Beiträge von Yon

    Identitätssuche

    Als Semir sich am folgenden Tag auf den Weg ins Büro machte, hatte der Winterräumdienst schon ganze Arbeit geleistet. An den Straßenrändern türmten sich – sehr zum Leidwesen der wenigen Radfahrer oft mitten auf dem Fahrradweg – die Schneemassen. Die Straßen waren geräumt und gestreut. Semirs Arbeitsweg nahm deshalb nur unwesentlich mehr Zeit in Anspruch als sonst. Mitten in der Nacht hatte es aufgehört zu schneien, der Himmel strahlte in hellem Blau und die Sonne stand tief und blendete die Autofahrer.

    Alex Brandt saß schon im Büro, als Semir eintrat. „Morgen, Alex“, begrüßte er seinen Partner, „wo ist die Tasche vom Unfallopfer von gestern?“, kam er gleich zu Sache. „Hier“, Alex zeigte auf einen schwarzen Rucksack, der auf dem niedrigen Aktenschrank lag. Semir leerte den Inhalt auf seinem Schreibtisch. Zum Vorschein kam neben Taschentüchern, Handcreme, einem unbeschriebenen Notizblock nebst Kugelschreiber ein Exemplar der Frauenzeitschrift „Saskia“ vom März des Jahres, demnach also neun Monate alt, zwei Kinderzeichnungen, zwei Fotos und ein Taschenbuch. Auf der Rückseite einer der Zeichnungen stand in einer erwachsenen Schrift der Name Katja, auf der anderen Zeichnung war in krakeliger Kinderschrift der Name Miriam vermerkt. Semir dachte laut „Miriam, Katja?“ – „Vielleicht ihre Kinder?“, vermutete Alex. Semir sah sich die Bilder noch einmal genauer an. „Dann muss sie sehr jung Mutter geworden sein. Immerhin ist sie erst Mitte Zwanzig, in etwa. Vielleicht sie selbst oder ihre Schwester? Wir werden sie fragen, sobald sie mit uns reden kann.“

    Die Rückseiten der Fotos waren leer, kein Datum des Abzugs, kein handschriftlicher Vermerk. Das eine zeigte ein Kind, blond, etwa zehn Jahre alt, das andere eine junge Frau, vielleicht das Unfallopfer selbst? Semir hatte sie ja noch nicht gesehen, hatte nur die Angaben von Ben, der von einer blonden Frau sprach, etwa 25 Jahre alt.

    Keine Papiere, kein Nachname, keine Adresse, nur die Namen Miriam und Katja.

    Semir stand auf und ging zur großen Wandkarte. Mit einem roten Pin markierte er die Unfallstelle. In der Nähe waren mehrere Bauernhäuser, ein Gewerbe- und ein Neubaugebiet. Dort werden sie sich umhören müssen und die Fotos zeigen, vielleicht kam die Frau von dort oder ist auf ihrem Weg gesehen worden.

    „Susanne!“, fragte Semir beim Verlassen seines Büros und trat mit den Fotos, Zeichnungen und der Zeitschrift an den Schreibtisch der Sekretärin heran, „kannst du für mich diese Bilder einscannen und auf mein Handy schicken, Vor- und Rückseite bitte? Und schau dir doch mal diese Zeitschrift an. Was könnte eine junge Frau dazu bewegen, die Zeitschrift neun Monate aufzubewahren und sie mitzunehmen, wenn sie auf die Autobahn laufen will?“

    Zunächst mussten sie feststellen, ob die Frau auf dem Foto identisch mit dem Unfallopfer ist, und um das heraus zu bekommen, rief Semir im Krankenhaus in Kerpen an, in das die junge Frau nach dem Unfall eingeliefert worden war.

