Sarah gönnt sich endlich eine Pause. Das ist auch wichtig!
Als Semir sich bei Ben niederlässt, zeigt der noch keine Spur den Erkennens, aber mitten in der Nach wacht er auf und hat doch einen klaren Moment. Hoffentlich kann Semir es verantworten, ihn zur Toilette zu bringen. Menshc, da wäre ich aber auch zusammengezuckt, wenn mich jemand plötzlich im Halbschlaf berührte.
Der Redke will sich also erst die Wohnung von Ben und Sarah vornehmen, wird dort aber niemanden vorfinden, ich hoffe doch sehr, dass er auch keinen Hinweis auf den jetzigen Aufenthaltsort findet, obwohl: Semir steht auch auf seiner "Liste", also wird er über kurz oder lang dem Haus auch einen Besuch abstatten.
Beiträge von Yon
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Keine Chance
„Sind Sie wahnsinnig? Da sind meine Leute im Gebäude!“, konnte sie gerade noch rufen, als sie das Grinsen von Frank Wilckens sah und nahezu genauso explodierte wie das ehemalige Bürogebäude vor ihren Augen. Innerhalb von drei Sekunden hatte sie den Sohn des Firmenchefs überwältigt und mit ihren Handschellen an ihre Wagentür gefesselt.Frank Wilckens war mit Sicherheit kein Profi-Sprengmeister, für solche Aufgaben hatte die Firma spezielle Angestellte oder beauftragte Spezialfirmen. Entsprechend dilettantisch führte er diese Sprengung durch. Die Sprengsätze lösten nicht in einer festen Reihenfolge aus,sondern mit Verzögerungen und unterschiedlich langen Pausen zwischen den einzelnen Explosionen. Aber sie zündeten. Alle. Ohne Ausnahme. Und es waren sehr viele Sprengsätze.
Alex sprang nach der ersten Detonation, die unter ihm im Keller stattfand als er gerade die ersten Stufen des Treppenhauses zum Erdgeschoss hinab gestiegen war, durch das nächste Fenster auf den Platz vor dem Gebäude und blickte sich suchend um. Wo war Semir? War er schon draußen? „Semir“, rief er, lief dann am Haus entlang zur Eingangstür, um dort an der Kellertreppe fast mit Robert zusammen zu stoßen, der sich hustend aus dem staubgefüllten Untergeschoss befreite. „Wo ist Semir?“, fragte ihn Alex in Panik. Robert blickte sich um. „Er war hinter mir, dann plötzlich nicht mehr da. Die Wände sind hinter mir zusammengebrochen.“ Alex machte Anstalten, in den Keller hinabzusteigen, als eine weitereungleich heftigere Explosion das Haus erschütterte, ihn von seinen Beinen riss und Teile des Erdgeschossbodens, einschließlich der Kellertreppe in den Keller hinabstürzen ließ. Der Weg nach unten war versperrt. Alex rappelte sich hustend wieder auf. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als mit Robert, der sich im Türrahmen festhielt, zusammen das ehemalige Bürogebäude zu verlassen. Kurz darauf brachen auch die Außenmauern in sich zusammen. Es waren noch mehrere gedämpfte Detonationen innerhalb des Schuttberges zu hören. Dann war es still. Von der ersten bis zur letzten Detonation war weniger als eine Minutevergangen.
