Und da sind die Bösen schon in Tanitas Wohnung. Hoffentlich sind die "Helden" vorsichtig genug und tappen nicht zu dritt in die Falle. Aber mir schwant Böses.
Beiträge von Yon
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Klar, Hartmut übernimmt mit seinem Roboter die Aufgabe, zu der sich THW und Feuerwehr außerstande sehen. Ich gehen auch davon aus, dass die Decke über Ben abgestützt werden soll, und den Pfeiler auf seinem Arm wegnehmen zu können.
Ich kann es mir trotz deiner Beschreibung immer noch nicht so ganz vorstellen, wie Bens Arm da liegt. Wäre da das ganze Gewicht der Brücke drauf, wäre der Arm doch längst Brei, oder nicht? Ich denke mal, dass auch in der Klinik später das Thema der Amputation (sowohl Arm als auch Fuß) noch nicht vom Tisch sein wird, zumal die offenen Verletzungen jetzt schon einige Tage bestehen.
Gut dass Sarah momentan noch nicht den Ort erreichen kann. -
Notruf
Kurz nach der vereinbarten Zeit bog Semir mit seinem BMW auf den Schulhof der Grundschule ein, der zum Abholen der Schüler vom Klassenausflug zum Parken freigegeben worden war. Der Reisebus stand schon da, und überall wuselten Kinder, Eltern und einige Lehrkräfte herum. Ayda hatte schon Semirs Dienstwagen erkannt und lief zu ihrem Vater. »Papa!«, rief sie überrascht, hatte sie doch Andrea erwartet. »Ayda«, begrüßte dieser seine Tochter, »wie war euer Ausflug?« – »Ganz toll, wir sind mit dem Schiff gefahren und haben eine Burg besichtigt. Und es gab Eis für alle.« – »Na klasse, willst du dich schon ins Auto setzen?«
Semir wandte sich zu Aydas Klassenlehrerin. »Guten Abend, Frau Friedrichs«, begrüßte er sie. »Herr Gerkan! Sie holen Ayda heute ab?« Sie machte einen Haken auf der Liste, die sie in der Hand hielt. »Na, der Ausflug scheint ja gut angekommen zu sein.« – »Ja, aber wir hatten auch viel Glück mit dem Wetter. Nun fehlen mir nur noch zwei Abholer, dann sind alle Kinder versorgt.« – »Gut, dass Sie so darauf achten. Sie wollten meiner Frau oder mir noch etwas mitteilen?« – »Ja, im letzten Jahr war doch tatsächlich ein Kind nicht abgeholt worden und saß dann hier zwei Stunden lang alleine rum. Seitdem passen wir immer genau auf. Ist nur eine Kleinigkeit«, kam sie dann auf Semirs Frage zurück und übergab ihm einen Briefumschlag, »es geht um das Nachmittagsprogramm in den nächsten Monaten, Ayda wollte gerne am Schwimmkurs teilnehmen, und da der bereits am Montag anfangen soll, bräuchten wir heute noch eine Einverständniserklärung von Ihnen oder Ihrer Frau. Ach, ich sehe gerade, da hinten sind auch die letzten Abholer« – »Aber Ayda kann doch schon schwimmen?« – »Umso besser, es geht auch nicht nur darum, es neu zu lernen, sondern um das Schwimmen an sich. Wir wollen in dem Kurs gerne jedes Kind zum Schwimmabzeichen bringen.«
Damit war Semir, der sich selbst gerne im Wasser aufhielt - so dieses denn aus freien Stücken geschah – einverstanden. Er füllte das Formular aus und gab es der Lehrerin zurück. Dann verabschiedete er sich von Frau Friedrichs, die sich schon zu den nächsten Eltern umdrehte. Semir ging zurück zu seinem Auto, vergewisserte sich, dass Ayda angeschnallt war und rollte dann langsam vom Schulhof auf die Hauptstraße.
Sie waren gerade einige Minuten gefahren, da klingelte Semirs Handy und sogleich klang aus dem Lautsprecher die Stimme von Susanne. »Ja Semir. Susanne, was gibt es denn?« – »Semir, wir haben eben einen Notruf von Alex empfangen.« – »Mist! Susanne, ich habe Ayda im Auto. Ich kann jetzt keine Einsatzfahrt unternehmen. Kannst du nicht schon mal Dieter und Jenny oder jemanden von den Jungs hinschicken? Ich komme dann nach, sobald ich Ayda abgesetzt habe.« – »Die sind alle auf der A4 bzw. A57, da ist die Hölle los wie jeden Freitagnachmittag, und du müsstest gerade in der Nähe sein, kannst du nicht wenigstens mal nachsehen, wir können Alex nicht mehr über Funk erreichen, und er geht auch nicht an sein Handy. Vielleicht steckt er tatsächlich in Schwierigkeiten?«
Semir überlegte hin und her, er warf einen Blick in den Rückspiegel, betrachtete Ayda kurz, die in der Lektüre eines Comicheftes vertieft war, dann antwortete er: »Ich werde meine Tochter auf gar keinen Fall …«Semir dachte kurz an die letzten gefährlichen Situationen, in die er seine Tochter gebracht hatte, weil sie in seinem Dienstwagen saß. Dann schob er jedoch diese Gedanken wieder weit weg, Alex und Ben könnten in Gefahr sein, was war schon dabei kurz nach dem Rechten zu sehen? Er würde sich ewig Vorwürfe machen, wenn …
»Ach was, Susanne, gib mir die Adresse …«
In der Falle
Beim Aufnehmen der Jacke vom Stuhl war der kleine Peilsender, der in einer harten Metallhülle steckte, durch ein kleines Loch im Innenfutter der Tasche gerutscht und mit einem deutlich wahrzunehmenden »KLACK« auf dem Parkett aufgeprallt, was natürlich sofort die Aufmerksamkeit der Männer auf sich zog.