    „Dr. Krauth?“, fragte Semir, als er den behandelnden Arzt endlich am Apparat hatte, „Semir Gerkan hier von der Kripo Autobahn. Es geht um das Unfallopfer von gestern Abend.“ -„Ich hatte doch Ihrem Kollegen, einem Herrn Brandt, bereits erzählt, dass die Patientin etwas Ruhe braucht.“ – „Die soll sie auch haben, Herr Krauth. Wir sind dabei, Hinweise auf ihre Identität zu sammeln und haben bei ihren Sachen ein Foto gefunden. Dürfte ich Ihnen das Bild zusenden? Per Mail? Vielleicht können Sie uns schon sagen, ob es sich um Ihre Patientin handelt.“ – „Das ist möglich“, willigte Dr. Krauth ein, „ich gebe Ihnen meine Mail-Adresse, Dr.-A-Krauth @ klinik-kerpen.de“ – „Danke, das Bild ist unterwegs. Sagen Sie, hat die Frau eventuell die Namen Katja oder Miriam genannt?“ – „Nein, sie hat noch gar kein Wort gesprochen“ – „Hat sich bei Ihnen jemand gemeldet, der eine Person vermisst?“ – „Das auch nicht. Ah, da ist das Bild. Ja, Herr Gerkan, das ist meine Patientin, ihre Haare sind auf dem Foto länger, aber… doch, ich mir ganz sicher, das ist sie.“ – „Danke, Dr. Krauth, das hilft uns weiter. Melden Sie sich bei uns, wenn wir mit ihr reden können? Und auch, wenn sich jemand nach ihr erkundigt?“ – „Das mache ich, Herr Gerkan. Auf Wiederhören“ – „Danke, Ciao!“ Semir legte den Hörer auf und wandte sich zu seinem Partner: „Komm, wir schauen uns an der Unfallstelle noch mal um, vielleicht finden wir jetzt bei Tageslicht irgendetwas.“

    „Wartet ihr kurz einen Moment?“, hielt Susanne die beiden Beamten beim Verlassen des Büros auf, „ihr könnt den Rucksack mit den Sachen zurückhaben, die Bilder sind eingescannt und die Zeitschrift habe ich als Datei vom Verlag erhalten. Handschriftliche Anmerkungen waren nicht enthalten. Den Inhalt prüfe ich später.“ Semir bedankte sich bei Susanne, nahm den Rucksack entgegen und verließ mit Alex die PAST.

    Uns würde eine Cobra-freie Zeit ja auch nicht schaden, schließlich haben die meisten die Folgen auf DVD oder auf der Festplatte. Und andere Fernsehzuschauer, die die Serie schauen, würden erst richtig neugierig auf den Staffelstart gemacht, den man natürlich bewerben muss.
    Aber so ist die allgemeine Fernsehnation gesättigt und wird kaum merken, dass die neue Staffel beginnt.
    Hat RTL nichts anderes im Keller, was sie jetzt zeigen könnte?

    Nach einem Werbespot geht es weiter …

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    Ihr seid spät

    „Ihr kommt spät“, empfing Andrea Ben und ihre Kinder und erblickte dann Semir, „Semir, du? Ist was passiert?“ Auf Andreas Instinkt war schon immer Verlass, ein gemeinsames Eintreffen ihres Mannes mit den Ausflüglern wäre ein zu großer Zufall gewesen. „Ben hatte einen Unfall. Und Papa hat uns abgeholt“, klärte Ayda ihre Mutter auf, „es hat ganz laut gescheppert und eine Frau ist im Krankenwagen weggefahren worden.“ – „Aber euch ist nichts passiert?“, fragte Andrea mit besorgtem Blick auf Ben, während sie Lilly half, ihre Jacke auszuziehen und diese an die Garderobe zu hängen, was Ayda mit ihrer bereits erledigt hatte. „Nein“, übernahm Semir das Antworten, „nur der Wagen musste abgeschleppt werden, weil die Scheinwerfer vorne kaputt waren und das Blech des hinteren Kotflügels den einen Reifen blockierte. Ich habe sie an der Unfallstelle abgeholt.“ – „Nun kommt erst einmal rein, ich habe Abendbrot vorbereitet. Und dann wird es auch langsam Zeit für die Kinder. Morgen ist wieder Schule und Kindergarten.“

