Beiträge von Elvira

    Paul sah, wie Ilja mit dem kleinen Mann ins Haus ging und ihn mit Stößen und Tritten vorwärts trieb. Was dieser verrückte Kerl von ihm nur wollte, dachte er und konnte es sich schon fast denken. Schließlich hatte er in den letzten Tagen die Nachrichten und Zeitungen sehr genau studiert. Sicher würde Ilja seine Hilfe brauchen und er würde sich diese Hilfe teuer bezahlen lassen. Doch zuerst durfte dieser Wagen nicht hier gefunden werden. Doch wohin damit, dachte er nur und dann hatte er die Idee. Am Bahnhof würde er den Verdacht erwecken, dass beide mit dem Zug weiter geflüchtet sind. Keiner würde darauf kommen, dass der Wagen dort mutwillig platziert wurde. Das war die Idee und Paul setzte sie sofort in die Tat um. Er startete den Wagen und fuhr damit zum Bahnhof hinüber, suchte sich einen freien Parkplatz und stellte den BMW ab. Dann suchte er sich ein Taxi und fuhr zu seiner Praxis zurück. Auf der Rückfahrt rieb er sich die Hände und dachte, was für einen genialen Einfall er doch hatte. Doch das Lachen sollte ihm bald vergehen. Wieder zuhause ging er zu Ilja der bereits im Wohnzimmer saß. „Wo ist dein Freund?“, wollte er wissen. „Paul… hol mir die Kugel raus und du bist uns bald wieder los. Um meinen Freund mach dir keinen Kopf. Der wird erstmal nichts machen.“, grinste Ilja. „Ich habe gesehen, wie du ihn behandelt hast. Ich möchte mir den Mann gleich ansehen. Wenn du so eine Angst vor ihm hast, dann werde ich sicher was finden um ihn ruhig zu stellen.“, schlug Paul vor und tastete Iljas Schulter ab. Dieser stöhnte leise auf. „Ist nicht nötig…“, wiegelte er ab. „Das bestimme ich. Okay… die Kugel sitzt im Schulterblatt. Örtliche Betäubung?“, fragte Paul. Ilja nickte. Nur eine halbe Stunde später war die Kugel raus. Ilja bekam einen sauberen Verband um. „Du solltest den Arm mindestens zwei Wochen nicht bewegen. Solange kannst du hier bleiben…“, bot Paul an. „Danke…mein Freund…“, nickte Ilja. Er ließ sich sein Zimmer zeigen.

    Semir saß in dem Zimmer, in dem ihn Ilja untergebracht hatte war nicht groß. Nur ein Bett stand hier drin. Doch er hatte ihm die Fesseln nicht abgenommen und auch die Augenbinde saß fest. Semir saß auf dem Bett. Von dem Treppensturz hatte er eine Platzwunde an der Stirn sowie Abschürfungen am Bein und am Arm erhalten. Seine Rippen taten weh. Dennoch gab Semir nicht auf. Immer noch hatte er sein Handy und wenn er es geschickt genug anstellte, schaffte er es das Wort Hilfe oder was auch immer an Kim Krüger zu senden. Sicher wurde er schon gesucht. Semir wandte sich mit den Händen und schaffte es tatsächlich das Handy zu ziehen, doch bevor er sich mit der SMS beschäftigen konnte hörte er einen Schlüssel im Schloss. Schnell steckte er das Handy unter die Decke und tat als würde er schlafen. Es war ziemlich ungemütlich mit den gefesselten Händen. Nur mit Mühe schaffte er es die Atmung zu kontrollieren. Dann hörte er wie jemand in den Raum kam und wenig später legte sich eine Hand auf seine Schulter Semir zuckte zusammen. „Ganz ruhig… ich will mir nur die Wunden ansehen. Setzen Sie sich auf…“, bat ein Mann. Semir tat was dieser verlangte. Er redete nicht, denn er wusste nicht, ob dieser Mann allein war. Die Hände tasteten über den Körper und auch über seine Hosentaschen, die jetzt allerdings leer war. Semir flehte inständig in Gedanken, dass das Handy nicht entdeckt wurde. Als der Mann seine Rippengegend abtastete, stieß Semir ein leises Stöhnen aus. „Oh… nun die sind geprellt…aber nicht gebrochen. Sie sollten sich ruhig verhalten. Nur keine Sorge… ich werde mich um Sie kümmern. Haben Sie Hunger?“, wollte der Mann bei ihm wissen. Semir nickte. Wenig später bekam er etwas zu essen, doch weder Fesseln noch Augenbinde wurden abgenommen. „Nur keine Sorge… solange Sie in meinem Haus sind, werden Sie anständig behandelt.“, kam zum Trost. Doch auch jetzt antwortete Semir nicht.

    „Damit eines mal klar ist….die Beiden konnten nichts für diesen Übergriff, aber wenn die Sicherheitsleute ein wenig besser aufgepasst hätten, dann wären diese falschen Musiker nicht an Bord gekommen, Konrad Jäger würde nicht im Krankenhaus liegen…es wären keine drei Menschen gestorben und Ben Jäger wäre auch nicht angeschossen worden! Sie reiten hier auf die Diplomatie herum!! Herrgott noch mal!! Wie wäre es mit etwas Menschlichkeit!!“, schrie Christopher Holmes Hall an. Dieser stand nur da und knetete die Hände. Er ließ das Donnerwetter von Holmes über sich ergehen. „Aber ich wollte doch nur…“, versuchte er sich zu verteidigen. „Was? Was wollten Sie? Mich befreien? Was wäre denn, wenn die Regierung bezahlt hätte? Meinen Sie tatsächlich, dass wir frei gekommen wären? Die hätten uns als Geiseln genommen und Sie haben nichts anderes zu tun als auf der Diplomatie herumzureiten!!“, schrie Chris weiter. Er war wütend als er erfahren hatte, dass Hall nur seinen Vorteil sah. Nur Christopher Holmes war ihm wichtig gewesen. Und das war etwas, das diesem überhaupt nicht gefiel. „Gehen Sie!! Bevor ich Sie von ihrem Amt enthebe… auf solche Leute können wir gut und Gerne verzichten. Ich werde mich jetzt erst mal nach meinen Freunden erkundigen… denn das haben Sie bisher auch nicht getan oder?“, wollte er wissen Hall verneinte leise und verließ den Raum. Christopher wartete bis Hall den Raum verlassen hatte und griff dann zum Telefon. Er rief Kim Krüger an. „Frau Krüger… Holmes hier. Wie geht es Konrad und Ben Jäger?“, fragte er mit gepresster Stimme. „Herr Jäger sen. ist auf dem Weg der Besserung. Bei Ben…sah es bis vor einer Stunde sehr schlecht aus, aber er ist wach. Nun braucht er nur Ruhe…“, erklärte die Frau. „Danke… sagen Sie den Beiden, dass ich sie besuchen komme, sobald ich hier die Sachen erledigt habe…“, bat er. „Das werde ich tun…danke …ähm….Herr Holmes.. es gibt noch etwas…Semir ist verschwunden. Wir haben die Spur verloren.“, erklärte Kim Krüger leise. „Oh mein Gott…“, stieß Christopher aus und ließ den Hörer langsam auf die Gabel sinken.

    Conni Fingerhut und ihr Freund Andreas Läufer fuhren auf den Rastplatz um eine kurze Pause zu machen. Sie hielten bei den Bänken an und Conni stieg aus. „Ich bin gleich zurück!“ verkündete sie und lief zu dem Toilettengebäude. Doch nur wenige Minuten hörte Andreas sie schreien. In Panik rannte er hin. Was war passiert. „Conni?!“ rief er. „Andi…ruf die Polizei…hier…ist ein …Toter….oh mein Gott…“ stieß seine Freundin aus. Andreas griff zum Handy und sah ins Häuschen. Der Mann saß an der Wand gelehnt und man hätte glauben können, dass er nur schlief. Wenn dieses Blut an seinem Hemd nicht wäre, welches aus einer Wunde getreten war. Natürlich war alles längst getrocknet doch die weit aufgerissenen Augen die die Beiden ansah, schienen anzuklagen. „Komm raus…nicht das du irgendwelche Spuren verwischt…“ ermahnte Andreas seine Freundin. Conni nickte. Vergessen war das dringende Bedürfnis, weshalb sie hier Pause machten. Es dauerte eine gute halbe Stunde bis die Polizei endlich da war. „Sie haben den Toten gefunden?“ wollte der dicke Polizist wissen. Conni nickte. „Haben Sie etwas verändert? Etwas angefasst?“ kam die nächste Frage. „Nein…ich…ich hab ihn gesehen und…dann…haben wir die Polizei gerufen..“ gab sie zur Antwort. „Das war richtig…brauchen Sie einen Arzt?“ harkte der Polizist besorgt nach. „Nein…mir ist nur kalt…ich meine…dieser Anblick..ist…irgendwie …“ versuchte Conni zu erklären. „Ich versteh schon. Ich brauche noch Ihre Personalien… für die Zeugenaussage..“ lächelte der Mann sie freundlich an. Conni nickte und gab ihm ihren Personalausweis. „Sie müssen sich zur Verfügung halten…falls die Kollegen noch Fragen haben..“ wies er sie an. „Das ist kein Problem…“ bestätigte Conni. Sie und Andreas konnten nach Hause fahren. Der Polizist griff zum Handy und wartete bis sich jemand nach dem wählen meldete. „Ben…wir haben eine Leiche an dem Rastplatz A4…..männlich mit einer Kugel in der Brust..“ gab er durch.

