lagen jetzt Schlüssel, Brieftasche, Portemonnaie, eine Taschenuhr und einzelne losen Münzen. Er deutete auf die Sachen und sah Semir fragend an. Der wies auf die Reisetasche und sagte leise: „Nehmen Sie die Papiere und das Geld raus, dann mit dem Rest ab in die Tasche. Wir haben keine Zeit, den Sender zu suchen und entsorgen einfach komplett alles.“ Robert tat, was Semir ihm sagte, zögerte aber bei seiner Taschenuhr. Er warf einen verstohlenen Blick auf Semir und, als der gerade konzentriert in den Rückspiegel sah, verschwand die Taschenuhr, ein Erbstück seines Vaters, in seiner Hosentasche.

    Eine Entscheidung von Bedeutung, wie sich sehr bald herausstellen sollte.

    Ich hatte auch ein ungutes Gefühl dabei, Sarah alleine bei Ben im Raum zu wissen. Aber anscheinend hat Ben gerade keine gewalttätige Phase gehabt, sondern ihm war eher nach Wandern zumute. Selbst wenn Sarah schnell ihr Handy zur Hand gehabt hätte, bis Semir bei ihr gewesen wäre, wären auch einige wertvolle Minuten vergangen. Gut, dass sie jetzt raus ist aus dem Kellerraum.

    Jetzt scheinen Semirs Worte bei Kevin doch etwas bewirkt zu haben. Er sieht ein, dass er es den Opfern des Geschwisterntrios nicht zumuten kann, Jessy länger in Schutz zu nehmen, auch wenn er sich noch so gut in die deren Köpfe versetzen kann.
    Die Verbrecher wären also gefasst, da erlaub ich mir mal die Frage: Was ist denn jetzt mit André? Fährt Semir auf die Kanaren?

    Klassenfahrt ohne Handy oder Laptop! Das nenne ich mal vorbildlich. Da kommst du vielleicht auf andere Gedanken, als auf sadistische Gangster, die ihren Opfern mit Sparschälern die Haut abziehen wollen. ;) Ich wünsche dir eine schöne Zeit.

    Wie kommen wir an Robert ran?

    Am Samstag betrat Robert um kurz nach halb eins die Hunsrücker Straße und schlenderte die dortige Ladenzeile auf und ab. Die Hunsrücker Straße war beidseitig von Geschäften gesäumt, kleineren Läden, Restaurants, die Mittagstisch anboten und um die Mittagszeit ihren Hauptumsatz erwirtschafteten. Er blieb an einem Imbissstand stehen, um sich eine Bratwurst zu kaufen, biss ein, zwei Mal ab und schmiss den Rest in den Mülleimer. Der Appetit war ihm schon länger vergangen. Sicher, es war seine Schuld, dass Andrea und ihre Töchter in Gefahr und Gewalt der Wilckens geraten waren, aber Robert war auch überzeugt davon, dass sie unbeschadet freigekommen wären, wenn sie noch die paar Tage bis Mittwoch ausgehalten hätten. Die Chance von Wilckens, den Zuschlag für den Bau des Büro-/Einkaufkomplexes zu erhalten, schätzte er nach wie vor recht hoch ein. Dann wäre die Firma zufrieden, Robert bekäme seinen Anteil, Andrea und die Kinder ihre Freiheit und alles wäre gut. Aber Andrea, ganz die Bullenbraut, hat die erste Möglichkeit genutzt, sich befreien zu lassen. Er machte ihr deswegen keinen Vorwurf, aber es machte alles so viel komplizierter.

    Denn jetzt versuchte Wilckens natürlich, den Druck auf ihn anderweitig aufrecht zu erhalten. Er wusste, er wurde beobachtet, konnte aber niemanden entdecken. Mit Sicherheit hatten sie ihn verwanzt und ihm einen Peilsender untergejubelt. Er wusste nur nicht wo, und er traute sich auch nicht, danach zu suchen. Wenn er ohne den Sender das Haus verlassen hätte, hätten sie ihn sicher gleich geschnappt. Er brauchte nur noch bis Mittwoch mitzuspielen und durchzuhalten.

