Niklas

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  • Nachdem Dieter und Niklas Martins Praxis verlassen hatten fuhren sie zur Schule, die in der Nähe von Dieters Haus lag. „Du wirst dich sicher hier sehr wohl fühlen, Niklas. Auf dieser Schule ist mein Sohn schon gewesen und er hat immer gute Noten mitgebracht.“ erzählte Dieter stolz. „Ich weiß nicht…diese Schule sieht aus wie jede andere.“ gab Niklas von sich. Dieter zog seinen Ziehsohn regelrecht in das Gebäude bis zum Büro der Rektorin. „Hallo Frau Reuther. Das hier ist Niklas Brauer…“ stellte Dieter den Jungen vor. „Ah…Herr Bonrath, ich finde es bemerkenswert, was Sie für diesen Ihnen doch fremden Jungen tun. Ich habe mich natürlich über die Lebensgeschichte von Niklas informiert und ich muss schon sagen. Solche üblen Dinge sind wirklich hart zu bestrafen. Es ist natürlich nicht üblich, das wir Schüler mitten im Schuljahr aufnehmen, aber bei Niklas machen wir eine Ausnahme. Hallo Niklas…willkommen in unserer Schule.“ Anja Reuther reichte ihm die Hand. Niklas ergriff sie nur zögerlich. „Sie wissen alles von mir?“ fragte er erstaunt. „Nun ja…fast. Ich weiß was mit dir passiert ist und das ist ausreichend. Du wirst dich sicher sehr anstrengen müssen, um das Klassenziel zu erreichen aber mit Hilfe und viel Geduld wirst du es schaffen. Wir werden dich in die sechste Klasse unterbringen. Dann bist du zwar ziemlich weit zurück gestuft, aber für dich ist es einfacher und ich denke du wirst dich mit den Kindern dort sehr gut verstehen.“ erklärte die Rektorin. Niklas sah Dieter an. „Ich weiß nicht…vielleicht ist das doch nicht die richtige Lösung. Ich kann doch zuhause lernen..“ schlug er wieder vor. „Nein! Du weißt was Ben gefordert hat von dir!“ lehnte Dieter ab. Niklas nickte. „Okay….ich werde es schaffen.“ stöhnte er. „Genau…so ist es richtig. Also wir müssen los. Wann beginnt der Unterricht?“ wandte Dieter sich an die Rektorin. „Um zehn nach Acht. Er muss Morgen um acht hier sein, dann bringe ich ihn zu dem Raum wo er der Klasse vorgestellt wird.“ gab sie bekannt. „Fein…er wird da sein..“ versprach Dieter. Anschließend ging es gemeinsam mit Niklas in den nächsten Bücherladen um die Bücher und Hefte zu kaufen, die Niklas benötigte. „Du brauchst etwas Vernünftiges zum Anziehen und Schuhe…und….“ zählte Dieter auf. Niklas sah ihn an. „Aber ich habe doch kein Geld und….wer soll das denn bezahlen?“ fragte er traurig. „Da mach dir mal keinen Kopf.“ machte Dieter ihn Mut. Niklas sah ihn an. „Aber wer bezahlt das?“ harkte er nach. Dieter sah ihn an. „Ben übernimmt alle Kosten für dich. Niklas…du brauchst einen vernünftigen Start ins neue Leben. Es ist dein Neues Leben. Und wenn wir fertig sind, fahren wir zu Sonja…was hältst du davon?“ wollte Dieter wissen Niklas Augen blitzten auf. „Wir waren doch schon da…“ kam erstaunt von ihm. „Na und? Meinst du nicht, deine Schwester sollte sehen wie du aussiehst? Außerdem würde es mich interessieren, was sie über deine neue Einstellung denkt.“ grinste Dieter. „Okay…das machen wir…“ lachte Niklas.

    Hartmut kam mit seinem Trupp bei der Hütte an. „Und was hat es hier gegeben?“ wollte er wissen. „Eine bleihaltige Unterhaltung, Einstein. Dort hinten muss irgendwo an einem Baum oder Strauch Blut sein.“ knurrte Semir. „Was ist dir denn über die Leber gelaufen?“ kam etwas enttäuscht von Hartmut. Semir sah ihn an. „Ein Kerl der meinen Zeugen abschießt.“ gab er mit gepresster Stimme weiter. Ein Zeichen für alle, ihm besser keine Fragen mehr zu stellen. Ben zog ihn zur Leiche. „Wer könnte das getan haben und warum? Hast du eine Idee?“ fragte er ihn. Semir zog die Schultern hoch. „Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass es Bachmeyer nicht passte, das Schrankmann den Jungen gejagt hat, weil er Angst hatte, dass die Polizei dann aufmerksam wird. Jetzt ist es zwar auch nicht besser für Schrankmann aber für Bachmeyer. Wir haben nichts gegen ihn in der Hand. Bachmeyer kann ungehindert weiter seine Drogen verkaufen und wir haben nur die Leiche von Schrankmann.“ kam resignierend von Semir. „Es hat aber auch etwas Gutes. Niklas ist in Sicherheit. Bachmeyer hat sicher nichts gegen ihn, denn er hat ja nur Schrankmann gesehen. Somit kann der Junge wenigstens etwas zu Ruhe kommen.“ murmelte Ben nachdenklich. Semir nickte. „Das ist vermutlich der einzige Vorteil. Gut…fahren wir zur Staatsanwältin und erklären, dass ihr Halbbruder tot ist.“ stöhnte er. Ben nickte. „Dann lass uns los und tu mir ein Gefallen….lass deine schlechte Laune gleich hier.“ bat Ben. Gemeinsam mit Semir ging er zum Wagen. Nur eine Stunde später saßen sie der Staatsanwältin gegenüber. „Er ist tot? Wie ist das passiert?“ fragte sie kühl. „Er wurde erschossen als wir ihn abführten.“ gab Semir sachlich zurück. Isolde Maria Schrankmann stand auf und ging zu Fenster. Dabei stieß sie einen verächtlichen Laut aus. „Er ist tot…wie schön. Das ist doch mal etwas Positives. Somit ist dieser Fall für Sie erledigt. Mein Ruf ist wieder hergestellt und ich werde meinen Dienst antreten. Ich danke Ihnen meine Herren. Und ich möchte Ihnen sagen, dass ich es sehr gut finde, dass Sie mich damit konfrontiert haben. So sieht man doch wieder wie schädlich eine Familie sein kann. Ich denke wenn ich Ihnen jetzt für den Rest der Woche in den Urlaub schicke, dass Sie mir nicht böse sind oder?“ Schrankmann drehte sich zu den beiden Kommissaren um. Ben sah Semir an und zog die Schultern hoch. „Nein…wir haben nichts dagegen aber wir haben eine Bitte…“ kam leise von Semir. Isolde Maria Schrankmann zog die Augenbrauen hoch. „Die wäre?“ harkte sie neugierig nach. „Lassen Sie uns nach dem Urlaub den Fall Bachmeyer aufnehmen. Ich will diesen Kerl hinter Gitter sehen.“ bat Semir. Schrankmann dachte nach und nickte dann. „also gut….wenn jemand dieses Schwein hinter Gitter bringt dann Sie beide. Ich möchte mich noch einmal herzlich bedanken bei Ihnen beiden. Sie sind wirklich sehr gute Polizisten…“ lobte Schrankmann die Beiden. „Und nun genießen Sie die restlichen Tage der Woche.“ hängte sie an und reichte beiden die Hand.
  • Als Ben und Semir auf dem Weg zur PAST waren sahen sie sich verwundert an. „Die Frau hat uns gerade gedankt und gelobt. Ist das jetzt eine verkehrte Welt oder wie?“ fragte Ben nachdenklich. „Ja…das habe ich auch vernommen. Schon verrückt aber sie ist uns ja auch ein wenig schuldig. Immerhin haben wir ihren Ruf wieder hergestellt und sie wird wieder arbeiten. Allerdings werden wir künftig dann wieder die Kratzbürste vor uns haben. Oder denkst du sie wird sich lange daran erinnern?“ grinste Semir zurück. Ben schüttelte den Kopf. „Ich bin mal gespannt wie die erste Sitzung von Niklas gelaufen ist und ob Martin ihm helfen kann. Der Junge hat so schwer zu kämpfen, dass es einem weh tut. Gibt es sowas wie Vatergefühle?“ wollte Ben von ihm wissen. Semir sah ihn an. „Das denke ich schon. Ich meine es gibt ja auch so etwas wie ein Mutterinstinkt und es ist gut möglich, dass es bei uns auch so etwas gibt. Ich habe jedenfalls nichts Gegenteiliges gehört. Denkst du dass du Niklas gegenüber solche Gefühle entwickelt hast?“ fragte Semir erstaunt. „Ich weiß es nicht. Gestern Abend…da ist Niklas noch einmal zu mir gekommen und hat mich umarmt. Er brauchte Zärtlichkeit und nun ja…ich war erst etwas unsicher, doch dann habe ich den Kleinen einfach in die Arme genommen und gehalten. Er war so gierig nach Zärtlichkeit und da habe ich mir geschworen, dass ich für ihn alles tun werde und es ganz sicher nicht zulasse dass er ins Heim kommt. Notfalls schalte ich sogar Anwälte ein.“ drohte Ben. Semir nickte. „Du weißt schon, dass ein Jugendlicher gerade in Niklas Alter sehr schwierig sein kann oder? Denk doch mal an die Pubertät. Er wird sicher auch damit anfangen und dann wird er ausgehen, rebellieren….einfach alles was einem Elternteil an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringt.“ warnte Semir ihn. Ben lachte auf. „Das ist mir egal. Er wohnt bei Dieter und hat dort Freiraum. Der Junge hat schon so viel durchgemacht…ich denke er ist viel zu erwachsen für sein Alter. Ich meine…wann durfte Niklas Kind sein? Als er elf war musste er für seine Schwester da sein, dann wird sie ihm so grausam genommen und er wird herum gestoßen. Von einem Ort zum Anderen aber niemand will ihn haben. Ich stelle es mir einfach sehr grausam vor.“ erklärte Ben. Semir nickte nachdenklich. „Meinst du Dieter wird mit ihm fertig werden?“ harkte er nach. „Was heißt denn fertig werden. Niklas ist sehr selbstständig und ich denke auch, dass er in der Schule sehr schnell alles aufgeholt hat, was er verpasst hat.“ nickte Ben. „Gut….dann wollen wir das mal überprüfen.“ schlug Semir vor. Er lenkte seinen Wagen auf den Parkplatz. Als sie das Büro betraten sahen sie Dieter und Niklas am Schreibtisch sitzen. „Hey…Dieter…hast du einen neuen Partner?“ grinste Semir und schlug Niklas auf die Schulter. Der Junge sah sie strahlend an. „Ben!!“freute er sich und stand auf. „Ich habe ein riesiges Zimmer bei Dieter und das gehört ganz allein mir. Sogar eine Gitarre habe ich und Fernsehen und…“ zählte der Junge auf. „Hey…beruhige dich. Sonst klappst du noch zusammen.“ lachte Ben „Es ist so toll….ich…ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Warum tut ihr das für mich…ihr kennt mich doch eigentlich gar nicht…“ wollte Niklas wissen. Semir sah Ben an. „Ich bin bei der Krüger…“ wich er aus und verschwand. Ben zog Niklas zur Seite. „Niki…es ist völlig egal, das wir dich nicht wirklich kennen. Wir helfen und du brauchst die Hilfe. Wie war es bei Martin?“ harkte er nun nach. Niklas zog die Schultern hoch. „Ich glaube ganz okay...das hat Martin jedenfalls gesagt. Ich habe geschlafen…“ grinste der Junge.

