Die Rückkehr des Teufels

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    • Kapitel 16
      So schnell das Semir es fast nicht mitbekommen hatte, tauchte Jan plötzlich neben Ben auf und nahm ihm das Handy aus der Hand. Ben schien genauso überrascht zu sein, denn er lies sich das Mobiltelefon einfach wegnehmen.
      „Ähm, was war das?“ fragte Semir und sah Ben fragend an.
      Ben schüttelte den Kopf und lehnte sich gegen den Kotflügel, von der Vorfreude, die er gerade noch verspürt hatte, als er sich vorstellte wie Elke, Brenner fertig machen würde, war nichts mehr zu spüren. Im Moment war ihm nur übel.
      „Ben?“ bohrte Semir weiter und trat vor seinen Partner. Zuerst hackten sich die beiden beinahe die Augen aus und jetzt lies Ben, Brenner einfach mit Iris Mutter sprechen?
      „Brenner wird Elke die Sache erklären, ich pack das nämlich ehrlich gesagt nicht!“ antwortete Ben und vergrub das Gesicht in seinen Händen.
      Semir legte ihm die Hand auf die Schulter „Das hätte ich doch auch für dich getan, Partner!“
      „Ich weiß, aber er hat mich um diesen Gefallen gebeten, er wollte mit ihr reden!“
      „Er wollte mit ihr reden?“ fragte Semir skeptisch.
      Ben nickte schweigend.
      Die Tatsache das Brenner unbedingt mit Iris Mutter sprechen wollte, fand Semir nun wirklich sehr seltsam. Doch bevor Semir sich darüber weiter Gedanken machen konnte, kam Brenner zu ihnen zurück.
      „Und? Wie hat sie es aufgenommen? Was hat sie gesagt?“ fragte Ben mit besorgter Stimme.
      „Ich hab ihr die Sachlage erklärt!“ antwortete Brenner, reichte Ben sein Handy und stieg in den Wagen.
      „Ja und was heißt das jetzt genau?“ hakte Semir nach und lies sich auf dem Beifahrersitz nieder.
      „Ich hab ihr erklärt was passiert ist und was wir jetzt tun werden!“ antwortete Brenner und lenkte seinen Wagen in Richtung Autobahn.
      „Und wie hat sie reagiert?“ meldete sich Ben vom Rücksitz.
      „Sie ist jetzt nicht gerade vor Freude an die Decke gesprungen!“ gab Brenner sarkastisch zurück „Aber Elke ist eine starke Frau, sie wird das überstehen!“
      „Du scheinst Elke ja sehr gut zu kennen!“ sagte Semir und beobachtete Brenners Reaktion. Er musste Ben recht geben, irgendetwas verheimlichte er ihnen immer noch und zwar etwas, dass die ganze Sache in einem anderen Licht darlegen würde. Aber er war sich sicher, dass Brenner ihnen die Wahrheit sicher nicht einfach offenbaren würde, sie mussten ihn unbemerkt ausfragen und beobachten, jede noch so kleine Reaktion könnte aufschlussreich sein.
      „Sagen wir mal so, wir sind gemeinsam schon durch die ein oder andere Hölle gegangen!“ Brenner warf Semir einen ernsten Blick zu, dann setzte er den Blinker und fuhr auf die Autobahn.
      Semir versuchte den Blick zu deuten, irgendetwas daraus zu lesen, aber wirklich gelingen wollte es ihm nicht.

      In Gedanken ging der Hauptkommissar noch mal alle Informationen durch die sie bisher hatten. Iris, eine ehemalige Polizistin die bei einem gescheiterten Undercovereinsatz in Lebensgefahr gekommen war und sich durch eine neue Identität ein anderes Leben in Köln aufgebaut hatte. Dann Flavio Zingarelli, der verurteilte Waffen – bzw. Drogenhändler, der sich geschworen hatte sich an ihr zu rächen und sie nach seiner Haftentlassung ziemlich schnell gefunden hatte. Und gut zu letzt, Jan Brenner Hauptkommissar vom LKA, der ganz plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht war und mehr als jeder andere über Iris zu wissen schien.
      Es war wie bei einem Puzzle, er hatte zwar die Ränder, aber diese gaben noch lange keinen Hinweis, welches Bild sich einmal daraus ergeben würden – dazu bräuchten sie mehr Teile.
      Semir sah aus dem Fenster und plötzlich kam ihm der Einfall – Teile!
      Genau das war es was sie brauchten, denn wenn sie mehr über Brenner heraus finden würden, würden sie sicher auch mehr über Iris erfahren.
      Der Hauptkommissar holte sein Handy aus der Tasche und begann eine Nachricht an Susanne zu schreiben.

      Brenner lies das Gespräch mit Elke noch einmal Review passieren. Es war schön ihre Stimme nach so langer Zeit wieder zu hören, auch wenn er sich gewünscht hätte sie unter anderen, glücklicheren Umständen wieder zu sprechen.
      „Rette sie!“ hatte sie zu ihm gesagt.
      Anders als vor 9 Jahren lag diesmal kein Vorwurf in ihrer Stimme, diesmal war es mehr eine Bitte, als ein Befehl. Er konnte sich noch gut an jenen Tag erinnern, als Elke ihm die Hölle heiß gemacht hatte, als sie erfuhr das Iris undercover unterwegs war. Sie hatte ihm alles an den Kopf geworfen, von verantwortungslos bis verrückt war alles dabei. Er hatte sie beruhigt und ihr versprochen, dass er schon auf sie aufpassen würde.
      „Ich hoffe es!“ hatte sie gesagt und das Thema dabei belassen.
      Als er ihr dann erneut gegenüber treten musste und ihr das ganze Ausmaß der Aktion darlegte, machte sie ihm keinen Vorwurf, aber er erkannte ihn ihrem Blick wie enttäuscht er sie hatte. Er hatte sein Versprechen gebrochen und das hätte Iris beinahe das Leben gekostet. Er hatte nicht auf sie aufgepasst und war nicht da gewesen als sie ihn am meisten gebraucht hatte.
      „Ich werd sie wieder nach Hause holen!“ hatte er diesmal zu Elke gesagt und das Telefonat beendet. Ein Versprechen das er mit, aller Macht halten wollte. Er würde Iris retten, selbst wenn es sein eigenes Leben kostete. X(
    • Kapitel 17 Teil 1

      Kapitel 17

      Die Fahrt nach München war kürzer als Ben erwartet hatte. Es kam ihm vor, als wären sie erst vor ein paar Minuten von Semirs Haus aus, los gefahren, aber im Moment war es mit seinem Zeitgefühl nicht weit her.

      Das Wetter war anders als in Köln, nicht sonnig und freundlich, sondern grau und bewölkt. Große Regenwolken hingen am Firmament.

      Als Jan Brenner langsam vor dem Condor Hotel zum stehen kam, prasselten die ersten Regentropfen gegen die Windschutzscheibe.
      „Ich werde euch morgen früh um 8:30 Uhr wieder hier abholen und falls es Neuigkeiten gibt, werde ich euch natürlich sofort informieren!“ Brenner wartete bis die Beiden ihre Sachen aus dem Kofferraum geholt hatten und schlug dann den Deckel zu.
      „Bis Morgen!“ verabschiedete sich Semir und ging mit Ben in Richtung Hotel.
      „Versucht heute Nacht ein wenig Schlaf zu bekommen, morgen könnte es anstrengend werden!“ rief Jan ihnen durchs offene Seitenfenster zu und fuhr in Richtung Stadtwesten davon.

      „Hm schickes Hotel hat er ausgewählt!“ stellte Semir, als sie die große Empfangshalle betreten hatten, mit Wohlwollen fest.
      „Naja, ich bin schon in teureren Hotels abgestiegen!“ rümpfte Ben, mit arrogantem Blick die Nase.
      „Tja, ist halt nicht jeder mit nem goldenen Löffel im Mund geboren worden!“
      „Mensch Semir, warum musst du immer und immer wieder damit anfangen?“ fragte Ben ärgerlich.
      „Ich hab dir schon 1000mal erklärt das es kein Zuckerschlecken...!“
      „Jaja, jetzt beruhig dich mal wieder!“ bremste Semir seinen Kollegen.
      „Ich weiß doch, dass es eigentlich nur daran liegt, dass Jan das Hotel ausgesucht hat!“
      „Ja ganz genau das ist der Punkt!“ redete sich Ben in Rage „Schon alleine die Tatsache, dass er uns in ein Hotel abschiebt. Wer weiß was er in der Zwischenzeit macht. Ich trau diesem Kerl einfach nicht!“
      Semir grinste und machte sich auf den Weg zur Rezeption, den wütenden Ben im Schlepptau.
      „Guten Abend, wir bräuchten bitte 2 Zimmer!“ begrüßte Semir die Empfangsdame, eine junge Frau mit kurzen braunen Haaren.
      „Haben sie denn reserviert?“ fragte sie höflich und schenkte Ben ihr schönstes Lächeln.
      Semir schüttelte den Kopf. „Nein wir sind gerade erst in München angekommen und bräuchten für ein paar Nächte eine Unterkunft!“
      Die Frau warf einen Blick in den Rechner des Hotels.
      „Tut mir leid, aber im Moment sind wir, sozusagen bis unter das Dach ausgebucht.!“ entschuldigte sich die Frau.
      „Ist wirklich eine Glanzleistung von unserem Supermann!“ frozelte Ben erneut.
      „Gibt es denn gar kein freies Zimmer? Irgendeins?“ bohrte Semir weiter und setzte dabei seinen besten Dackelblick auf.
      Einen Moment wirkte die junge Frau unentschlossen und hin und her gerissen. Doch dann ging sie mit einem „Augenblick bitte!“ in ein Hinterzimmer und kam wenig später mit einer älteren Dame zurück.
      Die Dame sah sie an und auf ihrem Gesicht breitete sich eine Art „Wieder-erkennungs-Freude“ aus. Mit leiser Stimme fragte sie „Gerkhan und Jäger?“
      Verdutzt sahen sich die Beiden an und nickten. „Aber woher wissen sie...?“
      Die Dame schüttelte den Kopf, holte eine Chipkarte aus einer der abgeschlossenen Schubladen und wies sie dann, mit forscher Stimme an ihr zu folgen.
      Ben und Semir nahmen ihre Taschen und verliesen mit der Angstellten das Foyer und fuhren mit dem Aufzug in das 3te Obergeschoss.
      Ben warf Semir, mit gerunzelter Stirn, einen fragenden Blick zu aber dieser zuckte nur mit den Schultern und schien auch nicht zu verstehen was hier gerade passierte.

      Mit einem leisen „Pling“ öffneten sich die Türen und vor den dreien lag ein langer Flur mit cremefarbenen Wänden und marmornen Fußboden.
      Die Dame verlies den Fahrstuhl und steuerte Zimmernummer 300 an. Sie steckte die Chipkarte in das Lesegerät rechts neben der Tür und trat ein.
      „Das ist ihr Zimmer!“ lächelte sie und reichte Ben die Karte.
      „Wenn sie etwas benötigen, lassen sie es mich wissen!“
      Die Frau wandte sich zum gehen.
      „Ähm einen Moment bitte!“ hielt Ben sie zurück „Woher wussten sie das wir kommen würden?“
      „Das Zimmer wurde von einem Herrn Brenner für sie reserviert, er hat mir extra ihre Fotos gezeigt, damit ich sie auch erkennen würde! Einen schönen Aufenthalt!“ sie nickte den Beiden zu und verlies das Hotelzimmer.
      „Woher wusste er das wir mitkommen würden?“ fragte Ben und schloss die Tür.
      „Keine Ahnung, aber das Zimmer ist wirklich klasse!“ stellte Semir fest und schien die ganze Sache überhaupt nicht seltsam zu finden.
      Ben warf ihm einen unbeschreiblichen Blick zu, sah sich aber dann selbst in dem geräumigen Hotelzimmer um. Es war nicht das Beste, aber durchaus gehobenere Klasse. 2 getrennte Betten, helles, modernes Badezimmer und eine Art Aufenthaltsraum mit Sofa und Sessel. Völlig ausreichend, insbesondere weil sie nicht hier waren um sich zu erholen oder gar Urlaub zu machen.

      „Ich weiß nicht wie es dir geht, aber ich hab einen riesen Kohldampf!“ informierte Semir seinen Kollegen einige Zeit später.
      Ben überlegte, einerseits glaubte er keinen einzigen Bissen runter zu bekommen, anderseits rumorte sein Magen schon ziemlich heftig. Was kein Wunder war, denn er hatte bis jetzt absolut nichts gegessen.
      „Ja ein wenig Hunger hab ich auch!“
      „Gut, dann bestell ich gleich mal. Was willst du?“ fragte Semir und griff nach dem Perlmuttfarbenen Telefonhörer.
      „Mir egal, Hauptsache Fleisch! Ich geh erstmal duschen!“

      Ben streifte sich die Kleider vom Leib und stieg unter die Dusche. Als das heiße Wasser über seinen Körper lief, entspannten sich seine Muskeln und das erste Mal fühlte er die Erschöpfung. Plötzlich schien er um Jahre gealtert zu sein. Er schloss die Augen und lies sich das Wasser übers Gesicht laufen. Seine Gedanken wanderten zurück zu jenem Morgen, als er Iris zum Abschied in den Arm genommen hatte. Hätte er gewusst, dass es vielleicht das letzte Mal sein würde, hätte er sie niemals wieder los gelassen.
      Die selbe Verzweiflung, wie damals bei Saskia, machte sich in ihm breit. Doch etwas war anders, diesmal bekam er eine Chance die er das letzte Mal nicht hatte. Die Chance Iris und sein ungeborenes Kind zu retten!

      „Ben, dass Essen ist da!“ riss Semir seinen Partner aus den dunklen Gedanken.
      „Ich komme!“ rief Ben und war froh das ihn jemand aus diesen Grübeleien befreit hatte.
    • Kapitel 17 Teil 2

      „Das Essen war echt Spitze! Aber dafür bin ich jetzt Hundemüde. Glaubst du wir können heute noch viel ausrichten?“ fragte Semir und lies sich, völlig voll gefressen in den Ledersessel fallen.
      Ben nahm einen Schluck aus seinem Glas und überlegte. Sie waren in einer fremden Stadt, wussten kaum etwas über den Entführer und hatten auch keinen Anhaltspunkt wo sie anfangen sollten zu suchen. Kurz – dass Beste und sinnvollste was sie jetzt tun konnten, war ins Bett zu gehen und Kraft für den nächsten Tag zu sammeln, genau wie Brenner gesagt hatte!“

      „Ich glaub nicht, lass uns schlafen gehen!“
      Anders als erwartet überkam Ben der Schlaf ziemlich rasch und glücklicherweise blieb er von Alpträumen verschont.
      „Ben, Ben!!!“
      Erschrocken fuhr Ben aus dem Schlaf und wusste im ersten Moment nicht wo er war.
      „Was ist?“ fragte er, als er sich wieder orientiert hatte und wusste das er in einem Münchner Hotel war.
      „Brenner hat angerufen. Er hat raus gefunden wo Iris ist. Er wird gleich hier sein und uns...!“ weiter kam Semir nicht, denn da war Ben schon aus dem Bett gesprungen und zog sich in Windeseile an.
      „Wie hat er sie gefunden?“ fragte Ben, während sie sich auf den Weg ins Foyer machten,
      „Keine Ahnung, aber ich hab ihn auch nicht danach gefragt!“ gab Semir ehrlich zu.

      Es war 01:00 Uhr morgens und im Hotel war es totenstill. Als sie das Foyer betraten war die Rezeption nur mit einem, müde aussehenden jungen Mann besetzt. Er saß vor dem PC und fuhr erschrocken in die Höhe, als er sie kommen sah.
      „Weiter machen!“ rief Ben ihm zu und eilte mit Semir aus dem Hotel.
      Kaum waren sie aus dem Hotel getreten, kam Brenner auch schon mit quietschenden Reifen vor ihnen zum stehen.
      „Schnell, beeilt euch!“ rief er als sie die Autotüren öffneten.
      Die beiden beeilten sich einzusteigen und Ben schaffte es gerade noch die Tür zu schließen, als Brenner schon in die Dunkelheit schoss.
      „Wie hast du so schnell raus gefunden wo sie ist?“ fragte Ben und schnallte sich an, Brenners Fahrstil machte ihm ein wenig Angst.
      „Das spielt jetzt keine Rolle!“ antwortete Brenner angespannt und starrte auf die Fahrbahn.
      Wenn Ben nicht so aufgeregt gewesen wäre, hätte er Brenner am liebsten den Hals umgedreht.

      Seine Hände zitterten und sein Herz schlug hart gegen seine Brust. Bald würde er Iris wieder in den Armen halten können, bald wäre wieder alles in Ordnung.
      Ben wusste nicht wie lange noch wo hin sie in der Dunkelheit fuhren, Jan war zick mal abgebogen und der starke Regen machte es ihm unmöglich irgendetwas markantes von der Umgebung wahr zu nehmen. Erst als sie auf einen Schotterweg einbogen verlangsamte Brenner die Geschwindigkeit, lenkte den Wagen an die Seite und schaltete den Motor aus.

      „Von hier aus müssen wir zu Fuß weiter!“ sagte er und stieg aus.
      „Hast du das Sondereinsatzkommando schon informiert?“ fragte Semir und stieg zusammen mit Ben aus.
      „Dafür reicht die Zeit nicht aus!“ Brenner öffnete den Kofferraum und warf jedem eine schusssichere Weste zu.
      „Das hier müssen wir alleine schaffen!“
      Er schnallte sich die Weste um und holte aus einem kleinen Koffer zusätzliche Wechselmagazine heraus. Auch davon reichte er jedem eines.
      „Seit ihr bereit?“ er wartete nicht auf eine Antwort sondern lief ihnen voraus den Schotterweg entlang.