»Was war das?«, fragte einer der Männer und hatte, noch bevor Ben sich bücken konnte, seinen Fuß auf den Sender gestellt und schickte sich nun an, ihn aufzuheben. »Ist es das, was ich denke?«, fragte er noch in gebückter Haltung. Er wies zwei seiner Männer an, sich Ben zu greifen und zerstörte den Sender indem er ihn mit dem Fuß zertrat.
Der gelbe Punkt verlöschte zeitgleich auf Alex‘ Smartphone und auf dem PC-Monitor von Susanne, aber das Mikrofon in Bens Handy funktionierte noch. So erkannte Alex augenblicklich die gefährliche Situation, in der Ben sich befand. Er griff zu seinem Funkgerät. »Susanne, wir haben ein Problem. Ben ist aufgeflogen, schick Verstärkung, ich gehe jetzt rein.« Er fuhr mit seinem Wagen näher an das Haus heran, zog und entsicherte seine Waffe, nahm noch eine zweite Waffe aus dem Handschuhfach, und machte sich auf den Weg zum Haus.
Dort stand Ben mittlerweile sechs Gegnern gegenüber, zwei von ihnen hielten jeweils einen seiner Arme in seinem Rücken nach oben gedrückt, so dass er sich vor Schmerzen kaum auf seinen Beinen halten konnte. »Geht nachsehen«, erteilte der Wortführer nun Befehle an die drei herumstehenden Männer, »er ist bestimmt nicht alleine hier, schaut, ob sich draußen noch jemand herumtreibt!«
Die Angesprochenen verließen das Haus und gingen durch die Gartentür heraus und um das Haus herum in Richtung Straße. Sie waren gerade vor dem Haus angekommen, als Alex auf der Außentreppe zum Keller in die Tiefe schlich. Der Mercedes fiel den Männern natürlich sofort ins Auge, und als sie näher herangingen, erkannten sie in ihm auch den zivilen Polizeiwagen. »Shit! Hier sind Bullen! Sie dürfen hier nicht wegkommen, sonst sind wir geliefert, aber wo ist der Fahrer und ist es nur einer?« – »Geht ihr zurück ins Haus und sucht ihn dort, ich kümmere mich um den Wagen!«
Er überlegte nicht lange, er würde das Auto einfach in Brand stecken, dann könnten sie hier nicht entkommen. Er blickte sich um, sein Blick blieb auf dem Gartenhäuschen hängen, das ist die Idee, dort müsste sich ein Kanister mit Benzin befinden. Nur wenige Minuten später waren die Scheiben des Mercedes zerschlagen, das Benzin großzügig im Innerraum vergossen und der Wagen mit Hilfe seines Feuerzeugs in Brand gesteckt. Auf seinem Gesicht breitete sich ein Lächeln aus. Feuer hat er schon immer gemocht. Er wollte gerade den Kanister, der noch etwa zur Hälfte gefüllt war, zurückbringen, da drangen die ersten Schüsse aus dem Haus. Statt zum Gartenhaus ging er direkt zum Eingang, stellte den Kanister auf der Eingangstreppe ab und stürmte mit gezogener Waffe in die Stadtvilla.
Im Haus hatte Alex mittlerweile durch den Keller das Wohnzimmer erreicht und die Situation erfasst, war dann aber wieder blitzschnell hinter der Tür verschwunden und presste sich an die Wand. Ben wurde von zwei Männern festgehalten, die Alex ihren Rücken zukehrten und sah sich einem weiteren Mann gegenüber. Niemand hielt eine Waffe in der Hand; könnte er schnell genug sein, die beiden Männer niederzuschlagen, Ben zu bewaffnen und den dritten zu überwältigen, bevor sie eine mögliche Waffe gezogen hätten? Nur wie sollte er unbemerkt an die Männer herankommen? Er musste schnell sein und bereit, seinen Gegner notfalls mit Waffengewalt niederzustrecken. Sobald er Ben erreicht hätte, wären sie zu zweit gegen drei. Er holte mehrmals tief Luft, öffnete und schloss seine Fäuste zwei-, dreimal um die Pistolengriffe und stürmte dann das Wohnzimmer. Noch bevor einer der drei Männer auch nur reagieren konnte, lagen die beiden, die Ben festhielten schon je von einem Schlag niedergestreckt auf dem Boden. Alex zog Ben schnell in Deckung hinter das Sofa und konnte den dritten schnell mit einem gezielten Schuss auf das Parkett schicken, als dieser nach seiner Waffe griff. »Hier«, Alex überreichte Ben die eine Waffe, »sei sparsam, ich habe keine Ersatzmunition hier. Und jetzt lass uns zusehen, dass wir hier rauskommen, in dieser Ecke sitzen wir in der Falle.« Er wollte sich aus der liegenden Position gerade in den Stand erheben, verriet dadurch aber ihr „Versteck“, gerade in dem Moment, als zwei weitere Männer mit gezogenen Waffen das Wohnzimmer stürmten, ihre Komplizen auf dem Boden sahen, die sich allerdings schon wieder zu regen begannen, und sofort das Feuer auf die Bewegung hinter dem Sofa eröffneten. Auch der dritte hatte, nachdem er den Mercedes in Brand gesteckt hatte, das Wohnzimmer wieder erreicht.
