Freundschaftsbeweis

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  • jenni

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  • Freundschaftsbeweis



    Der nervige Klingelton ging mitten in der Fahrt los und Ben sah zu Semir, der auf dem Beifahrersitz sass und unaufhörlich fluchte, als er das Handy in allen Taschen suchte. Ben sah zwischen den Sitz hinunter, fischte mit einer Hand das Mobiltelefon hervor und reichte es seinem Partner. „Danke“, grummelte dieser und nahm ab. „Andrea, Schatz, was gibt’s?“, fragte dann mit aufgesetzter, lieblicher Stimme und Ben rollte grinsend mit den Augen. „Was? Wieso, warum?“ Immer wieder wiederholte Semir die Fragewörter und klang wie ein kleines Kind, dass quengelte, weil es etwas tun musste, was es nicht tun wollte. „Andrea, wieso dieses Wochenende? Ich habe dieses Wochenende doch nicht frei…ja natürlich ist das ein Grund aber, dann muss ich ja Abends mich alleine in die Decke kuscheln!“ Semir sah zu Ben der seinen Mund zu seinem O formte und ihn dabei anzwinkerte. Semir fuchtelte seinem Partner mit der Hand wild im Gesicht rum und Ben verstand. Er konzentrierte sich wieder auf den Verkehr und versuchte, dem Gespräch von Semir keine Beachtung zu schenken, was ihm aber sichtlich schwer fiel, da er sich über Semirs Verhalten nur amüsieren konnte.
    „WAS? Bestimmt nicht! Nichts da, die kommt mir nicht ins Haus, wenn ich arbeiten muss und am Abend todmüde nach Hause komme! Ja was kann ich dafür, wenn die sich in meiner Gegenwart wie eine alte Kratzbürste benimmt?“ Ben ahnte so langsam um wen es sich in diesem Gespräch handelte. Denn obwohl Semir ein Türke und Muslim war, deren Männerstolz ja bekanntlich unendlich war, behandelte er die Frauen immer respektvoll und achtete auf die richtige Ausdrucksweise – wie ein wahrer Gentleman eben. Für Ben war Semir das beste Beispiel eines guten integrierten Ausländers der seinen deutschen Pass zu Recht verdient hatte.
    Nur eben…bei einer Frau konnte Semir das überhaupt nicht, doch dieses Leid, trug er wahrscheinlich mit aber Millionen Männern auf dieser Welt.
    „Andrea, deine Mutter kommt dieses Wochenende bestimmt nicht in mein Haus! Vergiss‘ es! Auf gar keinen Fall!“ Ben konnte sich ein Prusten nicht verkneifen. Er hatte es gewusst, Semir konnte, wie so viele Männer, seine Schwiegermutter nicht ausstehen und bezeichnete sie immer als „rachsüchtige Hexe“ wenn Andrea nicht in der Nähe war.
    „Ja, dann fahrt doch zu ihr hin! Nein wir sind nicht wieder am Anfang! Nein ich mache nicht alles noch komplizierter!“, keifte Semir energisch und Ben musste sich wirklich konzentrieren, den Blick nicht von der Strasse zu wenden.

