Beiträge von Yon

    Ausschnitte

    »Ihr habt WAS?«, fragte Semir ungläubig, »13.000 Bilder? Dann bring mir doch auch einen Stapel her, da kann ich euch doch helfen.« – »Hältst du das für so eine gute Idee?«, zweifelte Alex. »Ach komm, mir ist doch jetzt schon langweilig, und es sind doch keine bewegten Bilder.« Alex willigte schließlich ein, sie konnten jede Hilfe gebrauchen. Er rief in der PAST an und bat einen der dortigen Beamten, den mittlerweile eingetroffenen Stapel auf die Anwesenden aufzuteilen und ihm seinen und Semirs Anteil ins Krankenhaus zu bringen. Es war bereits 20:00 Uhr geworden, aber da Semir keinen Mitpatienten in seinem Zimmer hatte, sah man das mit den Besuchszeiten nicht ganz so genau.

    Sie überflogen jede Seite der ausgedruckten Fotos, wanderten mit den Zeigefingern von Bild zu Bild, machten Kreuze, wenn sie etwas entdeckten, was sie sich gerne näher anschauen wollten. Genauso verfuhren Kim Krüger und mehrere Streifenbeamte in der PAST. Die Seiten mit den Kreuzen legten sie auf die Seite, die würden sie später Hartmut zurückgeben, damit dieser die Filme zusammenzuschneiden konnte. Sie kamen gut voran und gegen 22:00 verabschiedete sich Alex von Semir und fuhr zurück in die PAST, um die dortigen Ergebnisse gemeinsam mit ihren eigenen in die KTU zu bringen. Dem Kriminaltechniker stand eine lange Nachtschicht bevor, denn es waren nicht wenige Filmsequenzen, die den Polizeibeamten verdächtig vorkamen.

    Alex dagegen machte Feierabend und fuhr zu seiner Freundin, von der er sich am Morgen des Vortags verabschiedet hatte, kein ganzer Tag war vergangen, und doch hatte sich in der Zeit das Leben von Sascha und Claudia maßgeblich verändert. War es wirklich erst vierundzwanzig Stunden her, dass sie seinen Geburtstag vergnügt gefeiert hatten?

    Insgesamt war der Transporter in den letzten vier Wochen neunzehn Mal auf dem Parkplatz hinter Saschas Werkstatt aufgetaucht und hatte dort jeweils zwischen zehn Minuten und drei Stunden gestanden, die Verweildauer richtete sich nach keinem System, sondern war rein zufällig. Aber in jedem Fall waren andere Fahrzeuge zu dem Transporter gefahren, manchmal sah man auch den Fahrer aus dem Transporter steigen. Erst vor ein paar Tagen war auch eine Gruppe Motorräder von der Kamera erfasst worden.

    Am Sonntagmorgen um 7:00 Uhr legte Hartmut Alex das Ergebnis auf den leeren Schreibtisch und machte endlich Feierabend. Dort fand sie der Hauptkommissar, als er um halb neun sein Büro betrat. Hartmut hatte ganze Arbeit geleistet, jede Szene war unterlegt mit Datum und Uhrzeit und zeigte die Zeit vom Eintreffen des Transporters bis zum Wegfahren desselben. Er nahm sich vor, dem Kriminaltechniker später für seinen Wochenendeinsatz zu danken.

    Von Neugier getrieben begann Alex bei den letzten Tagen, als die Motorräder sich dem Transporter näherten, und fühlte sich in seiner Ahnung bestätigt: Ein Motorrad hatte die von Claudia beschriebene auffällige Lackierung auf der Verkleidung. Der Transporter stand auf dem vorletzten Stellplatz des Parkplatzes. Drei Motorräder erschienen, hielten an, und – jetzt stutzte Alex erneut – der Fahrer, der von dem Bike stieg, trug einen blau-weißen Helm und ging zum Transporter. Deutlich auf der Aufzeichnung zu sehen war, dass er vom Fahrer des Transporters einen Briefumschlag entgegennahm. Vom Fahrer konnte Alex ein recht gutes Standbild ausdrucken, welches sicher für eine Fahndung ausreichend war. Der Motorradfahrer nahm seinen Helm leider nicht ab. Was war in dem Umschlag? Geld? Und wenn ja, wofür? Wurde Alex hier Zeuge der Beauftragung der Schläger oder ihrer Bezahlung?