    Nach dem Abendessen, bei dem der Unfall als Thema bewusst ausgespart wurde und stattdessen Ayda und Lilly begeistert von der Theateraufführung berichteten, brachte Andrea die Kinder zu Bett und setzte sich anschließend zu Semir und Ben, die noch am Esstisch saßen. „Ich habe die Frau angefahren, Andrea“, sagte Ben plötzlich und Andrea schaute ihn entsetzt an. „Was? Haben die Kinder…“ – „Ich glaube nicht, sie haben geschlafen. Sie sind erst durch den Unfall wieder aufgewacht. Sie haben sie nicht gesehen.“ – „Weißt du ob sie schwer verletzt war, Ben?“ – „Keine Ahnung, sie war zeitweise ansprechbar, ich habe sie auf eine Decke auf die Seite gelegt und den Krankenwagen gerufen. Aber wie kam sie auf die Autobahn? Und warum?“ – „Ich werde morgen versuchen, etwas zu erfahren, Ben“, versuchte Semir seinen Freund zu beruhigen. – „War sie alt, jung?“, wollte jetzt Andrea wissen. „Jung“, antwortete Ben, „etwa Mitte Zwanzig, schätze ich, blond, sie trug einen langen schwarzen Mantel. Deshalb habe ich auch nur einen Schatten im Schnee gesehen.“ Bens Schock ließ jetzt langsam nach, das Reden tat ihm gut.

    Semirs Handy unterbrach die Konversation am Tisch. „Ja, Semir. - Alex! – Wohin? – Okay, ich sag es ihm. – Nichts? Keine Papiere? – Oh, das klingt gut. Das wird Ben beruhigen. - In einigen Tagen erst? – Wir sehen uns morgen – Danke, dass du angerufen hast“, Semir beendete das Gespräch und begann, Ben und Andrea in Kenntnis zu setzen. „Sie haben dein Auto zu Audi Meyerhoff gebracht, du hattest einen Aufkleber von der Firma in der Windschutzscheibe. Alex hat noch mit dem Krankenhaus telefoniert. Viel wollte man ihm nicht sagen, nur so viel: die Frau ist außer Lebensgefahr und auch nur leicht verletzt, ein Arm ist gebrochen, schwere Prellungen am Bein, sie ist aber noch nicht vernehmungsfähig und steht auch noch unter Schock. Der Arzt sagte, frühestens in 2-3 Tagen könnten wir zu ihr. Sie wissen noch nicht, wer sie ist. In ihrem Rucksack waren keine Papiere. Wir werden uns das morgen näher ansehen und auch schauen, ob jemand vermisst wird.“ Ben atmete hörbar auf. Die Frau würde leben und wieder gesund werden.

    Sie saßen noch einige Zeit schweigend am Feuer. „Soll ich dir das Gästezimmer fertig machen, Ben?“, bot Andrea ihm eine Übernachtungsmöglichkeit im Haus seiner Freunde an. „Nein, Andrea, vielen Dank, aber ich werde mir ein Taxi rufen.“ – „Ich kann dich auch fahren“, sagte Semir. „Lass gut sein, bei dem Wetter brauchst du hin und zurück bestimmt zwei Stunden.“ Sie blickten gemeinsam aus dem Fenster, wo im Licht der Außenlaternen die Schneeflocken tanzten. Semir nickte. „Da könntest du Recht haben.“ Er rief in der Taxizentrale an. Obwohl dort bei diesem Wetter Hochbetrieb herrschte, versprach man ihm, innerhalb von 30 Minuten vor Ort zu sein.

    Vor der Tür sahen sie auf den zugeschneiten Vorgarten und die Auffahrt. Auch Semirs BMW hatte mittlerweile eine weiße Haube erhalten. „Kannst du mir eines erklären, Ben?“, fragte Semir nachdenklich. „Was?“ – „Wie kommt wohl der Schneepflugfahrer morgen früh zur Arbeit?“ Ben lachte als Antwort und Semir war sich sicher, dass sein Freund den Schrecken über den Unfall gut verarbeiten wird.

    Wellness-Urlaub müsste ich auch mal machen ...

    Was hat Ben denn da nun wieder gehört? Er wird es sicher noch bereuen, immer so aufmerksam auf seine Umgebung zu achten, wäre bestimmt gesünder für ihn. Und vor Semir konnte er natürlich nicht verbergen, dass da "was am Laufen war" in der Küche.