      Der Weg schien endlos, sie rannten und rannten, kletterten über Zäune und schlichen sich an ein altes verlassen wirkendes Gebäude. Ben war bis auf die Haut durchgeschwitzt und seine Kleider vom Regen völlig durchnässt. Seine Lungen brannten und das Blut rauschte ihm so in den Ohren das er Brenner kaum verstand, als er ihnen hinter einem alten Container ihren Schlachtplan erklärte.

      „Semir übernimmst die Rückseite, Ben du das kleine Nebengebäude da hinten und ich werde von vorne kommen. Seid vorsichtig, es sieht zwar alles sehr verlassen aus, aber Flavio ist immer für eine Überraschung gut!“

      Ben wollte gerade einwenden, dass es nicht schlau war, sich jetzt zu trennen, aber da waren die anderen schon in der Dunkelheit verschwunden.
      Der Hauptkommissar zog seine Waffe aus dem Holster, entsicherte sie und rannte zu dem kleinen Nebengebäude das etwas zurück gesetzt im Dunkeln lag.
      Bens Sinne waren geschärft, jede noch so kleine Bewegung, jedes noch so kleine Geräusch liesen seine Anspannung steigen.
      Endlich hatte er das Nebengebäude erreicht und drückte sich, an der Hauswand entlang zu einem verstaubten Fenster. Er streckte sich und versuchte etwas zu erkennen. Doch die Dunkelheit und die angelaufenen Scheiben machten es ihm unmöglich. Er schlich sich weiter zu der doppelflügigen Holztür an der südlichen Seite des Hauses.
      Ben legte das Ohr an die Tür und hörte ein monotones brummen. Ein Automotor – schoss es Ben durch den Kopf und jetzt nahm er auch den beissenden Geruch von Abgasen war.
      Ben drückte vorsichtig die Türklinke, Millimeter für Millimeter herunter und dann – nichts. Die Tür war verschlossen.

      „Fuck!“ schimpfte Ben leise vor sich hin und wollte noch einmal um das Haus herum und einen anderen Weg ins Innere finden, als er plötzlich „Spirit of the hawk“ hörte.
      „Melanies Klingelton!“ sagte Ben und das konnte nur eines bedeuten – sie war in diesem Gebäude.
      Mit rasendem Puls versuchte Ben die Holztür einzutreten.
      „MELANIE!“ er schrie ihren Namen und trat immer wieder gegen die Bretter.
      „BEN! BEN“ sie schrie nach ihm und so sehr er auch versuchte in das Gebäude zu kommen, er schaffte es einfach nicht. Die Bretter gaben keinen Millimeter nach.
      Wo waren nur Semir und Brenner, zu dritt würden sie die Türe bestimmt eintreten können. :S
    • Kapitel 18 Teil 1

      Kapitel 18
      „Du verdammter Idiot hör endlich auf, oder willst du uns umbringen!“ das war eindeutig Brenners Stimme.
      Ben ignorierte ihn und versuchte weiter die Tür ein zu drehten. Hörte er etwa nicht den Melanies Handy klingeln? Wollte er sie darin etwa sterben lassen?
      „Gerkhan verdammt, jetzt bring ihn zur Renaissance, bevor wir noch alle drauf gehen!“
      „Ben, wach auf!“ der Hauptkommissar rüttelte den wild um sich tretenden Partner und versuchte ihn auf zu wecken.
      Erschrocken fuhr Ben in die Höhe und merkte das es nur ein Traum war und er immer noch in Brenners Wagen saß. Erst jetzt realisierte er das es Brenners Handy war das läutete. Er hatte allen Ernstes den gleichen Klingelton wie Iris. Augenblicklich spürte er wie erneut die Wut in ihm zu kochen begann. Aber er hatte sich noch nicht ganz von dem Traum erholt und so versuchte er erstmal wieder klar denken zu können.
      Brenner drückte den Anrufer weg und steuerte den nächsten Rasthof an.
      „Was wird das jetzt?“ fragte Semir, als Brenner das Tempo verringerte und von der Autobahn abfuhr.
      „Wir kaufen unserem Traumschlumpf jetzt nen Kaffee, bevor wir noch alle drauf gehen!“ Brenner blickte in den Rückspiegel und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
      Ben funkelte ihn böse an und blickte dann zähneknirschend aus dem Fenster. Es war ihm peinlich, aber noch nie zuvor war ein Traum so realistisch gewesen.
      Brenner brachte den Wagen auf dem Parkplatz von Burger King zu stehen, nahm sein Handy aus der Freisprechanlage und stieg aus.
      Demonstrativ streckte er sich und verzog schmerzverzerrt das Gesicht.
      „Ich hab ja richtig Glück gehabt, ich kann meine Beine noch spüren!“ feixte Brenner, auch Semir konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
      „Idioten!“ fauchte Ben und stapfte beleidigt in den Schnellimbiss.
      „Ben jetzt warte doch!“ rief Semir und beeilte sich Ben einzuholen.
      Brenner wartete bis die Beiden im Restaurant verschwunden waren und rief dann den Anrufer von vorhin zurück.
      „Was gibt’s neues?“ meldete sich Jan bei seinem Partner.
      „Ehrlich gesagt nichts, ist bei dir alles in Ordnung? Bist du die zwei Aushilfspolizisten von der Autobahn wieder los geworden?“ fragte Thomas und lachte.
      „Nein, aber ich hab sie stattdessen mitgebracht, Verstärkung kann nie schaden!“ antwortete Jan und kickte einen grünen Flaschendeckel über den Parkplatz.
      „Was? Hast du sie noch alle?“ zischte der Polizist und mit einem Mal veränderte sich sein Stimme. Man merkte deutlich, das er über den Neuzuwachs alles andere als erfreut war.
      „Lass das mal meine Sorge sein!“ antwortete Jan gereizt, er hasste es, wenn jemand seine Entscheidungen anzweifelte.
      „Mach du lieber Pietro ausfindig, er ist Flavios einzige Schwachstelle!“ ohne abzuwarten, ob Thomas noch etwas erwidern würde, legte er auf und machte sich auf den Weg zu Ben und Semir.
      Er kannte Thomas schon seit der Polizeischule und er war das, was Semir für Ben war – ein bester Freund, wenn nicht sogar ein Bruder. Thomas war der Einzige, dem er so vertraute, dass er ihn auch jetzt in die Sache eingeweiht hatte. Und seine Reaktion nahm er ihm auch nicht übel, wahrscheinlich hatte er mal wieder die ganze Nacht nicht geschlafen, weil die Zwillinge sich abwechselnd wach gemacht hatte. Tja so war das eben als frisch gebackener Vater.

      Brenner schob die Tür auf und hielt nach den beiden Autobahnpolizisten Ausschau. Ben saß in der hintersten Ecke am Fenster und starrte finster auf sein Tablett.
      Semir stand gerade an einem der 4 Kasse und wartete auf seine Bestellung. Jan schob sich mit einem verführerischem Lächeln an einer Gruppe junger Mädels vorbei.
      „Hat sich unser Schlumpf immer noch nicht beruhigt?“ fragte er Semir und überlegte was er bestellen sollte.
      „Er braucht noch ein wenig, aber der Traum scheint ihn ganz schön mitgenommen zu haben!“ antwortete Semir mit besorgter Miene.
      Brenner nickte „Ja, ich kenne diese Sorte von Traum nur zu gut!“
      Semir bezahlte sein Menu und ging dann zu Ben an den Tisch.
      „Na? Alles klar bei...!“ begann Semir, wurde aber sofort von Ben unterbrochen
      „Spars dir!“ fauchte er und blickte weiter düster drein.
      Semir belies es dabei, setzte sich und packte seinen „Steakhouse Double“ aus.
      Er kannte seinen jungen Kollegen gut genug, um zu wissen, dass er sich in ein paar Stunden schon wieder beruhigt haben würde. So war es immer gewesen.

      Nach einer Weile kam Jan mit einer großen Burger King Tüte und 3 Bechern zu ihnen. Er stelle jedem einen der Becher hin und lies sich dann Ben gegenüber auf einen Stuhl sinken.
      „An Guaden!“ wünschte Jan in gut bayerisch und machte sich dann über seinen „Big King XXL“ her.
      Als Ben gerade in seinen „X-tra long chilli cheese“ beissen wollte, rief Brenner plötzlich: „Halt! Iss den besser nicht!“ und hielt Ben am Ärmel.
      „Warum nicht?“ fragte dieser verdattert und sah seinen Burger skeptisch an.
      „Weil so böse, wie du ihn die ganze Zeit angeschaut hast, könnte er schlecht geworden sein!“
      Bens Gesicht spiegelte alle möglichen Farben und für einen Augenblick sah es so aus, als würde er jede Minute die Kontrolle über sich verlieren.
      In einem Satz riss er sich los und war auf den Beinen, knallte seinen Burger so heftig auf den Tisch, dass Majo und Ketchup nur so spritzten.
      „Ben!“ Semir stand ebenfalls auf, bereit um im Falle der Fälle sofort eingreifen zu können.
      „Mir ist der Appetit vergangen!“ zischte Ben, funkelte Brenner wütend an und verlies das Restaurant dann mit großen Schritten.
      „Musste das denn sein?“ fragte Semir wütend.
      Langsam aber sicher hatte er diesen Kinderkram satt. Die Beiden benahmen sich wie Kleinkinder! Austeilen konnte jeder von ihnen perfekt, nur mit dem Einstecken hatten sie noch ihre Probleme. Wenn Semir an die bevorstehenden „Zusammenarbeit“ dachte, wurde ihm jetzt schon schlecht. Ben und Jan schafften es doch noch nicht einmal ein normales Gespräch miteinander zu führen, wie sollten sie da einen kompletten und sinnvollen Schlachtplan ausarbeiten?
      Da kam noch ein gutes Stück Arbeit auf den Türken zu – schrecklich!
      „Ich will ihn doch bloß ablenken, es tut nicht gut ständig in dunklen Gedanken zu grübeln. Er macht sich damit nur selbst kaputt!“ antwortete Brenner und wischte sich Seelenruhig Majo vom Ärmel seiner Lederjacke.
      Semir glaubte sich verhört zu haben. Hatte er gerade wirklich verstanden, dass Jan, Ben damit einen Gefallen tun wollte? In einem Punkt musste er Ben Recht geben – der Kerl steckte voller Überraschungen.
      „Was machst du da?“ fragte Semir und beobachtete wie der Münchner Ben´s Essen wieder sauber einwickelte. „Es ist noch ein Stück und ein bisschen Wegproviant kann nie schaden!“ grinste Jan, nahm seine Tüte, Bens Essen, 2 Becher Kaffee und machte sich auf den Weg nach draußen.
    • Kapitel 18 Teil 2

      Die restliche Fahrt bis in die Bayerische Landeshauptstadt, war es ruhig im Wagen von Jan Brenner. Der Regen hatte nachgelassen, hier und da spitzte sogar die Sonne durch.
      Ben sah, nachdem er während der Fahrt seinen Burger verspeist und sowohl Kaffee als auch Cola geleert hatte, schon wesentlich fitter aus.

      „Also jetzt müssen wir für euch nur noch eine Unterkunft finden!“ meldete sich Jan, als sie in München einfuhren zu Wort. Er drehte die Musik leiser und machte ein paar Vorschläge.
      „Zur Auswahl stehen das Park Inn, Hotel Germania, City Hotel, Bavaria Hotel und das Charles Hotel, dass ist aber am weitesten von meiner Wohnung entfernt und auch nicht gerade etwas für den kleinen Geldbeutel!“
      „Das kannst du gleich wieder knicken, wir werden bestimmt in keinem Hotel bleiben!“ unterbrach ihn Ben und beugte sich zwischen den Sitzen nach vorn. „Deine Wohnung wird wohl reichen müssen!“
      Brenner schüttelte den Kopf „Nein Junge, das geht nicht! Meine Wohnung ist viel zu klein!“
      Ben grinste „Wie heißt es doch so schön, in der kleinsten Hütte ist immer Platz für gute Freunde. Nicht wahr Semir?“
      Ben sah seinen Kollegen an.
      „Ganz genau!“ antwortete dieser und grinste genauso breit wie Ben.
      „Dann sind wir uns ja einig!“ zufrieden lehnte Ben sich wieder in seinen Sitz zurück. Egal was auch passieren würde, er würde bestimmt in kein Hotel gehen und Brenner somit freie Hand lassen. Er würde ständig in seiner Nähe sein, ihm würde jetzt nichts mehr entgehen!
      Und wenn er ihn nicht in seine Wohnung liese, dann würde er eben in seinem Auto schlafen!

      Jan war alles andere als erfreut über seine neuen Mitbewohner, aber es war zwecklos lange herum zu diskutieren und so nahm er die Entscheidung wortlos hin. Schließlich hatte er doch nichts zu verbergen oder?

      „So hier sind wir!“ Brenner schloss die Tür zu seiner Wohnung auf und bat die beiden Kollegen herein. Skeptisch sah Ben sich um und irgendwie war sie genau das was er sich erwartet hatte. Doch auch wenn es tausend Sachen gegeben hätte, die ihn daran störten, so musste er sich eingestehen das es eigentlich recht gemütlich war.
      Genau wie Brenner zuvor es in seiner Wohnung getan hatte, so begann sich Ben nun ebenfalls näher um zusehen. Er stieg über Klamottenberge und ignorierte den Staub auf den Regalen – es war eben eine typische Junggesellenbude!

      „Ben willst du was trinken?“ fragte Brenner und kam hinter ihm her ins Wohnzimmer. Plötzlich schien er sich irgendwie nicht mehr wohl in seiner Haut zu fühlen.
      „Nein danke, ich seh mich lieber noch ein wenig um!“ antwortete er und setzte seinen Weg fort.
      Brenner sagte noch etwas, aber das hörte er gar nicht mehr. Seine ganze Aufmerksamkeit galt einer riesen großen Fotokollage hinter dem braunen, abgenutzten Ledersofa. Eine Kollage voll mit Bildern von Iris und Jan! Iris und Jan am Strand, Iris und Jan zusammen mit Elke auf dem Weihnachtsmarkt. Iris und Jan beim Skifahren, Iris und Jan in einer Hängematte. Er hatte die Arme fest um sie geschlungen und drückte ihr einen Kuss auf die Wange, sie verzog dabei gespielt angewidert das Gesicht. Auf einem anderen Foto grinste Iris in ihrer Polizeiuniform stolz in die Kamera. Ein anderes zeigte Brenner und Iris in Abendgadarobe.
      Ben traute seinen Augen kaum, dass hier waren mindestens 100 Fotos wenn nicht sogar mehr und alle zeigten sie beide, dass konnte nur eines heißen.
      Brenner war nie über Iris hinweg gekommen!!!!! ?(
    • Kapitel 19 Teil 1

      Kapitel 19

      „Nur noch ein paar Minuten, dann sind wir da!“ lächelte Pietro Iris freundlich an. Die junge Frau bekam eine Gänsehaut als sie daran dachte, dass sie gleich wieder Flavio gegenüber stehen würde.
      Wie ein Film spielte sich der heutige Morgen noch einmal vor ihrem inneren Auge ab. Jan war so wütend gewesen, weil Ben ihn zur Fahndung aus geschrieben hatte.
      Sie hatte ihn gebeten mitkommen zu können und ihm versucht zu erklären, dass sie die Sache schneller wieder ins Lot bringen könnte. Aber Jan hatte nur den Kopf geschüttelt und gemeint, dass es viel zu gefährlich sei und ihr Plan dadurch nur unnötig in Gefahr geraten könnte.
      Mit einem Kuss auf die Stirn und ohne auf ihre Bettelei zu achten, hatte er sich von ihr verabschiedet.

      Was dann genau passierte, konnte Iris nicht mehr 100% sicher sagen. Sie hatte sich gerade Jans weinrote Strickjacke übergezogen, als sie plötzlich ein seltsames Gefühl überkam, ein Gefühl als wäre sie nicht mehr alleine. Adrenalin schoss durch ihren Körper und bis sie sich versah hatte sie schon die Pistole, welche ihr Jan da gelassen hatte in den Händen und ging neben der Tür in Stellung. Obwohl sie Angst hatte, waren ihre Gedanken völlig klar, ein vertrautes und längst verdrängtes Gefühl breitete sich in ihr aus!
      Sie hörte Stimmen und eine davon kam ihr ziemlich bekannt vor, ihr Herz begann zu rasen.
      „Der Bulle ist weg, sie ist allein hier!“ jetzt standen sie also direkt vor der Tür und Iris Puls dröhnte in ihren Ohren. Ihr Blick war starr auf die Holztür gerichtet und als sie sich öffnete, feuerte sie einen Schuss ab, ohne lange zu überlegen.
      Als ein Schmerzensschrei zu hören war, wusste sie das sie zumindest Einen getroffen hatte. Doch sie wusste nicht wie viele es waren und bevor sie weiter über eine Strategie nachdenken konnte, ging ein Kugelhagel nieder. Wer auch immer da draußen war, schoss ziellos in die Hütte.
      Vorsichtig schob sich Iris in den hinteren Teil der Hütte. Sie suchte verzweifelt nach einem Fluchtweg, aber es gab nur ein einziges Fenster und das war auf der anderen Seite des Raumes und weit würde sie da nicht kommen. Auch eine Versteckmöglichkeit gab es nicht.
      Mit schweißnassen Händen umklammerte sie den Griff ihrer Neunmillimeter und machte sich auf alles gefasst.