    Alex vergrößerte ein Standbild, auf dem sogar das Kennzeichen zu erkennen war: D-AE 53. Der dazu gehörende Halter war schnell ermittelt, es handelte sich um einen Andreas Eberhain, wohnhaft in Düsseldorf. Leider ergab die Abfrage im Polizeicomputer auch, dass dieser die Maschine vor acht Wochen als gestohlen gemeldet hatte. Der Halter war auch aktenkundig, allerdings lagen seine Taten - es handelte sich um Sachbeschädigung, Ruhestörung, Widerstands gegen die Staatsgewalt - über zehn Jahre zurück, seitdem galt er als unbescholtener Bürger, der bei Ford als Schichtleiter arbeitete.

    Jetzt startete Alex die gesamte Aufnahme von vorne, beobachtete, wie unterschiedliche Fahrzeuge zu dem geparkten Transporter fuhren, mit dessen Fahrer etwas verhandelten und mit einer oder auch mal mehreren Personen den Parkplatz wieder verließen. Was lief da ab? Handelte es sich um eine Form von Leiharbeit, und die Arbeitskräfte wurden hier von ihren Arbeitsgebern in Empfang genommen oder wurden sie hier Zeuge eines Menschenhandels? Sie hatten Sascha Unrecht getan, so viel war sicher. Er sah nicht zu viele Krimis, hier lief einer direkt vor seinen Augen bzw. seiner Kamera ab.

    Und bei den Aufnahmen vom letzten Dienstag stockte auch ihm der Atem. Er sah Sascha selbst. Was hatte er vor? Der wollte doch nicht etwa …doch! Der Werkstattbesitzer ging zielstrebig auf den Transporter zu und unterhielt sich mit dessen Fahrer. Das sah nicht nach einem harmlosen Plausch aus. Stellte er den Fahrer zur Rede? Fragte, was dieser dort trieb? Die Handzeichen konnten durchaus in diese Richtung gedeutet werden. Er wies den Fahrer auf den vorhandenen, großen und öffentlichen Parkplatz hin. Oh Sascha, hättest du dich da bloß herausgehalten. Aber er griff sich auch selbst an den Kopf. Hatten er und Semir ihm denn Glauben geschenkt am Freitag? Sind sie seinem Verdacht nachgegangen? Wären sie überhaupt seinem Verdacht nachgegangen, wenn Sascha nicht am selben Tag überfallen worden wäre? Nein. Sie hatten es als harmlos hingestellt, den Zettel mit dem Kennzeichen eingesteckt. Nur wenige Tage nach dem Gespräch mit dem Fahrer des Transporters lag Sascha mit lebensbedrohlichen Verletzungen in der Uni-Klinik, nachdem die Schläger allem Anschein nach von dem Fahrer des Transporters dazu beauftragt worden waren.

    Alex schüttelte den Kopf und widmete sich der Liste aller festgestellten Kennzeichen und den Ausdrucken von Standbildern der beteiligten Personen. Versehen mit einer kleinen Notiz legte er den Zettel Susanne auf den Schreibtisch. Die Sekretärin der PAST würde sich am Montag an die Arbeit machen, die Halter der Fahrzeuge festzustellen und die Gesichter durch die Gesichtserkennung laufen zu lassen, vielleicht war ja ein Kunde von ihnen darunter.

    Dann verließ Alex die PAST, um Andreas Eberhain zu besuchen, den Halter des an dem Überfall beteiligten Motorrades mit der auffälligen Lackierung. Sonntagnachmittag war ein guter Zeitpunkt, einen berufstätigen Mann zuhause anzutreffen. Und anschließend würde Alex endlich mal wieder etwas Zeit mit Lena verbringen, um selbst mal auf andere Gedanken zu kommen.

    Zum Schluss auch noch ein Feed von mir.
    Dass du dich von Story zu Story gebessert hast, ist unbestritten. Und ich bin mir sicher, dass nach Oben noch viel Luft ist. Vielleicht solltest du dir noch mehr Zeit bei der Überarbeitung lassen und dich mehr in die Rolle des Lesers versetzen, denn manches war zwar gut gedacht, aber nicht so verständlich formuliert.

    Das Ende der Story kam in der Tat recht schnell, aber es ist nicht ein Happy End auf jeder Ebene, sondern es bleib ein Teil offen. Der amerikanische Arzt hat sein Ziel noch nicht erreicht und ist weiterhin auf der Suche nach Nicole und Paul - das schreit nach Fortsetzung!

    Wusste Semir das noch nicht, oder warum erzählt Ben ihm jetzt, was in den letzen Monaten geschehen ist (Suche nach Haus, zweites Kind ...) ;) ?
    Damit hat sich Sarahs Arbeitsaufnahme wohl wieder verzögert. Und Ben wird zum Landei? Interessant!
    Die Brückenbaufirma steckt da irgendwie mit drin, nur wie?