    Kim Krüger sah auf. „Sie gehen als davon aus, das Bachmeyer Schrankmann hat umbringen lassen. Aber warum?“ wollte sie wissen. „Weil er ihm gefährlich werden konnte. Schrankmann muss Sachen von Bachmeyer gewusst haben und als wir ihn verhaftet haben, wurde er im Auftrag von Bachmeyer umgebracht.“ erklärte Semir. „Was macht Sie so sicher, dass es Bachmeyer nicht selbst war?“ harkte Kim nach. „Weil er sich die Hände nicht schmutzig machen wird. Bachmeyer hätte viel zu große Angst ebenfalls erwischt zu werden. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er Schrankmann befohlen hat Niklas in Ruhe zu lassen und als er uns in die Falle geraten ist, da hat er die Konsequenzen zu tragen. Niemand stellt sich gegen Bachmeyers Befehl.“ erklärte Semir weiter. „Gut. Und Schrankmann hat Ihnen beiden wieder frei gegeben?“ harkte sie nach. Semir nickte. „und danach sollen wir Bachmeyer zur Strecke bringen. Das wird eine harte Arbeit.“ gab Semir zu. „Sie sollen Bachmeyer hinter Schloss und Riegel bringen? Wie wollen Sie das anstellen? Das ist nicht unser Bereich! Ich werde mit der Staatsanwältin reden!“ fauchte Kim wütend. „Nein…ich habe sie darum gebeten mir den Fall aufzutragen. Frau Krüger…Bachmeyer macht seit Jahren seine Geschäfte mit Drogen und niemand konnte ihm bisher etwas nachweisen. Ich will es ändern. Ich will ihn hinter Gitter bringen!“ kam entschlossen von Semir. Kim stöhnte auf. „Warum halsen Sie sich mehr Arbeit auf, als Gut ist?“ wollte sie wissen. „Sagen wir mal so…ich lasse mich ungern bedrohen. Und genau das hat Bachmeyer getan. Und jeder der das macht, hat dafür zu bezahlen. Außerdem hat Bachmeyer schon viel zu lang ungestraft agieren können.“ kam von Semir. Kim nickte aus. „Da haben Sie allerdings Recht. Also gut…aber jetzt werden Sie den Rest der Woche zuhause verbringen und bitte Semir…tun Sie es. Der Fall wird Ihnen sicher noch genügend schlaflose Nächte bereiten.“ bat sie. Semir nickte leicht. „Ich hatte es auch vor. Ich werde den Rest der Woche zuhause bleiben und mich mit meinen Kindern beschäftigen und natürlich mit meiner Frau.“ grinste Semir leicht. Kim nickte.“Dann raus mit Ihnen und nehmen Sie Ben mit.“ lachte sie nur. Semir stand auf und ging ins Büro. Ben war immer noch mit Niklas am reden. Er gesellte sich dazu. „Und? Alles geklärt?“ wollte er wissen. Ben sah ihn an. „Ja…stell dir vor. Er geht ab morgen zur Schule. Ich bin gespannt wie er sich macht. Dieter hat ihn auf der Schule angemeldet wo auch Jochen war.“ erklärte Ben. Semir nickte. „Fein….wir haben Urlaub schon vergessen. Warum machst du nicht etwas mit Niklas? Du wolltest ihm doch Gitarre beibringen.“ schlug Semir vor. Niklas Kopf ruckte zu Ben. „Das stimmt!“ stieß er freudig aus. „Ja das stimmt…gut…dann lass uns fahren“ grinste Ben. „Wo wollen wir denn üben?“ harkte Niklas nach. „In meinem Probenraum wo ich mit meiner Band immer spiele.“ erklärte sein Freund. „Band? Probenraum?“ fragte Niklas ziemlich verwundert. „Nun…ich habe eine Band ja….und für eine Band braucht man einen Probenraum. Also los…!“ Ben zog Niklas mit sich raus.
  • Gegen Abend wurde Niklas von Ben zu Dieter gebracht. Dieser wartete bereits auf ihn. „Das wird aber auch Zeit!“ maulte der alte Polizist. „Entschuldigung…aber Ben und ich haben die Zeit vergessen. Bist du jetzt sehr böse?“ fragte Niklas sofort und sah Dieter mit großen Augen an. Wieder machte sich die Angst des Versagens breit. „Siehst du..ich hab doch gesagt….das er sauer sein wird!“ beschwerte Niklas sich bei Ben. Dieser lächelte leicht. „Nein…deswegen nicht. Aber jetzt wird was gegessen und dann ab ins Bett. Morgen ist Schule angesagt!“ gab er zu verstehen. „Ich habe eben schon mit Ben gegessen. Ich gehe jetzt schlafen…“ versprach Niklas und verschwand. Ben ging mit Dieter noch ins Wohnzimmer. „Was hat Martin eigentlich gesagt?“ wollte er wissen. „Nun ja…Niklas hat einiges zu verarbeiten. Er wurde in Hypnose versetzt und erzählte von den Brutalitäten die er bereits mit fünf Jahren durchmachen musste. Sein Vater hat ihn mit einer Eisenstange auf den Arm geschlagen. So heftig, dass er gebrochen war. Wie grausam muss es für so einen Wurm gewesen sein. Er will Liebe und bekommt stattdessen nur Schläge. Wo bleibt denn da die Gerechtigkeit? Wenn ich daran denke, dass ich damals schon ein schlechtes Gewissen bekam, als ich Jochen auf die Finger gehauen habe. Ich kann es einfach nicht verstehen. Wie können Eltern nur so grausam sein.“ Er sah Ben an. „Ich weiß es nicht. Aber ich will dich auch vorwarnen. Niklas ist noch lange nicht über diese traumatischen Erlebnisse hinweg. Er schreit nachts und schlägt um sich. Er ist ziemlich am Ende.“ erklärte Ben. „Ich weiß, es wird eine harte Zeit werden. Morgen wird Martin ihn erneut unter Hypnose setzen. Wenn du hören könntest was der Junge so alles erzählt hat…es ist grausam…“ wiederholte Dieter. „Ich werde morgen dabei sein. Ich habe frei und ich glaube du hast Dienst..oder?“ wollte Ben wissen. Dieter nickte „Ja…ich habe Dienst. Ich glaube ich kann es auch nicht aushalten, wenn Niklas allein zu Martin müsste.“ gab er zu. „Das wird er nicht. Er wird nie wieder allein bleiben. Nie wieder.“ versprach Ben. Dann verließ er Dieters Haus und fuhr nach Hause. Auch wenn Niklas nur einen Tag und eine Nacht bei ihm verbracht hatte, so fehlte ihm der Junge schon jetzt. Dennoch beruhigte ihn der Gedanke, dass Niklas bei Dieter sehr gut aufgehoben war. Schließlich hatte er ja schon einen Sohn aufgezogen und war erfahren in solchen Dingen. Und wie es aussah verstanden Dieter und Niklas sich hervorragend. Ben ging unter die Dusche und legte sich anschließend in sein Bett. Er schlief schnell ein und fiel in einen wirren Traum.

    „Niklas! Komm du musst aufstehen!“ weckte Dieter seinen Ziehsohn sanft. „Hmmm…“ kam leise von Niklas. „Na komm schon…die Schule fängt heute an…“ machte Dieter ihn darauf aufmerksam, dass die Zeit des langen Schlafens vorbei war. „Ich komme schon…“ murmelte Niklas und warf die Decke zur Seite. Dieter ging runter und machte den Frühstückstisch bereit. Nur fünf Minuten später war Niklas unten. Er war frisch geduscht und trug eine Jeans die Dieter sofort als eine von denen erkannte, die Jochen gehört hatten. „War doch ne gute Idee von mir, dass ich die Sachen aufgehoben habe.“ grinste er. Niklas nickte. „Die passt richtig gut und sieht auch noch cool aus.“ lachte der 14jährige. Doch dann wurde er wieder ernst. Dieter bemerkte dass er in Gedanken abrutschte. „Was ist?“ wollte Dieter wissen. „Ich habe etwas Angst. Was wenn die Schüler mich dort nicht mögen? Was wenn sie wieder anfangen mich zu drangsalieren, so wie die Anderen? Was wenn….“ Fragte Niklas besorgt. Dieter sah ihn an. „Was wenn die Welt morgen untergeht. Niklas… du wirst es erst wissen, wenn du dort bist. Man kann einige Dinge nie voraussehen und das ist auch gut so. Ich weiß nicht was die Direktorin den Schülern erzählen wird, wenn du dort bist, aber das ist nicht so wichtig. Du bist wichtig. Du musst lernen um eine Ausbildung zu machen.“ redete Dieter auf den Jungen ein. Niklas nickte. „Okay….ich werde mich dann mal auf den Weg machen. In die Höhle des Löwen gehen.“ gab er nervös von sich. „Soll ich dich fahren?“ bot Dieter an. „Nein….nein…das mache ich allein.“ lehnte Niklas sofort ab. Dieter sah ihn prüfend mit zugekniffenen Augen an. „Keine Sorge! Ich gehe wirklich zur Schule…ich habe doch gesagt, dass ich mich an die Regeln halten werde!“ beruhigte Niklas ihn. Dieter nickte. „Okay…. ich vertraue dir. Aber wenn du mich enttäuscht dann…“ warnte Dieter sofort. Niklas nickte. „Ich weiß. Ich kenne die Konsequenzen. Bist du heute Nachmittag mit mir bei Martin?“ fragte er. Dieter schüttelte den Kopf. „Ben kommt heute mit. Es wird alles gut werden. Das verspreche ich dir. Das letzte Mal war es doch auch okay. Und nun los. Hier ist dein Lunchpaket“ machte Dieter dem Jungen Mut und drückte ihm die Dose in die Hand. Niklas nahm sie und steckte sie in den Rucksack. Dann ging er los. Dieter sah ihm nachdenklich nach. Sicher lagen jetzt ein paar schwere Stunden vor Niklas aber der Junge war klug genug sich auf keine Konfrontationen einzulassen. Er sah wie Niklas den Weg entlang ging und war zufrieden. Niklas musste nun beweisen, dass er sein Vertrauen verdient hatte. Immerhin war er bisher nie ein Befehlsempfänger gewesen, sondern immer der Macher. Diese Last musste auch von ihm genommen werden. Niklas musste erfahren was es heißt Kind zu sein.
  • Anette Reuther begrüßte Niklas freundlich als er vor ihrer Tür stand. „Nur keine Sorge…deine Mitschüler wissen was du bisher durchgemacht hast und sie freuen sich auf dich. Du wirst im der 6 A unter Herrn Dr. Michels unterrichtet werden. Es ist ein sehr guter Pädagoge und unser Vertrauenslehrer. Wenn du ein Problem mit den Schülern oder mit den Lehrern bekommst, dann kannst du dich an ihn wenden.“ erklärte die Rektorin während sie auf dem Weg zum Klassenraum waren. Niklas nickte nur zwischendurch. Er spürte wie seine Hände feucht wurden je näher sie dem Ziel kamen. Sein Herz pochte schmerzhaft gegen die Rippen. Anette Reuther klopfte an eine der Türen und Niklas merkte sich sofort die Zahl. Dann traten sie ein. „Guten Morgen!“ begrüßte sie die Klasse. Ein grummelndes „Guten Morgen“ kam zurück. „Das ist Niklas Brauer. Ich habe euch ja von ihm erzählt und ab heute wird er hier mit euch lernen. Wenn er will, dann wird er sicher auch erzählen, was er bisher gemacht hat.“ erklärte sie. Niklas sah in die Runde und schluckte. Hier waren so viele Kinder um ihn herum und irgendwie kam er sich verloren vor. „Niklas! Du kannst neben mir sitzen!“ bot einer der Jungs an und nahm seine Tasche vom Stuhl. Niklas sah Anette an. „Na los! Das wird schon…“ munterte sie ihn auf. Niklas nickte und setzte sich auf den Stuhl. Er rückte etwas ab von dem Jungen, der neben ihn saß. „Ich bin Mathias…“ stellte er sich vor. „Ich bin Phillip und das dahinten ist Oskar, Marianne, Juliette, Tamara, Lucas, Pierre, Sandra, Dominique, Dominik, Peter, Pascal, Stefan, Claudia, Saskia, Alexandra, Michael, Jörg ….“ stellte sein Tischnachbar die Schüler vor. Niklas sah jeden an und nickte ihnen zu. „So, wenn wir uns alle vorgestellt haben, dann können wir mit dem Unterricht weitermachen Niklas…komm doch bitte mal nach vorn…“ forderte der Lehrer ihn auf. Niklas nickte und ging nach vorn. „Ich muss dir noch die Bücher geben. Hier das sind die Bücher die du benötigst. Behandel sie sorgfältig sie gehören der Schule.“ mahnte ihn Dr. Michels. „Danke...“ murmelte er und ging mit den Büchern beladen zurück zu seinem Stuhl. Er setzte sich. „so…die Aufmerksamkeit bitte jetzt wieder hier zu mir. Mit Niklas könnt ihr euch beschäftigen wenn die Pause ist.“ ermahnte er die Schüler die Niklas anstarrten, als wäre er von einem anderen Planeten. Niklas hätte gern einen Cent für die Gedanken der Schüler gegeben. Den Unterricht verfolgte er mit weniger Konzentration und immer wieder gingen seine Blicke zu den Schülern. Beobachteten sie ihn? Würden Sie ihn gleich mit Fragen löchern? Was passierte in der Pause? „NIKLAS!!“ riss ihn die Stimme des Lehrers aus den Gedanken. „Ja?“ fragte er. „Du sollst bitte vorlesen. Seite 34!“ lächelte Michels. „Ach so…ja….“ kam nervös von Niklas und er schlug das Buch auf.

    Semir und Ben genossen beide die freien Tage. Semir war mit seinen Kindern im Garten während Andrea das Essen vorbereitete. Ben war ebenfalls gekommen, da Ayda ihn zu Essen eingeladen hatte. „Ich muss aber um drei weg. Denn dann bin ich mit Niklas bei Martin. Die zweite Sitzung steht an und Dieter hat ja Dienst. Der Junge braucht mich noch..“ erklärte er. Semir nickte. „Ben..ich finde es sehr gut, was du für Niklas machst. Hast du schon mal an eigene Kinder gedacht? Ich meine als Vater wärest du sicher sehr prädestiniert.“ meinte Semir. Ben sah gen Himmel. „Ja…hab ich. Mit Saskia wollte ich Kinder haben. Leider war das Schicksal dagegen und im Augenblick….nein…ich denke ich habe mit dieser Angelegenheit abgeschlossen. Kinder sind eine sehr ernste Sache. Du kannst nicht mehr raus wann du willst, bist gebunden….“ suchte Ben nach Nachteilen des Vaterseins. „Ja aber es gibt ja auch schöne Dinge. Wie die ersten Worte….das drücken und die ersten Schritte. Wenn du siehst wie deine Kinder groß werden. Sieh dir Ayda an. Sie ist jetzt sechs und geht bald zur Schule. Mir kommt es vor, als sei es erst gestern gewesen, als sie noch im Kinderwagen lag. Oder Emilie…sie wirst schon drei und redet wie ein Wasserfall. Vieles kann man zwar nicht wirklich verstehen, aber es ist einfach schön. Wenn die Kinder miteinander spielen oder wenn sie von dir etwas wollen und dich mit ihren dunklen großen Augen erwartungsvoll ansehen…“ schwärmte Semir. Ben lachte auf. „Ich kenne noch zwei Nachteile….Schlafmangel….und Ehekriese..“ zählte er auf. „Dennoch….okay…zurück zu Niklas. Heute ist sein erster Schultag oder?“ wich Semir nun aus. Ben nickte. „Dieter hat mich heute Morgen schon angerufen und gesagt dass er mit einem ziemlich üblen Gefühl aus dem Haus ging und zur Schule trabte. Niklas wird es schon schaffen. Er musste so viel durchmachen, da werden die Stunden in der Schule wie Ferien vorkommen.“ nickte Ben. „Das Essen ist fertig!“ rief Andrea. „Na komm wir schlagen uns den Magen voll und fahren dann gemeinsam zur Schule, holen Niklas ab und dann zu Martin…“ lachte Semir und stand auf. In der Küche war der Tisch bereits gedeckt und schnell waren die Kinder unter dem Tisch auf die Bank gekrabbelt. Semir setzte sich neben Emilie während Ben von Ayda in Beschlag genommen wurde. „Du musst mir wieder mal eine Geschichte vorlesen!“ bat die Sechsjährige. „Das mache ich morgen…heute muss ich noch ganz viel arbeiten. Aber morgen bin ich hier und lese euch Beiden eine Geschichte vor.“ versprach er. Ayda sah ihn an. „Wirklich versprochen?“ harkte sie nach .Ben hob die Hand und spreizte zwei Finger. „Versprochen!“ nickte er.
  • Anette Reuther begrüßte Niklas freundlich als er vor ihrer Tür stand. „Nur keine Sorge…deine Mitschüler wissen was du bisher durchgemacht hast und sie freuen sich auf dich. Du wirst im der 6 A unter Herrn Dr. Michels unterrichtet werden. Es ist ein sehr guter Pädagoge und unser Vertrauenslehrer. Wenn du ein Problem mit den Schülern oder mit den Lehrern bekommst, dann kannst du dich an ihn wenden.“ erklärte die Rektorin während sie auf dem Weg zum Klassenraum waren. Niklas nickte nur zwischendurch. Er spürte wie seine Hände feucht wurden je näher sie dem Ziel kamen. Sein Herz pochte schmerzhaft gegen die Rippen. Anette Reuther klopfte an eine der Türen und Niklas merkte sich sofort die Zahl. Dann traten sie ein. „Guten Morgen!“ begrüßte sie die Klasse. Ein grummelndes „Guten Morgen“ kam zurück. „Das ist Niklas Brauer. Ich habe euch ja von ihm erzählt und ab heute wird er hier mit euch lernen. Wenn er will, dann wird er sicher auch erzählen, was er bisher gemacht hat.“ erklärte sie. Niklas sah in die Runde und schluckte. Hier waren so viele Kinder um ihn herum und irgendwie kam er sich verloren vor. „Niklas! Du kannst neben mir sitzen!“ bot einer der Jungs an und nahm seine Tasche vom Stuhl. Niklas sah Anette an. „Na los! Das wird schon…“ munterte sie ihn auf. Niklas nickte und setzte sich auf den Stuhl. Er rückte etwas ab von dem Jungen, der neben ihn saß. „Ich bin Mathias…“ stellte er sich vor. „Ich bin Phillip und das dahinten ist Oskar, Marianne, Juliette, Tamara, Lucas, Pierre, Sandra, Dominique, Dominik, Peter, Pascal, Stefan, Claudia, Saskia, Alexandra, Michael, Jörg ….“ stellte sein Tischnachbar die Schüler vor. Niklas sah jeden an und nickte ihnen zu. „So, wenn wir uns alle vorgestellt haben, dann können wir mit dem Unterricht weitermachen Niklas…komm doch bitte mal nach vorn…“ forderte der Lehrer ihn auf. Niklas nickte und ging nach vorn. „Ich muss dir noch die Bücher geben. Hier das sind die Bücher die du benötigst. Behandel sie sorgfältig sie gehören der Schule.“ mahnte ihn Dr. Michels. „Danke...“ murmelte er und ging mit den Büchern beladen zurück zu seinem Stuhl. Er setzte sich. „so…die Aufmerksamkeit bitte jetzt wieder hier zu mir. Mit Niklas könnt ihr euch beschäftigen wenn die Pause ist.“ ermahnte er die Schüler die Niklas anstarrten, als wäre er von einem anderen Planeten. Niklas hätte gern einen Cent für die Gedanken der Schüler gegeben. Den Unterricht verfolgte er mit weniger Konzentration und immer wieder gingen seine Blicke zu den Schülern. Beobachteten sie ihn? Würden Sie ihn gleich mit Fragen löchern? Was passierte in der Pause? „NIKLAS!!“ riss ihn die Stimme des Lehrers aus den Gedanken. „Ja?“ fragte er. „Du sollst bitte vorlesen. Seite 34!“ lächelte Michels. „Ach so…ja….“ kam nervös von Niklas und er schlug das Buch auf.