    „Ja eben wo liegt dann das Problem? Bis heute Abend!“, beendete Semir seinen Wutanfall und hängte auf. „Alle Punkte der Liste abgehackt Herr Familienregent?“, fragte Ben grinsend uns Semir schlug kurz aufs Armaturenbrett. „Diese Frau bringt mich noch ins Grab!“ „Wer jetzt, Andrea oder dein geliebtes Schwiegermütterchen?“ Semir knurrte kurz. „Wahrscheinlich Beide“, gab er dann kurz zur Antwort.
    „Wenn du willst, kannst du auch in an dem Wochenende zu mir pennen kommen, dann machen wir Abends immer eine schöne Männerrunde. Hab‘ mir drum die neuste Konsole gekauft und hab sogar ein neues Rennspiel. Natürlich nur wenn du Bock hast…“ Semir lächelte leicht. „Ja, in deiner Müllhalde zu schlafen ist mir immer noch lieber als diesem Biest über den Weg zu laufen“, sagte er und puffte Ben in die Seite.
    In diesem Moment überholte ein dunkelblauer Audi sie in einer hohen Geschwindigkeit und Autos mussten ausweichen, weil der Fahrer des Wagens nur geradeaus fuhr. „Sag‘ mal geht’s dem noch?“, schimpfte Ben und Semir nahm die Kelle hervor. „Hol‘ den ein, ich bin gerade in der richtigen Stimmung, um jemand zur Sau zu machen“, sagte er angriffslustig und Ben trat aufs Gaspedal. Gerade, als er daran war, den Wagen einzuholen, nahm dieser eine starke Kurve, durchbrach eine Leitplanke und fuhr über einen Hügel. Der Wagen schwang sich in die Luft und verschwand hinter der Erhebung. „Ach du scheisse!“, stiess Semir hervor und Ben parkte den Wagen sofort auf dem Pannenstreifen. Sie rannten über den Hügel und sahen, dass der Wagen normal stand, aber das Dach eingedellt war, also musste sich der Wagen überschlagen haben. Aus der Motorhaube, entwich ein wenig Rauch. Semir und Ben rannten hinunter und erblickten einen Mann in Bens Alter, der am Steuer sass. Er trug sein dunkelbraunes, beinah schwarzes Haar kurz. Die Kleidung bestand aus dunkelblauen Jeans, Lederschuhen und einem Jackett.
    Er war bewusstlos. Aus einer Platzwunde an der Stirn, floss Blut und der Mann zitterte, war schweissüberströmt. „Er muss sofort hier raus“, murmelte Semir und löste den Sicherheitsgurt, damit Ben ihn raustragen konnte. Er legte ihn auf den Boden und fühlte den Puls. „Meine Güte der rast wie eine Dampfwalze“, murmelte er und holte sein Handy hervor. „Ich rufe sofort einen RTW“, sagte er zu Semir und dieser nickte. Ein grässlicher Gestank drang in seine Nase und er roch, dass dieser vom Kofferraum aus kam.

    Ben tastete den Bewusstlosen nach weiteren Verletzungen ab, tatsächlich, fühlten sich einige Rippen der rechten Seite seltsam an und mussten anscheinend gebrochen sein. Ben suchte in seinen Taschen nach einem Hinweis, wer der Mann sein konnte, als er schlussendlich eine Geldbörse gefunden hatte, hörte er ein Würgen von Semir und ging auf ihn zu. „Was ist?“, fragte er und blickte ein den Kofferraum. Eine abgemagerte Leiche eines jungen Mannes lag darin. Nur noch in der Unterwäsche bekleidet. Im Brustkorb steckte ein Messer. „Meine…“, weiter kam Ben nicht. Er hielt sich die Hand vor dem Mund um die aufkommende Übelkeit zu unterdrücken, mit der anderen klappte er die Geldbörse auf und was er da im Kartenfenster sah, liess ihn die Übelkeit sofort vergessen. Er rannte wieder sofort zu dem Verletzten um das Foto zu überprüfen. „Semir!“, rief er und der Angesprochene kam sofort zu um. „Sieh dir das mal an.“ Semir nahm die Geldbörse, die Ben ihm entgegenstreckte, an sich und sah sich die Karte an. „Verdammt…“, stiess er aus und las nochmals genau.