    Ben fährt zu den ermittelnden Kollegen und ist auch schon so verwirrt, dass er nachdem der Kollege ihm freundlicherweise mitgeteilt hat, dass sie keine Beweise gefunden haben, noch mal fragt, ob das heißen soll, dass sie nix gefunden haben.

    Da fehlte nur die Antwort: "Welchen Teil von 'nicht gefunden' haben Sie nicht verstanden, Herr Jäger?"

    Ich finde es zumindest gut, dass du die internen Ermittlungsbeamten nicht als Trottel hingestellt hast. Die waren auskunftsbereit und hatten sich sicher auch bemüht, Beweise zu finden. Nur wo sollen die jetzt noch herkommen?

    Trotz der Gefahr, dass sein Polizistenjob in Gefahr ist, halte ich es für eine gute Idee, Semir und Ben reinen Wein einzuschenken, danach fühlt sich Kevin auch bessen. Und mit Freunden gemeinsam wird er auch sein Drogenproblem angehen können, da bin ich mir sicher. Die Hilfe der "Helden" ist ihm hierbei gewiss.

    In der PAST

    „Ger-kan!“, drang die laute Stimme der Chefin durch die Dienststelle der Autobahnpolizei, „kommen Sie mal in mein Büro?“ Hauptkommissar Semir Gerkan sah über seinen Monitor zu seinem Partner Alex Brandt, mit dem er sein Büro teilte. Dieser meinte nur trocken, ohne von seiner Arbeit aufzublicken: „Oh Ooh, sie singt dein Lied. Wahrscheinlich hat sie den Bericht über die letzte Fahrt deines BMW entdeckt.“ – „Kann ja nicht jeder so ein verdammtes Glück haben, wie du. Wie lange fährst du jetzt unfallfrei bei uns?“ – „4 Monate ohne Kratzer, im Gegensatz zu dir kenne ich sogar unsere Waschanlage.“ Semir rollte seine Augen nach oben und mit seinem Schreibtischstuhl nach hinten und stand langsam auf, um den Ruf seiner Chefin zu folgen. „Ich kann alles erklären, Frau Krüger. Es war alles ganz anders, als sie denken.“

    Er kam nicht dazu, ihr die näheren Umstände zu erläutern, die vor fast zwei Wochen die Neuanschaffung eines neuen Dienstwagens erforderlich machten, denn sein Handy klingelte und zeigte den Anruf von Ben an. Da Semir wusste, dass sein Freund mit seinen Töchtern unterwegs war, hielt er für wichtig, das Gespräch anzunehmen. „Entschuldigen Sie, Frau Krüger, ich muss da eben mal rangehen. Einen Moment.“ Semir nahm das Telefonat entgegen. „Ja, Semir“, meldete er sich. “Semir, ich hatte einen Unfall“, hörte er Ben leise sprechen. „Was ist mit Ayda und Lilly? Seid ihr in Ordnung? Wo seid ihr?“ Semir stellte drei Fragen in einem einzigen Atemzug und blickte aus dem Fenster der PAST auf die tanzenden Schneeflocken. “Es geht ihnen gut, Semir.“ Nach einer längeren Pause, in der keiner der beiden etwas sagte, kam dann „Ich habe eine Frau angefahren.“ Ben musste unter Schock stehen, er klang so abwesend, Semir musste sofort hin zu ihm und seinen Kindern. „Wo, Ben? Wo?“, wiederholte er deshalb seine Frage von vorhin und war schon halb zurück in seinem Büro, um seine Jacke zu holen und Alex Bescheid zu sagen. “Ben, hörst du mich? Wo bist du?“ – „Was, wenn sie stirbt, Semir?“, fragte Ben statt auf Semirs Frage zu antworten. „Ben, sag mir jetzt endlich, wo du bist!“, forderte Semir jetzt in einem schärferen Ton. „Auf der A4, kurz vor Kerpen.“ – „Der Glatteisunfall?“ Semir hatte mitbekommen, dass seine uniformierten Kollegen zu mehreren Auffahrunfällen ausgerückt waren. „Wir sind unterwegs. Warte auf mich, und lass die Heizung laufen“, gab er ihm noch den Tipp. Semir steckte sein Handy ein. „Alex, komm, es gibt Arbeit.“

    Im Rausgehen warf er noch einen Blick in das Büro seiner Chefin, die das Gespräch mit halber Aufmerksamkeit verfolgt hatte. „Hauen Sie schon ab, wir reden morgen“, gab sie ihr okay zu dem Aufbruch ihrer Kripo-Beamten.