Dort war mittlerweile eine wilde Schießerei im Gange. »Hast du noch Verstärkung gerufen? Weiß Semir Bescheid?«, fragte Ben leise. »Ja, aber das kann noch dauern, bis die hier sind. Warum hast du den Sender verloren? Das fing alles so gut an.« – »Ich ärgere mich jetzt auch ein bisschen«, fluchte Ben ironisch und gab noch einmal drei Schuss über die Sofalehne ab, der vierte war nur noch ein Klicken. Die Antwort folgte auf dem Fuß. Ben schrie auf. »Fuck, ich bin getroffen, Scheiße!« Alex blickte ihn besorgt an. »Wo, Ben?« – »Im Bein, Mist, das brennt!« Seine Jeans begann sich unterhalb des Knies blutrot zu verfärben. Auch Alex hatte seine Munition nach der nächsten Salve aufgebraucht und sank neben Ben zusammen. Das bekamen ihre Gegner mit und auch ihre Waffen verstummten. Sollte es das gewesen sein? Würden sie hier und jetzt ihre letzten Minuten verbringen? Er betete stumm, die Verstärkung möge sich beeilen. »Ihr sitzt jetzt in der Falle, kommt ihr freiwillig raus oder sollen wir euch holen?«
Alex und Ben hörten deutlich das Nähern der Schritte zweier Personen auf dem Parkett und das Durchladen ihrer Waffen. Sie spannten ihre Körper an. Obwohl sie jetzt unbewaffnet waren, kampflos würden sie sich nicht ergeben.
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Während Semir mit seiner furchtbaren Aufgabe beginnt, rücken Chefin und Hartmut mit seinem Roboter näher. Ich bin jetzt gespannt, was dieser Roboter ausrichten kann, abgesehen davon, dass er keine Angst hat, in die Höhle zu "gehen" und ihn wohl auch keine zwifelhaften Vorschriften davon abhalten dürften, eine tonnenschwere Brücke wird auch er nicht abstützen können.
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Nun wird Tanita in eine Schutzwohnung gebracht, was in ihrer Situation mehr als angebracht ist. Ich hoffe, sie kann sich jetzt Merkmale der Polizisten merken, damit sie sie wiedererkennt.
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Das Treffen
Obwohl der Mann Ben gleich auffiel, wartete er ab, bis er von ihm angesprochen wurde. »Herr Jäger?« Ben stimmte mit einem Kopfnicken zu. »Folgen Sie mir bitte!« Das war keine Frage, sondern eine klare Aufforderung. Alex, der in der Halle des Maritim in der Nähe der Eingangstür einen Kaffee im Stehen trank, sah, wie Ben sich vom Haupteingang entfernte. Er nahm sein Handy und wählte Semir an. »Es geht los. Pünktlich sind sie, das muss man ihnen lassen. Das ist Peter Albrecht, ich erkenne ihn von den Fotos. Ich habe den Peilsender auf meinem Handy und gebe ihnen ein paar Straßen Vorsprung.« – »Okay, Alex. Sei vorsichtig!«
Semir erhob sich von seinem Schreibtisch und trat an Susannes Seite, die gleich zur Ansicht der Karte umschaltete, wo sich ein kleiner gelber Punkt durch die Straßen in Richtung Süden bewegte.
Ein paar Minuten verfolgten sie den Peilsender schweigsam, bis eine wohlbekannte Stimme sie streng aus ihrer Konzentration holte. »Gerkan! Haben Sie nichts zu tun? Wo ist Brandt!« Kim Krüger war zurück. »Äh, Alex, äh,«, Mist, er hätte sich gleich eine Notlüge für die Krüger ausdenken sollen, nun war es zu spät, er kam sich vor wie ein Schüler, der beim Spicken erwischt worden war und nun verzweifelt die Herkunft des Spickzettels zu erklären versuchte, »Alex hatte einen Termin, er wollte noch einmal mit einem von Saschas Mitarbeitern sprechen, wegen der Überwachungsbilder.« – »Aber die Bilder haben wir doch längst. Und warum ist er alleine unterwegs?« – »Ich muss heute früher Feierabend machen, ich habe noch einen privaten Termin.« – »Es wäre nur schön, wenn man mir solche Pläne auch mal mitteilen würde.« – »Kam sehr kurzfristig, erst von einigen Stunden, da waren Sie schon weg.« – »Hier macht auch jeder, was er will!«, lautete ihr Schlusswort.
Semir atmete tief aus, als Kim Krüger endlich in ihrem Büro verschwand, und betrachtete mit Susanne weiter den Bildschirm. Der Wagen, in dem Ben saß, näherte sich dem Stadtteil Rodenkirchen im Kölner Süden. Alex war mehrere Kreuzungen hinter ihm.