    „Noah Riemann – Mordkommission Köln…“
    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!
  • „Wieso hat ein Polizist der Mordkommission eine Leiche in seinem Kofferraum?“, fragte Semir laut und blickte zu Ben, der immer wieder den Puls des verletzten fühlte. „Vielleicht hat er sich Arbeit für Zuhause mitgenommen?“ Der Deutschtürke zog eine Augenbraue hoch – mehr, sagte er dazu nicht.
    „Was meinst du, ist er schwer verletzt?“, auf Semirs Frage hin zuckte Ben mit den Achseln. „Ich tippe ein paar Rippen sind gebrochen, aber mich beunruhigt mehr das Zittern und der eiskalte Schweiss…“ Semir wusste genau was Ben meinte, doch wollte er den Gedanken nicht laut aussprechen. „Warten wir lieber auf den Notarzt, der hat davon mehr Ahnung als wir“, sagte er leise und zog seine Jacke aus, um ein Kissen für den Verletzten zu formen, damit er es unter den Kopf legen konnte.
    Als die Beiden lautes Sirenengeheul vernahmen, lief Semir auf den Hügel. „Der RTW na endlich“, keuchte er und lief sofort auf diesen zu, nachdem er durch heftiges winken die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Ein Notarzt und vier Sanitäter kamen auf ihn zu. „Er ist hinter dem Hügel, nicht ansprechbar“, sagte Semir kurz und der Notarzt nickte. Er folgte Semir und beugte sich sofort über den Verletzten, nachdem Ben sich zurückgezogen hatte. „Ich rufe sofort Hartmut und den Gerichtsmediziner an“, kündigte er dann Semir an und dieser nickte dankend.
    „Das sieht nach einem kalten Entzug aus. Wir brauchen Kochsalzlösung zur Stabilisierung.“ Einer der Sanitäter nickte und bereitete eine Infusion vor.
    Semir schluckte, also war er mit seiner Vermutung richtig. Der Arzt tastete behutsam den Körper ab. 4. bis 6. Rippe gebrochen. Platzwunde an der Stirn. Rechtes Handgelenk gestaucht und…Moment…“ Der Arzt schob behutsam den Ärmel hoch und eine rote, grässliche Schürwunde wurde sichtbar. Semir sah sich diese genau an. „Wir bringen ihn sofort ins Marien…ich werde die Verletzungen protokollieren und Ihnen die Fotos zuschicken!“ Semir nickte dankend. „Bitte melden Sie mir, wenn Sie fertig sind, oder der Verletzte vernommen werden kann!“ Er gab dem Doktor seine Visitenkarte. Danach wies der Arzt die Sanitäter an, den Verletzten auf die Trage zu legen, danach brachten sie ihn zum Rettungswagen und fuhren los.
    „Ein eiskalter Entzug…“, murmelte Semir und drehte sich um, als Ben auf ihn zukam. „Daher also das Zittern“, sagte Ben und Semir nickte. „Rekapituliere, wir haben einen Unfall mit einer Leiche, ein Verletzter Polizist der der Fahrer des Wagens war und dazu noch auf Drogen?“ Semir nickte halbwegs auf Bens Satz hin und verschränkte die Arme. „Als ob ich nicht schon genug Ärger hätte, zischte er dann und blickte erneut in den Kofferraum. Inzwischen hatte sich der Magen an diesen Anblick gewöhnt gehabt. Er nahm ein Papiertaschentuch hervor, um den Kopf des Toten zu drehen, um das Gesicht besser sehen zu können. „Oh nein…“, stiess er hervor und Ben kam auf ihn zu.

