Beiträge von Yon

    Sarah muss draußen bleiben, so schwer ihr das missfällt, aber auf ihrer "eigenen Station" würde sie bestimmt genauso handeln. Hoffentlich dauert es nicht allzu lange, bis sie zu Ben darf. Die Ursache für die Krämpfe würde mich auch interessieren.

    Semir hat mittlerweile den Höhleneingang erreicht. Steht er jetzt schon an dem Gitter oder war das weiter drin in der Höhle? Und wo sind die Kollegen, sollten die nicht auch vor der Höhle auf das MEK warten? Ich glaube, ich lese nicht genau genug, das hattest du bestimmt genau beschrieben ?(

    Auto gefunden

    Semir hatte also noch einmal Glück gehabt, dieses könnte jetzt auch die Polizei gut gebrauchen. Mit den Kennzeichenbruchstücken M? ?? 71 machte sich Susanne noch am Nachmittag des ersten Feiertages auf die Suche nach einem Opel Vectra C, Stufenheck in dunkelrot. Das Kennzeichen kann viel bedeuten. Sie begann mit den Landkreisen, die Köln am nächsten lagen, Mettmann ME, Mönchengladbach MG, Mülheim MH, Märkischer Kreis MK, Wesel MO, Monschau MON. Hier waren noch 235 Wagen zugelassen, die in Frage kamen. Sie schickte alle Halter durch den Computer, fand aber keinen Treffer im Abgleich mit den Personen, die in ihrem Kellerkinder-Fall verwickelt waren. Gemeinsam mit Kim Krüger machte sie sich daran, alle Halter telefonisch anzurufen und hatte am nächsten späten Vormittag Glück. Ein Georg Krüger hatte seinen dunkelroten Vectra gerade in der vergangenen Woche an einen Mann aus der Nähe von Köln verkauft und sich schon darüber geärgert, dass dieser ihn immer noch nicht umgemeldet hatte. Sie notierte sich die Anschrift und bedankte sich bei dem Autohalter.

    Bevor sie Alex rufen konnte, um ihn zu der Adresse in Moers zu schicken, unterbrach sie Bens Anruf. „Autobahnpolizei, König“, meldete Sie sich. „Susanne! Hier ist Ben, du, mir ist noch etwas eingefallen. Der Vectra. Auf der Heckscheibe klebte rechts oben ein unleserlicher weißer Aufkleber, etwa so groß wie die „D“-Schilder früher. Vielleicht kann euch das helfen?“ – „Bestimmt, Ben. Kann das Kennzeichen MO-JK 171 lauten? Das ist unser heißester Kandidat. Ich schicke Alex gleich hin.“ – „Alex? Ist er denn in der PAST? Ich wollte ihn eigentlich gleich zuhause aufsuchen“, wunderte sich Ben. „Doch, der sitzt in seinem Büro. Ich glaube, er braucht die Arbeit.“ – „Das mag sein, du ich soll noch schön von Semir und Andrea grüßen. Er hat die OP gut überstanden.“ – „Oh, das höre ich gerne, ich werde es gleich den Kollegen ausrichten, du Ben, sei nicht böse, aber hier brummt die Arbeit, wir reden ein anderes Mal, ja?“ – „Aber sicher, Susanne. Wenn ich irgendetwas tun kann, lass es mich wissen, okay?“ Susanne verabschiedete sich von ihrem ehemaligen Kollegen, dachte noch einen kurzen Moment an vergangene Zeiten zurück. Dann erinnerte sie sich aber daran, dass sie gerade dabei gewesen war, Alex die Adresse und das Autokennzeichen zu geben und stand auf, um in sein und Semirs gemeinsames Büro zu gehen.

    „Alex. Ich hab was. Hier. Moers, ein Georg Krüger, hier die Adresse. Und Ben konnte sich an einen weißen Aufkleber erinnern rechts oben auf der Heckscheide. Fahr doch gleich hin, dann kannst du ihm das Foto von Maximilian Lange zeigen, vielleicht ist das der Käufer.“ – „Danke, Susanne. Das mache ich doch sofort. Endlich eine Spur!“ Alex hatte dicke Augenränder von einer schlaflosen Nacht. Aber jetzt erhellte sich sein Blick. Eine Spur! Endlich was zu tun. „Und Semir geht es schon besser. Das wird wieder!“ – „Das tut gut zu hören, Susanne. Ich bin dann mal weg!“ Alex griff sich seine Jacke sowie den Schlüssel seines Dienstwagens, der vor der PAST abgestellt war, und verließ die Dienststelle der Autobahnpolizei.