Alex starrte wie gebannt auf den rauchenden Schutthaufen, konnte es nicht fassen. Nach mehreren Sekunden Reglosigkeit sprang er Robert an die Gurgel, krallte sich an dessen Hemdkragen fest. „Sie! Warum sind Sie nicht bei ihm geblieben? Sie hätten ihn mit rausbringen können! Da war genug Zeit. Er rettet Ihnen das Leben, und Sie bringen ihn um!“ Dann kam ihm ein Gedanke und leise fügte er hinzu: „Das passte Ihnen auch ganz gut in den Kram. Schließlich stand Semir zwischen Ihnen und Andrea. Es war die Gelegenheit.“ – „Brandt“, rief die herbeilaufende Krüger, „Lassen Sie den Mann los!“ Alex machte keine Anstalten, ihrer Forderung Folge zu leisten. Aber Kim blieb hartnäckig, griff nach seinen Händen. „Brandt! Lassen Sie mich Robert festnehmen.“ Jetzt blickte Alex seiner Chefin ins Gesicht und sie erschrak über das, was sie in seinem Gesicht lesen konnte. Alex begann es in Worte zu fassen. „Ja, machen Sie das“, Tränen begannen, Spuren auf seinem vom Baustaub schmutzigen Gesicht zu hinterlassen, „er hat Semir auf dem Gewissen!“
Kim glaubte, nein hoffte, sich verhört zu haben. „Er hat was? Wo ist Gerkan?“ Statt zu antworten, drehte sich Alex um und blickte auf den Berg an Schutt und gesprengten Steinen. Kim brauchte einige tiefe Atemzüge, bevor sie ihr Handy hervorkramte und die Feuerwehr und das THW zur Räumung rief und anschließend ihre Kollegen in der PAST benachrichtigte. Robert fesselte sie ebenfalls und brachte ihn zu ihrem Dienstwagen. Dann stellte sie Frank Wilckens zur Rede. „Kann es Hohlräume im Keller geben? Und antworten Sie präzise, das könnte Ihnen noch zugute kommen. Also, gibt es Hohlräume?“ – „Nein, ich habe jeden Sprengsatz selbst gelegt und so dosiert, dass das Haus quasi zu Staubzerfällt, der Keller müsste vollkommen mit Schutt gefüllt sein.“ – „Keine Chance?“ Frank schüttelte mit dem Kopf und antwortete kalt: „Keine Chance!“
Kim Krüger gab es auf. Sie musste sich der Wahrheit stellen, ihren besten Mann verloren zu haben, ausgerechnet bei der Rettung des neuen Liebhabers seiner Frau. Was für eine Ironie des Schicksals! Die Chefin der Autobahnpolizei blickte sich nach Alex um und fand ihn auf einem großen Stein sitzend, den Kopf in seine Hände gestützt. Seine Schultern zuckten. Alex Brandt weinte, weinte um seinen Kollegen, seinen Partner, dem ersten Partner seiner Laufbahn, dem er voll und ganz vertrauen konnte, in dessen Anwesenheit er sich absolut sicher fühlte.
Kim ging vor ihm in die Knie und nahm ihn in ihre Arme. Auch sie konnte nun ihre Tränen nicht länger zurückhalten und weinte um den langjährigen Hauptkommissar, der sie mit seiner Sturheit oft zur Weißglut brachte und mit seinem Talent, seine Fälle ohne jede Rücksicht auf Staatseigentum zu lösen, der dabei aber eine der höchsten Aufklärungsraten des Landes aufweisen konnte.
Gemeinsam dachten sie schweigend an Semir, bis die Einsatzwagen von THW und Feuerwehr vor ihnen standen und sie wieder in die bittere Realität zurückholten.
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Der tote Harald ist gefunden worden, hätte Matze ihn nicht besser verstecken können, nicht ganz clever, der Kerl. Semir schickt sein Foto durch den Computer, vielleicht spuckt er ja einen Namen aus? Und den gutgemeinten Rat der Chefin, sich auch mal auszuruhen, schlägt er in den Wind, das hätte ich nun auch nicht anders von ihm erwartet.
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So, der Geschäftspartner ist auf Rache aus.
Dabei könnte er doch mit seinem neuen Aussehen irgendwo neu anfangen, Geld genug hat er ja, die selbe Masche in einer neuen Stadt, und er würde wahrscheinlich nicht so bald gefunden werden. Seine Rache bringt jetzt unsere "Helden" in Gefahr, aber ob er sie selbst überleben wird? -
Da lagen wir mit unserer Vermutung also richtig: Kevin kommt als Semirs Vertretung. Bei den Opfern zu beginnen, ist eigentlich das einzige, was Ben und ihm bleibt, wo doch von den Tätern keine Spuren hinterlassen wurden, wenn man mal von der Patrone absieht, die noch im Opfer steckt, und sicher von Hartmut untersucht werden wird. Beim Opfer muss ja auch ein mögliches Motiv liegen, denn so im Vorübergehen jemanden grundlos abknallen, nein, daran glaube ich nicht.