    „Was ist denn?“, fragte er und Semir wies auf das Gesicht. „Das ist Dario Mosner. Sohn des Bürgermeisterkandidaten Frank Mosner!“ Bens Kinnlade fiel beinahe runter. „Ach du Scheisse“, stiess er hervor. „Na klasse, das wird ja immer verrückter!“ Ben musste Semir recht geben. „Aber, Mosner wurde doch laut Zeitungsberichten immer sehr gut bewacht, da er ja so ziemlich quere Ansichten hatte und deshalb viele Drohungen erhalten hatte. Sein Sohn hatte doch auch Leibwächter oder?“ Semir nickte auf Bens Frage. „Dann frag ich mich aber, wie das passieren konnte? Denn der Leichnam ist ja abgemagert, sprich, Dario Mosner muss zuvor noch entführt worden sein – nicht wahr?“ Wieder ein Nicken. Ben strich sich über den Kopf und verstand die Welt nicht mehr.
    „Am besten wird es wohl sein, dass wir Hartmut und die Anderen abwarten, ohne Handschuhe will ich hier nichts anfassen…“

    Rund eine halbe Stunde dauerte es, bis Hartmut mit seinem Team kam. „Es kann wohl keine Woche vergehen, wo ihr irgendwo ‚ne Leiche aufsammelt“, begrüsste er die Beiden und Semir seufzte. „Jap, aber dieses Mal eine Besondere, so als Bonus!“, sagte er und Hartmut sah sich die Leiche an. Auch er erkannte den jungen Mann sofort. „Meine Fresse…“ „…ich hätte es nicht besser ausdrücken können“, bemerkte Ben und Hartmut kratzte sich am feuerroten Haarschopf. „Weiss man denn schon, wer den Wagen gefahren hat?“ Semir und Ben erzählten Hartmut die ganze Geschichte und Ben zeigte dann den Ausweis. „Kennst du ihn zufälligerweise?“ Hartmut sah sich das Foto an, schüttelte aber mit dem Kopf. „Leider nicht…ich kümmere mich ja nicht um alle…jedoch werde ich schauen, was ich für euch tun kann!“ Semir nickte dankend zum Abschied und in dem Moment klingelte sein Handy, er blickte auf seinen Display und nahm ab. „Ja?...Ah, Herr Doktor…super…okay? Ja ist gut wir kommen sofort, vielen Dank für ihre Hilfsbereitschaft!“ Er hängte auf. „Und?“, fragte Ben neugierig und Semir steckte das Handy in die Gesässtasche. „Unser Raser ist aufgewacht, anscheinend völlig verwirrt, allerdings schwebt er nicht in Lebensgefahr…am Besten ist es, wir lassen unseren Feuerpinsel hier weitermachen, und sehen mal nach, was genau mit dem Typen los ist!“ Ben nickte zustimmend und wies stolz auf seinen Mercedes. „Na was sagst du? Er ist noch heil!“, verkündete er stolz und Semir grinste. „Noch“, sagte er knapp und stieg ein.
    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!
  • Im Marienkrankenhaus wurden Semir und Ben von dem Notarzt empfangen. Sein Name war Niklaus Forster. „Hauptkommissar Gerkan, Hauptkommissar Jäger“, begrüsste er die Beiden und schüttelte ihnen die Hand. „Danke, dass Sie uns sofort benachrichtigt haben“, bedankte sich Semir und Forster winkte ab. „Das ist kein Problem. Herr Riemann hat sich wirklich die vierte bis sechste Rippe gebrochen. Zudem kommt eine leichte Gehirnerschütterung und ein angebrochenes Handgelenk. Alles nicht gefährlich, bis auf die Schürfunden an je beiden Handgelenken. Die geben mir zu bedenken. Ich habe alles protokolliert und fotografiert. Das Dossier für Ihren Gerichtsmediziner, liegt beim Empfang bereit, Sie können es nach der Befragung gleich mitnehmen. Jedoch gibt es eben ein Problem: Herr Riemann scheint ziemlich verwirrt zu sein, er kann sich laut eigenen Aussagen, an die letzten 48 Stunden seines Lebens nicht erinnern…“
    „…meinen Sie, dass die Verwirrung echt war?“, fragte Ben nach und Forster nickte. „Glauben Sie mir, ich mache den Job nun seit über 30 Jahren. So gut könnte dies nicht mal Tom Hanks nachstellen. Ich bitte Sie also, mit Vorsicht an den Patienten ranzugehen. So gerne ich der Polizei auch helfe, ist mir das Wohl meiner Patienten doch noch am Wichtigsten!“ Semir und Ben nickten und folgten Forster dann zu einem Krankenhauszimmer, wo der Arzt zuerst klopfte, danach die Türe aufmachte.
    Riemann lag still in seinem Bett, den Kopf zum Fenster geneigt, dass sich an seinem Bett befand. Seine Handgelenke waren verbunden, wobei das angebrochene Gelenk der einen Hand mit einer Manschette, die eine eingebaute Schiene hatte, gestützt wurde. Die Platzwunde am Kopf wurde mit einem grossen Pflaster abgeklebt.
    Der Kopf neigte sich zum Eingang. „Die Autobahnpolizei möchte mit Ihnen sprechen“, kündigte Forster noch an und war danach aus dem Zimmer verschwunden.
    Riemann wirkte müde, blass und kraftlos. Das Zittern war zwar weniger geworden, aber es war noch da. „Autobahnpolizei?“, fragte er heiser nach und die beiden Angesprochenen nahmen ihre Ausweise hervor. „Gerkan und Jäger – wir haben Sie aufgelesen, nachdem Sie ein Mörderchaos angerichtet hatten!“, sagte Semir und setzte sich auf einen Stuhl, der Ben ihm zurechtrückte. Danach nahm auch der Jüngere auf einem Platz.
    Riemanns Augen weiteten sich. „Ich bin Auto gefahren?“, fragte er und Semir nickte. „Sie fuhren unkontrolliert über die Autobahn und sind dann über einen Hügel gerast.“ Riemann fasste sich an den Kopf. „Ich kann mich an rein gar nichts erinnern! Ich weiss nichts mehr! Bis auf die Tatsache, dass ich in den Urlaub wollte und das war vor zwei Tagen!“ Semir sah Ben kurz an. „Ab danach erinnern Sie sich an rein gar nichts mehr?“, fragte der Jüngere nochmals nach und Riemann nickte. „Ich wollte meinen…nun ja…“, er räusperte sich kurz, „…meinen Freund besuchen…“
    „Hat dieser Freund auch einen Namen?“, fragte Semir und Riemann nickte. „Natürlich…Dario Mosner…“, flüsterte er leise und die Augen der beiden Autobahnpolizisten stiegen ins Unermessliche. Semirs Lippen formten ein „Ach du Scheisse“ und Ben stimmte ihm mit einem langsamen Nicken zu. Riemann sah sie verwirrt an. „Stimmt etwas nicht?“, fragte er heiser.

