Beiträge von Yon

    Gell Yon, den Status „Held“ gibt mal nicht mit seiner Polizeimarke ab, oder?

    @Darcie:

    Ganz im Gegenteil, der "Helden"-Status wird dadurch ja sogar noch erhöht. Denn während Semir von Beruf "Held" sein muss, ist Ben freiwillig "Held" und klettert damit auf der "Helden"-Skala (die von 1-10 reicht) auf eine glatte 12.

    21. Wiedersehen

    Ben drückte Ayda gegen einen Baum. „Scht…. Ich höre was, da ist jemand“, flüsterte er ihr ins Ohr. Es hatte in der Nähe geknackt, als ob jemand auf einen Zweig getreten wäre. Ben hob seine Arme mit dem Schlagstock. Es knackte wieder. Dann sah er einen Schatten vorbeihuschen, trat blitzschnell hinter dem Baum hervor und schlug zu. Der Stock sauste nieder und traf die Person am Schienbein.

    „Aua. Verdammt!“, stieß diese aus und ging zu Boden. Ben wollte sich gerade auf den vermeintlichen Gegner stürzen, zuckte bei dem Aufschrei aber zusammen. Die Stimme war ihm nur allzu gut bekannt. Und auch Ayda war hellhörig geworden. Gleichzeitig stießen sie aus: „Semir?“, „Papa?“. Ayda warf sich schluchzend auf ihn. „Papa!“ Er schloss seine Tochter fest in die Arme und strich ihr sanft über den Rücken. „Ayda!“ Andrea war mittlerweile bei der Gruppe angekommen, erkannte, wen sie angetroffen hatten und rief ihre Tochter, die ihr gleich entgegenlief und in die Arme sprang.

    Ben half Semir auf die Beine, der gleich zu Fluchen begann: „Ja verdammt, warum schlägst du mich nieder?“ - „Sorry, ich habe dich nicht erkannt“, entschuldigte sich Ben kleinlaut. „Na, das wäre ja auch noch schöner!“, stöhnte Semir und rieb sich sein Schienbein, „was macht ihr überhaupt hier? Wir suchen euch seit Stunden!“ - „Das ist eine lange Geschichte“, begann Ben. „Mach es kurz! Wir haben die Fotos gefunden. Die Männer auf den letzten Bildern, haben die etwas mit eurem Verschwinden zu tun? Mit wem habt ihr euch da angelegt?“ – „Kurz? Ja, haben sie, und ich weiß es nicht. Wie weit ist es noch zu eurem Haus?“ – „Etwa eine Stunde“, gab Semir die gewünschte Auskunft und versuchte ein paar Schritte zu gehen, was zu seiner Verwunderung besser gelang, als er befürchtete. Er blieb kurz stehen und sah Ben ins Gesicht. „Bin ich froh, dass wir euch gefunden haben. Wir hatten uns echte Sorgen gemacht.“ Er erreichte leicht humpelnd Andrea, die auf dem Waldboden kniete und eine jetzt in Tränen aufgelöste Ayda im Arm hielt. „Kommt ihr?“, fragte er sanft, ging etwas in die Knie und legte beiden je eine Hand auf die Schulter, „wir sollten jetzt zum Haus gehen.“

    Auf dem Heimweg ließ sich Semir von Ben erzählen, was in den letzten acht Stunden alles vorgefallen war.

    ***

    2 Stunden später

    „Sie schläft jetzt“, berichtete Andrea, die eben Ayda in ihr Bett gebracht hatte und nun die Treppe hinunter kam. Sie nahm sich ein Bier aus dem Kühlschrank, was sehr selten vorkam, ihr in der heutigen Situation aber adäquat erschien, und setzte sich zu Ben und Semir an den Esstisch, die mittlerweile die Fotos auf Andreas mitgebrachten Laptop gespielt hatten, und klickte sich durch die Fotos, sortierte einige verwackelte Bilder aus und speicherte die übrigen Bilder in der Dateiablage. Sie schmunzelte über den Zeltaufbau von Ben. „Das Bild ist doch sicher gestellt?“, fragte sie in einem Tonfall, der ahnen ließ, dass sie exakt vom Gegenteil überzeugt war. Dann richtete sie das Foto vom Richtfest, per Selbstauslöser fotografiert, gleich als neues Hintergrundbild ein.

