Beiträge von Yon

    Semir ist also in Gefangenschaft von Max Raabe und Tom kann sich vor Andrea nicht verstellen. Obwohl ich jetzt auch nichht sehe, was sie an der Situation ändern könnte, kann ich sehr gut verstehen, dass sie sich nicht länger auf den Lehrgang konzentrieren kann und schnell zurück nach Köln kommen will (und wird, da bin ich seicher!).

    Die Krüger wird erstmal mit einer kurzen Information abgespeist, dann des RTW verwiesen - schöne Vorstellung ;)
    Dafür zeigt Hartmut ihr, wie sie sich der Übermacht an Folterern erwehren konnten und der Notarzt trifft auch endlich ein.

    Ich werde jetzt mal darauf veerzichten, Dantes Inferno zu recherchieren, der Abschnitt ist jetzt wohl abgeschlossen. der Rest der Story wird jetzt wohl wieder ins Krankenhaus verlegt.
    Aber was eine ossäre Nadel ist, wirst du mir sicher noch erklären, oder muss ich erst googeln?

    Ben nimmt Semirs SMS, bzw. die SMS von Semirs Handy so hin. Bin gespannt, ab wann Semir vermisst wird und die Suche beginnt, oder die Entführer sich wieder melden.
    Ich hoffe Kevin fasst jetzt endlich so viel Vertrauen zu Ben, dass er ihm alles erzählst. Denn so ist das ja keine Basis für eine Zusammenarbeit. Da sollte Ben schon alles wissen. Das Alkohol- und augenscheinlich auch Drogenproblem muss auf den Tisch, soonst kann Kevin auch nicht geholfen werden.

    40. Aufregung

    Semir war die Nacht über nicht nach Hause gekommen. Das war an sich nicht so ungewöhnlich, als dass sich Andrea darüber Gedanken gemacht hätte. Gestern sollte um 22:00 Uhr eine Geldübergabe stattfinden, wahrscheinlich hatte diese und auch der Zugriff geklappt und die Vernehmungen der Entführer liefen noch. Sie hatte versucht, ihn am frühen Morgen zu erreichen, doch Semir war nicht ans Handy gegangen, Andrea ging davon aus, dass er es während der Befragung ausgestellt hatte. Semir würde sich schon melden. So deckte sie weiter den Frühstückstisch für Ben, Ayda und für sich.

    ***

    Kim Krüger und die Kollegen in der PAST haben den Rest der Nacht fieberhaft versucht, Semir zu finden. Dessen Handy war nicht zu orten. Der Funk anscheinend abgestellt. Sie warteten händeringend auf eine Meldung, entweder von Semir selber oder von einer der Streifenwagenbesatzungen, die unterwegs waren, um die Straßen und Wege im Umkreis des letzten bekannten Standorts nach Spuren abzusuchen, bislang ohne Ergebnis.

    Sie saß an ihrem Schreibtisch und grübelte, so bekam sie erst mit, dass Susanne ihr Büro betreten hatte, als diese ihr eine dampfende Tasse Kaffee vor ihre Tastatur stellte. Sie blickte ihrer Sekretärin ins Gesicht. "Danke, Susanne, den kann ich gut gebrauchen, gibt es draußen etwas neues?" - "Nein, Frau Krüger, die Kollegen drehen jeden Stein um, aber bisher? Nichts." - "Ich muss seine Frau anrufen, wir müssen ihr Bescheid sagen." - "Soll ich das machen? Andrea ist meine Freundin." Frau Krüger dachte kurz nach. Sie kannte Semirs Frau kaum, Susanne dagegen seit vielen Jahren. "Ja, das ist eine gute Idee. Sagen Sie ihr, ...ach sagen Sie ihr die Wahrheit, sie wird es ja doch erfahren. Danke, Susanne." Susanne verließ Kims Büro und ging wieder zurück an ihren eigenen Schreibtisch. Sie griff zum Telefonhörer.