    Semir und Ben genossen beide die freien Tage. Semir war mit seinen Kindern im Garten während Andrea das Essen vorbereitete. Ben war ebenfalls gekommen, da Ayda ihn zu Essen eingeladen hatte. „Ich muss aber um drei weg. Denn dann bin ich mit Niklas bei Martin. Die zweite Sitzung steht an und Dieter hat ja Dienst. Der Junge braucht mich noch..“ erklärte er. Semir nickte. „Ben..ich finde es sehr gut, was du für Niklas machst. Hast du schon mal an eigene Kinder gedacht? Ich meine als Vater wärest du sicher sehr prädestiniert.“ meinte Semir. Ben sah gen Himmel. „Ja…hab ich. Mit Saskia wollte ich Kinder haben. Leider war das Schicksal dagegen und im Augenblick….nein…ich denke ich habe mit dieser Angelegenheit abgeschlossen. Kinder sind eine sehr ernste Sache. Du kannst nicht mehr raus wann du willst, bist gebunden….“ suchte Ben nach Nachteilen des Vaterseins. „Ja aber es gibt ja auch schöne Dinge. Wie die ersten Worte….das drücken und die ersten Schritte. Wenn du siehst wie deine Kinder groß werden. Sieh dir Ayda an. Sie ist jetzt sechs und geht bald zur Schule. Mir kommt es vor, als sei es erst gestern gewesen, als sie noch im Kinderwagen lag. Oder Emilie…sie wirst schon drei und redet wie ein Wasserfall. Vieles kann man zwar nicht wirklich verstehen, aber es ist einfach schön. Wenn die Kinder miteinander spielen oder wenn sie von dir etwas wollen und dich mit ihren dunklen großen Augen erwartungsvoll ansehen…“ schwärmte Semir. Ben lachte auf. „Ich kenne noch zwei Nachteile….Schlafmangel….und Ehekriese..“ zählte er auf. „Dennoch….okay…zurück zu Niklas. Heute ist sein erster Schultag oder?“ wich Semir nun aus. Ben nickte. „Dieter hat mich heute Morgen schon angerufen und gesagt dass er mit einem ziemlich üblen Gefühl aus dem Haus ging und zur Schule trabte. Niklas wird es schon schaffen. Er musste so viel durchmachen, da werden die Stunden in der Schule wie Ferien vorkommen.“ nickte Ben. „Das Essen ist fertig!“ rief Andrea. „Na komm wir schlagen uns den Magen voll und fahren dann gemeinsam zur Schule, holen Niklas ab und dann zu Martin…“ lachte Semir und stand auf. In der Küche war der Tisch bereits gedeckt und schnell waren die Kinder unter dem Tisch auf die Bank gekrabbelt. Semir setzte sich neben Emilie während Ben von Ayda in Beschlag genommen wurde. „Du musst mir wieder mal eine Geschichte vorlesen!“ bat die Sechsjährige. „Das mache ich morgen…heute muss ich noch ganz viel arbeiten. Aber morgen bin ich hier und lese euch Beiden eine Geschichte vor.“ versprach er. Ayda sah ihn an. „Wirklich versprochen?“ harkte sie nach .Ben hob die Hand und spreizte zwei Finger. „Versprochen!“ nickte er.
  • „Und du hast echt auf der Straße gelebt?“ wollte Phillip von Niklas wissen als sie die Schule verließen. „Ja…drei Jahre. War gar nicht so schlecht, aber jetzt ist es viel besser.“ bestätigte der Junge. „Warum bist du denn wieder nach Hause gegangen? Du warst dein eigener Herr. Keine Schule, keine Zwänge, keine Pflichten…das muss doch wie ein Paradies gewesen sein..“ warf Michael ein. Niklas sah ihn an. „du hast dann aber auch keine Freunde, kein Geld, kein essen, kein Trinken und bist ständig auf der Flucht vor der Polizei.“ nannte er die Nachteile. „Nun ja…hast du dich sehr einsam gefühlt?“ fragte Juliette die sich nun ebenfalls zur Gruppe gesellte. Niklas nickte. „Sehr oft. Ich habe sehr viel geweint und wenn ich traurig war, dann bin ich zum Friedhof und habe Sonja besucht. Sie war die einzige die mir zugehört hat.“ gab Niklas leise von sich. Ein Auto hupte und Niklas sah auf. „Ich muss…das ist ein Freund von mir.“ verabschiedete er sich und rannte zum Wagen. „Hallo Ben! Hallo Semir!“ kam fröhlich von ihm als er einstieg. „Hey…wie war dein Tag in der Schule?“ wollte Ben wissen. „Das war einfach super! Die Kinder da sind so nett und ich habe sogar schon ganz viele Freunde gefunden. Sie haben mich sehr gut aufgenommen.“ strahlte Niklas. „Das freut mich. Dann sind deine Ängste was die Schule angeht ja völlig umsonst gewesen.“ meinte Semir nur. „Ja…ich habe auch sehr gut mitgemacht. Es war schwer, weil Dr. Michels ein Thema angeschnitten hatte was ich gar nicht mochte.“ erklärte Niklas. „Was für ein Fach war es denn?“ wollte Ben wissen. „Biologie…und zwar den Bereich „familiäre Bindungen“.“ gab der Junge zurück. Seine Stimme veränderte sich und Semir und Ben sahen sich an. Semir lenkte den Wagen sicher durch Köln und hielt nach guten zehn Minuten an. „So…wir sind da. Martin ist jetzt dran und nimm es dir nicht so zu Herzen. Es gehörten viele Fächer und Themen in die Schule und sicher sich da auch ein paar Themen drin, die dich mehr oder weniger berühren. Vielleicht kannst du mal deine Geschichte erzählen, wenn du bereit dazu bist.“ meinte Semir. Ben fuhr in die Straße wo Martin seine Praxis hatte. „Kommst du mit rein?“ wollte Niklas von ihm wissen. „Wir kommen beide mit. Du wirst es nicht allein austragen.“ nickte Ben. Sie stiegen alle aus und betraten nur kurz darauf die Praxis. Martin erwartete sie bereits. „Da seid ihr ja…“ begrüßte er die Drei. „Hallo Niklas…du legst dich wieder auf die Couch. Wir machen es genau wie beim letzten Mal…du wirst dich einfach nur entspannen okay?“ schlug der Psychologe vor. „Ben…kann ich dich erst unter vier Augen sprechen?“ bat er sich dann an den jungen Hauptkommissaren gewandt. Ben nickte und ging mit Martin in dessen Büro. Kaum saßen sie sah Martin ihn an. „Niklas ist zwar erst einmal bei mir gewesen, aber die erste Hypnose war schon ziemlich hart für die Zuhörer. Diesmal werde ich weiter vorstoßen. Mehr zu dem Ereignis hin, was er erleben musste. Den Tod seiner Schwester. Ich weiß nicht wie er reagieren wird, wenn er es wieder erlebt, aber es ist gut denkbar, dass er einen Nervenzusammenbruch bekommt. Ich sage es dir, weil ich dich darauf vorbereiten will. Es ist für Niklas ein schwerer Weg und die Behandlung wird vermutlich einige Monate, wenn nicht sogar Jahre dauern..“ erklärte Martin. Ben nickte. „Okay….das ist kein Problem. Ich will ihm helfen. Dein Honorar übernehme ich.“ gab er zurück. Martin lächelte bitter. „Es geht mir nicht ums Geld. Der Junge ist mir wichtiger. Über das Geld reden wir wenn es dann irgendwann geschafft ist. Dann wollen wir mal. Willst du zuhören?“ fragte Martin. Ben nickte.

    Niklas legte sich auf die Couch. „Das ist jetzt der zweite Termin. Wie oft muss ich das machen?“ wollte Niklas wissen. Martin sah ihn an. „Nun…ich denke wir werden es uns heute noch einige Dinge anhören und dann sehen wir weiter. Wir müssen wissen was du erlebt hast, weil ich dir sonst nicht wirklich gut helfen kann. Du kannst es mir auch so erzählen. Ich meine…an was du dich erinnerst.“ schlug Martin vor. Niklas schüttelte den Kopf. „Ich habe Angst! Ich will es nicht noch einmal erleben.“ Der Psychologe sah ihn an. „Niklas….das verstehe ich sehr gut. Lass es uns heute noch einmal mit Hypnose versuchen.“ schlug Martin vor. Niklas stimmte zu. „Also gut…leg dich wieder ganz bequem hin.“ bat Martin ihn. Martin fing an leise auf ihn einzureden, während Niklas sich entspannte. „Du hörst nur meine Stimme. Konzentriere dich nur auf meine Stimme..“ wiederholte er. „Wir machen jetzt die Reise weiter. Das letzte Mal warst du fünf Jahre alt und genau dort fangen wir wieder an. Du bist im Krankenhaus und hast deinen Arm verletzt. Was passiert weiter?“ fragte Martin mit monotoner Stimme. „Ich haben den Arm jetzt in Gips. Das Spielen geht damit nicht gut, aber irgendwas muss ich ja tun. Mama und ich fahren wieder nach Hause. Papa liegt im Wohnzimmer und schläft. Mama sagt, er hat hart gearbeitet und ist deshalb müde. Ich soll leise sein und in mein Zimmer gehen.“ erzählt Niklas. „Tust du es?“ wollte Martin wissen. „Ja..ich habe Hunger und Mama gibt mir noch eine Scheibe Brot. Sie sagt sie hat Kopfschmerzen und muss sich hinlegen. Dann gibt sie mir einen Kuss und geht.“ „Okay….was machst du im Zimmer?“ harkte Martin nach. „Ich sitze auf meinem Bett und sehe aus dem Fenster. Draußen sehe ich Thomas mit seiner Mutter. Sie spielen zusammen und am liebsten würde ich auch raus gehen, aber ich darf nicht. Mama will nicht, dass ich mit Thomas spiele. Sie sagt er sei nicht gut für mich.“ beklagte Niklas. „Gehst du nicht in den Kindergarten?“ fragte Martin nach. „Nein..nicht mehr. Mama und Papa haben dafür kein Geld. Sie sagen ich bin zu teuer.“ kam traurig von Niklas. Er war ganz und gar auf das Alter des kleinen Kindes eingestellt. „Niklas…wir gehen jetzt etwas weiter. Du bist jetzt sieben Jahre alt und gehst zur Schule. Erzähle mir von deiner Einschulung.“ bat Martin ihn. „Es war ganz schön heiß. Alle Kinder haben kurze Hosen an aber ich muss ein langes Hemd tragen. Mama hat es extra für mich gekauft und sie hat gesagt, dass es sehr teuer war.“ erzählte der Junge. „Wie sieht denn deine Schultüte aus. Du hast doch eine oder?“ harkte Martin nach. „Ja… eine ganz kleine. Da sind ein paar Gummibärchen drin. Mama hat ja kein Geld für die große Tüte gehabt. Ich bin traurig darüber.“ Martin sah Semir und Ben an. „Okay Niklas….und jetzt gehen wir noch etwas weiter. Du gehst jetzt in die zweite Klasse. Denk an den Tag als die Mama einen ganz dicken Bauch hat….“ führte Martin ihn näher an die Geschehnissen heran. „Mama ist so dick wie ein Luftballon..“ kicherte Niklas.
  • „Was macht die Mama denn?“ wollte Martin wissen. „Sie krümmt sich vor Schmerzen und sagt ich soll den Arzt rufen. Ich mache es. Mama kommt ins Krankenhaus. Papa kümmert sich um mich. Er sagt wir müssen jetzt den Männerhaushalt für eine Woche schmeißen. Ich weiß was das heißt. Mama war schon mal im Krankenhaus und da musste ich dann alles saubermachen. Papa hat gekocht, aber es schmeckt überhaupt nicht.“ beklagte sich Niklas weiter. „Sagst du es ihm?“ fragte Martin weiter. „Nein…wenn ich ihm sage, dass es nicht schmeckt dann schlägt er mich wieder. Mama hat das mal gesagt und dann hat er sie so heftig geschlagen, dass sie zwei Wochen weg war. Ich frage Papa warum Mama so dick ist und er sagt, dass sie ein Baby in sich trägt was nun raus will. Ich freue mich auf meinen Bruder. Dann bin ich nicht mehr allein und habe jemanden zum spielen.“ erzählte Niklas weiter. „Okay….wir gehen jetzt zu dem Punkt wo die Mama wieder da ist.“ forderte er Niklas auf. „Ich freue mich dass sie wieder da ist und will sie umarmen, doch sie schickt mich weg. Sie trägt das Baby auf den Arm. Ich will sie auch sehen, denn ich weiß jetzt dass ich eine Schwester habe, aber Mama sagt ich darf nicht. Ich würde sie nur erschrecken und dann würde sie weinen.“ ging es bei Niklas weiter. „Was machst du?“ wollte Martin wissen. „Ich gehe traurig in mein Zimmer. Aber nicht lange. Nur eine Stunde und ich gehe ins Wohnzimmer. In der Tür bleibe ich stehen und sehe wie Mama und Papa mit dem Baby umgehen. Sie sehen mich gar nicht mehr. Ich sage dass ich Hunger habe, aber sie hören mich nicht. Und dann gehe ich zu ihnen. Ich berühre meine Mama am Arm. Sie sieht mich an und stößt mich weg. „Geh in dein Zimmer!“ befielt sie. Ich gehe und bin sehr traurig. Sie wollen mich nicht mehr haben…“ beklagte Niklas sich. „Okay…das reicht für heute. Niklas…ich werde dich jetzt wieder wecken. Ich zähle bis fünf und dann bist du wach. Du wirst dich an nichts erinnern. Du wirst aus einem tiefen Schlaf aufwachen und ganz munter sein. Eins….zwei….drei….“ zählte Martin. Bei Fünf sah Niklas ihn an. „War ich wieder gut?“ fragte er. Martin nickte. „Sehr gut. Es war wirklich sehr gut. Ich habe sehr viel von dir erfahren.“ nickte Martin. „Was habe ich denn erzählt?“ wollte er wissen. Martin überlegte kurz. „Heute habe ich erfahren, wie du dich gefühlt hast als Sonja geboren wurde…“ gab er zurück. „Oh….“ meinte Niklas nur. „Keine Angst… es ist alles in Ordnung. Aber ich möchte dich übermorgen wieder hier haben…“ erklärte Martin. Niklas nickte. „Denken Sie, dass es mir hilft? Ich meine, Sie wissen dann zwar was passiert ist und wie ich mich fühle, aber ich will Ihnen das nächste Mal ohne Hypnose etwas erzählen. Oder jetzt schon. Ich will endlich so sein wie die Anderen.“ forderte Niklas auf. Martin lächelte leicht. „Niklas…es ist nicht gut, wenn man so ungeduldig ist. Du hast mir so viel erzählt, was du sicher verdrängt hast. Wenn du mir jetzt etwas erzählen willst dann höre ich dir zu…“ nickte Martin dann doch als er den Blick von dem Jungen sah. „Ben und Semir sollen dabei sein!“ forderte er. Martin rief die Hauptkommissare zu sich.