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Befreiung
Alex stieg leise die Treppe hinauf. Oben war die Teppichetage der Firma, wenige, dafür deutlich größere Büros lagen hier, ein Empfangstresen war noch erhalten, dahinter zwei Büroräume, zwei Toiletten- und Waschräume und ein großer gefliester Raum, der wohl, wie man anhand der Strom und Wasseranschlüsse leicht erkennen konnte, einmal eine Küche beherbergt hatte. Das Haus war komplett entkernt und vorbereitet für die anstehende Sprengung. Ebenso wie bereits im Erdgeschoss fielen ihm auch hier die angebrachten Sprengschnüre auf. Ihn juckte das Ohr und er nahm kurz den Ohrstöpsel raus, rieb sich die Ohrmuschel und platzierte ihn in dem anderen Ohr. Alex schaute auch hier gewissenhaft in jedes Büro, in jede Ecke, fand aber die obere Etage ebenso leer vor, wie zuvor das Erdgeschoss. Er begab sich wieder zum Treppenhaus, um nach unten zu gehen.
Semir begab sich zeitgleich in den Keller, der einmal als Lagerraum gedient haben musste. Es roch feucht und muffig. Einige fest angebrachte Regale wiesen noch auf die ehemalige Verwendung des Untergeschosses hin. Er schlich den Gang entlang. Aus einer nur angelehnten Tür drang gedämpftes Licht in den übrigen Keller. „Alex“, flüsterte Semir, „ich glaube, hier unten ist er.“ Er erhielt keine Antwort seines Partners, hoffte dennoch, gehört und verstanden worden zu sein und näherte sich der Tür. Durch den Spalt sah er Robert. Er hockte auf dem Boden, an Händen und Füßen an einem eisernen Ring gefesselt, der in der Wand einbetoniert war und durch einen Knebel am Sprechen gehindert. Seine Versuche, sich zu befreien waren eindeutig sichtbar, aber wirkungslos, deuteten jedoch darauf hin, dass Robert alleine ohne Bewachung hier saß. Semir hob seine Waffe, so dass die Mündung an die Kellerdecke wies und schrammte einmal mit seinem Stiefel über den schmutzigen Kellerboden. Robert blickte auf und erkannte Semirs Gestalt im Lichtschein. Mit seinen Lippen formte dieser eine Frage. „Sind Sie alleine hier?“ Robert verstand und nickte, versuchte wieder, sich loszureißen, war aber ebenso erfolglos wie zuvor. „Alex, ich hab ihn“, sprach Semir, jetzt etwas deutlicher in sein Mikrofon, „wir kommen jetzt raus.“ Mit zwei Schritten war er bei Robert, holte sein Taschenmesser aus seiner Hosentasche und schnitt mit seinem Messer dessen Fesseln durch. Der Gefangene zog sich den Knebel aus dem Mund und redete gleich drauf los: „Frank Wilckens ist draußen und will jetzt noch sprengen. Wir müssen hier raus!“ - „Dann los! Alex, hast du gehört, das Haus wird gleich gesprengt, komm nicht in den Keller, wir treffen uns draußen!“ Robert war schon auf dem Gang zur Treppe, drehte sich dann aber noch mal um. „Danke, Herr Gerkan.“ Dann liefen sie, Robert etwa 10 m vor Semir Richtung Treppenhaus und rettendem Ausgang.
Nachdem Kim Krüger von Horst Wilckens erfahren hatte, dass sein Sohn Frank das alte Firmengebäude dem Erdboden gleichmachen sollte und das möglichst noch heute Nacht, verlor auch sie keine Zeit, setzte sich in ihren Dienstwagen und brauste mit Blaulicht durch die Stadt. Sie ignorierte das Flatterband an der Haupteinfahrt und preschte auf das Firmengelände. Sie musste es schaffen. Sie hatte Semir und Alex per Handy nicht mehr erreichen können, musste aber davon ausgehen, dass ihre Männer sich bereits in dem Bürogebäude befanden. Schon von weitem sah sie einen Mann auf dem Boden kauern, mit einer kastenförmigen Apparatur beschäftigt und hielt auf ihn zu. Kim kam kurz hinter diesem Mann zum Stehen und sprang aus dem Wagen. „HALT POLIZEI! Warten Sie! NICHT SPRENG...!“ Doch Frank Wilckens ließ sich nicht mehr stoppen. Er senkte seinen Finger, der auf dem Auslöseknopf ruhte und drückte diesen bis zum Anschlag nach unten.