    ***

    Ben wollte das klingelnde Telefon gerade Andrea reichen, als sein Blick den Namen auf dem Display registrierte. ‚PAST Susanne' stand drauf. Er entschloss sichselbst ranzugehen. Wenn die Dienststelle bei Andrea anrief und Semir es nicht selbst war, dann konnte wer weiß was passiert sein. Er hoffte, Susanne wollte nur ihre Freundin anrufen, um sich mit ihr zu unterhalten, aber morgens vor 9:00 Uhr? Ben versuchte seine aufkeimenden Sorgen herunterzuschlucken und meldete sich mit einem freundlichen "Bei Gerkan, Ben Jäger am Apparat, die Chefin des Hauses ist ...- Ja Susanne, ich höre, ...- ", Ben stand von seinem Stuhl auf und ging jetzt im Wohnzimmer auf und ab. "Sag das noch mal!" Jetzt war er sich Andreas Aufmerksamkeit sicher. Sie unterbrach das Füllen des Kaffeefilters und starrte Ben fragend an. "Wir sind gleich da", beendete Ben das Gespräch. "Das war Susanne", sagte er noch mit Blick auf das Telefon abwesend zu Andrea. "Ja, und? Ben, was hat Susanne gewollt? Nun sag schon!", forderte sie ihn auf, "Ist was mit Semir?" - "Wir sollen ins Büro kommen. Semir ist verschwunden." Andrea stand regungslos an der Küchenzeile gelehnt, ihr Blick ging ins Leere. "Andrea", Ben war jetzt neben Andrea getreten, legte ihr eine Hand auf ihren Oberarm "hast du gehört?" Andrea schüttelte ihren Kopf, als wollte sie einen furchtbaren Gedanken, ein schreckliches Bild zur Seite schieben. Dann sah sie Ben mit klarem Blick an: "Was heißt das, 'verschwunden'?" - "Sie haben den Kontakt zu ihm verloren."

    Andrea erwachte aus ihrer Schockstarre. Es kam wieder Leben in sie. "Ayda, Schatz, komm zieh dir etwas über. Wir müssen in Papas Büro." Ihre Tochter saß noch im Schlafanzug am Esstisch, schließlich waren Ferien. „Aber Ben hatte doch versprochen, mit mir ....", fing sie an zu widersprechen. "Das verschieben wir auf ... deine Ferien sind noch lang, Prinzessin", mischte sich Ben ein, "Jetzt los, anziehen." Ayda stand jetzt auf und ging die Treppe nach oben, um wenig später in Jeans und T-Shirt wieder in der Küche zu stehen. Ben teilte ihren Aufbruch noch kurz den wachhabenden Beamten mit, die das Grundstück im Auge behielten. Diese würden auch während ihrer Abwesenheit aufpassen, dass sich niemand dem Haus der Gerkans näherte.

    20 Minuten später betrat das Trio die PAST.

    ***

    Ben war schon länger nicht hier gewesen und begrüßte seine anwesenden ehemaligen Kollegen - es waren nicht viele anwesend, jeder, der im Büro entbehrlich war, beteiligte sich an der Suche nach Semir. Funksprüche kamen rein und wurden beantwortet. Auf Bens fragende Blicke, die er ab und zu in das Großraumbüro warf, erhielt er lediglich ein Kopfschütteln als Antwort. Zwischenzeitlich ging er in das Büro von der Krüger, um sich nach dem aktuellen Sachstand zu erkundigen.