    Lucas Bachmeyer sah Wolf an. „Du hast den Job sehr gut erledigt. Freut mich wirklich. Dann können wir uns jetzt auf den nächsten Deal bereitmachen. Du wirst an Davids Stelle treten und mich vor Ort vertreten. Mach mir keine Schande du hast selbst gesehen, was ich mit Verrätern mache.“ warnte Lucas seinen Mann. Wolf nickte. „Ja Boss. Was ist mit den Bullen?“ fragte er vorsichtig an. „Die werden mir sicher keine Scherereien machen. Ich habe Gerkan deutlich gesagt, was passiert wenn er sich noch einmal auf mein Gelände wagt. Er hat die Hosen voll, genau wie alle anderen die ich eingeschüchtert habe. Aber wir werden unsere Augen offenhalten. Sollte er es doch wagen mir meine Geschäfte zu versauen, dann wird er auch die Konsequenzen tragen.“ gab Lucas nachdenklich von sich. Wolf nickte. „Okay…wo soll der Deal stattfinden und wann?“ harkte er nach. „Das sage ich dir bevor es los geht. Jetzt genieße noch ein paar Tage deine Freizeit, denn die wird in der nächsten Zeit kürzer werden. Ach ja…ich brauche unbedingt neue Leute. Seit David auch tot ist, bleiben nur du, und Alex sowie Mark. Halt Augen und Ohren offen. Ich will keine Zwischenfälle mehr und pass auf unseren Freund den Anwalt auf. Ich denke er ist ziemlich labil und wird quer schlagen.“ forderte Lucas ihn auf. Wieder nickte Wolf nur. Dann verließ er das Zimmer und ging in das seine. Er legte sich entspannt auf die Liege die ihm als Bett diente und verschränkte die Arme im Nacken. Er hatte es geschafft. Er war bei Bachmeyer aufgestiegen. Das war etwas, das die wenigsten schafften. Nun musste er beweisen, dass er es wert war die rechte Hand von Bachmeyer zu sein und das hatte er vor. Er wird seinem Boss loyal alle Dienste erweisen und er wird die Lorbeeren dafür einsammeln. Niemand wird ihm jemals wieder das Wasser reichen können und sollte sich Gerkan doch noch einmal an Bachmeyers Fersen heften, dann wird er Wolf von seiner gnadenlosen Seite kennen lernen, dachte er nur und schlief kurz ein. Durch ein Klopfen an der Tür wachte er auf. „Ja?“ fragte er verschlafen. „Du sollst zum Boss kommen!“ kam von Alex, einem weiteren Komplizen der in Bachmeyers Diensten stand. „Ich komme!“ knurrte Wolf und erhob sich. Nur wenig später stand er vor Lucas. „Wolf….komm ich will dich mit ein paar wichtigen Leuten bekannt machen. Du wirst jetzt öfter mit ihnen zu tun haben.“ erklärte sein Chef. Wolf nickte. Sie gingen ins Büro von Lucas wo drei Männer saßen. „Das hier ist Dr. Mathias Grunnau. Er ist der Sohn von dem Polizeipräsidenten und seit vielen Jahren nicht nur ein treuer Freund sondern auch ein treuer Kunde. Für einen Schuss würde er sogar seinen Vater verraten.“ grinste Lucas. Wolf reichte dem Mann die Hand. „Das hier ist Thomas Kuschke, er ist Polizeimeister und wird auf meinem Wunsch demnächst zur Autobahnpolizei versetzt, dort wird er dann ein sehr wachsames Auge auf unseren Feind Nr. 1 haben. Auf Semir Gerkan. Und zu guter Letzt Martin Fauch kennst du ja schon. Mein Anwalt und treu ergebener Freund.“
  • Semir und Ben setzten sich auf die Stühle im Behandlungsraum von Martin. „Niklas will uns etwas erzählen. Er will es diesmal komplett durchziehen um näher ans Ziel zu kommen bzw. um endlich das tun zu können, was andere in seinem Alter tun. Er will das ihr dabei seid.“ erklärte Martin. Semir und Ben nickten. Sie sahen alle zu Niklas. „Dann schieß mal los.“ forderte Semir auf. „Ich weiß dass es ziemlich übel klingt aber zunächst möchte ich euch allen danke sagen. Was ihr für mich macht ist nicht normal. Ich habe seit ich euch kenne das Gefühl wirklich wichtig zu sein. …“ Niklas machte eine Pause. „dafür möchte ich mir wirklich herzlich danke sagen. Ich will aber nicht noch einmal in Hypnose gesetzt werden, weil ich wissen will was ich erzähle. Meine Kindheit war nicht sehr schön. Ich weiß dass ich sehr oft im Krankenhaus war. Mal war der Arm gebrochen, mal hatte ich nur blaue Flecke. Mein Vater war ein Säufer, meine Mutter drogensüchtig. Dennoch haben sie zwei Kinder bekommen. Ich habe mir manchmal gewünscht, dass mir damals jemand geholfen hätte. Doch alle haben weg gesehen. Niemand wollte sich einmischen. Meine Lehrer haben mich oft gefragt, aber ich habe sie immer wieder angelogen, weil ich Angst hatte. Angst davor, dass mein Vater oder meine Mutter Sonja etwas antun. Wenn ich erzählt hätte was alles zu hause passiert ist, dann wären wir ins heim gekommen. Getrennt worden. Das wollte ich nicht. Deshalb habe ich geschwiegen. Selbst als mein Vater Sonja …“ Niklas stockte. Martin sah ihn besorgt an. „Niklas…wenn du nicht mehr willst, dann kannst du aufhören. Wir können das nächstes Mal weiter machen..“ bot er an. Niklas schüttelte den Kopf. „nein…nein…es geht schon. Ich muss es irgendwann los werden. Es war ein ziemlich kalter Tag und ich hatte früher Schule aus. Als ich zuhause war, da sah erst alles aus wie immer. Meine Mutter lag im Bett und mein Vater….ich dachte er ist in der Kneipe oder schläft im Wohnzimmer. Aber ich habe mich geirrt. Er war bei Sonja. Ich wollte sie wickeln, weil meine Mutter es ja nicht macht und da habe ich….ich habe gesehen wie er..“ wieder stockte Niklas. Semir und Ben sahen erschrocken zu Martin. Dieser legte Niklas die Hand auf die Schulter. „ist schon gut Niklas….lass dir Zeit.“ redete er auf den Jungen ein. Niklas sah ihn an .Tränen stiegen in den Augen auf. „Ich wusste erst nicht was er da macht. Ich war neun und…er hatte die Hose runter und…stöhnte so komisch. Ich sah hin und….ich weiß nicht was er getan hat, aber ich wusste das es nicht in Ordnung war. Sonja hat nicht geweint, also hat er ihr nicht weh getan, aber dennoch war es nicht in Ordnung. Er hat sie gestreichelt. Über die Brust und zwischen den Beinen. Ich habe sie weg genommen und er hat mich angeschrien sie in Ruhe zu lassen und das er nur mit ihr gespielt hat. Heute weiß ich was er getan hatte und ich wünschte ich hätte Sonja davor beschützt. Aber schon da war ich zu spät…“ erzählte Niklas stockend. Semir sah betreten zu Boden und auch Ben war geschockt. Was der Junge da erzählte konnte man kaum glauben. Doch sie wussten auch, dass Niklas es nicht erfunden hatte. Martin schluckte schwer. „Niklas…es war sehr mutig, das du es uns erzählt hast. Das ist ein ganz großer Schritt. Wirklich…“ lächelte der Psychologe ihn an.

    Nur wenige Minuten saßen Ben, Semir und Martin allein im Büro. „Der Junge ist völlig traumatisiert. Hier müssen lange Gespräche folgen. Es ist ein sehr großer Schritt getan, das er es ohne Hypnose erzählt hat. Er löst sich und nun ist es auch eine Aufgabe an euch. Ihr müsst ihm zuhören wenn er etwas erzählen will. Er braucht diese Konversation um seine Schuldgefühle loszuwerden. Er braucht Zuwendung die eigentlich die eigenen Eltern ihm geben sollten, aber sie haben stattdessen seine Seele kaputt gemacht. Wichtig ist auch, dass er weiterhin zum Grab seiner Schwester gehen darf. Er braucht den Kontakt, denn so wie ich das sehe, war sie es, auch wenn sie nicht mehr lebt, die ihn davon abgehalten hat zu tief zu sinken.“ erklärte Martin. Semir und Ben nickten. „Wir werden ihn sicher nicht fallen lassen. Was er da eben erzählt hat, das war grausam. Ich bin ja selbst Vater von zwei Töchtern aber ich könne nie…“ Semir stockte und schüttelte sich. Tränen waren in seinen Augen zu sehen. „Wie konnte der Kerl nur?“ fragte er leise. Ben zog ihn hoch. „komm…für heute war es genug. Außerdem will ich mit Niklas noch etwas unternehmen. Ich will mit ihm das Grab von Sonja besuchen.“ sagte er. Semir nickte. Sie verabschiedeten sich von Martin und verließen mit Niklas die Praxis. „So Niklas… wir fahren Semir jetzt nach Hause und dann fahren wir zu Sonja…du zeigst mir ihr Grab…“ forderte Ben den Jungen auf. Niklas sah ihn fragend an. „Wirklich?“ fragte er. Ben nickte. „Natürlich…ich will sie auch kennen lernen. Sie muss etwas ganz Besonders gewesen sein. Und ich will was Besonderes sehen!“ erklärte er. Niklas strahlte und nickte dann heftig. „Das ist eine klasse Idee! Sie wird sich bestimmt freuen!“ kam von ihm. Schon ging die Fahrt los. Niklas setzte sich auf die Rückbank und sah aus dem Fenster. „Das Leben ist so toll….“ sagte er leise und bemerkte nicht wie Semir und Ben sich ansahen. „ich kann mein Glück gar nicht fassen…“ hängte Niklas an. Semir sah im Spiegel dass er die Augen geschlossen hatte. Scheinbar begriff der Junge endlich das nicht alles auf der Welt schlecht war. Es war schon weit nach sechs als sie endlich vor Semirs Tür standen. „Wollt ihr nicht mit reinkommen? Niklas hat doch sicher Hunger und Andrea hat sicher das Abendessen fertig.“ lud Semir die Beiden an. Ben sah Niklas an. „Was meinst du?“ harkte er nach. „ich habe sehr großen Hunger..“ gab Niklas zu. „Gut….dann auf zur besten Köchin in Köln..“ grinste Ben und stieg aus. Gemeinsam mit Niklas betraten sie Semirs Haus. „PAPA!!“ kam aus dem Kinderzimmer und schon stürmten Ayda und Emilie aus ihrem Zimmer. Niklas zuckte zurück als er Emilie sah. Er sah die blonden Haare und die großen dunklen Augen. Sofort hockte er sich vor dem Mädchen hin. „Hallo….du Süße….“ sagte er und reichte ihm die Hand. Emilie lachte leicht und rannte weg. Niklas sah Semir an. „Sie ist süß. Habe ich was Falsches gemacht?“ fragte er. „nein…sie ist immer so.“ lachte Semir. „Sie ist drei oder?“ harkte Niklas nach. „Fast…“ bestätigte Semir. „sie sieht aus wie ….Sonja. Sie hatte auch blonde Haare…“ gab Niklas leise von sich. Er wurde traurig. Semir sah betreten zu Ben. War es ein Fehler Niklas mit den Mädchen zu konfrontieren?
  • Andrea hörte wie Semir reinkam und ging ihm entgegen. „oh…du hast Besuch mitgebracht..“ lächelte sie und begrüßte Ben herzlich. Dann sah sie Niklas an. „Hallo…ich bin Andrea…“ stellte sie sich vor. „Hallo….Niklas…“ gab der Junge von sich. „Hallo Niklas. Ich habe schon viel von dir gehört.“ lächelte Andrea freundlich. „Ich habe gerade das Esen fertig.“ erklärte sie und lud die Beiden indirekt ein. Alle fanden in der Küche platz und als Emilie in ihrem Hochstuhl saß schob Andrea sie direkt neben Niklas. Der Junge fixierte das kleine Mädchen. Sie hielt ihm den Löffel hin und meinte nur „Da!“ Niklas lächelte zaghaft. „Löffel…“ erklärte er. „Da…“ wiederholte Emilie. Niklas nahm den Löffel und sah Ben hilflos an. „So begrüßt sie dich am Tisch.“ erklärte Ben lachend. Niklas lächelte nun ebenfalls. Andrea deckte alles auf und schob auch Niklas einen gut gefüllten Teller hin. Niklas aß mit Genuss und konnte seinen Blick nicht von Emilie lassen. „Sie ist niedlich..“ gab er zu. „Danke…sie ist ein Engel...“ lachte Andrea stolz. „ich bin auch ein Engel!!“ kam sofort von Ayda. „Ihr seid alle meine Engel…“ gab Semir sein Senf dazu. Nach dem Essen fuhren Niklas und Ben zum Friedhof. „Sie liegt hier hinten…“ erklärte Niklas und zog Ben zum Grab seiner Schwester. „Hallo mein Engel. Ich habe dir heute noch einen Freund mitgebracht. Das ist Ben. Er ist…Polizist und…ich hab dir doch von ihm erzählt. Er ist so gut zu mir..“ erzählte Niklas während er von dem Grab das Laub entfernte. Niklas zündete die Kerze an und sah Ben an. „willst du ihr nicht auch guten Tag sagen?“ fragte er. Ben lächelte nervös, doch dann hockte er sich hin und sagte: „Hallo Sonja….dein Bruder ist ein sehr netter Bursche und ich helfe ihm wo ich kann.“ Niklas lachte. „Er hat Angst dass ihn jemand hört. Was? Ja…ja…ich sag es ihm.“ gab er von sich und drehte sich zu Ben um. „sie sagt dass du keine Angst haben musst.“ erklärte er. „ich habe keine Angst. Warum hat sie noch keinen Grabstein?“ fragte Ben neugierig nach. Niklas wurde traurig. „Ich habe noch kein Geld dafür. So ein Stein ist sehr teuer und…“ gab er zu. „Ich verstehe. Deswegen hast du…“ Ben stockte als Niklas ihn erschrocken ansah. „Nicht vor Sonja..bitte…“ flehte er. „Deswegen hast du versucht Gitarre spielen zu lernen. Du wolltest dir damit Geld verdienen richtig?“ wandelte Ben schnell seine Frage um. „Ja….und das will ich immer noch.“ nickte Niklas. Ben sah ihn an. „Es wird sehr lange dauern bis du das Geld zusammen hast. Hast du dir denn schon einen Stein für sie ausgesucht?“ fragte er. Niklas nickte. „Ja….da hinten am Eingang ist ein Laden der die Steine verkauft. Es soll ein Engel darauf sein und ihr Name natürlich. Aber er kostet sehr viel Geld.“ erklärte Niklas. „Zeig ihn mir doch einfach mal…“ schlug Ben vor. „Okay…“ meinte der Junge nur.