    Doch bevor sie noch etwas sagen konnten, hörten sie von draussen Forster aufgeregt mit jemanden diskutierten. Die zweite Person, ebenfalls ein Mann, hatte eine tiefe, raue, starke Stimme, die bei dem wuterfüllten Tonfall durch Mark und Bein ging. Die Tür ging auf und ein Mann beachtlicher Grösse stand da. Das Haar war blond und einen Vollbart zierte sein Gesicht. Er wirkte wie ein Retroprodukt der achtziger Jahre.
    Forster tauchte hinter ihm auf. „Es tut mir leid meine Herren, dieser Mann ist hier einfach reingestürmt!“, keuchte er und der Blonde richtete seinen Blick zu Semir. „Semir Gerkan?“, fragte er und Semir nickte und lächelte sogleich, was Ben verwunderte. „David Braske – du alte Mistgabel lebst also immer noch…“ Sie gaben sich einen Handschlag. „Komm, mein Partner und ich sind gerade dabei den Patienten zu verhören, dann darfst du dran.“
    „Das geht nicht“, erwiderte David nach dem kurzen Wiedersehen und wurde danach von Semir rausgestossen. „Kümmere dich mal um unseren Patienten“, sagte er zu Ben und dieser verstand die Welt nicht mehr, als die Türe zuging.

    David sah Semir genau an. „Mein Gott, wie lange ist das schon her?“, fragte er und Semir lächelte. „Zu lange…wir sind ja nicht gerade erst aus der Polizeischule gekommen…“ David nickte. „Wie wahr, wir werden immer mehr zu alten Säcken…“
    „David…was machst du eigentlich hier? War doch sonst nicht deine Art, überall rein zu stürmen, das ist mein Metier.“ David verschränkte die Arme und atmete tief durch. „Ich bin inzwischen auch wieder hier in Köln Semir, als Polizist!“ Semir zuckte mit den Achseln. „Das hab ich sofort begriffen als du uns beinahe überfallen hättest!“ David rollte mit den Augen. „So hab‘ ich’s aber nicht gemeint Kumpel! Wieso liegt der Kleine hier im Krankenhaus!“ Ohne es zu wollen, erzählte Semir David die Geschichte und der Blonde begann, immer mehr nervös herumzulaufen. „Das war wirklich Mosners Sohn im Kofferraum?“ Semir bejahte dies. „Verdammte Scheisse…verdammt, verdammt, VERDAMMT!“ Er kickte mit dem Fuss gegen einen Mülleimer und dieser kippte auch um. Semir beugte sich sofort runter und sammelte den Müll unter den Augen einer alten, gehässigen Krankenschwester wieder zusammen. „Was sollte denn das gerade?“, fragte er zischend und David beugte sich ebenfalls herunter, um ihm zu helfen. „Der Junge den ihr gerade befragt…er ist mein Partner bei der Mordkommission Semir…er ist mein bester Freund!“ Semir schluckte und atmete tief durch, wie viele schlechte Nachrichten, würden an diesem Tag denn wohl noch kommen?
    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

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  • So endlich geht's auch bei mir wieder, regelmässig, weiter :)