    Langsam, aber doch deutlich schneller als der übrige Verkehr fuhren Semir und Alex zur Unfallstelle. Ihre Kollegen Dieter Bonrath und Jenny Dorn waren schon länger vor Ort und nahmen die Schäden und Zeugenaussagen auf. Auf der freien Standspur rollte Semir an den Auffahrunfällen - wie es schien, gab es hier nur Blechschäden - vorbei. Verstörte Leute und Hilfskräfte von Feuerwehr und Polizei waren damit beschäftigt, das Chaos zu mindern, heißen Tee und Decken zu verteilen, denn die Abschleppwagen hatten gerade erst mit ihrer Arbeit begonnen. Ganz vorn erkannte er Bens Audi. Vorne und an der Seite lädiert, stand er quer zur Fahrbahn. Semir kam neben ihm zum Halten und stieg aus.

    Mittlerweile hatte sich hier eine mehrere cm dicke Schneeschicht angesammelt, durch die er zur Beifahrertür des Audis stapfte. Alex sah sich um und entschied, seinen uniformierten Kollegen zu helfen. Erleichtert, seine Töchter und auch Ben wohlauf zu sehen, beeilte sich Semir einzusteigen. „Was ist passiert, Ben?“ – Ben hatte nicht registriert, dass Semir eingestiegen war und starrte durch die Windschutzscheibe auf einen imaginären Punkt in der Ferne. „Und euch“, er drehte sich zu seinen Kindern um, „geht es euch gut?“ – „Ja“, sagte Ayda und Lilly nickte müde, „ein Krankenwagen kam und hat die Frau mitgenommen“, fügte sie hinzu. „Das ist gut, dann wird ihr bestimmt geholfen.“ - „Ich habe sie zu spät gesehen, sie ist mir ins Auto gelaufen. Ich wollte ausweichen und bremsen, dabei bin ich in die Leitplanke und habe sie gestreift, dann ist mir der Golf noch reingefahren.“ Ben sprach ohne Betonung und ohne Blickkontakt mit Semir aufzunehmen. Semir sah ein, dass es keinen Zweck hatte, seinem Freund weitere Fragen zu stellen. Ben war in diesem Moment zu keiner vernünftigen Antwort fähig. „Los, ich fahr euch nach Hause. Hilfst du mir mit den Kindern, Ben? – Ben?“ Die letzte Frage stellte er etwas lauter, so dass Ben den Kopf drehte und nickte. „Ja.“ Sie stiegen beide aus und halfen den Kindern beim Umsteigen in den BMW. Als diese wieder in ihrem Kindersitz bzw. auf der Sitzschale angeschnallt saßen, suchte Semir nach Alex, klärte ihn kurz darüber auf, dass er nun Ben und die Kinder nach Hause fahren und dann auch Feierabend machen würde. Alex sollte doch bitte später mit Bonrath zurück in die PAST fahren. Sie sähen sich dann morgen.

    Nachdem auch Ben auf dem Beifahrersitz und Semir hinter dem Lenkrad Platz genommen hatten, verließen sie langsam die Unfallstelle.

    Die Kommentare sind wirklich unter aller Kanone. Aber viele, die da kommentieren, genießen auch ihr Leben am Intelligenzminimum. Es gibt sicher auch viele, die Tom hinterherweinen, sich aber mit seinem Ausstieg inzwischen abgefunden oder arrangiert haben. Wer nur wegen eines Darstellers Cobra 11 geguckt hat, ist für mein Gefühl kein wahrer Cobra-11-Fan. Ich zumindest freue mich auf Vinzenz Kiefer. Die Teaser und Fotos, die ich bislang gesehen habe, machen mich richtig neugierig. Mir werden die neuen Folgen gefallen, wenn die Drehbücher stimmen (bitte kein Babyalarm oder Mentalist mehr), da bin ich mir ganz sicher.

    Kellerkinder

    Die A4 – ein Wintermärchen?