      „Hör sofort auf du Idiot – wir brauchen sie lebend!“ schrie die vertraute Stimme und augenblicklich verstummten die Schüsse.
      Plötzlich war es totenstill und außer dem leisen Wimmern des Verletzten war absolut nichts zu hören. Iris horchte angestrengt in die Stille und versuchte zu erraten was sich gerade da draußen abspielte. Während sie auf jedes Geräusch achtete schob sie sich wieder, Stück für Stück in Richtung Tür, als diese plötzlich aufflog und drei Männer herein gestürmt kamen.
      Iris erschrak und ehe sie einen Schuss abfeuern konnte, hatte sie Pietro schon gepackt. Bei dem Versuch sich aus seinen Fängen zu befreien, warfen sie den Tisch, und Stühle um. Das Frühstück, welches Jan mitgebracht hatte, lag nun verstreut auf dem Fußboden und wurde regelrecht platt getrampelt.
      Sie schlug um sich, versuchte ihm das Knie zwischen die Beine zu rammen und sogar ihn zu beissen. Aber so sehr sie sich auch wehrte, es half nichts. Unbeeindruckt drehte er ihr die Hände auf den Rücken und zog sie an den Haaren nach oben. Iris versuchte den Schmerz zu ignorieren und wehrte sich weiter gegen den festen Griff des Italieners.
      „Eine richtige Felino, das wird Flavio aber gefallen!“ grinste Pietro Iris mit einem widerlichen Grinsen an.
      Iris versuchte sich weiter mit aller Macht zu befreien.
      „Er wird dich schon wieder handzahm machen!“ fuhr Pietro fort und zwang sie, ihn anzusehen.
      Iris Gesicht war eine wütende Grimasse und als Pietros Mundwinkel sich wieder zu einem ekelhaften Lächeln verzogen, spukte sie ihm ins Gesicht.
      „Farabutta!“ schrie Pietro zornig und gab ihr eine schallende Ohrfeige.
      Tränen schossen der jungen Frau in die Augen und ihre Wange brannte wie Feuer.
      „Jetzt lasst uns gehen!“ fauchte Pietro nach dem er sich die Spucke, mit dem Ärmel seiner Jacke von der Wange gewischt hatte.
      Ohne weiteren Widerstand zu leisten, lies Iris sich aus der Hütte führen. Kalter Wind blies ihr ins Gesicht und verschaffte der glühenden Wange ein wenig Linderung.
      „Bitte, ich brauch einen Arzt!“ wimmerte der neben der Tür kauernde Mann. Mit schmerzverzerrtem Gesicht hielt er seinen blutenden Oberarm.
      Pietro blieb stehen und warf ihm einen Blick voller Abneigung und ohne den kleinsten Funken Mitgefühl zu.
      „Lorenzo wird sich um dich kümmern!“ er nickte dem Mann mit den kurzen schwarzen Haaren zu und schob Iris weiter.
      Sie waren gerade bei den schwarzen Geländewägen angekommen, als Lorenzo kurze Zeit ebenfalls zu ihnen stieß, jedoch ohne den Verletzten. Iris Magen verkrampfte sich, als sie sich ausmalte was sie mit ihm gemacht hatten. Pietro war genauso gefährlich wie Flavio und wenn sie möglichst lange überleben wollte, dann musste sie ab sofort vorsichtig sein und keinen der Beiden unnötig reizen.
      Pietro öffnete die Tür des hinteren Land Rovers und wies Iris an einzusteigen, dann nahm er neben ihr auf der Rückbank platz. Die beiden anderen stiegen in den anderen Wagen und liesen den Motor an.
      Die ganze Fahrt über versuchte Iris irgendwie mit der Situation klar zu kommen, aber die Angst raubte ihr beinahe die Luft zum atmen. Es gab keinen Ausweg, sie konnte Flavio nicht mehr entkommen. Das erste Mal zweifelte sie ihre Entscheidung an, vielleicht war es doch ein Fehler gewesen einfach abzuhauen und Ben nicht reinen Wein einzuschenken. Vielleicht hätte er ihr helfen können, vielleicht wenn Jan und er zusammen gearbeitet hätten. Ganz gewiss wäre dann das alles niemals passiert. Aber sie hatte sich von Jan überreden lassen, weil sie Ben schützen wollte.
      Doch tief in ihrem Inneren hoffte sie, dass Ben sich nicht an ihre Bitte halten würde und sie doch suchen würde. Oder war das längst geschehen? Hatten sie Jan in die Mangel genommen und ihn dazu gebracht, ihnen die ganze Geschichte zu erzählen? Waren sie womöglich längst auf der Suche nach ihr? Augenblicklich erstickte sie den Funken Hoffnung, sie wollte ihn erst gar nicht größer und stärker werden lassen um so schlimmer wäre es, wenn er nicht in Erfüllung ginge. Wie sollten sie sie denn finden? Flavio war sicher nicht so dumm und brachte sie in sein eigenes Haus, dort würde man sie ja sofort suchen. Sie hatte kein Handy bei sich, das man orten hätte können. Das Einzige was sie hätten tun können, wäre Flavio zur Fahndung ausschreiben zu lassen, aber das würde eine Gefahr für ihr Leben darstellen. Jan wusste wie unberechenbar Flavio sein konnte und er würde nicht das kleinste Risiko eingehen, da war sie sich sicher. Nicht nach allem was passiert war.

      Iris erinnerte sich daran, wie dieser Alptraum begonnen hatte.
      Sie war noch ein „Frischling“ wenn man es so ausdrücken wollte. Frisch von der Polizeischule und erst ein paar Monate in Jans Team, als sie den Zingarelli Fall erneut auf den Tisch hatten. Der Typ schien mit allen Wassern gewaschen zu sein, denn egal was sie unternahmen, sie bekamen keine stichhaltigen Beweise für seine Straftaten.
      Es war lediglich ein Gedanke gewesen, den Thomas an jenem Tag ausgesprochen hatte und doch war Iris sofort Feuer und Flamme! Ein Undercover - Einsatz, war so verlockend und gleichzeitig die Chance auf die sie so lange gewartet hatte. Endlich würde sie es jedem und vor allem Jan beweisen können, endlich würde sie zeigen können, was in ihr steckte.
      Heute war ihr klar, wie dumm sie war.

      „Na freust du dich wieder zuhause zu sein? Ihn endlich wieder zu sehen?“ fragte Pietro und holte sie damit wieder in die kalte Realität zurück.
      Iris wandte sich ab und starrte schweigend aus dem Wagenfenster.
      „Ich hab dich was gefragt!“ fauchte Pietro und riss sie an ihren Haaren herum.
      Iris biss erneut die Zähne zusammen. Sie sah Pietro direkt in die Augen. Am liebsten hätte sie ihm ins Gesicht geschrien, wie sehr sie es verabscheute hier zu sein, wie sehr sie ihn, seinen Bruder und die ganze Zingarelli Familie hasste. Aber sie tat es nicht, denn sie hatte sich vorgenommen vorsichtig zu sein, denn es ging nicht mehr nur um ihr eigenes Leben. Sie trug wachsendes Leben in sich und das musste sie beschützen, um jeden Preis der Welt.
    • Kapitel 19 Teil 2

      Als der Wagen seine Geschwindigkeit verringerte, wurde Iris auf ihre Umgebung aufmerksam. Sie versuchte irgendetwas daran wieder zu erkennen, aber sie war sich sicher das sie noch nie zuvor in der Gegend gewesen war. Nach einigen Kilometern bog der Wagen auf eine langgezogene Allee ein und steuerte auf ein kleines Waldstück zu.
      Der Regen wurde immer stärker und so war es für Iris noch schwerer, sich etwas markantes einzuprägen oder zu erkennen.
      Sie fuhren schon einige Zeit auf der kleinen, schmalen Straße die durch den Wald führte, als der Fahrer die Geschwindigkeit erneut drosselte und langsam in einen Kiesweg einbog. Die Steine knirschten und den Reifen des schweren Autos und in Schrittgeschwindigkeit fuhren sie auf ein riesen Haus zu.
      Iris glaubte ihren Augen nicht mehr trauen zu können, als sie das Haus besser sehen konnte. Das Haus glich eins zu eins, jenem in dem sie mit Flavio zusammen gelebt hatte. Aber sie war sich ganz sicher, dass es nicht in der selben Umgebung stand. Konnte Flavio es tatsächlich nachbauen haben lassen? Nein, warum hätte er sowas tun sollen?
      Die großen Fenster waren hell erleuchtet und die Tür wurde von 2 Anzugsträgern mit kurz geschorenen Haaren flankiert.
      Iris richtete sich langsam auf und spürte wie ihr Puls wieder zu rasen begann.
      Jetzt war es soweit, jetzt war sie in ihrem Gefängnis angekommen – in ihrer persönlichen Hölle.

      Der Wagen kam zum stehen und Pietro stieg aus und hielt ihr dann die Tür auf. Iris stieg langsam aus und merkte wie ihre Knie weich wurden. Ihre kalten Händen zitterten und die Zähne klapperten ihr beinahe vor Anspannung.
      Kaum waren die Wagentür ins Schloss gefallen, öffnete sich die schwere Einganstür und Flavio kam auf sie zu.
      Er trug eine schwarze Anzughose und ein schwarzes T-Shirt. Sein längeres, lockiges Haar hatte er zu einem lockeren Pferdeschwanz zusammengebunden und auf seinem Gesicht lag ein glücklicher Ausdruck. Iris Magen rebellierte.
      „Mia cara Iris, schön die wieder zu sehen!“ zur Begrüßung drückte er ihr links und rechts einen Kuss auf die Wange und obwohl Iris Körper gegen jeden Berührung anschrie, hielt sie still.
      „Komm herein, sonst erkältest du dich noch bei diesem Wetter!“ Flavio trat einen Schritt zur Seite und wies zur Haustür. Wie ein Roboter, marschierte Iris ins Innere des Hauses und traute ihren Augen wieder nicht. Das Haus glich nicht nur außen dem Alten, nein auch im Inneren war es das absolute Abbild davon.
      „Ach ich kann es noch immer nicht glauben das du endlich wieder bei mir kommst!“ Flavio strich ihr über den Rücken, so als müsste er sich vergewissern das er nicht träumte. Iris rührte sich nicht.
      Flavio quasselte noch einige Zeit vor sich hin, aber als ihm die junge Frau keine Antwort gab, drehte er sich zu ihr um und musterte sie mit skeptischen Blick.
      „Bella, du wirst natürlich müde sein, war eine lange Reise. Komm ich zeig dir dein Zimmer!“ Flavio griff nach ihrer Hand und führte sie den langen Flur entlang, die Treppen hoch in ihr Zimmer.
      „Benvenuto a casa!“ mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht öffnete Flavio die Zimmertür und Iris verschlug es die Sprache. Das Zimmer war so eingerichtete worden, wie sie es vor 9 Jahren zurück gelassen hatte. Selbst das paar schwarze Pumos, dass sie an jenem Tag trug, lag noch in der hinteren Ecke neben dem weißen Sofa. Mit offenen Mund trat sie langsam ein und sah sich ungläubig um.
      „Schau hier!“ Flavio trat vor eine Wand, die über und über mit Fotos beklebt war.
      „Das sind all unsere gemeinsamen Augenblicke, unser Spontan - Urlaub in Monte Carlo, der Aufenthalt in Malaysia und natürlich die 2 Wochen in Australien!“ glücklich deutete er auf einige der Hochglanzbilder.
      Flavio war verrückt, verrückter als sie es sich jemals vorgestellt hatte.
      Wie in Trance sah sie sich um und dann blieb ihr Blick an etwas hängen, dass nie zuvor in einem ihrer Zimmer gestanden hatte und was gleichzeitig das Herz in der Brust zerspringen lies.
      „Das ist für unseren kleinen Bambino!“ sagte Flavio, der Iris Blick gefolgt war und trat neben den aus Bast geflochtenen Stubenwagen mit den blauen Deckchen.
      Er wusste also das sie schwanger war und wollte nun das Kind mit ihr gemeinsam aufziehen. Gänsehaut breitete sich auf ihrem gesamten Körper aus, als sie sich die Vorstellung in ihrem Kopf ausmalte.
      „Si, la mia fidanzata, wenn wir den Bambino gleich richtig erziehen, dann wird von den schlechten Genen seines Erzeugers nichts mehr zu erkenne sein!“ und nach einer kurzen Pause fügte er hinzu „Endlich werden wir eine kleine Familie sein, endlich ist alles perfekt!“

      Nein Flavio war nicht verrückt – er war wahnsinnig!!!!!!! :S
    • Kapitel 20
      Ben stand wie erstarrt vor der Collage.
      Es waren nicht nur Fotos von früher, Brenner hatte am Rand neuere Bilder dazu geheftet. Bilder die ganz gewiss ohne Iris Wissen gemacht wurden!
      Wütend fuhr Ben herum und fauchte Jan an. „Bist du ein kranker Stalker? Oder was soll das hier sein?“ er deutete in Richtung der bunten Fotos.
      „Sei vorsichtig was du sagst!“ warnte Brenner und machte eine Schritt auf Ben zu.
      Semir machte sich schon auf das Schlimmste gefasst und hielt sich bereit um im Notfall sofort eingreifen zu können.
      Zum ersten Mal erkannte er in Brenners Augen richtige Wut. Ben´s Worte hatten ihn sehr getroffen! „Ich sag was ich...!“ zischte Ben und ballte die Hände zu Fäusten.
      Die Situation wäre womöglich noch richtig eskaliert, hätte nicht genau in diesem Moment sein Mobiltelefon geklingelt.

      Einen Augenblick standen sich die beiden Hauptkommissare noch gegenüber und funkelten sich mit zusammen gezogenen Brauen an. Als Ben´s Handy einfach nicht verstummen wollte, wandte er sich ruckartig ab und holte sein klingelndes Telefon aus der Hosentasche seiner Jeans.
      „Ja, Jäger!“ motzte er regelrecht ins Telefon und verlies den Raum.
      „Hallo Ben!“ meldete sich sein Vater und Ben bereute es, nicht zuvor einen Blick auf das Display geworfen zu haben.
      „Papa, ich hab jetzt gerade echt keine...!“
      „Ich will gar nicht lange stören!“ unterbrach Konrad Jäger seinen Sohn.
      „Am Freitag Abend findet eine kleine Party in unserem Jagdhaus statt und ich fände es schön wenn du und Melanie auch vorbei schauen würdet. Wir haben uns ja ne halbe Ewigkeit nicht mehr gesehen!“
      „Na toll!“ dachte Ben und suchte nach einer guten Ausrede.
      „Nein, Freitag geht nicht!“ antwortete er und hoffte sein Vater würde nicht nach fragen.
      „Sprich doch erstmal mit Melanie und dann gib mir die Tage Bescheid. Ich....!“
      „ICH HAB NEIN GESAGT! WIR WERDEN NICHT ZU DEINER BESCHEUERTEN SNOPPARTY KOMMEN!! UND JETZT HAB ICH WICHTIGERES ZU TUN!“ ohne seinem Vater die Möglichkeit für eine Antwort zu geben, legte er auf!
      Seine Hände zitterten vor Wut und gleichzeitig tat ihm sein Verhalten leid – sein Vater konnte nun am allerwenigsten für die Situation etwas.
      „Alles klar?“ fragte Semir der ihm der ihm gefolgt war.
      „Ich muss hier raus!“ antwortete Ben knapp und schob sich an seinem Kollegen vorbei nach draußen – wenige Minuten später fiel die Haustür ins Schloss.
      Semir wollte ihm gerade nach als sein Handy in der Hosentasche vibrierte.
      „Ja, Susanne!“ meldet er sich, als er Susannes Bild aufblinken sah.
      „Semir, wo steckt ihr?“ war die erste Frage die die Sekretärin ihm stellte.
      „In München, aber die ganze Geschichte erzähl ich dir, wenn wir wieder zurück sind. Hast du was rausgefunden?“
      So ganz war die junge Frau mit dieser Antwort nicht zufrieden. Aber sie war lange genug bei der Autobahnpolizei, um zu wissen, dass es manchmal besser war keine Fragen zu stellen.
      „Ja, aber nichts weltbewegendes!“
      „Dieser Jan Brenner ist der vorzeige Kommissar schlecht hin. Nach dem er die Polizeiakademie mit den besten Noten abgeschlossen hat, ging es für ihn weiter steil nach oben und nun ist er Teamleiter beim LKA und ist unter anderem für verdeckte Ermittlungen zuständig. Er hat eine blütenweiße Weste!“ nach einer kurzen Pause fuhr sie fort.
      „Über diesen Flavio Zingarelli hab ich auch nicht wirklich viel heraus gefunden, er ist Sohn der italienischen Millionärsfamilie Zingarelli, hat einen Halbruder namens Pietro. Eigentlich ist indirekt bekannt das die ganze Familie in krumme Geschäfte verwickelt ist, aber bisher konnte man ihnen kein einziges Mal etwas nachweisen. Bis auf einmal, denn da ging Flavio für 9 Jahre in den Bau und kam vor ein paar Tagen raus. Ansonsten ist er und die restliche Familie ständig in kleinere Rechtsstreiterein verwickelt, Bauangelegenheiten, Verkehrssünden, Ruhestörungen und Nachbarstreits – Kleinigkeiten.“