    Hätte der Kinderschänder mehr gemacht, als zu rauchen, hätte die KTU und die Mediziner bestimmt mehr Spuren gefunden. Aber das Mädchen wirkte ja unberührt auf die Einsatzkräfte. Aber ein verurteilter Kinderschänder wird wohl zeit seines Lebens mit dem Verdacht einer Wiederholungstat zu kämpfen haben. Und aus diesem Grund ist er wohl auch vom Fundort abgehauen.
    Aber die Vernehmung konnte ich mir sehr gut vorstellen, auch Bens Wut und die Reaktion des Verdächtigten waren gut beschrieben.
    Jenny fährt jetzt zum Unfallort von Kevin. Auf das Zusammentreffen bin ich auch gespannt. Hoffentlich ist Kevin nicht allzu schwer verletzt.

    672 Stunden

    Alex schmiss die DVD-Spindel auf den Beifahrersitz. Sie waren alle ordentlich mit Datum versehen und enthielten die Aufzeichnungen der vergangenen vier Wochen. 28 Tage, jeweils 24 Stunden immer in derselben Kameraeinstellung. Im Kopf rechnete Alex schnell aus: 672 Stunden Filmmaterial, selbst wenn er sie im Schnelldurchlauf ansehen würde, konnte er damit ein ganzes Team mehrere Tage beschäftigen. Es müsste ein Programm geben, dass die Filme automatisch durchsucht und wenn sich an dem Parkplatz was tut, oder der Transporter austaucht, die Stelle im Film markiert, eine Art Bewegungsmelder sozusagen. Ob Hartmut sowas kennt? Semir wollte er trotz dessen bekundeter Bereitschaft nicht den Konsum stundenlanger Überwachungsbilder zumuten. Der sollte sich in Ruhe von seiner Gehirnerschütterung erholen. So fuhr Alex zunächst mit seinem Anliegen in die KTU.

    »Eine Bewegungsmelder-Software für Filme? Was soll denn das sein? Nein, Alex, so etwas kenne ich nicht. Außerdem, am Tag tut sich doch bestimmt ständig etwas auf dem Gelände, die Hälfte der Aufnahmen müsstest du dann eh durchschauen. Du suchst doch den Transporter, oder?« – »Genau, und ich will wissen, was das für Fahrzeuge sind, die mit dem Fahrer des Transporters in Kontakt treten.« – »Das dauert sicher länger als ein paar Sekunden, ich denke eher mehrere Minuten?« – »Worauf willst du hinaus, Hartmut?« – »Ich werde aus den Filmen Standbilder erstellen lassen, alle drei Minuten eines, das sind dann pro Tag 480 Bilder, verkleinere sie so, dass 20 auf einen A4-Boden passen, dann hast du 24 Seiten pro Tag, da genügt ein Blick, und du erkennst, ob irgendwann der Transporter dort steht, markierst die Bilder auf dem Ausdruck und ich schneide dir die ganze Sequenz aus dem Film aus.« – »Statt 672 Stunden Film bleiben uns also 672 Blatt Papier, okay, die kann ich gut auf alle Leute in der PAST verteilen, dauert immer noch mehrere Stunden, aber keine Tage.« Alex überlegte, wer ihm für diese Arbeit alles zur Verfügung stehen könnte und kam neben ihm selbst auf drei bis vier Personen, die am Samstag in der PAST Dienst hatten. Mit etwas Glück hätten sie nach dem Zusammenschneiden aller Szenen mit dem Transporter einen Ansatzpunkt, Kennzeichen vielleicht, zu erkennende Gesichter, irgendetwas, wo sie mit ihren Ermittlungen ansetzen könnten.

    Es dauerte mehrere Stunden, dann hatte ein Computerprogramm eine Standbild-Datei erstellt, die von Hartmut nun chronologisch ausgedruckt wurde. ‚Vielleicht hätten auch fünf Bilder pro Stunde gereicht, statt zwanzig?‘, überlegte er , dann wäre es ein Viertel der Ausdrucke, aber dazu war es nun zu spät. Jedes Blatt war mit dem entsprechendem Datum und der Uhrzeit versehen, um die Filmsequenzen später leichter finden zu können. Der KTU-Beamte packte den Stapel in einen Karton und rief Alex an, der noch mal zu Semir ins Krankenhaus gefahren war. Der war nach den letzten Untersuchungen zuversichtlich, das Krankenhaus spätestens am Montag verlassen zu können. »Herumliegen und mich erholen, kann ich doch auch zu Hause.« Alex erzählte ihm von dem gesamten Filmmaterial und Hartmuts Aufgabe, aus 672 Stunden Film ein Bilderbuch mit 13.440 Bildern zu basteln.