    Aus dem anfänglichen Schneeregen war ein kräftiges Schneetreiben geworden, das es vermochte, die Gegend innerhalb weniger Stunden in eine wunderschöne Winterlandschaft zu verwandeln. Der Schnee lag auf den Wiesen, Büschen und Zweigen der Bäume, sparte aber leider die Straßen und Autobahnen nicht aus. Eine weiße Decke, sehr zur Freude der Naturliebhaber und Spaziergänger auf der einen, allerdings zum Ärgernis der Autofahrer auf der anderen Seite, die vor einer einzelnen Schneeflocke ebenso ängstlich auf die Bremse sprangen, wie beim Anblick einer Maus eine Frau im Cartoon auf einen Stuhl.

    Auf der A4 kroch der Verkehr auf der rechten Spur. Die linke war kaum benutzt und wies bereits eine durchgehende Schneedecke auf, während sich rechts noch zwei graue Fahrspuren vom übrigen weißen Belag abhoben. Der seit Tagen tief gefrorene Boden reagierte auf den anfänglichen Schneeregen mit gefährlichem Glatteis. Vorausschauendes, vorsichtiges Fahren war erforderlich, um unfallfrei und ohne größere Rutschpartie sein Ziel zu erreichen. Die Autoschlange bahnte sich mit großen Abständen ihren Weg. Mittendrin: Ben Jäger.

    Ben löste an diesem Tag sein Nikolausversprechen ein und war mit Ayda und Lilly zum Weihnachtsmärchen der Kinderbühne Aachen gefahren. Nach einem kurzweiligen Theaterbesuch befanden sich die drei jetzt, am frühen Abend, auf der Heimfahrt nach Köln. Dass das Wetter in diese Richtung umschlagen würde, hatte mittags noch niemand ahnen können. Ben, der sich zu Beginn der Fahrt noch angeregt mit den 8- und 3-jährigen Mädchen über das Theaterstück unterhalten hatte, dann aber merkte, dass die Kinder immer schläfriger wurden und ihnen schließlich die Augen zufielen, fuhr langsam und konzentriert dahin. Er schaltete das Autoradio ein und drehte die Lautstärke auf eine angenehme Lautstärke runter. Das Fahren bei diesen Witterungsbedingungen stellte für ihn keine besondere Schwierigkeit dar, solange der Wagen rollte, konnte ihnen nichts passieren, nur Bremse und Gas mussten sparsam dosiert werden, um ein unkontrollierbares Rutschen zu vermeiden. Gefahr ging eigentlich nur von den anderen Verkehrsteilnehmern aus. Solange sich aber jeder an die gleichen Winterfahrregeln hielt, konnten alle sicher ihr Ziel erreichen. Es war mittlerweile stockdunkel und der Schneefall ließ die Scheibenwischer nicht zur Ruhe kommen. Die Sicht reichte, soweit die Scheinwerfer reichten oder eben bis zu den Rücklichtern des Vorausfahrenden.

    Es war nur ein Schatten, den Ben wahrnahm. Er kam von rechts über die Böschung auf die Standspur und bewegte sich auf die Fahrspur zu. War es ein Mensch? Ein großes Tier? Ben nahm den Fuß vom Gas, sein Audi verringerte auch brav die Geschwindigkeit. Schemenhaft schlich der Schatten voran, stoppte nicht und zwang Ben so doch zu einer bei diesen Straßenverhältnissen eigentlich zu vermeiden gewesenen Vollbremsung und Lenkbewegung nach links. Sein Wagen reagierte mit einer Schlitterpartie von der rechten auf die linke Fahrspur, ein Lenken war nicht mehr möglich. Dann prallte er gegen die Mittelleitplanke und wurde auf die Fahrbahn zurückgeschleudert, wo er - jetzt fast zum Stehen gekommen – den Schatten touchierte und schließlich zum Stehen kam. Das Ganze begann bei einer Geschwindigkeit von etwa 45 km/h, welche sich durch das Bremsmanöver weiter verringert hatte, so dass sich die Schäden am Auto und – natürlich viel wichtiger – ihrer Insassen in Grenzen hielt.