    „Sind Sie ganz sicher?“, fragte Alex den großen, kräftigen Georg Krüger. „Ja, wenn ich es Ihnen sage. Das ist der Kerl. Er meldete sich auf meine Anzeige, gab mir das Geld in bar, wollte noch nicht einmal den Preis verhandeln und fuhr mit dem Auto davon.“ – „Haben Sie einen Kaufvertrag, hat er Ihnen eine Adresse gegeben?“ – „Ja, einen Moment. Hier: Maximilian Lange, Neu-Günzheim.“ Er hatte seine eigene Hofadresse angegeben und seinen echten Namen. Und sie hatten jetzt das vollständige Kennzeichen, um die Fahndung zu konkretisieren. Wenigstens etwas!


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    Erst einmal Herzlich Willkommen im Forum, du weißt aber schon, dass Großbuchstaben Schreien bedeutet?

    Deine Tipps lesen sich ganz nett, aber ich bezweifle, sie werden von einem der intensiven Schreibern aufgegriffen werden, denn die haben doch eigene Ideen. Warum versuchst du es nicht mal selbst, eine Story zu schreiben und deine Ideen einzubauen?

    Zweiter Feiertag

    Nachdem Ben Alex nach Hause gebracht und beobachtet hatte, wie dieser von seiner Mutter in Empfang genommen wurde, rief er sich ein Taxi und ließ sich zu seiner Wohnung fahren. Er rief Julia an und teilte ihr mit, wie der Tag verlaufen war, dass Semir die Operation gut überstanden hätte und es Andrea auch schon wieder besser ginge, sie den größten Schock wohl überwunden habe und sich nun darauf konzentrieren würde, in der nächsten Zeit für Semir da zu sein.

    Anschließend trank er noch ein Bier und ging dann ins Bett, wo er in einen unruhigen Schlaf fiel. Am zweiten Weihnachtsfeiertag trieb es ihn noch vor dem Frühstück ins Krankenhaus. Er wollte wissen, wie sein Freund die Nacht überstanden hatte. Er fand Andrea bei Semir vor, der noch matt und blass in seinem Bett lag, angeschlossen an einen Monitor. Er hatte die Narkose mittlerweile ausgeschlafen und konnte sich leise mit Andrea unterhalten. Dann erblickte er Ben. „Ben! Hallo!“ Ben musste schlucken, als er ans Bett trat, Semirs Hand ergriff und seinen Freund erblickte. „Semir, es ist schön, dass du es so gut überstanden hast. Hast du noch große Schmerzen?“ – „Nein, ich bekomme Schmerzmittel, bin ständig am Eindösen. Was war mit Alex?“ Ben setzte sich auf einen bereit stehenden Stuhl. „Ich konnte ihn glücklicherweise überreden, sich von mir nach Hause fahren zu lassen. Ich hoffe, er berappelt sich schnell wieder. Ich werde gleich bei ihm vorbei fahren, wollte nur erst zu euch kommen. Das war ein ganz schöner Schreck gestern.“ – „War nicht meine Absicht. Hartmut ist sich sicher, dass Maximilian Lange geschossen hat.“ – „So habe ich ihn gestern auch verstanden. Leider ist er bislang spurlos verschwunden. Aber Susanne sitzt dran und die Krüger hat ihren Urlaub auch abgebrochen. Ich bin mir sicher, sie werden ihn aufspüren.“ – „Kümmerst du dich um Alex? Ich befürchte, er rastet aus, wenn er Maximilian gegenüber steht.“ Ben schmunzelte. „Ich werde mich bemühen.“

