Finn

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  • Christopher007

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  • Ein dunkler Raum, nur erhellt durch den flackernden Schein einer Kerze. Langsam tastete sich ein hagerer Mann mit entschlossenem Blick vor, presste sich immer an die Wand der Wendeltreppe entlang. Die Kerze flackerte immer wieder und wieder, war kurz davor auszugehen. Doch noch immer war der Mann entschlossen. In seiner Tasche war etwas, was ihm helfen sollte, die Bestie zu töten. Ein schneller Windzug und die Kerze flackerte ein letztes Mal, ehe die Flamme gänzlich erlosch. Er ließ den Kerzenleuchter langsam nach unten gleiten und tastete sich langsam vorwärts. Alles war angespannt. Sein ganzer Körper und sämtliche Nerven standen kurz vor dem Zerreißen. Sein Fuß bewegte sich vorwärts. Krachend polterte der metallene Leuchter die letzten Stufen nach unten. Der Mann zuckte zusammen. Das Geräusch hallte scheinbar noch Stunden nach. Als es wieder ganz still war, ging er weiter und erreichte eine spärlich beleuchtete Gruft. Da...da war er...der Ruheplatz seines Feindes. Der Mann nahm einen mit Weihwasser geweihten Pflock und einen Hammer aus seiner Tasche. Er ging auf den Sarg zu und schob vorsichtig den Deckel weg. Doch plötzlich wurde er von hinten gepackt und weggeschleudert.
    Emily schrie auf und ließ vor Schreck fast die Schüssel mit dem Popcorn fallen. Ben lachte leicht auf und nahm sie dichter in den Arm. Heute wollten die beiden Verliebten einen Filmabend machen. Da Emily noch nie Dracula gesehen hatte, wollte Ben diesen Film mit ihr ansehen. Mittlerweile zweifelte er allerdings an der Richtigkeit dieser Idee. Bisher war die Hälfte der Chips auf dem Boden gelandet und auch das Eis konnte er noch gerade noch davon abhalten, auf die Couch zu tropfen. „Schreckhaft?“, meinte er nur. „Nein...nein...gar...gar nicht...“, stotterte Emily und sah wie hypnotisiert auf den großen Flachbildschirm, wo Christopher Lee als Dracula mit Peter Cushing als Van Helsing kämpfte und verlor. Der Pflock rammte in das Herz des Vampirs. Dieser schrie in einem höllischen Ton auf, ehe ihm der Kopf von den Schultern gehauen wurde. „Wow...incredible...ein schauriger Film.“, hauchte sie und musste erst mal wieder zu Luft kommen. „So, gehen wir ins Bett. Wir müssen morgen wieder früh raus.“, meinte Ben und nahm seine Emily auf den Arm. „Was wird mit dem Chaos?“ „Das räum ich morgen weg.“, erwiderte er und küsste sie, trug sie dann ins Schlafzimmer und genoss mit ihr die Nacht.

    Ben kam müde in die PASt und wollte durch die Tür schreiten, als er diese blockiert vorfand. Was ist denn hier los?...dachte er nur und schob sich die Tür soweit frei, dass er hindurch passte. Alle Schreibtische waren verlassen. „Hallo? Keiner da...“, rief er und sah sich um. Nichts...niemand meldete sich. Er ging weiter und sah in sein Büro. Auch hier war keiner zu finden. Wo sind denn alle?...dachte er weiter und bekam ein ungutes Gefühl. Plötzlich hörte er ein Geräusch aus Kims Büro. Er ging vorsichtig hinein und erschrak, als er Kim auf dem Tisch liegen sah. Jemand nagte an ihrem Hals. Nagte? Nein...saugte. Und das war nicht jemand, das war Semir. Ben riss die Augen auf und konnte nicht glauben, was er da sah. Plötzlich blickte Kim auf und Semir drehte sich um. Ein fieses Grinsen zeichnete sich auf dem Gesicht des Deutschtürken ab. „Hallo Ben...ich hab schon auf dich gewartet.“, krächzte er und riss seinen Mund auf. Die blutig verschmierten Fangzähne wurden sichtbar und Semirs sonst so freundliche, braune Augen waren hässlich gelb und die Pupille ganz klein. Ben wollte fliehen, doch...er...er konnte sich nicht wehren. Eine unbekannte Kraft hielt ihn fest. Plötzlich spürte er die Zähne in seinen Hals eindringen und Semir lauthals lachen.
    „Nein...“, schrie er und fuhr aus dem Bett auf. Sein ganzer Körper war schweißnass. Sein Shirt und seine Shorts klebten an seinem Körper. „Hmmm Ben? Was ist los?“, fragte Emily mit verschlafener Stimme. „Nichts...nichts...schlaf weiter...ich...ich hab nur schlecht geträumt.“, erklärte er, gab ihr einen kurzen Kuss und ging ins Bad. Keuchend stützte er sich aufs Waschbecken und besah sich im Spiegel. Er beugte den Kopf nach links und besah sich seinen Hals. Er war glatt. Kein Einstich war zu sehen. Erleichtert atmete er auf, öffnete den Wasserhahn und warf sich einen Schwall ins Gesicht. Ah erfrischend...dachte er nur und trocknete mit einem Handtuch den Schweiß auf seinen nackten Hautstellen. Kurz darauf ging er wieder ins Bett und schlief den Rest der Nacht durch. „Ben...aufstehen...es ist sechs Uhr. Semir kommt in einer Stunde.“, hörte er Emily flüstern. Er merkte ihre Fingerkuppe zärtlich über die Schulter bis zum Hals streicheln. Er bekam eine Gänsehaut davon. Mit diesen Fingern konnte sie ihn wahnsinnig machen. Er lugte mit einem wachen Auge unter der Decke hervor und grinste sie an. „Du...mach das nicht. Du weißt, wie das letztens erst wieder ausgegangen ist.“ „War es nicht schön?“, fragte sie gespielt enttäuscht. „Doch...doch natürlich. Du warst wunderbar, aber...ach, was...Semir kann warten.“, grinste er und warf die Decke über Emily, zog sie ins Bett und begann den Morgen ganz intim mit ihr.

    Niels Brauner war auf dem Weg zu seiner Arbeit. Er verließ seine primitive Einraumwohnung in Köln-Chorweiler. Nach dem Prozess war ihm nichts mehr geblieben. Obwohl er freigesprochen wurde. Ihm wurde die fahrlässige Tötung eines Schülers zur Last gelegt und die Polizei meinte, genügend Beweise gegen ihn in der Hand zu haben. Doch die Verhandlung legte nahe, dass sich die Zeugen weder an ihm noch an das Auto, dessen Farbe und Marke, erinnern konnten. Polizei und Staatsanwaltschaft mussten obendrein noch die Vorwürfe von der Presse erdulden, dass sie schlampig ermittelten. Den Richtern blieb nichts anderes übrig, als Niels Brauner aus Mangeln an Beweisen gehen zu lassen. Das aber war für die Angehörigen des Schülers wie ein Schlag ins Gesicht. Die Mutter brach in Tränen aus und der Vater wollte auf ihn losgehen. Danach dachte Niels, es würde sich alles wieder geben, doch weit gefehlt. Seine Frau verließ ihn, direkt nach dem Urteilsspruch. Als nächstes wurde er in seinem Job, einem gut gehenden Autohaus gekündigt. Das Auto stammte aus dessen Bestand. Was sollte er auch machen? Die Betriebsfeier war lang und ausgiebig. Er wollte doch nur diesen neuen Wagen ausfahren. Da musste ihm der Junge hinter der Kurve über die Straße mit seinem Fahrrad fahren. Jetzt musste er in diesem Rattenloch wohnen, umgeben von stinkigen Afrikanern, Türken und anderem Gesocks. Wie gut, dass ihm noch das Geld aus seinen Aktiengeschäften blieb. Dass, das er so gut versteckt hatte und über das die Polizei nichts wusste. „Taxi...“, rief er und winkte einen der elfenbeinfarbenen Gefährte zu sich an den Bordstein. Ein junger Mann mit Sonnebrille und fein rasiertem Bärtchen rings um den Mundbereich saß am Steuer und blickte durch den Rückspiegel nach hinten. „Wo soll es hingehen?“, fragte der junge Mann. „S-Bahnstation Chorweiler bitte...“ „Geht klar...Niels Brauner...“, meinte der Fahrer. Brauner erschrak und sah kurz darauf, was auf ihn zukam.

    ...
  • Semir stieg auf die Bremse und schwang sich pfeifend aus dem BMW. Ob Ben schon so weit war?, dachte er nur und klingelte unten. Niemand öffnete. „Na dachte ich es mir doch.“, grinste Semir und griff zum Handy. „Ja doch...komme ja gleich...“, hörte er Ben nur knurren. Wobei ich die Beiden wohl wieder gestört hab?, grinste Semir und lehnte sich keck gegen seinen Wagen. Kurze Zeit später kam Ben aus dem Haus geschnellt. „Man Semir...kannst du nicht ein einziges Mal unpünktlich sein?“, fauchte der junge Hauptkommissar. „Warum? Hey, wenn du dich vergnügen willst, dann solltest du früher aufstehen. Wir haben in einer halben Stunde Dienstbeginn.“, grinste Semir nur. „Blödmann...“, zischte Ben nur und schwang sich auf den Beifahrersitz. Der Deutschtürke grinste nur und startete den Wagen. „Scheint ja, als ob das langsam ernst wird, mit dir und Emily.“ Ben nickte lächelnd und sah Semir an. „Weißt du, nach Saskias Tod und nach diesem Erlebnis mit der kleinen Italienerin, hab ich gedacht, ich könnte mich nie wieder richtig verlieben. Und ich wollte es auch nicht. Doch dann kam Emily. Und Semir, ich sag das jetzt ganz offen und ehrlich, unter Freunden, ich bin verliebt. So richtig verliebt und bin fast bereit für den nächsten Schritt.“, meinte Ben. Semir sah mit großen Augen und weit geöffnetem Mund zu seinem Partner hinüber. „Was? Ben Jäger wird sesshaft? Der Jäger legt seine Flinte aus der Hand?“ „Stichel du nur, aber ich werde ihr noch heute ein wunderbares Geschenk kaufen.“, erwiderte Ben und sah auf das kleine Foto, was er nun immer bei sich trug. Semir sah seinen Freund und Kollegen an. So glücklich war Ben schon lange nicht mehr. Und Semir gönnte es ihm von Herzen. Immerhin war Emily eine klasse Frau...intelligent, musikalisch talentiert und voller Witz und Charme. Sicherlich würde es bald eine Hochzeit geben, dachte Semir nur und merkte sich in Gedanken schon einen Smoking vor, der nicht bei der ersten festeren Berührung riss. Ein kurzer blick in den Rückspiegel und ein Taxi rauschte an ihnen vorbei. „Wow...was denn das für ein Verrückter.“, stieß Semir aus.

    „Was soll das denn?“, fauchte Ben und schaltete die Lichtanlage an. „Na, dem wollen wir aber mal das Geschäft vermasseln. Los, gib Gas...“ Semir nickte und trat das Gaspedal noch mehr durch. Doch das Taxi war nicht so einfach zu erwischen. Der Fahrer schien geübt darin zu sein, Verfolger effektiv an der weiteren Verfolgung zu behindern. „Semir, der fährt uns noch weg. Nun tu doch etwas.“, forderte Ben. „Ich mach ja schon, aber die anderen machen mir einfach keinen Platz.“, empörte sich der Deutschtürke. „Ist auch ein bisschen schwer, wenn sie in einander fahren oder sich quer stellen.“, grinste Ben. „Ich kann sie ja morgen mit deinem Wagen wieder richtig hinschieben.“, grinste Semir zurück und folgte dem Taxi, dass allerhand Chaos durch seine rücksichtslose Vorgehensweise auf der Autobahn anrichtete. „Wow...bitte nicht...“, stieß Semir aus. Das Taxi fuhr an einem Lkw vorbei und zog dann scharf vor dem Lkw wieder auf dessen Spur rüber. Der Fahrer des Lasters hupte, stieg in die Eisen und verzog das Lenkrad kräftig nach links. Der Sattelschlepper versperrte sämtliche Spuren und rammte die mittlere Leitplanke, durchbrach diese und crashte in den Gegenverkehr. „Oh Shit...“, fluchte Semir. „Cobra 11 an Zentrale...Unfall bei Kilometer 54,5...in Höhe der Abfahrt Köln-West.“, meldete Ben und sah dann wieder nach vorne. „Das blöde Ding entkommt uns noch.“, fauchte er. Semir nickte. „Es fährt die Abfahrt ab...da geht’s nur in zwei Richtungen. Entweder zum Flughafen oder zurück nach Köln, direkt zum Hauptbahnhof.“, stieß Ben aus. „Gut, dann werden wir ihn vorher abdrängen.“

    Das Taxi schnellte die Auffahrt hoch und fuhr über die Brücke Richtung Flughafen. „So, wir haben jetzt fünf Kilometer Waldstraße vor uns. Da müssen wir ihn doch abdrängen können.“, stieß Semir aus. „Dann los, alter Mann.“, grinste Ben ihn an. „Ich geb dir gleich...du kannst gerne aussteigen und hier warten, während die großen Jungs die Arbeit machen. Aber ich werde dafür nicht anhalten.“, lachte Semir und beschleunigte noch mehr. Der Motor des BMWs heulte auf und der Drehzahlmesser schoss nach oben. Das Taxi schien seine Geschwindigkeit zu halten. Der BMW kam dichter und war beinahe gleichauf. Doch als Semir rüberziehen wollte, beschleunigte der Fahrer und Semir erwischte nur das Heck. Das Taxi schlingerte und kam in einer Kurve von der Straße ab, rauschte durch die Bäume und über Sträucher hinweg, ehe es dann in eine Auftürmung von Baumstämmen krachte. „Los, den holen wir uns.“, stieß Ben aus, zückte seine Waffe und rannte den steilen Hang runter. Semir folgte ihm auf dem Fuße und beide umzingelten das Taxi. Gleichzeitig rissen sie Fahrer- und Beifahrertür auf, doch niemand saß hinter dem Steuer. „Verdammt...weg. So ein Mist.“, fluchte Ben. „Nicht ganz...da...auf der Rückbank.“ Semir deutete mit dem Finger nach hinten. Ben folgte der Bewegung und sah die blutüberströmte Rückbank und auf den blutverschmierten Körper.

    ...
  • „Ich hab ja schon von Taximorden gehört, aber nicht, dass der Fahrgast ermordet wird.“, meinte Ben und öffnete die hintere Tür, um sich die Leiche genauer anzusehen. „Mal sehen... ein Schuss in die Stirn und wahrscheinlicher Austritt hinten.“ „Oh...hast du einen Schnellkurs in Pathologie gemacht? Komm mal lieber da raus und lass das die Profis nachher machen.“, grinste Semir und klemmte schon hinter seinem Handy. „Ja Susanne...ich brauche mal bitte die KTU und den Pathologen zur Landstraße zum Flughafen Köln-Bonn...direkt vor der Abfahrt...Danke.“ Ben sah zu seinem Partner. „Aber wenigstens die Papiere darf ich ihm doch aus der Tasche ziehen, oder?“, fragte Ben mit kindlicher Stimme. Sein Partner lachte auf und warf den Kopf nach hinten. „Okay...aber nicht mehr. Die Kollegen sollen auch noch etwas Arbeit haben.“, grinste der Deutschtürke und sah sich um. Irgendwas sagte ihm, dass der Fahrer und auch der Mörder noch ganz in der Nähe war. Für Semir stand fest, dass...was war das für ein Klopfen? „Semir...das kommt aus dem Kofferraum.“, meinte Ben und kam mit den Papieren wieder aus dem hinteren Innenraum hervor. Semir nickte und nahm seine Waffe in die Hand, entsicherte sie und ließ seine andere Hand vorsichtig zum Knopf fahren. Er drückte die Entriegelung und die Luke des Kofferraums schnellte nach oben. Ein gefesselter Mann lag dort und atmete vollkommen erschöpft in den Knebel. „Sie sind der Fahrer?“, fragte Ben. Der Mann nickte kurz. „Dann kommen sie mal...wir helfen ihnen.“, kam es von Semir, der den Knebel und die Fesseln löste. Sie halfen den Mann aus seinem Gefängnis. „Können sie uns sagen, was passiert ist?“ Der Mann nickte und begann zu erzählen, während er sich die Handgelenke rieb.

    „Sieh mal an...du hast dich gar nicht verändert...“, lächelte eine Stimme und blickte auf die Gruppe am Taxi hinüber. Aus seinem Versteck konnte er alles genau sehen. „Vielleicht sollte ich die alten Kontakte mal wieder auffrischen.“, dachte die Stimme laut und blieb noch eine Weile in ihrem Versteck, während sie beobachtete, wie die kriminalistischen Spezialisten und die Techniker am Tatort eintrafen und seine „Arbeit“ begutachteten. „Das ist doch das Schöne an der Arbeit. Sie werden von so vielen bewundert.“, lachte er und machte sich daran, sein Versteck unauffällig zu verlassen. Schnell war er zur unteren Straße gelaufen und begab sich ordnungsgemäß zur nächsten Bushaltestelle. Die Waffe, seine Waffe, war sicher unter seinen vielen Kästchen, Flaschen und Stiften auf dem Boden der ledernen Tasche versteckt. Er löste eine Fahrkarte und fuhr nach Bonn, wo er am Rand eine kleine Hütte besaß. Dort konnte er in aller Ruhe seiner Arbeit und seinen Nebengeschäften nachgehen. Sein Iphone meldete sich kurze Zeit darauf. „Sie wurden mir als Problemlöser empfohlen. Bitte, ich brauche ihre Hilfe.“, las er im ersten Abschnitt einer eingetroffenen Mail. „Dann wollen wir doch mal wieder...“
    „Noch mal...sie standen am Hauptbahnhof in Köln und dann stieg ein Mann zu ihnen ins Taxi. Und dieser wollte, dass sie zum verlassenen Fabrikgelände fahren.“ Der Mann nickte und schlang gierig das Wasser hinunter, was Ben aus dem BMW geholt und dem Mann gereicht hatte. „Er...er sagte, er sei Fotograf und wollte das Gebäude dort fotografieren. Ich sagte ihm, dass es eigentlich verboten sei, weil es einsturzgefährdet ist. Aber das interessierte ihn nicht. Als...als wir dann da waren und ich das Geld von ihm kassieren wollte, hat er mir mit so einem Ding...einem Schocker...einen Schlag versetzt. Ich verlor das Bewusstsein und kam erst wieder im Kofferraum zu mir.“, erklärte der Taxifahrer. „Herr Krüger...können sie uns den Mann irgendwie beschreiben? Hat er was auffälliges getragen oder war irgendwas besonderes an ihm?“, fragte Ben den Mann. „Wenn sie eine Sonnenbrille für auffällig halten, dann ja. Und er...er hat so ein Kapuzenshirt getragen. Die Kapuze dabei tief ins Gesicht gezogen. Ach ja...und Bartstoppeln hatte er auch.“, erklärte Krüger. Semir machte sich seine Notizen und winkte dann einen Kollegen ran. „Gut...ein Kollege wird sie jetzt zum Revier mitnehmen. Da bringen sie die Aussage dann zu Papier und geben unserem Phantomzeichner die gleiche Beschreibung, die sie gerade uns gegeben haben.“ Krüger nickte. „Wann kann ich mit meinem Taxi wieder rechnen?“ „Wenn unsere KTU-Techniker es genau untersucht haben. Wir melden uns dann bei ihnen.“, verabschiedete sich Semir. „So komm...der Doc ist da. Bestimmt hat er schon einen ersten Blick auf die Leiche geworfen.“, grinste Semir. „Warum? Ich hab doch schon gesagt, wie es aussieht.“, meinte Ben nur. „Ich will es aber von einem Profi hören.“ „Von einem Profi hören...“, krächzte Ben nachäffend. Kurz darauf standen sie neben dem Taxi. „Und Doc...wie sieht’s aus?“

    „Ein Schuss durch die Stirn...eine Austrittswunde im hinteren Bereich des Schädels. Das war kein aufgesetzter Schuss.“, kam es vom Pathologen, Dr. Wegener. „Siehst du...das hab ich auch festgestellt.“, kam es sofort von Ben. „Ja...jetzt lass ihn doch mal ausreden. Er hat das schließlich studiert.“, grinste Semir und sah auf den Doktor. „Kannst du uns sagen, womit er erschossen wurde.“ Wegener drehte sich um und rückte seine Brille zurecht. „Mit einer Waffe.“, grinste er. „Ja, mit einer Nagelpistole sicher nicht...kannst du uns nicht sagen, was für eine Waffe?“ „Ohne Obduktion? Semir, ich bin Pathologe und kein Zauberer. Aber, wenn deine Techniker keine Hülse gefunden haben, wirst du schon drauf warten müssen, bis ich ihn auf dem Tisch hatte.“, meinte der Pathologe und streifte die leicht blutigen Handschuhe ab. „Ich denke, übermorgen habt ihr einen Bericht.“ Semir nickte. „Also, von der Größe der Wunde...was würdest du sagen?“, grinste er. Wegener seufzte kurz und ließ den Kopf sinken. „Na schön, du Quälgeist...von der Wunde her würde ich auf eine Pistole kleineren Kalibers tippen, aber das andere dann nach der Obduktion.“, verabschiedete sich Wegener dann.