    Luis Schrammel erwachte im Hotel. Obwohl er auf der Flucht war, ließ er sich Zeit. Denn er hoffte sehr, dass die Polizei ihn nicht so verdächtigen würde. Er hatte sich seinen Bart abgenommen und die Haare gefärbt. Eine Brille mit Fensterglas veränderte sein Aussehen so dass seine Mutter ihn nicht einmal erkannt hätte. Mit den schwarzen brav zur Seite gekämmten Haaren sah er aus wie ein biederer Buchhalter, der sich gerade dabei erwischte das er die roten Zahlen seines Mandanten schwarz färbte. Luis grinste als er sich vorstellte, wie es wäre, wenn er in einem ganz normalen Beruf arbeiten würde. Nein…das wäre nun doch zu langweilig…schade eigentlich das Holger quer geschossen war. Aber was soll es…er hätte sich eh von ihm trennen müssen. Zeugen sind nervig und werden mit jeder Zahlung von Schweigegeld gieriger. Holger war sicher ein guter Anwalt, hatte ein kleines Büro in der Düsseldorfer Innenstadt in einem alten Herrensitz. Er war sogar beruflich sehr erfolgreich. Schrammel lachte, wenn er daran dachte wie Holger seine Akten führte…einen kleinen Zettel und dann bekam Anita seine Sekretärin die Akte um die Notizen….verdammt…was wenn Holger in den Akten einen Hinweis auf sein Versteck in der Eifel hatte? Er musste sehen, dass er zum Büro kam und die Akten die ihn betrafen vernichten. Nichts durfte ihn verraten..gar nichts… dachte er. Zog seine Jacke an und fuhr zum Büro des Anwalts. Er kam um diese Zeit doch recht zügig voran und parkte seinen Wagen etwas abseits des Gebäudes und legte den Rest zu Fuß zurück. In diesem Augenblick sah er die Sekretärin um die Ecke biegen. Er verfluchte diesen Moment, denn es hieß, dass er die kleine Maus niederschlagen wenn nicht sogar töten musste. Aber vielleicht wusste sie auch noch nicht, dass ihr Chef tot ist…dann käme die Kleine sogar mit dem Leben davon. Er wartete einen Augenblick bis er hinter ihr her ging. Dann klopfte er an die Bürotür. „Guten Tag…ich würde gern zu Herrn Schiefer..“ erklärte er etwas schüchtern. „Guten Morgen…Herr Dr. Schiefer ist noch nicht da….aber er kommst sicher gleich…“ lächelte ihn Anita an. „Sie sind Herr Schrammel nicht wahr?“ harkte sie nach. „Ja….stimmt…Herr Dr. Schiefer und ich wollten noch etwas bereden..den Abschluss des Falles und…“ erklärte Schrammel. „Aber…ich dachte….warten Sie..Dr. Schiefer hatte mir doch eine Notiz gegeben…direkt nach dem Freispruch….er hat ihm mir diktiert und….ich hab ihn schon fertig. Dann müssen Sie gar nicht auf ihn warten..“ lächelte Anita und suchte nach den Akten im Schrank. Schrammel nutzte dies und trat hinter ihr. Ein kurzer Schlag mit der Handkante ins Genick genügte um die Frau zusammensacken zu lassen. Schrammel durchsuchte die Akten und zog seine raus.

    gut...dann zweimal hintereinander....

    ob Ben da so sicher ist? Ich denke nicht, wenn der Kerl den Wagen beseitgen lassen will..könnte ich mir vorstellen, dass er es auch macht wenn Ben im Kofferraum läge....? Hey...das wär es doch...zwei Fliegen mit einer Klappe..... :D:D:D

    Ben wartete im Krankenhausflur auf den Arzt. Semir wurde gerade operiert. Er wollte es unbedingt ambulant machen um erst gar nicht im Krankenhaus zu bleiben. Der Arzt hatte keinerlei Bedenken, zumal er Semir bereits kannte. Es dauerte eine knappe Stunde bis der Arzt heraus kam. Er stützte Semir ab, der noch etwas schwankte. „Sie sollten wenigstens noch etwas liegen bleiben, Herr Gerkan…es wäre wirklich besser..“ empfahl der Arzt. „Geht schon..ist doch gar nicht so schlimm gewesen außerdem ist mein Partner da…“ lallte Semir als wäre er noch ziemlich benommen. „Ich werde auf ihn aufpassen. Wie sieht es denn aus?“ mischte Ben sich ein. „Nun…die Wunde ist gereinigt, die Kugel raus. Sie hat einen Knochen leicht angekratzt, aber es ist nicht weiter tragisch. Ich denke in vier Wochen wird der Arm wieder soweit einsatzfähig sein, das er Dienst machen kann.“ versprach der Arzt. Er führte Semir zum Stuhl und drückte ihn nieder. Semir ließ es sich gefallen, denn er schien doch ziemlich schwach. „Sie sollten Ihren Kollegen ins Bett bringen…sonst kippt er noch ganz um..“ schlug der Arzt vor. Ben sah zu Semir und nickte. „Ja..ich bringe ihn direkt nach Hause..“ bestätigte er. Er zog Semir hoch und stützte ihn ab. Auf dem Parkplatz machte er ihm die Tür auf und drückte ihn auf den Beifahrersitz. „So…nun geht es ab ins Bettchen..“ grinste er. „Ich kann arbeiten….“ maulte Semir. „Ja sicher…morgen wieder…heute lässt du dich verwöhnen..“ grinste Ben nur. Es kam keinen Widerworte und so wusste Ben, das Semir wirklich nicht in der Lage war etwas zu tun. Semir schlief ein bevor er noch zuhause angekommen war. Vor Semirs Haus stand bereits Andrea parat und wartete auf ihren Mann. Gemeinsam mit Ben schafften sie ihn ins Bett. Semir wachte nicht einmal auf. „Danke Ben…die Kollegen bleiben aber vor dem Haus oder?“ wollte sie wissen. „Nicht nur das…ich werde auch hier bleiben….im Gästezimmer, wenn du nichts dagegen hast...“ bot er sich an. „Sehr gern….“ Nickte Andrea und suchte ihm Bettzeug heraus. Nur wenig später saßen sie am Tisch und aßen. Semir bekam von all dem nichts mit.

    Am nächsten Morgen wachte Semir erschrocken auf. Er schnellte hoch und schrie vor Schmerz auf. „Hey..Schatz…was ist denn?“ kam Andrea angerannt. „Schon gut…ich…ich dachte nur ich hab verschlafen…au verdammt….“ Stieß er aus. „Willst du aufstehen?“ wollte sie wissen. „Ja..ich will mir Schrammel schnappen…nur keine Angst….ich werde dabei sein…und selbst nichts tun…aber diesen Mistkerl kriege ich…versprochen..“ drohte Semir seinem nicht anwesenden Feind. Andrea half ihrem Mann beim Anziehen und ging gemeinsam mit ihm runter. „Guten Morgen Partner..“ begrüßte Ben ihn. „Ben…hast du hier geschlafen oder bist du eben erst gekommen?“ wollte Semir wissen. „Ich habe im Gästezimmer geschlafen…wie geht es dir?“ harkte Ben nach. „Danke der Nachfrage…ich hab Hunger..“ grinste Semir. „Da kann ich Abhilfe leisten..“ lachte Andrea. Gemeinsam gingen sie in die Küche und aßen. Ayda war bereits im Kindergarten und Layla schlief tief und fest in ihrer Wiege. Semir warf einen Blick auf seine Tochter. „Sie ist so süß…wenn sie schläft..“ meinte er. „Sie ist auch süß wenn sie es nicht tut…“ widersprach Ben. „ja schon gut…wir werden gleich fahren…wir müssen Schrammel finden, bevor er das Land verlässt..“ lenkte Semir von dem Thema ab. „Hältst du das für eine gute Idee? Du bist nicht gerade 100%ig einsetzbar oder?“ kam von Ben nachdenklich. „Das geht schon…ich will diesen Mistkerl. Er hätte das Mädchen erschossen, wenn ich mich nicht davor geworfen hätte..“ grollte Semir. „Gut…dann fahre ich und du wirst nur schauen…“ grinste Ben. Damit war die Diskussion über die Einsatzfähigkeit von Semir abgeklärt. Er konnte zwar nicht selbst fahren, aber Schrammel hatte die linke Schulter getroffen. Er war Rechtshänder und damit nicht wirklich gehandicapt. Das dachte er zumindest.

    hmm Ben hat ja keine gute Meinung vom Soldatenleben...aber verstehe ich...ich finde es nicht gut... Nun ja...solange es uns den Hintergrund zu dieser Story geliefert hat...immer her damit....wie geht es nun weiter? Ich denke Semir und Ben werden beidem Kommandanten sicher an ihre Grenzen stoßen. Zumindest die der Vorschriften..