Ben ging mit dem großgewachsenen Mann vom Maritim aus zu einem in einer Seitenstraße geparkten dunkelgrünen Opel Insignia. Dort sollte er sich auf die Rücksitzbank setzen, sein Begleiter nahm auf der anderen Wagenseite Platz, und der Fahrer fuhr langsam los. Sie bewegten sich unauffällig durch die Straßen von Köln. Ben nahm an, dass Alex ebenfalls bereits in seinem Wagen saß und auch Susanne und Semir ihm auf der Karte folgten. Sie fuhren schweigsam am Rhein entlang in Richtung Süden und kamen durch das Nobelviertel Rodenkirchen. Ein paar Mal bogen sie noch ab, verließen dabei die geschlossene Bebauung und kamen schließlich auf einer Auffahrt zu einer alleinstehenden Stadtvilla aus der Gründerzeit zum Stehen. Das Haus stand auf einem größeren Grundstück, ohne direkte Nachbarn. Gegenüber begann ein größeres Waldstück.
Alex war gefordert, die Karte auf seinem Smartphone im Auge zu behalten und einhändig den Wagen durch die engen Straßen zu lenken. Als er das Haus entdeckte, fuhr er langsam an diesem vorbei, wendete in einer Seitenstraße und blieb in sicherer Entfernung am Straßenrand stehen.
Menschenmarkt
Ben wurde in das Wohnzimmer des großzügigen Hauses geführt. Seit dem Aufbruch am Maritim war zwischen den Männern kein einziges Wort gefallen. Nur die Tatsache, dass für eine Autofahrt typische Hintergrundgeräusche an Alex‘ Ohr drangen, verriet ihm, dass das System funktionierte. Als plötzlich wieder eine Stimme zu ihm drang, zuckte Alex richtiggehend zusammen. »Das Geld haben Sie dabei?« – »Ja, 5.600 € wie vereinbart.« – »Geben Sie es mir?«, forderte der Menschenhändler.
»Wer sagt mir denn«, gab Ben zu bedenken, »dass ich dafür bekomme, was ich will?« Ein trockenes Lachen war die Antwort auf Bens Frage. »Herr Jäger, und wer sagt mir, dass Sie nicht nach unserem Geschäft zur Polizei gehen werden? Unsere Beziehung beruht einzig und allein auf gegenseitiges Vertrauen. Ich vertraue Ihnen und fordere Sie auf, mir dasselbe Vertrauen entgegen zu bringen.« Alex fuhr ein kalter Schauer über den Rücken beim Klang dieser Stimme. Er wusste, ihr Eigentümer war eiskalt und betrachtete die Menschen, die er »vermittelte«, nur als Ware. Der Typ würde für seine Ziele auch über Leichen gehen. War er es vielleicht sogar schon? »Das Geld?«, legte der Kerl nach einer kurzen Pause nach. Was folgte, war das Rascheln von Papier, hier von Geldscheinen. »Dann gehen wir doch mal nachsehen, was wir für Sie tun können. Wenn Sie mir bitte folgen wollen?« Bens Verhandlungspartner klang nun schon zufriedener.
Ben erhob sich und trat hinter seinem Gastgeber in die Diele des Hauses, wo er sich einer breiten, geschwungenen Treppe näherte, die ins Obergeschoss führte. Da der dicke Teppich auf der Treppe jedes Geräusch schluckte, versuchte Ben Alex einen Hinweis über den Weg zu geben. »Nach oben? Ich hoffe, Ihre Auswahl ist reichhaltig, mein Vater hat da ganz spezielle Vorstellungen, die er mir mit auf diesen Weg gegeben hat.«
»Ich bin mir ganz sicher, wir werden uns einig werden. Einen Mann für den Garten und eine Frau für den Haushalt, sagten Sie?« Ben nickte. »Genau.« – »Die Frau nur für den Haushalt und die Küche oder auch für Extrawünsche?«
Ben wollte sich diese Extrawünsche nicht einmal im Geiste vorstellen und winkte gleich ab. »Nein, Küche und Haushalt. Mehr nicht.« Er war sich sicher, diese Menschenhändler hätten für die abartigsten Vorlieben das richtige Material auf Lager. Es wurde wirklich Zeit, dass der Bande das Handwerk gelegt würde. Er betrat hinter den Männern ein ebenso geräumiges Wohnzimmer, wie das im Erdgeschoss. Ben hatte schon damit gerechnet, hier mehrere Personen anzutreffen, doch auf diesen Anblick war er nicht gefasst.
Das Zimmer war unmöbliert, die altmodische Hängelampe wirkte mitten im Raum so fehl am Platz und ließ einen Tisch darunter vermissen. Nun war der Raum mit Matratzen ausgelegt, zwischen denen lediglich schmale Gänge zum Durchgehen freigelassen waren. Etwa 30 bis 40 Menschen beherbergte der Raum, Männer, Frauen, zumeist im Alter zwischen zwanzig und dreißig, aber auch einige Jugendliche und Senioren konnte Ben erkennen. Es waren die unterschiedlichsten Nationalitäten vertreten, Asiaten, Osteuropäer, Afrikaner. Das herrschende Stimmengewirr in den verschiedensten Sprachen verstummte schlagartig, als die Gruppe um Ben eintrat.
»Deutschkenntnisse erwünscht?«, wurde Ben gefragt und antwortete mit einem »Nicht zwingend«. Der Menschenhändler wies auf eine dunkelhäutige Frau und einen kräftigen jungen Mann und winkte sie zu sich.