    ...
  • „Schön...haben wir schon einen Namen unseres Durchlöcherten?“, fragte Semir und wandte sich an Ben um. „Hier...ich hab doch den Ausweis noch geholt. Niels Brauner...wohnhaft in Chorweiler.“, meinte Ben. „Gut...Susanne soll sich die Lebensgeschichte des Mannes mal ansehen, soweit vorhanden. Und wir fahren inzwischen zu seiner Wohnung. Vielleicht finden wir ja da etwas. Wurde irgendwas gestohlen von der Leiche?“ Ben sah sich um. „Nein...die Brieftasche war noch da...und der Rucksack auch. Nichts deutet auf einen Raubmord hin.“ Ben sah Semir an und verstand. „Du meinst, das war bestellte Arbeit?“ Semir nickte. „Okay...aber wo liegt das Motiv? Denn nach einem streng geheim arbeitenden Wissenschaftler sieht er mir nicht aus.“ „Das wird Susanne herausfinden. Wir fahren jetzt erst mal in die Wohnung und sehen uns da ein wenig um.“, meinte Semir und startete den leicht ramponierten BMW. „Das wird die Chefin aber gar nicht freuen.“, grinste Ben und ließ sich auf den Beifahrersitz fallen. „Ist doch nur ein leichter Kratzer. Der Motor ist doch noch drin. Nicht so, wie beim letzten Mal.“, grinste Semir, startete den Wagen und rauschte zurück auf die Autobahn, direkt nach Chorweiler.
    „Man...in diesen Drecksloch hat er gelebt?“, stieß Ben aus, als er das spärlich eingerichtete Zimmer sah. Semir nickte nur und zog sich die weißen Handschuhe über. „Dann fangen wir mal an...“ Nach einer Stunde ließen sich die beiden Kommissare auf das Sofa fallen und blickten resignierend auf den Boden. „Hier ist nichts...absolut nichts, was auf ein Leben hinweist, geschweige denn ein Motiv liefern könnte.“ Semir nickte Bens Kommentar ab. „Komm, fahren wir zurück zur PASt. Vielleicht hat Susanne schon etwas herausgefunden. Und dann ist auch schon Mittagszeit.“ „Au ja... aber lass uns erst Mittag essen. Ich hab Hunger wie ein Bär.“, lachte Ben. „Du futterst auch wie ein großer Teddy.“, stichelte Semir. „Na und? Ich halte mein Gewicht und setze es nicht sofort an.“, kam es von Ben zurück und darauf tätschelte er auf Semirs leicht gewölbten Bauch. „Hey, das sind nur Muskeln. Außerdem ist mein Frühstück noch nicht verdaut.“ „Dein Frühstück war also ein Fußball...“, lachte Ben. „Sehr witzig, der Herr...aber das sag ich dir, das Mittag zahlst du.“, knurrte Semir. „Du verstehst aber auch keinen Spaß mehr.“

    Finn von Wehrmeister saß in seiner geräumigen Blockhütte und nagte ungeduldig an seinem Pinsel, betrachtete die Leinwand und trug immer wieder mit seinem kleinen Finger etwas Farbe auf die halb ausgefüllte Grundlage. Immer wieder wanderte das geschulte Auge zu dem Korb mit der darin liegenden, gelangweilt dreinblickenden Katze hinüber. „Herr Krause...es wäre schön, wenn du wenigstens etwas anteilnehmender gucken könntest.“, forderte Finn von seinem Kater, doch der Stubentiger lag nur stumm und gelangweilt im Korb und drehte den Kopf zum Fenster. Was dachte sich dieser Mensch eigentlich, mich bei meiner Pause vom Nachttrip zu beobachten, dachte der grauweiß gefärbte Kater und legte sich demonstrativ lang in den Korb. Nur noch die Pfoten hingen über den Rand hinaus. Alles andere verschwand in den Tiefen des Korbes. „Oh...du arrogantes Katzenvieh...“, fauchte Finn verzweifelt und schmiss seine Palette und den Pinsel auf den Tisch und reinigte sich die Hände. „Bild mit Katze. Warum sich die Leute immer eine Katze auf dem Bild wünschen?“, schnaubte er verächtlich. „Hast du ein Glück, dass ich noch was anderes heute zu tun hab.“, meinte er dann und zog sich das schlapp an seinem Körper hängende Jeanshemd aus, warf es über seine Malutensilien und zog sich ein frisches, schwarzes Shirt an, das eng an seinen Oberkörper anlag. Dazu nahm er sein schwarzes Sakko und einen schwarzen Hut. „So, ich gehe jetzt...und wenn ich zurück bin, will ich keine Scherben hier vorfinden. Hast du mich verstanden?“, fragte Finn seinen Kater, der ihn nur unschuldig ansah. Was will der Mensch nur von mir?, dachte der Stubenkater. Das war nur eine Vase. „Ich sehe, wir verstehen uns. Machs gut...Futter ist im Napf.“
    Finn fuhr mit seinem Wagen auf den Parkplatz der Raststätte Eichentor. Dort sollte er Einzelheiten zu seinem nächsten Auftrag bekommen. Mit dem Auftraggeber war vereinbart, dass alle fälligen Unterlagen an einem Laternenpfahl im hinteren Teil des Parkplatzes kleben sollten. Er parkte also seinen kleinen Mini am entsprechenden Pfahl und nahm das am Fuß angeklebte Paket an sich. Komplizierter für einen Bilderauftrag geht es auch nicht, dachte Finn, warf das Ganze in seinen Wagen, legte eine Zeitung großflächig drüber und schritt auf die Raststätte zu. Er warf einen Blick auf die Uhr und stieß dabei mit einem Mann zusammen. „Hey...Augen auf, wenn sie schon über die Straße gehen.“, knurrte der Mann. „Sorry...ich...Ben? Ben...bist du das wirklich?“, kam es erstaunt von Finn. „Finn...Hey, das ist ja eine Überraschung.“, lachte Ben fröhlich und fiel dem Mann um die Arme. Semir stand etwas betreten daneben und wartete darauf, dass sie einander vorgestellt wurden.

    „Semir...das...das ist Finn von Wehrmeister, mein alter Klassenkamerad und ein guter Freund. Finn, das ist mein Kollege, Semir Gerkhan.“ „Hallo, freut mich...“, begrüßte der Mann Semir. Semir ergriff die Hand und lächelte den Mann an. „Erzähl mal...was machst du jetzt?“, fragte Ben neugierig. „Ähm...was haltet ihr davon, wenn wir das bei einem Kaffee und einem Essen besprechen? Ich finde, es redet sich dann besser.“ „Gute Idee...das wollten wir auch gerade. Ich lade dich ein.“ „Oh danke Ben...aber ich zahle immer selbst. Das weißt du doch.“, grinste Finn ihn an. „Stimmt ja...du willst in niemanden Schuld stehen. Also komm...“ Die Drei betraten kurz darauf das Restaurant und nahmen sich aus der Selbstbedienungstheke das, was sie gern mochten. Semir und Ben nahmen sich jeweils ein Schnitzel mit Pommes und einen schwarzen Kaffee, während Finn einen Kaffee und ein belegtes Brötchen kaufte. „Also Finn...erzähl doch mal, was hast du so in all den Jahren getrieben?“, fragte Ben und sah seinen verschollenen Freund an. Semir blickte abwechselnd zwischen den beiden jungen Männern hin und her. Die Narbe auf Finns Nase fiel ihm dabei sofort ins Auge. „Nun ja...ich war viel unterwegs. Du weißt ja, Reisen hat mich schon immer fasziniert. Ich war nach meinem Studium in Tibet, hab dort mit den Mönchen gearbeitet und deren zahme Tiger versorgt. Danach war ich in Australien und hab auf einer Kängurufarm gearbeitet. Dabei hab ich auch Schießen gelernt. Dann, als mein Vater krank wurde, kam ich wieder nach Deutschland zurück. Jetzt halte ich mich mit Auftragsmalerei über Wasser.“, erklärte Finn im Schnelldurchgang. „Wow...hast ja allerhand erlebt. Das mit deinem Vater hab ich gehört. Wie geht es ihm?“ „Wieder leicht besser. Wie es einem nach einem Schlaganfall schon gehen kann. Aber jetzt mal zu dir...was hast du denn so alles getrieben?“

    ...
  • „Du weißt ja...mein Vater wollte, dass ich die Firma übernehme und ich wollte immer schon für die Gerechtigkeit meinen Kopf riskieren.“, lächelte Ben. „Genau wie du damals.“, grinste er Finn an. „Ja, das hat aber nur noch auf der Schule geklappt. Draußen in der Welt musste ich erkennen, dass Recht und Gerechtigkeit zwei Paar Schuhe sind. Aber dann bist du ja ein Bulle geworden?“ Ben nickte stolz. „Nach dem, was damals mit Nadja passiert ist, hab ich mir geschworen, dass ich Polizist werde und so was verhindere.“, kam es mit ernster Stimme von Ben. Finn nickte und sah dann Semir an. „Und Sie sind also jetzt Bennis Partner? Sie haben es bestimmt nicht leicht mit dem Dickkopf oder?“ Semir grinste nur. „Manchmal muss ich ihn zurecht weisen, aber sonst ist er ein klasse Partner.“, meinte Semir nur. „Ja, das weiß ich...und ein klasse Freund.“ Ben lächelte etwas verlegen. „Ich...“, fing Finn an, als sein Handy klingelte. „Oh...ich muss los. Ähm...schreib mir mal schnell deine Nummer auf. Dann ziehen wir mal wieder um die Häuser. Hat mich gefreut...Macht’s gut...“ Finn griff sich die Karte und verließ dann das Restaurant. Kurz darauf verließen auch Semir und Ben die Raststätte und stiegen in ihren Wagen, bereit für die nächste Tour.

    „Ach man...dass ich Finn hier wiedertreffe...“, kam es nach einigen stillen Momenten von Ben. „Woher kennt ihr euch eigentlich?“, fragte Semir neugierig. „Von meinem Internat. Finn und ich waren in der gleichen Altersklasse und quasi Zimmergenossen.“ „Wieso nur quasi?“ „Nun ja...seine Eltern wohnten im Ort, aber dennoch hat er ein Zimmer im Internat gehabt. Das teilte er sich mit mir.“, erklärte Ben. „Ah so...und was ist das für eine Narbe auf seiner Nase?“ „Die...die hat er sich während einer Schlägerei geholt. Die drei schlimmsten Schläger unserer Schule haben sich einen 12jährigen vorgenommen, weil er ihnen nicht sein Essengeld geben wollte. Tja, und Finn ist dazwischengegangen und hat es mit allen dreien aufgenommen, obwohl er viel kleiner war als die Schläger. Einer hat ihm dann mit einer Glasflasche auf die Nase geschlagen. Daher diese markante Narbe.“, erzählte Ben. „Und hat er den Jungen retten können?“, fragte Semir neugierig. „Allerdings...für sein Alter damals besaß Finn Bärenkräfte, die er aber nur dann einsetzte, wenn sich Schwächere nicht wehren konnten.“, erklärte Ben. „Scheint ja jemand mit viel Gerechtigkeitssinn zu sein.“ „Oh ja....das und sein helles Köpfchen sind Finns beste Stärken.“
    „Semir, Ben...ich hab da was für euch gefunden.“, tönte Susannes Stimme auf einmal durch den Funk. „Ja Susanne... wir sind ganz Ohr.“ „Also, Niels Brauner war bis vor einem Jahr verheiratet, doch dann hat ihn seine Frau verlassen und die Scheidung eingereicht. Der Termin wäre in zwei Wochen gewesen.“, erklärte die Sekretärin per Funk. Semir sah zu Ben. „Hmmm, wie sehen denn die Vereinbarungen aus? Haben die Beiden einen Ehevertrag?“, fragte Semir. „Das muss ich noch recherchieren. Noch was... gegen Brauner lief vor elf Monaten ein Prozess wegen Totschlags. Er soll einen kleinen Jungen überfahren und dann einfach an Ort und Stelle sterben gelassen haben. Doch man konnte ihm nicht genug nachweisen und die Richter mussten ihn daraufhin freisprechen. Das Unfallfahrzeug soll wohl ein Firmenwagen aus dem Autohaus seines Schwiegervaters gewesen sein.“ „Danke Susanne...schickst du mir mal bitte die Adresse von Frau Brauner und ihrem Vater aufs Handy.“ „Klar mach ich, Ben...“ Ben sah Semir an. „Wohin zuerst?“, fragte der junge Hauptkommissar. „Zur Frau. Mich interessiert jetzt mal, wie die ehelichen Verhältnisse waren und ob es einen Ehevertrag gab. Wenn ja und die Frau wäre leer ausgegangen, dann könnte sie doch hinter dem Mord an ihrem Mann stecken.“

    Finn fuhr in seinem Mini in die Stadt und besorgte sich sämtliche Materialen, die er für den neuen Auftrag benötigte. Im Zeitungsarchiv war jede Menge über ihn zu finden. „Na sieh mal an...Klaus Freitag...endlich hab ich dich. Dann wirst du jetzt gemalt...ob du willst oder nicht.“, lächelte Finn und setzte sich an einen freien Computer im Internetcafé, um noch mehr über den Namen und den Mann herauszufinden. „Nun guck an...sehr interessant.“, murmelte er und druckte sich die Seiten aus, steckte sie in seine Jacke und bezahlte die Gebühr, die festgesetzt war. „Was macht das?“ „Fünf Stunden...pro Stunde 2,20 €...das macht dann genau 11 Euro bitte.“, meinte der Verkäufer. Finn nickte und zog seine Brieftasche aus dem Inneren des Jacketts. „Sie haben sich über Klaus Freitag, das Schwein, informiert...“, fauchte der Mann hinterm Tresen. „Wieso? Was ist mit ihm?“, fragte Finn ganz beiläufig. „Das? Das ist der schlimmste Immobilienhai von Köln. Besonders hier in Chorweiler hat er mehrere Familien auf die Straße gesetzt. Meine Oma hat hier auch gewohnt. Sie wollte einfach nur ihren ruhigen Lebensabend genießen und dieser Mistkerl hat sie mit Baulärm, nötigender Post und anderen Mitteln aus dem Haus geekelt.“, fauchte der junge Mann mit dem Spitzbart. „Und wo ist sie jetzt?“, fragte Finn. „Sie wohnt bei mir. Ich sage ihnen, würde jemand den Kerl umbringen. Niemand würde um ihn weinen.“ Finn nickte kurz. „Was wollen sie eigentlich mit den Infos? Sind sie Reporter oder Detektiv?“ „Nein, ich soll ihn malen.“, meinte Finn, zahlte dann und verschwand.

    ...

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    Liebe Leser,
    Das war der letzte Teil vor dem großen Fest. Da ich nicht weiß, wie ich bei den ganzen Familienfeiern an den Feiertagen an den PC komme, kommt der nächste Teil am Dienstag. Bis dahin wünsche ich euch ein ruhiges Fest, besinnliche Feiertage mit viel, viel Essen und vielen, vielen Geschenken ;) Lest zwischendurch etwas und feedet schön. Als Geschenk für uns Autoren ;)

    LG Christopher007
  • „Stattliche Villa.“, staunte Semir. „Ist doch nix besonderes. Da gibt es größere.“, murmelte Ben und schritt pfeifend auf den Eingang zu. „Ja, für dich vielleicht. Du wurdest ja in einem Palast auf die Welt losgelassen. Ich bin in einer kleinen Drei-Zimmer-Wohnung in Köln-Kalk aufgewachsen mit zwei weiteren Geschwistern.“, knurrte Semir. „Du hast noch einen Bruder?“, fragte Ben erstaunt. Bisher kannte er nur Kemal. „Eine Schwester...wir Jungs haben in einem Hochbett geschlafen und meine Schwester in ihrem eigenen.“, erklärte Semir. „Okay...und wo ist sie? Wieso hast du sie mir nie vorgestellt? Ist sie älter oder jünger als du?“, schoss Ben seine neugierigen Fragen ab. Semir drückte auf den Klingelknopf und grinste. „Du bist vergeben dachte ich und willst was ernstes draus machen.“ „Hey, das ist einfach reines Interesse. Also?“ Semir seufzte auf und blickte kurz nach unten. „Sie ist sieben Jahre jünger als ich. Im Gegensatz zu mir und Kemal hat sie es weit gebracht. Renan hat klassische Musik studiert und spielt jetzt in Madrid am königlichen Musikkonservatorium die erste Geige.“, erklärte Semir stolz. „Wow...und das mit so einem Bruder.“, grinste Ben und sah am Pfeiler der Torauffahrt hinauf. Eine Kamera folgte jeder Bewegung der beiden Kommissare. „Mein Vater hat das, was von seinem Lohn übrig war, in die Förderung von Renan gesteckt. Meist merkte er so nicht, wenn ich mal wieder von der Polizei nach Hause gebracht wurde. Nur meine Mutter war da hart im...“
    „Ja bitte...“, unterbrach eine krächzende Stimme Semirs Schwelgen in Erinnerungen. „Mein Name ist Gerkhan, Kripo Autobahn...wir würden gerne mit Frau Brauner reden.“ „Einen Moment...“ Im nächsten Moment tat sich mit einem Summen das Tor auf und die beiden Hauptkommissare standen in einem Garten von der dreifachen Größe eines Fußballfeldes. Sie gingen den großen Granitplattenweg hinauf zu einem Haus. Ein grimmig aussehender Mann in einem Frack stand in der Tür. „Sie wünschen bitte?“, fragte er. „Zu Frau Brauner, wenn es geht. Jäger und Gerkhan von der Kripo Autobahn.“, meinte Ben. „Haben sie eine Legitimation für diese Behauptung?“, kam es von dem Diener. Grummelnd zogen Semir und Ben ihre Ausweise und hielten sie dem Mann unter die Nase. „Ah ja...bitte...folgen sie mir in den Wintergarten.“, erwiderte der Mann mit trockener Stimme. Die Kommissare betraten das Haus und gingen hinter dem sich stocksteif bewegenden Mann her. „Frau Brauner...hier sind zwei Herren von der Kriminalpolizei...ein Herr Gerkhun...und Herr Joger.“, kam es vom Diener. „Die Namen sind Gerkhan und Jäger.“, berichtigte Semir und sah die Frau an, die in einem großen Sessel vor dem Panoramafenster saß. „Polizei? Was will denn die Polizei von mir?“

    Semir drehte sich zum Butler um. „Können wir sie bitte alleine sprechen?“, fragte der Kommissar. „Franz, lassen sie uns bitte alleine.“, forderte die Frau und stand dann auf. Der Mann im Frack verließ den Wintergarten. „Worum geht es denn nun? Bitte, ich habe gleich einen Termin mit meinem Anwalt.“, meinte Sybille Brauner. „Es geht um ihren Mann...er wurde heute morgen tot in einem Taxi aufgefunden.“, kam es von Ben. „Was? Mein...mein Mann ist tot?“, stammelte die Frau. „Es tut uns leid, aber ja. Er wurde heute morgen auf dem Weg zur Arbeit erschossen.“, erklärte Semir. „Frau Brauner, sind sie in der Lage, uns ein paar Fragen zu beantworten?“ „Ja...ja, sicher...oh Gott, ich kann es nicht fassen.“, meinte sie leise und wischte sich mit dem Handballen durch die Augenpartie. „Ihr Mann wurde vergangenes Jahr angeklagt. Können sie uns sagen, warum?“ „Mein Mann hat einen kleinen Jungen mit einem Firmenwagen unseres Autohauses überfahren. Er...er hat die Kurve mit zuviel Geschwindigkeit genommen und konnte dann nicht mehr rechtzeitig bremsen.“ „Das klingt jetzt so, als wollten sie ihn verteidigen.“, meinte Ben. Sofort drehte sich die Frau mit einem wütenden Gesicht und funkelnden Augen zum jungen Hauptkommissar um. „Nein, das will ich nicht. Dazu war sein Anwalt da und der hat seine Sache verdammt gut gemacht. Mein Mann hat mir die Tat gestanden. Deshalb hab ich ihn verlassen.“, fauchte Sybille. „Und dennoch haben sie ihn nicht verraten? Die Kollegen müssen sie doch befragt haben.“ „Ich habe ihn nicht verraten, weil er mein Mann ist...war. Ich habe ihn geliebt, doch ich konnte nicht mehr mit ihm unter einem Dach leben.“, knirschte sie. Semir nickte. „Wie sehen ihre ehelichen Vereinbarungen aus? Gibt es einen Ehevertrag?“, fragte der Deutschtürke. „Mein Mann ist vor unserer Hochzeit in das Autohaus meines Vaters als Filialleiter eingestiegen. Zu unserer Hochzeit hat er Anteil an Aktien und einen Sitz im Aufsichtsrat bekommen. Bei der Scheidung würde er alles verlieren bis auf das, was er vor unserer Hochzeit war.“ Sybilles Stimme war kalt und jagte den Kommissaren einen eiskalten Schauer über den Rücken. „Er würde also wieder zum Angestellten werden? Aber, würde ihr Vater ihn bei solchen Vorwürfen überhaupt noch beschäftigen?“
    „Nein, das würde ich nicht.“, knarrte plötzlich eine Stimme hinter den Kommissaren und Sybille laut und tief in den Wintergarten hinein. „Das ist mein Vater...Alfred Vollmer.“, klärte die Frau die beiden Hauptkommissare auf. „Sybille, was sind das für zwei Herren?“, fragte der Mann und deutete mit seinem schwarzen Gehstock drohend auf Ben und Semir. „Papa, das sind Herr Jäger und Herr Gerkhan von der Kripo Autobahn. Sie...sie...Niels ist heute morgen erschossen worden.“ „Das schadet diesem Tunichtgut gar nichts. Jetzt hat er seine gerechte Strafe erhalten.“, fauchte der Mann. „Papa...bitte...Niels hat das nicht verdient. Auch, wenn er ein Arschloch war, aber so ein Ende sollte er nicht haben.“ „Dass du immer noch seinen Namen trägst ist eine Schande. Du solltest wieder deinen alten Namen annehmen. Und das wirst du auch...“, forderte der Mann. Sie sah Semir und Ben an. „Bitte...gehen sie. Das hier ist jetzt kein guter Augenblick mehr.“, flehte sie regelrecht. Semir nickte und reichte ihr seine Karte weiter. „Wenn ihnen noch etwas einfällt, dann rufen sie mich an.“, meinte er und verließ mit Ben das Haus.