    Andrea wechselte nun das Thema. „Heute Nachmittag kommen meine Eltern mit den Kindern. Ich werde dann mit ihnen fahren. Ins Haus können wir noch nicht, sagte Hartmut gestern noch, als du schon weg warst. Die Spurensicherung ist wohl fertig, aber der Teppich wurde rausgerissen, und der Wechsel des Fensters ist wohl auch schon veranlasst. Hättest du gedacht, dass wir innerhalb eines halben Jahres zwei neue Fensterscheiben bräuchten?“, führte sie aus und erinnerte damit an den Einbruch im Sommer letzten Jahres (nachzulesen in der Geschichte „Still ruht der See“). „Wie lange musst du hierbleiben? Haben die Ärzte sich schon geäußert?“, fragte nun Ben. „Nicht genau. Mindestens eine Woche, wahrscheinlich länger.“ – „Das ist gut.“ – „Warum ist das gut?“ – „Na, dann wirst du gerade noch hier sein, wenn ich gleich aus der Cafeteria zurück komme, ich habe nämlich noch nichts gefrühstückt.“Ben erhob sich und schlug mit der Handfläche auf Semirs Bettdecke. „Bis gleich.“ – „Warte Ben, ich komme mit, dann kannst du dich noch etwas erholen, nicht wahr, Schatz?“, fragte Andrea mit Blick auf Semir. Dieser nickte müde. Sie gab ihm einen Kuss auf die Stirn und drückte seine Hand. Dann verließ sie gemeinsam mit Ben das Zimmer.

    Andrea erzählte ihrem Freund beim Frühstücken, was alles passiert war, seit Ben mit Alex das Krankenhaus verlassen hatte. Hartmut teilte Andreas Befürchtungen bezüglich Maximilian und der Erfolglosigkeit seiner Anschläge und beschloss gemeinsam mit der Krüger, sowohl die Explosion von Alex Wagen, als auch die Schüsse auf Semir als Erfolg darzustellen. Ein befreundeter Mitarbeiter bei einer regionalen Nachrichtenagentur schleuste die Nachricht in den verschiedenen, auflagenstärksten Zeitungen und im Nachrichtenportal im Internet ein. So würde sich die Meldung noch am 2. Feiertag verbreiten und am ersten Arbeitstag nach Weihnachten in den Zeitungen zu lesen sein. Um ganz sicher zu gehen, wurden Zivilbeamte in Semirs Haus, welches vorerst unbewohnt bleiben sollte, in Alex Wohnung und im Krankenhaus eingesetzt. Obwohl davon ausgegangen wurde, dass Maximilian vom Erfolg seiner Anschläge ausging – sicher war sicher.

    „Ach Ben, ich bin froh, wenn dieser Alptraum ein Ende hat und werde erst wieder ruhig schlafen, wenn Maximilian gefasst ist“, beschloss Andrea ihre Ausführungen.

    Andrea schafft es zwar, den korrupten Polizisten mit dem Stein zu verletzen, aber der ist schließlich auch ausgebildet und kann sie schnell überwältigen und fessen. Seine Kollegen erfahren, dass er Andrea als Geisel sieht und Semir ist auf den Weg zu ihnen. Da wird es sicher noch spannend werden vor dem Höhleneingang. Kann er Andrea befreien? Muss er den Polizisten mit Andrea ziehen lassen?

    Ben ist mittlerweile auf der Intensivstation angekommen und Sarah auf dem Weg zu ihm. Der Chemiker auch? Oder wo treibt er sich gerade rum? Wie sieht es eigentlich mit Personenschutz aus, wo die Flucht des Chemikers ja bekannt ist?

    Ben ist zunächst gut im Krankenhaus angekommen und wird dort intensiv untersucht. Natürlich hat Sarah die Spritze mit dem Zeug verloren. Was sind das denn für Taschen gewesen? Nicht besonders praktisch, die Jacke. Hoffentlich können die anhand der Blutproben den Chemiecocktail identifizieren, die ihm verabreicht worden war und finden auch entsprechende Gegenmaßnahmen. Die Kopfverletzung muss auch gut untersucht und versorgt werden.
    Da ist es doch ein Lichtblick, dass es Sarah und dem Ungeborenen gut geht. Eine Baustelle weniger.
    Und Semir kann Andrea nicht erreichen und erfährt jetzt von Susanne, dass die örtliche Polizei eingeschaltet worden war. Oh Ooh! Was wird Semir jetzt unternehmen?

