Beiträge von Yon

    Zweimal Glück:
    1. prüft Redka nicht nach, ob Ben und Sarah wirklich erledigt sind, denn das sind sie bestimmt nicht, sonst würde Semir jetzt zwei Leichen finden (oder eigentlich drei), und das kann ich mir nicht vorstellen, weil Susanne Ben nicht sterben lassen würde, es sei denn gaaaanz laaaangsaaaam und nicht so schnell, und
    2. schlägt der Schäferhund noch rechtzeitig an und zu und verhindert so, dass Semirs Familie oder seinen Vermietern etwas passiert.

    Zweimal Pech:
    1. ist der Hund verletzt (das muss aber nur ein Kratzer sein, sonst werde ich böse) und
    2. ist Redka noch am Leben und wieder auf der Flucht

    Puh, zum Glück hat Matze nicht getroffen, Semir dafür aber umso besser. Wegen der Tankexplosion sollte sich Semir nicht so große Gedanken machen, das passiert doch nur im Fernsehen ;). Aber er wird schon von Ersthelfern aus dem Gefahrenbereich gezogen und vom eintreffenden Krankenwagen versorgt. Dann kann er jetzt ja zu Ben aufs Zimmer, oder liegt da schon Konrad? Egal, machen sie halt ein Dreierzimmer.

    Na, ganz so gut scheinen Kevin seine Besuche bei Jessy nicht zu bekommen. So hoch es ihm auch anzurechnen ist, dass er sich um die gestrandete Person kümmern möchte, aber er sollte die Besuche dann nicht den ganzen Tag auf seinen Schultern mit sich herumschleppen und sich die Laune verderben lassen müssen. Darunter hat dann sein ganzes Umfeld zu leiden, in diesem Fall Ben und der Ford-Fahrer.

    Wieder auf den Beinen

    Zwei Stunden später ging es ihm schon wesentlich besser, gebadet, verarztet und mit Nahrung und Getränken versorgt, fühlte er sich gestärkt und ging langsam im Zimmer auf und ab, um wieder in Bewegung zu kommen. Seine Verletzungen waren nicht schwerwiegend und konnten schnell versorgt werden, lediglich der Knöchel, an dem Semir von einem herumfliegenden Trümmerteil getroffen worden war, wird ihn noch einige Zeit beschäftigen. Jetzt war er geröntgt, getapt und dadurch stabilisiert worden. Die Schnittwunde, die für das blutgetränkte Hosenbein verantwortlich war, wurde gereinigt und genäht. Semir konnte sich nicht mehr daran erinnern, wie er sich geschnitten haben könnte, aber Eisenteile, die scharfkantig aus den Wänden ragte, gab es in dem alten Keller zuhauf. Alles in allem begründeten seine Verletzungen keinen Krankenhausaufenthalt, was seine Stimmung merklich hob.

    Andrea telefonierte mit Ben und teilte ihm die gute Nachricht mit. So stand Semirs bester Freund bald mit einem Satz Wäsche und frischer Klamotten, sowie Ayda und Lilly im Schlepptau im Krankenzimmer, um Semir und Andrea abzuholen. Er brachte Familie Gerkan in Semirs Wohnung und ließ sie dort alleine. Sicher hatten die beiden einiges aufzuarbeiten, da wollte Ben nicht anwesend sein. Er fuhr stattdessen zu seinem Vater, um ihm vom glücklichen Verlauf des Tages zu berichten, denn Konrad Jäger hatte ja auch seit dem überstürzten Aufbruch von Ben und Andrea nach dem Frühstück lediglich erfahren, dass Semir lebendig gefunden werden konnte, und als Ben Andreas Sachen und die Kinder abholte, hatte er auch wenig erzählt, da Ayda und Lilly ihm kaum von der Seite wichen, aus Angst, er könnte seinem Versprechen, sie zu ihren Eltern mitzunehmen, nun keine Taten folgen lassen. Die genaue Schilderung hatte Ben seinem Vater für seine Rückkehr versprochen.

    Ayda und Lilly bezogen bald nach dem Betreten von Semirs Wohnung ihr dortiges Kinderzimmer, spielten noch ein wenig, ließen sich aber bald von Andrea überreden, in ihre Betten zu gehen, schließlich war es schon spät am Abend, und Andrea fand, sie sollten ab morgen dann auch wieder in die Schule bzw. den Kindergarten gehen, Ayda hätte in den letzten Tagen genug versäumt.