    „Ob Semir seinen Funk abgestellt hat?“, stellte Kim Krüger eine mehr rhetorische Frage. „Das glaube ich nicht, er war doch im Einsatz und ist ein Profi. Da muss etwas anderes passiert sein.“ – „Mir fallen jetzt spontan drei Gründe ein, die die Handys der beiden und das Funkgerät im Auto so zerstören können, dass sie nicht zu orten sind: Rohe Gewalt, Feuer oder Wasser.“ Ben musste seiner ehemaligen Chefin Recht geben. „Wissen Sie, wo in etwa Semirs letzte Position war?“, fragte er nach. „Raststätte Nievenheim, das war um 22:32 Uhr. Aus Erfahrung weiß ich, dass er jede grobe Richtungsänderung durchgegeben hätte, er hat sich immer so alle 10-15 Minuten gemeldet, also gehe ich davon, aus, dass er in einem Radius von etwa 15 km rund um diesen Rastplatz verschwunden sein muss. Dort suchen wir verstärkt. Alle Teiche, Gräben, kleinste Wege, selbst Forstwege. Sämtliche Streifenwagenbesatzungen sind aufgefordert, ihre Augen offen zu halten und uns jede Spur zu melden. Wir können nur abwarten.“
    Andrea saß blass in der Teeküche, hielt sich an ihrer Kaffeetasse fest und starrte Löcher in die Luft. Sie lauschte nur mit halbem Ohr dem Treiben und den Gesprächen in der PAST. Ben setzte sich zu ihr an den Tisch und schenkte sich auch eine Tasse ein. Susanne hatte für Ayda einen Kakao gemacht und sich auch kurz zu ihrer Freundin gesetzt, dabei aber immer ihren Schreibtisch und das Telefon im Auge behaltend.

    ***

    Dann klingelte Bonraths Telefon.

    So jetzt haben wir auch erfahren, wie Dany zu Tode gekommen ist. Und Semir ist Zeuge des Mords geworden. Jetzt bin ich noch gespannt, wie sie ihm Semirs Kette in die Hand drücken und ihn verbrennen. Und dann die Flucht von Semir bis zum Krankenhaus. So kannst du natürlich auch die fünf Tage bis zum großen Drogendeal überbrücken.

    Der tolle Anwalt wird ihm sicher eine schwere Kindheit bescheinigen, das sollte bei dem durchgeknallten Vater auch nicht das größte Problem darstellen.

    Nun müssen sie Ben im Tragetuch zum RTW tragen, aber dann können sie wenigstens das ganze Ausmaß der Verletzungen bei Licht betrachten, obwohl sie zu weiteren Maßnahmen doch noch das Eintreffen des Notarztes abwarten wollen. Ben, die paar Minuten hältst du noch durch!

    39. Ende einer Verfolgung

    Schnell drang Wasser in den BMW ein. Lothar Dammannhing bewusstlos in seinem Sitz. Semir versuchte, wieder zu Atem zu kommen. Warum nur hatte er seinen Gurt so früh gelöst? Dazu wäre auch jetzt noch Zeit gewesen, denn die Fahrertür ließ sich gegen den Wasserdruck erst öffnen, als der Wasserstand im Auto nahezu das Wagendach erreicht hatte. Dann erst konnte er die Tür mit seinen Füßen auftreten. Aber durch die Karambolage mit dem Volvo, als dieser Semir von der Straße auf die Böschung geschoben hatte, war die Wagenseite so verbeult, dass dieses nur etwa bis zur Hälfte möglich war.

    Semir zwängte sich durch den Türspalt und versuchte, Lothar Dammann ebenfalls aus dem Wasser zu ziehen, aber da wurde er bereits von zwei starken Händen gepackt und nach oben gerissen. Der Fischteich war hier nicht tief. Das Dach des BMW lag etwa 20 cm unter der Wasseroberfläche. Werner Beyer stand im Wasser und zog Semir jetzt an sich heran und aufs Ufer zu. Dieser versuchte sich verzweifelt zu wehren, zappelte und trat gegen seinen Angreifer, aber das Wasser dämpfte seine Versuche so sehr ab, dass sein Angreifer nichts abbekam. Gegen den fast zwei Meter großen Hünen hatte er nicht die geringste Chance.