    Semir kam langsam wieder zu sich und merkte, dass er sich nicht bewegen konnte. Sein Kopf und sein Nacken schmerzten ungemein und er fühlte sich, als wäre er gegen einen Dampfhammer gelaufen. „Na, kommen wir wieder zu uns.“, hörte er eine verhöhnende Stimme und sofort drehte er sich zur Seite. Erschrocken blickte er in das fies grinsende Gesicht von Ilja. „Sie?“, stieß er aus und wollte sich wehren. Doch die Fesseln hielten ihn am Griff und am Sitz fest. „Verdammt, was soll das? Machen sie mich sofort los, oder ich....“ „Oder was?“, lachte Ilja und zog seine Waffe hervor. Erst jetzt sah Semir die Wunde an dessen Schulter und der Mann schien dadurch noch gereizter zu sein und die Finger schienen sich mehr und mehr um den Abzug zu verkrampfen und Semir wusste, ein falsches Wort und es könnte sein letztes sein. „Wir werden jetzt gemeinsam dieses Land verlassen, aber vorerst werde ich mir diese Kugel entfernen lassen.“, zischte er und sah immer wieder in den Rückspiegel. „Verdammt, wo kommen die den her?“, stieß Ilja aus, als er die beiden Polizeiwagen schnell näher kommen sah. Semir leckte sich nervös über die Lippen. „Geben Sie auf….Sie können nicht entkommen…“, versuchte er seinen Gegner zu überzeugen. „Halt die Klappe!!“, schrie dieser ihn an. „Du …du wirst mir jetzt den freien Abzug verschaffen…wo geht das Funkgerät an?“, wollte sein Entführer wissen. Semir schwieg zunächst. Doch er sah auch ein, dass er keine Chance hatte, sich zu wehren. „Wo geht der Funk an?“, fauchte Ilja fragend und stieß ihn den Waffenlauf in die Wange. „Rechter Knopf.“, antwortete Semir. Ilja drehte den Knopf und griff um Mikro. „So dann wollen wir deinen Freunden mal sagen, dass es besser ist, wenn sie die Verfolgung abbrechen.“, grinste Ilja.

    Attila und Mario saßen im Funkwagen und verfolgten den BMW von Semir. „Wenn Semir mir ab und an mal gezeigt hätte, wie er es schafft den Wagen zu schrotten, dann könnte ich mich jetzt querstellen und dann…“, fauchte Mario wütend. Attila lachte leise. „Lass es lieber. Es reicht doch, wenn die Beiden den Anschiss von Krüger bekommen.“ „Hört ihr mich da hinten?“, kam plötzlich durch den Funk. Die beiden Beamten sahen sich an. „Wer ist das denn?“, fragte Attila und griff zum Mikro. „Hier spricht Cobra 17….wer sind Sie?“, wollte er wissen. „Wer ich bin? Was denkst du, wer ich bin? Ich bin der…der euren Freund Gerkhan hier hat. Ihr solltet besser aufhören, hinter uns her zu fahren, sonst bin ich gezwungen eurem Kollegen weh zu tun!!“, kam als Antwort. „Hören Sie…Sie können uns nicht entkommen…Lasen Sie unseren Kollegen frei…“, gab Attila entschlossen durch. „Ach ja…?“, hörten sie den Erpresser. Nur wenig später hallte ein Schuss. „Hey!!! Hören Sie mich?“, stieß Attila durch den Funk. „Ja…die Kugel ging sehr knapp an dem Kopf eures Kollegen vorbei…noch…aber ich kann auch direkt zielen und damit ihr merkt, dass ich keinen Spaß mache, darf euer Freund jetzt was sagen…“, erklärte der Gegner. „Sag deinen Freunden, dass ich es ernst meine...“, fauchte Ilja Semir an und hielt ihm das Mikro hin. „Hier…Semir… bleibt zurück…er scherzt nicht.“, stieß Semir durch. Noch immer saß ihm der Schreck in den Knochen, als die Kugel nur Millimeter entfernt von seinem Kopf vorbei flog. Sein Ohr pfiff leise durch das Knallgeräusch. Ilja sah in den Rückspiegel und tatsächlich blieben die Fahrzeuge zurück. „Sehr gut… und nun werden wir einen alten Freund von mir besuchen… er wird mir die Kugel raus holen…und dann werden wir unsere Flucht fortsetzen. Aber noch etwas… wo ist unser Goldjunge Jäger? Und wo der Engländer?“, wollte Ilja wissen. Semir antwortete nicht. „Wo sind sie?“, fauchte Ilja erneut. „Ben Jäger ist…tot…“, stieß Semir aus. So glaubwürdig, dass Ilja ihm es tatsächlich abnahm. „Oh…das tut mir Leid. Und dieser Engländer?“, harkte er nach. „Ich weiß es nicht. Was haben Sie vor?“, stellte Semir die Gegenfrage. „Oh…ich kenne einen Doc aus alten Tagen und der schuldet mir noch einen Gefallen….“, grinste Ilja. Semir sah aus dem Fenster. Seine Hände taten durch die ungewohnte Haltung weh. „Woran denkst du?“, riss Ilja ihn aus den Gedanken. „Das geht dich einen Scheiß an…“, fauchte Semir nur. Er sah dass die Fahrt nach Ossendorf ging.

    Andrea saß auf dem Sofa. „Gott… warum hat er Semir mitgenommen? Ich meine…er hätte doch einfach fahren können und…“, fragte sie leise. Kim nahm ihre Hände. „Wir vermuten, dass er versucht hat über die Autobahn zu entkommen, aber wir haben alle Ausfahrten gesperrt und anscheinend hatte er die Idee, Sie, Ihre Tochter und Ihren Mann als Geiseln zu nehmen. Das ist allerdings durch Semir vereitelt worden, als er seinen Wagen auf der Straße sah und hinrannte. Die Kollegen sind zwar direkt hinterher, aber…Frau Gerkhan… Sie wissen doch, wie Ihr Mann reagiert, wenn jemand sich an seinem Wagen zu schaffen macht. Da wird er zum Tier. Aber wir werden ihn finden. Wir haben seinen Dienstwagen stets unter Beobachtung. Allerdings hat der Mann damit gedroht ihn zu erschießen, wenn wir ihm weiterhin folgen. Von daher sind wir auf das GPS angewiesen…“, erklärte Kim Krüger leise. Andrea nickte. „Gott warum kann nicht einmal ein Fall ohne Probleme beendet werden? Warum können Semir und Ben sich nicht einfach amüsieren ohne in irgendeine Falle zu geraten?“, wollte sie wissen. Doch darauf wusste auch Kim Krüger keine Antwort. „Was ist mit Ben?“, fragte Andrea nach einer Weile nach. „Es gibt noch keine Veränderung… Sein Vater ist bei ihm…“, kam leise von Kim.

    Tobias Singenthaler sah sich um. Nirgends war seine Frau oder die Kinder zu sehen. „Singenthaler…wo ist…meine Familie?“ fragte er einen der Sanitäter. „Dort hinten…im RTW…Ihre Frau und Ihr Sohn werden behandelt..die anderen beiden Kinder sind soweit wohlauf..“ erklärte der Mann und ließ Tobias stehen. Dieser ging wie im Trance auf den Wagen zu. Was sagte der Mann? Seine Frau und sein Sohn..und die beiden anderen….sollte es heißen, dass sein Kind schon da war? Oh mein Gott…hoffentlich war alles in Ordnung…. Er sah in den Wagen. „Alex?“ fragte er leise. „Tobi…..ja..hier ….es ist alles okay…mit mir und mit Armin…“ kam leise zurück. „Alex…mein Sohn? Er ist schon da…?“ wollte Tobias wissen. „Deine Tochter hat ihn quasi zur Welt gebracht…sie ist ein verdammt tapferes und großartiges Mädchen…“ bestätigte Alexandra. „PAPA!!“ rief Timo als er seinen Vater am Wagen stehen sah. „Timo….Yvette….Gott ich hab euch wieder…ich liebe euch….seid ihr okay?“ harkte Tobias nach und untersuchte die Kinder mit den Händen. Er tastete sie ab. „Wir sind okay….alle nur der Polizist…der hat sich vor mir geworfen und….dann hat er ganz stark geblutet…“ erklärte Yvette. Tobias sah sie an. „Warum hat er geblutet?“ wollte er wissen. „Der böse Mann hat auf ihn geschossen..“ empörte sich Timo. „Geschossen? Auf den Mann?“ harkte Tobias nach. „Nein..erst hat der Mann auf mich gezielt...und dann hat der Polizist sich vor mir geworfen und mich beschützt….sonst hätte ich sicher…“ Yvette stockte. „Oh mein Gott…diese Schweine….diese miesen Schweine…“ stieß Tobias aus. Yvette sah ihn an. Tobias lächelte. „Ich habe gehört, dass du heute deinen Bruder auf die Welt geholt hast…das war eine klasse Leistung...ich bin stolz auf dich meine Große…“ lobte er seine Tochter.