    Andrea fuhr mit dem Familienauto, ihrem blauen Skoda Kombi, die Straße hinunter und erblickte auf eine Freifläche eine Gruppe von fünf bis zehn Männern, alle um eine große, weiße Karte gerottet und mit den üblichen gelben Helmen ausgestattet. Einer stach mit einem weißen Helm aus der Menge hervor und fummelte mit seiner Hand über die Karte und deutete dann auf das Gelände. „Mama...Vorsicht....“, kam es von Ayda. Andrea blickte nach vorne und bremste ab, als sie die rote Ampel vor sich sah. „Oh...das war aber knapp.“, dachte die zweifache Mutter laut und lächelte ihre große Tochter an. „Danke mein Schatz...“, lächelte sie und strich ihrem Kind über den Kopf. Kurze Zeit darauf fuhr Andrea ihre Auffahrt hinauf und machte sich daran, die Sachen ins Haus zu räumen, als Frau Fähndrich, die Nachbarin von Gegenüber, aufgeregt die Auffahrt hinaufkam. „Frau Gerkhan...wissen sie es schon?“, stieß sie völlig aufgelöst aus.

    ...
  • „Frau Fähndrich, was ist denn los?“, wollte Andrea wissen und legte die Tüte mit den Einkäufen zurück in den Wagen. „Das habe ich gerade von unserem Briefträger bekommen. Das...das ist ein Kaufangebot von einer großen Bau- und Spekulationsfirma. Die wollen aus unserer Wohnsiedlung eine Siedlung für Millionäre machen. Mit Hotel, Golfplatz und künstlich angelegtem See. Da, wo unsere Häuser stehen, soll ein riesiger Kletterfelsen gebaut werden.“, erzählte die Frau. Andrea sah geschockt auf die Nachbarin und traute ihren Ohren nicht. Sollte das wirklich wahr sein? „Das...das kann ich nicht glauben. Moment mal...“ Andrea ging zum Briefkasten und nahm die Post raus. Tatsächlich war dort ein Brief eines Unternehmens. Und wirklich wurde den Gerkhans dort ein Kaufangebot für ihr Haus angetragen. „Das...glaube ich einfach nicht. Wir haben viel, viel Geld in das Haus gesteckt und die wollen es einfach für einen Spotpreis abkaufen oder uns einfach wegnehmen wollen.“, knurrte sie und warf das Stück Papier auf die Einkäufe und drehte sich zu Frau Fähndrich um. „Danke Frau Fähndrich...wir werden uns das nicht bieten lassen. Mein Mann und ich jedenfalls nicht.“ „Glauben sie mir, Frau Gerkhan, wir und die anderen Nachbarn auch nicht.“, fauchte die Frau und verschwand wieder. Andrea brachte die Einkäufe ins Haus, verstaute sie und beobachtete Ayda dann beim Spielen im Garten. Doch noch immer ging ihr dieser Brief nicht aus dem Kopf. Was würde die Zukunft für die kleine Familie Gerkhan bereithalten?

    „Und, was meinst du?“, fragte Semir, als er und Ben wieder auf der Autobahn unterwegs zur PASt waren. „Ich meine, sie hat was zu verbergen. Und der Vater erst einmal. Immerhin hat er gleich seinem Schwiegersohn aus der Firma geschmissen.“, stieß Ben aus. „Ja gut...aber er hatte auch einen triftigen Grund dafür. Ich frage mich, was damals bei den Ermittlungen schief gegangen ist.“, mutmaßte Semir und blickte auf die Straße. „Susanne soll sich das mal ansehen. Was machen wir in der Zwischenzeit?“, fragte Ben. „Wir...wir lassen uns die Unterlagen kommen und sehen uns das Umfeld des Opfers mal an. Vielleicht hat er noch mehr Feinde.“, meinte Semir und lenkte den Wagen auf den Parkplatz der PASt. Dieter kam gerade mit Jenny auf den Parkplatz gelaufen. „Hallo Dieter....wie geht es dir?“, fragte Semir. „Es muss ja Semir...aber er fehlt mir sehr.“ „Uns allen fehlt er Dieter...“ Ein betretendes Schweigen herrschte kurz, ehe sich die beiden Gruppen wieder trennten. „Es ist immer noch schwer für Dieter nach Hottes Tod.“ Ben nickte daraufhin. „Immerhin waren sie ihr halbes Dienstleben zusammen...und auch in der Freizeit unzertrennlich....wie ein altes Ehepaar.“, grinste Ben. „Hoffentlich werden wir mal nicht so schlimm.“, lachte Semir. „Bloß nicht...obwohl, wir sind ja fast schon auf dem Weg dort hin.“, grinste Ben. „Nu lass mal die Kirche im Dorf. Wir beide haben immerhin Familie...oder sind auf dem Weg, eine zu gründen.“ „Hey, das muss nicht gleich die ganze Station wissen.“ „Ist ja gut. Ich verrate nichts.“, grinste Semir und ging zu Susanne. „Susanne, such mir doch mal bitte die Ermittlungsakten heraus, die gegen Niels Brauner vorgelegen haben.“, bat Semir die Sekretärin. „Schon alles erledigt und liegt auf deinem Schreibtisch.“, lächelte sie. „Danke Susanne, du bist unbezahlbar.“
    Die beiden Kommissare machten sich über die Akten her. „Verdammt, der Junge war erst zwölf Jahre alt. Und dieser Mistkerl wird einfach wegen eines Verfahrensfehlers freigesprochen.“, fauchte Ben, als er die Unterlagen gelesen auf den Schreibtisch zurückwarf. Semir war nicht weniger wütend, als er die Gegenstände der damaligen KTU wieder auf den Tisch warf. „Sieh dir das an...das hätte vollkommen ausgereicht, um ihn zu verurteilen. Was war eigentlich der Grund für den Freispruch?“ „In den Akten steht, dass die Polizei das Geständnis mit Gewalt und ohne Rechtsbeistand Brauner abgerungen hat. Als das bei Gericht rauskam, war der ganze Fall vorbei und endete mit einem Freispruch.“, erklärte Ben mit zorniger Stimme. „So ein...“, stieß Semir aus, doch ehe er etwas vulgäres sagen konnte, klingelte das Telefon. „Kripo Autobahn...Gerkhan? Andrea, mein Schatz…was gibt es denn?“, fragte der Hauptkommissar mit sanfter Stimme ins Telefon. Ben lächelte und legte die Füße auf den Tisch während dieser angenehmen Unterbrechung. Er musste aber beobachten, wie sich das Gesicht seines Freundes und Kollegen mehr und mehr verfinsterte und sich eine große, tiefe Falte auf Semirs Stirn bildete. „Was wollen die? Okay...okay, ganz ruhig, mein Schatz. Ich komme sofort zu dir. Das lassen wir uns nicht bieten.“, stieß Semir aus und knallte den Hörer in die Gabel, sprang auf und rannte aus dem Büro. „Semir...hey, was ist los? Semir...“, rief Ben hinter seinen Kollegen her, bevor er ihm im Schnellschritt folgte und gerade noch rechtzeitig in den BMW springen konnte, ehe sich der Wagen mit qualmenden Reifen auf die Autobahn begab und Richtung Semirs Haus fuhr. Ben sah Semir die Wut an und schwieg lieber, als durch eine Frage die ganze Wut selbst abzubekommen. Der Deutschtürke ähnelte im Moment eher einem Druckkochtopf, der kurz vorm Platzen stand.

    Klaus Freitag stand an der Karte und zeigte auf das Grundstück, das der Familie Gerkhan gehörte. „Wie ich ihnen schon sagte, ist das hier das perfekte Gelände für unser Vorhaben. Dort kommt der Kletterfelsen hin und gleich hier vorne das großzügige Schwimmbad mit den 8 500m-Bahnen. Das wird ein gewaltiges Projekt.“, stieß er aus. „Aber warum gerade hier? Was ist so besonderes an dieser Gegend?“, wollte einer der Begleiter wissen. „Die Autobahn liegt nur drei Kilometer weg, die Stadt ist leicht erreichbar und dennoch ist es hier vollkommen ruhig. Einige hundert Meter weiter hier runter fließt schon der Rhein. Können sie sich einen besseren Standort denken? Außerdem werden die Familien hier von uns mit neuen Eigenheimen versorgt. Es ist alles legal.“, lächelte Freitag und wusste innerlich, dass es nicht so war. Er würde denen, die verkaufen wollten, Abfindungen zahlen, aber für ein neues Haus würde das nicht reichen. Eher für eine kleine, ungemütliche Wohnung in Chorweiler, in einem seiner Mietshäuser. „Und die Stadt Köln willigt ein?“, fragte der Investor. „Sicherlich...immerhin hab ich gutes Geld dafür bezahlt.“, lachte Freitag und alle stimmten in das Gelächter ein, merkten nicht, wie ein kleiner, wütender Türke auf sie zukam und sofort die Karte in tausend kleine Fetze riss.
    „Sagen sie mal, sie kleiner, türkischer Springteufel, sind sie wahnsinnig? Sie stören hier ein wichtiges Meeting. Was erlauben sie sich eigentlich?“, fauchte Klaus Freitag und sah den Mann vor ihm an. „Der Springteufel wird ihnen gleich zeigen, was er kann. Sie haben mir heute ein Kaufangebot ins Haus geschickt. Ich werde ihnen gleich sagen, ich verlasse mein Haus nicht und ihr Angebot können sie sich in ihren Hintern schieben.“, fauchte Semir den Mann regelrecht an, den er für den Chef der Gruppe hielt. Freitag lächelte ihn an und versuchte, sich aus dem Griff zu befreien, doch der Deutschtürke hielt ihn fest am Kragen gepackt. „Lassen sie mich los oder sie werden mich von meiner ungemütlichen Seite kennen lernen.“, stieß Freitag aus und griff nach Semir, dieser war aber schneller und drehte dem Mann die Arme auf den Rücken, presste dem Kerl sein angewinkeltes Bein in die Hüfte und zwang ihn so auf die Knie. „Hey, was...was soll das?“, fauchte Freitag und schrie auf. Ben grinste nur, als er die Szenerie sah. Doch plötzlich hallte ein Schuss und Freitag sackte leblos in Semirs Griff zusammen. Die Gruppe zuckte wie eine aufgescheuchte Hühnerschar zusammen. Semir und Ben warfen sich direkt hin und suchten die Gegend ab, doch niemand war zu sehen. „Verdammt, woher kam das?“, stieß Semir aus.

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    Liebe Leser und Freunde ;)
    Das soll es für dieses Jahr gewesen sein. Ich gehe gleich in den wohlverdienten Silvesterurlaub und komme am 02. Januar zurück. Bis dahin müsst ihr hier auf einen neuen Teil warten. Ich wünsche euch einen guten Rutsch, ein gutes Neues Jahr und viel Erfolg für eure Vorsätze ;) Ich selbst würde mich freuen, sehr viele Feeds lesen zu können, wenn ich wieder da bin. Bis dahin, lest schön und habt ein schönes Silvester ;)

    LG Christopher007
  • Ben sah sich um und erblickte eine schwarz vermummte Gestalt, die von einem nahen Gerüst auf die Straße sprang und wegrannte. „Da...da drüben vom Gerüst. Den schnapp ich mir.“, stieß Ben aus und rannte mit gezückter Waffe los. Die schwarz vermummte Gestalt rannte Richtung Rhein und sprang dann über eine große Hecke. Ben folgte ihr und hechtete hinterher. Die Jagd ging durch die Gärten und über die Terrassen der Leute hinweg. Immer wieder kreuzten sie die Straße. Ben hechtete über die Motorhaube eines stoppenden Fahrzeuges, das lautstark hupte und seine Fahrt daraufhin fortsetzte. Die vermummte Gestalt war schon in den nächsten Garten gesprungen und Ben hörte ein lautes Geknatter. „Der wird doch nicht etwa...“, fauchte Ben laut, doch als er um die Ecke bog, sah er schon einen jungen Mann am Boden liegen und die Gestalt auf dessen Crossmaschine aus der Auffahrt preschen. „So eine...“, stieß Ben aus, doch noch wollte er nicht aufgeben. Er hechtete weiter über die Hecken und durch die Gärten der Leute und hoffte, die Crossmaschine mit der Gestalt doch noch einholen zu können. „Du entkommst mir nicht, Freundchen...“, dachte Ben nur laut und sah sich im Laufen um. Wieder war er auf der Straße und blickte sich nach der Maschine um. Plötzlich riss er die Augen weit auf und die Arme nach oben. Ein Cabrio stoppte wenige Zentimeter vor Bens Beinen. „Wow...knapp...“, keuchte der junge Hauptkommissar und rannte auf den Fahrer zu. „Aufpassen...ich beschlagnahme ihr Fahrzeug. Polizei...ich bin in einem wichtigen Einsatz.“, stieß Ben aus, zerrte den Mann nach draußen und setzte sich dann selbst ans Steuer, brauste dann davon und suchte nach der Crossmaschine. Unverhofft tauchte dies plötzlich vor Ben auf und bog auf die Rheinstraße ein. „Ha, jetzt kriege ich dich...“, lachte er und trieb den Wagen zu Höchstleistungen an. Die Abbiegung zur Rheinstraße war nur noch wenige Meter entfernt. Doch das Glück verließ Ben. Ein Möbelwagen fuhr aus der letzten Einfahrt, versperrte langsam die Straße. Das Crossmotorrad machte einen Schlenker und verschwand hinter den Laster. „Oh Shit...“, stieß Ben aus und konnte den Wagen kaum noch abbremsen. Er verriss das Lenkrad und durchschoss die Absperrung zum Rhein. Mit einem lauten Platsch verschwand das Cabrio im Rhein und wenig später tauchte ein vollkommen durchtränkter, zorniger und vor Wut schreiender Ben aus den Fluten auf.

    Semir sah auf den toten Mann, den er vor wenigen Minuten noch so angegangen hatte. Sein Blut klebte an den Händen von den Untersuchungen. Die Kugel war direkt ins Herz eingedrungen. Ein sofortiger Tod und dennoch wollte Semir versuchen, die Blutungen irgendwie zu stoppen, doch es war hoffnungslos. Der Mann, der sein Haus kaufen wollte, starb ihm unter den Händen weg. Kurze Zeit später trafen die Kollegen ein und kümmerten sich um die Aussagen der Anwesenden. „Wie siehst du denn aus?“, stieß Semir aus, als Ben zurückkam. „Ich hab versucht, einen vermummten Fisch im Rhein zu fangen. Ging leider daneben.“, meinte Ben nur und blickte sich um, strich das Wasser so gut es ging aus seiner Jacke. „Kannst du den Kerl wenigstens beschreiben?“ Semir sah seinen Partner an und reichte ihm eine Decke aus dem BMW. „Danke...dunkle Klamotten, dunkler Helm mit dunklem Visier und dunklen Handschuhen sowie Schuhen. Also eine schwarze Gestalt...mehr nicht.“, knurrte Ben und zog sich unter der Decke die nassen Sachen aus. „Na ganz toll...okay, schauen wir uns den Toten an.“ „Sie werden gar nichts tun.“, fauchte eine Stimme im Hintergrund. Schlagartig drehten sich Ben und Semir um und erblickten den Inhaber der Stimme. Hauptkommissar Bohm stand kaugummikauend am Straßenrand, die Hände arrogant in die Hosentaschen gesteckt und kam dann auf die Beiden zu.
    „Bohm, was wollen sie denn hier?“, stieß Semir aus und wollte dem Mann die Hand reichen, zog sie dann aber zurück, als er das Blut an seinen Händen wieder bemerkte. „Das hier ist Aufgabe meines Reviers. Sie Beide haben hier nichts zu suchen. Das wissen sie auch. Was machen sie eigentlich hier?“, fauchte Bohm. „Da hinten steht mein Haus. Ich habe einen legitimen Grund, hier zu sein.“, knirschte Semir zwischen seinen Zähnen hervor. Bohm lächelte kurz. Dann gehen sie jetzt dort hin und warten auf mich. Und rühren sich nicht weg, ehe ich mit ihnen gesprochen habe.“, forderte der Mann mit arroganter Stimme und widmete sich dann den Zeugen, die sofort auf ihn wegen Semirs Auseinandersetzung mit Freitag einredeten, während sich Semir und Ben auf das Haus der Gerkhans zu bewegten. „Ein Glück, dass du noch einige Reservesachen bei mir hast.“ „Darüber bin ich auch sehr, sehr froh...HATSCHI !!!“, kam es von Ben. „Gesundheit.“, grinste Semir.

    ....
  • Andrea sah sich um, als Ben und Semir ins Haus kamen. „Ben, warst du mit deinen Sachen baden?“, fragte sie, als sie die feuchten Spuren auf dem Teppich hinter Ben sah. „Ich bin unfreiwillig in den Rhein geraten. Kann ich mich bei euch umziehen und duschen?“ „Sicher...ich leg dir deine Sachen gleich vor die Tür.“, meinte Semirs Frau und ging gleich ins Gästezimmer. „Dass Bohm die Ermittlungen führt, gefällt mir gar nicht.“, meinte Semir, als Andrea außer Hörweite war zu seinem Partner. Ben nickte. „Mir auch nicht. Sicherlich wird er dich gleich in die Mangel nehmen wegen deines Ausbruchs.“ „Was für ein Ausbruch? Was hast du denn gemacht, Semir?“, fragte Andrea und reichte Ben die Sachen weiter. „Ich hab mich mit dem angelegt, der unser Haus kaufen wollte. Kurz darauf wurde der von einer Kugel getroffen.“, erklärte Semir mit gedrückter Stimme. Andreas Augen wuchsen auf die Größe von Christbaumkugeln an. „Semir, du hast doch nicht etwa...“ „WAS DENKST DU VON MIR?“, stieß Semir so laut aus, dass Andrea und Ben sich die Ohren zuhalten mussten. „Ich habe diesem Mistkerl klargemacht, dass wir unser Haus nie verkaufen werden. Irgendjemand war noch wütender auf ihn....dieser jemand hat ihn erschossen. Ben wollte den Kerl fassen und ist dann mit einem Cabrio in den Rhein rein.“, knurrte Semir. „Ich geh dann mal duschen.“, meinte Ben und schlurfte die Treppen hinauf.
    Andrea blickte Semir wieder an. „Semir, was ist passiert?“, fragte sie sofort. „Nur das, was ich gerade sagte. Ich bin sofort her gekommen und hab den Kerl zur Rede gestellt. Und dann fiel der Schuss. Freitag ist gleich tot zusammengebrochen. Und Hauptkommissar Bohm wird mich sicher gleich befragen.“, erklärte Semir und ging ins Wohnzimmer, wo seine jüngste Tochter saß und mit ihren Bauklötzen spielte. „Hallo mein Schatz...“ „Papa...“, brabbelte das Kleinkind und streckte ihre kleinen Finger nach Semir aus, berührte ihn an seiner Nase und an den Ohren. „Semir, was wird nun?“, fragte Andrea. „Nichts wird. Wir behalten unser Haus und um diesen Bohm werde ich mich schon kümmern.“, wiegelte Semir ab, setzte sich auf den Boden und spielte mit seiner jüngsten Tochter.