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Ach, Kanaren, Balearen..... das ist doch Auslegungssache, wie Elvira jetzt sagen würde.
Genau, Hauptsache Italien
ich meine, Gran Canaria ist das Ziel.
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Der ist ja jetzt schon fast auf Malle.
Na, da hätte er sich aber mächtig verflogen
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Kein Traum? Kein Rückblick? Zumindest kein Hinweis darauf.
Aber Ben lebt auf jeden Fall und hat, während sich Semir mit Familie auf dem Weg in den "Urlaub" befindet, mit einem Drive-by auf einem Parkplatz zu tun. Die Augenzeugen sind ja sehr nützlich: viel reden, aber nichts sagen. Autotyp unklar, Autofarbe unklar, Kennzeichen nicht erkannt, unterm Strich also kein Hinweis auf den Schützen, da muss er und Semirs Vertretung, ich wage mal die Vermutung, dass es sich dabei um Kevin handeln wird, beim Opfer beginnen. -
Da erschießt Matze kaltblütig seinen Kumpel Harald und will den Mord Semir in die Schuhe schieben und sich an ihm rächen? Mit Hilfe von Toni findet er Unterschlupf in einer Jagdhütte in der Nähe. Irgendetwas sagt mir, dass er das Versteck hinter der Wand noch brauchen wird.
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Dass Ben in seiner Lage doch noch noch so viel Kraft in seinen Schlag entwickelt, dass er Semir fast k.o. schlägt, wundert mich, so geschwächt er eigentlich sein müsste. Gut, dass Sarah weiß, wie sie die Geschwulst öffnen und behandeln muss. Ich glaube auch, dass Semir nicht hingeguckt hat, ich hätte es wohl auch nicht getan.
OT: Ich hatte mal eine Bekannte, die war Arzthelferin und sagte zu den Patienten vor der Blutabnahme: "Wenn Sie kein Blut sehen können, schauen Sie in die andere Richtung. Ich seh auch nicht hin", sehr beruhigend, oder?
Ich denke aber mal, dass Sarah sehr genau hingeschaut hat. Und wieder einmal konnte die Einlieferung in die Klinik vermieden werden. -
Die alte Firmenzentrale
Alex und Semir näherten sich dem alten Firmengelände der renommierten Baufirma Wilckens Bau. Die Hauptzufahrt war durch ein Flatterband abgesperrt. „Fahr hinten rum, Alex, da müsste sich dem Plan nach ein weiterer Zugang befinden“, sagte Semir zu seinem Partner, der am Steuer saß, „hier sieht uns womöglich noch jemand.“ Alex umrundete das Gelände. Hinter einer flachen Lagerhalle befand sich eine Tür im Zaun. Er stellte den Mercedes ab, und die beiden Polizisten verließen den Dienstwagen, nachdem sie sich mit Ohrstöpseln und kleinen Mikrofonen ausgerüstet hatten, um bei einem getrennten Vorgehen in Verbindung zu bleiben, und betraten anschließend durch die besagte Tür das Firmengelände. Auch hier war ein Flatterband gespannt, welches sie aber ohne zu Überlegen unterquerten, die Lagerhalle ließen sie rechterhand liegen. „Das Bürogebäude muss das Haus dahinten sein“, Semir wies auf ein zweistöckiges Gebäude hin. Dort sollte nach Aussage von Horst Wilckens Robert gefangen gehalten werden. In welchem Raum, das wussten sie nicht. Sie würden das ganze Haus systematisch absuchen müssen.