    Andrea ging zu Semir in die Küche und öffnete den Kühlschrank. „Ist nichts drin, außer Licht. Das hat Ben neulich auch schon festgestellt“, sagte Semir leise, „wenn ich gewusst hätte, dass ihr heute hier seid, hätte ich noch eingekauft.“ – „Kein Problem, ich besorge morgen was, ist eh schon zu spät zum Essen. Semir, ich habe nachgedacht“, Andrea drehte sich zu ihrem Noch-Ehemann um, „ich werde nicht zu Robert zurück kehren. Es war töricht von mir, zu denken, es könnte uns woanders besser gehen.“ – „Nein, Andrea, ich habe es dir auch nicht einfach gemacht, zu bleiben. Ich liebe meine Arbeit, aber ich hätte mehr an euch denken müssen. Man kann als Familienvater nicht genauso weitermachen, wie vorher.“ – „Meinst du, du könntest mir noch mal verzeihen, was ich in den letzten 10 Monaten angerichtet habe?“ – „Das ist doch hier nicht die Frage. Was ich in den letzten 10 Jahren versäumt habe, ist wesentlich schwerwiegender. Aber ehrlich gesagt, sollten wir erst einmal darüber schlafen. Heute bin ich nicht mal mehr in der Lage, mich zu streiten. Und die Tür möchte ich mir dann doch offen halten.“ Semir erhob sich langsam vom Küchenstuhl und streckte seine Glieder. „Das gibt einen Muskelkater, ich spüre ihn schon jetzt.“„Hast du ein Gästebett?“ Semir sah Andrea länger an und schüttelte dann langsam seinen Kopf. „Nein. Und Andrea, ist das wirklich nötig? Mein Bett ist 2m breit, wir sind beide über 18, von mir geht heute Nacht bestimmt keine Gefahr aus und außerdem“, er legte eine kleine Pause ein, „sind wir immer noch verheiratet.“

    In dieser Nacht schliefen Andrea und Semir tief und fest und so gut und erholsam, wie schon seit Wochen nicht mehr.

    Sich unangeschnallt mit einem Auto zu überschlagen - keine schöne Vorstellung, und Semir verletzt sich auch ganz ordentlich beid em Unfall. Ich bin auch Susans meinung, er hätte gleich (wie sonst üblich) eine Salve auf Matze anfeuern sollen, ein Warnschuss wird dann schon dabei gewesen sein.

    Geschichten leben von Zufällen. Hätte Sarah das Handy und die Waffe direkt neben sich gehabt, wäre das auch ein großer Zufall gewesen.
    Sarah und Ben sind beide ausgeschaltet, ich hoffe, dass Redke nun denkt, damit wären sie erledigt, nicht dass er doch noch nachlegt und seine Tat vollendet, denn ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Susanne ihre Helden sterben lässt.
    Ich vermute, jetzt wird er sich die Gerkans vornehmen, da hoffe ich allerdings schon, dass die Waffe nicht im Tresor liegt, Semir es schafft, Redke zu erledigen und sich aufmacht, nach Ben und Sarah zu sehen.

    Rettung

    Zwei kräftige THW-Helfer zogen zuerst Semir aus dem freigelegten Loch und halfen dann auch Ben und Bonrath. Semir wurde zu dem Rettungswagen getragen, er saß mittlerweile halb aufrecht auf der Trage. Andrea erschrak, als sie Semir sah, er war grau von Kopf bis Fuß, getrocknetes Blut an der Schläfe, welches auch über das Gesicht gelaufen war, die Augen gerötet, ein Hosenbein war vom Blut verfärbt. Langsam trat Andrea auf ihn zu und erreichte ihn in dem Augenblick, in dem er auf dem Platz vor dem gesprengten Haus abgesetzt wurde. Der Rettungswagen hatte bislang in sicherer Entfernung gestanden und wurde nun näher herangefahren. Sie ging neben ihm in die Knie und ungeachtet des ganzen Schmutzes nahm sie Semir in den Arm und fing an zu weinen. Als sie sich wieder gefasst hatte, sagte sie stockend und leise: „Ich habe solche Angst gehabt, Ayda und Lilly deinen Tod erklären zu müssen.“ Semir bekam eine Flasche mit Wasser gereicht, und nachdem er seinen Mund gründlich ausgespült hatte, trank er einen großen Schluck und antwortete: „Ich habe ehrlich auch nicht damit gerechnet, dort herauszukommen. Diesmal war es wirklich knapp.“

    Jetzt konnte sich der Arzt auch den anderen Blessuren zuwenden, er sah aber bald, dass Semir keine schweren Verletzungen davon getragen hatte, jetzt auch wieder bei klarem Bewusstsein war und untersuchte die getrocknete Platzwunde am Kopf und das zerschundene Bein, schaute dem Hauptkommissar prüfend in die roten Augen und entschied kurzerhand: „Wir nehmen Sie zur weiteren Untersuchung erst mal mit.“ Von Semir kam kein Widerspruch. Er fühlte sich auch nicht in der Lage, einen einzigen Schritt alleine zu gehen. Er war froh dort, wo er jetzt war. Deshalb nickte er zustimmend und sah zu Andrea: „Kommst du mit?“