      „Weißt du mehr über den Fall?“ fragte Semir
      „Leider nicht, der steht unter Verschluss – höchste Sicherheitsstufe !“ antwortete Susanne enttäuscht.
      „Hast du schon mit der zuständigen Stelle gesprochen und versucht die Akte zu bekommen?“ hakte Semir nach, er war sich ganz sicher das sie mit dieser Akte Antworten auf viele ihrer Fragen bekommen würden.
      „Das könnte schwierig werden, denn direkter Ansprechpartner ist Hauptkommissar Jan Brenner!“ klärte Susanne ihn auf. Semir schüttelte den Kopf. Ein musste man ihm lassen, er wusste wie man etwas wirklich geheim hielt.
      „Und was konntest du über Iris beziehungsweise Melanie heraus finden?“
      Susanne räusperte sich kurz und berichtete ihm was sie über die Frau heraus gefunden hatte!
      „Also Melanies Akte ist völlig sauber, keinerlei Verbindungen zu Hauptkommissar Brenner noch zu Flavio, noch zu dem Fall! Mit Iris war das wesentlich schwieriger, vor allem, weil ich nicht wusste wo ich anfangen sollte – ohne Familienamen. Aber ich hab dann eine gute Freundin von mir angerufen und die kannte wieder jemanden, der einmal im Bayerischen Landeskriminalamt in der Verwaltung gearbeitet hat. Und sie konnte sich erinnern, dass es einmal eine Iris in der entsprechenden Abteilung gab, eine Iris Brenner! Und bevor du fragst, auch ihre Akte steht unter Verschluss. Aber die Bekannte meiner Freundin hat etwas anderes, sehr interessantes herausgefunden, nämlich das Iris Brenner auf die selbe Adresse gemeldet war wie Jan Brenner!“ endete Susanne zufrieden mit ihrer Ausführung. In Semir´s Kopf überschlugen sich die Informationen. Iris und Jan Brenner – die selbe Adresse – die Collage – die Heimlichtuerei... Konnte es wirklich so sein? Waren die beiden verheiratet gewesen oder waren sie es etwa immer noch?
      Semir ging nochmals alle bisherigen Informationen durch und mit dieser neu gefunden „Unbekannten“ schien alles zu passen. Endlich schien das Puzzle ein Bild zu ergeben, oder doch nicht? Der Hauptkommissar wollte nicht glauben, das Melanie, bzw. Iris Ben, all die Jahre über derartig hintergangen haben sollte.
      Er musste sofort mit Ben reden, aber wie sollte er es ihm sagen?
      Oder sollte er ihm diesen Teil der Infos besser vorenthalten?
      Eigentlich brachte sie das ja auch überhaupt nicht weiter. In welchem Verhältnis die Beiden zueinander standen, verriet ihnen gewiss nicht wo sie dieser Zingarelli versteckt hielt. Das Einzige was hilfreich war, war die Tatsache, dass sie Brenner trauen konnten.
      Egal aus welchen Beweggründen er sie finden wollte, er verfolgte das selbe sie wie Ben und er selbst! Alles Andere musste später geklärt werden, wenn Iris und das Baby in Sicherheit waren.
      Langsam schob er sein Telefon zurück in die Hosentasche und überlegte ob er Ben nun die Wahrheit sagen sollte, oder nicht.... ?(
    • Kapitel 21

      Kapitel 21

      Ben stürmte aus dem Haus und auf die Straße. Seine Wut lies seine Hände zittern. Er war so wütend wie noch nie in seinem Leben. Wütend und Verwirrt! Wütend auf Brenner, weil er ihm auf keine seiner Fragen eine Antwort gab und wenn er ihm dann doch, ausnahmsweise eine gab, dann klang sie wenig überzeugend und war meist überheblich! Und ihn verwirrte jede neue Information mehr, als das sie Licht ins Dunkel brachte. Warum hatte Iris ihm nie von Brenner erzählt. Gut, auch er hatte ihr nicht von jeder seiner Exfreundinnen erzählt und doch hatte er ihr von Saskia erzählt und wie es schien, hatten Brenner und sie ja eine sehr innige Beziehung geführt so schien es zumindest auf den Fotos. Oder bedeutete Brenner ihr gar nicht so viel und nur er war nie über sie hinweg gekommen? Gegen diese These sprach jedoch die Tatsache, dass sie sich in ihrer Angst an den Hauptkommissar aus München und nicht an ihn gewandt hatte.
      Wieder einmal wurde ihm schmerzhaft bewusst, dass er keine Antworten auf seine Fragen bekommen würde, nicht solange sie Iris nicht gefunden hatten.
      Der nächste Stich in seiner Brust, denn genauso wenig wussten sie wo sie nach der schwangeren Frau suchen sollten.
      Verzweiflung gesellte sich zu den beiden anderen Gefühlen und lies sein Herz höher schlagen. So oft war er in seinem bisherigen Leben der Verzweiflung und der damit verbunden Ohnmacht nahe gewesen, damals als seine Mutter starb, als Julia entführt worden war, als er beinahe sein Augenlicht verloren hätte oder als er versehentlich diesen kleinen Jungen angefahren hatte und natürlich als er sich die Schuld an Saskias Tod gegeben hatte. Doch all diese Sachen waren, jetzt, nachdem er sie überstanden hatte und nachdem geraume Zeit ins Land gezogen war, nichts, im Vergleich zu dem Gefühl Iris und sein Kind verloren zu haben.

      Als er im Krankenhaus erfuhr das er bald Vater werden würde, machte sich ein unbeschreibliches Gefühl in seiner Brust breit. Seit dem hatte er sich ständig ausgemalt wie ihre gemeinsame Zukunft wohl aussehen würde. Die Geburt, wenn er sein Kind das erste Mal in den Händen halten würde. Das erste Lächeln, das erste Wort und die ersten Schritte. Wie er seinem Sohn oder seiner Tochter das Rad fahren bei bringen würde und wie er mit seinem Sohn Fußball oder mit seiner Tochter Barbie spielen würde. Wie er sie zum Fußballtraining oder zur Reitstunde fahren würde. Kurz er hatte sich alles so schön ausgemalt und konnte es kaum mehr erwarten bis es endlich so weit war. Das erste Mal seit langem schien sein Leben perfekt zu verlaufen und nun stand seine gesamte Zukunft auf der Kippe – so leicht konnte er alles verlieren und er war sich sicher, dass er einen derartigen Verlust nicht noch einmal ertragen würde.



      „Na, hast du alles über mich herausgefunden?“ fragte Brenner als Semir zurück ins Wohnzimmer kam. Der junge Hauptkommissar saß völlig entspannt auf dem Ledersofa und blätterte in einer Akte.
      Semir hatte mit dieser direkten Frage nicht gerechnet und suchte nach einer Antwort.
      „Mir war klar das du mich durchleuchten würdest!“ Jan blickte Semir an und ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus „Ich hätte es genauso gemacht!“
      Erleichtert atmete Semir aus und lies sich auf dem Sessel, rechts neben der Tür nieder.
      „Da gibt es aber noch eine Frage und es wäre schön, wenn du sie mir ehrlich beantworten würdest!“ begann Semir nach einer kurzen Pause.
      Brenner legte die Akte beiseite und wandte sich zu Semir „Frag!“
      Semir räusperte sich und überlegte kurz wie er es am besten Formulieren sollte.
      „Also du und Iris, seit ihr...?“
      Bevor Semir seine Frage stellen konnte, läutete Brenners Handy.
      „Tschuldigung!“ sagte Jan und nahm den Anruf entgegen.
      „Hallo Thomas, was gibt’s?“ Jan machte den Lautsprecher an, damit Semir mithören konnte.
      „Ich weiß wo Flavio Iris gefangen hält!“ platzte der Beamte sofort heraus.
      „Was? Woher weißt du das?“ Brenners Stimme war vor Aufregung ein paar Oktaven höher geworden und auch Semir war bis an die Kante des Sessels gerutscht.
      „Ja, ich hab die Info aus einer sehr vertrauenswürdigen Quelle und..!“
      „Wer hat dir das gesagt?“ unterbrach Brenner seinen Kollegen forsch
      „Is doch egal, wichtig ist, dass wir jetzt keine Zeit verlieren. Du weißt wie Flavio tickt. Also sollten wir so schnell wie möglich zu seiner alten Villa aufbrechen!“
      „Zur alten Villa?“ fragte Brenner ungläubig.
      „Ja zur alten Villa, Mensch Alter uns läuft die Zeit davon, also lass die sinnlose Fragerei und schau das du in die Puschen kommst!“ drängte Thomas weiter.
      „Niemals, hat er sie da versteckt. Er musste damit rechnen, dass wir sie dort zu erst suchen!“ fuhr Brenner unbeeindruckt fort.
      „Doch er hat sie genau dort versteckt, du weißt doch wie er ist – er glaubt das er uns immer einen Schritt voraus ist und er hält sich nun mal für so gewieft!“
      Stille trat ein und Brenners Miene war zu einer Starren Maske geworden. Semirs Hände waren kalt vor Aufregung und er wartete ungeduldig darauf, dass Jan endlich aufbrechen würde. Sie durften keine Zeit mehr verlieren.
      „Jan. Jetzt lass uns die Bude auseinander nehmen und diesem Drecksack endlich eine gehörige Abreibung verpassen!“ stachelte Thomas Jan an.
      Einen Augenblick schien Jan noch zu hadern, doch dann nahm sein Gesicht einen entschlossene Miene an und er sagte
      „Ok, wir treffen uns in 15 Minuten vor dem Anwesen. Ich werde das SEK informieren!“
      „Nein, ich hab das SEK schon informiert. Gut dann treffen wir uns dort!“
      Wenig später hatte Thomas aufgelegt.
      Brenner steckte das Telefon zurück in seine Hosentasche und sah Semir an.
      „Worauf warten wir noch?“ fragte dieser
      „Na darauf das du endlich Ben anrufst, wir können doch nicht ohne den Traumschlumpf die Prinzessin retten!“ 8)
    • Kapitel 22 Teil 1

      „Könnte mich mal jemand auf den aktuellen Stand bringen?“ fragte Ben als er völlig durchweicht zu Brenner und Semir in den Wagen stieg. Semir hatte ihm am Telefon lediglich gesagt, dass sie eine heiße Spur hätten.
      Während Ben dann im strömenden Regen auf sie wartete, hatte er sich vorsichtshalber kräftig in den Arm gekniffen, nur um sicher zu gehen das er nicht schon wieder träumte. Als er den Schmerz spürte, begann sein Puls zu rasen. Diesmal war es also Wirklichkeit – sie wussten tatsächlich wo Iris war.
      „Thomas hat einen Tipp bekommen wo Iris gefangen gehalten wird. Und wir werden jetzt direkt dorthin fahren!“ klärte Brenner den jungen Hauptkommissar mit wenigen Worten auf.
      Er lenkte den Wagen mit hoher Geschwindigkeit durch die verregnete Stadt in Richtung Stadtwesten. Er war angespannt und versuchte das seltsame Gefühl in seiner Magengegend los zu werden. Irgendetwas störte ihn an der ganzen Sache, aber insgeheim schob er es auf die Tatsache das er nicht selbst auf die Idee gekommen war die alte Villa zu durchsuchen. Ein weiterer Fehler auf seiner Liste.

      Knappe 15 Minuten später erreichten die drei Hauptkommissare das Anwesen von Flavio Zingarelli. Doch weder das SEK noch Thomas schienen bereits eingetroffen zu sein. Brenner brachte seinen Wagen ein wenig abseits, hinter ein paar Büschen zum stehen.
      „Kommt wir sehen uns ein wenig um, bis die anderen kommen!“ schlug Jan vor und stieg aus.
      Geduckt und mit höchster Konzentration schlichen sich die drei immer näher an die Villa heran.
      Der Regen prasselte unaufhörlich auf sie herein und schon bald waren sie bis auf die Haut durchweicht. Jeder von ihnen fröstelte aber keiner brachte es zur Sprache. Im Moment war es egal, jeder war nur darauf bedacht keinen Fehler zu machen.
      „Sieht ziemlich verlassen aus!“ flüsterte Semir und deutete auf die zugewucherte Einfahrt. Das große eiserne Tor war von Efeu und Wildrosen bewachsen und es schien schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr geöffnet worden zu sein.
      „Du hast recht, aber dieser Eindruck könnte durchaus gewollt sein. Das ist nicht die Einzige Möglichkeit um auf das Grundstück zu kommen!“ erklärte Brenner und schob sich weiter durch das Grünzeug in Richtung der Mauer, die das Anwesen umzäunte. Auch ihm war aufgefallen wie verwildert das ganze war, früher war alles hier auf das penibelste gehegt und gepflegt gewesen. Flavio war ein Pedant und er hatte immer darauf geachtet, dass auch außerhalb seiner Mauern das Grünzeug so kurz gehalten wurde, dass sich niemand hätte dahinter verstecken können. Jetzt jedoch war alles verwildert und es schien alles genauso verlassen wie Brenner erwartet hatte.
      „Kannst du mir mal helfen?“ fragte Jan an Ben gerichtet und deutete auf die gut 2 Meter hohe Steinmauer. „Ich will nur mal einen Blick darüber werfen!“
      Ben verzog zwar kurz das Gesicht, ging dann aber in die Hocke und verschränkte die Hände, auf Bauchhöhe ineinander damit Brenner einen Tritt hatte und über die Mauer sehen konnte.
      Vorsichtig zog Jan sich an der Mauer und hoch und hielt sich daran fest, um Ben zu entlasten.
      Genau wie er erwartete hatte, war auch das Anwesen völlig verwildert und soweit er es von seiner Postition aus erkennen konnte, gab es keinerlei Reifenspuren. Auch die Villa sah sehr verlassen und mitgenommen aus. Fensterläden hingen lose in den Angeln und schlugen im Wind. Glasscheiben waren zerbrochen und an der Veranda blätterte die Farbe ab.
      In keinem der Fenster brannte Licht und auch sonst lag das Anwesen völlig verlassen vor ihnen. Jetzt konnte er noch weniger glauben, dass Flavio hier sein sollte. Er war kein Mensch der sich in einem schmutzigen und runtergekommenen Haus verschanzte, er liebte den Luxus, auch wenn er auf der Flucht war. Langsam lies er sich wieder zurück sacken und wartete bis Ben wieder sicher stand, ehe er sich mit vollen Gewicht in dessen Hände stellte.
      „Und?“ fragte Ben leise und wischte sich die Hände an seiner nassen Jeans ab.
      „Sieht alles absolut verlassen aus!“
      „Glaubst du wirklich das er Iris hier gefangen hält?“ fragte Ben
      Brenner wartete ehe er seinem Kollegen mit fester Stimme antwortete „Ich weiß es nicht, aber ich werde nicht gehen, ehe ich es selbst überprüft habe!“

      „Ist dein Kollege immer so pünktlich?“ fragte Semir als sie wieder beim Wagen angekommen waren.
      Seit ihrer Ankunft waren mehr als 20 Minuten vergangen und sowohl von Thomas als auch von den SEK Beamten fehlte jede Spur.
      Unruhig ging Brenner neben dem Wagen auf und ab.
      „Thomas ist nicht unbedingt die Pünktlichkeit in Person, aber in ernsten Situationen konnte ich mich bisher immer auf ihn verlassen!“ antwortete Brenner und warf zum tausendsten Mal einen Blick die Straße hinunter.
      Weitere 5 Minuten vergingen.
      „Ich werd jetzt nachfragen was da so lange dauert!“ sagte Brenner und holte sein Handy aus der Hosentasche. Doch nach einem kurzen Blick auf das Display steckte er es wütend wieder zurück „Verdammt ich hab keinen Empfang!“
      Semir und Ben holten ebenfalls ihre Mobiltelefone hervor, aber auch sie hatten keinen Empfang.
      „Na toll, ich hasse diese Walachei!“ ärgerte sich Ben und kickte wütend einen Stein von der Straße.
      „Warum rufen wir nicht einfach die örtlichen Behörden zur Hilfe?“ fragte Semir mit neuen Enthusiasmus.
      „Das geht auch wenn wir keinen Empfang haben!“
      Brenner blieb stehen und überlegte einen Moment. Dann nickte er und holte erneut sein Telefon aus der Hosentasche.
      „Das ist eine gute Idee!“
      Mit kalten Fingern wählte er den Notruf.
      Schon nach ein paar Sekunden meldete sich eine Frauenstimme am anderen Ende.
      „Hauptkommissar Jan Brenner, LKA München, wir brauchen dringend Verstärkung. In die...!“
      Weiter kam er nicht, denn im nächsten Moment durchriss ein Schuss die Stille.
      Augenblicklich suchten alle drei Hauptkommissar hinter dem Wagen Schutz. Sie wussten nicht ob der Schuss ihnen galt oder nicht. Auf jeden Fall, war er auf dem Anwesen gefallen.
      „Was machen wir jetzt?“ fragte Semir und entsicherte seine Walther P88.
      „Also ich geh rein, kommt ihr mit?“ fragte Brenner und sah die beiden Autobahnpolizisten fragend an.
      „Ich auf jeden Fall!“ nickte Ben und holte seine Sig aus dem Halfter.
      „Ich warte nur auf euch!“ Semir war bereits auf dem Sprung.
      „Wartet wir sollten nicht unvorbereitet sein!“ hielt Brenner sie zurück und ging geduckt an das Heck des Autos. Vorsichtig öffnete er den Kofferraum und holte Drei schusssichere Westen sowie Ersatzmunition heraus.
      „Bereit?!“ fragte er nachdem sich jeder seine Weste umgeschnallt hatte.
      „Bereit!“ kam es wie aus einem Munde von Semir und Ben.

      Die Hauptkommissare schlichen an der Steinmauer weiter bis sie zu einer kleinen Holztür gelangten. Auch an ihr hatte der Zahn der Zeit stark genagt, verwittert hing sie in ihren Angeln und bot den Dreien keinen großen Widerstand.
      „Hat da gerade auch schon Licht gebrannt?“ fragte Semir und deutete auf das Fenster im ersten Stock an dem die Fensterläden nutzlos in den Angeln hingen.
      Brenner schüttelte den Kopf „Nein, hier hat nirgends Licht gebrannt!“
      „Wir sollten vorsichtig sein, irgendetwas stinkt hier zum Himmel!“ warnte Jan mit Grabesstimme und lief geduckt von einer Deckung zur nächsten. Dadurch das der Garten so verwildert war, war es eine Leichtigkeit bis zur Villa durchzukommen.
      Bens Herz schlug ihm bis zum Hals, als er neben Semir und Brenner, an der Hausmauer kauerte.
      „Wie kommen wir jetzt unbemerkt rein?“ fragte er und versuchte ruhig zu atmen.
      „Ich würd sagen über das kaputte Fenster da!“ er deutete darauf. Es war nur ein paar Schritte von ihnen entfernt.
      Brenner ging voran und verschwand nach kurzer Zeit im Haus. Semir und Ben folgten ihm und Ben war den Jugendlichen, oder wer auch immer die Scheibe eingeschlagen hatte, sehr dankbar. Denn somit konnten sie völlig unbemerkt und geräuschlos einsteigen.
      „Flavio hat aber eine seltsame Art auszuziehen!“ flüsterte Ben den anderen Beiden zu, als sie durchs Haus schlichen. Es war nicht nur so, dass die Möbel fehlten, wie es normal gewesen wäre,nein. Es fehlten Wandverkleidungen, in einem Raum die Böden und sogar Türen mit Türstöcken fehlten. Das Haus war ausgeschlachtet worden.
      Während sie ihren Weg in den ersten Stock fortsetzten entdeckten sie niemanden. Das Haus war so leer, wie es von außen schien. Und doch musste jemand hier sein, denn wie sonst sollte das Licht angegangen sein.
      Auch die große Halle war leer und genauso ausgeschlachtet wie die anderen Räume, die sie bisher durchquert hatten.
      Jan schob sich langsam, an die Wand gedrückt Stufe für Stufe nach oben. Als die Treppe einen hässlichen Knarzlaut von sich gab, blieben die Drei wie angewurzelt stehen. Das Herz schlug ihnen bis zum Hals und sie lauschten in die Stille hinein. Als sich nichts regte, setzten sie ihren Weg noch vorsichtiger fort.