Frank Wilckens ließ Robert in seinem Gefängnis zurück und verließ das Gebäude, ging auf dessen Rückseite, nahm die Sprengschnüre in seine Hand und ließ sie durch seine Finger gleiten, während er sich von dem Bürogebäude entfernte. Die Sprengung sollte eigentlich erst am übernächsten Tag erfolgen, aber wo sein Vater jetzt bei der Polizei saß, hielt er ein schnelleres Vorgehen für angebracht. Die Ausschusssitzung konnten sie auf keinen Fall mehr abwarten, die Polizei würde sie bestimmt absagen lassen. Jetzt galt es, Schadensbegrenzung vorzunehmen, Robert war ein wichtiger Zeuge, und er würde jetzt dafür sorgen, dass dieser Zeuge nicht würde aussagen können. Die Zündvorrichtung hatte er in einem Rucksack verstaut, den er auf dem Rücken trug. Alle Sprengladungen waren scharf, es würde zwar keine Bilderbuchsprengung geben, die eine Übertragung im Fernsehen wert wäre, dazu war er nicht Profi genug und hatte die Berechnungen auch nicht sauber genug durchgeführt, aber so oder so, es würde ein großer Schutthaufen übrig bleiben. Seine Baufirma würde die Trümmer beseitigen, Robert von den Fesseln befreien und von einem unschuldigen Opfer sprechen. So würden sie einen Aussteiger loswerden, den Auftrag eventuell verlieren, dafür aber die Firma retten können, wenn Robert nicht mehr würde aussagen können.
Semir und Alex schalteten ihr Handy noch auf lautlos, zogen und entsicherten ihre Waffen, als sie auf die Türöffnung zu schlichen, bis sie links und rechts von dem Loch in der Mauer angekommen waren, in dem irgendwann vor geraumer Zeit einmal eine Stahltür gehangen haben muss, von den stabilen Angeln her zu urteilen. Gemeinsam betraten sie den langen Flur des Erdgeschosses, in dem sich auf beiden Seiten jeweils etwa acht bis zehn Büros aneinander reihten. An der Decke hingen unbenutzte Lampenfassungen aus dem Putz. Es roch unangenehm. Längst hatte Ungeziefer Besitz von dem alten Gemäuer genommen. Abgeblätterter Putz knirschte unter ihren Sohlen. Alex schlich auf der rechten Seite, Semir auf der linken, sie schauten in jedes Büro, stets bemüht, kein Geräusch zu verursachen, damit eventuell im Gebäude befindliche Wachen nicht gewarnt würden und stets darauf vorbereitet, auf Frank Wilckens oder Robert zu treffen. Aber das Erdgeschoss war leer.
Am Ende des Flurs befanden sich ein Treppenhaus und ein weiterer Zugang zum Haus, ebenfalls ohne eingehängte Tür. Durch Handzeichen verständigten sie sich darauf, dass Alex nach oben gehen sollte und Semir sich den Keller vornehmen würde.
Aus sicherer Entfernung beobachte Frank Wilckens, wie die Polizisten das Bürogebäude betraten. Er lächelte schief und fuhr mit seiner Arbeit fort.
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Zwar konnten Matze und Harald zunächst entkommen, aber wenn die zwei sich streiten, könnte die Polizei bald der lachende Dritte sein.
Ben ist gut versorgt im Krankenhaus und wird sich hoffentlich bald erholt haben. -
Den Anruf bei Semir hatten wir ja schon mitbekommen, jetzt wissen wir auch, was sich unmittelbar vorher im Keller abgespielt hat. Zum Glück kann sich Sarah davon abhalten, alleine zu Ben hinein hzu gehen.
Hoffentlich kann der weitere Entzug in diesem Keller verantwortet werden und sie müssen ihn nicht doch in eine Klinik bringen. -
Horst Wilckens windet sich
Gegen 19:30 klingelte Semirs Handy. „Semir hier“, meldete er sich. „Hier Alex, wir haben Horst Wilckens im Verhörraum. Willst du dabei sein?“ Semir ließ sich nicht lange bitten, sondern fuhr direkt in die PAST. Als er die Dienststelle betrat, war das Verhör schon in vollem Gange. Semir stand zunächst teilnahmslos an der Wand und hörte sich die Antworten an, die Horst Wilckens auf Alex Fragen parat hatte. Dann mischte er sich ein, und bekam kurze Zeit später einen Vortrag des Firmenchefs zu hören, der versuchte, sein Verhalten als das Normalste der Welt aussehen zu lassen.