    Ben blickte sich um. Ayda schaute ihn mit großen Augen an: „Was war das, Ben?“ Lilly hingegen schien den Vorfall gänzlich verschlafen zu haben. Der Wagen, der seit geraumer Zeit hinter Ben fuhr, konnte auf die Standspur ausweichen, der ihm Folgende wollte noch auf der Fahrspur bremsen und fuhr mit Schrittgeschwindigkeit in Bens quer zur Fahrspur stehendes Auto und versetzte dieses um etwa einen Meter. Jetzt war auch Lilly wach und schaute sich verwirrt um. Dann war es ganz still. Weiter hinter ihnen kam es noch zu mehreren Auffahrunfällen, die aufgrund der geringen Geschwindigkeit alle glimpflich verliefen und lediglich zu Blechschäden führten. „Seid ihr in Ordnung?“, wollte Ben von Ayda und Lilly wissen, diese nickten als Antwort. „Ihr bleibt im Wagen! Ich schaue nach, was das war.“ Ben löste seinen Gurt, öffnete die Fahrertür und setzte einen Fuß auf den Asphalt. Er wäre fast ausgerutscht und konnte einen Sturz nur durch das Festklammern an der Fahrertür vermeiden. Dann beugte er sich noch einmal ins Wageninnere: „Bleibt auf jeden Fall hier drinnen sitzen, hier draußen ist es schweineglatt!“

    Eine Hand immer am Wagen, tastete er sich vorne um die Motorhaube des Audis herum und blickte zu Boden. Er fuhr zusammen. Kein Schatten! Kein Tier! Vor ihm lag – eine Frau!

    Meine neue Geschichte ist fertig! Wieder einmal ermitteln Semir und Alex, tatkräftig unterstützt von Ben („Held“ ohne Dienstmarke).Spielte meine dritte Story noch im Hochsommer (ihr erinnert euch an das Camping-Abenteuer von Ben und Ayda in „Still ruht der See“?), sind wir jetzt im Winter angelangt.

    Es ist Mitte Dezember ….und Nein!, das wird keine niedliche Weihnachtsgeschichte!

    Namensliste gibt es wie gehabt hier im ersten Post des Feeds-Threads. Ich werde sie laufend ergänzen.

    Die Namen von Personen und Firmen sind, soweit es sich nicht um die Stammbesetzung der TV-Serie „Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei“ handelt, frei erfunden. Orts- und Straßennamen entstammen zum großen Teil meiner Phantasie – auch aus Mangel an Ortskenntnis – und sind nicht alle anhand von Straßenkarten bzw. Google Maps recherchiert. Ein Ort „Neu-Günzheim“ gibt es auch nicht in der Realität.

    Feeds sind wie immer sehr willkommen.

    Viel Spaß
    Yon

    Namensliste in Reihenfolge ihres Auftretens

    • Ben Jäger, „Held“ ohne Dienstmarke
    • Ayda und Lilly Gerkan, die Töchter von Semir und Andrea Gerkan
    • Eine unbekannte Frau / Miriam Schröter / Katja Lange
    • Semir Gerkan, "Held" mit Dienstmarke
    • Andrea Gerkan, "Heldenfrau"
    • Alex Brandt, "Neu-Held"
    • Kim Krüger, Chefin der "Helden"
    • Jenny Dorn und Dieter Bonrath, Kollegen der "Helden"
    • Lena Schultz und ihre Mutter,
    • Susanne König, Sekretärin der PAST
    • Dr. Krauth, behandelnder Arzt
    • Eva Lange, Pferdebesitzerin, von Bratpfanne erschlagen
    • Renate, Horst und Anja Schröter, Eltern und Schwester von Miriam Schröter
    • Frau Kaiser, Nachbarin der Langes
    • Maximilian Lange
    • Tommy Lange / Julian Sanders
    • Meike Hansen, Schwester von Tommy / Julian Sanders

    Na Elli, ungefährlich würde ich auch nicht sagen. Im bayrischen Wald gibt es bestimmt viele wilde Tiere und insbesondere Zweibeiner.
    Ich hätte Semir allerdings einen Urlaub mit Andrea alleine gegönnt, gerade wenn eine Ehekrise hinter den beiden liegt. Denn ein gemeinsamer Urlaub von Ben und Semir, das kann ja nicht gut gehen.