    Sie tranken schweigend ihr Bier aus. Dann erhob sich Andrea und meinte: „Ich werde jetzt zu Bett gehen, bleibt nicht zu lange auf, ja?“ Sie beugte sich zu Semir, gab ihm einen Kuss und wandte sich dann zur Treppe. „Wir kommen auch gleich hoch“, versprach dieser. „Was willst du jetzt machen, Semir?“, fragte Ben, „so wie ich dich kenne, wirst du die Männer jagen, bis du sie hast. Aber es ist eigentlich nicht dein Fall. Die Polizei hier wird sich darum kümmern.“ – „Ben, wenn meine Tochter und mein bester Freund einen halben Tag lang von drei Verrückten durch den Wald gejagt werden, dann ist das – verdammt noch mal - sehr wohl mein Fall. Ich werde die Polizei hier morgen schon verständigen, keine Sorge“, Semir blätterte durch die Urlaubsfotos seiner Tochter, ging wieder zu den letzten Bildern und blieb an der Aufnahme der drei Männer in dem Motorboot hängen, die einen großen Gegenstand über Bord hievten. „Meinst du, das Bild reicht aus, um eine Suchaktion im See zu begründen?“ – „Lass uns nachher weiter beraten, ich bin jetzt echt zu müde“, war die Antwort von Ben. Er erhielt nur ein Nicken zur Antwort. Semir fuhr den Rechner runter, und die beiden Freunde gingen nach oben, wo sich Semir zu seiner Frau und Ben in das freie Bett im zweiten Zimmer, in dem Ayda bereits schlief, legten und sofort einschliefen.

    Hoffentlich ist dieser Berghoff Semir suspekt genug, ihn etwas näher unter die Lupe zu nehmen. Vielleicht finden sie im Porsche irgendwelche Fasern, wie sie nur in mittelalterlichen Kostümen verwendet werden, wenn sie denn endlich diesen Wagen gefunden haben.
    Eigentlich müsste doch jeder Polizist danach Ausschau halten. Bonrath und Jenny kontrollieren schließlich auch jeden Rastplatz ;)

    20. Der Wanderweg 2

    Zunächst konnten Semir und Andrea nebeneinander gehen, aber bald war der Wanderweg so zugewachsen, dass sie hintereinander laufen mussten. Dieser Weg war sehr viel weniger frequentiert, als der andere, da er wesentlich länger war. So hatten die Büsche sich ungehindert ausbreiten können. Sie trotteten etwa zwei Stunden, dann verriet ihnen eine Laterne ihre Ankunft am Ankerplatz. Mittlerweile hatte die Dunkelheit den Tag verdrängt. Hier am Ankerplatz war auch der einzige Zufluss zum See. Der sogenannte Mühlenbach mündete mit einer niedrigen Kaskade in den See und verursachte so ein ständiges Rauschen, normalerweise sehr angenehm im Klang, aber in diesem Moment sehr störend, da es sämtliche Geräusche der Umgebung übertönte. Über den Fluss spannte sich eine Bogenbrücke aus Holz, die von gedämpften Scheinwerfern angestrahlt wurde. Es war insgesamt ein schönes Plätzchen, und wäre der Anlass nicht so bedrückend, hätten Andrea und Semir ihren Besuch sicher genossen.

    Einige kleinere Motorboote lagen hier am Steg festgebunden oder in der kleinen Bucht vor Anker. Auf einer Wiese lagen mehrere umgedrehte Segeljollen und Kanus. Von Ben und Ayda keine Spur. Auch andere Leute waren nicht zu sehen. Hier war der Tag definitiv zu Ende, die Bootsfahrer waren zuhause oder in ihren Ferienunterkünften.

    Semir erschrak, als sein Handy klingelte, so sehr war er in Gedanken. Es war Sven, der Zeltnachbar von Ben, der ihm mitteilte, dass seine Suche am Ankerplatz und auf dem Wanderweg von diesem zum Zeltplatz, den er alleine abgelaufen war, nicht von Erfolg gekrönt war. Bens Zelt war anscheinend unberührt geblieben. Semir bedankte sich noch einmal bei ihm für seine Mithilfe.

    Jetzt hatten sie den gesamten See einmal vollständig umrundet, waren müde und ausgelaugt und hatten noch 7 km zurückzulegen, um wieder in ihr Ferienhaus zu gelangen. Wo konnten Ben und Ayda nur stecken? Waren sie vielleicht gar nicht mehr in der Nähe des Sees? Das Wort „Entführung“ tauchte so plötzlich wie ein Drohgespenst in Semirs Kopf auf, dass er sich setzen musste. Und zwar auf eine der umgedrehten Jollen. Er stützte seinen Kopf in seine Hände und blickte auf den See hinaus, wo sich der Mond auf den kleinen Wellen spiegelte. Aber er hatte keinen freien Gedanken für dieses schöne Naturschauspiel. Er blickte auf das Wasser, aber sah es nicht. Vor seinen Augen versuchte er sich wieder und wieder die Fotos in Erinnerung zu rufen, die auf Aydas Kamera gespeichert waren. Ob das Motorboot wohl hier lag, mit dem die Männer auf Ayda zugefahren waren? Oder ob sie es hier am Slip zu Wasser gelassen und bereits wieder weggebracht hatten? Er musste morgen mit den Fotos wieder herkommen und das Boot suchen. Vielleicht trifft er dann auch jemanden an, der sich an die drei Männer erinnern konnte.