    Luis Schrammel sah Holger Schiefer an. „Und…was machst du mit dem Geld?“ wollte er beiläufig wissen. „Ich werde die Kanzlei aufgeben und mich in die Südsee absetzen.“ Gab Holger von sich. „Das ist eine gute Idee…ich werde eine Weltreise machen…ein wenig hier ausgeben und ein wenig da…allerdings muss ich ne Weile warten, den die Bullen haben sicher alle Flughäfen und Bahnhöfe abgesperrt. Die Autobahnen sowieso… außerdem denke ich werden Jäger und Gerkan mich jagen…nun ja…so eine Flucht kostet verdammt viel Geld…“ erklärte Luis. Holger verstand nicht was der Mann damit meinte. Erst als Luis den Wagen auf einen Rastplatz lenkte. „Was willst du denn hier?“ fragte Holger erstaunt und sah sich um. Als sein Blick wieder auf Luis ging sah er in die Mündung einer Waffe. „Ich sagte ja…die Flucht wird teuer…. Aussteigen!!“ forderte er Holger auf. „Aber…mein Anteil…was…ist damit…?“ fragte der Anwalt. „Der gehört mir….raus!! oder willst du eine Kugel?“ fauchte Luis. Holger sah ihn an. „Das kannst du nicht tun…die Polizei…sie sucht mich..und….ich muss auch weg…“ stieß er verzweifelt aus. „Oh…das ist übel…dann wünsche ich dir viel Glück, das du entkommen kannst…“lachte Luis. „RAUS!!“ hängte er an und spannte den Hahn. Holger Schiefer stieg aus. „Du verdammter Mistkerl!!! Ich werde den Bullen verraten wo du dich versteckst!! Ich kenne all deine Verstecke!!“ schrie Holger ihm wütend hinterher. Luis hielt noch einmal an und fuhr neben ihn. Holger dachte wohl, dass er nun wieder einsteigen konnte, doch Luis wollte dies nicht. Er hob die Waffe als Holger einsteigen wollte und drückte ab. „Tut mir echt leid mein Freund….aber….ich kann Verräter nicht leiden..“ meinte er und raste davon. Zurück blieb der Leichnam von Holger Schiefer auf dem Asphalt.

    Semir besah sich seine Wunde, während Alexandra mit dem Babykriegen beschäftigt war. Ihm wurde übel. Die Kugel war noch in der Schulter und er hatte das Gefühl, dass sie sich tiefer in den Körper bohrte. Die Blutung war kaum zu stoppen. Er bekam nicht einmal mit, wie Babygeschrei ertönte. Langsam driftete er in die Ohnmacht rein. „Hey….sind Sie in Ordnung?“ riss die Stimme von Yvette ihn wach. „Ja….geht schon...“ stieß er aus. „Sie lügen…Mama sagt man darf nicht lügen….ich hab 1. Hilfe in der Schule gehabt….und ich sehe dass die Wunde blutet…richtig tüchtig….und meine Lehrerin hat mir gesagt, dass man auf solche Wunden einen Druckverband machen muss….aber ich weiß nicht womit…“ klagte Yvette. Semir lächelte. „Ich hätte da etwas….aber…ich schaff das nicht allein…“ stieß er aus. Yvette nickte. „Hilf mir das Shirt auszuziehen…das können wir auf die Wunde pressen…und dann nehmen …wir meinen Gürtel…und…dann können wir einen Druck auf die Wunde ausüben..“ erklärte er mühsam. Mit Hilfe des Mädchens schaffte er es tatsächlich. Das Anlegen des Gürtels erwies sich als Schwieriger als gedacht. „Du musst es ganz fest anziehen…“ befahl Semir. Mittlerweile hatte er schon ziemlich viel Blut verloren. Yvette zog so fest sie konnte und Semir schrie auf, als der Druck sich aufbaute. „Gut….ist gut…genug..“ stieß er aus. Yvette befestigte den Gürtel. „Danke….“ kam von Semir leise. „Sie dürfen den Arm aber nicht bewegen…“ befahl Yvette ihn. Semir lächelte schwach. „Jawohl Frau Doktor…was ist mit deiner Mutter?“ wollte er wissen. „Meine Mutter geht es sehr gut und meinem Bruder auch…“ strahlte die Elfjährige. „Und sie hat gesagt, dass ich den Namen für ihn aussuchen soll….“ hängte sie an. „Das ist schön...du bist einfach klasse…“kam von Semir. „Wie soll dein Bruder denn heißen?“ wollte er wissen. Yvette dachte nach. „ich finde er sollte Armin heißen…das ist doch ein toller Name oder?“ fragte sie. Semir nickte. „Ein sehr schöner Name….“ bestätigte er. „hör mal..Yvette….wir wollen doch hier raus, oder…?“ harkte er nach. „Ja sicher…. Ich will nach Hause und zu meinem Papa…“ nickte Yvette. „Gut..dann hör mir jetzt mal genau zu…du musst mir nämlich helfen.. in meiner rechten Hosentasche hinten…da…ist ein kleines rundes Ding….ich brauche das…kannst du es raus ziehen?“ bat Semir das Mädchen. „Ja klar….“ kam von ihr. „Sehr gut… hol es raus und dann gib es mir…“ Yvette tat was er sagte und gab ihm das kleine runde Ding in die gesunde Hand. „Sehr gut….das ist wirklich klasse…und nun noch etwas winziges….siehst du den schwarzen kleinen Punkt?“ wollte Semir wissen. Yvette nickte. „Drück drauf….dann sind meine Kollegen bald hier und holen uns raus…“ meinte Semir nur und streichelte dem Mädchen den Kopf. „Danke…“ kam leise von ihm. Für die Kinder war es eine schlimme Situation. Sie waren schon seit einigen Tagen in der Gewalt dieser Mistkerle und hatten sicher schon einen seelischen Schaden davon getragen. Hier würden die Psychologen einiges an Arbeit haben.

    Kim Krüger sah Ben an. „Die Staatsanwältin hat Sie beide abgezogen und mich auch unterrichtet für was. Haben wir irgendeine Information von Semir? Wissen wir wo er ist?“ wollte sie wissen. „Nein…derzeit nicht…. Aber er hat einen Sender und wenn er in der Lage ist, dann wird er ihn auch aktivieren.“ erklärte Ben. Auch Schrankmann und Singenthaler waren bei ihr im Büro. „Ich hoffe nur, dass alles gut ist..und meine Familie wohl auf…und Her Gerkan natürlich auch…diese Ungewissheit ist Folter…“ stieß der Richter aus. Er lief die ganze Zeit im Büro auf und ab. „Herr Singenthaler…wir finden alle wohlauf und munter…haben Sie Vertrauen zu Semir Gerkan…er ist einer der Besten..“ beruhigte Schrankmann. „BEN!! Wir haben das Signal!!“ unterbrach Susanne die Sitzung. „WO???“ harkte Ben sofort nach und rannte an Susannes Schreibtisch. „Es kommt von einem alten Bauernhof an der A3. Das SEK ist bereits informiert und warten nur auf den Einsatzbefehl…“ erklärte Susanne. Ben rannte raus. „Warten Sie!! Ich komme mit…ich muss zu meiner Familie…bitte…“ hielt Singenthaler ihn auf. Ben sah kurz zu Kim und der Staatsanwältin und nickte dann. „Gut..kommen Sie..!“ meinte er und verschwand mit dem Richter. Mit Blaulicht und Sirene ging die Fahrt los. Ben legte regelrecht einen Rekord hin und erreichte den Platz eine gute halbe Stunde später. „SEMIR!?!“ rief er laut über den Platz. „Wir haben Ihren Kollegen und die Familie in einem alten Erdbunker gefunden. Sie werden gerade verarztet. Ihr Kollege hat sich eine Kugel eingefangen..da hinten im RTW!“ gab der Einsatzleiter bekannt. „Danke..“ stieß Ben aus und rannte hin. Semir lag auf der Trage und bekam gerade einen Verband. „Sie müssen auf jeden Fall operiert werden. Die Kugel steckt im Knochen…“ ermahnte der Arzt. „Ja…sicher…ist mir schon klar..“ stieß Semir aus. „Hey.. Partner..sonst alles okay?“ wollte Ben wissen. „Ben..ja…ich bin okay…“ bestätigte Semir. „Gut..fahren Sie meinen Kollegen ins Krankenhaus..ich komme nach..“ lächelte Ben und verließ den RTW wieder. Nur kurz darauf fuhr er ab.