    „Dein Partner?“, fragte er nochmals nach und David nickte. „Ich begreife das nicht. Noah hat Mosners Sohn wirklich geliebt gehabt…die Beiden hatten sich geliebt gehabt…ich meine…“ „…also war dein Partner wirklich mit diesem Mosner in einer Partnerschaft?“, fragte Semir nochmals nach und funkte dabei David ins Wort. „Ja, Semir ich würde für diesen Jungen meine Hand ins Feuer legen – er kann diesen Mosner nicht umgebracht haben, das glaube ich einfach nicht!“ Semir stellte den Mülleimer wieder auf und atmete kurz durch. „Hör zu, noch wissen wir nichts genaueres, allerdings sieht’s für deinen Partner nicht gerade rosig aus…“ David biss auf die Unterlippe, da musste er Semir recht geben, so schwer es ihm auch fiel.
    Ben kam aus dem Zimmer und Semir sah zu ihm. „Und?“, fragte er neugierig. „Nichts…er kann sich anscheinend wirklich nicht mehr an was erinnern…“ Semir sah David an. „Das ist Ben Jäger, mein Partner. Ben, das ist David Braske, ich war mit ihm zusammen auf der Polizeischule!“ Die Beiden gaben sich die Hand. „Freut mich“, sagte Ben mit einem Lächeln und David erwiderte es. „Darf ich nun zu ihm?“ Semir nickte und gab seinem ehemaligen Mitschulbankdrücker seine Visitenkarte. David tat es ihm gleich. „Ich werde mich melden, sobald ich mehr weiss“, versprach er und David lächelte dankend, danach ging er ins Zimmer seines kranken Kollegen und war verschwunden.
    „Was wollte er denn wissen?“, fragte Ben. „Alles“, antwortete Semir ehrlich und schnalzte kurz mit der Zunge. „Er ist vollkommen überzeugt, dass sein Partner diesen Mosner nicht umgebracht haben kann…“
    „Du lässt dich aber davon nicht beeinflussen oder?“ Semir sah Ben mit einem eindeutigen Blick an. „Natürlich nicht“, fügte er seiner Geste hinzu und lief voraus. Ben kannte diesen Blick genau. Obwohl Semir sagte, dass dies keinen Einfluss haben würde, hatte es dieser schon längst getan. Der junge Hauptkommissar seufzte schwer. Inzwischen konnte er alle Gesten von Semir deuten, immerhin waren sie nun seit bald drei Jahren Partner.
    „Ben, willst du hier auf dem Flur übernachten?“, kam es vom Ende des Ganges und Ben eilte zu Semir, damit sie das Krankenhaus verlassen konnten.

    Der nächste Stopp war die Gerichtsmedizin. Die Beiden hofften, dass der Pathologe ihnen schon einige Informationen liefern konnte. Immerhin waren schon über drei Stunden vergangen und der Mediziner kannte die Beiden genau.
    „Da seid ihr ja“, begrüsste er sie mit einem Lächeln und wies auf die Leiche Mosners, die aufgeschnitten auf dem Tisch lag. Ben musste sich noch immer zusammennehmen. Leichen waren für ihn niemals ein schöner Anblick, besonders wenn die Hautlappen noch auf waren und man direkt in das Innenleben eines Menschen sehen konnte. „Todesursache war eindeutig das Messer. Es ist direkt in eine Herzkammer gestossen. Ein schneller Tod. Allerdings war der Mann unterernährt und hatte einen hohen Flüssigkeitsmangel. Lange hätte er es so oder so nicht mehr gemacht“, er bewegte sich zu den Handgelenken und hob einen der Arme, „wie bei eurem lebenden Kollegen, habe ich auch hier diese merkwürdigen Male gefunden.“
    „Meinst du, sie könnten von Fesseln stammen?“, fragte Semir und der Gerichtsmediziner nickte. „Allerdings, jedoch habe ich nichts in den Wunden gefunden, dass darauf hindeuten könnte, mit was die Beiden gefesselt wurden. Das Messer hab ich zu Hartmut in die KTU geschickt. Ansonsten kann ich euch leider nicht viel sagen, ich versuche, noch was rauszukriegen, auch den Bericht des Kollegen vom Krankenhaus werde ich mir noch genauer durchlesen, in der Hoffnung, was zu finden, meinen vollständigen Bericht schicke ich dann Susanne, wie immer!“ Die Beiden nickten dankend und verabschiedeten sich.
    „Merkwürdige Sache“, murmelte Ben und Semir musste ihm recht geben. Irgendwas war ober faul an der Sache. Seine Sinne schlugen im Sekundentakt Alarm. Und auf diese konnte er sich immer verlassen.

