Alex' Auto
Alex hatte seiner Cousine gerne seinen Wagen ausgeliehen. Sandra war aus Österreich, wo sie in einem Hotel arbeitete, extra mit der Bahn zu Weihnachten nach Köln gekommen. Alex war verkatert, ihm war übel und er war nicht in der Lage gewesen, sein Bett noch am Vormittag zu verlassen. Seinem Cousin ging es ähnlich. Zuviel Alkohol und zu wenig Schlaf forderten ihren Tribut. Erst als gegen 15:30 Uhr zwei ihm fremde uniformierte Polizisten in seinem Zimmer standen, setzte er sich mit einem Schlag im Bett auf. „Alex Brandt?“, fragte eine von ihnen. „Ja, was wollen Sie von mir? Ich habe doch Urlaub.“ – „Gehört Ihnen ein schwarzer Ford Focus mit dem Kennzeichen K-AB 128?“, lautete die zweite Frage. „Ja, das ist mein Auto“, Alex war mit einem Mal hellwach, „was ist passiert? Hatte Sandra einen Unfall?“. Hinter den Polizisten drängten jetzt auch Alex‘ Eltern und seine Tante, Sandras Mutter, in Alex‘ Zimmer. „Meine Cousine Sandra Kellermann hat sich meinen Wagen geliehen“, erläuterte Alex. „Ihr Wagen ist auf der Autobahn explodiert. Die Fahrerin ist in dem Auto verbrannt. Es tut mir sehr leid.“ – „NEIN. Das ist nicht wahr! Sagen Sie, dass das nicht wahr ist“, schrie Sandras Mutter auf und vergrub sich dann in den Armen ihrer Schwester. „Es tut mir sehr leid“, bekräftigte der Polizist erneut. Alex starrte regungslos auf den Polizisten. „Was sagen Sie da?“ Er stand jetzt auf, zog sich schnell seine Sachen über und ging mit den Polizisten in den Flur. „Wo ist das Auto jetzt? Ich möchte, dass es zu uns in die KTU kommt“ – „Es soll sich schon auf den Weg dorthin befinden. Es hat einige Zeit gedauert, Sie ausfindig zu machen. Erst eine Nachbarin gab uns den Tipp, dass Sie hier sein könnten.“ – „Ich muss meinen Partner anrufen“, entschied Alex, „nicht dass er jetzt mit seinem Auto losfährt, bevor Hartmut es untersucht hat.“
Alex griff zu seinem Handy, welches sich mit ausgeschaltetem Rufton in seiner Hosentasche befand. Fünf Anrufe in Abwesenheit, vier von Semir, einer von seiner Chefin, zeigte ihm das Display an. „Shit“, flüsterte er, „das kann jetzt ja Ärger geben“. Semir mochte es nicht übermäßig, wenn sein Partner nicht zu erreichen war oder nicht wenigstens gleich zurückrief. Er betätigte die Rückruftaste, und als abgehoben wurde, wartete er nicht erst, dass sich der Angerufene meldete. „Semir! Es ist was Entsetzliches passiert!“- „Das kann man wohl sagen, Alex. Hier ist Ben.“ Die beiden erzählten sich, was Semir und Sandra zugestoßen war. Ben versprach, auch Semirs Auto von Hartmut untersuchen zu lassen und sie vereinbarten, sich im Marien-Krankenhaus zu treffen.
Margot und Hans-Hubert Schäfer fuhren mit ihren Enkelkindern zu sich nach Hause. Ayda und Lilly hatten den Vorfall nur am Rande mitbekommen. Sie saßen auf der anderen Seite von Andrea, ließen den Tannenbaum und die immer noch eingepackten Geschenke von Ben, Oma und Opa nicht aus den Augen. Dass Erwachsene immer so lange essen mussten! Wann könnten sie denn endlich auspacken? Dann war ihr Vater plötzlich zu Boden gefallen und Hektik ausgebrochen. Sie wurden von ihrer Oma ins Kinderzimmer gebracht und sollten auf einmal dort spielen. Das verstanden sie nicht, ließen sich aber bald ablenken und beruhigen. Jetzt ging es zu Oma und Opa und Mama war mit Papa ins Krankenhaus gefahren. Warum konnten sie nicht zuhause bleiben? Warum nicht mit zu Papa und Mama? Ayda hatte so viele Fragen, die sie unbedingt ihren Großeltern stellen musste. Und die Geschenke blieben auch unter dem Baum zurück.
Hartmut, der Bereitschaft hatte, kam mit seinem Team und nahm sich Wohnzimmer und Garten vor, sicherte Spuren und fand auch die Geschosse, die durch Semirs Oberarm und Oberkörper gedrungen waren. Semirs Auto wurde in die KTU geschleppt.
Ben fuhr Julia nach Hause und machte sich dann auf den Weg ins Krankenhaus.