    Andrea nickte erleichtert lächelnd, drehte sich zu Ben um, der aber schon abwinkte. „Ich komme nach und bringe Semir auch was Frisches zum Anziehen mit. Und Ayda und Lilly sind bei Papa gut aufgehoben.“ Nachdem auch Susanne, Kim und Jenny ihrer Erleichterung über die glückliche Rettung Ausdruck verliehen hatten, trat Alex an Semir heran. „Ich fahre in die PAST und fange mit der Vernehmung von Frank Wilckens und Robert an. Komm schnell wieder auf die Füße, Ja?“ – „Verlass dich darauf, Partner. Und danke!“. Damit lehnte er sich zurück und ließ sich in den Rettungswagen schieben. Semir war dankbar, dankbar dafür, dass seine Zeit im engen Verlies vorbei war, dass Ben und Alex ihn gefunden und sie ihn mit vereinten Kräften ausgegraben hatten, dankbar, dass Andrea jetzt neben ihm saß, dass er sie davon hat überzeugen können, dass Roberts Leben auf einer Lüge beruhte und sein „Wohlstand“ nur Folge seiner Korruption war. Erleichtert schloss er seine Augen und drückte noch einmal Andreas Hand, wie um sich zu vergewissern, dass es tatsächlich wahr war.

    Semir ist mit Familie mittlerweile auf Gran Canaria eingetroffen, während Andrea und die Kinder in Urlaubsstimmung sind, merkt man Semir doch deutlich an, dass er nicht nur zur Erholung hergekommen ist, sondern ihm auch das anstehende Gespräch mit André bevorsteht.

    Armer Bonrath! Erst wird er mit der Pistole niedergeschlagen, dann schlägt ihm noch jemand ins Gesicht, um ihn wieder aufzuwecken.
    Aber der Bus vom SEK wird doch sicher mit einem Peilsender ausgestattet sein und damit zu orten. Aber was hat Semir MacGyver-Gerkan mit dem Kugelschreiber vor? Will er ihn zum Öffnen der Handschellen benutzen oder als Waffe einsetzen?

    Was mir Sorgen macht ist, dass Semir nicht gleichzeitig in der Wohnung bei Andrea und den Kindern und im Haus bei Ben und Sarah sein kann.

    Genau meine Befürchtung trifft jetzt ein. Und natürlich hat sich Redke erst das Haus mit Ben und Sarah ausgesucht, die ja nun leider beide dem Schützen wenig entgegen zu setzen haben, hoffentlich schafft sie es noch, Semir zu alarmieren.

    Suche

    Kim, die mitgehört hatte, lief so schnell sie konnte hinüber zum Streifenwagen und riss die Tür neben Frank Wilckens auf. „Stahlschrank im Keller! Wo? Und gleich die richtige Antwort!“ – „Stahlschrank? Sie meinen den Tresor?“ – „Ich meine den einzigen Hohlraum in diesem ganzen gottverdammten Schutthaufen, Sie Idiot! Jetzt raus mit der Sprache, wo ist der Tresor?“ Frank konnte nicht anders, als ihr den genauen Platz zu nennen. „Genau in der Mitte des Hauses im Keller.

    Jetzt ließen sich auch Alex und Ben Arbeitshandschuhe vom THW geben und halfen mit, die Steine zur Seite zu räumen. Die Niedergeschlagenheit von eben war schlagartig einem gewaltigen Tatendrang gewichen. Von Zeit zu Zeit unterstützte ein Bagger die Männer, wenn es galt, größere Brocken zur Seite zu räumen. Dieser war es dann auch, der plötzlich auf Metall stieß, die Decke des Stahlschranks war erreicht, jetzt galt es diesen so weiträumig wie nötig freizulegen, um Semir aus seinem Gefängnis befreien zu können. Hier war wieder Handarbeit angesagt und Ben, Alex und ein paar Männer vom THW gruben sich so immer tiefer in den Bauschutt, dass sie bald von dem Platz, an dem Kim, Susanne und Andrea warteten, nicht mehr zu sehen waren. Bonrath und Jenny hatten Frank Wilckens und Robert in die PAST gefahren und dort in eine Zelle gesperrt. Anschließend waren sie zurück zu dem Ort der Sprengung gefahren, wo sich Bonrath zu seinen Kollegen gesellte und ebenfalls bei der Freilegung des Stahlschranks mithalf. Andere Männer waren damit beschäftigt, zu verhindern, dass das geschaffene Loch wieder von den Seiten zu rutschte. Es musste wie ein Trichter aufgebaut werden, damit es sicher war, und das dauerte seine Zeit.