    Also ich finde Semir sollte mal einen Kurs machen..."Wie lerne ich meine Klappe zu halten" gibt es doch sicher an der Volkshochschule....wenn nicht..sollte man den für Semir einrichten......dann würde er es verstehen, wann er was sagt und wann nicht.

    Ist doch wohl klar, dass er sich nicht wegen dem gebrochenen Arm ruhig stellen lässt. Nur irgendwie befürchte ich, dass ihm genau das zum Verhängnis werden könnte....oder gar tut????

    Kim und Andrea blieben vor der Scheibe stehen und sahen, wie Semir mit grüner, steriler Kleidung die Intensivstation betrat und sich zu Ben ans Bett setzte. Die Geräte piepsten monoton vor sich hin und immer wieder hörte er das Pumpen und Zischen der Atemmaschine. Zur großen Vorsicht wurde Ben künstlich beatmet, um die Körperzellen von Ben ganz auf den Heilungsprozess einzuschießen. „Ben?“, stieß Semir aus und sah den leblosen, fahlen und bleichen Körper, der zwischen all den Geräten auf dem Bett in dem weiß-schwarz gepunkteten Krankenhausgewand lag und sich nicht rührte. „Verdammt, Ben, bitte... lass mich nicht alleine. Ich brauch dich doch. Wir sind doch so ein gutes Team. Hey, wer soll denn für meinen Sohn den Patenonkel machen, wenn nicht du?“, stieß Semir voller innerer Schmerzen und Trauer aus, wie er seinen Freund so vor sich liegen sah. Ihm stiegen die Tränen in die Augen und er spürte, wie sie ihm die Wange hinunterliefen und auf seine Hand tropften. „Bitte, Ben... lass uns nicht hängen. Vor allem, denk an deinen Vater. Der brauch dich doch jetzt.“, kam es von Semir und vorsichtig fuhr er mit seiner Hand auf der Matratze lang und ergriff Bens. Sie war kühl und regungslos. Dennoch ergriff Semir sie und hielt sie fest. „Junge, komm schon... lass mich nicht alleine.“, schluchzte er.

    Ilja hatte sich endlich Zugriff zum Haus verschafft und sah sich im Haus ganz genau um. Für so einen kleinen Bullen war das Haus ziemlich protzig eingerichtet, dachte er und machte sich daran, die ganzen Zimmer zu durchsuchen und zu verwüsten. Kein Stein blieb auf dem anderen, alles fiel Iljas Rachedurst zum Opfer. Selbst vor dem Kinderzimmer machte er nicht halt. Er musste einfach diesen Gerkhan in die Finger bekommen, doch wie lange würde es dauern, bis er hier wieder auftauchte. Nein, lange konnte er sich hier nicht aufhalten. Das, was er getan hatte, sollte reichen. Er lief wieder in den Flur hinunter und sah dann, dass der Autoschlüssel direkt vor ihm im Korb lag und der BMW in der Garage parkte. Schnell schnappte er sich den Schlüssel und startete den Wagen. Wohin?, fragte er sich nun. Noch immer waren ihm die zehn Millionen zu wenig, aber wie sollte er mehr bekommen? Egal, ihm würde schon etwas einfallen. Erstmal fuhr er los und war in wenigen Minuten auf der Autobahn, doch sofort fluchte er wieder verhalten. Vor ihm war eine Straßensperre der Polizei aufgebaut. „Shit.“, stieß er aus und dachte nach, was er nun zu tun hatte.

    „Frau Krüger….wenn Ben dort stirbt, dann werden Sie zwei Männer verlieren. Mein Mann wird dann nicht mehr weiter machen…“, erklärte Andrea. Kim nickte nur schweigend. „Wissen Sie…als Tom…starb, da stand unsere Ehe auf der Kippe. Semir war am Ende…er war völlig fertig und…“, ging es bei Andrea weiter. „Ich weiß, was Sie sagen wollen, aber ich kann nichts tun. Jäger ist robust…er wird es schaffen. Daran müssen wir glauben.“, erklärte Kim kalt. Andrea sah ihn an. „Sie zeigen wohl nie Ihre Gefühle was? Ist das Schicksal von Ben Jäger nicht ausschlaggebend?“, harkte Andrea nach, die selbst Tränen in den Augen hatte. „Mir ist es nicht egal…aber…ich ändere nichts daran, wenn ich in Mitleid vergehe…“, kam von Kim wütend zurück. „Okay… ich verstehe…aber ich finde, Sie sollten es wenigstens ab und zu zeigen, was Sie fühlen. Ansonsten zerbrechen Sie dran.“, riet Andrea leise. Kim sah sie nur an. „Sie sollten Ihren Mann mit nach Hause nehmen, aber bitte denken Sie daran, dass er kein Auto fährt. Er …“, lenkte sie vom Thema ab. Andrea nickte nur. „Schon klar….“

    Semir sah auf Ben. Die Geräte piepten eintönig und sie machten müde. Er erhob sich. „Ich komme morgen wieder. Bis dahin solltest du bitte wieder wach sein...klar? Sonst bekommst du nie wieder von mir Kekse…“, drohte Semir und musste über seinen kleinen Scherz leise lachen. „Ben…ich brauche dich…lass mich nicht allein…bitte.“, flehte er. Eine einsame Träne lief die Wange herunter. Semir dreht sich um und verließ den Raum. An der Tür drehte er sich noch einmal zu seinem jungen Kollegen um. „Komm Schatz… wir fahren nach Hause…“, riss Andrea ihn aus den Gedanken. „Ja…sicher…“, murmelte Semir und ging mit schweren Schritten neben Andrea her. Sie fuhren in die Tiefgarage, wo Susanne schon auf sie wartete. „Da seid ihr ja endlich…. Aida hat schon zu weinen angefangen… Aber jetzt schläft sie wieder…“, begrüßte Susanne sie. Semir setzte sich wortlos in den Wagen. Susanne sah Andrea fragend an. „Fährst du bitte.“, wollte Andrea wissen. „Was ist los?“, harkte Susanne nach. „Ben….wurde angeschossen…es sieht nicht gut aus.“, erklärte Andrea leise. „Oh nein…“, stieß Susanne aus. „Bitte fahr uns nach Hause…und …dann….“, bat Andrea. Susanne nickte und ließ sich hinter das Steuer sinken. Sie warf einen Blick auf Semir, der einfach nur durch die Frontscheibe sah. Er sagte nichts, er saß einfach nur da und tat nichts. Susanne ließ den Wagen durch den nächtlichen Verkehr gleiten. Es dauerte eine knappe halbe Stunde bis sie zuhause waren. Vor der Tür stiegen sie aus. „Semir! Die Tür… wir hatten sie abgeschlossen…aber…jetzt…ist sie offen…“, erklärte Andrea leise. Semir wurde nun wieder aktiv. „Ihr wartet hier!“, befahl er und ging ins Haus. Drinnen bot sich ein Chaos. Alle Schränke waren geöffnet und die Sachen lagen am Boden. Doch es schien niemand mehr hier zu sein. Dennoch ließ er die Frauen draußen im Wagen warten. Er ging Raum für Raum durch. Überall sah es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. „Wer zum Teufel….“, fragte er sich. Mit einem Tuch nahm er den Hörer auf und rief die Kollegen an.