      Die Hauptkommissare wollten gerade den Raum links neben ihnen überprüfen als sie plötzlich Stimmen hörten. Jeder von ihnen hielt die Luft an um zu verstehen was die Stimmen sagten.
      „Sag mal bist du bescheuert? Warum hast du auf die Kleine geschossen?“
      „Sie wollte abhauen, was blieb mir anderes übrig?“
      „Das kannst du dem Boss erklären!
      „Ach sie wird’s schon überleben. Komm lass uns nach ihr schaun!“
    • Kapitel 22 Teil 2

      Ben schluckte und versuchte die Bilder in seinem Kopf nicht auszumalen.
      Brenners Nasenflügel bebten als er sagte „Kommt, die kriegen wir!“
      Brenner steuerte, dicht gefolgt von den anderen Beiden das erleuchtete Zimmer an. Auch hier fehlte die Tür, sodass sich Brenner an der Wand entlang bis zum Eingang schob und dann einen vorsichtigen Blick in das Zimmer warf.
      Es war das Wohnzimmer, das wusste er noch von damals als sie das Haus nach Flavios Verhaftung kräftig unter die Lupe genommen hatten. Aber das Zimmer war eher ein Durchgangszimmer, dass durch eine große Flügeltür mit dem Schlafzimmer verbunden war. Es gab nur eine Tür nach draußen und das war die, durch die sie gerade herein gekommen waren. Die Drecksäcke saßen also in der Falle!
      „Gleich haben wir sie, jetzt können sie uns nicht mehr entwischen!“ zischte Brenner, Ben und Semir zu.
      Mit höchster Alarmbereitschaft betraten die drei den geräumigen Raum. Bis auf eine Decke in der rechten Ecke, neben dem Kamin war auch dieses Zimmer absolut leer.
      Ben, Jan und Semir durchquerten den Raum mit gezogenen Pistolen und näherten sich der großen Flügeltür. Anders als die anderen Türen, war diese unversehrt. Flavio hatte wohl keine Verwendung dafür.
      Die drei hielten kurz Inne, ehe Brenner dann mit einem lauten „Stehen bleiben Polizei!“ die Tür aufstieß und in den Raum zielte. Ben und Semir taten es ihm gleich, doch anstatt vor entsetzten Verbrechern zu stehen, standen sie in einem leeren Zimmer.
      „Verdammte Scheiße!“ fluchte Brenner und rannte zu einer versteckten Tür in der Wand.
      „Was ist das denn?“ fragte Ben und sah sich die, in die Wand eingelassene Geheimtür kurz genauer an. So etwas kannte er bisher nur aus Indianer Jones Filmen.
      „Das ist Dienstbotengang, er führt durch das ganze Haus und somit auch nach draußen. Kommt vielleicht erwischen wir sie noch!“ Brenner stürmte voraus Semir und Ben folgten ihm auf den Fuß!
      Kaum hatten die drei den Geheimgang betreten, fiel die Tür hinter ihnen und auch vor ihnen ins Schloss – sie saßen in der Falle!

      „Fuck!“ fluchte Ben und lief zurück. Mit aller Kraft warf er sich gegen die Tür, aber so sehr er sich auch dagegen warf, die Tür gab keinen Zentimeter nach.
      Brenner und Semir versuchten es an der anderen Tür, waren aber ebenso erfolglos!
      Einige Zeit herrschte Stille, jeder versuchte mit der neuen Situation fertig zu werden, als Semir sich plötzlich zu Wort meldete.
      „Hört ihr das?“ fragte er und lauschte in die Stille hinein.
      Ein gleichmäßiges Zischen drang zu ihnen durch.
      „Was ist das?“ fragte Ben, als Brenner sich der Tür näherte um besser hören zu können.
      Unter der Tür drang dichter weißer Nebel herein und als Jan plötzlich schummrig vor Augen wurde und er langsam zu Boden sackte, wusste er was es war.
      „Jan!“ rief Semir als er den Hauptkommissar ohnmächtig zu Boden sacken sah.
      „Ben das ist irgendein Betäubungsgas, halt dir mit irgendwas Nase und Mund zu!“ rief Semir ihm zu.
      Blitzschnell zog Semir sich seine nasse Jacke aus und presste sie sich auf Nase und Mund, dann lief er schnell zu Jan und zog ihn von der Tür weg.
      „Ben, hilf mir mal!“ rief Semir und zog an Brenners Bein, aber Ben kam nicht. Semir wandte sich um und erkannte das auch sein junger Kollege bereits ohnmächtig, in sich zusammen gesackt war. Genau wie Brenner hatte er direkt neben der Tür gestanden
      Semir hustet und presste sich das Kleidungsstück fester auf das Gesicht, Verzweiflung machte sich in ihm breit und er merkte wie auch ihm langsam schwarz vor Augen wurde.
      Er wollte zu Ben hinüber, aber seine Füße sackten unter ihm zusammen und er knallte auf den staubigen Fußboden. So sehr er auch versuchte die Augen offen zu halten, sein Körper reagierte nicht mehr auf die Befehle seines Gehirns, wenige Sekunden später wurde auch Semir schwarz vor Augen. :?:
    • Kapitel 23

      Auf Elviras Drängen hin, geht es nun endlich wieder weiter :rolleyes:

      Kapitel 23
      Der Regen trommelte gleichmäßig gegen die große Glastür, draußen auf dem Balkon hatte sich eine große Pfütze gebildet und die Blumen, in den braunen Kästen liesen ihre Köpfe hängen.
      Iris saß zusammen gekauert, in dem weißen Ohrensessel und hatte ihren Blick starr nach draußen gerichtet.
      Sie trug eine schwarze Stoffhose und einen beigen Strick – Rollkrangen – Pullover dazu. Obwohl die Sachen schon einige Jahre alt waren, passten sie noch. Und auch wenn es ihr widerstrebte sie anzuziehen, tat sie es um Flavio nicht zu verärgern. Wenn er gut gelaunt war und zufrieden mit ihr und ihrem Verhalten war, dann lies es sich einigermaßen mit ihm aushalten.
      Aus diesem Grund musste sie dafür sorgen, dass es möglichst lange so blieb, denn dann standen ihre Chancen gut, dass Jan sie finden würde. Er würde sie finden, ganz gewiss!!!
      Tränen schossen ihr in die Augen als ihr bewusst wurde, in welcher ausweglosen Situation sie sich eigentlich befand.
      Die Junge Frau nahm den Kapuzenpullover von ihrem Schoß und vergrub das Gesicht darin. Als ihr Der Duft von Jans Aftershave in die Nase stieg, bereute sie es zu tiefst, dass sie Jan an jenem Morgen nicht gesagt hatte, dass sie ihn liebte. Stattdessen war sie sauer auf ihn, weil er sie schon wieder wie ein kleines Kind behandelt hatte. Jetzt würde sie vielleicht niemals wieder die Chance bekommen, ihm das zu sagen.
      Ihre Tränen wurden noch bitterlicher als sie an Ben dachte und wie glücklich er aussah als er sich von ihr mit den Worten „Ich wünsch euch beiden einen schönen Tag!“ verabschiedet hatte. Hätte sie gewusst was wenige Stunden später passieren würde, hätte sie ihn niemals wieder los gelassen. Sie hatte ihm so vieles verschwiegen und nun konnte sie ihm keine Antworten mehr auf seine Fragen geben, sie hasste sich beinahe dafür.
      „Signorina Iris?“ Iris wurde durch das Klopfen an der Tür und die Stimme der jungen italienischen Hausangestellten aus ihren Erinnerungen gerissen.
      Hastig versteckte Iris den Pullover unter dem Stuhl und wischte sich dürftig über die verweinten Augen.
      „Ja, bitte?“ sagte sie und versuchte ihre Stimme möglichst fest klingen zu lassen.
      Maria, eine ältere Italienerin trat ins Zimmer und schloss die Tür wieder hinter sich.
      „Der Signore lässt zum Essen rufen!“ sagte sie mit starkem Akzent
      Iris nickte und wandte ihr Gesicht wieder ab, sie wollte nicht das sie jemand weinen sah.
      Maria trat schweigend zu ihr
      „Signorina, ihr wisst doch das der Signore nicht gerne sieht wenn sie weinen!“ fürsorglich holte sie ein Taschentuch aus ihrer Schurtztasche und tupfte Iris die Tränen vom Gesicht.
      Seit sie hier war, hatte sich Maria so fürsorglich um sie gekümmert und im Moment war es die einzige Person in diesem Haus, vor der sie sich nicht fürchtete.
      „So sieht das schon viel besser aus!“ sagte sie nach einer Weile und lächelte Iris zu.
      Iris lächelte zurück und stand auf.
      Auch wenn sie keinen Hunger hatte und sich am liebsten, weiterhin in diesem Zimmer verkrochen hätte, so würde sie doch nach unten gehen und sich zusammen mit Flavio an einen Tisch setzten. Das Abendessen zu sich nehmen und auf seine Fragen antworten. So weit es ging würde sie gute Miene zum Bösen Spiel machen. Für das Leben in ihr!

      „Guten Abend!“ sagte sie leise als sie das große Esszimmer betrat. Das Essen stand bereits auf dem Tisch und ohne Flavio anzusehen, lies sie sich auf ihrem Platz, ihm gegenüber nieder.
      „Guten Abend Bella, ah du siehst bezaubernd aus. Diesen Pullover habe ich schon immer an dir geliebt!“ machte Flavio ihr ein Kompliment und strahlte sie förmlich an.
      „Dankeschön!“ sagte Iris leise und trank einen Schluck aus ihrem Wasserglas.
      Flavio lies seinen Blick noch eine Weile auf ihr ruhen, dann griff er nach Messer und Gabel und begann zu essen.
      Iris tat es ihm nach, je schneller sie das Essen hinter sich gebracht hatte, umso eher konnte sie sich wieder in ihr Zimmer zurück ziehen.
      „Weißt du Iris, ich denke wir sollten unser Wiedersehen groß feiern!“ sagte Flavio während des Essens und nahm einen Schluck aus seinem Rotweinglas.
      Iris schob sich einen kleinen Bissen Anti Pasti in den Mund und wartete bis Flavio fortfuhr.
      „Nachdem wir damals ja nicht mehr dazu kamen, denke ich, dass es nun an der Zeit ist endlich zu heiraten!“
      Die junge Frau verschluckte sich vor Schreck und versuchte das Stück Aubergine durch husten wieder aus ihrer Luftröhre zu bekommen.
      „Und wann?“ krächzte sie.
      „Der Termin ist für Freitag angesetzt!“ antwortete Flavio mit zufriedener Miene.
      Freitag – dachte Iris. Das war in 2 Tagen. Jan musste es also schaffen in 2 Tagen raus zu finden wo sie war. Wenn nicht ein Wunder geschehen würde, dann würde sie dieses Haus niemals wieder verlassen. Sie würde ihr Kind hier zur Welt bringen müssen und dann müsste sie so tun als sei alles perfekt. Dann würde ihrer und Bens Spross in dieser kriminellen Familie aufwachsen müssen. Es würde Flavios Launen aushalten müssen, genau wie es hat tun müssen.
      Schreckliche Verzweiflung breitete sich in ihr aus, als sie diese Bilder vor ihrem inneren Augen sah.

      „Maria wird dir nachher, dass Kleid, dass du dir damals in der kleinen italienischen Boutique ausgesucht hast, in dein Zimmer bringen. Du solltest es vielleicht nochmal anprobieren, nur zur Sicherheit falls noch etwas geändert werden muss!“ der Italiener lächelte ihr zu und Iris versuchte ebenfalls so etwas wie ein Lächeln zu Stande zu bringen.
      Jedoch missglückte dieser Versuch gänzlich, denn alles was sie zusammenbrachte war eine Grimasse aus Angst, Verzweiflung und Panik.
      Ihr wurde bewusst das sie mit dem Rücken an der Wand stand, alle ihre Möglichkeiten waren ausgeschöpft. Jan war ihre letzte Rettung und das auch nur dann, wenn er sie rechtzeitig finden würde. Aber wie sollte er das schaffen, in einer so großen Stadt wie München, ohne den kleinsten Hinweis. Denn Flavio wusste wie man Spuren verwischte.

      Flavio schien die Gefühle in ihrem Gesicht nicht wahr genommen zu haben, oder zumindest lies er sich nichts anmerken. Er grinste sie über sein Rotweinglas hinweg an und setzt sein Essen dann ungerührt fort.
      Iris war schlecht und sie umklammerte ihre Gabel, wie ein Ertrinkender ein Stück Treibholz. Ihr wurde heiß und kalt und ihr Magen verkrampfte sich so schmerzhaft das ihr kurz der Atem weg blieb. Jede Faser ihres Körpers versuchte sich gegen das zu wehren, was bald geschehen würde.
      „Ach beinahe hätte ich es vergessen!“ unterbrach Flavio wenig später erneut das Essen.
      Iris hob den Kopf und sah Flavio an.
      „Du musst noch einen Trauzeugen wählen!“
      Schnell schob Iris sich eine großes Stück Weißbrot in den Mund um Zeit für eine Antwort zu haben.
      Es war wieder eines von Flavios kranken Psychospielchen. Denn ihm war klar, dass sie wusste das jeder den sie nannte, dieses Haus nicht mehr lebend verlassen würde. Flavio wollte eine perfekte Hochzeit, aber er würde nicht das Risiko eingehen, dass alles wegen einer undichten Stelle aufflog.
      Jetzt verlangte er also von ihr, dass sie jemanden als Trauzeugen wählte und somit dessen Todesurteil unterschrieb. Wie sollte sie so etwas entscheiden?

      Seit einiger Zeit, hatte sie hin und wieder über das Thema Hochzeit nachgedacht. Es waren keine festen Planungen oder Vorsätze, eher Tagträume, denn bisher hatte Ben noch keine Andeutungen diesbezüglich gemacht. Es waren eben die Träume, die jede Frau hatte. Jungesellinen Abschied, Polterabend, Die Nacht vor der Hochzeit, Der Hochzeitstag, Die Aufregung die damit verbunden war. Das tolle weiße Kleid mit der langen Schleppe, der Brautstrauß aus ihren Lieblingsblumen, die wunderschön dekorierte kleine Kapelle, die strahlenden Gesichter ihrer Freunde, Bekannten und Verwandten wenn sie dann herein kam und vor allem den Mann den sie über alles liebte vorne am Altar stehen zu sehen.
      Diese Bilder, waren in den letzten Wochen so oft durch ihren Kopf gegangen und nun würden sie niemals in Erfüllung gehen.
      Während Iris versuchte ihre Gedanken wieder zu ordnen, kam ihr plötzlich eine Idee. Eine Idee die waghalsig und nicht ungefährlich war. Sie würde bewusst mit dem Leben einer geliebten Person spielen. Sie haderte mit sich selbst und die Wahl fiel ihr alles anderes als leicht, aber im Augenblick war das ihre letzte Chance. Die Chance ihr Kind zu retten.
      „Ich möchte Jan als meine Trauzeugen haben!“ sagte Iris und versuchte dabei ihre Stimme möglichst beiläufig klingen zu lassen.
      Einen Moment fragte sie sich, ob Flavio ihr überhaupt zugehört hatte, denn er aß seelenruhig weiter und reagierte überhaupt nicht auf ihre Aussage.
      „Jan also!“ sagte der Italiener nach einer Weile und spülte das Anti Pasti mit einem Schluck Rotwein hinunter.
      Iris nickte und ballte die Hände unter dem Tisch zu Fäusten.
      „Ok Bella, ich werde dir diesen Wunsch erfüllen und ihn zur Hochzeit herbestellen. Sie es als erstes Geschenk von mir an!“ er lächelte sie an und als sie das Glitzern in seinen Augen sah, fragte sich Iris ob sie mit dieser Entscheidung nicht einen riesen großen Fehler gemacht hatte. :S
    • Kapitel 24