    Kevin hat auch nur Konflikte. Konflikte mit Jenny, mit Ben, mit seinem neuen Job, mit seinem Vater, dessen Freundin, mit seinem Motorrad ...
    Läuft bei ihm eigentlich mal irgendetwas rund?
    Jetzt wünscht er sich schon wieder, zur Autobahnpolizei gegangen zu sein. Aber das würde doch auch nur Ärger bedeuten, würde er dort doch täglich Ben, Jenny und Semir über den Weg laufen.

    Vielleicht sollte sich die Polizei hinstellen und konsequent diese Gaffer filmen. Dann hätten sie Kennzeichen und Beschreibung der Fahrer festgehalten und könnten die Verstöße ahnden. Aber das ist wahrscheinlich wieder nicht erlaubt.

    Es waren als zwei Männer auf der Brücke. Was hat der andere gemacht? Ihn geschubst? Ihn gezwungen zu springen? Ihn versucht, davon abzuhalten? Warum hätte er dann aber weglaufen sollen?

    Hoffentlich findet Hartmut in dem Auto eine Spur. Oder Ben und Semir erfahren noch etwas von der Witwe oder im Haus des Toten?

    Ich weiß noch nicht, ob ich dran bleibe.

    Der Name "Ben" in einer Geschichte reicht mir nicht aus, da muss noch mehr dazu kommen. Ich finde die Begrüßung von Kim und ihrer Tochter zu kühl. Sie haben sich 11 Monate nicht gesehen? Mann, München ist doch nicht aus der Welt! Und dann nur ein "Wie geht's"?
    Und auch wenn ich Ben in dieser Absicht sehr viel zutraue, eine 17-Jährige passt hoffentlich nicht in sein Beuteschema.

    Ich hätte mir einige einleitende Worte von dir gewünscht. Schreibst du schon länger, ist dieses deine erste Geschichte, ist sie schon fertig oder entwickelst du sie erst hier im Forum? Ohne diese Informationen behaupte ich mal: Du bist selber 17 Jahre und würdest dir wünschen, dass Ben dir schöne Augen macht. Das ist mein erster Eindruck, bin gespannt, ob (und hoffe, dass) du ihn widerlegen kannst. Positiv: An deiner Rechtschreibung und Grammatik ist nicht viel auszusetzen, vom Apostroph vor dem Genitiv-S nach Eigennamen einmal abgesehen (ist aber tolerierbar, sofern du dich darauf beschränkst).

    Filme

    Zwei Stunden später stand Hartmut in Alex‘ Büro und präsentierte die Ergebnisse. Und die waren mehr als ernüchternd. Es gab eine Verkehrsüberwachung an einer Kreuzung in der Nähe des Tatorts, die Kamera einer Bank und eine mobile Geschwindigkeitsüberwachungskamera an der Rheinstraße.

    Die Geschwindigkeitsüberwachung hatte zur fraglichen Zeit, also etwa eine Stunde vor bis 1 Stunde nach dem Überfall auf Sascha und Claudia kein einziges Motorrad geblitzt.

    Die Bänder der Bank zeigten lediglich den Eingang und den Geldautomaten, sowie Teile des Bürgersteigs, die Straße selbst lag außerhalb des Aufnahmewinkels der Kamera. Die Verkehrsüberwachung hatte zwar vier Motorräder mit sechs Personen gefilmt, doch leider nur von vorne, so dass kein Nummernschild erkennbar war. Dass es sich um die Täter handeln musste, schloss Alex daraus, dass sie die Kamera genau fünf Minuten nach der Tat passierten und die auffällige Lackierung der einen Maschine sogar auf den Schwarz-Weiß-Aufnahmen deutlich zu erkennen war. Aber kein Hinweis auf die Identität der Täter.

    »Mist!«, Alex schlug vor Wut mit der flachen Hand auf seinen Schreibtisch. »Da schaut man stundenlang auf diese Glotze, und was ist? Nichts!« Hartmut konnte ihm da nur zustimmen. »Aber hatte Sascha nicht etwas von seinen Kameras erzählt, die sein Werkstattgelände und den Parkplatz zeigen?« – »Ja, das könnte eine Möglichkeit sein. Da wir von einem Zusammenhang zwischen dem Überfall und dieser Transporter-Geschichte ausgehen, sollten wir uns die Bänder auch mal ansehen. Ich fahre in die Werkstatt.« Alex schaltete seinen Monitor aus, stand auf, griff sich seine Jacke und verließ gemeinsam mit Hartmut die PAST. »Tschüß, Hartmut. Falls du weitere Aufzeichnungen findest, rufst du mich an, okay?« – »Alles klar, Alex.«