    Alex und Ben

    Ben musste sich beeilen, um mit Alex Schritt halten zu können. Auf dem Parkplatz hatte er ihn schließlich eingeholt, als dieser vor einem älteren Alfa Romeo stehen blieb und die Fahrertür aufschloss. „Alex, so warte doch. Du weißt doch gar nicht, wo dieser Lange sich aufhält!“ – „Das ist mir egal, und wenn ich bis ans Ende der Welt fahren muss.“ Alex klang verzweifelt. „Komm, ich fahr dich überall hin, wo du hin willst, aber so lasse ich dich nicht selbst ans Steuer.“ Endlich ließ sich Alex hängenden Kopfes auf die Beifahrerseite manövrieren und setzte sich in den Wagen.

    „Was ist das überhaupt für ein Auto?“, fragte Ben, während er sich Sitz und Spiegel einstellte. „Das meiner Eltern“, erhielt er zur Antwort. „So, und wohin nun?“ Ben war bereit. Der Motor lief, er parkte schon rückwärts aus der Parklücke aus. Sein Sitznachbar blieb stumm. „Alex?“, forderte Ben ihn auf, „Wohin?“

    „Ach Ben, das weiß ich doch selber nicht. Ich will nur was tun, nicht einfach rumsitzen. Ich kann doch nicht einfach nach Hause fahren. Meine Cousine ist heute in meinem Auto gestorben. Während ich betrunken im Bett lag. Die Bombe war für mich bestimmt. Wie soll ich denn jemals meinen Eltern und meiner Tante wieder unter die Augen treten?“

    Ben bog auf die Hauptstraße in Richtung Innenstadt und stoppte vor einem Lokal, welches jetzt am Abend des ersten Weihnachtsfeiertages geöffnet hatte. „Komm, ich lad dich ein, dann erzählst du mir von deiner Cousine.“ Tatsächlich ließ Alex sich dazu bewegen, das Auto zu verlassen und mit Ben in die Gaststätte zu gehen.

    „Sandra und Ralf waren wie Geschwister für mich“, begann Alex stockend, „ich habe ja selber keine. Ihre Eltern lebten ganz in der Nähe meines Elternhauses. Da die immer bis 16:00 Uhr arbeiten mussten, verbrachten meine Cousine und mein Cousin oft den Nachmittag bei uns. Wir wuchsen quasi miteinander auf. Mein Onkel starb vor ein paar Jahren, meine Tante ist die Schwester meiner Mutter. Sie machen viel zusammen und da war es klar, dass wir auch Weihnachten gemeinsam verbringen würden, aus Platzgründen bei uns. Ralf wohnt in Münster und Sandra in Saalbach in Österreich. Gestern hatte sie sich mit ihrer Freundin in Düsseldorf für heute verabredet und mich gefragt, ob ich sie hinbringen würde. Ich habe ihr dann meinen Wagen geliehen, denn ich brauchte ihn ja über die Feiertage nicht. Wenn ich doch bloß gefahren wäre!“ – „Dann wärt ihr jetzt beide tot, Alex, damit wäre die Situation kein Deut besser.“ – „Aber ich mache mir solche Vorwürfe. Ich weiß, dass ich nicht jeden Tag meinen Wagen auf irgendwelche Bomben hin untersuchen kann, aber weißt du was ich festgestellt habe? Was mir zu schaffen macht?“ – „Ich bin ganz Ohr?“ – „Der erste Anruf von dir kam gegen 14:00 Uhr, ich hatte das Handy auf lautlos in meiner Jeans und schlief noch um diese Zeit. Wenn ich gleich abgehoben hätte, hätte ich vielleicht meine Cousine noch retten können?“

    Ben versuchte, Alex weiter zu beruhigen. „Was du dann getan hättest, wäre, zu Semir zu fahren, meinst du, du wärst auf die Idee gekommen, dass die Schüsse auf Semir bedeuten könnte, dass unter deinem Auto eine Bombe angebracht ist? Das ist doch sehr weit hergeholt. Nie und nimmer. Außerdem war doch Sandra um die Zeit schon unterwegs. Alex,“, jetzt legte Ben seinem Gegenüber eine Hand auf den Arm und sah ihm in die Augen, „du hättest es nicht verhindern können.“