    Finn sah sich das Bild an, dass er per Vorlage portraitiert hatte. Die ersten Zeichnungen sind immer das Wichtigste, hörte er die Stimme seines Kunstprofessors im Kopf sagen. Er pinnte das kleine, mit einem Kohlestift vorgefertigte Bild an den Rahmen der Leinwand und begann dann mit dem Malen. Immer wieder mixte er Farbe um Farbe, klatschte sie mit dem Pinsel hart auf die Leinwand und strich sie zart in die Richtung, in die er sie haben wollte. Langsam nahm das Bild Formen an und nach drei Stunden harte Arbeit waren Leinwand sowie Künstler vollkommen mit Farbe bedeckt. „Drei Stunden Arbeit...für so ein Schwein.“, fauchte Finn und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Herr Krause lag faul auf dem Fensterbrett und beäugte die Arbeit seines Herrchens. „Na, wie findest du es?“, wollte Finn wissen. Der Kater legte sich nur lang hin und drehte den Kopf weg. „Danke für deine Meinung...alter Kunstbanause. Aber Fresschen von mir haben wollen.“, grinste Finn und besah sich im Spiegel. „Man, man, man Finn...du alter Dreckspatz.“, tadelte er sich und musste grinsen. Sein Blick fiel nach draußen. Es dämmerte bereits. „Dann wollen wir uns doch mal für den wöchentlichen Besuch bei den Eltern fertig machen.“, murmelte er und legte seine zerschlissene, mit Farbe bekleckste Kordweste ab und sprang in die Dusche, nur um zwanzig Minuten später frisch geduscht und wie ein frisch gepelltes Ei wieder vor seinem Kater zu stehen. „Meinst, so kann ich gehen?“ Auf die Frage hin, sprang der Stubentiger vom Fensterbrett auf den Boden und schmiegte sich schnurrend an den Beinen seines Herrchens entlang. „Ich wusste, dass es dir gefällt. Und jetzt komm...in der Küche steht dein Fresschen. Ich bin bald wieder da.“, meinte er und nahm den Kater auf, brachte ihn in die Küche und verschwand dann aus dem Haus.

    Bohm kaute auf seinem Kaugummi herum und stapfte ungeduldig mit dem Fuß auf, nachdem er zwei Mal klingeln musste. „Ist ja gut...“, rief eine Stimme von drinnen und kurze Zeit später sah ihm Andrea Gerkhan ins Gesicht. „Ist ihr Mann da? Ich muss ihn sprechen?“, knurrte er und drängte sich förmlich an Andrea vorbei ins Wohnzimmer. „Bohm, was soll das?“, fauchte Semir ihn gleich an. „Das wissen sie doch. Sie haben Klaus Freitag angegriffen und das nicht nur verbal. Kommen sie mit mir.“, forderte der städtische Hauptkommissar. „Ich denke ja nicht dran. Vielleicht werden ihnen die Anzugstelzen draußen auch erzählt haben, dass er mich als erstes angegriffen hat. Ich habe ihn nur in Polizeigriff genommen und dann wurde er von vorne erschossen.“, protestierte Semir energisch. Das schien Bohm aber nicht zu interessieren. „Entweder sie kommen freiwillig mit oder ich rufe die Kollegen rein. Dann kann ihre Frau dabei zusehen, wie sie abgeführt werden.“, stieß Bohm laut aus. „Machen sie, was sie wollen. Ich rufe jetzt Frau Krüger an und dann werden wir ja sehen, was sie noch tun werden.“, fauchte Semir und zückte sein Handy hervor. Bohm kochte vor Wut, doch mit dem Autobahnkommissar wollte er sich nicht offen anlegen. Die Momentbeweise reichten für eine Vorladung. Da würde auch Kim Krüger nichts dran ändern. „Na gut...tun sie das.“, zischte es zwischen den Zähnen des Mannes hervor. Semir grinste kurz und wählte seine Chefin an, erzählte ihr den ganzen Vorfall und wartete dann, bis Kim vor der Tür stand. Ben war inzwischen aus der Dusche gekommen und blickte Bohm mit einem finsteren Gesicht an. Zu schlecht waren die Erinnerungen an ihre erste Begegnung. Andrea sah die drei Männer nur an und ging dann mit Lilli nach oben. Es war Zeit fürs Bett. Bohm sah ihr kurz nach, fixierte dann aber sofort wieder Semir. „Was haben sie eigentlich mit Herrn Freitag zu tun?“ „Er wollte mein Haus kaufen. Ich habe ihm deutlich gemacht, dass er sich seinen Scheck unter den Arm stecken soll.“
    Kim kam kurz darauf und brachte Ordnung in das Chaos. „Herr Bohm, mein Kommissar wird ihnen morgen für eine ausführliche Befragung zur Verfügung stehen. Diese wird bei mir im Büro stattfinden. Sie werden ihm ihre Fragen stellen und dann ermitteln. Mehr nicht, ist das klar?“ Bohm nickte und verließ dann das Haus. „Semir, was ist passiert? Bitte die Kurzfassung. Ich bin müde.“, knurrte Kim und rieb sich über das Gesicht. Semir nickte und brachte wirklich die Kurzfassung. „Okay...ich werde sehen, dass wir Einblick in die Akten erhalten. Irgendwie ist dieser Fall doch ähnlich gelagert, wie unserer. Gut, wie sieht es aus? Haben sie schon was brauchbares?“, wollte Kim wissen. „Bisher wissen wir nur, dass es scheinbar nicht um Geld gehen konnte. Seine Frau meinte, er wäre bei einer Scheidung leer ausgegangen. Aber der Vater hätte ein Motiv.“, meinte Ben und sah Semir an. Dieser nickte und fuhr fort. „Scheinbar hat der Schwiegersohn beziehungsweise der Prozess gegen ihn dem Ruf des Autohauses sehr geschadet. Er könnte durchaus dahinter stecken.“ Kim nickte. „Gut. Fangen sie morgen unter diesem Aspekt an. Ich bin sicher, die Gerichtsmedizin hat dann auch schon Erkenntnisse für sie. Wir sehen uns morgen.“, verabschiedete sich Kim und verließ das Gerkhansche Haus. Ben folgte ihr wenige Minuten später und nun waren Semir und Andrea allein. „Weißt du, wir sollten uns jetzt nach oben begeben und unser Bett aufsuchen. Da wartet etwas ganz tolles auf dich.“, flüsterte Andrea ihm zu. Sofort war Semirs Neugier geweckt. „So, was denn?“, fragte er sofort. „Lass dich überraschen.“, grinste Andrea frech und zog ihren Mann mit sich die Treppe hinauf.

    ...
  • Ben fuhr mit einem Taxi zu seiner Wohnung. Auf dem Weg dorthin kam er an einem Schmuckladen vorbei, der noch geöffnet war. „Halten sie bitte hier. Ich gehe den Rest zu Fuß.“, stieß er sofort aus. „Sind se sicher? Es sind gut und gerne noch fünf Kilometer bis zum Ziel.“, meinte der Taxifahrer, setzte aber dennoch den Blinker. „Das schaffe ich schon. Hier ist ihr Geld.“, erwiderte Ben, zog einen Zwanziger und stieg aus. Das Taxi fuhr wieder an und war kurz darauf verschwunden. Ben rannte über den Fußgängerweg und riss die Ladentür auf. Eine erschrockene Verkäuferin blickte ihn an. „Sind sie wahnsinnig?“, stieß sie luftschnappend aus. „Entschuldigen sie, aber ich suche dringend etwas für meine Freundin. Haben sie vielleicht ein schönes Armband mit Gravurfläche?“, fragte Ben und sah sich die Schaukästen an. Langsam atmete die Verkäuferin aus und blickte den jungen Mann an. „Was...was für einen Anlass denn?“, fragte sie und entspannte sich sichtlich. „Das Armband? Für keinen Anlass...aber ich bräuchte noch einen Verlobungsring. Was können sie mir da zeigen?“, fragte Ben erneut und strich seine Jacke zurück. Die Waffe wurde sichtbar. Sofort zuckte die junge Verkäuferin zurück und hob die Hände hoch. „Bitte...tun sie mir nichts. Nehmen sie das Geld, aber tun sie mir nichts.“, flehte die junge Frau. Ben sah sie verwundert. „Moooooment mal, ich bin von der Polizei. Hier...mein Ausweis...“ Er schob seinen Dienstausweis über den Tresen. Sie blickte kurz drauf und ließ die Hände wieder sinken. „Ich dachte schon...wegen der Waffe.“, lächelte sie und holte eine Schublade hervor. „Was hat ihre Freundin für eine Knöchelumfang?“, fragte sie. Ben schluckte. Wenn er sich Emilys Hände in Erinnerung rief, waren sie eher zierlich. Aber was für ein Umfang hatte ihr Ringfinger? „Da bin ich überfragt.“, meinte er nur kurz. „Gut, sehen wir erst nach den Armbändern und mit dem Verlobungsring schauen wir dann.“, lächelte die Verkäuferin. Ben war einverstanden und ließ sich mehrere Armbänder zeigen. Erst das fünfte und das schönste nahm er und verschob den Ringkauf auf ein nächstes Mal.

    Am nächsten Morgen trafen sich Ben und Semir vor der Pathologie. „Hey Ben...und, hast du noch ein Geschenk bekommen?“, fragte Semir grinsend. „Jap, hab ich und ich werde Emily es heute Abend geben. Sag mal, hast du eine Ahnung, wie dick ihr Ringfinger ist?“, wollte er daraufhin wissen. Semir sah seinen Partner etwas verstört an. „Wieso willst du...du willst ihr einen Verlobungsring kaufen?“, stieß der Deutschtürke freudig aus. „Pssst...das muss ja nicht gleich ganz Köln wissen. Ja, will ich...und das so bald wie möglich. Immerhin werde ich bald 33 und dann ist es nicht mehr weit bis zur 35. Also davor möchte ich schon gerne heiraten und Kinder haben.“, sinnierte Ben vor sich hin. „So, so...du hörst also die biologische Uhr ticken.“, grinste Semir. „Vielleicht...“, kam es nachdenklich von Ben. „Na komm...jetzt lösen wir den Fall und dann kümmern wir uns um deine Verlobung.“, grinste Semir und hielt Ben die Tür zur Pathologie auf.
    Dr. Wegener sah auf. „Ah Hallo, da seid ihr ja...ich habe schon was für euch.“, meinte er und rollte auf seinem Drehhocker durch den Raum zum ersten Tisch hin, hob das Tuch hoch und gab den Blick auf Klaus Freitag frei. „Dieser Mann hätte es nicht mehr lange gemacht.“, meinte er sofort und wollte eigentlich fortfahren, als Semir ihn unterbrach. „Eigentlich sind wir wegen Niels Brauner gekommen.“, erklärte er. Wegener blickte den kleinen Hauptkommissar an. „Okay, aber wollt ihr es dennoch wissen? Betrachtet es als Gratiszugabe.“, grinste Wegener nur und schob das Tuch zurück. „Okay...du wirst es uns ja sicherlich sowieso erzählen.“, meinte Semir. „Der Typ hier hatte golfballgroße Magengeschwüre an den Innenwänden. Irgendwann wäre eins oder sogar mehrere geplatzt und das hätte schwere innere Blutungen verursacht, die wahrscheinlich nicht zu stoppen gewesen wären.“, erklärte der Pathologe. „Aber gestorben ist er an der Kugel. Somit war das vorauseilendes Schicksal.“, grinste Ben. „Die Kugel ging mitten durch sein Herz. Ich hab das Projektil entfernt und gleich zur KTU verschickt. Übrigens sieht sie der Kugel von Niels Brauner verdammt ähnlich. Würde mich nicht wundern, wenn es aus derselben Waffe stammt.“, meinte Wegener. „Gut...was kannst du uns denn über Brauner sagen?“, fragte Semir dann. „Eigentlich nicht viel. Er war gesund, durchtrainiert und stand in den besten Jahren, wäre ihm die Kugel nicht dazwischen gekommen. Die drang übrigens über dem Nasenbein in den Kopf ein, durchdrang das Hirn und trat in der hinteren Kopfmitte wieder aus. Wer so schießen kann, der muss eine sehr ruhige, eiskalte Hand haben.“, erklärte Wegener. Semir nickte und sah Ben an. „Sonst hast du nichts?“, fragte dieser. „Leider nein...seine Sachen und die Kugel sind, wie schon gesagt, in der KTU.“ „Gut...dann gib uns den Bericht und den von Freitag schick uns zu. Wir sehen uns.“, verabschiedete sich Semir und zog Ben mit sich. „Okay...jetzt muss ich mich vor der Chefin und diesem Wichtigtuer Bohm erklären. Fahr du doch mal zur Firma von diesem Freitag und sieh dich da ein bisschen um.“, schlug Semir vor. Ben nickte und setzte sich gleich in den Wagen hinein. Kurz darauf war er auf dem Weg in die Stadt, während Semir zur PASt fuhr, um sich zu rechtfertigen.

    Ben kam an einer großzügig gebauten Villa an. Hier war also das Büro von Klaus Freitag. Dann mal los, dachte Ben nur und klingelte. Im Haus rührte sich niemand. „Was soll das denn?“, fragte Ben und klingelte erneut. Doch wieder meldete sich niemand. „So was...keine Arbeitsmoral mehr.“, grinste er und drehte sich nach allen Seiten um. Dann halt über den Zaun und selbst nachsehen, dachte er, nachdem er vergeblich am Tor gerüttelt hatte. Niemand war zu sehen. Doch hier war ihm sein Vorhaben zu auffällig. Ben suchte sich einen geeigneteren und abgeschiedeneren Ort, schwang sich auf einen Baumstumpf und dann mit einem Satz über den Zaun. Ratsch...ertönte es laut und schien durch die Gegend zu hallen. Ben sah sich erschrocken um und blickte dann kurz zu seinem Schritt runter. Ein großer, langer Riss gab Einblick auf seine schwarzen Unterhosen. „Na toll...so eine Scheiße aber auch...“, fluchte Ben und ließ sich auf die Erde fallen. Zeit zum Begutachten der zerrissenen Beinkleider blieb ihm aber nicht. Jetzt wollte er erst mal ungesehen ins Haus kommen, ehe die Nachbarn sein Treiben auf dem Grundstück missinterpretierten. Er schlich zur Terrasse und warf einen Blick hinein. Papiere lagen wild zerstreut auf dem Boden und hinter einem Schreibtisch konnte er ein paar Beine hervorlugen sehen. Verdammt...hier war jemand vor ihm da. Schnell zückte er die Waffe und ließ seine Hand langsam zum Türgriff gleiten. Vorsichtig drückte er die Klinke nach unten und zwängte sich durch den engen Spalt, die Waffe immer weit ins Zimmer hineinhaltend. Er blickte um den Schreibtisch herum und sah eine gefesselte und geknebelte Frau. Als sie Ben bemerkte wollte sie sich bemerkbar machen, doch der junge Hauptkommissar hielt einen Finger vor seine Lippen und verbot ihr jegliche Form der Kommunikation. Langsam erhob er sich und folgte den Geräuschen ins Nachbarzimmer.

    ...
  • „Wo sind die verdammten Unterlagen?“, fauchte eine Stimme und riss sämtliche Ordner aus dem Regal. Ben presste sich gegen den Türrahmen und umklammerte seine Waffe. Einige Male atmete er tief ein und wieder aus. Dann nahm er seine ganze Energie zusammen, rannte in den Raum und presste dem Mann die Waffe ins Genick. „Das reicht...genug Unordnung gemacht. Polizei...sofort die Hände hinter den Kopf und keine schnelle Bewegung.“, fauchte Ben den Mann an, der ihn um einen guten Kopf überragte. Der Hüne hob die Hände und verschränkte sie hinter seinem Kopf. „So ist es gut...was haben sie hier gesucht?“, fragte Ben, zückte seine Handschellen und ließ sie um das erste Handgelenk des Einbrechers einrasten. Dann aber erwachte dieser aus seiner Starre, drehte sich blitzschnell um und schlug dem Kommissar die Waffe aus der Hand. Ben wusste kaum, wie ihm geschah. Schon kam die nächste Attacke und ein betäubender Schmerz machte sich in Bens Gesicht breit. Der junge Hauptkommissar spürte, wie Blut aus seiner Nase floss. Doch er ließ sich davon nicht beirren. Er hob seine Arme, ging in Abwehrstellung, doch schon kam der erste Schlag. Der junge Hauptkommissar brauchte seine ganze Kraft, um den Schlag abzuwehren. Der Hüne drückte mit aller Kraft dagegen und holte mit der anderen Faust zu einem zweiten Schlag aus. Dem konnte Ben nicht ausweichen. Wie ein Dampfhammer bohrte sich die Faust in seine Magengrube. Ben spannte noch die Muskeln an, die Luft blieb ihm dennoch weg. Für einen Moment war er bewegungs- und regungslos. Ben sah seinen Gegner an, sammelte seine ganze Kraft und trat mit einer Kickbewegung seines Beines dem Schrank in die Weichteile. Der Mann jaulte auf und ging in die Knie, ehe Ben mit beiden Händen gegen das Kinn schlug. Wie ein gefällter Baum ging der Eindringling der Länge nach zu Boden. „So...“, keuchte der junge Hauptkommissar. „Jetzt hältst du wenigstens still, wenn ich dich ruhigstelle.“ Ben legte dem Mann die Handschellen an, wischte sich dann das Blut ab und nahm seine Waffe. Dann ging er zur durch den Knebel schreienden Sekretärin. „Alles in Ordnung mit ihnen?“

    Annika Kubsch atmete tief durch, als sie das Tuch aus ihrem Mund los war. „Da...Danke...“, keuchte sie und merkte , wie der Druck an den Gelenken nachließ. Langsam wurde sie hochgezogen und ließ sich auf den Stuhl fallen. Ben sah sie an. „Was wollte der Kerl von ihnen? Wer ist das überhaupt?“, fragte er und reichte ihr ein Glas Wasser. Dankend nahm sie es und leerte es in einem Zuge. „Ich bin Ben Jäger von der Autobahnpolizei. Können sie mir meine Fragen beantworten?“, stellte er sich vor. Annika blickte ihn an und nickte dann kurz. „Das ist Manfred Grauer. Er...er besaß hohe Schulden bei Herrn Freitag und wollte seine Schuldscheine zurückhaben. Stimmt es? Ich meine, dass Herr Freitag gestern...erschossen wurde?“, fragte sie und blickte Ben an. „Allerdings...ich war dabei. Tut mir leid, dass sie es von ihm erfahren mussten.“, meinte Ben und deutete auf den gefesselten Hünen am Boden. „Dann stimmt es also...ich bin dann wohl arbeitslos.“, keuchte sie und schon sammelten sich Tränen in ihren Augen. „Ich schicke ihnen ein paar Kollegen der KTU. Können sie solange hier bleiben?“, fragte Ben und blickte sie an. „Bitte...lassen sie mich jetzt nicht alleine. Ich...ich will hier nicht alleine bleiben. Da draußen sind noch mehr von diesen Verrückten und alle hatten Schulden bei meinem Chef oder waren mit den Zahlungen im Rückstand.“, stieß sie ängstlich aus. „Okay, ich werde ein paar Kollegen anrufen und sie her beordern. Solange bleibe ich hier.“, erwiderte Ben und tätigte den nötigen Anruf. Kurze Zeit später kamen die Kollegen und auch Hartmut und seine Leute. „Hallo Rotschopf...nimm hier alles auseinander und schick mir die interessantesten Unterlagen. Ich kümmere mich um den hier.“, meinte Ben und hob Manfred Grauer hoch, zog diesen aus der Tür und stieß ihn auf Jenny und Dieter zu. „Bringt ihr den bitte aufs Revier. Ich komme gleich nach.“, meinte Ben. „Wo willst du denn hin?“, fragte die junge Polizistin. „Eine andere Hose anziehen.“, grummelte Ben vor sich her, während er ins Auto stieg und abfuhr.

    Semir schnaufte kurz auf und ließ sich in seinen Sessel fallen. Endlich war das auch vorbei, dachte er nur und blickte verloren an die Decke. Mehr als zwei Stunden verhörte ihn dieser...dieser Möchtegern von einem Hauptkommissar. Natürlich war auch die Schrankmann dabei. Warum auch nicht? Immerhin konnte sie ihm so eins auswischen, wenn es stimmte. Und es stimmte ja, dass Freitag Semirs Haus kaufen wollte. Es stimmte auch, dass Semir ihm körperlich ans Leder wollte. Letztendlich mussten sich Bohm und Schranke mit seiner Aussage zufrieden geben, da der Schuss unmöglich aus Semirs Waffe stammen konnte. „Hey Träumer...“ Ben kam ins Büro und schlug kurz gegen die Rückenlehne von Semirs Sessel. „Hey...hattest du vorhin nicht eine andere Hose an?“ „Schon, aber meine blaue Jeans fiel einem kleinen Attentat zum Opfer.“, meinte Ben mit leicht hustender Stimme. „Du bist im Haus hängen geblieben, oder?“, grinste Semir. Ben sagte nichts und setzte sich an seinen Schreibtisch. Erst jetzt erblickte Semir die rote Nase und das getrocknete Blut an Bens Lippe. „Du bist nicht nur am Zaun hängen geblieben, oder?“ „Nein...ein Riesentyp hat versucht, mich auf die Bretter zu schicken, als ich ihn davon abhielt, seinen Schuldschein zu finden.“, erklärte Ben und nahm ein Feuchttuch aus der Schublade, um sich das Blut abzuwischen. „Du hast ihn doch erwischt, oder?“, wollte Semir wissen. „Sitzt im Verhörraum 1. War ziemlich schwer, ihn zu erwischen.“, kam von Ben. „Gut, dann nehmen wir ihn uns erst mal vor.“, meinte Semir. Ben nickte und beide gingen den Flur zu den Verhörräumen entlang. Doch dann tauchte jemand in der PASt auf, den weder Semir noch Ben erwartet hatten.