    Aber das war ihm jetzt zu riskant. Er wollte nicht enden wie die drei Buchhalter, die Wilckens im Wald hat einbetonieren wollen. Denn das würde ihm drohen, sobald dieser Auftrag unter Dach und Fach wäre, und zwar egal, ob Wilckens den Zuschlag erhielte oder einer seiner Konkurrenten. Er wollte, dass das ganze ein Ende hat, und zwar jetzt. Nachdem er gestern die SMS verschickt hatte, ging es ihm schon wieder besser. Andrea würde schon etwas einfallen. Dann würde er ihr alles erklären, sie würde ihn verstehen und ihm verzeihen, und er würde sich der Polizei stellen, damit dieser ganze Korruptionssumpf ausgetrocknet werden konnte. Vielleicht würde sich seine eigene Strafe dadurch sogar mildern? Das jedenfalls dachte Robert, während er so von Schaufenster zu Schaufenster ging.

    Robert war so tief in Gedanken versunken, dass er erst merkte, dass ein schlanker, dunkelblonder Mann neben ihm lief, als dieser zum Schein in die Freisprecheinrichtung seines Handys sprach: „Wir schauen uns dahinten die Postkarten an.“ Er bekam einen Kniff in den Oberarm, wollte erst etwas erwidern, dann aber wusste er, dass mit ‚uns‘ er selbst und dieser Unbekannte gemeint war. Keine dreißig Meter von ihnen entfernt hatte ein Buchladen zwei Ständer mit Ansichtskarten vor seinem Geschäft aufgestellt. Sie schauten sich unabhängig voneinander die Karten an. Dann entnahm der dunkelblonde Mann ein paar Karten aus dem Ständer und mischte unauffällig eine Karte aus der Innentasche seiner Jacke darunter, steckte die entnommenen Karten wieder in den Ständer zurück und wandte sich mit der verbliebenen Karte an Robert: „Wie finden Sie diese? Ich soll für meine Nichte eine Karte kaufen. Ist die gut?“ Robert, der nun eine Ansicht von Köln erwartete oder eine nette Spruchkarte, las den Text auf der Karte: „Oben an der Straße, dunkelgrüner Golf, K-AM 270. Ohne Eile einsteigen! Andrea“ Er atmete erleichtert auf. Sein Hilferuf hatte die Richtigen erreicht.

    Jetzt wird auch Julia über das Verschwinden bzw. die Entführung von Ben in Kenntnis gesetzt. Konrad wird es alles zuviel und er bekommt Herzprobleme, muss sogar reanimiert werden und wird jetzt sicher mit ins Krankenhaus kommen. Damit scheidet er für die nächste Geldübergabe schon mal aus. Die Schrankmann müsste doch langsam wissen, dass ihre Drohungen Semir nicht davon abhalten werden können, Ben zu suchen und aus den Fängen der Entführer zu befreien.
    Denn wir wissen ja auch, dass bei einem erfolgreichen Vorgehen, die Schranke bestimmt wieder von der Drohung abrücken wird, und geht der Befreiungsversuch schief, ist Semir sicher auch seine berufliche Karriere egal.

    Da stehen Ben und Semir hinter Kevin, damit dessen Verhalten ohne Folgen bleibt, und der denkt immer noch, er müsse Jessy jetzt decken. Dabei ist jetzt die Frau mal an der Reihe, reinen Tisch zu machen. Sie müsste doch wissen, dass sie jetzt verloren hat und nur ein Geständnis ihr noch helfen kann.