    Alex wusste, dass Saschas Werkstatt und Pannendienst einen 7/24-Service bot, also musste auch an diesem Samstag-Nachmittag jemand anwesend sein, zumindest in der Schadensannahme. Und so war es auch. Georg, ein langjähriger Mitarbeiter Saschas kam nach vorne, als er die Türklingel hörte. »Alex!«, rief er vergnügt, »wieder Probleme? Dein Auto ist noch nicht fertig, falls du deswegen hergekommen bist.« Alex musste etwas schlucken, es hatte sich also noch nicht bis in Saschas Firma herumgesprochen. Damit hatte er rechnen müssen, Claudia hatte sicher noch keinen freien Kopf für den Gedanken, die Angestellten ihrer Firma darüber in Kenntnis zu setzen, dass ihr Chef auf der Intensivstation der Uni-Klinik mit dem Tod rang, weil eine Gruppe Biker ihm aufgelauert und zusammen geschlagen hatte. Der Autobahnpolizist holte tief Luft und sprach dann mit ernster Stimme. »Nein, ich bin nicht wegen des Autos hier. Sascha ist letzte Nacht überfallen worden und liegt mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Es kann sein, dass die Täter vorher schon mal hier waren und vielleicht von eurer Überwachungskamera gefilmt wurden. Ich brauch die Aufzeichnungen der letzten Wochen.« Georgs gute Laune war wie weggeblasen. Er konnte nicht glauben, was er gerade erfahren hatte. Sascha im Krankenhaus? »Georg? Die Bänder?«, holte Alex den Kfz-Meister in die Realität zurück. »Alex!«, stieß er aus, zurück in die Gegenwart geholt, »die Bänder, kriegst du, sofort!«

    Georg verschwand und kam kurze Zeit später mit einer Spindel etlicher DVDs wieder. »Das sind alle, die wir hier haben. Vier Wochen insgesamt. Im Krankenhaus, sagtest du? Wie geht es ihm? Er wird doch wieder gesund?«, wollte er noch von Alex wissen, der ihm jedoch keine Auskunft geben konnte. »Georg, ich weiß es nicht. Ich habe heute Semir besucht, zu Sascha bin ich noch nicht gekommen.« – »Semir?« – »Ach, das hatte ich nicht erwähnt. Semir kam Sascha zu Hilfe und wurde auch niedergeschlagen. Er hat aber Glück gehabt und wird bald wieder fit sein. Zum Glück hat Claudia gerade ihre Eltern zu Besuch und dadurch Unterstützung.« Alex griff sich die DVDs. »Also Georg, dann werde ich mal wieder. Meint ihr, dass ihr die Werkstatt führen könnt, bis Sascha wieder da ist?« – »Das kriegen wir sicher hin. Ich werde Montag früh mit der Belegschaft und vorher noch mit Claudia sprechen.« - »Dann bin ich beruhigt«, Alex wandte sich zum Gehen, drehte sich dann aber noch einmal um, »ach noch was. Sascha sagte etwas von einem Transporter, der ihm verdächtigt vorgekommen war, hast du den auch gesehen?« – »Transporter? Nein, davon weiß ich nichts. Vielleicht ist er nur vom Büro aus zu sehen gewesen? Und da bin ich nicht sehr oft. Wolltest du deshalb die Aufnahmen haben?« Alex nickte bedeutend. »Genau deshalb, und jetzt mache ich mir einen netten Kino-Abend.«

    Nicht nur das Geschäft ist beendet, auch die Geschichte. Semir kommt gut erholt wieder zur Arbeit, die Bösen blicken ihrem Prozess entgegen.
    Die Geschichte war recht kurz, ich hatte den Eindruck zeitweilig, du lässt dir beim Schreiben ebenso wenig Zeit wie uns beim Lesen.

    Brückentage - was für ein mehrdeutiger Titel. Mir gefällt zwar der Song auch, die Version von Karat allerdings noch besser, als von Peter Maffay, und ich bin froh, wenn ihn nicht mein Zahnarzt abstimmt, noch besser finde ich Brückentage, wenn ich an ihnen frei habe, aber zu Cobra passen natürlich die Autobahnbrücken am besten. Bin gespannt, was du dir diesmal ausgedacht hast.