    Vom erlösenden Anruf bis zur Freilegung des Stahlschranks vergingen mehrere Stunden. Semir saß, schon länger nahezu unfähig, sich zu bewegen, in dem Hohlraum, bekam die Bemühungen seiner Befreier natürlich mit; er war erschrocken zusammen gezuckt, als die Metallschaufel des Baggers oben auf dem Schrank entlang schrammte, hatte einen Moment befürchtet, er würde nachgeben und auch noch einstürzen, gerade wo die Rettung schon so nah zu sein schien. Er hoffte, es möge nicht mehr allzu lange dauern, die Minuten vergingen ihm wie Stunden. Mittlerweile hatte die Taubheit von seinem gesamten Körper Besitz ergriffen, seine Beine spürte er schon seit Stunden nicht mehr, einzig seinen Kopf und seine Schultern konnte er etwas in Bewegung halten. Er wusste nicht, ob er überhaupt in der Lage sein würde, sich aufzurichten, aber dennoch sehnte er diesen Augenblick herbei. Und er schob den Gedanken an die kommenden Schmerzen noch weiter von sich, als er links oben endlich einen Spalt Tageslicht wahrnahm, bald darauf sogar Stiefel erkennen konnte und kurz danach in ein schmutziges, verschwitztes aber strahlendes Gesicht blickte.

    Es war Ben, der sich in die Hocke begeben hatte und einen Blick in den Hohlraum, den der Schrank bildete, warf. Der Anblick von Semirs gereizten Augen und dem blutverkrusteten, schmutzigen Gesicht schockte und erfreute ihn zugleich. Er streckte eine Hand durch das Loch und berührte seinen Freund an der Schulter. „Noch eine halbe Stunde, dann haben wir dich hier raus, Partner!“ Semir versuchte zu lächeln und nickte. Er atmete die frische Luft, die zu ihm runterströmte, tief ein. Ben drehte sich zu den anderen um: „Beeilt euch, dann haben wir es gleich geschafft!“

    Und dann war es endlich so weit. Der Sorge, er würde sich nicht aufrichten können, folgte die bittere Realität. Er musste sich einen Aufschrei verkneifen, als Ben ihn mit Alex Hilfe aus dem Schrank und langsam in die Höhe zog. Seine Beine, in denen jetzt die Blutzirkulation wieder in Gang kam, vermochten nicht sein Körpergewicht zu tragen, sein Rücken dankte ihm die Versuche ihn durchzustrecken, mit Schmerzen, er zitterte am ganzen Körper und selbst das Atmen fiel ihm schwer.

    Ben hatte vorsorglich einen Arm um Semirs Rücken gelegt und mit dem anderen hatte er ihn untergehakt. Aber ein Blick in Semirs schneeweißes Gesicht und Ben war klar, dass sich Semir nicht mehr lange auf den Beinen halten konnte.

    Alex erfasste die Situation und erkannte, dass Semir immer schwerer in Bens Armen wurde. Beherzt griff er zu und half Ben, Semir, der plötzlich die Augen verdrehte, langsam auf den Boden gleiten zu lassen. Leicht panisch, weil er nicht wusste, ob es bei Semir nur um einen Kreislaufzusammenbruch handelte oder doch eine schwerwiegende innere Verletzung vorlag, rief Ben nach dem Notarzt, der sich aber auch schon in ihre Richtung aufgemacht hatte und nur Sekunden später den Schutthaufen zu erklimmen begann. Ben kniete neben Semir und hielt seine Hand, während Alex aus dem Loch stieg, um dem Arzt mit der Trage auf den Schuttberg zu helfen und für ihn und die Trage Platz bei Semir zu schaffen.

    Der Notarzt war noch nicht mit der ersten Untersuchung fertig, als Semir sich bereits wieder regte, nun war er sich sicher, dass es sich bei Semir um einen Kreislaufkollaps handeln musste, anders wäre das schnelle Wiedererlangen des Bewusstseins nicht zu erklären gewesen. Ben atmete vor Erleichterung auf, als er sah, dass Semir die Augen wieder aufschlug. „Semir, wie geht es Dir?“, fragte er und Semir, der sich erst ein bisschen orientieren musste, schaute Ben an und sagte kaum hörbar: „Es ging mir schon mal besser“ und schloss wieder die Augen. Ben blickte direkt wieder voller Angst zum Notarzt. „Keine Sorge“, sagte der Arzt, „er ist nicht wieder bewusstlos, er ist nur total erschöpft“.

    Bonrath inspizierte inzwischen den Schrank. „Sag mal Semir, da warst du die ganze Zeit drin?“, fragte der lange Streifenpolizist verwundert. „Ja, Bonrath“, krächzte Semir mit geschlossenen Augen, „es ist halt manchmal auch von Vorteil, keine zwei Meter groß zu sein.“