Während Ben sich im Obergeschoss die Arbeiter für seinen Vater näher anschauen durfte, was ihm wie ein altertümlicher Sklavenmarkt vorkam, hielten sich im Erdgeschoss fünf weitere Männer auf, die das Grundstück im Auge behielten. Den Bewohnern war es zwar gestattet, sich im Obergeschoss frei zu bewegen, nicht aber das Haus zu verlassen oder sich am Fenster blicken zu lassen, um nicht von vorbeigehenden Passanten oder aus vorüberfahrenden Autos entdeckt zu werden.
Ben wählte nicht die vorgeschlagenen Kandidaten, sondern heuchelte Interesse an anderen Personen vor und wies dann auf eine Frau und einen Mann. Schließlich wollte er für sein Geld die beste Ware erhalten. Gemeinsam mit den beiden Arbeitern, die dem Aussehen nach aus einem osteuropäischen Land stammten, verließen die beiden Händler und Ben das Obergeschoss wieder.
»So, bezahlt haben Sie, die nächste Zahlung ist dann am Ende des nächsten Monats fällig, wir werden uns bei Ihrem Vater melden. Jetzt sagen Sie uns noch, wohin wir Sie bringen sollen, dann wäre der Handel unter Dach und Fach.«
»Zurück zum Maritim, dort steht mein Auto«, antwortete Ben und griff sich seine Jacke, die er etwas sorglos über einen Stuhl gehängt hatte, und augenblicklich erstarrten alle Anwesenden im Raum in erschrockener Reglosigkeit. Alle Blicke blieben auf Ben haften, richteten sich dann gleichzeitig auf den Fußboden und sogar Alex im entfernt stehenden Wagen meinte, die knisternde Spannung im Raum körperlich spüren zu können.
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Ich meine sie ist jetzt zehn oder elf.
Gehen wir von der Erstausstrahlung der Folge "Flashback" aus (11.Mail 2006) ist Ayda noch einmal 9.
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Na ja, wenn Kolja und der Nachbar von Konrad geschwiegen hätten, wäre der Kontakt ja nicht zustande gekommen, irgendjemand muss ja Fehler machen ...
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Welche Angebote?
Schon mal was von Einkaufen gehört? Zumindest gehe ich mal davon aus, dass Melli keine unsittlichen Angebote meinte
Ja, ich freue mich auf Donnerstag
Die Person nach mir sammelt irgendwas (was nicht mit Cobra 11 zu tun hat)
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Ben hat mit seinem Leben abgeschlossen und gibt Semir in einem endlos scheinenden Monolog die letzten Worte mit auf den Weg, aber als es um seinen Arm geht, willigt er zunächst nicht ein. Aber da das die einzige Möglichkeit wäre, auch Semir nicht dem sicheren Tod auszusetzen und er auch selbst ein bisschen an seinem Leben hängt, willigt er ein. Sein Arm würde also ihnen beiden das Leben retten.
Inzwischen ist auch die Chefin vor Ort. Macht sich denn eigentlich irgendjemand mal einen Kopf, wie sie den Einsturz der Brücke doch noch aufhalten können?
Brummer wird seinen Racheplan mit einer Armbrust vollenden? Die Waffe hatten wir lange nicht mehr! -
Bitte? Eine Verwechslung? Na, der "gute Forscher" wird noch wundern, mit wem er sich da anlegt. Ich hoffe, Semirs Rache (Polizist hin oder her) wird grausam sein. Doch zunächst muss Ayda es ausbaden.
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Die Zeugin ist mit Bild in der Zeitung und ihr Autokennzeichen den Bösen auch bekannt? Und die sind schon auf der Suche nach ihr. Hoffentlich wird die Polizei sie schützen können. Egal, ob sie Ben, Faber oder Semir erkennen kann, Tanita muss sich bei der Polizei melden.
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Vertrag
Gleich im Anschluss an das Telefonat mit Semir begann Ben, seine Idee in die Tat umzusetzen. Michael Werner rief seine Kontaktperson an und warb für Konrad Jäger als nächsten Kunden, der dringend ebenfalls zwei Leute für Haus und Garten bräuchte und bereit wäre, denselben Preis dafür zu zahlen, wie er. »Sie rufen zurück.« Ben nickte, es begann eine Zeit des Wartens, in der Ben den Nachbarn seines Vaters davon überzeugte, das Richtige zu tun und für seine Mitarbeit bestimmt bei einer späteren Gerichtsverhandlung mildernde Umstände erhalten zu können.