    ...
  • „Finn, was machst du denn hier?“, fragte Ben und ging auf seinen Freund zu. „Ich...ich wollte mal sehen, wo du arbeitest.“, grinste der junge Mann und sah sich um. „Und eigentlich wollte ich dich mit deinem Partner heute Abend zum Essen einladen. Aber irgendwie funktioniert dein Handy nicht.“, meinte Finn dann. Ben fasste verwundert in die Tasche. In dem Büro vorhin hatte er den Hausapparat benutzt. „So eine Scheiße...dieser Typ hat mein Handy zerstört.“, fauchte Ben los und sah sich um. „Hast du dich wieder geprügelt?“, grinste Finn seinen ehemaligen Klassenkameraden an. „Nicht freiwillig. Semir...Finn will uns heute Abend zum Essen zu sich einladen. Hast du Zeit?“, fragte Ben seinen Kollegen. Der Angesprochene kam einige Schritte zurück und überlegte sichtlich. „Heute Abend? Ja, das geht, denke ich. Ich ruf nur Andrea an und gebe ihr Bescheid, dass ich heute Abend spät nach Hause komme.“ „Dann werde ich Emily auch Bescheid sagen.“ Finn sah Beide an. „Ben, ich wusste gar nicht, dass du eine Freundin hast. Warum bringt ihr eure Frauen denn nicht mit? Ich koche sehr gut und mein Haus ist groß genug, dass alle darin Platz haben.“, schlug der Mann mit der markanten Narbe und dem freundlichen Gesicht vor. „Gerne...so gegen sieben?“ „Sagen wir lieber halb acht. Ich kenne ja deine Pünktlichkeit.“, grinste Finn. „Kannst du mir noch eine Karte von dir geben? Ich hab glaub ich deine Nummer nicht mehr.“, bat er. Ben nickte, reichte eine Karte an Finn weiter. Dieser nickte dankend und verabschiedete sich dann, nicht ohne Susanne einen zwinkernden Blick zuzuwerfen. „Also haben wir heute Abend ein Date mit deinem ehemaligen Zimmergenossen.“, lächelte Semir. Ben nickte kurz und auf seinem Gesicht zeichnete sich ein warmes Lächeln ab. „Hoffentlich hat er nicht die gleichen Ambitionen, wie dein anderer Schulfreund.“ „Hey...Finn ist ganz anders, als Nico. Finn ist einer für den Gerechtigkeit großgeschrieben steht.“, fauchte Ben. Semir hob abwehrend die Hände. „Schon gut, reg dich nicht auf...komm, lass uns unsere Arbeit machen.“, meinte Semir und ging in einem gebührenden Abstand neben Ben her.
    Finn blickte sich auf dem Parkplatz draußen genau um. Okay...das hier wird dein nächster Coup und du brauchst ein sicheres Alibi. Immerhin bist du mitten unter ihnen, dachte er bei sich und fotografierte von seiner Stelle jede Seite des Parkplatzes. Übermorgen würde sein nächstes Opfer hier eintreffen und morgen Abend musste er sein kleines „Spielzeug“ hier irgendwo installieren, damit er seinen Job gut machen konnte. Finn stieg in sein Auto und brauste die Auffahrt hinunter. Er musste für heute Abend noch eine Menge vorbereiten. Immerhin kamen zwei Polizisten in sein Haus. Ben und dieser Semir, das wusste Finn aus allen möglichen Zeitungen, waren die Besten in ihren Job. Also, wären es gefährliche Gegner, wenn sie Finns Fährte fanden. Nun musste er nur dafür sorgen, dass sie nicht auf seine Spur kommen konnten.

    „Herr Grauer, wollen sie uns freiwillig erzählen, was sie im Büro von Freitag zu suchen hatten oder müssen wir es aus ihnen herauskitzeln?“, fing Semir an und setzte sich dem Hünen gegenüber, der ihn selbst im Sitzen um gut zwei Köpfe überragte. Der Hüne schwieg und sah den Winzling von Hauptkommissar an. „Was wollen sie von mir?“, knurrte er und zerrte an den Handfesseln. „Nur Antworten...also fangen wir an. Was wollten sie in dem Büro von Freitag?“, fragte Semir ruhig und gelassen. Grauer lachte nur auf. „Klaus Freitag ist der Teufel. Er hat kleine Bürger ausgepresst wie eine Zitrone. Ich wollte mir nur das zurückholen, womit er mich in der Hand hatte.“, stieß Grauer aus. „Sie wollten Unterlagen stehlen, in denen ihre Schuldscheine aufgelistet sind. Womit haben sie sich eigentlich verschuldet? Haben sie ein Haus gebaut, dass sie nun nicht abbezahlen können?“, fragte Ben und stand bedrohlich neben Manfred Grauer. Dieser sah an Ben hoch und lachte kurz auf. „Das Haus wäre nicht das gewesen. Sondern seine Privatkredite. Ich lieh mir 100.000 Euro bei Freitag für Umbaumaßnahmen. Er meinte, die Zinsen wären niedriger als bei Banken und ich könne es zurückzahlen, wann immer ich ein wenig Geld übrig hätte. Doch schon nach drei Monaten schickte er mir seine russischen Schläger ins Haus. Sie wollten von mir 150.000 Euro haben. Die Zinsen seien gestiegen und nun wollten sie auch Verzugszinsen haben, da sie ja schon einen Monat gewartet hatten. Ich warf diese Schweine einfach aus dem Haus und hab Freitag die Hölle heiß gemacht. Der drohte mir mit Anwalt und Polizei. Da bin ich ausgerastet und hab ihm geschworen, ihm sein verlogenes Maul zu stopfen.“, stieß Grauer aus. „Haben sie jemanden beauftragt, Klaus Freitag umzubringen?“, fragte Ben. Grauer drehte sich wütend um. „Ich hab kaum noch Geld, um mein Haus vor der Zwangsversteigerung zu retten. Wenn ich diesen Kerl zwischen die Finger bekommen hätte, dann hätte ich das selbst erledigt.“, fauchte der Hüne.
    Nachdenklich blickte Semir Ben an, als sie vor der Tür standen. „Was meinst du? Hat er was mit Klaus Freitags Tod zu tun?“, fragte der Deutschtürke seinen jungen Kollegen. „Ich weiß nicht....er ist impulsiv und direkt. Er hätte Freitag so lange verprügelt, bis der einfach tot umgefallen wäre.“, meinte Ben. „Sehe ich auch so. Also können wir ihn nur wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung festnehmen. Ist schon ein armer Teufel.“, entgegnete Semir und ging mit Ben wieder nach vorne. Gerade wollten sie sich in ihr Büro begeben, als Kim auf den Flur trat. „Gerkhan...Jäger, kommen sie bitte mal in mein Büro.“, forderte sie mit leicht gereizter Stimme. „Oh...was will unsere Oberhäuptlingsdame von uns denn?“, kam es von Ben. Semir drehte sich zu ihm um. „Oberhäuptlingsdame? Woher hast du das denn?“, lachte er. „Was denn? Ist sie das denn nicht?“, grinste Ben. „Na komm schon, ehe du noch so unerklärliche Worte findest.“, meinte Semir, klopfte an und betrat dann mit Ben das Büro von Kim Krüger.

    „Setzen sie sich, meine Herren.“, bot Kim ihnen die Stühle vor ihrem Schreibtisch an. Semir und Ben nahmen Platz. Noch immer waren sich die Beiden nicht im Klaren darüber, was nun kommen würde. Ihre beiden Dienstwagen waren doch in Ordnung. „Sagt ihnen der Name Frank Rubens etwas?“, fragte sie dann und legte ein Bild auf den Tisch, schob es zu den beiden Hauptkommissaren hinüber. „Das ist doch die Kiezgröße, den die Kollegen wegen dem Mord an drei Prostituierten drankriegen wollen.“, meinte Ben mit runzliger Stirn. „Ganz genau. Er wird übermorgen hierher verlegt und für drei Tage unser Gast sein.“, kam von Kim. „Wieso das? Haben die Kollegen beim LKA keine eigenen Zellen oder Unterbringungsmöglichkeiten?“, stieß Semir gereizt aus. Wieder sollte die Autobahnpolizei als Dienstmädchen für die großen Dienststellen herhalten. Wie ihn das ankotzte. „Der jüngere Bruder vom dritten Opfer hat Rubens mit Vergeltung geschworen. Einmal hat er schon zugeschlagen und einen Beamten am Kopf schwer verletzt.“ „Ich habe davon gehört. Aber warum bringt ihn das LKA jetzt unbedingt hierher?“, harkte Semir nach und rutschte neugierig auf seinem Stuhl etwas vor.
    „Das LKA will dem hier eine Falle stellen.“, meinte Kim und legte ein anderes Foto vor. Es zeigte ein verwaschenes Foto von einer scheinbar männlichen Person. „Wer soll das sein? Da ist doch kaum was zu erkennen.“, stieß Ben aus und hielt sich die Fotografie direkt vor die Nasenspitze. Doch auch mit genauerem Hinsehen konnte er nichts erkennen. „Wer ist das?“, fragte Semir. „Das wissen weder die Kollegen vom LKA noch die Verbrecherdatenbank des BKA. Eins wissen sie, das ist einer der besten Profikiller, die es in Europa gibt. Experten gehen davon aus, dass es sich dabei um einen Mann handelt, der noch in der Sowjetunion ausgebildet wurde.“, erklärte Kim. „Hmmm, die Experten vom BKA sind sich auch nie einig. Mal ist es ein Mann und mal ist es eine Frau. Aber immer ist es ein Profikiller, der von ehemaligen Russen ausgebildet wurde.“, lästerte Semir. „Wie dem auch sei. Wir sollen den Mann übermorgen empfangen und noch mal verhören. Die Kollegen setzen große Stücke in ihre Verhörspezialitäten.“ „Ben, kneif mich mal. Hat das LKA uns gerade gelobt?“, kam es ungläubig von Semir. „Ich glaub, ich hab mich auch gerade verhört.“, meinte der junge Hauptkommissar nur. Kim lächelte kurz. „Nun übertreiben sie nicht. Sie beide werden Rubens dann in Empfang nehmen und ihn auch gleich verhören. Die Akten kommen heute Abend. Stürzen sie sich gleich morgen rein, damit sie eine Grundlage haben.“, meinte Kim und entließ dann die beiden Hauptkommissare.

    ...
  • „So, was nun? Wir haben noch drei Stunden bis Feierabend. Was machen wir jetzt?“, fragte Ben und holte sich eine Banane aus dem Kühlschrank. „Jetzt fahren wir zu Hartmut und lassen uns mal wieder erklären, was er so rausgefunden hat. Immerhin müsste er das ballistische Gutachten fertig haben. Das bringt uns vielleicht weiter.“, erklärte Semir und nahm die Schlüssel aus seiner kleinen Schale. „Komm, die Banane kannste im Auto futtern.“ Ben grummelte schmatzend und stieg mit Semir in den BMW. Eine kurze Fahrt später waren sie in der KTU und standen bei Hartmut. „Hallo Jungs...ihr wollt sicher die Ergebnisse der Ballistik haben, oder?“ „Genau...also Hartmut...wie sieht die Sachlage aus? Freitag und Brauner...wurden sie mit der gleichen Waffe erschossen oder nicht?“ Hartmut grinste kurz und ging dann mit den beiden Kommissaren nach hinten, klickte auf seinen großen Bildschirm und rief die Bilder der beiden Patronen auf. „Das links ist die Kugel aus Brauners Kopf und das rechts die aus Freitags Körper. Seht ihr die Rillen und Kratzer?“ „Hartmut, das Bild könnte sogar meine Großmutter erkennen.“, meinte Ben nur. Der Rotschopf verzog beleidigt die Mundwinkel. „Da sie aber nicht hier ist, erklär ich es dir. Die Kugeln sind, wie unsere Patronen auch, aus Stahl geformt.“ „Gut, ist ja nichts besonders. Stückware halt...“, meinte Ben wieder. „Stimmt. Aber die Kratzer hier sind wie Fingerabdrücke. Damit kann ich jede Kugel einer Waffe zuordnen. Und diese beiden Dinger wurden aus derselben Waffe abgefeuert.“ „Also haben wir es mit einem Täter zu tun. Gut, noch was?“, wollte Semir wissen und war schon kurz davor, wieder zu gehen. „Ich fand Farbe an einer Geschossspitze. Ein ziemlich ungewöhnliches Grün. In seiner Zusammensetzung einzigartig.“ „Okay...das wird uns sicherlich weiterhelfen. Was ist mit der Kleidung der beiden Toten?“ Ben sah sich um und entdeckte die Sachen in Plastikfolie eingeschlagen.
    „Ist an den Sachen etwas besonderes? Vielleicht auch ein Rest Farbe oder der zur Farbe passende Pinsel?“, stichelte der junge Hauptkommissar. „Bis auf das eigene Blut konnte ich nichts finden. Sorry Jungs, aber das war's. Jedenfalls, bis ihr mir neue Beweise bringt.“, grinste der Rotschopf. „Hast du dir schon die Unterlagen von Freitag vorgenommen?“, harkte Ben nach. „Das wollte ich, aber kurz vor unserem Aufbruch aus dem Büro kam die Staatsanwältin mit ein paar Kollegen vom Wirtschaftsdezernat und nahmen mir die Unterlagen aus der Hand. Ich konnte nichts machen.“ „Okay Hartmut...da kann man nichts machen. Dann bis zum nächsten Mal.“, verabschiedeten sich die beiden Hauptkommissare, stiegen in ihren Wagen und waren verschwunden. Auf der Fahrt, Ben saß am Steuer, griff Semir zum Handy und wählte doch noch mal Hartmut an. „Hey Hartmut, kannst du mir mal bitte diese Farbanalyse und ein Foto davon rüberschicken. Wer weiß, wofür ich das noch brauchen kann. Danke Junge...“ Ben sah seinen Freund und Partner fragend an. „Ja schau nicht so...vielleicht hilft uns das wirklich.“ Der junge Kollege lachte auf. „Wenn du meinst, Semir. Wenn du meinst.“

    Am Abend trafen sich die beiden Kollegen mit ihren Frauen und fuhren daraufhin zu Finn. Per Mail war Ben in Besitz einer Wegbeschreibung und so fanden sie schnell das Haus im Wald. „Hallo, habt ihr gut hergefunden?“, fragte Finn und stand schon wartend in der Tür. „Ja, es ging ganz gut.“, lachte Ben und umarmte seinen alten Freund. „Finn, das ist mein Augenstern...meine Emily.“, stellte er seine Freundin vor. „Wow...wie konnte so eine wunderbare Frau an so einen Chaoten geraten?“, fragte Finn und gab der jungen Engländerin einen Handkuss. „Oh...er hat sich gebessert. Er trägt jetzt schon gleichfarbene Socken.“, lachte Emily und war von dem charmanten Mann entzückt. Semir grinste in sich hinein. „Hey, hör damit auf und benimm dich heute Abend mal anständig.“, forderte sie. „Ich hab mich doch bisher immer benommen.“, entgegnete Semir und küsste seine Frau herzlichst auf die Wange. „Das ist meine Frau Andrea...“, stellte er seine Frau dann Finn vor. „Schön, sie kennen zu lernen. Dann kommt doch bitte rein.“ Sie betraten das große Haus und gingen den Flur ins Wohnzimmer entlang. „Wow...du hast es dir hier ja wirklich gemütlich gemacht.“, staunte Ben, als er auf dem gemütlichen Sofa Platz nahm und die Wand mit den vielen Bildern ansah. „Haben sie die alle gemalt?“, fragte Emily und deutete auf eines, dass nur aus Sand gemalt zu sein schien. „Bitte...sagen sie du zu mir. Und ja...das Bild hab ich aus afrikanischem Sand gemalt, den ich bei meiner Saharareise gesammelt habe. Es war schwierig zu malen, da mir der Leim dauernd trocknete.“, erklärte Finn. „Aber kommt, das Essen wird sonst noch kalt.“ Die Gruppe begab sich in das angrenzende Esszimmer und genoss dort das von Finn zubereitete Essen.
    „Boah...man, war das lecker. Wo hast du so gut kochen gelernt?“, stieß Ben aus und streckte seinen gefüllten Bauch leicht vor. Sofort kniff ihn Emily in die linke Pobacke und warf ihrem Freund einen vielsagenden Blick zu. Ben setzte sich wieder gerade auf. Finn sah den Beiden lachend dabei zu. „In meiner Zeit in Marokko. Dort habe ich einige Zeit verbracht, nachdem ich in der Sahara unterwegs war. Ein schönes Land, sag ich euch. Heiß, aber schön. Nur die Schlangen sind nachts sehr aufdringlich. Nur in Australien war ich noch nie. Allerdings würde ich für die Reise mir ein eigenes Boot mieten. So ein großes mit zwei Masten oder so.“, schwärmte er und blickte Semir an. „Ähm...ich...ich müsste mal bitte kurz...“ „Oh klar...die Tür raus, durch den Flur und dann links.“, erwiderte Finn. Semir nickte kurz, stand auf und lief die beschriebene Strecke durch die Wohnung. Anstatt aber nach links zu gehen, nahm Semir den rechten Gang und stand nach einer Tür plötzlich in einem Raum mit einer großen Werkbank und einigen Clipcharts mit vielen, vielen Fotos. „Wow...wo bin ich denn hier gelandet? Mabuses Gruselkabinett?“, murmelte Semir und ging die einzelnen Charts durch. Überall hingen Zeitungsartikel in fremden Sprachen, manche auf arabisch, französisch oder englisch. Einer sogar in italienisch. Drei der Stücke waren in Deutsch verfasst. Dann gab es viele, viele Bilder von Männern, die eine bedrohliche Ausstrahlung besaßen. „Das...das ist doch...“, stieß Semir aus und nahm ein Bild von Klaus Freitag von der letzten Clipchart. „Semir? Bist du hier?“, hörte er Finns Stimme. Verdammt...dachte der Deutschtürke, steckte das Foto ein und zog die Tür leise hinter sich zu, drehte den Schlüssel um und stand auf den Flur. Gerade rechtzeitig, denn schon kam Finn um die Ecke. „Hey, hast du dich verlaufen? Ich geb zu, etwas unübersichtlich.“, meinte er. „Allerdings...ich glaub, die Toilette waren da drüben, oder?“, fragte Semir leicht nervös. „Genau...komm, ich zeig es dir.“ Semir nickte und folgte Finn. Doch, was der Hauptkommissar gesehen hat, ließ ihn für den Rest des Abends und der Nacht nicht mehr los.

    Am nächsten Morgen ging Ben geräuschlos ins Büro und blickte über Semirs Schulter. „Cooles Foto...woher haste den Artikel denn?“, fragte er. Semir schrak auf und drehte sich um. „Man, musst du dich so ranschleichen?“, stieß er aus und fasste sich an die Brust. „Kippst du alter Mann sonst um?“, grinste Ben ihn an und nahm das Stück Zeitung auf. „Wo hast du das her?“ „Aus einer Art Werkstatt gestern bei deinem Freund Finn.“, erklärte Semir und sah Ben mit einem festen Blick an. Er wusste, wie er reagierte, wenn Semir einen seiner Freunde verdächtigte. „Und? Was soll das schon heißen?“, kam es mit gereizter Stimme von Ben. „Finn ist Maler. Vielleicht sollte er Freitag einfach malen.“ Semir sah seinen Kollegen an. „Ben, da waren Hunderte von Zeitungsartikeln und Fotos. Was, wenn Finn diese Personen nicht alle gemalt sondern zumindest mit ihnen irgendwie zu tun hat? Vielleicht hat er sie sogar ermordet. Er hat selbst gesagt, dass er gut schießen kann.“, wagte sich der Deutschtürke sehr weit vor. Bens Augen funkelten Semir an und wollten ihn scheinbar durchbohren. Dann brach Ben aber in schallendes Gelächter aus. „Semir, du hast wirklich eine blühende Phantasie. Finn und ein Mörder...das ist ein guter Witz.“, lachte er und ließ sich auf seinen Sitz fallen. „Ben, lach nicht. Glaub mir, ich wette, dass Finn etwas mit Freitag zu tun hatte. Warum sonst sollte er Artikel von ihm sammeln?“, fragte Semir und war leicht erbost über seinen Partner. Wie konnte er ihm nicht glauben und ihn so auslachen? Ben sah zu Semir rüber und leckte sich über die Lippen. „Ich mach dir einen Vorschlag. Wir fahren jetzt zu Finn und fragen ihn einfach.“, schlug der junge Hauptkommissar vor, nahm seinen Schlüssel und klopfte Semir auf die Schulter. „Und wenn du dich irrst, dann will ich nichts mehr davon hören.“, kam es im ernsten Ton von Ben. Damit war Semir einverstanden, doch irgendwie bezweifelte er, dass er sich irren könnte.