    „Guten Tag der Herr….“ wurde Ben von dem Steinmetz begrüßt. Doch dann sah er Niklas an. „Was willst du denn jetzt noch hier! Verschwinde und mach nicht auch noch meine Kunden an du Nichtsnutz!“ fauchte er ihn an. „Hey…geht es mal etwas freundlicher?“ wollte Ben wissen. „Entschuldigen Sie, aber der Junge ist fast jeden Tag hier gewesen um mich wegen einer Steinspende zu belästigen. Als ob ich meine harte Arbeit umsonst weg geben kann.“ beklagte sich der Mann. Ben nickte „So Niklas..zeig mir den Stein!“ forderte Ben den Jungen auf und sofort sah der Mann ihn erstaunt an. „Er gehört zu Ihnen?“ fragte er erstaunt. Ben nickte. „Er steht hier!“ kam von Niklas der Ben direkt in die hintere Ecke des Ladens zog. Dann standen sie vor dem Grabstein. Er war schlicht mit einem Engel verziert, der scheinbar im Gras lag und ein Buch las. „Das ist er. So sollte er für Sonja aussehen…“ erklärte Niklas. Der Steinmetz sah ihn an. „Wer ist Sonja?“ fragte er nach. „Seine Schwester…sie ist gestorben als sie drei Jahre alt war…“ gab Ben gepresst von sich. „Oh mein Gott….Junge ich wusste ja nicht, dass du es wirklich ernst gemeint hast.“ entschuldigte sich der Mann. Niklas sah ihn an. „Ist schon gut. Woher sollten Sie es auch wissen. Vermutlich kommen hier tausende von Jungen in meinem Alter rein und behaupten die Schwester sei tot…“ ließ er leicht höhnisch verlauten. Ben grinste leicht. „Was soll der Stein denn kosten?“ fragte er nach. Niklas Kopf ruckte zu ihm herum. „Er kostet 1875 Euro so wie er da steht, wenn der Name und das Datum drauf sollen kommen noch einmal 300 Euro dazu. Dann natürlich ob es Naturstein oder Marmor sein soll..“ zählte der Mann auf. „Diese Variante wie er dort steht mit den Daten…“ forderte Ben. „Selbstverständlich…“ lächelte der Mann. Niklas schluckte. „Ben….das geht doch nicht..“ stieß er aus. „Was denn?“ fragte Ben lächelnd. „Du willst diesen Stein kaufen? Ich meine…einfach so?“ harkte Niklas nach. „Doch….das will ich!“ bestätigte Ben. „Aber das ist….ich meine…warum?“ harkte Niklas nach. „Nun…du sagtest doch du möchtest das Sonja einen schönen Grabstein hat, aber du hast kein Geld um ihn zu bezahlen, da du das Geld nicht verdienen kannst werde ich den Stein kaufen und ihn auf das Grab setzen lassen. Du wirst weiterhin zur Schule gehen und zu Martin und ich bringe dir das Gitarre spielen bei. Und wir sind alle glücklich und zufrieden.“ grinste Ben. Niklas sah ihn nur an. „Sie stellen den Stein bitte auf Grab Nr. 1327. Die Daten stehen dort auf dem Holzkreuz.“ forderte Ben den Steinmetz auf als er das Geld in bar auf den Tisch legte. „Selbstverständlich!“ kam sofort von dem Mann.
  • Schweigend saß Niklas neben Ben im Auto. Er schien in Gedanken versunken. „Was hast du denn?“ wollte Ben wissen. „Nichts…“ kam leise von Niklas. „Komm erzähl mir nichts. Ich kenne dich mittlerweile sehr gut. Was ist los?“ fragte er erneut. Niklas sah ihn an. „Ich weiß nicht, was ich von all dem halten soll. Erst war mein Leben die Hölle, dann war sie die Freiheit und jetzt…ich weiß nicht was alles passiert….und warum. Ich meine…ich bekomme plötzlich alles was ich mir gewünscht habe und…ich frage mich, ob es die Erfüllung dessen ist, worum ich gebeten habe, als ich noch allein auf dem Friedhof war. Als ich allein mit Sonja gesprochen habe. Es ist wie in einem Traum und ich habe große Angst aufzuwachen und dann ist alles wieder beim alten..“ erklärte Niklas. „AAUAA!“ schrie er plötzlich auf und rieb sich seinen Arm. „Hat es sich nach einem Traum angefühlt?“ grinste Ben ihn an. Niklas schüttelte den Kopf. „Nein…gar nicht…“ lachte Niklas. „Das ist wahr!! Es ist wirklich wahr! Ich könnte schreien vor Glück!“ strahlte er. „Dann tu dir keinen Zwang an. Schrei wenn du unbedingt willst“ lachte Ben. Er ließ die Fenster des Wagens runter und Niklas schrie sein Glück heraus. Viele Fußgänger drehten sich zum Mercedes um und lachten leicht. „WHOW!!!“ staunte Niklas. „Und hat es gut getan?“ wollte Ben wissen. „Jaaaaa….“ kam zufrieden von Niklas. „Fein…und wo fahren wir jetzt hin?“ fragte Ben nach. „Ich muss nach Hause…ich habe noch so viele Schularbeiten zu machen…“ gab der Junge zurück. Langsam schien er sich an das Leben zu gewöhnen. Und er hörte sich wie ein Kind in seinem Alter an. „Dann auf zur Bonrath Villa…“ nickte Ben und fuhr Niklas nach Hause. „Da bist du ja endlich…Ich habe mir schon Sorgen gemacht.“ kam maulend von Dieter, der bereits Feierabend hatte. „Entschuldige Dieter…aber Niklas und ich hatten noch etwas sehr wichtiges zu erledigen. Er musste sein Glück rausschreien und das geht hier ja nicht wirklich so.“ erklärte Ben. Niklas strahlte nur und das fiel Dieter natürlich auf. „Machst du bitte deine Hausaufgaben!“ forderte Dieter ihn auf. Niklas nickte und verschwand. „Was hast du getan? Er sieht wirklich glücklich aus.“ wollte Dieter von Ben wissen. Ben erzählte was er getan hatte und wie Niklas darauf reagierte. Dieter sah Ben besorgt an. „Ich weiß nicht…ist es nicht etwas zu viel des Guten, was derzeit auf ihn einstürzt? Ich meine…erst hatte er nichts außer Hass, dann war er ewig allein und jetzt sind alle nett zu ihm? Das must doch einen Schaden herbeiführen…“ dachte Dieter laut nach. Ben zog die Schultern hoch. „Deshalb ist jetzt auch erst einmal Schluss mit den guten Dingen bis er sich bewährt hat. Weißt du wie es in der Schule war?“ wollte Ben im Gegenzug wissen. „Nun…die Rektorin hat mich angerufen und war erstaunt, dass Niklas so gut im Unterricht mitmachte. Ein paar Jungs haben sich auch direkt mit ihm angefreundet und als er nach Hause kam, war er richtig euphorisch. Ich habe da schon meine Bedenken und Martin angerufen, doch der meint nur, dass Niklas genau solche Momente braucht um einzusehen, dass das Leben nicht nur grausam sein kann, sondern auch schöne Dinge verbirgt. Außerdem meinte Martin, dass wir ihn bestärken sollen, damit er nicht doch irgendwelche Medikamente verabreicht bekommen muss.“ gab Dieter Bericht ab. Ben nickte. „Ist es nicht zu viel, wenn er hier ist? Ich finde sicher eine andere Möglichkeit…“ bot er an. Dieter schüttelte den Kopf. „Nein…der Junge ist keine Last. Er hat heute Nacht sogar geträumt, aber es war ein schöner Traum vermute ich mal. Er hat gelacht. Lass ihn hier. Seit Hottes Tod bleibt mir nicht mehr viel zur Unterhaltung nach Dienstende. Ich weiß…Niklas ist kein Ersatz, aber ich habe jemanden zu reden und ich fühle mich gebraucht...“ bat Dieter. Ben nickte. „Geht klar..“ grinste er.