      Semir regte sich, verschlafen blinzelte er immer wieder in die Dunkelheit, er fragte sich wo er war, warum er auf dem staubigen Boden lag und warum seine feuchte Jacke auf seinem Gesicht lag. Der Hauptkommissar wollte aufstehen, aber als ein blitzartiger Schmerz seinen Schädel durchfuhr, lies er sich mit einem Stöhnen wieder zurück auf den Boden sinken.
      Er schloss die Augen und begann seine Schläfen zu massieren um die Kopfschmerzen erträglicher zu machen.
      Während er so dar lag und der Schmerz tatsächlich etwas leichter wurde, kamen ganz langsam ein paar Erinnerungen zurück. Es waren Bruchstücke, aber schon nach kurzer Zeit konnte er sie zu einem Bild zusammen fügen und mit einem Schlag fiel ihm wieder alles ein.
      Semir sprang auf, ignorierte den Schmerz und suchte den Raum nach Jan und Ben ab. Es mussten einige Stunden seit ihrem Eintreffen vergangen sein, denn es fiel kein Licht mehr unter den Türen hindurch.
      „Ben hörst du mich!?“ rief Semir und taumelte durch die Dunkelheit in die Richtung, in der er Ben vermutete. Schon nach ein paar Schritten, konnte er die Umrisse seines Partners am Boden entdecken.
      „Ben!“ rief er erneut und lies sich neben ihn auf den Boden sinken. Anders als er, war er immer noch ohnmächtig. Er war näher, als Semir an der Tür gestanden und daher hatte er wohl auch mehr von dem Gas eingeatmet. Genau wie Jan. Automatisch drehte sich Semir um und suchte den Boden vor der anderen Tür nach dem LKA Beamten ab. Aber er konnte seine Umrisse nirgends ausmachen.
      Semir stand erneut auf und ging nun zur anderen Tür. Er war sich ganz sicher, dass Jan als Erster genau hier an dieser Stelle zusammengebrochen war. Aber jetzt war er einfach verschwunden. Semir ging nochmal jeden Quadratmeter in dem kleinen Gang ab, aber außer ihm und Ben war niemand mehr hier.
      Was konnte das nur bedeuten? Semir wollte gerade die Tür näher unter die Lupe nehmen, als sich hinter ihm etwas regte.
      „Oh, Fuck, mein Schädel!“ stöhnte Ben und setzte sich langsam auf.
      Semir kam zu ihm und lies sich neben ihm nieder.
      „Was ist passiert? Ich fühle mich als hätte ich drei Tage durch gesoffen!“ bemerkte Ben und hielt seinen Kopf. Semir half ihm kurz auf die Sprünge und nun konnte sich auch Ben an das Geschehene erinnern.
      „Jan ist weg!“ sagte Semir nach einer Weile und hoffte das Ben eine Erklärung dafür haben würde.
      „Was?“ fragte Ben und wandte den Kopf so schnell in Semirs Richtung, dass sich in seinem Kopf alles drehte.
      Semir nickte „Ja, er ist wie vom Erdboden verschwunden!“
      Ben gab einen ungläubigen Laut von sich und schüttelte den Kopf „So ein Mistkerl, dass war eine Falle. Er hat uns glatt in eine Falle gelockt!“ schimpfte Ben vor sich hin und man merkte deutlich wie wütend er auf sich selbst war.
      „Was, du glaubst er hat uns absichtlich hier her gelockt?“ fragte Semir und sah seinen jungen Kollegen an.
      „Ja, klar wieso sonst sollte er als Einziger verschwunden sein?“ bluffte Ben zurück
      Semir dachte einen Moment darüber nach, aber er konnte, nein er wollte das nicht glauben.
      Seine Menschenkenntnisse hatte ihn selten im Stich gelassen und bei Jan hatte er ein gutes Gefühl gehabt. Er hatte die Anspannung in seinen Augen gesehen, nein er hatte sie nicht reingelegt. Etwas anderes musste dahinter stecken.
      „Wir sollten jetzt versuchen hier raus zu kommen!“ sagte Semir und stand auf. Er kannte seinen Partner und wusste, dass es sinnlos war mit ihm zu diskutieren. Sie mussten jetzt Nägel mit Köpfen machen. Zur Not mussten sie Iris eben ohne Brenners Hilfe finden!
      Ben murrte noch etwas vor sich ihn, stand dann aber auf und nahm sich die Tür durch die sie herein gekommen waren, vor.
      Er wollte gerade seine ganze Wut dran auslassen, als er merkte das sie offen war.
      „Semir, die Tür ist offen!“ rief er seinem Partner zu und holte seine Waffe aus dem Halfter. Semir kam ebenfalls mit gezogener Pistole zu ihm. Sie würden kein weiteres Risiko eingehen und ganz langsam schob Ben die Tür auf. Mit der linken Hand tastete er nach einem Lichtschalter und betete das der Strom noch funktionieren würde.
      Er gab Semir ein Zeichen, drückte auf den Schalter und stieß wenig später mit Semir die Tür auf und zielte in den Raum. Doch genau wie zuvor, war er auch jetzt menschenleer.

      Ben und Semir strichen durchs Haus und als sie sicher waren, dass sie wirklich die Einzigen hier waren, begannen sie sich genauer in dem alten Gebäude umzusehen. Die Beiden durchsuchten zahlreiche Räume, aber in keinem fanden sie auch nur den kleinsten Hinweis. Es schien als wäre das Haus nicht nur ausgeschlachtet, sondern auch noch auf das Penibelste sauber gemacht worden.
      „Schau dir das mal an!“ sagte Semir, als sie wieder in dem Zimmer waren, in das sie durch das eingeschlagene Fenster gekommen waren. Der Hauptkommissar deutete aus dem Fenster und Ben beugte sich nach draußen um zu sehen was sein Kollege entdeckt hatte.
      „Sollten die Scherben nicht eigentlich hier drin sein?“ fragte Ben und kam wieder herein.
      „Jemand hat die Scheibe von Innen nach Außen geschlagen!“ antwortete Semir und kratzte sich nachdenklich am Kopf.
      „Wir sollten also ins Haus kommen!“ sponn Ben den Faden weiter.
      „Und auch das Gespräch sollten wir hören, sie wollten das wir ihnen nachliefen!“ antwortete Semir „Ich denke nicht das sie Iris tatsächlich angeschossen haben!“ fügte er nach einer kurzen Pause hinzu.
      „Wieso nicht?“ fragte Ben und sein Magen verkrampfte sich wieder als er an die Worte des Mannes dachte.
      „Weil wir in keinem der Räume Blut gefunden haben, auch der Schuss sollte lediglich dazu dienen, dass wir ins Haus kamen!“ Semir ärgerte sich, dass sie so blind und ohne lange zu überlegen in die Falle gegangen waren. Sie waren so auf den Schuss fixiert, dass sie Sachen wie die Scheibe gar nicht bemerkt hatten. Vielleicht war ihnen noch mehr entgangen.
      Er lehnte sich neben Ben an den Fensterstock und ging in Gedanken nochmal alles, was sie bisher erfahren hatten, durch.
      „Also dieser Flavio scheint ein echter Freak zu sein, schau dir das an, er hat sogar die Fliesen des Kachelofens mitgenommen!“ bemerkte Ben und sah sich das Rohgerüst des Kachelofens an.
      „Naja, er hat doch sogar die Türen mitgenommen, also warum wunderst du dich überhaupt noch!“ fragte Semir begann in dem Raum auf und ab zu gehen.
      Ben beugte sich näher über das Gerüst. „Aber die Kacheln wurden professionell entfernt, schau dir an wie sauber die Fliesen heraus gearbeitet wurden!“ er deutete auf die Vierecke.
      Semir sah sich die Stelle auch genau an, aber wirklich was anfangen konnte er damit nicht.
      „Woher kennst du dich eigentlich damit aus?“ fragte Semir und sah seinen Partner an. Das Ben immer über die neuste technische Erfindung Bescheid wusste, war ihm nichts Neues, aber das er sich auch mit Handarbeit auskannte wunderte ihn.
      „Wir haben zu Hause auch so einen Ofen, nur größer und Pompöser, aber ich hab damals zu gesehen wie ein Ofenbauer ihn bei uns installiert hat. Er hat mir dann einiges über seine Arbeit erzählt! Das hat mich als Kind sehr fasziniert!“ erklärte Ben und wandte sich dann wieder dem Ofen zu.
      „Schau mal!“ sagte Ben und streckte sich um an etwas zu kommen, was er in hinter dem Ofen entdeckt hatte. Es dauerte eine ganze Weile bis er es geschafft hatte, seinen Arm bis in zu dem Gegenstand durch zu bringen.
      „Was ist es?“ fragte Semir und versuchte zu erkennen was Ben in da gefunden hatte.
      „Ein Kugelschreiber!“ antwortete Ben und klopfte sich den Staub von seiner Jacke.
      „Ein Firmenkugelschreiber!“ grinste Ben und hielt ihn Semir unter die Nase.
      „Forster Kachelofen Design!“ las Semir vor und langsam breitete sich auch auf seinem Gesicht ein Lächeln aus.
      „Solche Aufträge kommen nicht jeden Tag!“ sagte Ben voll neuer Euphorie „Sicher wird sich bei der Firma jemand daran erinnern!“
      Semir nickte „Nur heute werden wir da keinen mehr antreffen!“ sagte er nach einem Blick auf seine Armbanduhr.
      „Wie kommen wir eigentlich hier weg?“ fragte Ben und sah in die Dunkelheit hinaus.
      Semir zuckte nur ahnungslos mit den Schultern.
      „ Ich denke hier finden wir eh nichts mehr, lass uns runter an die Straße gehen, zur Not müssen wir eben laufen!“ meinte Semir und stieg aus dem Fenster.
      „Laufen? Weißt du wie lange wir heute durch diese Walachei gefahren sind?“ zeterte Ben und folgte seinem Partner nach draußen in die kalte Nacht. Wenigstens hatte der Regen aufgehört.
      Semir ignorierte Bens Quängelei, dass funktionierte bei seinen Kindern auch immer am besten. Einfach nicht darauf eingehen!
      „Du hast Glück Ben!“ unterbrach Semir wenige Minuten später Bens Motzerei und deutete auf Brenners Wagen. Er stand noch immer an der Stelle, an dem er ihn geparkt hatte.
      „Glaubst du immer noch, dass er uns eine Falle gestellt hat?“ fragte Semir und ging zu dem Wagen. Ben folgte ihm und irgendwie war ihm gar nicht mehr so wohl bei der Sache. Wenn Brenners Auto immer noch hier war, von ihm aber jede Spur fehlte, dann konnte es nur bedeuten das jemand Jan entführt hatte.
      „Warum haben sie uns dann am Leben gelassen?“ fragte Ben mit rauer Stimme und lehnte sich gegen den Wagen.
      „Ich habe keine Ahnung, aber wir sollten uns beeilen es heraus zu finden!"
    • Kapitel 25 Teil 1

      Kapitel 25
      Langsam kam Jan wieder zu sich. Es dauerte bis er wieder ganz Herr seiner Sinne war. Doch als er merkte, dass ihm seine Hände auf dem Rücken gefesselt waren und er sich allen Anschein nach, in einem Kofferraum befand – war die Erinnerung sehr schnell wieder da.
      Zumindest konnte er sich noch an das Gas erinnern! Sie waren geradewegs in diese Falle gelaufen. Er ärgerte sich, dass er so kopflos und unprofessionell gehandelt hatte. Aber als er den Schuss gehört hatte war es einfach nur noch pure Angst die ihn getrieben hatte.
      Die selbe Angst die er auch in Bens Augen gesehen hatte.
      Was war mit den beiden Autobahnpolizisten und was war mit Thomas? Warum war er nicht, wie geplant, mit dem Sondereinsatzkommando eingetroffen? Warum hatte er nichts von sich hören lassen?
      Hatte Flavio ihn womöglich schon kurz nach ihrem Gespräch abgefangen?
      War er gar nicht mehr dazu gekommen, dass SEK zu informieren?
      Jan wurde schlecht als er daran dachte, dass sich Thomas womöglich in Flavios Gewalt befand.
      Er sah sich bereits, wie er Julia, Thomas Freundin und Mutter ihres gemeinsamen Sohnes, die schreckliche Nachricht überbrachte. Vorausgesetzt, dass er die Sache hier überlebte.

      Jan erinnerte sich an den letzten Besuch bei Thomas zu Hause. Das Haus war immer noch eine einzige riesige Baustelle. Draußen sah es aus, als wären die Arbeiter von heute auf morgen einfach verschwunden. Die Fassade war unverputzt und im Garten stapelten sich immer noch die Materialien für den restlichen Bau. Im Inneren des Hauses sah es auch nicht besser aus. Die aus Holzbrettern, selbst zusammen gezimmerte Treppe, die in das Obergeschoss führte, war ein Himmelfahrtskommando. Keines der Zimmer, war fertig, in dem einem Raum war die Decke noch nicht fertig, im anderen die Fenster noch ohne Scheiben und lediglich provisorisch mit einer Folie verschlossen worden.
      Julia war mit der Situation mehr als überfordert. Denn eigentlich sollte das Haus, vor Emilians Geburt längst fertig sein und nun musste sie ihren Sohn auf einer Baustelle groß ziehen. Thomas musste sie dabei oft alleine lassen, denn in letzter Zeit waren sie oft mehr im Dienst als zu Hause. All die Sachen wurden Jan erst jetzt bewusst. Davor war er so sehr mit Iris und seinen eigenen Problemen beschäftigt gewesen, dass ihm die Probleme seines Partners gar nicht auf gefallen waren.
      Der junge Hauptkommissar drehte sich ein Stück herum und versuchte sich von seinen Fesseln zu befreien. Doch je mehr er an den Handschellen zog, umso enger wurden sie und schnitten ihm schmerzhaft in die Handgelenke. Wer auch immer sie ihm angelegt hatte, hatte darauf geachtet, dass die Sicherung, die so etwas normalerweise verhindern sollte, auch ganz sicher nicht fest gestellt war.
      Resigniert rollte sich Jan wieder in seine ursprüngliche Lage zurück. Sein Kopf fühlte sich an, als würde er jede Sekunde platzen und die Handschellen schnürten ihm langsam das Blut ab. Außerdem hatte er nicht die leiseste Ahnung, was noch auf ihn zu kommen würde.
      Wie hatte es so weit kommen können? Er hatte doch alles bis in kleinste Detail geplant gehabt und jetzt war alles völlig außer Kontrolle geraten.
      Er hätte niemals so oft zu ihre fahren sollen. Hätte er ihr stattdessen einen Brief geschrieben oder sie angerufen, dann hätte Flavio sie vielleicht gar nicht ausfindig machen können. Aber er hatte sich so nach ihrer Nähe gesehnt und wollte endlich wieder ein Teil ihres Lebens sein. Er hatte niemanden außer Thomas von seiner Aktion erzählt und war so arrogant gewesen zu glauben sie ganz alleine schützen zu können.
      Iris Worte fielen ihm wieder ein „Glaub bloß nicht das du ein besseres Polizist bist als Ben!“ , er war nicht besser, aber anders als Ben wusste er wogegen er kämpfen musste. Hätte er ihm und Semir nur früher reinen Wein eingeschenkt, gemeinsam hätten sie es sicher geschafft Iris zu schützen und Flavio endlich von der Bildfläche verschwinden zu lassen.
      Bevor Jan sich weiter Gedanken machen konnte, bremste der Wagen ab, bog ab und fuhr dann wesentlich langsamer einen Kiesweg entlang. Brenner konnte das Knirschen des Kies unter den schweren Reifen hören.
      Er zählte die Zeit um eine ungefähre Vorstellung zu bekommen, wie weit sie sich von der Hauptstraße entfernten. 10 Minuten später, wurde der Wagen noch langsamer und kam schlussendlich zum stehen. Sie waren also höchstens ein paar Kilometer gefahren.
      Brenners Herzschlag beschleunigte sich schmerzhaft und jeder Muskel in seinem Körper stand unter Spannung. Was sollte er machen? Was würde gleich ihn gleich erwarten, wenn die Kofferraumklappe sich öffnete?
      In rasanter Geschwindigkeit suchte er nach einer geeigneten Lösung.
      Er hörte wie Türen geöffnet und wenig später zugeschlagen wurden. Leute sprachen leise miteinander und als sich schwere Schritte dem Heck des Wagens näherten schlug Jans Herz hart gegen seine Brust. Seine Gedanken liefen auf Hochtouren und als der Kofferraum geöffnet wurde, wusste er was er tun musste.

      „Schau dir das an, schläft der Kerl immer noch!“ raunte ein junger Italiener seinem Kollegen
      „War wohl doch ein bisschen zu viel von dem Gas, aber keine Angst, der Boss bekommt ihn schon wieder wach!“ lachte der andere mit einem gemeinen Grinsen auf dem Gesicht.
      Gemeinsam begannen sie Brenner aus dem Kofferraum zu hieven und ihn dann hinüber zu der großen Villa zu tragen.
      „Was hat der Boss gesagt wo wir ihn hinbringen sollen?“ fragte der jünger von Beiden und war nicht sonderlich darauf bedacht, den ohnmächtig geglaubten Hauptkommissar vorsichtig zu tragen.
      Jan versuchte seinen Körper so schwer wie möglich zu machen und entspannte jeden seiner Muskeln. Wenn er so tat als sei er noch immer ohnmächtig, dann würden diese zwei Schwachköpfe vielleicht noch mehr preisgeben und das würde ihm nur entgegen kommen.
      „Rüber ins Gästehaus, bis er wieder aufwacht!“ antwortete der andere und nickte zu dem kleinen Häuschen rechts neben der Villa.
      „Warum haben wir die anderen beiden Bullen eigentlich nicht mitgenommen oder zumindest beseitigt?“ fragte der Jüngere und rammte Jan das Knie gegen den Kopf als er die Stufen zu dem kleinen Häuschen hinauf stieg.
      „Weil so die Anweisung vom Boss gelautet hat und jetzt hör auf so dumme Fragen zu stellen!“ motzte der andere zurück und stieß die Tür zum Gästehaus auf.
      Der frische Duft von frisch gewaschener Wäsche und neuem Holz stieg Jan in die Nase.
      Die beiden Männer legten den Hauptkommissar auf dem großen Himmelbett ab und verliesen dann das Haus.
      Jan wartete noch ein paar Minuten ehe er die Augen aufschlug und sich aufrichtete. Als er sich umsah, glaubte er seinen Augen nicht mehr trauen zu können. Er kannte diesen Raum, dieses Haus. Nur war er sich zu 100 Prozent sicher, dass es nicht das selbe sein konnte. Denn das Haus das er kannte, stand direkt neben der alten Villa in der noch zuvor mit Ben und Semir gewesen war. Einen Augenblick dachte er darüber nach, atmete die verschiedenen Gerüche ein und versuchte die einzelnen Teile sinnvoll miteinander zu verbinden.
    • Kapitel 25 Teil 2

      Und dann plötzlich machte alles einen Sinn, Flavio hatte sein altes Anwesen, hier 1:1 nachgebaut. Dem Italiener war klar, dass sie ihn in seiner alten Villa sofort gefunden hätten, aber er wollte das alles so wie vor 9 Jahren war und darum hatte er diese exakte Kopie entworfen.
      Brenner sah sich mit großen Augen um, es war genial und wahnsinnig zu gleich!
      Ben und Semir waren also noch am Leben, fielen ihm die Worte des Handlangers wieder ein. Das bedeutete das ihre Chancen noch recht gut standen. Denn wenn die beiden Autobahnpolizisten heraus finden würden, warum Flavio das Haus so ausgenommen hatte, dann würden sie sie auch bald finden. Noch gab es also Hoffnung.