    Semir sah Schrammel an, als dieser an der Klappe stand. „Ich werde unserem gemeinsamen Freund dem Richter Singenthaler jetzt nur noch eine kleine Warnung mitteilen….und dann….auf Nimmer wiedersehen…“ lachte Schrammel und legte die Waffe an. Semir sah in die Schussrichtung. „NEIN!! Schrie er laut und warf sich vor das kleine Mädchen auf das Schrammel zielte. Der Schuss hallte und Semir spürte den Einschlag in der Schulter. „Verdammter Bulle..!“ stieß Schrammel und ließ die Klappe fallen. Nur kurz darauf waren abfahrende Fahrzeuge zu hören. „YVETTE!!! NEIN!! YVETTE!!!“ weinte die Frau. Semir hielt sich die Schulter. Blut lief aus der Wunde und benetzte sein T-Shirt. „Der Kleinen geht es gut..“ stieß Semir aus, als er das Mädchen ansah. „Sind Sie schwer verletzt?“ wollte die anwesende Frau wissen. „Frau Singenthaler?“ fragte Semir nach und stieß ein leises Stöhnen aus. „Ist…nicht weiter schlimm“ hängte er an. „ Wie geht es Ihnen?“ harkte er nach. „Wehen…ich…ich hab die Wehen…sie…kommen alle…fünf Minuten…“ stieß Alexandra hechelnd aus. „Oh Gott..können Sie das nicht irgendwie anhalten?“ wollte Semir heiser wissen. „Sehr witzig…Sie sind…wohl…..ohhhh .. puh..puh…kein Vater…oder?“ fragte die Frau. „Doch..zweifach sogar..nur….vergessen wir es…mit meinem Arm kann ich Ihnen nicht viel helfen…“ erklärte Semir. „aber ich…und Timo….“ Mischte sich das Mädchen ein. Semir sah sie an. „Du bist verdammt tapfer..“ nickte er anerkennend. „Timo…du nimmst Mamas Kopf und lass sie auf deinen Schoß legen….“ befahl Yvette. „sie….gehen da hinten hin…Sie können mir eh nicht helfen….“ wandte sie sich an Semir. Dieser musste leicht grinsen. Wie ein General auf dem Schlachtfeld. „Jawohl…Frau General…“ lachte er. Das Mädchen sah ihn kühl an. „Ich bin Yvette Singenthaler…“ stellte sie sich vor. „Ich bin Semir….Yvette..ich finde es sehr tapfer, dass du deiner Mutter helfen willst….aber weißt du wie du es machen musst?“ wollte Semir wissen. „Nein….aber ich hab vor kurzem ein Film in der Schule gesehen wie das Baby kommt….“ erklärte Yvette.

    „Frau Schrankmann? Jäger hier…in der Wohnung des Richters gibt es nichts was zu verwerten ist. Ich habe die Spurensicherung dennoch angefordert und hoffe, dass wenigstens Fingerabdrücke zu sichern sind. Haben Sie Info von Semir?“ wollte Ben wissen. „Nein…bisher nichts Neues. Er hat sich nicht gemeldet…“ gab die Staatsanwältin durch. „verdammt….das heißt nichts Gutes….“ stieß Ben aus. „Wenn er das Geld übergeben hat, wird er sich melden…“ sagte Schrankmann. „Ich wette er hat es schon übergeben und Schrammel hat ihn zum Dank abgeknallt…ich hab doch gleich gesagt, dass es eine beschissene Idee war…“ knurrte Ben. „Herr Gerkan hat einen Minisender….es wird schon klappen….wenn er wie Sie sagen das Geld übergeben hat, dann wird er ihn aktivieren…ganz sicher…und dann können Sie und er sich das Schwein schnappen….und diesmal gebe ich Ihnen beiden frei Hand…“ versprach Schrankmann. „Das ist doch mal ein Wort. Ich komme jetzt zurück…“ gab Ben durch. Er steckte sein Handy ein und fuhr zum Gerichtsgebäude zurück. „Haben Sie keinen Hinweis gefunden?“ überfiel der Richter ihn sofort. „Leider nein….die Bande ist sehr gründlich gewesen. Das ganze Haus ist geputzt. Aber Hartmut..unser Mann aus der KTU sucht trotzdem….Herr Singenthaler…überlegen Sie bitte genau….haben die Kerle irgendwas gesagt….was nach der Verhandlung passieren soll?“ wollte Ben wissen. Singenthaler schüttelte den Kopf. „Nein…nichts…sie sind sicher schon tot….alle…“ stieß er verzweifelt aus. „Das ist nicht gesagt…wenn die Übergabe gelaufen ist und….wenn Semir bei Ihrer Familie ist, dann wird er den Sender aktivieren und dann haben wir sie….“ Versprach Ben. Schrankmann sah ihn zweifelnd an.

    und wieder wünscht Semir sich dass er mal die Klappe halten sollte.... Er tut mir irgendwie Leid...oder nicht? hmmm...vielleicht will Kim ihn ja auch nur loben, dass er jeden Tag seinen Kopf riskiert....obwohl...nee....auch nicht ihre Art...

    Okay..Chris..sag mir wie es weitergeht

    Semir wartete knappe fünfzehn Minuten bis das Handy klingelte. „Ja?“ fragte er. „Fahr weiter….nächste Abfahrt runter und dann links halten!“ befahl Schrammel. „Sagen Sie mir doch einfach die Straße…das ist einfacher für mich..“ knurrte Semir. „Tu was ich sage!“ fauchte Schrammel. Semir fuhr los. Er fuhr wie Schrammel es verlangte. „Und wohin jetzt?“ wollte Semir wissen, als er das Ziel erreicht hatte. „Fahr nach links….auf den alten Bauernhof!“ befahl Schrammel. Semir lenkte den Wagen dort hin. Er machte sich schon auf eine ungemütliche Unterhaltung mit Schrammel bereit. Sicher würde er nicht so schnell wieder davon kommen. Was wollte Schrammel von ihm? Er grübelte darüber nach. „HALT AN!!“ riss Schrammels Befehl ihn aus den Gedanken. Semir trat die Bremse. Dicht vor ihm standen drei Mann. „Steig aus und nimm das Geld!“ befahl Schrammel. Semir tat es. „Okay…leg es auf dem kleinen Tisch ab und geh zum Wagen zurück!“ kam der nächste Befehl. Semir folgte dem Befehl und legte den Koffer auf den Tisch. Er öffnete ihm um das Geld zu zeigen. „Sehr schön…und nun bitte zum Auto zurück!“ fauchte Schrammel ihn an. „Wo sind die Geiseln?“ fragte Semir. „Warum sind Sie so ungeduldig? Den dreien..nein…den fast vieren geht es gut...die Frau hat die Wehen oder sie tut nur so…ist mir egal…“ lachte Schrammel. „Wie kann es der Frau gut gehen? Sie bekommt ihr Kind!! Wo sind sie? Sie haben das Geld…wo sind die Geiseln?“ wollte Semir erneut wissen. „Nur keine Angst..ich bringe Sie hin…da lang!“ forderte Schrammel ihn auf und unterstrich den Befehl mit der Waffe. Semir hob die Hände und ging in die Richtung, die Schrammel ihn wies. Es ging auf eine in den Boden gelassene Tür. „Aufmachen!“ befahl Schrammel. Semir bückte sich und unter der Tür war ein Raum. Er sah dort die Frau des Richters und die Kinder eingeschüchtert sitzen. „Sie dürfen Ihnen Gesellschaft leisten..“ verkündete Schrammel und winkte mit der Waffe. „Damit kommen Sie nicht durch….Ich werde Sie finden….und dann…“ knurrte Semir wütend. Er musste dem Befehl folgen wenn er die Geiseln zu denen er nun auch gehörte, retten wollte. „Gerkan…nur keine Sorge…wie ich schon im Gericht sagte….wer zuletzt lacht…lacht am besten…und für Sie sieht es nicht sehr gut aus..“ lachte Schrammel.

    Ben fuhr zum Haus des Richters. Vorsichtig sah er sich um. Es schien niemand im Haus zu sein, aber damit hatte er ja auch gerechnet. Er betrat es und sah sich um. Hier war alles aufgeräumt und verlasen. Nichts deutete darauf hin, dass die Familie entführt wurde. Im Wohnzimmer standen einige Dosen herum. Ben griff zum Handy und rief die Spurensicherung. Auch wenn er nicht wirklich daran glaubte, so konnte es möglich sein, die Komplizen von Schrammel zu identifizieren. Ein einziger Fingerabdruck genügte. „Hartmut….habt ihr den Sender von Semirs Wagen schon geortet?“ wollte er noch wissen. „Ja und nein….der Sender ist jetzt auf einem Rastplatz an der A3…..ich habe die Kollegen bereits hingeschickt, aber die konnten nur den Wagen entdecken..“ gab Hartmut durch. „Was? Wieso das denn? Klar…..Schrammel hält sich nicht an die Ankündigungen…war mir sowas von klar…Was ist mit dem Geld?“ wollte Ben wissen. „Nun…das ist nicht mehr da….wir haben den Kilometerstand von Semirs Wagen als er abgefahren ist und wie er jetzt ist…und nun fahren wir so, wie wir vermuten das er gefahren ist..“ erklärte Hartmut. „Das kann doch ewig dauern….ich muss dem Richter was sagen…“ maulte Ben. „Wir tun unser Bestes….Ben..aber zaubern kann ich auch nicht..“ kam wütend von Hartmut. „Ja ich weiß..entschuldige…“ gab Ben leise durch. „schon gut…ich mach mich an die Arbeit und schick dir die Kollegen. Was machst du in der Zeit?“ fragte Hartmut. „Ich werde mir den Müll ansehen. Der Richter sagte mir, dass sie eine kurze Zeit von diesem Gangstern belagert wurden, aber das Haus ist sauber…also müssen die aufgeräumt haben. Nur ist die Müllabfuhr hier noch nicht durch..“ erklärte Ben. „Das ist eine gute Idee..alles klar..ich melde mich, sobald ich was hab..“ verabschiedete Hartmut sich.