    Während Niklas sich immer mehr an sein geregeltes Leben gewöhnte und auch die Therapie mit Martin durchzog, verbrachten Semir und Ben ihren Dienst wieder im normalen Gang. „Ich sag dir…das hat Bachmeyer sich ausgedacht. Der wird diesen Deal durchziehen und wir werden ihn durchkreuzen. Wir werden uns auf diesem Parkplatz hier verstecken und dann zuschlagen. Dieser Kerl wird mich jetzt kennen lernen. Er droht mir nicht noch einmal!“ gab Semir entschlossen zurück und legte den Hörer auf. „War das dein Spitzel?“ grinste Ben und warf seine Pommestüte auf den Tisch. „Wegwerfen!!“ gab Semir sofort in einem Befehlston von sich. „Ja Papa...“ grinste Ben und tat was Semir wollte. „Du wolltest doch endlich mehr Ordnung halten, hast du gesagt, also kannst du damit auch gleich anfangen und ja…es war mein Informant. Er hat mir erzählt, dass Bachmeyer einen großen Deal plant. Rasthof Geißmühle!“ nickte Semir. „Hältst du diese Info für vertrauensvoll?“ harkte Ben nachdenklich nach. Semir sah ihn an. „Ja….absolut. Wir müssen anfangen Bachmeyer unsicher zu machen. Er hält sich doch für unantastbar und wenn wir nicht anfangen ihn leichtsinnig zu machen wer dann? Wir schaffen das!“ schwor Semir. „Ja sicher….nur wie willst du vorgehen? Willst du das halbe SEK mit zum Rasthof nehmen und dann mit einem großen Zugriff die Bande auffliegen lassen oder was?“ harkte Ben nach. „Das weiß ich noch nicht. Wir wissen das Bachmeyer mit Drogen handelt, dass er jeden ausschalten lässt, der ihm gefährlich werden kann und dass er mir gedroht hat, dass mir etwas zustößt, wenn ich nicht aufhöre ihn zu belästigen. Was ist mit dem Blut, was wir bei der Hütte gefunden haben, als Schrankmann gestorben ist? Die Ergebnisse müssten doch schon vorliegen..“ wollte Semir wissen. „Ja…das Blut gehört einem gewissen Wolf Rainer. Er ist in unserer Datenbank. Seit gut drei Jahren im Dienst von Bachmeyer als Handlanger, wenn du so willst. Er steht in Verdacht Drecksarbeit für Bachmeyer zu erledigen. Vorbestraft ist er wegen schwere Körperverletzung, Nötigung, Vergewaltigung und Drogenhandel. Leider haben wir keine Adresse von dem Herrn, aber ich denke da könnte uns Bachmeyer weiterhelfen.“ kam von Ben. Semir sah ihn mit einem quälenden Blick an. „Das kannst du vergessen. Wir machen Bachmeyer eh die Hölle heiß und wenn der Typ tatsächlich seine rechte Hand ist, dann werden wir ihn auch dort bekommen.“ gab er zurück. Ben nickte. „Stimmt auch wieder. Okay….dann werden wir uns mal auf die Falle vorbereiten. Wie willst du es genau machen?“ harkte Ben erneut nach. „Wir werden uns auf dem Rastplatz positionieren und dann darauf warten, dass der Deal startet. Sobald die Übergabe stattgefunden hat, werden wir zuschlagen, die Bande verhaften und Nordrhein-Westfalen hat einen Drogenhändler weniger.“ grinste Semir. Ben stöhnte auf. „Das wird sicher nicht so einfach sein, wie du es die vorstellst. Wann genau soll es anfangen?“ harkte er nach. „Am 17.8. also in genau einer Woche.“
  • Für Niklas verliefen die nächsten Tage in einem ungewohnten Ablauf. Er musste zur Schule, was er nach zwei Tagen doch sehr gern machte und zweimal pro Woche war die Therapie bei Martin angesagt. Nun kam der schlimmste Teil dieser Behandlung. Die Sitzung bei dem er das grausame Erlebnis schildern musste. An diesem Tag war Niklas extrem nervös, denn er wusste genau was kam. Dieter begleitete ihn und schon als sie im Wartezimmer saßen wurde Niklas blass. „Bist du okay? Sollen wir das verschieben?“ harkte Dieter besorgt nach. Niklas schüttelte den Kopf. „Ich will es endlich schaffen. Ich will es hinter mich bringen…“ gab der Junge mit fester Stimme von sich. „Du wirst es schaffen. Du hast bisher alles geschafft und das hier ist die letzte Hürde die du nehmen wirst.“ beschwor Dieter ihn. Niklas nickte. „Niklas! Kommst du bitte durch!“ kam die Stimme von Martin. Niklas und Dieter gingen in den Behandlungsraum. „Ich…ich….“ fing Niklas leise an. Martin sah ihn an. „du hast Angst?“ harkte er sofort nach. Niklas nickte. „Ich will nicht mehr daran erinnert werden. Es war der schlimmste Tag meines Lebens. Ich will es nicht noch einmal durchmachen. Ich will es nicht…“ flehte der Junge regelrecht. Martin atmete tief ein. „Niklas…ich verstehe dich sehr gut dass du nicht darüber reden willst. Wir können es noch weiter hinausschieben. Ich weiß dass du diesen Tag am liebsten vergessen willst, aber das wirst du nie können. Du musst mir nicht erzählen, was du gesehen hast. Ich will nur wissen wie du dich fühltest. Verstehst du? Du musst nicht erzählen, was du erlebt hast. Aber was du gefühlt hast. Versuche es!“ forderte Martin ihn auf. Niklas nagte an der Unterlippe und nickte nach einigen Minuten. „Ich habe mich als Versager gefühlt. Genau wie mein Vater mir das immer sagte. Ich wollte Sonja schützen vor dem was mein Vater mit ihr alles anstellte und war an diesem Tag nicht da.“ kam traurig von Niklas. Ein Zittern ging durch den Körper des Jungen und er knetete nervös die Finger. Martin packte seine Hände und hielt sie fest. „Du bist nicht allein!“ redete er auf Niklas ein. Dieser nickte. „Ich hätte ihn umbringen können. Ich hätte das Messer aus der Küche holen können und ihn die Klinge in den vom Alkohol getränkten Wanst jagen sollen!“ stieß Niklas plötzlich voller Hass aus. Dieter sah Martin erschrocken an, doch dieser hob die Hand. „Niklas…ich möchte dir etwas zeigen. Willst du deinen Hass in dir loswerden? Willst du endlich wieder sagen, dass du das Leben lebenswert findest?“ harkte Martin nach. Niklas hatte Tränen in den Augen, wie immer wenn er an diesen Tag zurück dachte. Er nickte leicht. Martin zog ihn in den Nebenraum. Dort hing ein Sandsack und genau davor wurde Niklas positioniert. „Stell dir vor, dieser Sandsack wäre dein Vater. Willst du ihm zeigen, was du von ihm hältst? Willst du ihm sagen, was mit ihm passiert wäre, wenn du pünktlich gewesen wärst?“ fragte Martin. Niklas fixierte den Sack und atmete heftig ein und aus. „Du verdammter versoffener Mistkerl!! Du hast sie umgebracht! Nur weil du Fernsehen willst! Du bist ein Mörder! Ein dreckiger feiger Mörder!!“ schrie Niklas plötzlich laut los. Die Wut die sich in ihm aufgestaut hatte kam raus. Er schlug mit seinen Fäusten in den Sandsack, schrie und fluchte was das Zeug hielt bis er weinend zusammenbrach. Martin lächelte leicht. Er hatte es erreicht. Niklas hatte seine Wut ausgebrannt. „Wie geht es dir?“ fragte er nach einer Weile. Niklas sah ihn mit seinen roten Augen an. „Ich fühle mich beschissen!“ kam von dem Jungen.

    Dieter hörte die Schreie aus dem Nebenraum und wäre am liebsten dort rein gegangen, doch Martin hatte ihn schon vorher gesagt, was er vorhatte und so wusste er natürlich was dort ablief. Doch wie Niklas schrie brach ihm fast das Herz. Den Jungen hatte er schon so tief ins Herz geschlossen, dass er ihn auf gar keinen Fall wieder hergeben würde. Das stand fest. Die Tür ging auf und die Beiden kamen zurück. „Du hast es geschafft. Du hast deine Wut verarbeitet. Die Trauer wird sicher noch sehr lange andauern, doch ich bin großer Hoffnung. Aber wir müssen noch weiter zusammen arbeiten. Du wirst noch eine lange Zeit bei mir in Behandlung sein.“ ermahnte Martin ihn. Niklas nickte. „Ich bin müde…“ gab er zu. Martin sah Dieter lächelnd an. „Geh schon mal in den Warteraum!“ bat Dieter ihn. Sie warteten bis Niklas aus dem Raum war. „Ein sehr großer Schritt den er gemacht hat. Aber er war bei den letzten Sitzungen schon gelassener als sonst. Er war nicht mehr mit Vorwürfen vollgefressen und machte sich selbst fertig.“ erklärte Martin als Niklas raus war. „Ist das gut?“ wollte Dieter wissen Martin nickte. „Du hättest sehen sollen, wie er den Sandsack bearbeitet hat. Soviel Wut in so einem zarten Jungen, habe ich selten gesehen. Er hat richtig zugeschlagen und getreten. Es war für ihn wie eine Befreiung.“ kam von Martin. „und wie geht es jetzt weiter?“ harkte Dieter nach. „Wir werden sicher noch ein paar Stunden brauchen. Aber er wird nie wirklich davon geheilt werden können. Die Wunden sind sehr tief und Seelenwunden heilen nicht. Sie können lediglich verdrängt werden. Sonja ist für ihn ja immer noch ein großer Halt und den darf er auch nicht verlieren. Das schönste wäre natürlich, wenn er jetzt noch Erfolge feiern kann. Gute Noten, Freunde oder auch eine Freundin. Ich kann mir vorstellen, dass er dann aus dem gesamten Tief heraus kommt. Allerdings wird er dann auch die Gedanken haben, ob er nicht genauso wird wie sein Vater.“ erklärte Martin. Dieter reichte ihm die Hand und verabschiedete sich. Als sie aus dem Behandlungsraum rausgingen um auch Niklas zu holen sahen sie den Jungen im Wartezimmer auf der Bank liegen. Er schlief tief und fest. Martin lächelte leicht. „Das habe ich auch noch nicht gehabt. Aber dennoch denke ich tat es ihm gut. Er wird sich nicht mehr für einen Versager halten, denn er hat es seinem Vater indirekt gezeigt.“ Martin verabschiedete Dieter erneut, der Niklas weckte. Nur wenig später fuhren die Beiden nach Hause.
  • Während Dieter und Niklas den Tag ausklingen ließen bereiteten Ben und Semir sich auf den Zugriff vor. Sie hatten sich mit dem SEK auf dem Gelände verteilt und warteten auf den richtigen Augenblick. Noch fehlte Bachmeyer den Semir unbedingt haben wollte. „Da ist er!“ stieß Ben plötzlich aus und wies in Richtung der Toiletten. Semir nickte. „Achtung..es geht los! Alles wartet auf mein Kommando!“ befahl er über Funk. Ben grinste leicht. Semir war extrem angespannt und wollte keine Fehler machen. Dann endlich war der Augenblick gekommen. Bachmeyer überreichte den Koffer mit Drogen und nahm den mit Geld entgegen. „ZUGRIFF!!“ stieß Semir aus und rannte selbst aus dem Gebüsch. Die Waffe hatte er genau wie Ben im Anschlag. „ Bachmeyer!!! Sie sind verhaftet!“ stieß Semir aus als er dann vor Bachmeyer stand. „Gerkan….!“ stieß der Drogenboss aus. In diesem einen Wort lag extrem viel Hass. „Ich sagte doch, dass ich Sie bekomme. Diesmal kann Ihr Anwalt nichts mehr machen. Er wird Sie auch nicht mehr aus dem Knast holen. Selbst wenn er ein Engel wäre...“ grinste Semir und nahm den Koffer hoch, den Bachmeyer in den Kofferraum gelegt hatte. Er öffnete ihn und schluckte schwer. In diesem Koffer lagen nur diverse Papiere. Bachmeyer lachte gehässig auf. „was haben Sie erwartet? Drogen? Gerkan…so einfach mache ich es Ihnen sicher nicht.“ verhöhnte der Verbrecher ihn. Semir sah ihn an. „Was ist das hier?“ fragte er heiser. „Ich habe eben einen Termin mit meinem Steuerberater gehabt.“ lachte Bachmeyer ihn an. Semir kniff die Augen zusammen. „Wollen Sie mich verarschen?“ fauchte er den Mann an. Bachmeyer schüttelte den Kopf. „Sie können sich gern überzeugen. In dem anderen Koffer sind lediglich Buchhaltungsunterlagen.“ Der Drogenboss grinste ihn. Semir sah etwas irritiert zu Ben, der nun mit dem zweiten Koffer ankam. Tatsächlich lange hier lediglich Unterlagen drin. „Das ist doch ein Trick!“ stieß Semir aus. „Herr Bachmeyer…Sie treffen sich immer mit Ihrem Steuerberater auf irgendeinem Rastplatz und tauschen Unterlagen aus?“ harkte Ben nun nach. „Geht leider nicht anders, denn mein Steuerberater hat immer sehr viel zu tun und fährt viel herum.“ grinste der Drogenhändler. Ben nickte leicht. Er sah Semir an. „Wir können nicht viel machen…“ gab er zu. Semir nickte, dann ging er zu Bachmeyer und brachte seinen Mund dicht an das Ohr des Mannes. „Ich kriege Sie eines Tages.“ versprach er. Bachmeyer sah ihn an. „Sie überspannen gerade den Bogen.“ warnte der Drogenboss ihn. „Semir! Ich hab hier doch was…der Koffer hat einen doppelten Boden!“ unterbrach ein Beamter die Beiden. Semir sah ihn an und grinste breit, als er sah was der Mann in den Händen hielt. „Sieh mal einer an. Das sieht aber jetzt schlecht für Sie aus, Bachmeyer.“ kam von ihm. Bachmeyer fluchte verhalten. „Sie sind verhaftet.“ gab Semir zufrieden von sich und legte Bachmeyer die Handschellen an. „Gerkan…noch haben Sie nicht gewonnen. Das Blatt kann sich sehr schnell wenden.“ warnte ihn Bachmeyer. Semir lachte verächtlich auf. „Das hörte ich ständig. Wissen Sie wie viele diese Drohung schon wahr gemacht haben? Niemand. Und Sie werden es sicher auch nicht tun.“

