25. Start der Ermittlungen
Semir wandte sich jetzt dem Ferienhausverwalter zu, der gerade den Raum mit einer großen Kanne Kaffee, einer Flasche Milch und vier Bechern betrat. „Kann ich Ihr Telefon mal benutzen?“, fragte er. „Sicher. Ist dort hinter dem Empfangstresen.“ - „Danke!“
Semir ging in den Empfangsbereich, blickte auf seine Uhr, murmelte „Ausschlafen wird auch überbewertet“, nahm entschlossen den Hörer ab und wählte die Rufnummer der KTU. Nach viermaligen Klingeln wurde der Anruf auf Hartmuts Privatanschluss umgeleitet und ein schlaftrunkener Hartmut meldete sich. „Freund.“ - „Hartmut, Pass auf, du musst uns helfen!“ - „Wer ist denn da überhaupt? Semir, bist du das?“ Langsam wurde Hartmut wach. „Hast du nicht Urlaub? Hast du mal auf die Uhr gesehen? Es ist noch nicht einmal halb fünf“ - „Darauf kann ich jetzt leider keine Rücksicht nehmen. Pass auf, Ben und Ayda haben etwas fotografiert, was sie nicht hätten sehen sollen. Wir konnten die Bilder retten und auf einen Server im Internet speichern. Du musst sie für uns ansehen und auswerten. Wegen des Zugangs gebe ich dir mal Andrea, ich kenne mich da nicht so aus. Mach deinen Rechner an!“ Während der letzten Sätze ging Semir mit dem Telefon zu Andrea und übergab ihr das Gerät. „Hartmut? Bist du schon am Rechner? - Das ist gut. Die Adresse ist http://www.fotocloud24.net“ - „Einen Moment noch, Andrea, der PC fährt noch hoch. So jetzt bin ich soweit. Wie war das?“ - „http://www.fotocloud24.net“ - „Okay, jetzt will er Kennung und Passwort wissen.“ - „Meine Kennung ist Andrea Unterstrich Gerkan“ - „Ja, und das Passwort?“ - „Das Passwort ist geheimforyou“ - „Andrea, mir musst du das Passwort schon sagen, auch wenn es geheim ist.“ - „Das habe ich doch. 'geheim4u'“, sie buchstabierte es, „g-e-h-e-i-m-4-u“ - „Das ist schlau“, sagte Hartmut, „ich bin jetzt drin.“ - „Dann gebe ich dir Semir wieder, auf Wiederhören Hartmut.“ Sie gab das Telefon ihrem Mann zurück.
„Hartmut, wichtig sind die letzten Bilder, die mit dem Boot und den drei Männern, die musst du vergrößern und auswerten, ob wir sie in unserem Computer haben. Kannst du das gleich machen?“ - „Ich fahre sofort in die KTU und mache mich an die Arbeit. Kann ich dich unter dieser Nummer erreichen?“ - „Vorerst ja. Danke, Hartmut! Ciao.“ Er drehte sich wieder um wollte gerade zu Andrea und Ayda gehen, als von draußen ein großes Getöse klang, das alle im Raum schlagartig zum Fenster blicken ließ. Die Feuerwehr hatte beschlossen, die Reste des Ferienhauses einzureißen, um das Feuer restlos löschen zu können. Auch der Wagen war mittlerweile ausgebrannt, Bens Auto, das etwas weiter abseits stand, konnte noch rechtzeitig zur Seite gezogen werden und kam daher mit einem Lackschaden davon.
Ayda war aufgestanden und schaute direkt auf die Löscharbeiten. Semir trat hinter seine Tochter und umarmte sie. „Alles weg“, flüsterte sie, „unsere ganzen Sachen.“ Semir hob sie hoch und setzte sie auf das Fensterbrett. „Hey Ayda, das sind doch nur Dinge, die können wir alle ersetzen. Wichtig ist doch, dass es uns gut geht und euch nichts passiert ist.“ Er schloss sie in die Arme und sah über ihre Schultern, dass draußen die Polizei vorfuhr und ein einzelner uniformierter Mann aus dem Streifenwagen stieg.
„Fahren wir denn jetzt nach Hause?“, fragte Ayda weiter. „Ja, sobald wir dem Polizisten alles erzählt haben, werden wir nach Hause fahren“, bestätigte ihr Semir. „Hattest du deinen Autoschlüssel im Ferienhaus, Ben?“ - „Nein, der ist in meinem Rucksack - Semir, wir müssen noch die Sachen vom Zeltplatz holen“ - „Die Polizei ist da, vielleicht solltet ihr euch auch etwas überziehen?“ ein Streifenwagen hielt vor der Rezeption an.
„Guten Morgen“, begrüßte sie der uniformierte Beamte, der jetzt den Raum betrat, mit dunkler Stimme, „ich bin Oberkommissar Lothar Dammann von der Polizei in Simmerath, sind sie die Bewohner des Ferienhauses?“ Er war eine imposante Erscheinung, etwa 1,90m groß, kräftig gebaut, mit einer Neigung zum Übergewicht, aber noch sportlich zu nennen.„Ja“, antwortete Semir, „Semir Gerkan mein Name, meine Frau Andrea und unsere Tochter Ayda. Und das ist unser Freund Ben Jäger.“ - „Dann erzählen Sie mir doch bitte genau, was geschehen ist.“