    Dessen Griff war gnadenlos fest und Semir gab seine Befreiungsversuche für einen Moment auf. „DAMMANN!“, schrie er in Richtung seines untergegangenen Dienstwagens, „wir müssen ihn aus dem Auto ziehen. Er ertrinkt doch! Lassen Sie mich los!“ Werner hatte Semir mittlerweile ans Ufer gezogen, der jetzt wieder versuchte, sich aus der Umklammerung zu winden, bis es Werner zu viel wurde und er den Hauptkommissar mit einem Handkantenschlag niederstreckte. Semir verlor für einen Augenblick das Bewusstsein, Zeit genug für Uwe und Jörg, ihn schnell in ihr Auto zu verfrachtenund zu fesseln.

    Sie überließen Lothar Dammann seinem Schicksal, verließen den Ort des versunkenen BMW und machten sich auf in ihr Versteck im alten Industriegebiet, denn die eigenen Wohnungen könnten der Polizei ja schon bekannt sein.

    Statt – wie geplant – Hauke Krause hier einzusperren, war jetzt Semir ihr unfreiwilliger Gast. Gefesselt an Händen und Füßen lag er auf dem Betonfußboden des fensterlosen Kellers unter der alten Fabrik und blickte seine Geiselnehmer wütend an.

    Mittlerweile war es Donnerstag früh, 1:30 Uhr.

    ***

    Werner schickte Uwe zum Angeln an den Fischteich. Er sollte den Weg im Auge behalten und sich melden, wenn der BMW gefunden wäre. Dann, so meinte Werner, wäre der richtige Zeitpunkt gekommen, sich bei Semirs Frau oder diesem Ben Jäger zu melden, um doch noch das Lösegeld zu erpressen.

    Die Nachtstunden verbrachte Semir, an den Füßen und den Händen gefesselt in diesem Kellerraum, bewacht durch Jörg und Werner, die auf alten Holzstühlen, die sie im Gebäude gefunden hatten, saßen und vor sich hin dösten. Er wusste nicht, ob er sitzen oder liegen sollte, denn sein Rücken schmerzte noch vom Aufprall auf das Schuppendach in Folge der Flucht aus dem brennenden Ferienhaus Dienstagnacht und sein Bauch und seine Brust vom Aufprall auf das Lenkrad vor wenigen Stunden. Jede Bewegung war nur unterSchmerzen durchzuführen. Schließlich entschied er sich dafür, flach auf dem Rücken zu liegen, und es gelang ihm sogar, zusammengezählt etwa drei Stunden zu schlafen.

    Immer wieder sah er das Gesicht von Lothar Dammann vor sich, des Kollegen aus der Eifel, den er gerade erst kennen- und doch schon schätzen gelernt hatte. Die Zusammenarbeit hatte funktioniert, war aber viel zu kurz. War er verheiratet? Hatte er vielleicht sogar Kinder? Semir wusste es nicht. Sie hatten bislang keine Zeit gefunden, privat miteinander zu reden. Und jetzt war es zu spät.

    Jetzt lag er sicher noch im BMW im Fischteich bei Nievenheim. Semir schwor sich, seinen Tod dem Entführer-Trio anzuhängen, ebenso wie die Entführung und den Tod von Hauke Krause. Er hätte ihn bestimmt rechtzeitig aus dem Auto ziehen können, da war er sich absolut sicher. Sein Ertrinken wäre vermeidbar gewesen.

    Seine Bewacher machten sich keine Mühe, ihre Gesichter vor ihm zu verbergen, Werner wusste, dass die Polizei ihn identifiziert hatte, wie war sonst die Bewachung vor seiner Haustür und die Verfolgung zu erklären? Und Uwe und Jörg waren durch die Fotos, die die Polizei hatte auch schon erkannt. Weshalb also die Tarnung? Wichtig war nur, so dachte Werner, dass sie nach der Geldübergabe schnell verschwanden und untertauchten, jeder mit seinem Anteil und jeder in eine andere Richtung. Lange würde der BMW nicht unter Wasser verborgen bleiben, denn tagsüber war der Weg recht stark frequentiert von Fußgängern und Radfahrern, denen die Spuren in der Böschung auffallen würden. Schaute man genau hin, konnte man unter Wasser sogar das silberne Dach des Dienstwagens erkennen.