„Wissen Sie, Herr Gerkan, wie es ist, die Verantwortung über eine Firma mit 3000 Angestellten zu haben? 3000 Angestellte, das sind geschätzt 10.000 Menschen, die abhängig von unserer Auftragslage sind. Von Einfamilienhäusern, Renovierungen und anderen kleineren Dingen alleine können wir nicht existieren. Wir brauchen Großaufträge! Aufträge von Privatleuten schön und gut, wir haben einen guten Ruf, machen auch entsprechende Werbung und die Aufträge kommen, aber Aufträge von der öffentlichen Hand? Die werden teilweise europaweit ausgeschrieben. Geben Sie ein ehrliches Angebot ab, werden Sie von der Billigkonkurrenz aus Süd- und Osteuropa gnadenlos unterboten. Wir zahlen gute Gehälter, speisen unsere Arbeiter nicht mit Hungerlöhnen ab, und was ist der Dank dafür? Wir bekommen die Zuschläge nicht. Da heißt es so schön in den Vergaberichtlinien, es sei das wirtschaftlichste Angebot zu nehmen. Und das wirtschaftlichste Angebot ist in den allermeisten Fällen nicht das Angebot, von dessen Preis die Familien der Arbeiter ein gutes Leben haben werden, nein, in den allermeisten Fällen gilt als das wirtschaftlichste Angebot das mit dem niedrigsten angebotenen Preis. Das erhält den Zuschlag, und später wundern sich die Bauherren über katastrophale Zustände auf den Baustellen, in den Unterkünften der Wanderarbeiter, über Schwarzarbeiter, die bei Razzien des Zolls auffliegen, weil die Firma ihr eigenes Angebot nicht einhalten kann. Spätestens nach der Hälfte der Bauzeit kommt der Bau in Verzug, weil nicht genügend Arbeiter vor Ort sind, schließlich muss die Baufirma sparen und kurz darauf steht in der Zeitung, der Bau XY wird doppelt so teuer wie vereinbart oder es treten schon nach kurzer Zeit die ersten Baumängel auf. Ups? Wie konnte das bloß passieren? Wir haben doch das wirtschaftlichste Angebot angenommen? So läuft das, Herr Gerkan. Und wir kommen hin, geben ein ehrliches Angebot ab, bieten reelle Arbeitsbedingungen, halten den Zeitplan ein und das Budget, und ich sage Ihnen, wir wären unter Garantie unterm Strich günstiger gewesen, als der Konkurrent. Und glauben Sie nicht, die anderen würden nicht auch schmieren? Die ganze Branche ist ein Sumpf, was das angeht. Jeder kennt jemanden, der jemanden kennt, kleine Angestellte wollen vielleicht auch mal Golf spielen, an Gala-Diners teilnehmen, noch ganz ohne Hintergedanken. Bis dann der nächste Bauausschuss tagt. Und da sagt man, wir kennen uns doch, können Sie da nicht was machen? So läuft das Geschäft.“
„Und das ganze läuft so lange gut, bis drei kleine Buchhalter über falsche Zahlen oder unbelegte Buchungen stolpern?“
„Wiglad und seine beiden Kollegen aus der Buchhaltung? Ja, das ist das unschöne Gesicht der ganzen Sache. Wissen Sie, was die wollten? 125.000€ für jeden, dafür dass sie den Mund halten, und von jedem zukünftigen Geschäft nochmal einen Anteil. Darauf konnte ich nicht eingehen, Herr Gerkan, das müssen Sie doch verstehen.“
„Und Walter Schmaller? Hatte der auch was damit zu tun?“ – „Walter Schmaller? Der Name sagt mir jetzt nichts“ – „Walter Schmaller hat als Fahrer für ihre Firma gearbeitet, Baustellen mit Nachschub versorgt, Arbeiter hin und her gefahren.“ – „Nein, damit ist er einer von etwa 35 Fahrern, die wir alleine hier in Köln haben, ich kenne nicht alle persönlich.“