      „Ciao Jan, È bello averti qui.!“ grüßte Flavio den jungen Hauptkommissar und schloss die Tür hinter sich. Mit einem breiten Lächeln kam er zu ihm.
      „Dimmi dove è Iris e siamo subito allontanati!“ antwortete Jan in ausgezeichnetem Italienisch.
      Flavio lachte „ Du wirst verstehen, dass das nicht gehen wird. Ich werde sie nie wieder gehen lassen, wir werden für immer zusammen sein!“ Flavio ging langsam in dem Raum auf und ab und betrachtete die Bilder an den Wänden, als würde er sie heute zum ersten Mal sehen.
      „Du weißt, dass ich das nicht zu lassen werde!“ antwortete Jan mit ruhiger Stimme und lies den Italiener nicht aus den Augen.
      „Oh doch das wirst du, du wirst sogar dafür unterschreiben!“ antworte Flavio mit einem weichen Lächeln auf dem Gesicht.
      Jan überlegte was er damit meinen könnte, als er nichts sagte fuhr Flavio fort.
      „Wir heiraten am Freitag und du wirst, so wie sie es ich gewünscht hat, ihr Trauzeuge sein!“
      Brenner blieb für einen Augenblick die Luft weg. Heiraten. Hatte er gerade wirklich gesagt, dass er Iris heiraten würde und das schon, in nicht mal mehr ganz 2 Tagen?
      „Nein, nein das werd ich zu verhindern wissen. Das werd ich nicht zu lassen, niemals!“ wütend war Jan aufgesprungen und funkelte den Italiener herausfordernd an.
      Flavio fuhr herum und das Lächeln und die Freundlichkeit waren aus seinem Gesicht verschwunden.
      „Du wirst es zu lassen und ich werde dich nur einmal warnen!“ zischte Flavio mit bedrohlicher Stimme. „Wenn du versuchst zu fliehen, sie mir weg zu nehmen oder irgend eine andere Dummheit machst, dann werde ich sie töten. Langsam und qualvoll, bis sie mich anflehen wird sie endlich von den diesen Schmerzen zu erlösen. Ich werde dafür sorgen das du sehen wirst, was ich mit ihr gemacht habe und du wirst nie wieder einschlafen können ohne diese Bilder vor Augen zu haben. Haben wir uns verstanden?“
      Langsam nickte Jan, in seinem Kopf waren immer noch Flavios Warnungen. Warnungen die er garantiert wahrmachen würde.
      „Sehr gut, dann werd ich dir jetzt noch deine Fesseln abnehmen!“ Flavio trat hinter Jan und nahm ihm tatsächlich seine Handschellen ab. Sofort rieb Jan sich seine schmerzenden Handgelenke.
      „Dann wünsche ich dir jetzt noch eine gute Nacht. Bis morgen beim Frühstück!“ mit einem Lächeln verlies Flavio das Gästezimmer und lies einen verzweifelten Jan zurück. :S
    • Kapitel 26

      Ein kleines Kapitel für zwischendurch

      Kapitel 26
      „Könntest du dich vielleicht mal beeilen?“ drängte Ben und leuchtete auf das Türschloss von Brenners Wohnung. Semir versuchte schon seit fast 15 Minuten das Schloss zu knacken, aber es war ein Sicherheitsschloss und sie hätten Glück wenn er es überhaupt schaffte.
      „Du kannst es gern selbst probieren!“ zischte Semir wütend zurück.
      „Wer von uns kommt aus Köln Kalk, oder kannst du nur Autos knacken!“ scherzte Ben.
      Gerade als Semir antworten wollte, durchbrach eine krächzende Stimme die Dunkelheit.
      „Hallo sie da! Was machen sie da?“ bevor die Beiden reagieren konnten, ging das Licht im Gang an und eine ältere Dame war aus der Wohnung, schräg gegenüber getreten.
      Sie trug einen blau, grün geblümten Schurz, braune Pantoffeln und eine weiße Strickjacke. Auf dem Arm hatte sie eine graue Perserkatze, die sie genauso grimmig anschaute wie die Alte.
      Ben warf Semir einen fast panischen Blick zu. Eine alte, neugierige Nachbarin war das Letzte was sie jetzt brauchen konnten.

      „Ähm, wir sind Kollegen von Jan Brenner!“ antwortete Semir und hoffte die Alte würde sich damit zufrieden geben. Wenn man von der Polizei war, dann beruhigte das ältere Menschen meist.
      Die Dame gab einen abfälligen Laut von sich
      „Das kann ja jeder behaupten, zeigen sie mir ihre Dienstausweise!“
      Sie hatte einen solchen Befehlston an sich, dass Ben und Semir ohne lange zu überlegen mit ihren gezückten Dienstausweisen zu ihr gingen.
      Langsam setzte sie sich ihre Brille auf und musterte jeden der Ausweis sehr genau, fast so als würde sie wissen worauf sie achten musste.
      „So ihre seit also wirklich Polizisten!“ stellte sie fest und gab ihnen ihre Ausweise zurück.
      „Sind sie sicher, vielleicht sind unsere Ausweise gefälscht!“ antwortete Ben mit einem Grinsen.
      „Hauptkommissar Brenner hat mir gezeigt worauf ich achten muss!“ konterte die ältere Dame mit einem leicht überheblichen Gesichtsausdruck.
      Ben verging das Grinsen und Semir warf ihm einen warnenden Blick zu. Sie mussten die Alte wieder los werden und durften sie nicht verärgern.
      „Also was hattet ihr an seiner Wohnungstür zu schaffen!“ fragte sie und strich ihrer Katze energisch über den Kopf, ohne sie aus den Augen zu lassen.
      Die beiden Männer suchten fieberhaft nach einer guten Antwort, sie konnten ihr ja schlecht sagen, dass sie gerade versucht hatten in die Wohnung einzubrechen.
      „Wir müssen in seine Wohnung, weil er unsere Hilfe braucht!“ antwortete Ben und als Semir ihn geschockt ansah, schüttelte er nur leicht mit dem Kopf. Er hatte das Gefühl das die alte Dame ein sehr gutes Verhältnis zu Brenner hatte und genau das würde ihnen jetzt weiter helfen.
      Und tatsächlich breitete sich sofort Sorge auf dem Gesicht der Frau aus.
      „Was ist mit ihm?“ fragte sie und ihre Stimme klang zittrig.
      „Sie wissen doch das wir über laufende Ermittlungen nicht sprechen dürfen, aber vielleicht könnten sie uns helfen!“ fuhr Ben mit ernster Stimme fort.
      Ohne lange zu zögern nickte die alte Dame „Ja natürlich, was kann ich tun?“ sagte sie mit zitternder Stimme. Sie machte sich wirkliche Sorgen um Jan.
      „Hm haben sie vielleicht einen Schlüssel zu seiner Wohnung?“ fragte Ben und hoffte das sich die beiden wirklich so nahe standen wie er glaubte.
      Wieder nickte die Frau „Ja, wenn er für längere Zeit weg war, hab ich mich um seine Blumen gekümmert!“ Sie drehte sich um und verschwand in ihrer Wohnung.
      Ben zwinkerte Semir siegessicher zu und der Hauptkommissar musste sich eingestehen, dass er nicht auf die Idee gekommen wäre, die Nachbarin um Hilfe zu bitten. In diesem Fall hatte Ben den richtigen Riecher gehabt.
      „Hier ist er!“ die Dame war, diesmal ohne Katze zurück zur Tür gekommen und hielt den beiden Beamten einen Schlüssel entgegen.
      Ben nahm ihn mit einem Lächeln entgegen und bedankte sich ganz herzlich bei ihr.
      „Und was werden sie jetzt machen?“ fragte sie neugierig.
      „Wir werden versuchen einen Hinweis in seiner Wohnung zu finden, vielen Dank nochmal für ihre Mithilfe. Gute Nacht!“
      Die beiden Hauptkommissare betraten Brenners Wohnung und schlossen die Tür hinter sich.
    • Kapitel 27 Teil 1

      Kapitel 27

      Verschlafen schlug Jan die Augen auf, als er sich im Zimmer umsah und all die Erinnerungen langsam zurück kamen, war er mit einem Schlag hellwach.
      Er richtete sich in auf und fuhr sich durch die Haare, gestern Nacht war er wie ein Tiger durch dieses Haus gestriffen. Er war eingesperrt, obwohl keines der Fenster noch die Türe verschlossen waren. Nein, es war die Angst um Iris die ihn an dieses Gefängnis band.
      Er konnte nicht fliehen und durfte sich auch keine Fehltritt erlauben. Jeden seiner nächsten Züge und Schritte musste er, im Voraus genau durchdenken. Denn wenn etwas schief ging, dann würde Iris das mit ihrem Leben bezahlen müssen.

      Noch nie zuvor war hatte er sich so hilflos und alleine gefühlt. Er hatte sich selbst in diese Situation gebracht, in eine Lage in der er jede Handlungsmöglichkeit verloren hatte. Alles was er nun tun konnte, war gute Miene zum bösen Spiel machen. Er musste seine Rolle so gut wie möglich spielen und konnte nur hoffen das Gerkhan und Jäger, Flavio schneller auf die Spur kommen würden als er.

      Geräusche vor dem Haus holten den Hauptkommissar in die Gegenwart zurück. Sein Körper verkrampfte sich und angespannt starrte er zur Tür.
      Aber die Stimmen gingen vorüber und Jan enspannte sich wieder langsam. Was würde ihn heute noch erwarten? Würde er Iris sehen? Wie ging es ihr? Wie würde sie reagieren wenn sie wusste, dass er hier war? Sie musste es wissen, hatte Flavio nicht gesagt es wäre ihr Wunsch gewesen, ihn als Trauzeugen zu haben? Aber entsprach das wirklich der Wahrheit?
      Hatte sie ihn bewusst in diese Situation gebracht? Oder war es ihr verzweifelter Versuch hier rauszukommen, weil sie geglaubt hatte, dass er dann wissen würde was zu tun wäre? Aber er wusste nicht was zu tun war, er hatte nicht die geringste Ahnung, nicht mal einen winzig kleinen Plan!
      Wenn sie sich wirklich auf ihn verlassen hatte, dann würde er sie enttäuschen müssen – schon wieder!

      Der Hauptkommissar wurde kurz darauf, erneut von Schritten aus seinen Grübeleien gerissen. Doch anders als zuvor, kamen sie direkt auf das Gästehaus zu.
      Jan standen die kleinen, feinen Härchen im Nacken und auf den Unterarmen vor Aufregung zu Berge. Sein Herz raste und jede Faser seines Körpers war angespannt.
      Jedoch wurde die Tür nicht, wie erwartet unsanft aufgerissen, stattdessen wurde zuerst angeklopft und als er ein „Ja“ heraus brachte, trat eine ältere Italienerin mit einem freundlichen Lächeln ein.
      „Guten Morgen Signore!“ grüßte sie und legte einen Stapel frischer Kleidung auf den geflochtenen Stuhl links neben der Tür.
      „Sie sollen sich bitte diese frischen Kleider anziehen, es gibt gleich Frühstück. Wünschen sie lieber Tee oder Kaffee?“
      „Ähm Kaffee!“ antwortete Brenner etwas verwirrt und war mit der Freundlichkeit der Bediensteten leicht überfordert.
      „Gut, dann machen sie sich jetzt fertig, in 15 Minuten werden sie zum Frühstück geholt!“ mit einem Lächeln verließ die Frau das Häuschen und Jan erhob sich langsam.
      Er ging hinüber zu dem Stuhl und sah sich die Klamotten näher an. Jeans, Poloshirt, Pullover, Gürtel, Socken, Schuhe, ja sogar die Boxershorts waren von Gucci und genau in seiner Größe. Alles nagelneu sogar die Preisschilder hingen noch an den Sachen.
      Alleine der Pullover kostete so viel wie die Miete für seine Wohnung.Er überschlug die Kosten für dieses Outfit und schüttelte den Kopf, denn das war fast ein ganzes Monatsgehalt von ihm. Flavio liebte es zu zeigen wie wohlhabend er war.
      Jan packte die Sachen und verschwand im Badezimmer. Eine Dusche würde ihm vielleicht ganz gut tun.
      Als er 10 Minuten später mit Handtuchtrockenem Haar und in seinem neuen Outfit aus dem Badezimmer kam, wurde er bereits von den beiden Hohlköpfen von gestern Nacht erwartet.
      „Guten Morgen die Herren!“ grinste Jan und ging, an ihnen vorbei zur Tür.
      „He, wo willst du hin?“ rief der Jüngere und kam sofort auf ihn zu.
      „Na ihr sollt mich doch zum Frühstück bringen und nachdem ich einen riesen Hunger habe, will ich keine Zeit verlieren!“
      Die Dusche hatte seine Lebensgeister wieder geweckt und er beschloss, sich nicht unterkriegen zu lassen. Vor Flavio würde er den Ball möglichst flach halten, aber von seinen Gorillas würde er sich nicht rumschubsen lassen.
      „Wir sollten uns beeilen, wir wollen euren Boss doch nicht warten lassen, er wird sicher sehr...!“
      „Halts Maul!“ fauchte der Ältere, mit grimmigen Gesichtsausdruck kam er auf ihn zu und packte ihn am Oberarm.
      „Mach das du raus kommst, Bullenschwein!“ unsanft stieß er Brenner aus dem Gästehaus.
      Draußen hatte sich der Regen gelegt und stattdessen tauchte die Sonne die Natur in ein angenehm, goldenes Licht.
      Bei Tageslicht erkannte Jan die verblüffende Ähnlichkeit zu Flavios alter Villa. Selbst die Rosen schien Flavio exakt an die selbe Stelle, wie damals gepflanzt zu haben.
      Das hier war nicht erst vor ein paar Monaten entstanden. Dieser Garten war mehrere Jahre alt.
      Was also hieß, dass irgend jemand die Sache überwacht und geplant hatte, während Flavio im Gefängnis gewesen ist. Brenner fiel nur ein einziger Mensch ein, dem Flavio so etwas anvertrauen würde → Pietro.
      Wenn wirklich sein Halbbruder dahinter steckte, dann würde es für Semir und Ben sehr schwer werden ihre Spur zu finden. Denn Pietro war bekannt dafür „unsichtbar“ zu sein.
    • Kapitel 27 Teil 2

      Iris saß vor dem kleinen, weißen Schminktisch und kämmte sich die Haare.
      Sie hatte keine Lust morgens aufzustehen, sich zu duschen und in teure Klamotten zu schlüpfen.
      Aber sie tat es trotzdem, was blieb ihr auch anderes übrig? Sie musste das Spiel spielen, solange bis Jan sie retten würde.
      Sie warf einen Blick auf die kleine goldene Uhr neben dem Schminktisch, halb neun.
      Gleich würde Maria an ihre Zimmertür klopfen, ihr Zeichen um zum Essen zu erscheinen. Iris hatte den Gedanken gerade zu Ende gedacht, als es auch schon klopfte!
      „ Ich komme!“ rief sie und warf einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel, strich ihre Kleidung zurecht und verlies dann das Zimmer.

      „Guten Morgen Bella!“ wurde sie am Fuße der Treppe bereits von Flavio erwartet.
      Strahlend reichte er ihr die Hand.
      „Du bist so wunderschön!“ hauchte er und küsste sie auf die Wange.
      Als er sie zu ihrem Platz führte, fiel Iris auf, dass der Tisch heute für 3 Leute gedeckt war.
      „Bekommen wir heute Besuch?“ fragte sie und zwang sich Flavio anzulächeln.
      Flavio nickte
      „Ja, unser Gast ist gestern noch zu später Stunde bei uns eingetroffen!“
      Iris nickte und nahm einen Schluck aus ihrer dampfenden Teetasse. Wenn Flavio sich so über den Besuch freute, dann konnte es sich dabei nur um Pietro handeln.
      Den Halbbruder hatte sie seit ihrer Ankunft nicht mehr gesehen.
      Einen Moment lies Flavio seinen Blick noch auf Iris ruhen, dann rief er nach Maria.
      „Ja Signore?“ erschien die Italienerin im Esszimmer.
      „Könntest du bitte unseren Besuch zu uns bitten!“
      „Sehr gerne!“ antwortete die Frau und verschwand.
      Iris rührte Honig in ihren Tee und ignorierte das ungute Gefühl in ihrer Magengegend.
      Die Situation war auch ohne Pietro schon schlimm genug, wenn jetzt aber Flavios Halbbruder noch ständig im Haus sein würde, war es unerträglich.
      Schon damals hatte sie Pietro nicht besonders gemocht, er war ganz anders als Flavio, gefährlicher würde sie fast behaupten.
      Bei Flavio wusste sie, dass sie wenn sie sich ihm beugte und tat was er befahl von ihm nichts zu befürchten hatte. Denn er schien sie auf eine kranke Art tatsächlich zu lieben.
      Pietro war dagegen kalt und abgebrüht, er tat nichts ohne einen Hintergedanken. Auch wenn es nach außen so aussah als ob Flavio die treibende Kraft wäre, so war es oft Pietro der die Anweisungen erteilte.