    Niklas und Dieter fuhren nach Hause. Dort ging der Junge direkt in sein Zimmer während Dieter die Post aus dem Kasten holte und durchblätterte. Es war nichts Besonderes dabei und so legte er sie auf die kleine Kommode. Sein Handy klingelte und er war erstaunt als er sah, wer dort anrief. Es war Kim Krüger. „Chefin?“ fragte er erstaunt. „Herr Bonrath… ich habe eine Information vom Jugendamt bezüglich Niklas bekommen. Es wäre besser, wenn Sie mit dem Jungen zu mir kommen. Es ist wirklich wichtig.“ bat Kim Krüger. „Ja natürlich! Ähm..ist es was Schlimmes? Will man mir Niklas wieder wegnehmen? Muss er doch in ein Heim?“ fragte Dieter bange. Gerade jetzt wo Niklas aufblühte sollte es wieder anders kommen? Das konnte nicht sein. Das durfte nicht sein, gingen seine Gedanken. Doch nun musste er zunächst dem Befehl folgen mit Niklas zur PAST zu fahren. Er ging ins Zimmer von Niklas wo dieser gerade seine Hausaufgaben machte. „Ich bin gleich fertig!“ verkündete der Junge und zeigte Dieter stolz die Aufgaben die er bisher gemacht hatte. „Das ist echt toll in der Schule. Ich freu mich schon auf morgen!“ strahlte er. Dieter nickte leicht. „Wir müssen noch einmal weg…“ erklärte er. Der Ton hatte sich verändert und Niklas war sehr sensibel für diese Veränderung. „Was ist?“ fragte er sofort. „Das weiß ich nicht. Ich habe nur die Order mit dir zu Frau Krüger zu kommen. Aber wenn wir dort sind, werden wir es sicher erfahren.“ lächelte Dieter nervös. Niklas schluckte. „Ich darf nicht hier bleiben oder?“ fragte er besorgt. „Niklas…ich weiß es nicht. Lass uns fahren. Aber ich verspreche dir eins…du wirst hier nicht wieder weg gehen. Das lasse ich nicht zu. Das verspreche ich dir!“ schwor Dieter und er meinte es ernst. Der Junge durfte nicht wieder verstoßen werden und das wird er mit Sicherheit nicht machen. Dieter ging in die Knie vor dem Jungen und sah ihn an. „Du glaubst mir doch oder?“ fragte er. Niklas nickte leicht. „Ich will nicht wieder weg. Ich habe Angst. Ich habe Angst dass der Traum von all dem Guten hier, vorbei ist. Ich will nicht dass er vorbei ist. Ich will es nicht...“ flehte der Junge und weinte. Dieter drückte ihn an sich. „Es wird nicht vorbei sein. Eher haue ich mit dir ab!“ knurrte er entschlossen. Er drückte den Jungen von sich weg. „Ich werde es nicht zulassen. Und nun komm.“ bat er. Niklas und er verließen das Haus mit einem mulmigen Gefühl. Niklas war jetzt schon gute drei Wochen bei Dieter und blühte jeden Tag etwas mehr auf. Sollte es nun alles vorbei sein?
  • Kim Krüger kam in das Büro von Semir und Ben. „Bachmeyer ist auf dem Weg ins Untersuchungsgefängnis. Die Anklage steht und Frau Schrankmann richtet Ihnen ihren tiefsten Dank aus. Diesmal meinte sie es ernst, das habe ich am Ton gehört. Ich habe allerdings einen Ticker bekommen. Wir müssen uns auf Konfrontation mit zwei Rockergruppen die sich Sunrider und Darkrider bereitmachen. Die beiden Rockergruppen haben Krieg angekündigt und das werden sie sicher nicht in der Stadt ausüben, denn dort haben die Kollegen bereits alles unterbunden. Noch ist nichts sicher, dennoch…auf den Patrouillen bitte aufpassen.“ erklärte sie. „Danke Chefin...reichen die Beweise gegen Bachmeyer wirklich aus? Nicht das dieser windige Anwalt eine Möglichkeit findet ihn doch noch raus zu boxen.“ wollte Semir wissen. „Das dürfte ihm schwer fallen. Die Kollegen der Drogenfahndung haben die gesamte Spedition auf den Kopf gestellt und Drogen im Wert von dreieinhalb Millionen gefunden. Damit wird er für eine ganze Weile hinter Gitter wandern. Allerdings fehlt noch die Spur von den Komplizen doch das soll nicht unsere Sache sein. Ich habe jetzt noch ein Problem mit dem Jugendamt zu lösen..“ stöhnte Kim. Ben sah sie an. „Gibt es ein Problem mit Niklas?“ fragte er sofort. „Wie man es nimmt. Ich habe dem Jugendamt erklärt, dass Niklas bei Bonrath wohnt. Aber die Dame dort findet Herrn Bonrath zu alt und will Niklas ins Heim stecken. Ich habe Martin bereits angerufen und auch Dieter und Niklas zu mir geordert. Es wäre schön, wenn Sie, Ben auch dazu kommen.“ bat Kim. Ben nickte. „Wann?“ wollte er wissen. „In einer Stunde wird die Dame hier sein…“ gab Kim bekannt. „Okay..“ Kim verschwand wieder. Ben sah Semir an. „Die wollen den Jungen doch wohl nicht echt aus dieser Idylle heraus reißen oder? Das wird der Tod von dem Jungen sein.“ stieß Ben aus. Semir nickte. „Wie willst du das verhindern? Ich kenne niemanden der beim Jugendamt irgendwas ausrichten kann.“ überlegte er laut. Ben dachte nach und grinste nach wenigen Minuten. „Du nicht…aber ich…“ stieß er aus und griff zum Telefon. „was hast du jetzt vor?“ wollte Semir wissen. „Mein Vater kennt viele Leute, warum nicht auch jemanden aus dem Jugendamt…“ grinste Ben. Semir wog den Kopf hin und her. „Stimmt… warum nicht auch jemanden vom Jugendamt…“ lachte er dann auch. „Hallo Papa…ich bins. Hör mal ich brauche deine Hilfe. Kennst du jemanden der Einfluss hat auf das Jugendamt?“ wollte Ben wissen. „Kommt darauf an, was du meinst. Wie groß soll der Einfluss sein? Ich kenne da den Peter Steinbach…das ist der Leiter des Jugendamts in Düsseldorf, wenn dir das hilft. Warum?“ harkte nun auch Konrad nach. Ben erklärte es ihm in kurzen Worten.

    Niklas und Dieter kamen an der PAST an. „Was will denn Frau Krüger?“ fragte Niklas ängstlich. „Das weiß ich nicht. Das habe ich dir sicher jetzt schon dreimal gesagt. Niklas… ich weiß es auch nicht. Wir müssen abwarten bis Frau Krüger und gesagt hat was sie will.“ stöhnte Dieter. Er verstand die Angst von Niklas und auch er hatte Angst, dass der Junge wieder weg musste. Er hatte den Jungen doch schon ins Herz geschlossen. Als sie ins Büro von Kim gerufen wurden saß dort eine ältere Frau mit randloser Brille die Niklas sofort musterte. „Herr Bonrath..setzten Sie sich bitte. Niklas..gehst du zu Ben und wartest bis wir dich rufen…?“ bat Kim den Jungen. Niklas nickte und sah Dieter an. Dieser legte ihm die Hand auf die Schultern. „Es wird alles gut, Niklas….“ redete er ihm ein. Niklas nickte erneut, doch die Augen des Jungen schrien die Angst heraus. Dieter sah die Frauen an. „Was liegt an?“ fragte er. „Nun Herr Gerkan…das ist Frau Gudrun Henkel vom Jugendamt, sie Siehat die Vormundschaft von Niklas übernommen und fordert das der Junge in ein Heim kommt.“ gab Kim von sich. „Bitte was? Niklas blüht gerade auf…er geht in die Schule und er ist ein sehr guter Schüler! Er hat heute erst eine eins in Mathe mitgebracht!“ stieß Dieter empört aus. „Herr Bonrath… es ist sehr schön, das Niklas sich wohl fühlt aber..Sie sind eindeutig zu alt einen solchen Jungen zu erziehen. Immerhin ist er in der Pubertät und das ist ein schweres Alter für den Jungen und das Verhalten wird für Sie sicher auch nicht einfacher sein. Es ist zum Besten von dem Jungen.“ lächelte Gudrun Henkel ihn an. „Für ihn ist es besser wenn er bei mir bleibt! Ich kann ihm das geben, was er braucht! Zuwendung! Verständnis! Liebe! Ich lasse ihn mir nicht wieder wegnehmen!“ schrie Dieter und schlug mit der Faust auf den Tisch. Dabei kippte das Glas mit Wasser um, was Kim der Frau eingeschenkt hatte. „Herr Bonrath!“ empörte sich die Frau. „Nix Bonrath! Ich werde Niklas nicht in ein Heim abschieben! Der Psychologe hat mir gesagt, dass er suizidgefährdet ist! Wer will ihn denn im Heim schützen? Das ist absolut undenkbar!!“ schrie Dieter weiter und wollte sich nicht beruhigen. Doch es schien Gudrun Henkel nicht wirklich zu interessieren. Sie lächelte leicht. „Ich werde den Jungen auf jeden Fall mitnehmen. Das Recht liegt auf meiner Seite und Sie werden mich sicher nicht daran hindern. Der Junge hat keine Eltern mehr und gehört in ein Heim!“ legte sie fest. „Ich habe Sie gebeten den Psychologen anzuhören und Sie haben zugestimmt! Er wird sicher gleich hier sein!“ bat Kim erneut. Henkel nickte. „Also gut…aber danach werde ich Niklas mitnehmen!“ gab sie erneut zurück. Kim sah sie an und schluckte. „das werden wir ja noch sehen…“ sagte sie kaum hörbar.
  • Niklas saß bei Ben und Semir im Büro. „Was reden die denn da? Es geht doch um mich. Warum darf ich nicht dabei sein?“ fragte er. Ben hielt seine Hand. „Du wirst es schon noch erfahren. Hat Dieter dir denn etwas sagen können?“ harkte Ben nach. Niklas schüttelte den Kopf. „Wir sollten herkommen und dann zu Frau Krüger. Mehr weiß ich nicht. Ich wurde ja eben raus geschickt.“ erklärte der Junge. Ben sah Semir an und dieser nickte. „Niklas..ich will kein Geheimnis darum machen, aber die Frau dort im Büro von der Krüger, die ist vom Jugendamt und will dich abholen.“ erklärte Ben leise. „Das habe ich auch gehört…aber warum? Ich habe doch nichts getan.“ fragte Niklas erstaunt. Ben sah ihn ernst an. „Weißt du Niklas…Dieter ist schon ein alter Mann und….die Frau dort im Zimmer bei der Krüger meint, er wäre zu alt um mit dir zu leben. Er kann nicht auf dich aufpassen und…“ erklärte Ben. Niklas riss sich los und sprang auf. „NEIN!! NEIN!! Ich will nicht von Dieter weg! Ich will nicht ins Heim!“ stieß er erschrocken aus. „Das ist doch auch noch gar nicht sicher. Niklas..beruhige dich!!“ griff Semir sofort ein und wollte sich dem Jungen in den Weg stellen, der versuchte das Büro zu verlassen. Niklas sah ihn panisch an und schlug plötzlich mit der Wut und der Angst zu. Semir war nicht darauf vorbereitet und bekam die volle Ladung ab. Der Schlag war so heftig, das Semir zu Boden ging und um Atem rang. Niklas sprang über ihn hinweg und rannte aus der PAST. Ben rannte sofort hinterher. Doch Niklas war schneller. Als Ben aus der PAST kam, war der Junge verschwunden. Ben drehte sich verzweifelt im Kreis und suchte den ganzen Parkplatz ab. „NIKLAS!!!“ schrie er laut. Es kam keine Antwort. „NIKLAS!!!“ wiederholte Ben noch einige Male. Auch Semir kam nun aus dem Gebäude. Er hielt sich die Hand vor dem Bauch. „Whow…ein verdammt harter Schlag…“ stöhnte er auf. „Verdammt Er ist weg! Semir…wir müssen ihn finden, er wird sich umbringen!“ flehte Ben sofort. „Ja sicher…das werden wir!“ nickte Semir. Er sah wie ein Wagen auf den Parkplatz fuhr. „Das ist Martin..“ meinte er und ging zum Fahrzeug. „Hallo Semir! Warum holst du mich denn hier ab?“ fragte der Psychologe grinsend. „Niklas ist weg!“ gab Semir ohne Umschweife von sich. „Was? Warum?“ kam sofort von Martin. „Er soll in ein Heim gebracht werden. Anweisung vom Jungendamt. Die nette Dame sitzt noch bei Krüger im Büro.“ erklärte Ben nun. Martin nickte. „Kim hat mir bereits am Telefon erzählt, dass das Jugendamt ihr das Sorgerecht wieder weggenommen hat und dass er ins Heim soll. Aber das werde ich ganz entschieden ablehnen. Das ist nicht der richtige Weg! Wir müssen uns aber jetzt beeilen und Niklas finden, er bringt sich um. Er ist stark gefährdet..so eine verdammte blöde Kuh macht die ganze Arbeit mit ihm kaputt!“ stieß der Psychologe aus und ging Wut entbrannt in das Büro von Kim Krüger.

    „Kim! Ich werde auf gar keinen Fall zulassen, dass Niklas ins Heim kommt! Das ist unverantwortlich und für den Jungen sogar lebensbedrohlich!“ stieß er aus ohne Gudrun Henkel zu beachten. „Martin...hallo...das ist Frau Henkel. Sie ist der Vormund und ich kann nichts dagegen tun. Das Jugendamt Düsseldorf hat die Pflege von Niklas übernommen, da er in Düsseldorf geboren ist. Mir sind die Hände gebunden.“ erklärte Kim. Martin fixierte die Frau in ihrem grauen Kostüm an. „Dann haben Sie das Leben des Jungen gerade aufs Spiel gesetzt?“ fragte er wütend. „Ich setze kein Leben aufs Spiel. Der Junge gehört in ein Heim. Er hat keine Eltern und somit auch keine andere Möglichkeit. Wir können doch hier kein Erziehungsrecht verhandeln. Die Entscheidung ist getroffen und damit basta! Holen Sie den Jungen jetzt bitte, Frau Krüger!“ forderte Gudrun Henkel auf. Martin sah Kim an. „Niklas ist soeben weg gelaufen. Ben hat ihm erklärt was passieren soll und der Junge hat die Panik bekommen und ist weg. Vielen Dank Frau Henkel. Sie haben soeben eine Arbeit von mehreren Wochen kaputt gemacht. Der Junge wird sich vermutlich umbringen. Soviel zu dem Wort, das Sie kein Leben gefährden. Beten Sie zu Gott, dass wir den Jungen wiederfinden!“ stieß Martin aus. „WAS?“ stieß Dieter aus und rannte raus. „Wir müssen ihn sofort suchen! Der Junge tut sich was an!!“ rief er dabei. Kim Krüger stand auf. „Frau Henkel! Der Junge steht ab sofort unter Polizeischutz. Er ist ein wichtiger Kronzeuge in einem Prozess und erst wenn dieser vorbei ist, kann der Junge an das Jugendamt abgegeben werden.“ erklärte sie. Gudrun Henkel sah sie an. „Wollen Sie mich jetzt verkohlen? Was denn für ein Prozess?“ harkte die Beamtin nach. Kim lächelte sie an. „Das darf ich Ihnen leider nicht sagen. Polizeigeheimnis. Und nun darf ich Sie bitten mein Büro möglichst schnell zu verlassen.“ forderte sie die Frau auf. Gudrun Henkel sah sie beleidigt an. „Damit ist der Fall noch nicht erledigt. Der Junge gehört in ein Heim und ich werde dafür sorgen, dass er dort auch hinkommt!“ fauchte sie und verließ das Büro. Martin und Kim blieben ratlos zurück. Kim sah ihn an. „Denkst du wirklich, dass er sich umbringen wird?“ fragte sie besorgt. Martin nickte. „Für Niklas bricht erneut die Welt zusammen. Er ist eh traumatisiert und nun fällt er in das Loch an dessen Rand ich ihn vor einigen Wochen noch stehen sah. Kim…wir müssen ihn finden…“ flehte Martin. Kim nickte. „Ich werde alle Streifenwagen losschicken..“ schlug sie vor. „Nein…nein…er wird denken, das die Polizei ihn jagt. Es müssen Menschen sein, denen er vertrauen kann. Keine Uniformen….das wäre das Schlimmste was es gibt.“ warnte Martin sie. „Okay…dann suchen wir ihn. Du fährst mit mir! Dieter kann mit Siggi fahren und Ben und Semir zusammen. Dann sind wir drei Suchmannschaften. Er kann ja nicht weit zu Fuß kommen.“ nickte Kim und rannte mit Martin raus.
  • Niklas rannte über den kleinen Grünstreifen an der Autobahn. Viele der Wagen hupten und warnten ihn nicht auf die Fahrbahn zu gehen. Doch das wollte er eh nicht. Warum wollte ihn keiner haben? Warum wurde ihm alles kaputt gemacht? Warum liebte ihn niemand? Alles was Ben oder Semir oder auch Dieter und Martin gesagt haben war gelogen. Sie wollten ihn auch nur loswerden. Er war nirgends willkommen. Tränen liefen ihm über das Gesicht und behinderten seine Sicht. Er musste weg von der Autobahn. Ben und Semir waren sicher schon hinter ihm her, um ihn ins Heim zu bringen. Vielleicht war es besser, wenn er tot war. Wenn er bei Sonja war. Dann würde er keine Probleme mehr haben. Dann konnte ihm niemand etwas tun. Und niemand würde ihn in ein Heim stecken. Ja….das war besser. Wenn er tot war, dann war er frei. Niklas wischte sich die Tränen weg und sah die schmale Brücker über der Autobahn. Eine Fußgängerbrücke und sehr hoch. Hoch genug um wenn man von dort sprang zu sterben. Niklas rannte über das Feld zum Aufgang und lief die Brücke hoch. „Sonja…ich weiß das du mich nun auch für einen Feigling halten wirst, aber ich will nicht in ein Heim. Ich will nicht mehr leben. Ich komme nun zu dir. Warte bitte auf mich…“ weinte er. Dann hatte er den höchsten Punkt erreicht. Als er runter schaute wurde ihm übel. Er lachte bitte auf. „Ich habe doch Höhenangst...“ erinnerte er sich. Doch dann nahm er all seinen Mut zusammen und kletterte über das Gitter. Auf einem schmalen Grad stand er nun und hielt sich krampfhaft am Gitter fest. Dass von der anderen Seite der Brücke Fußgänger kamen und ihn sahen bemerkte er nicht. Er konzentrierte sich auf seinen Sprung den er gleich machen würde. Er sah und hörte auch nicht, wie die Menschen die Polizei riefen. Niklas schloss die Augen und atmete tief ein. Warum war es so schwer, einfach los zu lassen? Warum konnte er nicht einfach fallen? Warum sollte er…. „Junge..!“ riss ihn eine Stimme aus den Gedanken. Es war eine weibliche kindlich klingende Stimme so glaubte er jedenfalls. „Sonja?“ fragte er. Doch als er die Augen öffnete sahen ihn nur die Augen einer älteren Frau an. „Was machst du denn da Junge…?“ fragte sie leise. „Ich will nicht mehr leben…niemand hat mich lieb. Niemand will mich…“ erklärte Niklas. Wieder sah er nach unten. Ihm würde übel bei der Höhe. „Das ist doch ganz sicher nicht wahr. Wie alt bist du? 12 oder 13Jahre?“ harkte die Alte nach. „Ich bin 14….“ gab Niklas zurück. „14! Du bist noch so jung. Warum willst du sterben? Hast du Krebs?“ fragte sie. Niklas schüttelte den Kopf. „Hast du einen Tumor, der immer weiter wächst?“ kam die nächste Frage. Wieder schüttelte Niklas den Kopf. „Bist du sonst irgendwie krank, dass sich das Leben nicht mehr lohnt?“ folgte von der Frau. „Nein….“ gab Niklas leise zu. „Warum willst du dann sterben?“ wollte sie wissen. „Niemand will mich. Ich war endlich glücklich und nun soll ins Heim. Ich will da nicht hin. Es ist alles so grausam. Warum hat mich keiner lieb?“ weinte Niklas. „Glaubst du wirklich, dass dich niemand lieb hat? Sind alle Menschen so herzlos zu dir?“ fragte die Frau weiter. „Nein…nicht alle. Ich habe endlich Freunde gefunden. Ich habe Glück empfunden, aber die Frau….sie sagt ich darf nicht mehr bei Dieter sein…“ erklärte Niklas weiter. „Ich verstehe…und nun willst du ihr so zeigen, dass sie dich nicht einfach wegnehmen darf. Aber Niklas…das ist nicht richtig. Kämpfe für dein Recht. Du bist doch ein guter Junge. Kämpfe dafür dass du bei deinem Dieter bleiben darfst. Aber sei nicht so feige und spring in den Tod. Denn damit ist nichts gewonnen.“ erklärte sie. Niklas sah sie an. „Woher wissen Sie meinen Namen?“ fragte er nun. „Nun…ich kenne dich schon sehr lange. Sieh mal…dein Freund kommt dort gerade an. Es ist Dieter, Martin und die Frau Krüger. Es wird alles gut, Niklas…ich wünsche dir ein schönes Leben. Komm auf die andere Seite der Brücke sonst fällst du noch.“ schlug die Frau vor. Niklas schüttelte den Kopf.