    ...
  • Semir sah während der ganzen Fahrt immer wieder zu Ben. Dieser schwieg und konzentrierte sich vehement auf die Straße und den sie umgebenden Verkehr. „Ben...bitte, ich...ich irre mich selten. Das...das ist auch nicht böse, aber es ist immerhin eine Spur und die führt zu deinem Freund.“, versuchte Semir seinen Partner zum Reden zu bewegen, doch er wollte nicht. Ben setzte wortlos den Blinker und ordnete sich in die Ausfahrt ein. Semir wurde das heraufbeschworene Schweigen und die Bockigkeit seines Partners langsam zu dumm. „Na gut...“, knurrte er laut. „Was du kannst, kann ich auch.“ Semir drehte sich um, verschränkte wütend die Arme vorm Bauch und sah stur geradeaus. Wie zwei bockige Kinder saßen sie die restliche Fahrt lang nebeneinander und erreichten Finns Waldhaus.
    Finn sah von seiner Arbeit auf, als er Motorengeräusch hörte. „Für die Post ist es doch noch etwas zu früh.“, dachte er laut, legte den Pinsel beiseite und sah aus dem Fenster. Herr Krause lag dick und breit auf dem Fensterbrett und blickte gelangweilt auf sein Herrchen. „Du könntest auch mal was andres machen, außer Faullenzen.“, knurrte Finn scherzhaft und hob seinen Kater auf, kraulte ihm den Kopf und drückte einen kurzen Kuss in das Fell hinein, ehe er den Stubentiger wieder auf den Boden setzte und zur Tür schritt. „Ben, Semir...was führt euch denn hierher?“, fragte Finn und wischte sich die Farbe von den Händen. „Finn, mein Kollege hat gestern ein Bild von Klaus Freitag hier gefunden und nun meint er, du hast was mit seinem Tod zu tun.“ „So hab ich das nicht gesagt.“, protestierte Semir sofort. „Ich habe gesagt, dass er mit Freitag etwas zu tun haben könnte.“ „Ja, und du hast gesagt, dass Finn ihn wahrscheinlich umgebracht hat.“, fauchte Ben. Finn sah die beiden Polizisten an und lachte. „Ihr...ihr meint also, ich sei ein Mörder? Semir, das mit den Fotos kann ich euch erklären. Kommt mal mit.“ Finn führte die Kommissare in den Raum, wo Semir auch gestern Abend schon war und zeigte ganz ungeniert die Clipcharts. „Semir, ich bin Portraitmaler. Alle diese Herren hab ich gemalt. Hier, sieh dir die Skizzen an.“ Finn reichte eine Mappe mit Schwarz-Weiß-Zeichnungen weiter. Semir und Ben blätterten darin rum und tatsächlich waren das Skizzen der abgebildeten Männer. Darunter auch Brauner und Freitag. „Wenn es dir nicht reicht, kann ich dir auch noch die Schecks zeigen.“ Semir sah beschämt zu dem jungen Maler auf, der mit einem lässigen Lächeln und den Händen in den Taschen vor ihm stand. „Finn, ich...es...es tut mir Leid. Aber, als ich das Bild sah, da dachte ich...“ „Schon okay...ist nicht das erste Mal, dass mich die Polizei wegen irgendwas verdächtigt. Der Vorwurf des Mordes war allerdings neu.“, entgegnete Finn. Ben und Semir verließen Finn wieder. „So, ich hoffe, das war dir jetzt eine Lehre, mein Freund.“, zischte Ben im Auto und Semir nickte nur. „Dennoch stört mich was an ihm.“, dachte der Deutschtürke innerlich. Der Mercedes fuhr wieder zur PASt zurück.

    „Kommen Sie Rubens, sie werden jetzt auf eine schöne Reise gehen.“, forderte der Schließer. „Ich dachte, ich werde morgen erst verlegt.“, staunte Frank Rubens und sah dann seinen Gegenspieler in die Tür treten. Hauptkommissar Bohm kaute wie immer auf einem Kaugummi herum und ließ seine tief vergrabenen Hände in den Taschen. „Tja, wir fangen einen Tag früher an. Es soll ja keiner in die Versuchung kommen, sie zu befreien.“, stieß er mit arroganter Stimme aus und gab den Weg für Rubens frei. Der Verbrecher stand auf, musste sich dann an die Wand stellen und warten, bis er mit Handschellen gefesselt wurde. Als das vorbei war, wurde Rubens nach draußen in einen schweren, weiß lackierten Transporter gebracht und dort an eine Bank gekettet. „Wir wollen ja nicht, dass du uns bei der Fahrt von der Bank fällst und abhanden kommst.“, höhnte Bohm und schloss eigenhändig die Tür ab. Dann setzte sich der Wagen in Bewegung. Gefolgt und eskortiert von drei silbernen Audis verließ der Transporter den Hof und fuhr durch Düsseldorf direkt auf Köln zu. Rubens sah sich um. Immer wieder versuchte er aus dem Fenster zu blicken. Dieser kleine Hosenscheißer im Gericht hatte ihm Rache geschworen. Rache für den Mord an seiner Hurenmutter. Rubens war das egal. Für ihn war sie nur eine seiner Nutten, der er Gehorsam beigebracht hatte. Zwar auf eine sehr brutale und abscheuliche Weise, doch für ihn ging es um sein Geschäft. Sein Geschäft, dass durch diese kleine, geldgierige Nutte gefährdet war. Er musste einfach handeln. Der Wagen stoppte in einer verlassenen Halle und die Tür wurde aufgerissen. „So Rubens. Hier bleiben sie bis morgen.“, meinte Bohm. „Was? Hier? In dieser Dreckshalle? Wo man nicht mal aufs Klo gehen kann?“, fauchte der Zuhälter. „Beruhigen sie sich. Der Wagen hat eine eingebaute Toilette. Wenn sie was brauchen, schreien sie. Ich würde ihnen allerdings raten, das nicht allzu wörtlich zu nehmen. Sonst lernen sie mich von meiner ungemütlichen Seite kennen.“, knurrte Bohm und schloss die Tür wieder. Rubens blieb alleine zurück und verhielt sich still und friedlich. Er hoffte nur, dass er bald hier raus war.

    „Und? Bist du nun überzeugt?“, fragte Ben mit leicht erboster Stimme. „Ja Ben...aber es war immerhin eine Möglichkeit.“, stieß Semir ebenso erbost aus. Die Stimmung war noch immer nicht besser geworden, obwohl sich Semir schon einige Male während der Fahrt bei Ben entschuldigt hatte. „Gut, dann hätten wir das ja geklärt. Und was jetzt? Wir sind heute noch nicht ein Stück weiter gekommen. Dank deiner Verdächtigung.“ „Hör zu, das ist nun mal Polizeiarbeit, auch wenn es dir nicht passt. Aber so haben wir einen Verdächtigen weniger.“, fauchte der kleine Hauptkommissar und sprang von seinem Stuhl hoch. „Und jetzt fahren wir zu der Familie des getöteten Jungen. Vielleicht bringt das mehr.“, kam es kühl von Semir. Ben schnaubte nur wütend Luft durch seine Nase aus und ging in einem gewissen Abstand hinter Semir her. Kurze Zeit darauf waren sie wieder auf der Straße unterwegs und fuhren nach Mühlheim, parkten vor einem kleinen Häuschen und klingelten an der Tür. Ein Junge von 17 Jahren, seinem Aussehen nach aber wesentlich älter und erwachsener wirkend, öffnete die Tür und blickte die fremden Personen vor der Tür fragend an. „Kann ich was für sie tun?“, wollte er wissen. „Wenn sie von den Zeugen Jehovas kommen, können sie gleich wieder umdrehen. Wir sind Katholiken und das werden wir auch bleiben. Also geben sie sich keine Mühe.“, brauste der Junge mit den blonden Locken und großen blauen Augen los. Semir lachte auf. Dafür wurde er noch nie gehalten. „Nein, wir kommen von der Polizei. Gerkhan, Kripo Autobahn...das ist Ben, mein Kollege...können wir kurz reinkommen und mit deiner Mutter sprechen?“, fragte Semir. Das Misstrauen im Gesicht des Jungen wich und ein kurzes Lächeln kam hervor, was aber sofort wieder verschwand. „Sicher, kommen sie rein.“, meinte er und gab den Weg frei.
    „Es geht sicherlich um diesen Brauner, oder?“, stieß er aus. Semir und Ben sahen den Jungen an und dann blickten sie sich gegenseitig ins Gesicht. Ben nickte. „Er ist in einem Taxi erschossen worden.“, meinte der junge Hauptkommissar. „Er hat es nicht anders verdient. Mein kleiner Bruder hatte noch sein ganzes Leben vor sich. Und wäre dieses Schwein nicht gewesen, könnte er noch leben.“, fauchte der Junge laut. „Wie heißt du?“ „Hannes...“ „Okay Hannes, ich kann deinen Zorn verstehen, aber so einen Tod hat auch Niels Brauner nicht verdient.“, entgegnete Semir. Der Junge sah den Deutschtürken mit markdurchdringende Blicken an. „Hannes, wer ist da? Mit wem redest du?“, kam es aus dem hinteren Teil des Flurs. „Das ist meine Mutter. Sie hat den Tod meines Bruders immer noch nicht verwunden. Also, bitte seien sie rücksichtsvoll.“, forderte Hannes und ging vor. „Hast du gehört? Also benimm dich und keine voreiligen Beschuldigungen.“, raunte Ben Semir zu. Dem wurde es jetzt zu bunt. „Ben, es reicht. Ich hab mich entschuldigt, oder? Jetzt hör auf, wie ein kleines, bockiges Kind hier zu schmollen und mach verdammt noch mal deine Arbeit.“, fauchte Semir, ließ die Jacke seines Partners los und ging vor. Ben schluckte. Vielleicht hatte er es wirklich übertrieben. Er ging hinter seinem Partner her und kurz darauf standen sie im kleinen Wohnzimmer des Hauses. Eine zierliche Frau mit krausen Haaren und eingefallenen Augen saß auf dem dunklen Sofa. Durch die blasse Hautfarbe hob sie sich gut vom Sofa ab. „Mama, das sind Herren von der Polizei. Sie wollen mit dir über Nicklas sprechen.“, drang Hannes mit sanfter Stimme zu seiner Mutter durch. Die eingefallene Hülle eines weiblichen Menschen blickte mit dem hageren Gesicht auf. Ein leerer Blick versuchte, die beiden Hauptkommissare zu fixieren. „Nicklas? Ist er zurück?“, fragte die Frau.

    ...
  • „Nein Mama, die beiden Polizisten wollen mit dir über Niels Brauner reden.“ „Nein...nein, ich...ich will nicht über diesen Mann...er...er hat mir mein Baby genommen. Mein kleines Baby.“, stieß sie aus, umkrallte ein Kissen und wippte zu ihren eigenen Tränen im Takt hin und her. „Sehen sie, was sie mit ihrer Fragerei angerichtet haben.“, fauchte Hannes. „Wir haben ja noch gar nichts gefragt.“, knurrte Ben ihn an und zog ihn am Arm mit sich. „Ich würde dich gerne alleine sprechen.“ „Ich bleib hier...ich muss meiner Mama beistehen.“, fauchte Hannes und stemmte sich gegen den Griff des jungen Hauptkommissars. Semir sah ihm nach und nickte Ben zu. „Frau Hooven, wissen sie, dass Niels Brauner tot ist?“, fragte Semir die sich langsam wieder beruhigende Frau. Keine Antwort. „Er wurde erschossen. Auf dem Weg zu seiner Arbeit.“, erklärte Semir weiter. „Wir sind hier, um den Mörder zu fassen. Können sie uns helfen?“, harkte er weiter nach. „Er...er hat es verdient. Das...das ist die gerechte Strafe. Die gerechte Strafe...er hat bekommen, was er verdient....seine gerechte Strafe.“, murmelte sie immer wieder und wippte hin und her. Semir sah ein, dass dies keinen Sinn hatte. Die Befragung führte ins Leere. Plötzlich ging die Tür auf und ein kräftig gebauter Mann mit einem viel zu großen Kopf auf einem viel zu kleinen Hals betrat das Wohnzimmer. „Was machen sie hier? Wer sind sie?“, fauchte er und wollte Semir angehen. Blitzschnell zückte Semir seinen Ausweis und hielt ihm den Mann vor die Nase. „Gerkhan, Kripo Autobahn. Ich bin hier, weil ich mit ihrer Frau über Niels Brauner sprechen will.“ Das schien den Mann aber noch wütender zu machen. „Niels Brauner ist zurecht gestorben. Ich hätte es selbst gemacht, aber da ist mir wohl jemand zuvor gekommen.“, fauchte er und ging weiter auf Semir zu. Dieser wollte sich gerade wieder an Frau Hooven wenden, als er von Herr Hooven gepackt und hochgerissen wurde. „Raus. Verlassen sie mein Haus und lassen sie meine Familie in Ruhe.“, schrie er.
    Ben sah sich im Zimmer von Hannes um und stoppte vor dem Schreibtisch. Unter dem Gewühl stach dem jungen Hauptkommissar eine Nummer heraus, die er sich blitzschnell in Gedanken notierte. „Muss schwer sein für dich, wenn man seinen einzigen Bruder verliert.“ „Sie haben ja keine Ahnung. Nicklas war sieben Jahre jünger als ich, doch er war alles, was ich hatte. Wir waren unzertrennlich. Überall waren wir immer zusammen. Meine Freunde haben ihn als meinen Bruder akzeptiert und...“ Ehe Hannes weiterreden konnte, hörten sie von unten das Poltern und Geschrei des Vaters. „Mein Vater ist da.“ „Raus...verschwinden sie.“, hörte Ben und dann ein lauteres Poltern und einen starken Schrei. Sofort riss Ben die Tür auf, rannte die Stufen hinunter und sah, dass Herr Hooven von Semir auf einen kleinen Beistelltisch gedrückt wurde. „Alles okay bei dir, Partner?“, fragte Ben außer Atem. Semir nickte ebenso atemlos und hielt den Arm des Mannes durchgedrückt. „Ja geht schon. Er ist nur etwas ruppig geworden.“, meinte Semir und ließ dann Hooven los. „Verschwinden sie.“ „Das tun wir, aber wir werden sicherlich wiederkommen.“, meinte Semir. Ben drehte sich um. „Wenn irgendwas ist, ruf an. Ich bin jederzeit für dich da.“

    Wieder im Wagen sah Semir zu Ben, der eine Nummer in sein Handy eintippte und sich dann das Gerät ans Ohr hielt. „Geht keiner ran.“, murmelte er. „Wo hast du die Nummer denn her?“, fragte Semir neugierig. „Aus Hannes Zimmer. Die war auf einem Zettel, auf dem stand...Problemlösung?... Und dann war gleich die Nummer hier dahinter.“, erklärte der junge Hauptkommissar. Semir nickte kurz. „Fahren wir jetzt noch mal zur Witwe von Brauner. Die Handynummer schick mal an Susanne. Vielleicht kann sie etwas herausfinden.“, bat Semir. Ben nickte und startete dann seinen Mercedes. Kurze Zeit darauf waren sie bei Frau Fähndrich. „Was wollen sie denn wieder?“, fragte sie sichtlich genervt. „Mit ihnen sprechen. Sie haben uns noch nicht alles gesagt, was wir wissen wollen.“, knurrte Semir ebenso unfreundlich zurück. „Wo hat ihr Mann nach der Entlassung gearbeitet?“, kam Ben gleich zum Punkt. „Bei einem miesen Hinterhofautohändler irgendwo in Köln. Mehr weiß ich nicht.“ „Ihr Mann hat doch sicherlich eine großzügige Abfindung bekommen, oder? Ich meine, ihr Ruf hat doch mehr als gelitten durch diesen Unfall. Haben sie oder ihr Vater ihrem Exmann eine Summe gezahlt?“, fragte Ben. Frau Fähndrich sprang auf und funkelte Ben an. „Was erlauben sie sich? Verlassen sie sofort mein Haus.“, stieß sie aus. „Nein, nicht ehe sie mir diese Frage beantwortet haben.“, fauchte Ben. „Sie sind anstrengender, als ein Schwarm Mücken.“, kam es von der Treppe. Alle drehten sich zu dem alten Mann um. „Ja, sie haben recht. Ich habe, hinter den Rücken meiner Tochter, diesem Mann Geld bezahlt, damit er den Mund hält. Er hat schon zu viel Schaden angerichtet.“, fauchte Herr Fähndrich. „Und da er noch mehr gefordert hat, haben sie ihn umbringen lassen.“, versuchte Ben den Schuss ins Blaue. „Sie machen mir Spaß. Dazu gebe ich mein Geld nicht aus. Ich habe ihn bezahlt und damit war der Fall für mich erledigt. Und jetzt gehen sie bitte.“, forderte Fähndrich Senior. Semir und Ben verließen das Haus. Für heute waren es genug Informationen gewesen.

    Abendzeit. Finn fuhr zur PASt und installierte seine kleine „Überraschung“, richtete sie genau auf den Eingang aus. Als Elektromonteur in Mittfünfziger Jahren verkleidet, nahm ihm keiner wahr. Mit seinem kleinen Iphone überprüfte er, ob es funktionierte. Und tatsächlich...mit der Bewegung seines Daumes über den Bildschirm konnte er das Ding steuern. Wenn er loslegen wollte, brauchte er einfach seinen Daumen draufhalten. Alles war heutzutage so einfach. Wenn er an seinen Job in Italien dachte, an den Mafiapaten, den er der himmlischen Gerechtigkeit übergeben hatte, da gab es keinerlei Technik für ihn. Die ganzen kleinen Geschäftsleute atmeten auf, als sie von Finns Meisterwerk, der „Eisbombe infernale“ in der einschlägigen Presse lasen. Damit war die ganze Mafia in Florenz ausgerottet worden. Ein Erfolg, der nicht der zum Teil sehr korrupten Polizei zu verdanken war. Egel der Gerechtigkeit...so hatten sie ihn damals genannt. Und so nannte er sich seitdem immer in seinen Emails, wenn er einen Auftrag annahm. „So, das hätten wir.“, grinste Finn und stieg die Leiter hinunter. Schnell baute er alles ab, verstaute es im Lieferwagen und gab dem sich rekelnden, lebenden und leicht stöhnenden Teppich einen Schlag mit der behandschuhten Faust. „Ruhe...“, herrschte er das lebende „Teil“ an, schlug die Türen zu und fuhr auf den Rastplatz, wo er seinen kleinen Mini parkte. Er entledigte sich seiner Verkleidung, zog sich Jeans, Jackett und seine blauen Sneakers an und fuhr zu seinem Date.

    „Und? Wie wirst du den Abend heute verbringen?“, fragte Semir, als er seine Jacke überwarf. „Ich werde gleich zum Juwelier fahren und den Ring für meine Emily abholen.“, grinste Ben und zog den Schein hervor. „Wie hast du denn die Ringmaße bekommen?“ „Ich hab ihr vorgestern nacht ein kleines Bändchen um den Ringfinger gespannt und dass dann an den Juwelier geschickt.“, grinste Ben. „Ohhh...der Herr ist verschlagen.“, lachte Semir. „Und wann willst du sie fragen?“ „Dieses Wochenende haben wir frei, oder?“ Semir nickte auf die Frage hin. „Da werde ich mit Emily einen romantischen Ausflug an einen schönen See machen. Ein Picknick mit einem wunderbaren Essen, Champagner und Dessert. Ich werde sie beim Dessert fragen.“, lächelte Ben. „Sehr schön...dann kommt ihr zum Feiern zu uns.“, grinste Semir. „Abgemacht.“, lachte der junge Hauptkommissar und ging mit Semir vor ins Großraumbüro. „Hey Susanne...siehst schick aus. Gehst du aus?“, fragte Ben und auch Semir fand, dass die Sekretärin wunderbar aussah. „Ja, ich habe jemanden kennen gelernt. Auf einer Kunstausstellung. Da kommt er auch schon.“, meinte sie und deutete auf den Eingang. Ben und Semir klappte der Kiefer runter, als sie sahen, wer dort kam, um Susanne abzuholen. „Hallo Susanne...“ Finn kam rein, überreichte Susanne einen Blumenstrauß und gab ihr einen Kuss auf die Lippen. „Jetzt guck nicht so.“, grinste Finn seinen Freund an. „Die Liebe geht komische Wege.“ „Können wir los, Finn?“, wollte Susanne wissen und roch an den wunderbar duftenden Rosen. „Sehr gern.“, meinte Finn und reichte ihr seinen Arm. Susanne hakte sich ein und gemeinsam verließen sie die Station. „Was sagst du dazu?“, kam es verwirrt von Ben. „Tja, die Liebe...die Liebe...ist schon komisch mit der Liebe.“, grinste Semir und setzte sich wieder in Bewegung. Beide Kommissare verabschiedeten sich auf dem Parkplatz, stiegen in ihre Autos und fuhren nach Hause.