    Jetzt hat Daniela vor ihrem Tod doch noch das richtige gemachte und in einem Brief geschrieben, wie sich die Sache zugetragen hat.
    Und fünf Tage Zeit zur Planung - da sollte doch eine Lösung möglich sein. Nur bedeutet das auch fünf Tage Gefangenschaft für Semir oder schafft Tom es rechtzeitig, ihn da rauszuholen? Und bis dahin ist auch Andrea wieder da und wird sich bestimmt aufregen, dass man ihr nicht Bescheid gesagt hat.

    Willkommen zurück!
    Gut erholt und mit neuen Ideen?

    Nach Semir am Montag Ben gefunden hat, ist heute, am Donnerstag endlich der RTW vor Ort (das sind jetzt lange Minuten gewesen, die eigentlich für das Eintreffen der Rettungskräfte vergehen dürften ;) ), leider ohne Notarzt, aber die guten können sich ja auch nicht bei Bedarf klonen. Aber solange Ben noch bei Bewusstsein ist und einen orientierten Eindruck macht, hat das vielleicht auch noch etwasZeit.

    Dass Hartmut relativ cool bleibt und rationale Entscheidungen trifft (wie Denken an Öffnen der Tore, Mitnehmen des Verbandkasten), wundert mich jetzt nicht, das hat er ja schon öfters gezeigt. Zumindest ist Ben jetzt erst einmal in guten Händen, Sarah weiß Bescheid, sollte vor der Ankunft im Krankenhaus noch etwas passieren?

    38. Verfolgung

    Semir gab Vollgas und hatte den Opel Omega fast eingeholt, als dieser auf die Abbiegespur fuhr , um auf den Rastplatz Nievenheim zu fahren. Mit überhöhter Geschwindigkeit raste er über den Parkplatz, vorbei an für die Nachtruhe abgestellter LKW. Hinter dem Gasthof, vor dem um diese Uhrzeit wenig Fußgänger unterwegs waren, mündete der Wirtschafts- und Versorgungsweg. Diesen wählte Jörg für seine Flucht aus. Zulieferer und ortsansässige Gäste nutzten diesen Weg als Alternativzufahrt zum Gasthof. Der Weg war etwa eineinhalb Wagen breit. Begegneten sich dort zwei Fahrzeuge, waren beide gezwungen, mit jeweils einem Reifenpaar auf den Grünstreifen auszuweichen. Ein Überholen war so nicht möglich. Semir blieb nichts anderes übrig, als hinter Jörg herzufahren. „Der kennt sich aus. Er kennt diesen Weg genau. So kriegen wir ihn nicht“, sagte er schimpfend zu Lothar Dammann, „kannst du versuchen, auf seine Reifen zu schießen? Es ist unsere einzige Möglichkeit.“ Lothar schaute Semir prüfend an. 'Meinte der das ernst?', dachte er, aber Semirs Gesichtsausdruck sah nicht nach einem Scherz aus. Der Oberkommissar aus der Eifel ließ die Seitenscheibe herunter, zog seine Waffe und schoss auf den Wagen, traf zwar einmal den Kofferraum, den Reifen traf er jedoch nicht. „Semir!“, kam Bonraths Stimme aus dem Funkgerät, jegliche Funkdisziplin missachtend, „Wir haben ihn verloren. Werner hat uns abgehängt.“ - „Scheiße, muss denn heute alles schiefgehen?“, war die lautstarke Reaktion Semirs, ruhig antwortete er allerdings seinem Kollegen: „Bonrath, ist gut, wir werden ihn schon noch einfangen, wo seid ihr jetzt?“ - „In Dormagen. Ich habe keine Ahnung, welche Richtung er eingeschlagen hat.“ In dem Moment knallte es, Werner war mit seinem Volvo in den Kofferraum von Semirs Dienstwagen gefahren. Lothar Dammann verlor durch den Ruck seine Waffe, mit der er immer noch auf den Opel schoss, aus dem Seitenfenster. „Aber ich, er hat uns gefunden“, rief Semir, „Bonrath, ich melde mich!“