    In Sicherheit

    Robert ging nach Hause, er war sich sicher, dass er mit irgendwelchen Peilsendern oder Wanzen ausgestattet worden war und traute sich kaum, sich zu bewegen. Was könnte er tun? Wen könnte er über seine Lage informieren? Und vor allem wie? Telefon schied aus, sein Smartphone war auch in fremden Händen gewesen. Als er ziellos durch sein Haus strich, blieb er an der Pinnwand stehen und blickte über die ganzen Notizzettel. Sein Blick blieb an einem Zettel hängen, auf dem eine Reihe von Handy-Nummern standen, für alle Fälle, falls bei Stromausfall das Telefon nicht funktionierte und sie von einem fremden Apparat telefonieren mussten. Er hatte darüber gelacht, als Andrea ihre und seine privaten und beruflichen Nummern aufschrieb, aber da keines der Kinder ein Handy besaß, in dem die Nummern hätten gespeichert sein können, fand er dieses Vorgehen in Ordnung. Die Buchstaben des Namens Andrea tanzten vor seinen Augen. Wie könnte er sie erreichen, ohne sein Smartphone zu benutzen und ohne zu sprechen? Er grübelte, dann fiel ihm etwas ein. Im Keller lag ein Karton mit gebrauchten Handys im Regal, u.a. ein Prepaid-Handy vom letzten Urlaub. Vielleicht war noch ein Restguthaben drauf? Notruf ging immer, aber konnte man an den Notruf eine SMS schicken? Er schloss die Schnur an und begann, den Akku aufzuladen. Dann schrieb er eine SMS an Andrea. „Werde beobachtet, brauche Hilfe. Bin morgen, 13:00 auf der Hunsrücker Straße, Höhe Hausnummer 110 unterwegs. Hilf mir! Bitte!“ Die Hunsrücker Straße war sein bevorzugter Ort für die Mittagspause, es würde also nicht groß auffallen, wenn er dort wäre. Aber Mist, der nächste Tag war ein Samstag, eigentlich kein Arbeitstag. Aber einen Besuch im Büro wird er auch am Wochenende begründen können, gerade vor diesem wichtigen Ausschuss am Mittwoch.

    Andrea richtete sich mit Ayda und Lilly bei Konrad ein. Sie bevölkerten zunächst das Badezimmer und wuschen sich die tagelange Gefangenschaft von der Haut. Als sie frisch geduscht, in einem Bademantel gehüllt, ins Esszimmer trat, reichte Ben ihr ihr Handy und meinte: „Du sollst Semir im Büro anrufen, er hat dir etwas mitzuteilen.“ Andrea nahm das Gerät entgegen und stellte beim Blick auf das Display fest, dass auch eine SMS von Robert eingetroffen war. Sie las den Text und erstarrte. War Robert auch in Gefahr? Sie rief Semir an.

    „Andrea? Gut, dass du zurückrufst. Sagt dir die Firma Wilckens Bau etwas?“ – „Nein, nicht dass ich wüsste, warum fragst du?“ – „Hat Robert den Namen nie erwähnt? Es sieht so aus, als stünde er auf dessen Gehaltszettel und wollte jetzt wohl keine erwartete Gegenleistung mehr bringen. Es kann sein, dass er durch eure Entführung unter erhöhtem Druck gesetzt werden sollte.“ Jetzt kam Andrea auf Roberts SMS zu sprechen. „Ich glaube, Robert ist in Gefahr“, sie las ihm die SMS ihres Lebensgefährten vor, „ihr müsst ihm helfen.“ – „Wir werden ihm helfen, lies mir den Text noch einmal genau vor“, bat er Andrea und schrieb mit.

    Dann legte er sich mit Alex einen Plan zurecht und begann, alles Nötige für dessen Umsetzung zu organisieren.

    Du kannst deinen Beitrag wieder löschen. Mir ist das bei einem Feed auch schon mal passiert.
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    Puh, die Waffe war nicht mehr geladen. Da hat Kevin das Vertrauen von Jessy wohl deutlich überschätzt und nur durch Glück überlebt. Jetzt weiß er, was er an Ben und Semir hat. Schmunzeln musste ich bei der Bezeichnung von Semir als "großen" Bruder. Aber ich weiß ja, wie es gemeint war.