    ...
  • Susannes Abend war der Wundervollste seit langem wieder. Finn führte sie in das beste Restaurant der Stadt aus. Es war ein Ausflugsschiff, dass den Rhein hinauf und hinab fuhr, dabei nie die Stadtgrenze verließ. „Oh Finn...es ist so wunderbar hier. Eine laue Nacht und das Essen...ist phänomenal.“, lächelte sie und führte den nächsten Bissen des Scampispießes zum Mund. Finn lächelte und saß vor seiner Fischplatte „Rheinallerlei“. „Freut mich, dass es dir gefällt. Ich dachte, ist mal was anderes, als immer nur Bilder anzusehen, Champagner in die Kehle hinunter zu kippen und mit arroganten, hochnäsigen Leuten über den Pinselstrich eines verstorbenen und sich nicht mehr wehren könnenden Meisters zu debattieren.“, meinte er und blickte sich um. Der Rhein spiegelte die Lichter der Großstadt mit einem makellosen Glanz wieder. Ab und an hörte man das Rattern der Eisenbahn über die Hohenzollernbrücke. Susanne blickte diesen geheimnisvollen Mann an, den sie vor acht Tagen noch gar nicht kannte. Sie war mit einer Freundin auf einer Ausstellung und langweilte sich zu Tode. Verstohlen verschwand sie auf die Terrasse und setze sich dort auf eine Bank, sah in die tiefe, städtische Nacht hinaus. „Sie können das luftleere Geschwafel dort drinnen wohl auch nicht ertragen, oder?“, hatte er sie angesprochen. Susanne meinte, dass es doch nur Bilder sind. Warum man darüber noch diskutieren musste, was der Künstler dabei fühlte, fügte sie an. Finn war ihrer Meinung und schon fünf Minuten später lachten sie und drei Stunden darauf waren sie in Susannes Wohnung und kuschelten sich eng aneinander. „Mäuschen?“, riss Finn sie aus den Gedanken. „Was?“ Er grinste sie mit seinem breitesten Lächeln an. „Möchtest du noch Wein?“, wiederholte er seine Frage. „Gerne. Was machen wir, wenn das Schiff wieder anlegt?“, wolle sie wissen. „Nun, die Nacht ist noch jung und du hast doch morgen frei, oder?“ Die Sekretärin nickte und wusste, worauf er hinaus wollte. „Ohhh...das wird eine unvergessliche Nacht für uns.“, lächelte sie und stieß mit Finn auf den bevorstehenden Abend an. Das Schiff legte am Kai an und das Liebespaar verließ das schwimmende Restaurant, machte sich auf zu Susannes Wohnung. Dies würde ein unvergesslicher Abend werden.

    Der Morgen brach an und Semir und Ben warteten in ihrem Büro auf ihren speziellen Gast. „Jetzt müsste er ja bald kommen.“, murmelte Semir müde und klimperte mit seinem Ehering immer wieder gegen seine Kaffeetasse. Ben sah zähneknirschend zu ihm hinüber. „Semir, lass das. Du machst mich verrückt.“, fauchte der junge Hauptkommissar. „Ich mache dich verrückt? Wieso? Ist doch nur ein normaler Einsatz.“, meinte der Deutschtürke und hatte immer noch ein ungutes Gefühl bei der ganzen Sache. „Meinst du? Irgendwie glaub ich dir da nicht.“, erwiderte Ben. Eine Zeit schwiegen sie. „Zeig mir mal den Ring.“, forderte Semir und streckte die Hand aus. Ben grinste und fasste in die Tasche, holte eine kleine Schachtel hervor und öffnete den Verschluss. „Ist er nicht wunderschön?“ Semir blickte auf einen goldenen Ring, in dessen Fassung ein schimmernder Smaragd eingearbeitet war, der von kleinen Goldschleifen in seiner Fassung gehalten wurde. „Wow...der wird sicher wundervoll an Emilys Finger aussehen. Ihr beide gebt ein schönes Paar ab.“, meinte Semir grinsend. Ben nickte fröhlich. Sein Herz pochte bei dem Gedanken, ihn seiner Emily auf dem Finger zu schieben. „Ich hoffe, sie nimmt meinen Antrag an.“, sinnierte er. „Das wird sie. Sie liebt dich, Ben. Ihr seid füreinander bestimmt.“ „Schau mal, was ich eingravieren ließ.“, meinte Ben und drehte den Ring leicht ins Licht. „In guten wie in schlechten Zeiten...Wow, so philosophisch, aber ein guter Spruch.“, meinte Semir und gab Ben den Ring wieder. Kim kam ins Büro. „Meine Herren...eben hab ich einen Anruf erhalten. Der Transporter fährt vor. Kommen sie...“, forderte sie. Ben und Semir nahmen ihre Jacken und gingen vor die PASt. Wirklich kam dor ein weißer Transporter angefahren und blieb in einigem Abstand zum Eingang stehen. Die Tür ging auf und Bohm stieg auf. „Frau Krüger...Gerkhan...Jäger...“, begrüßte er sie mit gewohnter Arroganz und dem schon zigmal durchgekauten Kaugummi im Mund. Synchron verdrehten Semir und Ben die Augen und gingen einige Schritte auf den Kommissar zu. „Wo ist Rubens? Noch im Wagen?“, wollte Semir wissen. Bohm nickte. „Wollen sie ihn holen oder soll ich?“, grinste der Hauptkommissar und spielte mit dem Schlüssel in seiner Hand herum. Semir antwortete nicht, nahm den Schlüssel und stieg in den Transporter. Ben und Kim überwachten die Umgebung. Sie wussten von den Morddrohungen und waren auf alles gefasst. Doch sicherlich hatten sie das, was gleich über sie hinein brechen würde, nicht einmal in ihren kühnsten Träumen geahnt.
    Zur gleichen Zeit wollte Aiden Keri Mehmet seine Meldepflicht erfüllen. Seine Haftstrafe von vier Jahren war vor drei Monaten unter der Bedingung, sich jede Woche auf einem Polizeirevier zu melden, in eine Bewährung umgewandelt worden. Obwohl er so ein schweres Verbrechen auf dem Gewissen hatte. Er war ein Geldeintreiber der übelsten Sorte. Bei seiner letzten „Tour“ war nur der Sohn des Besitzers anwesend. Er wollte nicht zahlen. Es kam zu einem Handgemenge und Aiden stach zu. Die Staatsanwaltschaft ging von kaltblütigem Mord aus, weil das Geld aus der Kasse verschwunden war und sie es bei Aiden vermuteten. Sein Verteidiger konnte ihn aber auf Totschlag im Affekt rauspauken und da er vorher nie auffällig war, folgte das Gericht diesem Plädoyer. „Hallo, ich wollte mich hier melden.“, meinte Aiden zu Dieter und hielt ihm den abzustempelnden Zettel hin. Dieter sah den Araber kurz an, erteilte dann Stempel und Unterschrift. „Bitte...“, meinte er knapp und widmete sich dann wieder seiner Arbeit. „Schönen Tag noch.“, würgte sich Aiden heraus und ging in dem Moment wieder hinaus, als Semir mit Rubens und Bohm auf den Eingang zuschritten. Aiden drehte den Kopf. Im nächsten Moment nahm er aus den Augenwinkeln ein grelles Licht wahr. Das Unglück nahm seinen Lauf.

    ...
  • Mit unglaublicher Wucht schlugen Kugeln in die Körper ein. „Runter...sofort alles runter...“, schrie Ben und warf sich mit Rubens auf den Boden. Die Salven knallten auf den Asphalt auf. Glas splitterte und kleine, scharfe Absplitterungen flogen durch die Luft. Nach einer Minute schien alles vorbei zu sein. Alle kamen langsam wieder zu sich. Ben sah sich um. Auf dem Boden lag Rubens, tot. Drei Kugel waren in den Rücken eingedrungen und eine direkt in den Hinterkopf. Daneben lag der Mann, der gerade aus der PASt kam. Sein Körper glich eher einem Sieb, als einem Stück menschlichen Fleischs. „Verdammt...schickt sofort einen Arzt.“, rief jemand. Ben sah sich um. Bohm lehnte schwer verletzt gegen einen durchlöcherten Streifenwagen. „Semir? Alles in Ordnung mit dir?“, rief Ben und sah sich um. Da lag sein Partner...in seiner eigenen, großen Blutlache. „Scheiße...Semir...Semir, bitte rede mit mir.“, forderte der junge Hauptkommissar mit flatternder Stimme. Seine Hand fuhr unter das Shirt und schob es langsam nach oben. Zwei Kugeln schienen Semir im Rückenbereich erwischt zu haben. „Einen Arzt...schnell...ich brauche Hilfe...“, schrie Ben aus voller Kehle. Sofort nach den Schüssen stürzten die Kollegen nach draußen und kümmerten sich um sämtliche Verletzte. „Ben, was...was ist denn... Oh mein Gott, Semir...“, stieß Kim aus und orderte sofort einen Krankenwagen. Semir blickte seinen Freund und Kollegen mit leeren Augen an. „Ben...hilf...hilf mir...mir...mir ist so...so kalt.“, kam es vom Deutschtürken. „Nein...hey, bleib bei mir. Hörst du? Du kannst uns doch nicht alle alleine lassen. Denk an Andrea und die Kinder.“ „Andrea...“, keuchte Semir und kippte dann weg. „Nein...Semir...Semir!!!“

    Finn legte sein Blackberry beiseite und blickte auf Susanne, die neben ihm immer noch schlief. Eigentlich war sie keine schlechte Frau. Mit ihr konnte er sich ein Leben vorstellen, außerhalb all seiner Aufträge. Wie sollte er ihr das erklären? Dass er der Rächer für die armen Mittellosen war, die einfach nur Gerechtigkeit wollten. „Morgen Großer...“, säuselte Susanne verliebt und leicht verschlafen. „Hallo...hast aber lange geschlafen.“, grinste er und strich ihr langsam über die Wange. Verliebt blickten sie sich an. „Ich will noch nicht aufstehen.“, meinte sie. „Ich auch noch nicht. Komm, wir gehen noch mal unter die Decke und kuscheln noch heiß und innig mit einander.“, schlug er vor. Susanne nickte und zog die große Decke über sie und Finn. Das Kuscheln dauerte fast eineinhalb Stunden, doch dann standen Beide auf und Susanne setzte Kaffee auf. „Finn würdest du uns Brötchen holen? Ich decke inzwischen den Tisch.“, bat sie und fütterte die Maschine mit den frischen Kaffeebohnen. „Klar...ich gehe gleich runter.“, erwiderte Finn, zog sich sein Shirt an und ließ das Handy auf dem Nachttisch liegen. Der Kaffee lief durch und der Tisch war schnell gedeckt, doch Finn war noch nicht zurück. Susanne ging in ihr Schlafzimmer, wollte eigentlich nur das Bett machen, als ihr Blick auf das blinkende Handy fiel. Ihre Neugier bewog sie zu einer unüberlegten Handlung. Sie fuhr mit ihrem Finger über den Bildschirm und sofort erschien die PASt im Hintergrund. Erschrocken blickte sie auf den Bildschirm. Mehrere Menschen lagen auf dem Boden und waren mit einem weißen Tuch abgedeckt. In einer Ecke saß Ben, die Hände vorm Gesicht. Susanne konnte den bebenden Körper erkennen. Ein klares Zeichen, dass er weinte. Wie verwandelt blickte Susanne auf den kleinen Bildschirm. Die romantisch Stimmung der Nacht und der vergangenen Stunden war weggeblasen. Warum...warum war das auf Finns Handy? Hatte er, hatte ihr Freund damit etwas zu tun? Sie hörte nicht, wie die Tür ging und Finn im nächsten Moment im Türrahmen stand. „Du bist doch zu neugierig. Das bringt mich jetzt in eine Zwickmühle.“, meinte er trocken und ging langsam auf Susanne zu. In der Sekretärin stieg Angst auf, als sie die kalten Augen sah. Was würde jetzt geschehen?

    Ben saß in seinem Stuhl und blickte ins Leere. Rubens war tot...und Bohm angeschossen. Alles lief schief an diesem Tag. Sie sollten einen Gefangenen befragen und das schien jemanden überhaupt nicht zu schmecken. Wieso gab es keinerlei Vorzeichen? Keine Drohungen oder Übergriffe? Oder, hielt das LKA alles zurück und Sie waren mal wieder nur die unterste Stufe der Befehlskette...Kanonenfutter sozusagen. „Ben?“, riss Kim ihn aus den Gedanken. Der junge Hauptkommissar sah mit feuerroten Augen auf. „Chefin? Wissen sie schon etwas von Semir? Lebt er?“, stieß Ben aus und war aufgesprungen. „Nein, noch nichts...die Ärzte sind noch am operieren. Bonrath und Frau Dorn haben auf einen Rastplatz einen gefesselten Elektrotechniker gefunden. Er wurde von einem Unbekannten niedergeschlagen und dann in seinen eigenen Wagen gesteckt. Der Techniker wollte nur endlich die neue Neonlichter installieren und ausrichten. Auf dem Dach hat Hartmut dann das hier gefunden...“, meinte sie und hielt eine Vorrichtung hoch, auf der mehrere Maschinenpistolen aufgeschraubt waren. „Was ist das? Hat das...hat das Semir das angetan?“ „Hartmut ist sich da sicher. Sie war auf ein Drehgestell montiert und konnte mittels diesen kleinen Sender gesteuert werden.“ Ben stöhnte auf, atmete tief ein und schlug mit geballten Fäusten auf die Tischplatte. „So eine Scheiße aber auch.“, schrie er und sah auf den leeren Platz. „Ich fahre jetzt ins Krankenhaus und danach schnapp ich mir diesen Kerl, der dafür verantwortlich ist.“ „Hartmut versucht, den Empfänger zu orten. Ben, rufen sie bitte an, wenn sie etwas wissen. Wir machen uns alle Sorgen um Semir und es hilft nichts, wenn sie jetzt wie ein wilder Stier auf Rachefeldzug gehen.“, mahnte Kim. Doch Ben sah sie nur an und verschwand dann aus dem Büro. Kim sah ihm nach und blickte auf den leeren Platz von Semir. „Viel Glück ihnen Beiden...“

    Finn stellte den Spaten in eine Ecke und ließ sich erschöpft in einen Sessel fallen. Warum musste diese Frau so neugierig sein? Er war ein bisschen enttäuscht, dass Susanne sein Handy fand und damit auch noch spielen musste. Eigentlich war er aber auf sich selbst sauer. Wieso musste er auch den Sender noch im Hintergrund laufen lassen? Die Liebe zu dieser Frau hatte ihn in seinen Instinkten getrübt. Schon beim letzten Auftrag wäre er Ben fast ins Netz gegangen. Wie gut, dass er noch einmal davon gekommen war. Doch was jetzt? Nach dieser Aktion würde die Polizei den Sender untersuchen und sicherlich irgendwann auf seine Spur kommen. Ben war nicht dumm und sein Partner, dieser Semir, war einer der besten Polizisten, die es gab. „Tja, da muss ich wohl was unternehmen.“, murmelte Finn leise und stand auf. Herr Krause saß vor seinem Futternapf und sah fordernd in das leere Schüsselchen. „Oh Kater...hab ich dich vergessen? Tut mir Leid, aber ich musste etwas im Wald vergraben...“, lächelte Finn, öffnete eine Dose und schüttete den Inhalt vor die Nase seines Katers. Sofort schlang Herr Krause das Futter fast wie ein Inhalator in sich hinein. „Bist du so ausgehungert?“, lachte Finn und ließ das Tier wieder alleine. Auf der Veranda wollte er sich ein wenig vom Wald inspirieren lassen. „Tja Susanne...das Schicksal ist schon sehr ungerecht zu uns. Vielleicht sehen und lieben wir uns in einem anderen Leben wieder.“

    ...
  • Ben stand vor der Scheibe der Intensivstation. Tränen kullerten ruhig an seinen Wangen entlang. Seine Hände zitterten. Noch immer war Semirs Blut daran. Er wollte es sich nicht abwischen. Nicht solange er nicht wusste, was mit seinem Partner und Freund los war. „Herr Jäger...ich bin Dr. Janine Drescher.“, stellte sich ihm eine junge Ärztin vor. Ben nickte ihr zu. Die Hand wollte er ihr nicht geben, nicht mit Semirs Blut daran. „Haben sie sich auch verletzt?“, fragte sie sofort besorgt. Das Blut hatte sie natürlich sofort bemerkt. „Nein, das ist das Blut meines Partners. Ich will es mir nicht abwischen. Was ist mit ihm? Wie geht es Semir?“, fragte er sofort und blickte sie mit seinen tränengeröteten Augen an. „Nun, die Operation war alles andere als einfach. Eine der Kugeln hat eine Rippe durchschlagen. Ein Splitter drang ins Rückenmark ein und Flüssigkeit lief aus. Die zweite Kugel hat seine Galle zerfetzt. Es grenzt an ein Wunder, dass er nicht schon auf dem Hinweg am immensen Blutverlust gestorben ist.“, erklärte die Ärztin. „Wird er...wird er es schaffen?“, wollte Ben wissen. „Das... das entscheiden die nächsten Stunden und Tage. Erstmal haben wir ihn in ein künstliches Koma gelegt, damit die Wunden besser versorgt werden können.“, erklärte die Ärztin Ben die düstere Prognose. „Und, auch wenn er es überlebt. Wir wissen noch nicht, was die Verletzung des Rückenmarks für bleibende Schäden hinterlassen wird. Vielleicht ist es besser, sie verständigen seine Angehörigen.“, meinte Doktor Drescher und ließ Ben mit diesen Nachrichten stehen.


    Immer wieder blickte der junge Hauptkommissar auf die Maschinen hinter der Scheibe. Semir lag auf dem Bauch um die Wunden auf dem Rücken zu schonen. Die Ärzte schienen ihn zusätzlich noch zu beatmen. Noch war sein Partner nicht wach. Kein Muskel rührte sich. Nur die Atemmaschine und das EKG piepten und arbeiteten fröhlich vor sich hin in dieser trostlosen und unheimlich wirkenden Umgebung. „Semir bitte...lass uns nicht alleine. Nicht jetzt.... noch einen Freund zu verlieren will ich nicht. Die PASt ist schon ohne Hotte so leer. Wenn du jetzt gehst, wer soll dann mit mir auf der Autobahn die bösen Buben jagen und unsere Autos schrotten? Ich will keinen Grünschnabel vor die Nase gesetzt bekommen oder einen alten Paragraphenreiter, der nur Dienst nach Vorschrift bis zur Pension machen will. Denk doch mal an Andrea und die Kinder...“, murmelte Ben und sofort bekam er Panik. Andrea...er hatte sie noch nicht angerufen. Ben nahm sein Handy hervor und blätterte im Telefonbuch. Als er aber Andreas Namen vor sich sah, drückte er sie weg. Nein....nein, das wollte er nicht jetzt. Er konnte es einfach nicht. Stattdessen wählte er Hartmut an und ging mit entschlossenen Schritten dem Ausgang entgegen. „Hartmut...hast du das Signal vom Sender auffangen und zurückverfolgen können?“, fragte Ben mit fordernder Stimme. „Ich wollte dich gerade anrufen. Der Empfänger ist in der Domstraße 48.“, erwiderte der Techniker. Ben blieb abrupt stehen. Das war doch die Adresse von Susanne. „Wie weit kannst du das Ding genau aufspüren?“ „Bis zu vier Meter genau.“, erwiderte der Techniker. „Gut, dann komm mit deiner Hightech-Ausrüstung sofort dorthin und warte auf mich.“, forderte Ben und legte auf. Doch sofort wählte der junge Hauptkommissar eine weitere Nummer an. „Chefin, ich brauche sie und das SEK in Susannes Haus. Dort soll der Sender sein.“, berichtete Ben. „Ich mach mich gleich auf den Weg. Wie sieht es mit Semir aus?“ „Schlecht...Ähm Chefin, könnten sie Andrea anrufen? Ich schaff das nicht.“ Kim versprach Ben diese Bürde abzunehmen und legte dann auf. Ben Jäger...du Feigling, schallte er sich und steckte seine Hand in die Tasche. Zufälligerweise berührte er den Ring und nahm die Dose hervor. „In guten wie in schlechten Zeiten...“, las er unweigerlich die Gravur noch einmal. „Chefin...vergessen sie das mit Andrea. Ich fahre sofort zu ihr und komme dann zu Susannes Wohnung.“, erklärte er, stieg in seinen Mercedes und fuhr los.