    Semir war so sehr in Gedanken vertieft, dass er erst gar nicht bemerkte, wie Andrea sich neben ihn setzte. Eine Zeitlang sagte keiner etwas. Dann sprach Andrea leise etwas aus, was auch Semir schon in den Sinn gekommen war. „Wir finden sie nicht, Semir. Sie sind nicht hier.“ Er legte einen Arm um seine Frau. „Wir gehen morgen zur Polizei. Wir werden sie schon finden!“ Sie saßen noch einige Minuten schweigend auf der Jolle, dann drängte Semir zum Aufbruch. „Wir sollten jetzt zurückgehen.“

    Auf dem Wanderweg war es mittlerweile stockdunkel. Auch der Mondschein durchdrang nicht das volle Laubdach, das über ihnen hing. Semir hörte es plötzlich in der Nähe knacken und blieb stehen. Als kein weiteres Geräusch zu hören war, ging er vorsichtig weiter und trat dabei selbst auf einen kleinen Zweig, der ein knackendes Geräusch von sich gab. Andrea ging etwa fünf Schritte hinter ihm. Sie war niedergeschlagen und müde. So bekam sie auch nur halb mit, wie plötzlich hinter einem Baum der Schatten eines Mannes hervorsprang und Semir mit einem Knüppel die Beine wegschlug, der daraufhin mit einem Schrei des Entsetzens und des Schmerzes zu Boden ging. „Aua. Verdammt!“

    Übrigens hat sich Yon dann doch nicht getraut, mit mir in einem Zimmer zu schlafen, sondern ein Einzelzimmer vorgezogen :D -wirke ich wirklich so gefährlich? :whistling:

    Moment, das muss ich doch mal eben richtig stellen. Das EZ ist mir quasi vom Hotelier aufgezwungen worden! Wahrscheinlich hat er Susanne erkannt und wollte mich vor ihr schützen, sehr fürsorglich, kann ich nur sagen. Die Burg muss also in der Nähe von Oberwesel liegen, davon bin ich überzeugt.

    Das war gar kein schönes Kapitel .... ;(:S8| ohne Kommentar

    Sehr viel schöner war das Wochenende, das Konzert sowieso und das Treffen mit anderen Fans (Autoren und Leser).

    Na endlich! Semir ist wieder aufgetaucht. Da ist zunächst einmal sehr gut. Jetzt bin ich gespannt, was er die letzten Tage erlebt bzw. durchgemacht hat. Wie gut, dass er dem Arzt bekannt war, aber auch sonst hätte sicherlich irgendeiner erkannt, dass er jetzt Hilfe bedarf.

    19. Der Wanderweg 1

    Semir ging zügig wie abgemacht auf dem Wanderweg in Richtung Ferienhaussiedlung, auf dem zwei Tage vorher Ayda und Ben den Zeltplatz erreicht hatten. Dabei suchte er auch rechts und links vom Weg, ob sein Freund oder seine Tochter irgendeine Spur hinterlassen hatte. Aber er konnte nichts erkennen. Bei dem Weg handelte es um einen festgetrampelten Pfad, auf dem man mit normalen Schuhen noch nicht einmal Fußabdrücke hinterlassen würde. Einen kurzen Moment dachte er daran, einen Suchhund der Polizei anzufordern, verwarf diesen Gedanken aber wieder oder schob ihn zumindest bis zum nächsten Tag auf. Sollte ihre eigene Suche bis dahin erfolglos bleiben, würde er die Polizei einschalten müssen und die Suche mit professionellen Mitteln fortsetzen.

    Andrea fuhr zurück zum Ferienhaus. Sie war innerlich aufgewühlt und malte sich im Kopf schon die schrecklichsten Szenarien aus, was ihrer Tochter und Ben zugestoßen sein konnte. Immer wieder musste sie an die Fotos denken, die Ayda gemacht hatte. Ob die abgebildeten Männer etwas mit dem Verschwinden von Ben und Ayda zu tun haben? Sie stellte den Wagen wieder auf seinen Stellplatz direkt neben dem angebauten Schuppen auf der Rückseite des Ferienhauses ab, ging um das Haus herum und betrat die Veranda. Alles war ruhig, der Zettel hing unberührt an der Tür, wo sie ihn selbst vor einer guten Stunde aufgehängt hatte. Sie schloss das Haus auf, betrat die Küche und legte die Kamera auf die Ablage. Dann tauschte sie noch schnell ihre Sandalen gegen ein Paar Turnschuhe und machte sich auf den Weg, Semir entgegen zu gehen. Auch Andrea schaute, ob sie Spuren der Vermissten fand. Sie rief von Zeit zu Zeit ihre Namen und fragte entgegenkommende Spaziergänger. Nachdem sie etwa eine Stunde gegangen war, sah sie Semir auf sich zukommen und wartete, bis er sie erreicht hatte. Beide schüttelten mit dem Kopf. „Nichts?“ – „Nichts!“