    Nach weiteren zehn Minuten fragte Ben schließlich: „Und, meinst du, du kannst jetzt den Weg zu deinen Eltern antreten?“ Zur Antwort stand Alex auf, Ben legte einen Zehn-Euro-Schein auf den Tisch unter sein Glas und sie verließen gemeinsam das Lokal. Vor der Tür von Alex‘ Elternhaus, in dem noch gedämpftes Licht brannte, stiegen sie beide aus. „Ben“, sagte Alex leise, als er von diesem den Autoschlüssel entgegen nahm, „Danke, ohne dich weiß ich nicht, wo ich heute geendet wäre.“ – „Keine Ursache. Ich rufe mir ein Taxi, Und jetzt rein mit dir.“

    Bevor Alex mit seinem Schlüssel sein Elternhaus öffnen konnte, wurde die Haustür von innen geöffnet und Frau Brandt nahm ihren Sohn in den Arm. „Bin ich froh, dass du hergekommen bist. Wir hatten schon befürchtet, du würdest dich nicht nach Hause trauen.“

    Na, Andrea ist zum Äußersten bereit und sicher auch fähig, ihren Bewacher niederzuschlagen. Besonders als ihr bewusst wird, dass Semir, Ben und Sarah eventuell in der Höhle verschüttet sein könnten. Hoffentlich gelingt der Plan und sie kann ihm entkommen.
    Und der Chemiker gelingt durch seine Maskerade die Flucht vom Unfallort.
    Es bleibt also spannend. Seine Verfolger hat er zunächst einmal abgehängt.

    Alex am Ende

    Da sich die Aufwachphase noch einige Zeit hinziehen würde, nahm der operierende Arzt Andrea und Ben zunächst mit in sein Büro und erläuterte ihnen die Art der Verletzungen und die durchgeführten Operationen. Semir hatte großes Glück gehabt. Eine Kugel hatte den linken Oberarm durchschlagen, die andere das Schulterblatt. Die Heilung würde aufgrund der Knochensplitterung ein langwieriger Prozess werden, erklärte Dr. Jungbauer ihnen, es bestünde aber keine Lebensgefahr. Nach den Ausführungen des Arztes wurden die beiden dann in den Aufwachraum geführt und kurz mit Semir alleine gelassen. Der schlug allerdings nur kurz die Augen auf, sah, dass zwei der wichtigsten Menschen seines Lebens bei ihm waren und versuchte zu lächeln. Andrea nahm die Hand seines gesunden Arms in ihre Hände und redete leise. „Semir, bin ich froh, dass du es geschafft hast.“ Sie beantwortete noch die weiteren unausgesprochenen Fragen, die sie ihrem Mann nach all den Jahren in den Augen ablesen konnte. „Die Mäuse sind bei meinen Eltern. Und Ben ist auch hier.“ Dieser trat jetzt hinter Andrea und nickte seinem Freund aufmunternd zu. Semir schien erleichtert zu sein und schloss seine Augen wieder. „Jetzt schlaf dich erst mal richtig aus. Und wenn du wieder wach bist, bin ich auch wieder da, ja?“ Sie gab ihm noch einen Kuss und verließ dann mit Ben das Zimmer.

    Andrea fiel es nicht leicht, Semir alleine zu lassen, aber sie und Ben waren eben unterbrochen worden, sie wollte Semir jetzt noch nicht mit dem Anschlag auf seinen Partner konfrontieren. Draußen auf dem Flur fragte sie ihren Freund leise: „Autobombe?“ – „Ja, er hatte seiner Cousine seinen Wagen geliehen. Er wollte gleich herkommen.“ Als Andrea und Ben wieder in Andreas Zimmer eintrafen, saß dort Alex am Tisch wie ein Häufchen Elend.

    „Wie fühlst du dich, Alex?“ – „Wie würdest du dich fühlen Ben? Ein Sprengsatz, der für mich bestimmt war, reißt meine Cousine in den Tod, während ich in meinem Kinderzimmer meinen Rausch ausschlafe. Es ist so verdammt ungerecht. Mein Job bringt Unglück über meine Familie, jetzt weiß ich, warum Semir öfters davon redet, wie schwer es für Andrea ist, dass er diesen Job so liebt.“

    Andrea liefen stumm die Tränen übers Gesicht, Alex und Ben konnten ihre auch kaum zurückhalten. Die Anschläge von heute waren von anderem Kaliber als die vielen Blessuren, die sie in ihrem Polizeidienst bereits davongetragen hatten. Hier trachtete ein durchgeknallter Täter nach ihrem Leben, wollte sie persönlich treffen.