    Andrea war mit den Kindern im Wohnzimmer, spielte mit Lilli und beobachtete Ayda bei den Hausaufgaben. „Mama, ist das hier richtig?“, fragte die mittlerweile 7 Jahre alte Tochter und hob ihr Schulheft hoch. „Zeig mal her...“, meinte Andrea und nahm ihr das Heft aus der Hand. Die zweifache Mutter warf einen Blick auf die Zahlen und tippte kurz mit dem Finger rauf. „Hier...bei dieser Aufgabe stimmt was nicht, Kleines. Da musst du noch mal nachrechnen.“ Sie reichte das Heft wieder an Ayda, die missmutig auf die Zahlen sah. „Och man...“, kam es von dem kleinen, blonden Mädchen und schon nahm sie die Finger zu Hilfe, rechnete das Ganze noch einmal nach. „Da fehlt was. Die Zahl hat sich versteckt.“, rief Ayda freudig aus und korrigierte das Ergebnis. Andrea lächelte und wollte gerade den Fernseher einschalten, als es an der Tür klingelte. „Wer besucht uns denn da?“, fragte sie Lilli und setzte die Kleine auf der Couch ab, während sie zur Tür ging. Als sie die Tür einen Spalt öffnete, bot sich ihr ein schrecklicher Anblick, der sie im ersten Moment zusammenschrecken ließ. „Ben, wie siehst du denn aus? Hast du in Farbe gebadet?“, stieß sie aus. Als sie aber den ernsten und zugleich beklommenen Gesichtsausdruck des Freundes sah, schoss es ihr durch den Kopf, dass es keine rote Farbe sondern Blut sein könnte. Ihr kam ein schrecklicher Gedanke, der ihre Knie weich werden ließ.
    „Nein...nicht Semir...bitte nicht schon wieder Semir...“, flehte sie und brach fast zusammen, wenn Ben sie nicht instinktiv mit seinen noch immer blutverschmierten Händen aufgefangen hätte. „Andrea, er liegt auf der Intensivstation. Ich...ich wollte es dir persönlich sagen. Bitte, es...es ist besser, wenn du dich nicht aufregst.“, versuchte er sie zu beruhigen. „Wie...wie soll ich mich beruhigen? Semir...mein Mann...der Mann meiner Kinder...mein Leben...liegt im Krankenhaus. Ben, sag mir, was passiert ist. Bitte, ich muss es wissen. Nein, ich will es wissen.“, flehte sie mit energischer Stimme und packte den Arm des Freundes. „Andrea, ich...“ „Nein Ben...ich habe ein Recht, es zu erfahren.“, fauchte sie. Tränen sammelten sich in den Augen und liefen die Wangen entlang. Was war mit Semir? Wie schwer verletzt war er? War das Semirs Blut auf Bens Sachen? Er musste sehr viel geblutet haben, denn Bens Shirt, die Jacke und die Hände waren voll vom roten Lebenssaft. Ben erzählte ihr, was passiert war und Andreas Augen weiteten sich immer mehr. „Nein...was...was soll das heißen, er kann sich vielleicht nicht mehr bewegen?“ „Eine Kugel hat eine Rippe zertrümmert und der Splitter ist ins Rückenmark eingedrungen. Die Ärzte können noch nicht sagen, wie weit er Schaden genommen hat. Vorläufig haben sie ihn in ein künstliches Koma verlegt und wissen noch nicht, wann sie ihn wieder aufwecken.“, erklärte Ben leise. „Ich will zu ihm. Ich...ich werde meine Nachbarin bitten, sich um die Kinder zu kümmern. Ben, versprich mir eins...finde den Kerl, der Semir das angetan hat.“ „Das werde ich Andrea...“, versprach er und fuhr weiter zu Susannes Wohnung.

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  • Kim und Hartmut und das SEK warteten vor Susannes Haus auf Ben. „Haben sie es Andrea gesagt?“ Ben nickte auf Kims Frage hin. „Sie wollte gleich ins Krankenhaus fahren. Ich soll mir den Kerl schnappen und genau das werde ich jetzt tun.“, knurrte der junge Hauptkommissar, zog sich seine Schutzweste über und wusch sich dann mit einer Flasche Wasser das schon verkrustete und getrocknete Blut von den Händen, ehe er sich die Handschuhe überstülpte und dann seine Waffe entsicherte. „Los Rotschopf...dann lass mal deine Technik spielen und zeig mir, wo der Kerl oder der Sender ist.“, forderte er von Hartmut. Der Techniker nickte und ging mit seiner kleinen Wundermaschine voran. Auf dem Notebook blinkte immer wieder ein Licht auf und der Ton wurde stärker oder schwächer je dichter sie kamen oder weiter weg sie waren. „Hier...hinter der Tür ist er.“, flüsterte Hartmut. „Das ist Susannes Wohnung.“, stieß Kim aus. „Okay, wir gehen rein.“, kam es knapp von Ben. Kim nickte und machte ihre Waffe bereit, winkte einen SEK-Beamten nach vorne, der mit einem Rammbock die Tür aufbrach. Sofort stürmten alle in die Wohnung, sicherten den Flur und die angrenzenden Räume, ehe sie dann im Wohnzimmer mit angrenzendem Schlafzimmer standen. „Verdammt...“, fauchte Ben und sah auf das verwühlte Bett. In seinem Kopf arbeitete es. Susanne war gestern mit Finn zusammen und sicher waren sie bis heute morgen zusammen geblieben. War das möglich? Hatte Semir mal wieder Recht? „Ben, das hier...das ist der Empfänger.“, meinte Hartmut und hielt das eingetütete Blackberry hoch. Oben in der rechten Ecke war ein Farbklecks zu sehen. Er war grün. In Ben kam ein schlimmer Verdacht auf. Jetzt fiel ihm die Nummer wieder ein, die er bei dem Sohn von Hooven fand. Schnell tippte er sie in sein Handy und drückte auf den grünen Knopf. Wie aufs Stichwort leuchtete das Display des Blackberrys auf. „Verdammt...das darf doch nicht wahr sein.“, fauchte er. „Untersuch, ob es das gleiche Grün ist, wie auf der Patronenhülse. Ich muss weg.“ „Ben, wo wollen sie hin? Ben...“, rief Kim ihm nach und sah nur noch aus dem Fenster, wie der silbergraue Mercedes vom Platz rauschte.

    Andrea saß an Semirs Bett, hielt seine Hand. Die grüne, sterile Kleidung saß etwas eng an ihrem Körper und verfärbte sich auf einer Stelle der Brust dunkel. Die Tränen, die sie vergoss, rannten über die Wangen zum Kinn und tropften auf den Kittel. „Semir...Semir, bitte werde wieder gesund. Bitte, wir brauchen dich doch alle. Was soll ich deinen Töchtern sagen, wenn sie nach dir fragen? Lilli will doch immer mit dir Pferdchen spielen.“, meinte sie mit einem weinenden Lachen im Gesicht. Semir lag nach wie vor auf dem Bauch und wurde künstlich beatmet. „Frau Gerkhan?“, riss sie eine zierliche Stimme aus den Gedanken. Andrea drehte sich erschrocken um und ließ die Hand ihres Mannes los. „Ich bin die behandelnde Ärztin ihres Mannes, Doktor Janine Drescher.“, stellte sich die Frau vor. „Frau Doktor...was ist mit meinem Mann? Wie geht es ihm?“, wollte Andrea sofort wissen und war aufgestanden. Die junge Ärztin atmete tief ein und nahm die Frau bei der Hand. „Ich will ehrlich zu ihnen sein. Die Kugel hat das Rückenmark gestreift und Flüssigkeit ist ausgetreten. Wir mussten ihn in ein künstliches Koma versetzen, damit die Schusswunden ausheilen können. Erst danach können wir feststellen, was für irreparable Schäden die Verletzung am Rückenmark angerichtet hat.“, meinte Dr. Drescher. „Was...was kann denn im schlimmsten Fall passieren?“, fragte Andrea nach. Zwar wollte sie es nicht wissen. Zu groß war die Befürchtung, dass der schlimmste Fall eintreten würde. „Im schlimmsten Fall...“, murmelte die Ärztin und blickte auf den im Bett liegenden Patienten. „Im schlimmsten Fall würde ihr Mann ein Rollstuhl brauchen. Wir gehen davon aus, dass die Beine gelähmt bleiben könnten.“, erklärte sie. „Das...das ist der Tod für meinen Mann. Wenn er nicht mehr Auto fahren oder Verbrecher jagen kann, geht er ein.“, meinte Andrea leise. Janine Drescher lächelte kurz auf. „Noch gibt es einen kleinen Schimmer Hoffnung. Wir konnten das Rückenmark schnell stabilisieren. Aber, Komplikationen können durchaus noch auftreten. Jetzt müssen wir erst mal abwarten, bis ihr Mann wieder aufwacht.“

    Ben sah auf das Handy, als es während der Fahrt klingelte. „Chefin, ich habe so eine Ahnung, wer der Attentäter sein könnte. Fahren sie zur Familie Hooven und nehmen sie sich den Jungen vor. Ich habe bei ihm eine Nummer gefunden, die zu dem Blackberry passt, dass Hartmut vorhin sichergestellt hat.“, erklärte er schnell. „Ben, ich schicke ihnen Bonrath und Frau Dorn zur Verstärkung. Wo sind sie?“, fragte Kim. „Ich brauche keine Verstärkung. Bitte Chefin, ich will erst mal überprüfen, ob ich mit meinem Verdacht richtig liege.“ „Na gut, aber sie melden sich wieder, wenn sich etwas neues ergibt. Keine Alleingänge.“, mahnte sie durchs Telefon. „Keine Sorge Chefin...“, erwiderte Ben und legte auf. „Ich werde ihm nur den Hals umdrehen.“, knurrte Ben und sah auf die Straße. Er war nicht mehr weit weg von Finns Haus. Er musste vorsichtig sein. Susanne war verschwunden. Die Kollegen hatten versucht, die Sekretärin zu erreichen und zu finden, doch sie war verschwunden. Für Ben bedeutete dies, dass sie bei Finn war. Sicherlich nicht freiwillig. Susanne würde nie bei einem Menschen bleiben, von dem sie wusste, dass er ein Attentäter ist. Aber vielleicht war sie ja auch noch vollkommen ahnungslos und sie war freiwillig mit Finn mitgefahren. Ben würde es gleich wissen. Er bog die Auffahrt hinauf, stellte den Wagen ab und stieg aus. Von Finn war nichts zu sehen.
    Ben zückte seine Waffe und ging vorsichtig um das Haus herum. Die Türen waren verschlossen und auch die Fenster ließen sich nicht von außen öffnen. Doch dann fand er die Terrassentür angelehnt vor. Ben sah sich um. Im nahe gelegenen Wald war keiner, doch das Auto stand an seinem Platz. Sicherlich war Finn irgendwo im Haus. Er musste ganz schön vorsichtig sein. Denn wenn Finn das Phantom war, der mehrere Menschen eiskalt ermordet hatte, dann war er hier irgendwo und lauerte auf Ben. Der junge Hauptkommissar stieß die Tür leise auf und zielte mit seiner Pistole in den Raum hinein. Nichts...das Wohnzimmer war leer. Er schlich weiter. Die Waffe dabei immer im Anschlag habend. Jeder Raum wurde von ihm durchsucht, doch das ganze Haus war leer. Schließlich kam Ben in die große Werkstatt, wo er schon einmal mit Finn und Semir stand. Das war der letzte Raum, den er durchsuchen wollte. Als auch hier die Luft rein war, ließ er vorsichtig seine Waffe wieder ins Halfter gleiten und blickte sich die Fotos genau an. Alles sah nach normalen Portraitstudien aus. Gesichter von Männern aus verschiedenen Zeitungen hingen an den Clipcharts und waren mit Bleistiftmarkierungen versehen. Auf dem ersten Blick alles normal. Ben ging durch das Zimmer und lehnte sich gegen die Werkbank, auf deren Oberfläche sich einige Farbspritzer befanden. Plötzlich klappte ein Teil der Wand nach vorne und schlug gegen Bens Hinterkopf. Erschrocken und mit sofort gezückter Waffe fuhr er rum und blickte in einen kleinen kastengroßen Hohlraum hinein. „Na aber hallo...“, stieß er aus und nahm vorsichtig und mit einem Taschentuch die Waffe heraus, die sich dort drin befand. Ein kurzer Geruchstest am Mündungsende und Ben wusste, dass aus dieser Waffe vor kurzem geschossen wurde. Die Patronen daneben sah sich Ben genauer an. An einigen waren kleine Farbanhaftungen. Wie bei der Tatmunition. Ein Schalldämpfer lag ebenfalls in dem Versteck. Mit großer Sicherheit wurden damit Niels Brauner und Klaus Freitag erschossen. Und Finn war der Schütze. So eine verdammte Scheiße noch mal, fluchte Ben und sah sich nochmals um. Plötzlich klapperte etwas draußen auf dem Flur. Wieder war die Hand an seiner Waffe. Vorsichtig stieß er die Tür auf und ging in den Flur hinein. Nervosität machte sich in ihm breit. Schweiß trat auf die Stirn und benetzte seine Haut. „Finn...komm raus...oder...ich hole dich.“, rief er eine kleine Leiter hinauf, die scheinbar auf den Dachboden führte. Keine Antwort. Verdammt...jetzt muss ich ihn wirklich holen...dachte Ben und begann mit dem Aufstieg ins Dunkle und Ungewisse.

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  • Kim fuhr zum Haus der Familie Hooven und klingelte. „Wer sind sie denn und was wollen sie?“, fauchte der Junge und blickte auf. „Kim Krüger, Kripo Autobahn. Ich möchte gerne mal mit dir sprechen.“, meinte sie und drängte sich an dem Jungen vorbei. „Wie ist dein Name?“, fragte sie sofort nach. Hannes schwieg und stellte sich in eine herablassende Pose vor die Kommissarin. „Warum wollen sie das wissen?“, knurrte er sie an. „Weil es sich dann leichter plaudert. Ich kann dich auch siezen, doch dafür scheinst du mir nicht der Typ zu sein.“, lächelte sie ihn an. Der Junge nickte. „Mein Name ist Hannes. Kommen sie, gehen wir nach oben.“, meinte er mit dennoch misstrauischer Stimme. Sie stiegen die Stufen hinauf und Kim betrat das Zimmer des Jugendlichen. „Gestern war schon einmal ein Polizist bei mir. So ein Großer mit Wuschelfrisur.“, meinte Hannes und ließ sich auf seinen Stuhl fallen. „Genau und deswegen bin ich hier. Mein Kollege hat bei dir eine Telefonnummer gefunden, die einem Auftragsmörder gehört. Wie kommst du dazu?“, wollte sie gerade heraus wissen. Hannes rutschte nervös auf seinem Stuhl hin und her. „Ich...ich hab sie im Internet gefunden. Unter...unter Kleinanzeigen.“, versuchte er sich rauszureden. „Willst du mich für dumm verkaufen?“, fauchte Kim und schlug damit einen ganz anderen Ton an. Vorbei war die nette, freundliche und sanfte Tour, mit der sie ins Haus gekommen war. Jetzt war sie die knallharte Polizistin, deren Verhörmethoden nun diesen 17jährigen in die Knie zwingen würde. „Junge, du bist strafmündig. Und wir reden hier nicht von einer Strafe von drei, vier Monaten wegen Diebstahls. Das ist Anstiftung zum Mord und da landest du bei vier bis fünf Jahre.“, stieß Kim aus und beobachtete jegliche Reaktion des Jungen. Er brach emotional förmlich zusammen und fing an, bitterlich zu weinen.
    „Das Gericht ist schuld. Es...es hat diesen Kerl freigesprochen, obwohl er es zugegeben hat.“, stieß Hannes aus. „Von einem Geständnis stand nichts in den Akten.“ „Nein, er hat es nach der Verhandlung zugegeben. Er ist auf meine Mutter und mich zugekommen und hat uns um Entschuldigung gebeten. Mein Vater musste von den Beamten festgehalten werden, damit er sich nicht an ihm vergeht. Er hat es nur uns gesagt, sonst niemanden. Ich...ich musste einfach meinen kleinen Bruder Gerechtigkeit widerfahren lassen. Nicki hat es verdient, dass sein Tod gerächt wird.“, stieß Hannes unter Tränen aus. Kim bekam Mitleid mit dem Jungen. Hätte sie an seiner Stelle anders gehandelt? „Eins will ich noch wissen...woher hast du die Nummer? Aus den Gelben Seiten sicherlich nicht. Also, wie bist du da ran gekommen?“, fragte sie und sah den Jungen eindringlich an. Hannes hob den Kopf und blickte die Kommissarin an. „Ich...ich kann mich nicht daran erinnern. Aus dem Internet, aber ich weiß nicht mehr, wo.“, meinte Hannes und wischte sich die Tränen aus den Augen. „Ich muss dich mitnehmen auf die Wache, damit wir deine Aussage zu Protokoll nehmen können.“, meinte sie und zog die metallenen Armbänder hervor. „Bitte, nicht die...ich komme auch so mit. Wie hoch wird meine Strafe sein?“, wollte er vorsichtig wissen. „Das wird das Gericht entscheiden, aber ich bin sicher, ich kann da was für dich tun. Du bist jung und hast das aus deiner Sicht Richtige getan. Aber das Richtige ist manchmal auch das Falsche.“, meinte Kim und nahm den Jungen mit.

    Ben stieg die ersten Stufen hoch und blickte mit den Kopf auf den dunklen und ziemlich überfüllten Dachboden. „Finn, ich weiß, dass du hier bist.“, rief er durch das Gerümpel und stieg weiter nach oben, die Waffe immer im Anschlag. „Komm raus und zeig dich.“ Ben betrat die letzte Stufe und stand dann vollends auf dem Dachboden. Ein hässliches Lachen ertönte und hallte aus scheinbar jeder Ecke. Ben blickte sich immer wieder um. Die Waffe suchte jeden Winkel, jede Kiste ab, doch nichts war da. „Ben, du kennst mich doch. Du weißt, aufgeben ist nicht.“, hörte er Finns Stimme rufen. „Gib auf...ich hab dich...und wir haben genug Beweise gegen dich. Der Sender und die Waffen haben wir gefunden, ebenso wie dein Blackberry.“ „Och Ben...ist es wirklich mein Blackberry? Ihr habt nur ein Blackberry gefunden, dass zu irgendeiner Nummer gehört, die Menschen anrufen, um Gerechtigkeit zu bekommen.“, tönte Finns Stimme von scheinbar überall her. Immer wieder kreiste Ben um seine eigene Achse und war mehr als angespannt. Sein ganzer Körper, die Nerven und die Muskeln, waren zum Zerreißen gespannt. „Bist du sicher? Ich hab gerade eine Waffe gefunden und die passenden Kugeln mit Farbe dran. Unsere Kriminaltechniker können schnell feststellen, ob es die gleiche Farbe ist, die wir an der Kugel aus Brauner gefunden haben.“, rief Ben durch den Raum. Seine Stimme wurde vom weiten Raum förmlich verschluckt. „Dann muss ich mir jetzt was einfallen lassen.“, hörte er dicht an seinem Ohr. Ben erschrak. Ehe er sich aber umdrehen konnte, wurden ihm die Beine weggezogen und der junge Hauptkommissar verlor das Gleichgewicht, polterte die Leiter vom Boden hinunter und blieb regungslos im Flur liegen. Oben stand Finn und nahm Bens Waffe an sich. „Mein Freund, du musstest dich ja auch einmischen.“

    Dieter und Jenny brachten den Jungen in Kims Büro, als sie mit ihm die Wache betrat. „Frau Dorn, versuchen sie bitte Susanne oder Ben zu erreichen.“, forderte Kim, als die junge Beamtin wieder zurückkam. „Mach ich, Chefin.“, erklärte sie, nahm den nächstbesten Hörer ab und wählte eine der Nummern an, musste aber dann auflegen. „Frau Krüger...die Handys sind an, doch ich bekomme nur die Mailbox ran.“ „Lassen sie beide Handys anpeilen. Irgendwo müssen sie ja stecken. Hat sich Hartmut schon gemeldet?“, wollte Kim von der jungen, motivierten Polizistin wissen. „Noch nicht...ich glaube, er ist noch bei der Arbeit.“ „Gut, dann fahre ich jetzt erst einmal ins Krankenhaus. Melden sie sich, wenn die Peilung steht.“ Damit fuhr Kim wieder davon und war kurze Zeit darauf im Krankenhaus, wo Andrea immer noch an Semirs Bett saß. „Wie geht es ihm?“, fragte die Kriminalrätin und blickte auf den auf dem Bauch liegenden, an verschiedene Geräte gefesselten Deutschtürken. Die Beatmungsmaschine und das EKG piepten monoton vor sich hin. Eine bedrückende Stimmung herrschte im ganzen Raum. „Unverändert. Die Ärztin sagte mir, dass er vielleicht gelähmt sein wird.“, stieß Andrea mit Tränen in den Augen aus. „Wenn Semir seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, das bringt ihn um. Und was dann aus unserem Haus wird, wage ich gar nicht zu denken.“, stieß die zweifache Mutter aus. Kim schluckte schwer. Das war eine Schockdiagnose. Zaghaft nickte sie Andrea zu. Sie kannte Semir noch nicht lange, doch auch für sie war klar, dass Semir, sollte er seine Füße nicht mehr bewegen können, eingehen würde. „Andrea, ich bin mir sicher, dass Semir das nicht zulassen wird. Er wird kämpfen. Sicherlich wird er wieder vollkommen gesund.“, machte Kim ihr Hoffnung, doch so recht wollte sie selbst nicht dran glauben.

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