    Gemeinsam gingen sie schweigsam, aber weiterhin aufmerksam zum Ferienhaus. Noch war es hell, aber langsam setzte die Dämmerung ein und erschwerte die Sicht im Wald. Nach einer kurzen Pause, die Andrea und Semir dazu nutzten, sich etwas zu stärken und etwas zu trinken, machten sie sich wieder auf die Suche, diesmal schlugen sie den Weg zum Ankerplatz ein.

    ***

    Werner, Uwe und Jörg fuhren nach der Flucht von Ayda und Ben und der erfolglosen Verfolgung vom Ankerplatz zum Zeltplatz und stellten ihren Wagen am Wegesrand ab und warteten, bis mehrere Personen sich zu Fuß und mit den Autos vom Zeltplatz entfernt hatten. Als die Luft rein war, gingen sie zu Bens Zelt und suchten nach Hinweisen auf die Identität ihrer unfreiwilligen Zeugen. Sie fanden am kleinen Rucksack einen Anhänger mit Aydas Namen, Adresse und Telefonnummer, sowie im anderen Rucksack ein Portemonnaie mit etwas Kleingeld und einer Kundenkarte, ausgestellt auf einen Ben Jäger. „Ich fahre zu dieser Adresse und schaue mich dort mal um“, teilte Werner den anderen beiden mit. „Was soll das bringen?“, wollte Uwe wissen. „Na, vielleicht einen Hinweis auf einen Ort, wo sie sein könnten, wenn sie nicht hier im Zelt wohnen, denn es sieht mir nicht nach einem langen Aufenthalt hier aus, dafür sind zu wenig Klamotten da. Die waren hier bestimmt nur übers Wochenende“, lautete Werners Antwort, „ihr beide bleibt hier am See und schaut euch weiter im Wald um, ich melde mich, wenn ich etwas herausgefunden habe. Außerdem schaue ich mir die Speicherkarte am Computer an. Ich setze euch am Ankerplatz ab, dann sucht ihr von dort aus. Meldet euch, wenn ihr sie habt.“

    Werner fuhr, nachdem er seine Kumpels am Ankerplatz abgesetzt hatte, mit Aydas Wohnadresse als Ziel davon. Er würde sich erst das Haus von außen genau ansehen und herausfinden, ob jemand zuhause wäre. Sollte die Wohnung zurzeit unbewohnt sein, würde er einsteigen und sich auch drinnen umsehen.

    ***

    Während Werner auf dem Weg nach Köln war, liefen die beiden anderen den Wanderweg zwischen Ankerplatz und Ferienhaussiedlung entlang und schlugen auch immer wieder Seitenwege nach rechts in den Wald ein. Auch sie erblickten den Unterstand, den sich Ayda und Ben für ihre Pause ausgesucht hatten. Aber bei der Annäherung machten sie so viel Lärm, dass Ben sie kommen hörte und er schnell Ayda in einen kleinen Spalt zwischen der Wand des Unterstandes und einem aufgeschichteten Holzstapel schob und selbst hinterher schlüpfte. Auf dem Weg hatte er bereits einen Knüppel, der etwa so genauso lang wie ein herkömmlicher Wanderstock, aber um einiges dicker als ein solcher war, aufgehoben und hielt ihn dicht bei sich. Er würde nicht zögern, ihn bei ihrer Entdeckung als Waffe einzusetzen.

    Aber Jörg und Uwe warfen lediglich einen kurzen Blick in den Unterstand, bevor Jörg entschied: „Hier sind sie nicht!“ Ben atmete auf.

    Sie harrten noch einige Zeit in ihrem Versteck aus. „Es ist jetzt dunkel genug, Ayda, wir gehen leise zum Wanderweg und zu deinen Eltern.“ Die Aussicht auf ein baldiges Ende ließ Ayda ihre letzten Kräfte mobilisieren, und sie erhob sich von ihrem Platz an der Schuppenwand. Hand in Hand traten Ben und Ayda die - hoffentlich - letzte Etappe ihrer Flucht an.