    Einige Zeit hing jeder seinen Gedanken nach. Dann klopfte es leise und Hartmut stand in der Tür. „Oh, volles Haus. Wie geht es Semir?“ Andrea lächelte vorsichtig. „Er hat die OP gut überstanden und schläft jetzt. Er hat viel Glück gehabt, meint sein Arzt.“ – „Ich komme eigentlich, um Alex etwas mitzuteilen. Ich habe die Projektile in eurem Haus“, Hartmut blickte zu Andrea, dann zu Alex, „und in deinem Dienstwagen abgeglichen und bin mir zu 100% sicher, dass sie aus derselben Waffe stammen. Das gibt zu der Vermutung Anlass, dass auch der Schütze, der euch neulich auf dem Hof der Langes mit Schüssen empfangen hatte, identisch ist mit dem Schützen von heute Mittag.

    Alex wischte sich die letzten Spuren seiner Tränen aus dem Gesicht. „Maximilian Lange!“ Wütend sprang er auf und eilte zur Tür. „Jetzt schnappe ich mir dieses Schwein!“ Ben war schon aufgestanden, um ihn zurückzuhalten. „Warte Alex, wo willst du denn anfangen?“ Er blickte zu Andrea, zuckte mit den Schultern, erhielt ein aufforderndes Nicken zur Antwort und war auf den Gang verschwunden. „Hoffentlich kann Ben ihn bremsen!“Dann schrak Andrea plötzlich aus ihren Gedanken auf: „Hartmut! Was ist, wenn Lange erfährt, dass er heute mit seinen Anschlägen keinen Erfolg hatte?“

    So, jetzt erfahren wir also, was wir schon vermutet haben: Der Chemiker ist der Explosion durch einen beherzten Sprung aus dem Auto in den Schnee entkommen. Und der Wagen ist nur aufgrund der Gasflaschen explodiert. Alles andere wäre ja auch zu realistisch, ;)
    Und Ben ist momentan gut versorgt auf den Weg ins Krankenhaus. Jetzt bin ich auch die Pläne des Chemikers gespannt. Und was macht eigentlich Andrea gerade?

    Andrea im Krankenhaus

    Semir kam sofort in die Notaufnahme und von dort in den OP. Andrea wurde auf die Normalstation in ein Einzelzimmer gelegt, wo sie zunächst untersucht und ein leichter Schwächeanfall diagnostiziert wurde. Sie sollte ein oder zwei Nächte im Krankenhaus bleiben, um unter Beobachtung zu sein, weil zu befürchten war, dass sie diese Zeit ansonsten auf dem Gang vor den Operationssälen verbringen würde. Hier konnte sie bis zum Abschluss der Operation bleiben, man würde sie über deren Verlauf informieren.

    Sie hielt es im Bett nicht lange aus, ging auf und ab, sah durch das Fenster auf den Parkplatz, dann setzte sie sich wieder auf die Bettkante. Sie redete sich die Situation schön. Semir war fast die ganze Zeit über ansprechbar gewesen, sein Blick war klar, vielleicht war es gar nicht so schlimm. Dann wieder erinnerte sie sich an das ganze Blut, das blutgetränkte Hemd und ihr kamen Zweifel. Zuversicht und Zweifel wechselten sich ab, schließlich stand sie wieder auf und stellte sich ans Fenster. Es begann zu dämmern. Der erste Weihnachtsfeiertag näherte sich seinem Ende.