Aber dann klingelte das Telefon und Ben hatte Oliver Glaser am Apparat. »Sie sind der Bauunternehmer Konrad Jäger?« – »Ich bin sein Sohn und habe von meinem Vater jede Vollmacht erhalten, für ihn in dieser Sache tätig zu werden. Mein Vater ist beruflich leider verhindert.« – »Sie wollen zwei Arbeiter haben, und ich kann sie Ihnen liefern.« – »Dann wären wir doch schon im Geschäft«, stellte Ben fest. »So sieht es aus. Die Übergabe könnte morgen Nachmittag stattfinden«, schlug Oliver Glaser vor. »Okay, Herr Werner sagte mir, Sie bekämen das Geld für zwei Monate im Voraus und die Übergabe fände an der Autobahn hinter der Werkstatt eines Sascha Mirnov statt?« – »Ja und Nein. Wir bekommen 5.600€ Vorauszahlung von Ihnen bar auf die Hand, da liegen Sie richtig, aber der Übergabeort hat sich verändert. Der Platz an der Autobahn ist, wie sagt man, verbrannt, wenn Sie verstehen, was ich meine. Zu viele neugierige Augen.« – »Da sagen Sie was Wahres«, heuchelte Ben Verständnis vor, »das hat unserer eins ja ständig und überall. Sagen Sie mir, wo ich hinkommen soll, und ich werde da sein.« - »Seien Sie morgen um 14:00 Uhr am Haupteingang des Maritim in Köln, wir holen Sie ab.« – »Okay, wie erkenne ich Sie?« – »Wir werden Sie erkennen, seien Sie einfach pünktlich da.« Es klickte in der Leitung, Glaser hatte wortlos das Gespräch beendet. Ben war zufrieden. Bis zum nächsten Tag hatte er genug Zeit, mit Semir und Alex eine Beschattungsstrategie auszuarbeiten. Schlimm wäre gewesen, wenn der Deal innerhalb der nächsten Stunden hätte über die Bühne gehen sollen. Er rief Semir an und verabredete sich mit ihm und Alex in der PAST für Freitagmorgen.
Semir und Alex hatten einen ruhigen Donnerstag gehabt und den Tag ebenso wie den Mittwoch zuvor schon damit verbracht, die von Susanne ermittelten Adressen abzuklappern. Doch überall standen sie vor verschlossener Tür, auch die jeweiligen Nachbarn konnten keine Auskunft über den aktuellen Aufenthaltsort der Wohnungsinhaber machen, wenn sie sie überhaupt in den letzten Wochen zu Gesicht bekommen hatten. Kunden der Menschenhändler haben sie noch nicht aufgesucht, weil sie den geplanten Kontakt mit ihnen nicht gefährden wollten. Zu leicht hätte einer der Kunden Glaser oder seine Komplizen über die Ermittlungen in Kenntnis setzen können. So war das Telefonat mit Ben vor und nach seiner Kontaktaufnahme mit Oliver Glaser das einzige konkrete Tagesergebnis der Polizisten.
Semir hoffte, dass die Aktion am Freitag Erfolg haben würde, denn ein Fehlschlag wollte er der Chefin nicht beichten müssen, zumal die von der ganzen Aktion natürlich nichts wissen sollte.
Vorbereitungen
Gegen neun Uhr traf Ben in der PAST ein und ging direkt in das Büro von Alex und Semir. Kim Krüger war zum Glück zu einer Besprechung im Präsidium, sonst hätte Semir sich einen anderen Ort für ihre Zusammenkunft aussuchen müssen. Aber so war die Luft rein in der PAST. Hartmut hatte bereits das Equipment vorbei gebracht, Peilsender und Mikrofon, letzteres so klein, dass es im aufgeschraubten Handy Platz fand, und so bei einer Tascheninspektion nicht als solches entdeckt werden konnte. Den Peilsender sollte Ben in seine Jackentasche stecken. Alex und Semir würden alles hören, was gesprochen würde und könnten den Aufenthaltsort auf einer Karte im Smartphone verfolgen. Zur Sicherheit hatte auch Susanne auf ihrem PC die Möglichkeit, dem Peilsender zu folgen.
Auf diese Weise konnten Semir und Alex Ben in sicherer Entfernung hinterher fahren und bei Gefahr eingreifen. Sie testeten die Verbindung und gegen Mittag waren sie gerüstet. Die drei wollten gerade zu einem gemeinsamen Mittagessen aufbrechen, bevor sie in die Kölner Innenstadt fuhren, als Semirs Telefon klingelte.»Andrea, mein Schatz«, meldete er sich, nachdem er das Foto seiner Frau auf dem Display gesehen hatte, »was gibt es?« – »Semir, du musst mir einen Gefallen tun und Ayda an ihrer Schule vom Bus abholen. Ich muss mit Lilly zum Arzt. Und du weißt, wie lange ich da das letzte Mal gesessen habe. Ich hatte vergessen, es mit dir heute Morgen zu besprechen.« – »Muss das sein, wir haben gleich einen Einsatz?« Semir verdrehte die Augen. »Wann kommt der Bus denn an?« – »Um 15:30 Uhr soll er an der Schule sein. Aydas Lehrerin wollte gerne etwas mit dir oder mir besprechen, ich hätte sonst Leonies Mutter gebeten, Ayda mitzunehmen.« Semir blickte zu Alex und Ben, die schon in der Bürotür standen, fertig zum Gehen, und mit ihren Köpfen nickten. So beschloss er, seiner Frau nachzugeben. »Ich werde da sein, Andrea, 15:30 Uhr an der Schule. … Nein, das ist kein Problem. Ich hab‘ dich lieb. Bis später.«
Er legte auf. »Mist! Alex, schaffst du die Überwachung alleine? Ayda kommt von einer Klassenfahrt zurück und einer von uns muss sie abholen. Andrea muss mit Lilly zum Arzt. Ich könnte dir Erik oder Jenny mitgeben.« – Nein Semir, kein Problem. Ich bin doch schon groß. Und wir planen ja auch heute noch keinen Zugriff, sondern nur eine kleine Erkundungstour. Du holst deine Tochter ab, nicht dass du dich wieder mit Andrea erzürnst. Ist Lilly krank?« – »Nein, ist eine reine Routine-Untersuchung.«
»Dann kannst du mit uns ja noch zum Maritim kommen und sehen, wen Ben dort trifft«, schlug Alex vor. »Nein lieber nicht«, winkte Semir ab, »wenn der Typ am letzten Freitag auch dabei war, ist es besser, ich ließe mich dort nicht blicken. Lasst uns Mittagessen gehen. Und dann bleiben wir über Funk in Kontakt. Aber wenn du Hilfe brauchst, Alex, dann rufst du mich sofort an, hörst du?« – »Ja, Papa«, antwortete Alex, und Ben musste laut loslachen, als er sich daran erinnerte, was er auf dieselbe Antwort am Vortag von dem älteren Hauptkommissar zu hören bekam. »Das heißt nicht ‚Ja, Papa‘«, belehrte er Semirs jungen Partner, »sondern ‚Ja, Semir, das ist doch so selbstverständlich, dass du es nicht extra erwähnen musst.«
Alex fiel in das Gelächter ein. Semir hatte Mühe, ernst zu bleiben und rang sich dann zu einer Antwort durch: »Jetzt macht, dass ihr hier rauskommt. Ein bisschen mehr Respekt gegenüber älteren Kollegen, wenn ich bitten dürfte.« Aber dann musste auch er lachen.