    ***

    Semir blickte in den Rückspiegel. „Mist!“, stieß er hervor. An der letzten Seitenstraße, ebenso schmal wie dieser Versorgungsweg, war Werner Beyer auf Jörg und Semir gestoßen und hatte sich hinter den BMW gesetzt. Er fuhr mit seinem schweren Volvo erneut auf seinen Vormann auf. „Hier nehmen Sie meine“, sagte Semir und reichte Lothar seine eigene Waffe. Er hatte alle Hände voll damit zu tun, den Wagen auf der Straße zu halten. Lothar drehte sich jetzt im Wagen um, und schoss durch das Rückfenster auf den Volvo von Werner Beyer. Dieser pendelte vom linken Straßenrand zum rechten und erschwerte so ein genaues Zielen. Lothar traf die Scheinwerfer, das Dach, landete aber keinen Treffer, der das Auto so stark schädigte, dass es ihnen nicht mehr folgen konnte. Wieder fuhr er ihnen hinten auf, während Jörg vorne auf die Bremse stieg. Jetzt fiel auch Dammann auch Semirs Waffe aus der Hand und in den hinteren Fußraum des BMW, unerreichbar für einen der beiden Polizisten. Semir und Lothar waren unbewaffnet und saßen eingeklemmt zwischen den beiden Autos in der Falle. Wie in einem Sandwich fuhren sie über die schmale Landstraße.

    ***

    Rechts von ihnen befand sich eine Böschung, die etwa 30m nahezu senkrecht in einen Fischteich führte. Sie war vor kurzem abgeholzt worden, so dass der Blick auf das Wasser frei war und der Untergrund mit Ästen und Baumwurzeln übersäht war. Das war auch Werner aufgefallen, und er lenkte jetzt seinen Wagen auf die linke Bankette, wie um zum Überholen anzusetzen. Da sich der BMW und der vorausfahrende Opel berührten, hatte Semir keinen Platz zum Ausweichen, bremsen hatte auch keinen Sinn, da der Volvo so dicht schräg hinter ihm fuhr.

    Semir wurde von Werner Beyer über den rechten Straßenrand auf die Böschung geschoben. Nachdem das rechte Reifenpaar des BMW in der Luft hing, machte sich der Wagen selbstständig und begann unaufhaltsam die Böschung hinab zu rutschen. „Wir fahren direkt ins Wasser! Wir müssen hier raus!“, rief Lothar und machte in seiner Panik seinen Gurt los. „Nein! Bleiben Sie sitzen, wir haben noch Zeit!“, schrie Semir zurück, dem ein feuchtes Bad im Auto nicht zum ersten Mal widerfuhr. Aber auch er löste seinen Gurt, als das Wasser immer näher kam. Da überrollte der Wagen eine Baumwurzel und wurde einen halben Meter in die Luft katapultiert. Semir wurde unsanft gegen das Lenkrad geschleudert, so dass ihm kurz die Luft wegblieb. Lothar stieß durch den Ruck mit seinem Kopf gegen die Windschutzscheibe und sackte bewusstlos in sich zusammen. Dann landete der BMW im Fischteich.

    Während der BMW mit den beiden Polizeibeamten unaufhaltsam und nicht manövrierfähig die steile Böschung hinabrutschte, um an dessen Ende in einem trüben morastigen Tümpel zu versinken, hielten oben auf der Straße Werner und Jörg ihre Wagen an und stellten die Motoren ab.