    Wie schlimm ist diese Situation erst für ihre Mäuse? Sie musste dringend mit ihren Eltern telefonieren und ging zum Telefon, welches in ihrem Zimmer angeschlossen war. „Mama? Ich bin's“ - „Andrea, wie geht es dir? Und wie ist die Operation verlaufen, weißt du schon was?“, fragte ihre um sie und ihren Schwiegersohn besorgte Mutter. „Nein, ich weiß noch nichts, sie operieren noch. Ich wollte nur kurz hören, wie es euch und den Kindern geht.“ - „Sie beruhigen sich langsam. Wie haben ihnen erzählt, dass Semir einen Unfall hatte und ins Krankenhaus musste und du mitgefahren bist. Ich glaube nicht, dass sie realisiert haben, war wirklich geschehen ist. Aber sie fragen nach euch, ist ja auch zu verstehen. Warte, Ayda kommt gerade, ich gebe sie dir.“ Es trat eine Pause ein, schließlich fragte Andrea: „Ayda? Liebling, hier ist Mama“ - „Mama, warum müssen wir bei Oma und Opa bleiben?“ - „Du Schatz, Papa und ich sind noch ein paar Tage im Krankenhaus, da könnt ihr nicht alleine zuhause bleiben.“ - „Was hat Papa denn? Da war ganz viel Blut und später ist auch die Polizei gekommen.“ - „Pass auf, Ayda. Ich erzähle dir alles, wenn du uns besuchen kommst. Vielleicht könnt ihr schon morgen oder übermorgen herkommen. Versprich mir aber bitte, dass du es nicht Lilly weiter erzählst, ja? Sie versteht es noch nicht.“ Ihrer großen Tochter konnte sie nichts mehr vormachen. Erwachsene Menschen haben keinen Unfall am Esstisch, das wusste auch eine Achtjährige schon. Egal was ihre Großeltern ihnen erzählt haben. Lilly mochte es ja noch glauben, aber sie konnte dieses Spiel der Erwachsenen durchschauen. Ayda wusste auch aus eigener leidvoller Erfahrung, dass ihr Vater einen gefährlichen Beruf hatte und die eigene Familie öfters in Gefahr geriet. „Versprichst du mir das, Liebling?“ - „Ja, Mama, ich erzähle es nicht.“ - „Gut, und jetzt geh wieder spielen, ja? Mach dir bitte keine Gedanken, ja? Es kommt alles in Ordnung, das verspreche ich dir. Gibst du mir Oma noch mal? Ich habe dich lieb!“ - „Andrea?“, hörte sie jetzt wieder die Stimme ihrer Mutter. „Mama, ich rufe wieder an, wenn ich was von Semir weiß und wenn abzusehen ist, wann ihr vorbeikommen könnt, in Ordnung? Auf Wiederhören, Mama. Und Danke, dass ihr euch um Ayda und Lilly kümmert.“

    Andrea wanderte wieder auf und ab. Sie glaubte nicht daran, dass es medizinisch notwendig war, sie hier im Krankenhaus zu halten, aber dass sie sie mitgenommen haben, war wohl schon angemessen, an die letzten Minuten in ihrem Haus erinnerte sie sich nur schemenhaft. Sie stand völlig neben sich, wurde von Bens starken Armen in den Rettungswagen geführt. Sie hatten ihm heute viel zu verdanken. Er hatte die Situation unter Kontrolle gehalten und organisiert. Sie selbst und auch ihre Eltern wären dazu nicht in der Lage gewesen. Ben hatte ihre Eltern und Kinder nach oben geschickt, den Notruf und die Erste Hilfe angeleiert. In ihrer Zimmerwanderung war Andrea wieder einmal am Fenster angekommen und starrte auf den nun von zig Laternen ausgeleuchteten Parkplatz. Da sah sie Ben aus seinem Wagen steigen und auf den Eingang des Krankenhauses zueilen.

    Ben fragte sich durch und stand schließlich in Andreas Zimmer. „Sie sind noch nicht fertig?“, fragte er und ließ keine Zweifel offen, was er meinte. „Nein, sie wollten mir gleich Bescheid geben, wenn sie die Operation beendet haben“, antwortete Andrea tonlos und blickte Ben hilflos in die Augen. Der nahm sie in die Arme. „Andrea“, flüsterte er, „es wird alles gut gehen. Davon bin ich überzeugt. Aber es gibt etwas“, er löste sich etwas von ihr, um sie ansehen zu können, „das ich dir erzählen muss“, er senkte seine Stimme, „es gab heute auch einen Anschlag auf Alex.“ - „Was? Ist ...“ - „Nein, Alex geht es gut. Aber seine Cousine ist ihm zum Opfer gefallen. Es war eine Autobombe.“ - „Oh mein Gott! Nein!“ Andrea sprach leise und musste sich auf die Bettkante setzen. Sie und Ben merkten erst, dass ein Pfleger das Zimmer betreten hatte, als dieser anfing zu sprechen: “Frau Gerkan, wenn Sie möchten, können Sie jetzt mitkommen. Ihr Mann befindet sich im Aufwachraum. Sie dürfen jetzt zu ihm.“ - „Ist denn alles gut gegangen?“ - „Das wird ein Arzt Ihnen gleich alles erklären. Soweit ich es beurteilen kann, ja.“ Andrea atmete auf. „Ben, kommst du bitte mit?“ der ließ sich nicht lange bitten, und so ließen sie sich von dem Pfleger zu dem Raum führen, in dem Semir gerade langsam aus der Narkose erwachte.