    hmmm also der Anschiss war ja noch ganz sachte.....irgendwie harmlos....aber gut.....was passiert denn jetzt noch? Findet Susanne heraus auf wem der Wagen zugelassen ist? Obwohl...vom Titel her, würde ic hsagen...er gehört zum Fuhrpark der bundeswehr...lol

    Konrad hatte gerade das Papier unterschrieben und sah den Arzt an. „Herr Doktor, sie werden doch alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um meinen Sohn zu retten, oder?“, wollte er verzweifelt wissen. Der Arzt nickte. „Ich kann aber dennoch nichts versprechen, aber ich glaube, ihr Sohn ist ein zäher Bursche. Wir werden ihn schnell wieder auf den Beinen haben.“, meinte er und ging dann aus dem Zimmer, direkt in den OP. Sie hatten genug Blutkonserven nachbestellt und schoben Ben dann in den Raum, machten alles bereit für den Eingriff. „Okay, dann wollen wir mal.“, meinte er und band sich den Mundschutz um. Dann nahm er das Skalpell in die Hand und öffnete den bewusstlosen Torso vor sich. Er schob alles beiseite und warf immer wieder einen Blick auf die Herzfrequenz und den Blutdruck des jungen Mannes, der vor ihm auf dem Tisch lag. „Verdammt, wo ist dieses kleine Mistding?“, fluchte er und holte sich mehr Licht. Dann sah er etwas metallisches im Körper schimmern. „Ah, hab ich dich.“, stieß er aus und fuhr mit einer kleinen Pinzette in die geöffnete Wunde. Vorsichtig näherte er sich dem Herzen und versuchte, die Kugel zu fassen zu kriegen. Langsam schloss er die Arme des Gerätes und hatte sie. Doch dann spielten die Geräte verrückt. „Herzfrequenz fällt, Puls rast und Blutdruck geht in den Keller... Herzstillstand steht unmittelbar bevor.“, stieß die Schwester aus und alle sahen auf den Oberarzt, der operierte. „Verdammt, bleib mir nicht auf dem Tisch, Junge.“, fauchte der Arzt und fing mit der Herz-Rhythmus-Massage an. Würde er Ben ins Leben zurückrufen können?

    Susanne sah auf, als das Telefon klingelte. „Das ist bestimmt Semir.“, meinte sie und sah Andrea an. Sofort sprang sie auf und nahm den Hörer in die Hand. „Hallo? Hallo, Semir?“, stieß sie sofort in den Hörer rein. „Nein, nicht ganz... Kim Krüger hier. Frau Gerkhan, wir haben ihren Mann und es geht ihm gut. Er ist nur etwas durch den Wind.“, drückte Kim das Ganze etwas vorsichtig aus. Sie wollte Andrea nun nicht zu sehr beunruhigen. Schon alleine wegen dem Kind. „Er ist in Ordnung? Es geht ihm gut?“, stieß Andrea aus und war verrückt vor Freude. „ja, es geht ihm gut. Er hat nur einen leichten Kater. Die Kerle haben ihn mit Alkohol abgefüllt.“, meinte Kim. „Danke, Frau Krüger. Ich komme sofort.“, meinte Andrea und legte wieder auf. „Komm, ich fahr dich.“, meinte Susanne und holte den Autoschlüssel. Ihre Freundin nickte. „Aber wir können Aida nicht alleine lassen.“, meinte sie. „Dann nehmen wir sie mit. Ich hol sie schnell.“, erwiderte Susanne, stieg die Treppe hoch und kam wenige Minuten später mit Aida, die dennoch den Schlaf der Gerechten schlief, auf dem Arm wieder runter. „So, die Kleine schläft und wir können dann los.“, meinte sie und nahm die Wohnungsschlüssel, sowie die Autoschlüssel in die Hand. Andrea kam hinter Susanne her, stieg hinten ein und nahm Aida auf den Schoß. Susanne setzte sich hinters Lenkrad und fuhr los. Sie ahnten nicht, dass sie dem Bösen um Haaresbreite entkommen waren.

    Ilja sah sich immer wieder um, als er die morgendlichen Straßen entlang schlich. Einige Male musste er sich hinter den Hecken und Bäumchen der Vorgärten verstecken, weil eine Polizeistreife durch die Straßen fuhr. Verdammt, wenn er hier nicht bald wegkam, würden die ihn erwischen. Aber erst würde er mit diesem Gerkhan abrechnen. Ihm war es zu verdanken, dass er den Großteil seines Geldes verloren hatte. Nur eine lumpige Tasche, anstatt vier. Das wird er mir büßen, dachte Ilja und stand dann vor dem Haus, dessen Adresse er auf dem Ausweis gefunden hatte. Doch wieder musste er sich verstecken. Zwei Personen kamen aus dem Haus und fuhren weg. „Verdammt.“, fluchte er und dachte nach. Was sollte er nun machen? Ja, er wusste, was er machte. Wie gut, dass er etwa die gleiche Größe wie dieser Gerkhan hatte. Er würde sich die Kleidung von ihm besorgen, einen falschen Bart ankleben und mit dessen Ausweis und dessen Geld aus dem Land verschwinden. Sicher würde ihn Gerkhan jagen. Er musste dennoch seine Rache bekommen. Doch wie? Da kam ihm eine teuflische Idee. Was sollte er mit dem Kleingeld dieses Bullen? Er hatte doch die 10 Millionen Euro Lösegeld… er brauchte kein Kleingeld aber er brauchte ein Auto. Und dieser Bulle hatte ein Auto…sogar mit Funk. Das musste er haben und damit war der den Bullen immer einen Schritt voraus. Doch dazu musste er erst einmal die Schlüssel bekommen. Ilja stöhnte kurz auf, während er sich an der Tür zu schaffen machte. Verdammt…. Diese Tür war sehr gut gesichert. Aber er musste rein. Er musste einfach. Und dann würde er hier entspannt warten, bis der Hausherr zurückkommt.

    „Herr Gerkan…ich…ich kann das nicht von Ihnen verlangen…ich… Sie…haben doch gesagt, dass er sie bedroht hat...und das ist doch…“ stieß Singenthaler aus. Semir schüttelte den Kopf. „Sie müssen nichts verlangen. Ich bin Polizist und ich habe eine Pflicht zu erfüllen. Ihre Frau und Ihre Kinder werden zurück kommen..versprochen..“ beruhigte Semir ihn. Schrankmann sah Semir an. „Sie wollen sich diesem Kerl ausliefern? Sagten Sie nicht, dass er sie umbringen wollte? Was wenn er nun sein Ziel erreichen will? Wir können nicht zulassen, dass ein so guter Polizist wie Sie es sind..sich opfert…“ stieß sie erschrocken aus. Semir grinste leicht. „Danke…für das Kompliment, aber ich werde fahren…ich entscheide das und mein Leben steht nicht über dem der Frau und den Kindern.“ Schrankmann schien selbst nichts von dem Lob was sie eben ausgesprochen hatte oder aber sie überspielte es erfolgreich. „Herr Gerkan…. Herr Jäger..ich…das was in der Verhandlung gesagt wurde..ich….“ versuchte Richter Singenthaler zu entschuldigen. „Schon gut..Euer Ehren…wir nehmen Ihn nichts krumm…“ lächelte Semir und wandte sich an Ben. „Ben…wir haben zu tun. Sobald Schrammel sich wieder meldet, rufen Sie mich an... Ich werde mich von Hartmut bearbeiten lassen und einen Sender tragen, für den Fall…das Schrammel mich wieder einem Höllenfeuer aussetzen will..“ erklärte Semir. „Ich werde mir das Haus von Ihnen ansehen…geben Sie mir den Schlüssel?“ bat Ben den Richter. Dieser nickte und gab seinen Schlüssel weiter. Als sich Beide zum gehen wandten klingelte das Telefon erneut. Der Richter meldete sich. „Ja…“ sagte er nur leise und reichte den Hörer an Semir weiter. „Schrammel…er…er will sie Sprechen..“ erklärte der Richter leise. Semir nahm den Hörer. „Was wollen Sie Schrammel?“ fauchte er gepresst in den Hörer. „Hör mir genau zu… Gerkan…ich will nicht, dass dein Kollege Jäger das Haus verlässt…erst wenn du mir das Geld gebracht hast, darf er sich bewegen. Ich warne dich…ich sehe alles und ich werde die Familie des ehrenwerten Richters über die Klinge springen lassen, wenn meine Befehle nicht ausgeführt werden…“ drohte Schrammel. „verstanden…“ gab Semir durch. Ein Klicken zeigte ihm, das Schrammel aufgelegt hatte. Er gab den Hörer an den Richter weiter und sah Ben an. „Er beobachtet uns…und verbietet, dass du das Gebäude verlässt…“ stieß er aus.