      Iris wurde aus ihren Grübeleien gerissen, als Flavio sich mit einem Lächeln erhob.
      Die junge Frau tat es ihm langsam nach, weil sie wusste das Flavio es von ihr erwartete.
      Als sie sich dann um drehte und erkannte wer da vor ihr in der Tür stand, bahnten sich Tränen unaufhörlich ihren Weg.
      Plötzlich war jede Hoffnung auf Rettung dahin und dazu hatte sie auch noch Jans Todesurteil unterschrieben. Jetzt war alles aus!
      Mit verschleiertem Blick taumelte sie auf Jan zu. Als er sie in die Arme schloss und fest an seine Brust drückte war ihr Herz so schwer vor Kummer.
      Jan strich ihr über den Rücken und versuchte sie zu beruhigen. Iris hatte auf ihn gewartet, dass hatte er sofort an ihrem Blick erkannt, aber sie hatte gehofft das er sie befreien würde, nicht das er nun ebenfalls ein Gefangener war.
      Jeder Schluchzer war als würde ein stumpfes Messer sein Herz durchbohren und mit jedem Schluchzer wurde der Hass auf Flavio größer.
      Hatte er ihr Leben nicht schon vor 9 Jahren zerstört? Durch ihn hatte er Iris verloren und sein Leben beinahe aus der Bahn geworfen! Und jetzt zerstörte er auch noch ihr neues Leben, dass sie sich so hart aufgebaut hatte. Wie viel Leid würde sie noch ertragen können?
      Er musste sie hier raus bringen, selbst wenn es sein Leben kosten würde.
      „Shh alles wird gut, ich bin jetzt da und lass dich nie mehr alleine!“ flüsterte er Iris zu und versuchte seine Stimme dabei möglichst fest klingen zu lassen.
      Er musste jetzt stark sein – für Iris.
      „Ach es ist schön zu sehen wie wundervoll der Augenblick des Wiedersehens sein kann!“ lächelte Flavio und kam auf sie zu.
      „Jetzt sollten wir aber mit dem Frühstück beginnen, es stehen noch viele Termine auf dem Plan. Komm Bella setzt dich!“ seine Stimme war immer noch freundlich, aber hatte einen wesentlich schärferen Unterton.
      Er wollte nach Iris's Schulter greifen, als Jan sie so schnell bewegte das er plötzlich zwischen Iris und Flavio stand.
      „Fass sie nicht an!“ zischte er und funkelte den Italiener hasserfüllt an.
      Er bereute es noch während er es tat, aber in dieser Situation war es so schwer sich richtig zu verhalten.
      Wer weiß was passiert wäre, wenn Iris nicht so schnell reagiert hätte.
      „Nein Jan, Flavio hat Recht, wir haben noch einiges zu erledigen!“sagte sie und wischte sich mit dem Ärmel schnell über das Gesicht.
      Flavio trat mit einem selbstgefälligen Grinsen zurück, ihm gefiel die Wirkung die er auf Iris hatte. Sie hatte Respekt vor ihm, wenn auch nur aus Angst.
      „Setz dich Jan!“ sagte Flavio lächelnd und deutete auf den freien Platz. Jan lies sich auf dem Stuhl nieder und warf einen Blick zu Iris, die nun ebenfalls wieder am Tisch saß.
      Ihre Augen waren noch rot, aber ansonsten wirkte sie relativ gefasst.
      Sie spielte ihre Rolle so viel besser als er. :S
    • Kapitel 28 Teil 1

      Kapitel 28
      Seit Stunden saßen die beiden Hauptkommissare jetzt schon in dem penibel sauberen Büro von Jan Brenner. Sie hatten schon zick Ordner durchblättert und wahren auf absolut nichts gestoßen.
      „Wirf mir mal noch ein paar Akten rüber!“ gähnte Semir und rieb sich verschlafen die Augen. Dem Hauptkommissar gelang es nur mit viel Müh und Not sich wach zu halten.

      „Nee Semir, hau du dich lieber aufs Ohr, die letzten schaff ich auch noch alleine!“ sagte Ben und stand auf und streckte sich.
      „Wirklich?“ fragte Semir müde
      Ben sparte sich eine Antwort und schob seinen Kollegen hinüber in das Schlafzimmer.
      Semir zog sich die Schuhe aus, verkroch sich unter der Decke und war wenig später auch schon eingeschlafen.

      Ben schloss die Tür und ging durch das große Wohnzimmer hinüber in die Küche, um sich nochmal eine große Portion Kaffee zu holen. Als er wieder an der Kollage vorbei kam, blieb er stehen und lies seinen Blick erneut darauf ruhen.
      Als er wieder in die fröhlichen Gesichter von Jan und Iris blickte, spürte er wieder diesen schmerzhaften Stich in der Brust. Dabei war es nicht nur Eifersucht, sondern vor allem der Zweifel der ihn so sehr zu schaffen machte. Eine Weile lies er die Eindrücke noch auf sich wirken, dann riss er sich davon los und setzte seinen Weg in die Küche fort.

      Ben holte sich die letzten Ordner und Akten zu dem kleinen Ledersofa in der Ecke und setzte seine Suche fort. Doch schon wie zuvor bei all den anderen Ordnern, war nichts dabei was ihn wieder brachte. Entnervt schmiss Ben die Akten zu Boden und fuhr sich erschöpft durch die Haare.
      Er spürte wie die Verzweiflung wieder begann an ihm zu nagen. Sie hatten immer noch keine Spur und dazu auch noch Jan und somit ihre einzige Spur zu Iris verloren. Sie waren in einer fremden Stadt und hatten keine Unterstützung. Er wusste das Iris mit ihrem ungeborenen Kind in den Fängen eines Wahnsinnigen war, aber er hatte keine Ahnung wo genau sie war und auch sonst gab es so viele offene Fragen.
      Noch nie zuvor, hatte er sich so verloren und machtlos gefühlt.

      Als Ben sich streckte und dabei versehentlich einen Stapel Ordner umstieß, fiel sein Blick auf einen braunen Umschlag der wohl aus einen der Akten herausgerutscht sein musste. Gähnend bückte sich der Hauptkommissar und hob den Umschlag auf.
      Als er einen Stapel mit Aufzeichnungen und Hochglanzbildern heraus zog, wusste er das er endlich was gefunden hatte.
      Jans Aufzeichnungen überflog er nur flüchtig, viel mehr interessierten ihn die zahlreichen Bilder.
      Als er die ersten paar angeschaut hatte, wurde ihm bewusst wie lange er und Iris schon von Brenner beobachtet wurden. Aber nicht nur sie beiden hatte Jan genau überprüft, denn es waren sowohl von Semir, fast allen Kollegen, seinen Nachbarn, ihren Freunden und Sabrina Fotos dabei. Auf der Rückseite hatte er dann das wichtigste über die jeweilige Person zusammen gefasst und als Ben die Sachen las, musste er sich eingestehen das Jan gute Arbeit geleistet hatte. Was ihn jedoch wieder sauer aufstieß, war die Tatsache das von Iris wieder wesentlich mehr Bilder dabei waren, Jan war wirklich von ihr Besessen.
      Ben verdrängte die aufsteigende Eifersucht auf Jan und sah sich die anderen Bilder an.
      Sein Magen verkrampfte sich schmerzhaft, als er zu den letzten Fotos kam. Hierbei handelte es sich um keine, die Brenner selbst gemacht hatte. Bei diesen Hochglanzentwicklungen handelte es sich um jene Sorte, die in Krankenhäusern gemacht werden.

      Ben versetzte es einen schmerzhaften Stich in der Herzgegend, als er sah wie schwer verletzt seine Freundin war. Er hatte von Brenner zwar gehört, dass Flavio Iris mehrfach verprügelt hatte und das sie nach einer versuchten Vergewaltigung erneut im Krankenhaus lag, aber das Ausmaß nun tatsächlich vor Augen zu sehen, machte die Sache plötzlich so real.
      Iris war auf den Fotos kaum wieder zu erkennen. Ihre sonst so strahlend blauen Augen, lagen glanzlos, fast tot in ihren Höhlen und waren umrahmt von grün - blauen Flecken.
      Ben wollte sich die anderen Bilder gar nicht mehr anschauen, aber er schaffte es einfach nicht seinen Blick davon los zu reissen.

      Doch der Anblick des letzten Fotos lies Bens Magen rebellieren und er musste Erbrochenes schlucken. Iris blutverschmiertes Gesicht brannte sich schmerzhaft in sein Gedächtnis und er wusste das er den Ausdruck in ihren Augen nie mehr wieder vergessen konnte.
      Mit kalten Händen legte Ben die Bilder beiseite und atmete ein paar mal tief durch, ehe er sich den anderen Aufzeichnungen widmete.

      Nach ein paar Minuten setzte er seine Arbeit fort. Als erstes fiel ihm ein Arztbrief in die Hände.Mit gerunzelter Stirn begann er die Zeilen zu lesen.

      Die Patientin wurde wegen einer Unterarmfraktur nach einem Treppensturz in der Ambulanz vorgestellt.Bei der darauffolgenden Röntgenuntersuchung wurden neben der frischen Radiusfraktur mehrere ältere Brüche, die ohne chirurgische Intervention verheilt waren festgestellt. Die Elle des linken Arms war mehrfach zu unterschiedlichen Zeiten gebrochen und wieder spontan verheilt. Am Körper der Patientin wurden mehrere ältere Hämatome aufgefunden, die nicht mit dem Treppensturz zusammenhängen können. Der Unterkiefer wies eine starke Schwellung auf, die ebenfalls nicht mit der Unfallschilderung in Zusammenhang stehen konnte. Nach der chirurgischen Versorgung (Osteosynthese mit einer Platte), wurden während des stationären Aufenthalts starke gynäkologische Blutungen festgestellt, die aber von der Patientin negiert wurden. Es besteht der Verdacht auf schwere Misshandlungen und eine zumindest versuchte Vergewaltigung. Leider war die Patientin nicht bereit, sich zu der Ursache zu äußern und Hilfe von der Polizei oder dem Krankenhauspsychologen anzunehmen und deshalb mussten wir sie mit Bedauern auf eigenen Wunsch entlassen.
      Ben lies sich das gelesene kurz durch den Kopf gehen und er konnte sich nur zu gut vorstellen woher die Brüche von Iris linkem Unterarm stammten. Auf der Polizeiakademie lernte man, dass solche Verletzungen sehr häufig bei Fällen von Häuslicher Gewalt auftraten, denn dann versuchte das Opfer sich mit den Armen gegen die Schläge ihres Peinigers zu schützen.
      Es versetzte dem Hauptkommissar einen Stich in der Brust, wenn er sich vorstellte wie Flavio auf Iris eingeprügelt hatte.

      Ben legte den Bericht des Krankenhauses wieder zur Seite und griff nach der Polizeiakte die als nächstes auf dem Stapel lag.
      Als er die Kopie aufschlug, blickte er das erste Mal in das Gesicht von Flavio Zingarelli. Auf den ersten Blick, musste er zu geben das er alles andere als gefährlich aussah.
      Doch je länger er in die Augen des Italieners starrte und sich dabei die Bilder von vorhin in Erinnerung rief, desto größer wurde die Wut auf diesen Mann. Er wusste, dass er niemals wieder ruhen würde, ehe dieser Mistkerl seine gerechte Strafe bekommen hatte.

      Als der Hauptkommissar das Vorstrafenregister überflog fiel ihm der Artikel, welchen er in Iris Schrank gefunden hatte wieder ein.
      Dieses neun Jahre waren die einzige, wirklich lange Haftstrafe die Flavio in all den Jahren bekommen hatte. Entweder war er wirklich so perfekt organisiert, oder er hatte jemanden der ihn jedes Mal vor schlimmeren bewahrte. Hatte Brenner nicht mal einen Halbbruder erwähnt? Ben suchte nach einer weiteren Akte, aber er fand nur noch ein Din A4 Blatt mit Bild, auf dem Brenner handschriftlich alle Informationen von Flavios Halbbruder zusammengefasst hatte.

      Unter den Notizen fand Ben die Adresse eines Anwalts hier in München, in welcher Verbindung stand er zu diesem Pietro? War der Anwalt der Grund warum Flavio immer so ungeschoren davon kam? Ben dachte noch eine Weile darüber nach, aber es half ihm auch nichts, denn er wusste ja nicht ob er richtig oder falsch mit seiner Annahme lag.
      Der Hauptkommissar sah sich die anderen Sachen noch an, aber er konnte nichts finden, was sie im Moment wirklich weiter brachte.
      Ben stand auf und trat ans Fenster, plötzlich stieg langsam das Gefühl der Panik in ihm wieder hoch. Iris und Jan waren verschwunden, sie hatten keinerlei Anhaltspunkte wo sie nach den Beiden suchen sollten und die Zeit lief ihnen davon.

      Der Hauptkommissar fröstelte und steckte die Hände in seine Hosentaschen, als plötzlich das samtene Döschen spürte. Langsam holte er es heraus und öffnete es.
      Als er den feinen silbernen Ring mit dem blauen Shaphir sah, erinnerte er sich an den Tag als er ihn gekauft hatte, er hatte sich gefühlt, als könnte ihm nichts und niemand etwas anhaben, als sei die Welt das erste Mal wirklich in Ordnung. Er hätte nie geglaubt das sie ihn schon schnell vom Gegenteil überzeugen würde. ;(
    • kapitel 28 Teil 2

      „Ja, sag mal willst du eine ganze Armee versorgen?“ fragte Semir, als Ben mit zwei großen Tüten und 2 Bechern Kaffee in den Wagen stieg.
      „Ich weiß ja nicht wies dir geht, aber ich bin am verhungern!“ antwortete Ben, bereits mit einer Breze im Mund.
      Semir schüttelte lachend den Kopf und lenkte den Wagen auf die Hauptstraße zurück.
      „Also was hättest du gerne!“ fragte Ben kauend und warf einen Blick in die Einkaufstüten. „Es gibt Butterbrezen, normale Brezen, Brezenzöpfe Wiener, Weißwürste, Wurstsemmeln, Mohn- oder Nusschnecken, Kirschtaschen, Quarkplunder, Krapfen, Süße Brezen oder Donauwellen?“
      „Ähm, ähm! Ich glaub ich nehm erstmal ne Wurstsemmel!“ antwortete Semir und war bei der großen Auswahl etwas überfordert.

      Nach ungefähr 40 Minuten standen sie auf dem Hof von Forsters Kachelofendesign.
      „Siehste, ich hab doch gesagt das ich es finde!“ sagte Semir zufrieden und zog den Zweitschlüssel, welchen sie zum Glück in Jans Wohnung gefunden hatten, ab.
      „Ja, nur hätten wir uns einige Kilometer gespart, wenn du auf das Navi gehört hättest!“ antwortete Ben und schnallte sich ab.
      „Das Navi hatte doch gar keine Ahnung wo wir wahren!“ konterte Semir und stieg aus.
      „Semir, du weißt doch, dass die Technik sich niemals irrt!“ antwortete Ben nur, schob sich das letzte Stück seiner Donauwelle in den Mund und steuerte mit seinem Kollegen den Eingang an.

      „Guten Tag, wie kann ich den Herren helfen?“ wurden sie von einer festeren jungen Frau mit einem strengen Zopf und freundlichem Lächeln an der Rezeption begrüßt.
      „Guten Tag!“grüßten die beiden Hauptkommissare und traten an den Tresen.
      Die Frau lächelte Ben verlegen an und als Ben zurück grinste, errötete sie schlagartig.
      „Wir hätten eine Frage bezüglich eines Ofenbaues in der Villa von Flavio Zingarelli!“ erklärte Semir kurz den Grund ihres Erscheinens.
      „Moment, ich werde dem Chef Bescheid geben, setzten sie sich doch so lange!“ sie wies auf eine kleine Sitzecke und ging hinüber zum Chefzimmer.
      Ben und Semir liesen sich auf dem hellblauen Ledersofa nieder und warteten bis sie wenig später in das Zimmer von Herrn Foster geführt wurden.
      „Wie kann ich ihnen helfen?“ fragte ein Mann Mitte 50, als er ihnen die Hände geschüttelt hatte.
      „Autobahnpolizei, Hauptkommissar Jäger und das ist mein Kollege Gerkhan, wir sind hier wegen eines Kachelofens im Anwesen von Herrn Zingarelli!“
      Im ersten Moment wirkte der Mann verwirrt „Autobahnpolizei? Ist etwas passiert?“
      „Über laufende Ermittlungen dürfen wir nicht sprechen, wir würden gerne mit dem Herrn sprechen der den Ofen in das Anwesen eingebaut bzw wieder abgebaut hat!“ klingte sich Semir mit in das Gespräch ein.
      „Ähm Zingarelli haben sie gesagt, einen Moment ich lass meiner Sekretärin die Unterlagen heraussuchen! Das kann etwas dauern, möchten sie solange einen Kaffee?“
      „Ja, sehr gerne!“ bedankten sich die beiden Hauptkommissare und liesen sich in die Ledersessel vor dem großen Schreibtisch sinken.
      Nach einer Weile erschien Herr Forster mit den Unterlagen wieder im Büro und kurz darauf brachte die Sekretärin ihre Kaffees.
      „Jetzt erinnere ich mich wieder an den Auftrag!“ sagte Herr Forster nachdem er einen kurzen Blick in die Unterlagen geworfen hatte.
      „Leider werden sie nicht mit dem Ofenbauer sprechen können!“ fuhr der Mann nach einer kurzen Pause fort.
      „Warum nicht?“ fragte Ben forsch und richtete sich in dem Sessel auf.
      Herr Forster räusperte sich „ Weil Herr Aden bei einem Autounfall ums Leben kam!“
      „Wann war das?“ hakte Semir nach.
      Herr Forster warf erneut einen Blick in seine Unterlagen.
      „Das muss jetzt ungefähr ein halbes Jahr her sein, ich weiß noch das er kurz davor mit dem zweiten Auftrag von Herrn Zingarelli fertig geworden ist!“

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