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Na, bei dem Kapitel hat dir Wikipdia aber mächtig geholfen ...
Aber jetzt haben die "Helden" zumindest eine Vorstellung davon, worunter ihre Zeugin "leidet". Hoffentlich verwechselt sie nicht später Faber und Ben, denn die müssten nach deiner Beschreibung eine gewisse Ähnlichkeit aufweisen ...
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vielleicht haben sie auch einfach mit ner Betonmischmaschine aus Sand, Zement und Wasser den Fundamentbeton selber gemacht?
Ich dachte eigentlich eher an eine Maurerbütt und Schaufel, also Handarbeit.
Und ob Ben und Kolja schon mal einen Zaun eingesetzt haben, weiß ich natürlich nicht, und ob der später wackelt, interessiert sie wahrscheinlich auch nicht weiter. -
Das kann er doch von Semir nicht verlangen! Da stehen gefühlt Tausend Helfer herum und keiner darf rein oder traut sich nicht, sich über die Vorschrift hinwegzusetzen? Wenn es die allerletzte Möglichkeit wäre, Bens Leben zu retten, okay, aber das kann und will ich nicht glauben.
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Geschäftsmodell
Am Donnerstag half Ben dem Gärtner Kolja, den von ihm am Vortag umgefahrenen Gartenzaun im Vorgarten von Michael Werner komplett zu entfernen und den aufgerissenen Boden im Vorgarten einzuebnen. Das Gartencenter hatte bereits neue Zaunelemente, Stützpfosten, sowie Beton für das Fundament und ein paar neue Pflanzen für den Garten geliefert.
Die Arbeiten zogen sich über mehrere Stunden hin. Gemeinsam hoben die beiden Männer Löcher für die Pfosten aus, schütteten ein Fundament und setzten die Stützen ein. Nach und nach nahm der neue Gartenzaun Gestalt an. Während der Arbeit und der damit verbundenen Wartezeiten, kam Ben mit Kolja ins Gespräch.
Der Usbeke, der vor einigen Wochen mit seiner Schwester Sonja aus seiner Heimat nach Deutschland gekommen war, erzählte dem ehemaligen Polizisten bereitwillig, wie sie ihr Land verlassen hatten. Über Beziehungen wäre der Kontakt zu Oliver Glaser zustande gekommen. Als dieser mal wieder alte, ausrangierte Möbel aus Deutschland und Österreich nach Usbekistan fuhr und wertvolle Antiquitäten im Gegenzug nach Deutschland transportierte, die hier Liebhabern alter Möbel viel Geld wert sein dürften, konnten sie sich gemeinsam mit einer Gruppe anderer junger Menschen in einem extra abgegrenzten Teil des LKW verstecken und wurden so nach Deutschland geschmuggelt. Sie hatten an den Grenzen Glück, es wurden nur die Papiere kontrolliert und ein flüchtiger Blick auf die Ladung geworfen. So gelangten sie in das Landhaus in der Eifel. Mit jeweils 10.000€ waren sie in Vorkasse getreten, das Geld hatten sie sich in der gesamten Verwandtschaft zusammengeliehen. Jetzt hätten Sonja und er noch zwei Jahre für die Schleuser zu arbeiten, dann wäre der Transport bezahlt.
»Ich bin froh, dass ich als Gärtner arbeiten kann und Sonja als Haushaltshilfe. Einige der anderen Frauen sind auch an Bordelle vermittelt worden. Und in zwei Jahren bekommen wir Papiere und können uns eine andere Arbeit suchen und auch eine Wohnung. Sonja möchte gerne noch ihr Abitur nachholen und später studieren.«
Ben überschlug im Kopf den Ertrag. In den letzten Wochen waren hinter Saschas Werkstatt etwa 50 Personen vermittelt worden, wenn jeder von diesen auch 10.000€ hingeblättert hatte, wären das schon eine halbe Million, dazu kamen die monatlichen »Erlöse«, 1400€ pro Monat hatte Michael Werner genannt, das sind für 50 Personen 70.000€ pro Monat, das macht in zwei Jahren ... eine ganz erkleckliche Summe Geld. Und das nur für die Leute, die sie auf dem Überwachungsvideo der letzten Wochen identifiziert hatten. Kein schlechter Ertrag, wenn das Geschäft nicht aufgeflogen wäre. Aber wer hätte es schon verraten sollen?