    Telefonate

    Alex verabschiedete sich von Semir und trat auf den Krankenhausflur, wo ihm Andrea, Ayda und Lilly entgegenkamen, die beiden Kinder mit je einem Eis in der Hand. »Du willst wieder los?« – »Ja, ich muss dringend telefonieren, Frau Krüger weiß noch nichts, Hartmut muss ich um etwas bitten, Jenny und Dieter brauchen Ablösung in der Uni-Klinik und bei Lena muss ich mich auch melden.« – »Oha, das klingt nach Arbeit.« – »Ich sollte mir eine Liste machen, mach’s gut, Andrea. Wie lange meinst du, muss Semir hier bleiben?« – »Wahrscheinlich bis Montag, dann aber mindestens eine Woche zuhause.« – »Okay, ich melde mich wieder. Tschüß Andrea«, er umarmte Semirs Frau kurz zum Abschied, zeigte dann mit seinen beiden Zeigefingern auf Ayda und Lilly und sagte kurz »Mädels!«, um sie erneut zum Kichern zu bringen, was ihm auch gelang.

    In seinem Auto angekommen, rief Alex zunächst Kim Krüger an. Kim verbrachte das Wochenende faul zu Hause. Sie hatte eine anstrengende Woche hinter sich und gönnte es sich, diesen Samstag einfach mal auf der Couch zu liegen und einen Film aus ihrer DVD-Sammlung anzuschauen, den sie seit Jahren nicht mehr betrachtet hatte. Als sie auf dem Display ihres Telefons sah, wer anrief, seufzte sie auf. ‚Oh Nein‘, dachte sie. »Krüger«, meldete sie sich kurz. »Hier Brandt. Entschuldigen Sie die Störung, Frau Krüger.« – »Herr Brandt, was ist passiert?«, kam die Dienststellenleiterin der Autobahnpolizei ohne Umschweife zur Sache, und auch Alex hielt sich nicht lange mit Vorreden auf. »Semir liegt mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus.« – »Bitte? Wieso das?« – »Er kam Sascha, sie wissen schon, Sascha Mirnov von unserer Werkstatt, zu Hilfe, als dieser überfallen und zusammengeschlagen wurden. Sascha ist in der Uni-Klinik auf der Intensivstation. Ich habe Dieter und Jenny zur Überwachung hingeschickt, weil ich vermute, dass die Schläger ihre Tat vollenden wollen, wenn sie erfahren, dass er überlebt hat.« – »Sie meinen, die wollten Sascha töten und Semir hat sie dabei gestört?« - »So sieht es für mich aus, Frau Krüger, wir wollen jetzt sämtliche Überwachungskameras überprüfen, die in der Nähe angebracht waren, vielleicht haben wir die Täter irgendwo drauf.« Kim Krüger überschlug im Kopf den drohenden Arbeitsaufwand. »Wieso sehen Sie dabei unsere Zuständigkeit? Wo ist der Überfall passiert?« – »In der Salzgasse«, gab Alex Auskunft, »das Motiv könnte aber an unserer Autobahn liegen, außerdem sind Sascha und Semir meine Freunde, so sehe ich es schon als eigenen Fall an.« – »Trotzdem sollten Sie die Unterstützung des Innenstadtreviers in Anspruch nehmen, vielleicht können Beamte von dort Dieter und Jenny ablösen? Brauchen Sie mich in der Dienststelle? Ich könnte in einer Stunde dort sein.« – »Nein, Frau Krüger, momentan sehe ich noch keinen Bedarf. Wenn wir das ganze Filmmaterial auswerten müssen, könnte es sein, dass ich auf Ihr Angebot zurückkommen werde.« – »Ich schaue dann später in der PAST vorbei. Wie geht es Gerkan?« – »Ich war gerade bei ihm. Er soll wohl zwei, drei Tage im Krankenhaus bleiben, dann noch eine Woche zuhause, aber ich fürchte, da wird Andrea ihn schon festbinden müssen.« Alex glaubte, Kim durch das Telefon hindurch Schmunzeln zu hören. So schätzte sie den erfahrenen Hauptkommissar auch ein. Sie verabschiedeten sich voneinander. Alex versprach, sich zu melden, sobald ihm das Filmmaterial vorläge.

    In der KTU erreichte Alex niemanden, so dass er die private Nummer von Hartmut Freund wählte und nur wenige Augenblicke später den Kriminaltechniker aus der KTU am Apparat hatte. »Alex, Nein! Ich habe Wochenende. Bitte, wenn ihr nicht persönlich betroffen seid, dann lasst mich heute daraus« – »Sind wir, Hartmut, Semir liegt im Krankenhaus, und wir müssen die Typen finden, die ihn niedergeschlagen haben. Und Sascha liegt sogar auf der Intensivstation der Uni-Klinik.« – »Was ist passiert? Wie kann ich euch helfen? Ich mache mich auf den Weg.« Alex schilderte nun zum wiederholten Male die Vorkommnisse der vergangenen Nacht. Hartmut sagte zu, sich um alle möglichen Überwachungskameras zu kümmern, die in der Nähe des Tatorts installiert waren.