    Nachschlag! Weil das folgende Kapitel recht kurz ist, kommt ihr heute in den Genuss eines Nachschlags zur Kaffee-Zeit!

    Gedanken

    Maximilian Lange war zurück in seinem Versteck, jetzt war er nicht mehr alleine in seinem Schmerz und seinem Verlust. Und er war überzeugt davon, die richtigen getroffen zu haben. Im Verkehrsfunk und den Regionalnachrichten brachten sie die Nachricht von einem explodierten und ausgebrannten PKW auf der Autobahn. Das Timing war in seinen Augen perfekt, hätte nicht besser sein können. Just in dem Moment, in dem seine Schüsse Semir Gerkan trafen, machte sich der präparierte PKW auf seine letzte todbringende Fahrt. Er hatte den Sprengsatz schon vor vier Tagen platziert und die Vorrichtung so programmiert, dass exakt nach 30 Minuten Fahrtzeit der Motor erst ausging und beim Neustart der Sprengsatz zündete. Die bisherigen Fahrten waren wohl alle kürzer als 30 Minuten gewesen.

    Maximilian war zufrieden mit seinem Werk. Er hätte auch gerne Alex Brandt mit seiner Waffe aufgelauert, aber die Lage dessen Wohnung im dritten Stock machte diese Aktion unmöglich. Und eine zweite Bombe schien ihm zu unsicher, denn jetzt würde sicher jeder Wagen der Autobahnpolizei untersucht werden. Und an die Dienstwagen kam er nicht ran, die standen zu gut gesichert auf dem Polizeigelände. Also entschied er sich für eine unterschiedliche Vorgehensweise.

    Er hatte die Hecke hinter Gerkans Haus schnell verlassen und war zu seinem in der Nebenstraße abgestellten Wagen gelaufen, einem dunkelroten Opel Vectra, den er sich erst letzte Woche von Privat gekauft und bislang noch nicht umgemeldet hatte. Das würde er jetzt auch nicht mehr tun. Der Mann, der nach der Tat aus dem Haus gestürmt kam, um ihn noch abzupassen, hatte er nur von weitem und dann beim Wegfahren im Rückspiegel gesehen. Glücklicherweise waren die Kennzeichen verdreckt. Sie würden ihm nicht auf die Schliche kommen. Jetzt müsste er nur noch rausfinden, wo sich Katja und Tommy aufhalten, dann würde es bald eine Familienzusammenführung geben. Das schwor er sich.

    Maximilian setzte sich einen Kaffee auf, legte ein Stück Honigkuchen auf einen Teller, schmierte Butter auf eine Scheibe Stollen und trug seinen Imbiss ins Wohnzimmer. Dort nahm er am Tisch Platz, trank einen Schluck Kaffee und zündete sich zufrieden eine Kerze an. Jetzt war auch für ihn Weihnachten.

    Da scheint ja die halbe Polizei in Bayern mit drin zu stecken in diesem Schlamassel. Da weiß man ja gar nicht, wem man noch trauen kann.
    Und einer der Verfolger ist entkommen? Bestimmt der Chemiker, und der wird nicht locker lassen. Da sind unsere "Helden" noch lange nicht in Sicherheit, der wird sich auch Zugang zum Krankenhaus verschaffen können.
    Und was ist mit Andrea? Zumindest haben Jodef und Franz den Eingang gefunden und warten auf Unterstützung. Aber das wird bestimmt noch spannend werden. Ich bin auch gespannt, wie Semir reagieren wird, wenn er erfährt, dass Andrea in Gewalt des korrupten Polizisten ist.