Die Arbeitgeber oder „Käufer“ machten sich alle mitschuldig und würden sich bei einer Aussage selbst ans Messer der Justiz liefern. Die Opfer, ja, Ben war in der Tat geneigt, sie ‚Opfer‘ zu nennen, wären in dem Fall, dass das Geschäft mit ihnen aufflog, einer Ausweisung nah. Und die Täter selbst waren nur an dem Geld interessiert, die würden eh die Klappe halten. Nach außen hin, den Nachbarn gegenüber, sah alles nach einer legalen Beschäftigung aus. Michael Werner war finanziell durchaus in der Lage, Hausangestellte zu beschäftigen. Und zwei Jahre, das ließ sich sogar als »Au Pair« erklären. Die Chance, dieses Geschäft längere Zeit am Laufen zu halten, lag also nicht einmal so schlecht. Zweifel hatte Ben allerdings an der Echtheit der den Arbeitskräften nach zwei Jahren in Aussicht gestellten Papieren.
Ben überlegte und hatte dann eine Idee, die er unbedingt mit Semir besprechen musste. Vielleicht gab es einen Weg, sich als Kunden auszugeben und so an die Hintermänner heran zu kommen. So rief Ben noch am Nachmittag bei seinem Freund an.
Bens Idee, oder 3:1
»Nein, Ben! Auf gar keinen Fall!«, war Semirs erste Reaktion, nachdem ihm Ben seine Idee vorgetragen hatte, »du wirst dich da raushalten, das ist Sache der Polizei!«Doch so leicht ließ sich Ben die Sache nicht ausreden. Er wollte nicht stundenlang einen Gartenzaun errichtet haben, um sich nun die dabei geschmiedete Idee einfach wieder ausreden zu lassen, so sehr er auch Semirs Meinung respektierte. Sein Freund und langjähriger Partner hatte meistens recht, wenn er ihn vor etwas zurückhalten wollte. Doch dieses Mal war Ben überzeugt, die besseren Argumente auf seiner Seite zu haben.
»Semir«, begann er seine Überzeugungsbemühungen, »das ist doch die große Chance, an die Hintermänner heranzukommen, denk‘ doch mal daran, was sie Sascha und dir angetan haben! Oder habt ihr schon eine andere heiße Spur?« – »Nein, Alex und ich haben zwar Namen und Adressen, aber bisher niemanden angetroffen.« – »Siehst du, und ich könnte dir alle sechs auf einen Schlag liefern, also 1:0 für mich!«
Als Semir nicht gleich antwortete, legte Ben gleich nach: »Jetzt denk‘ doch mal nach. Du kannst da nicht hingehen, dich würden sie sofort wiedererkennen. Also 2:0 für mich« – »Aber Alex könnte es machen, den haben sie am letzten Freitag nicht gesehen, also 2:1«, versuchte Semir gegenzuhalten. Semir war ganz und gar nicht wohl bei dem Gedanken, Ben könnte sich in eine Sache einmischen, die ihn zwar persönlich interessierte, die aber auch in den Zuständigkeitsbereich der Polizei fiel und ihn obendrein in Gefahr bringen könnte.
»Der Punkt zählt nicht. Sie haben Michael Werners Hintergrund genau durchleuchtet, die hätten in wenigen Minuten herausgefunden, dass Alex Polizist ist. Mich kennen sie nicht, ich bin von Beruf Sohn und bestenfalls Musiker, mein Vater könnte von seinem Nachbarn eine Empfehlung erhalten, also 3:0, mein Bester!«
Semir fiel nichts mehr ein. Das letzte Argument war nicht zu widerlegen. »Semir? Bist du noch da? Komm, ich lass den einen Punkt gelten, 3:1, aber sag was!«
»Aber du nimmst Alex und mich als Backup mit!« – »Hmm« – »Doch, das ist meine Bedingung, das musst du mir versprechen, Ben!«, beharrte Semir.»Ja, Papa«, kam kleinlaut von Ben. »Nicht ‚Ja, Papa‘, sondern ‚Ja, Semir, genau das wäre mein nächster Vorschlag gewesen!‘« Ben zögerte. Es entstand eine kurze Pause in ihrem Gespräch. »Los, sag es!« – »Ja, Semir. Die Idee mit dem Backup hätte von mir kommen können.«
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Ich finde, es passt besser zur Folge als zur Staffel.
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Warum will denn Faber nicht mit zu Hartmut? Bin auf Hartmuts Wissen in Sachen Gesichtsblindheit gespannt.
Susanne gefällt Faber - warum auch nicht? Da ist das Kaffee kochen und vorbeibringen ja schon mal eine gute Gelegenheit, mit dem Kollegen aus D'dorf ins Gespräch zu kommen. -
Semirs Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten, auf einem Weg von etwa fünf Minuten ist Ayda verschwunden. Letzte Spur: ihre Haarspange im Sand auf dem Spielplatz. Das sieht so aus, als hätte sie sich gegen den Angreifer gewehrt, was für eine grausame Vorstellung! Was allerdings bleibt, ist die Frage: Warum? Und warum Ayda?