„Korruption, mindestens 3 Morde, Entführung, und wo ist Robert?“ – „Das kann ich Ihnen nicht sagen. Mittwoch ist die Ausschusssitzung, wenn er da für uns Partei ergreift, dann ….“ – „Sie glauben doch wohl nicht, dass diese Ausschusssitzung noch stattfinden wird, Herr Wilckens!“ – „Nicht? Na, dann suchen Sie ihn doch!“ Jetzt wurde Semir ungehalten: „Wir werden ihre Firma mit Wirkung von heute an stilllegen, dann können Ihre 3000 Angestellte nach Hause gehen, dann ist es vorbei mit Golf spielen, wenn sie uns nicht verraten, wo Sie ihn versteckt halten, oder wollen Sie sich einen vierten Mord vorwerfen lassen? Also, wohin hat Ihr Sohn Robert gebracht?“
Die Tür zum Verhörraum öffnete sich, und Susanne steckte ihren Kopf hindurch. „Semir, Alex, kommt ihr mal kurz?“ Semir nickte. „Überlegen Sie es sich gut, Herr Wilckens“, sagte er noch zu dem Firmenchef und trat mit seinem Partner in das Großraumbüro. „Was gibt es denn Susanne?“ – „Ich habe noch mal die naheliegenden Möglichkeiten untersucht. Die drei Buchhalter hätten in einem Fundament verschwinden sollen, da dachte ich, einmal Baustelle, immer Baustelle und habe mir mal die Baustellen angesehen, die in der näheren Umgebung liegen.“ – „Und?“, fragte Alex interessiert. „Wir suchen einen Ort, an dem eine Person einige Tage unbemerkt versteckt werden kann. Wenn wir jetzt mal ausschließen, dass die Wilckens Robert bei sich zuhause untergebracht haben, wo Hauspersonal, Angestellte usw. etwas bemerken könnten, kämen einige Baustellen in Betracht. Aus verschiedenen Gründen, z.B. weil es dort keine Häuser als mögliche Verstecke gibt, weil ein 24-Std-Betrieb herrscht oder weil sie zu weit weg liegen, habe ich die meisten von ihnen ausgeschlossen. Mein Favorit ist die ehemalige Firmenzentrale in Köln-Deutz. Und für das Gebäude liegt eine Genehmigung zur Sprengung vor, die soll am Montag erfolgen.“
Konfrontiert mit dem Verdacht, schaute Horst Wilckens auf die Tischplatte. „Die Firmenzentrale wird abgerissen, wir bauen dort neu. Aber das Haus soll gesprengt werden. Das wäre doch nicht clever, wo wir Robert doch am Mittwoch brauchen.“ – „Sprengungen kann man verschieben, oder vertrauen Sie Ihrem Sohn blind?“
Horst Wilckens - schwieg einen Moment zu lange, wie Kim fand. „Worauf warten Sie noch, meine Herren? Suchen Sie das Firmengelände ab.“ - „Er ist dort im Bürogebäude“, sagte der Firmenchef leise. „Wo genau?“, wollte Kim Krüger wissen, aber das konnte ihr Horst Wilckens nicht sagen. Das habe er ganz seinem Sohn überlassen.
Semir und Alex eilten zu Alex Wagen und machten sich auf den Weg.
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Ja, stimmt. Aber das morgige Kapitel wird länger, versprochen.
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Auch wenn ich eigentlich davon ausgegangen bin, dass ihr Semir nicht von einer Bombe zerfetzen lassen würde, habt ihr es ganz schön spannend gemacht.
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Hoffentlich gelingt es, den zweiten Gangster schnell zu ermitteln. Jetzt hat Semir erst mal wieder andere Sorgen, denn Sarah braucht seine Hilfe mit Ben.
Ich hoffe, nichts, das die erfahrene Krankenschwester nicht lösen kann oder das eine Einweisung in die Klinik erforderlich macht. -
Ein Traum ist auch mein erster Gedanke gewesen, auf keinen Fall kann das der Beginn der Geschichte sein, sondern höchstens das böse Ende. Dann käme jetzt der Untertitel: "2 Wochen zuvor".
Was sollen denn auch Ben und Kevin auf Mallorca machen, die sollten doch gar nicht mit? Aber was löst bei Semir einen solchen Alptraum aus? Bin sehr gespannt. -
Da ist sie zuende gegangen. Ich habe deine Geschichte gerne gelesen, mir gefällt dein Schreibstil sehr gut, und auch ich freue mich auf die nächste Geschichte. Bin vor allem gespannt, wie die Semir-André-Geschichte ausgehen wird.