    Der Vorsteher des Innenstadtreviers kam Alex nach einer kurzen Unterredung entgegen und stellte zwei Beamte zur Verfügung, die Dieter und Jenny um 14:00 Uhr in der Uni-Klinik ablösen sollten. Dort wollte Alex als nächstes vorbeischauen und sich ein aktuelles Bild der Situation machen. Seine uniformierten Kollegen saßen alleine auf dem Flur der Intensivstation. Claudia war für ein paar Stunden nach Hause gefahren, um mit ihren Kindern und ihren Eltern gemeinsam zu Mittag zu essen. Jenny sagte Alex, Saschas Zustand sei unverändert kritisch. Zu Sascha selbst vorgelassen wurde Alex nicht, das sei den Angehörigen vorbehalten und so kündigte er Jenny und Dieter nur noch die baldige Ablösung durch zwei Beamte des Innenstadtreviers an und machte sich auf den Weg in die PAST.

    Unterwegs telefonierte er noch mit Lena, die nach ihrer Nachtschicht gerade halbwegs ausgeschlafen hatte. »Hi, habe ich dich geweckt?« – »Nein Alex, ich bin schon auf. Ich dachte, du wolltest heute vorbeikommen. Wie war eure Feier gestern?« – »Die Feier war sehr schön, aber dann …« In knappen Worten erfuhr nun auch Alex‘ Freundin von dem Überfall. »Oh mein Gott, das ist ja schrecklich. Und jetzt wollt ihr natürlich die Täter schnappen. Das kann ich verstehen. Dann kommst du heute eher nicht vorbei?« – »Lena, das kann ich noch nicht sagen, vielleicht heute Abend, ich melde mich auf jeden Fall noch mal.« – »Mach das, ich muss erst am Montag wieder arbeiten. Soll ich vielleicht mal bei Andrea vorbei schauen?« – »Da würde sie sich bestimmt freuen. Ich muss jetzt auflegen, bis später. Ich liebe dich.« – »Ich dich auch.«

    Alex lenkte den Wagen auf den Parkplatz der PAST und wartete im Büro auf die ersten Ergebnisse von Hartmut.

    Das ist mir auch gleich durch den Kopf geschossen: Hat Ben seine Platzangst überwunden, oder tritt diese nur auf, wenn er mit Kevin unterwegs ist?
    Der vorbestrafte Kinderschänder weiß, dass er einen Fehler gemacht hat und flieht vor den Polizisten, kommt aber nicht weit. Er wird es schwer haben, den Ermittlern glaubhaft zu machen, dass das Kind schon da lag, als er an die Stelle kam.

    Alex und Semir

    Semir freute sich über den Besuch seiner Familie, und wenn er ruckartige Bewegungen vermied, konnte er sogar für ein paar Minuten das Bett verlassen. Andrea hatte ihm etwas Bequemes zum Anziehen mitgebracht, und so saßen sie um den kleinen Tisch herum. Sie erzählte ihrem Mann von der Zeit, die sie in der Nacht mit Ben bei Claudia in der Uni-Klinik verbracht hatte. Dann fiel ihr etwas ein. »Du Semir?« – »Hmm?« – »Du wolltest mir gestern nach der Feier am Rhein noch etwas erzählen, als wir von Claudias Schreien unterbrochen wurden. Irgendetwas mit unserer Wohnung.« – »Ja, stimmt. Ich hatte ein Gespräch mit unserem Vermieter. Wir haben uns morgens im Treppenhaus getroffen und …« Es klopfte, und Alex betrat das Krankenzimmer. Er trat neben Andrea, begrüßte sie mit einer kurzen Umarmung und klopfte Semir zur Begrüßung auf die Schulter »Hi, Partner! Du bist schon auf?« Dann drehte er den Kopf zu Ayda und Lilly, die sich am Tisch mit einem Puzzle die Zeit vertrieben, und nickte ihnen ein »Mädels« zu, was die beiden zum Kichern brachte. »Mädels!«, äffte Ayda ihn in einer gespielt tiefen Tonlage nach, und jetzt alberten die beiden Kinder noch mehr und steckten auch die Erwachsenen mit ihrem Lachen an. Alex schüttelte seinen Kopf und wunderte sich. »Habe ich irgendwas gesagt?«