    Ben sah den Richter an. „Kann man das Gerichtsgebäude irgendwie auf einem Hinterausgang verlassen?“ wollte er wissen. Singenthaler nickte. „Über die Feuertreppe, die ist von vorn nicht zu sehen…aber wenn die das Haus beobachten, dann sicher auch der…bewacht…ich weiß nicht, wie Sie hier rauskommen können…“ stieß der Richter verzweifelt aus. „Okay….nicht sichtbar…aber im Kofferraum eines Wagens…“ überlegte Ben laut. Semir sah ihn an. „Ja klar….allerdings weiß ich nicht in welchem Wagen…die Tiefgarage steht sicher voll….und…okay.. Ben…du und ein der der Gerichtsdiener….ihr geht runter und dann fahrt ihr raus…du fährst zum Haus des Richters und siehst dich dort um…vielleicht finden wir da eine Spur…ich warte hier..“ gab er von sich. Ben nickte und verschwand. Richter Singenthaler sah Semir an. „Wie kann ich Ihnen danken, wenn Sie….meine Familie gerettet haben?“ wollte er wissen. Einer der Gerichtsdiener brachte das Lösegeld rein. Semir lächelte leicht. „Wenn Sie die Täter dann verurteilen und sie nie wieder eine Schandtat machen können…das ist Bezahlung und Dank genug..“ gab er zurück. Das Telefon klingelte. Richter Singenthaler hob ab und meldete sich mit einem heiseren „Ja?“. „Ist das Geld da?“ hörte er Schrammel fragen. „Ja…steht…vor mir…“ bestätigte der Richter. „Sehr gut..Gerkan wird nun fahren…er ist unbewaffnet…hat keine Wanzen oder Sender bei sich. Auch keine Schatten!“ fauchte der Erpresser. Semir nahm den Hörer. „wo soll ich hinfahren?“ wollte Semir wissen. „Das sag ich dir, wenn du unterwegs bist!! Du wirst das Handy mitnehmen, was gleich durch einen Kurier gebracht wird. Ach ja…der Junge weiß nicht was im umschlag ist..also braucht ihr ihn nicht zu fragen!“ erklärte der Mann lachend. „Schon klar…“ meinte Semir nur und sah Singenthaler an. „Wann werden die Geiseln frei gelassen?“ wollte Semir im Gegenzug wissen. „Das erfährst du wenn ich das Geld habe…!“ war die Arbeit. „So läuft das nicht…Geiseln gegen Geld oder gar nichts!!“ wagte Semir den Vorstoß. „Du kannst auch hören wie wir die Tante samt ihrem Balg abknallen!“ drohte der Anrufer. Semir sah erneut zu Singenthaler der sich sichtlich spannte. „Okay…ich tu was Sie wollen..“ gab Semir klein bei. Er hoffte nur dass Ben gut aus dem Gerichtsgebäude raus gekommen war und auf dem Weg zum Haus des Richters war. „Setzt dich in deinen Wagen und fahre die A4 bis zum Rastplatz bei KM 403….das Handy kommt jetzt und dort wirst du auf meinen Anruf warten..“ forderte der Anrufer und legte auf. Der Kurier kam fünf Minuten nach dem Anruf und übergab Semir den Umschlag. Nur wenig später war Semir mit dem Lösegeld unterwegs zum Parkplatz.

    och der arme Semir..ist er wieder auf Mitleid aus? Tse...wie schlimm... hmmm der Anschiß von der Krüger fehlt mir noch...aber ich bin mir sicher, dass er kommt....er kommt doch oder? Müssen die beiden wieder auf den Rhein..oder diesmal auf einen Baggersee?

    Semir, Ben, der Richter und Schrankmann saßen im Büro des Richters zusammen und warteten auf einen Anruf. „Wie sieht es mit dem Geld aus?“ wollte Ben wissen. „Das wird in zwei Stunden hier sein.“ erklärte Schrankmann. „Sender?“ harkte Semir nach. „Natürlich.... ohne Sender geht es nicht. Herr Gerkan, Herr Jäger ich will das Sie Schrammel festsetzen und alle die mit ihm unter der Decke stecken. Sie werden alle zu empfindlichen Strafen verdonnert werden... ist doch so oder euer Ehren?“ wandte sich die Staatsanwältin an den Richter. „Darauf können Sie sich verlassen...sofern ich dann noch im Amt bin. Ich meine....Sie müssten ja melden, dass ich....also ich meine....“ fing Tobias an. „Darüber machen Sie sich mal keine Sorgen...die Akten sind noch nicht geschlossen und der Fall somit auch noch nicht abgeurteilt....“ beruhigte Schrankmann ihn. Semir sah zu Ben. So menschlich hatten sie Isolde Maria Schrankmann noch nie gesehen. „Okay...Euer Ehren, wo werden denn Ihre Frau und die Kinder festgehalten?“ wollte Ben wissen, der damit zum Fall zurück kam. „Bis heute Morgen waren sie bei uns im Haus. Aber ich denke nicht, dass sie noch dort sind...“ kam leise von Tobias. „Das sollten wir herausfinden...ich würde vorschlagen, dass wir mit einem SEK-Team hinfahren und das Haus durchsuchen...“ meinte Ben. Das Telefon klingelte bevor jemand auf den Vorschlag eingehen konnte. „Ja...?“ meldete sich der Richter heiser. „Euer Ehren...ich hoffe Sie haben meine Entschädigung bereits parat.... ?“ verhöhnte Schrammel den Richter. „Noch nicht...es ist unterwegs zu mir...bitte wie geht es meiner Familie...?“ wollte der Richter wissen. „Noch geht es allen gut... aber einen Trick von Ihnen und ich muss mir Ihre Frau vornehmen oder die Tochter...!“ warnte Schrammel. Semir ballte die Fäuste. „Ach ja...und nun noch eine Forderung...ich will das Kriminalhauptkommissar Semir Gerkan mir das Geld bringt.....sonst niemand!“ forderte Schrammel. „Ja...ja...ich werde es versuchen...“ versprach der Richter. „Nein...nicht versuchen. Sollte jemand anderer kommen als Gerkan, werde ich zuerst Ihren Sohn erschießen...dann Ihre Tochter und zum Schluss Ihre Frau...!“ drohte Schrammel. „Aber...?“ versuchte Tobias. „Pass mal auf...ich weiß genau, dass Gerkan bei dir im Büro sitzt, Singenthaler.....entweder er oder deine Familie...war das klar? Oder willst du deine Frau schreien hören?“ fauchte Schrammel durchs Telefon. Es knackte und zeigte den Anwesenden im Raum, dass der Anrufer aufgelegt hatte.

    Schrammel legte auf. Holger Schiefer sah ihn an. „Was willst du denn von dem Bullen?“ fragte er. „Nur ein kleines Versprechen einlösen...“ grinste Schrammel. „Damit bringst du unseren gesamten Plan durcheinander!!“ begehrte Sven auf, der nur schnell weg wollte. Schrammel sah ihn an. „Pass mal auf...das hier ist mein Ding...du hast deinen Teil als Anwalt sehr gut gemacht und wirst dafür bezahlt. Alles weitere geht dich einen Dreck an. Wenn das Geld hier ist, bekommst du deinen Teil und fertig. Ich will von dir keine Meinung hören...ist das klar?“ fauchte Schrammel ihn an. Sven nickte ängstlich. Er kannte Schrammel und wusste dass dieser nicht scherzte. „Okay...ich hab verstanden. Die Familie darf gehen, wenn Gerkan hier ist.....das ist okay .... ich werde sie dann weg bringen...“ nickte Sven. Schrammel lächelte und schlug ihm freundschaftlich auf die Schulter. „Geht doch.....“ meinte er nur und ging ins Wohnzimmer. Hier saßen Hubert und Eduard Hahn auf dem Sofa und sahen Fern. „Ist was in den Nachrichten über uns gekommen?“ wollte Luis wissen. „Nein. ...“ kam es monoton von Eduard. Luis war zufrieden. „Also gut.....dann lasst mal das glotzen sein und hört mir zu .... die Aufteilung des Lösegeldes ist gestaffelt...du Hubert und du Eduard bekommen 250.000 Euro. Danach will ich euch nie wieder sehen...du Holger bekommst ebenfalls 250.000, der Rest ist mein .... schließlich hatte ich den meisten Ärger... ach ja...nach dem hier alles abgeschlossen ist haut ihr ab. Macht euch ein schönes Leben von mir aus in Timbuktu.“ lachte Luis. „Na...ich geh nach Mexiko.... “ entgegnete Eduard laut. Luis sah ihn an. Diese Brüder schienen nicht besonders hell zu sein. Aber egal...die werden sicher nicht nach Mexiko oder Timbuktu gehen.....sondern schon bald die Radieschen von unten betragen... Begräbnis auf Staatskosten, dachte er denn teilen wollte er sicher nicht durch vier. „So und nun werden wir mal die Übergabe einleiten...“ lächelte Luis.