    Semir und Ben waren zum Friedhof gefahren, auch wenn es kaum denkbar war, das Niklas den Weg so schnell schaffte, aber es war möglich, dass er zum Grab seiner Schwester fahren würde. Sie hatten den Friedhof noch nicht erreicht als ein Funkspruch die Beiden erreichte. „Semir! Eben kam eine Meldung rein, das ein Junge, dessen Beschreibung auf Niklas passt, auf der Fußgängerbrücke über der A4 an der Brüstung steht und anscheinend springen will!“ hörte Ben über Funk. „Wir sind unterwegs!“ stieß er ins Mikro. Semir gab Gas. „Hoffentlich hat er Angst und springt nicht…“ stieß er ein Gebet gen Himmel. Ben nickte nur. Angespannt sah er auf die Tachoanzeige. „Gib Gas! Jede Minuten zählt!“ mahnte er seinen Partner. Es kam wirklich auf jede Minuten an. Sie erreichten die besagte Brücke innerhalb von vier Minuten. Gemeinsam mit Martin, Dieter, Siggi und Kim. „Chefin! Da oben! Oh mein Gott…“ stieß Dieter aus. Martin sah Semir und Ben an. „Ich werde versuchen mit ihm zu reden.“ Schlug er vor. Die Männer waren alle einverstanden. Martin ging auf die Brücke. Er brauchte einige Minuten bis er bei Niklas war. Gespannt sahen Semir, Ben und alle anderen in die Höhe. Wenn der Junge von dort wo er stand sprang dann konnte ihn kein Arzt auf der Welt retten. Bens Handy klingelte. „Ja`“ fragte er etwas genervt. „Dr. Peter Steinbach hier. Ihr Vater sagte mir, dass Sie ein Problem mit dem Jugendamt in Düsseldorf haben, wenn ich ihn richtig verstanden habe. Was genau ist es?“ wollte der Anrufer wissen. „Es geht um Niklas Brauer. Ihre Frau Gudrun Henkel war heute in der Wache und wollte den Jungen abholen um ihn ins Heim zu stecken.“ erklärte Ben. „Weil der Junge obdachlos ist. So steht es in den Akten. Das geht natürlich nicht..“ erklärte Steinbach. „Er ist nicht obdachlos! Er wohnt bei einem Kollegen, der bereits eigene Kinder groß gezogen hat.“ widersprach Ben. „Einen Augenblick…Frau Henkel sagte mir, dass Niklas auf der Straße lebt und dass es von Ihnen und Ihren Kollegen toleriert wird.“ Kam verwundert von Steinbach. „Herr Dr. Steinbach…der Junge ist in psychologischer Behandlung, Die Vergangenheit hat den Jungen schon kaputtgemacht und er lebte endlich auf. Jetzt aber steht er auf der Fußgängerbrücke über der A 4 die ungefähr 24 Meter hoch ist und will sich umbringen. Das ist das Werk der guten Frau Henkel. Niklas will sich umbringen, weil seine Welt ein zweites Mal einstürzt!“ erklärte Ben und sah immer wieder nach oben. Noch immer stand Niklas dort und regte sich nicht. „Herr Jäger..ich werde mich persönlich um den Fall kümmern. Sorgen Sie dafür, dass der Junge keine Dummheiten macht. Und sagen Sie ihm, dass er bei Ihrem Kollegen bleiben darf.“ gab Steinbach plötzlich von sich ohne zu erklären warum dieser Sinneswechsel kam. „Bekomme ich das schriftlich?“ fragte Ben nach. „Selbstverständlich. Reicht es Ihnen zunächst per SMS? Der Brief dürfte morgen dann im Kasten sein.“ schlug Steinbach vor. Ben bestätigte und sah Semir an. „Der Junge darf bei Dieter bleiben…“ gab er bekannt und schon kam auch die SMS. Ben rannte ebenfalls zur Brücke um Niklas die freudige Nachricht zu überbringen.
  • Martin erreichte Niklas und hörte ihn reden. Doch niemand stand bei ihm „Niklas…hörst du mich?“ fragte er deshalb. Niklas nickte. „Martin…ich will nicht ins Heim. Dort will mich doch gar keiner haben. Ich will nicht mehr leben..“ weinte Niklas. „Darf ich näher zu dir kommen?“ fragte Martin. Niklas schüttelte den Kopf. „Niklas…ich habe dich bisher nicht belogen. Vertrau mir. Wir bekommen das zusammen hin. Komm von dem Rand weg… bitte…“ redete Martin auf ihn ein. „Nein!! Ich will nicht ins Heim. Lieber sterbe ich!“ wiederholte der Junge. Martin ging dichter an ihn ran. Wenn Niklas sich jetzt losließ dann konnte er versuchen ihn noch zu packen. „Niklas...vertrau mir. Ich werde dafür sorgen, dass du nicht ins Heim kommst. Kim Krüger hat dich bereits unter Polizeischutz gestellt und Ben hat einen wichtigen Mann angerufen, der es entscheiden kann, was mit dir passiert.“ erklärte Martin ruhig. In ihm war alles gespannt. „Wie willst du das können? Warum kann ich nicht selbst entscheiden wo ich sein will?“ wollte der Junge wissen. Doch auf diese Frage wusste auch Martin keine Antwort. „Ich weiß es nicht..“ gab er zu. „Ich will bei Dieter leben...oder sterben! Eine andere Wahl gibt es nicht.“ kam von Niklas und er drehte sich etwas zu ihm um. Dabei machte er einen unbedachten Schritt auf dem schmalen Sims und stürzte. Ein Schrei kam über seine Lippen. Doch dann packte seine Hand das Gitter und er hielt sich fest. Nun kam die Angst. „Martin!! Hilfe!! Hilf mir!“ flehte er. Martin war mit einem Satz bei ihm und konnte ihn gerade packen als Niklas die Kräfte verließen. „Ich hab dich!“ erklärte er. „Bitte lass mich nicht fallen. Bitte….bitte….“ flehte Niklas. „Ich lasse dich nicht los.“ versprach Martin. Er sah die Männer unten stehen und sicher ging bei ihnen gerade das Herz in die Hose. „Ich will nicht sterben…“ weinte Niklas weiter. Nur wenig später war auch Ben da. Gemeinsam mit Martin konnte er Niklas hochziehen. Auf der sicheren Seite ließen sich alle drei auf die Straße sinken. Niklas weinte leise. „Ich will nicht ins Heim…“ fing er wieder an. „Das musst du auch nicht. Ich habe die Bestätigung das du bei Dieter bleiben darf. Niklas…mach das nie wieder…bitte…mach das nie wieder..“ stieß Ben aus. Niklas sah ihn an. „Wirklich? Ich darf wirklich bleiben?“ harkte er nach. Ben nickte nur. „NIKLAS!!“ hörte der Junge Dieter rufen, der nun auf die kleine Gruppe zu gerannt kam. Mit noch zittrigen Knien stand Niklas auf und lief ihm entgegen. Wie Vater und Sohn fielen sich die Beiden in die Arme. Dieter drückte Niklas fest an sich. „Das darfst du nie wieder tun...jage mir nie wieder so eine Angst ein....“ schimpfte Dieter, doch seine Stimme war nicht böse. Die ganze Erleichterung dass dem Jungen nichts passiert war, war deutlich zu hören.

    Nach einer Weile löste Niklas sich von Dieter und sah sich um. „Wo ist denn die alte Frau die eben noch bei mir stand?“ wollte er wissen und wischte sich die Tränen weg. Dieter sah Martin an. „Welche Frau denn?“ harkte er nach. „Sie stand neben mir und hat mit mir gesprochen. Sie wollte wissen, warum ich sterben wollte und sie wusste meinen Namen. Aber ich habe sie noch nie gesehen. Ich kannte sie nicht.“ gab Niklas zurück. Martin lächelte leicht. Er zog Ben zur Seite. „Wer war das? Hast du jemanden gesehen? Du warst doch als erster hier.“ Raunte Ben ihm zu. Martin schüttelte den Kopf. „Nein…ich habe niemanden gesehen. Aber diese Frau hat ihm vermutlich das Leben gerettet. Sie existiert vermutlich auch nur in seinen Gedanken. Vielleicht seine Oma, oder sonst etwas. Vielleicht das schlechte Gewissen oder die Angst. In einer solchen Situation, bilden sich Menschen besonders viel ein. Das ist zum Teil die Angst davor doch etwas Falsches zu machen, man nennt es auch „Schlechtes Gewissen“ oder aber er hatte wirklich einen Schutzengel und der verdient unseren ganzen Dank. Denn ohne das Eingreifen dieser Frau, wäre er vermutlich in den Tod gesprungen. Selbst wenn sie nur Einbildung war. Niklas ist stark gefährdet auch jetzt noch. Wir dürfen die Behandlung nicht abbrechen und dieser Frau vom Jugendamt werde ich ebenfalls noch Schwierigkeiten bereiten. Und zwar vom Feinsten. Die ganzen Jahre, wo Niklas geschlagen wurde haben sie nichts getan und jetzt…wo er endlich das machen darf was jedes Kind macht, wollen sie ihn zerstören. Ich werde es nicht zulassen.“ Fauchte Martin und steigerte sich in seine Wut. Ben lächelte. „Ich habe bereits alles in die Wege geleitet…“ erklärte er als sein Handy klingelte. „Das ist dieser Typ vom Jugendamt.“ Meinte er und meldete sich. „Herr Jäger…wie sieht es aus? Haben Sie den Jungen gefunden? Geht es ihm gut?“ harkte Steinbach nach. „Es ist okay…er ist okay. Aber sicher nicht wegen Ihrer netten Frau Henkel..“ meinte Ben nur. „Frau Henkel hat sich etwas über ihre Verantwortung hinweg gesetzt, aber das wird sie sicher nicht noch einmal machen. Ich habe Akten gefunden die schon sehr viel älter sind und Frau Henkel hatte vor einigen Jahren schon die Information, dass es bei den Brauer nicht mit guten Dingen zugeht erhalten. Leider hat sie nichts unternommen. Sie wird versetzt.“ erklärte Steinbach. „und was ist mit Niklas?“ harkte Ben nach. „Sie haben doch meine SMS bekommen. Es wird nichts verändert. Niklas bleibt dort wo er ist und wo er sich glücklich fühlt.“



    Fortsetzung folgt…..

    Die Geschichte von Niklas geht natürlich weiter. Danke für die Feeds und bis zur nächsten Story....die da heißt:

    „Let’s Rock auf der Autobahn“