    Semir zuckte mit den Schultern.»Und Semir, wie geht es dir? Besser?« Er hatte es zwar schon von Andrea am Telefon erfahren, wollte es aber auch aus dem Mund seines Partners hören. »Wird schon«, lautete dessen Befund, »heute Morgen war mir noch etwas schwindelig, aber ich denke, das wird sich auch bald geben. Was macht die Fahndung?« Alex zuckte mit seinen Schultern und schüttelte mit bedauerndem Gesichtsausdruck sein Haupt. »Nichts. Die sind uns einfach durch die Lappen gegangen. Aber kannst du dich an das Gespräch mit Sascha gestern Morgen erinnern, als er uns von dem Transporter erzählte? Ich habe das Kennzeichen mal durch den Computer gejagt und siehe da, es ist gefälscht. Sascha hatte also recht gehabt, da stimmt etwas nicht.« – »Mist. Und ich habe ihm noch vorgeworfen, er würde zu viele Krimis sehen. Und jetzt liegt er im Koma. Hätten wir doch nur gleich reagiert.« – »Koma?« Andrea nickte zustimmend. »Ja, künstliches Koma. Sie werden ihn erst mal nicht aufwecken, die Verletzungen sind zu schwer.« Alex atmete hörbar aus. »Das hört sich nicht gut an.« – »Ganz und gar nicht«, stimmte Semir ihm zu, »und wir müssen von einem Zusammenhang ausgehen zwischen diesem Transporter und dem Überfall gestern Nacht.« Alex nickte. »Ja, ich habe schon Jenny und Dieter in die Uni-Klinik geschickt, falls sie auf die Idee kommen, ihre Tat zu vollenden.« – »Was mag da in diesem Transporter vor sich gehen?«, fragte Semir mehr sich selbst als Alex. Dann stand er langsam auf und ging die zwei Schritte zu seinem Bett, um sich hinzulegen.

    »Sollen wir lieber gehen? Möchtest du deine Ruhe haben?«, fragte Andrea besorgt, doch Semir winkte ab. »Nein, ich wollte mich nur wieder hinlegen.« Dann sah er wieder Alex an. »Was willst du jetzt unternehmen?« – »Sascha hat doch von der Überwachungskamera gesprochen. Wir brauchen die Aufzeichnungen, ich fahre gleich hin und sehe, was ich kriegen kann.« – »Tu das, beim Anschauen kann ich vielleicht auch helfen.« – »Du?«, mischte sich Andrea ein, »du hast Fernsehverbot in den nächsten Tagen!«, erinnerte sie ihn an die Worte des Arztes. »Andrea!«, entrüstete sich Semir, »dann schaue ich mir die Filme eben auf dem Laptop an.« – »Ich gebe es auf. Kommt Kinder, wir gehen kurz an die frische Luft und schauen mal nach, was der Kiosk in seiner Truhe für uns bereithält. Euer Vater ist mal wieder unvernünftig.« Semir und Alex sahen sich an, dann schaute Alex zu Andrea. »Findest du? Ich finde ihn eigentlich wie immer. Sei doch froh, dass er nicht aufspringt und selber losfährt, um die Überwachungsbänder zu holen«, beschwichtigte er sie.

    Nachdem Andrea mit den Kindern Semirs Zimmer verlassen hatte, wandten sie sich wieder dem Überfall zu. »Ich denke, die Biker waren nur Handlanger oder Auftragsschläger, so wie die vorgegangen sind. Ist dir noch irgendetwas aufgefallen, bevor du niedergeschlagen wurdest?« – »Nein, ich kann mich nur an den Kerl erinnern, der mich mit dem Messer bedrohte und angriff, er war groß, größer als ich.« Semir bemerkte den Blick von Alex und ergänzte: »Okay, das schränkt die Treffermenge nun nicht unbedingt ein, aber über 1,80m war er auf jeden Fall, vielleicht sogar 1,90m, aber nicht so groß wie Bonrath. Er trug eine Sturmhaube und Handschuhe. Dann kam plötzlich hinter mir noch jemand, ich hörte noch eine Stimme »Nick, steig auf, wir hauen ab!« oder so ähnlich, es kann auch Mick oder Pit gewesen sein. Dann wurde ich niedergeschlagen und kam erst wieder zu mir, als der Rettungswagen da war.« – »Claudia sagte mir, die Biker wären in unterschiedliche Richtungen weggefahren, kann natürlich sein, dass sie sich zwei Straßen weiter wieder getroffen haben. Sie konnte zwei Maschinen näher beschreiben. Und …« Semir hob eine Hand, um Alex‘ Rede zu unterbrechen. »Gab es da vielleicht auch Kameras?« – »Kameras?« – »Ja, Alex. Diese Dinger, hinten Okular, vorne Objektiv und dazwischen Film oder Sensor. Verkehrsüberwachung vielleicht. Lass das doch Hartmut mal checken, ob es so was gab.« – »Ich werde dem nachgehen.«