    Sie liefen auf Bens Mercedes zu. „Was machen wir als nächstes?“ Semir zuckte auf Bens Frage mit den Achseln. „Fahren wir zurück in die PAST, vielleicht hat Susanne ja schon was für uns!“ Sie stiegen ein und fuhren los.
    Ben entging das besorgte Gesicht Semirs nicht. „Glaubst du deinem Kollegen denn?“, unterbrach er dann die Stille und Semir blickte weiterhin aus dem Fenster. „Ich weiss es nicht. An seiner Stelle, würde ich wahrscheinlich das Gleiche sagen…“ Nun wanderte der Blick zu Ben und dieser lächelte kurz.
    „Auch wenn es anscheinend so offensichtlich ist?“
    „Gerade wenn es so offensichtlich ist. Ben für dich würde ich nicht nur die Hand ins Feuer legen, sondern auch meinen ganzen Körper. David macht auf mich denselben Eindruck, er würde für seinen Partner sterben…“ Ben wendete seinen Blick nicht von der Strasse ab. „Nehmen wir aber an, er hat es wirklich getan…was würdest du ihm dann sagen?“ Semir atmete tief durch. „Die Wahrheit, so schwer es mir auch fallen würde…“, murmelte er und sah wieder aus dem Fenster, „aber ich glaube nicht daran, dass er es getan hat…“ „…Semir, momentan sieht es aber ganz danach aus…auch wenn alles noch ziemlich frisch ist…“ Semir richtete sich auf, da er ziemlich in den Sitz gefallen war und sah Ben eindringlich an, der dies zwar mit den Augen nicht wahrnehmen konnte, jedoch spürte er den durchdringenden Blick. „…ich irre mich nicht Ben…er war es bestimmt nicht…wenn die Beweise gegen ihn sprechen, werde ich was finden, um die Unschuld zu beweisen…wirst du mir dabei helfen?“ Ben schluckte schwer und presste die Lippen zusammen. Bei Cem war es eine Sache, er war wie ein Sohn für Semir. Aber vieles aufs Spiel zu setzten, nur um dem Partner eines ehemaligen Kameraden zu helfen? Er kannte die Antwort nicht.
    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!
  • „Ich hab dich was gefragt“, hackte Semir nach und riss damit Ben aus der Trance. „Nun ja…Semir, wir sind Freunde richtig?“
    „Richtig“, bestätigte der Angesprochene mit einem schwachen Lächeln. „Dann will ich ehrlich zu dir sein.“ Semir ahnte, was kam. „Ich warte jetzt erst Mal ab, was genau rauskommt. Von Seiten der KTU, dem genauen Bericht des Gerichtsmediziners und so weiter, dann kann ich dir erst eine genaue Antwort geben…“
    Semir seufzte. Das hatte er sich gedacht. Ein Stück weit konnte er Ben auch verstehen. Er war jünger als Semir und für ihn stand bei einer Suspendierung in Sachen Karriere mehr auf dem Spiel, wobei er schon für Semir manchen Rückschritt in Kauf genommen hatte.
    „Ben…ich…tut mir leid…“
    „Wieso?“, fragte Ben nach und Semir winkte ab. „Du hast recht, wir sollten einfach nach der Wahrheit suchen…aber du kennst mich alten Hasen ja…“
    „Tu meinst türkischer Hengst“, funkte Ben Semir ins Wort und dieser lachte kurz. „Okay, ja türkischer Hengst…und türkische Hengste sind ja bekanntlich sehr temperamentvoll…manchmal hab ich einfach ein Brett vor dem Kopf…“
    Ben sagte nichts, sondern bog in die Einfahrt zur PAST ein und als er geparkt hatte, stiegen Beide aus. Sie betraten das Büro, wo Susanne mit einem verängstigten Gesicht am Pult stand und immer wieder zu dem Büro von Semir und Ben nickte. „Alles okay?“, fragte Semir besorgt und sie schüttelte mit dem Kopf. „Mosner ist in eurem Büro“, zischte sie flüsternd und die Beiden sahen sich schluckend an. „Die Chefin ist auch drin, meine Güte der macht sie gerade so was von fertig!“ Semir schnaubte kurz und stampfte zur Tür. „Auch wenn sie mir manchmal auf den Sack geht, niemand greift die Krüger an!“
    „Hört, hört“, grinste Ben und ging ihm hinterher. Semir öffnete in einem Ruck die Türe und erblickte den kräftigen Mosner, der gerade die Hand ausholte. „Hey!“, schrie Semir und konnte die Hand noch aufhalten, bevor sie in Richtung von Kim Krügers Gesicht kam.
    Kim wich ängstlich zurück, so hatten die Beiden die taffe Chefin noch nie gesehen gehabt. „Alles in Ordnung?“, fragte Ben besorgt und sie nickte stumm. Semir drückte Mosner zurück. „Sind Sie von allen guten Geistern verlassen?“ Mosner, ein Mann von guten Zwei Metern und kräftigen Oberarmen, brüstete sich vor Semir auf.
    „Ich spreche nicht mit euch Dreckspack!“ Ben wusste sofort worauf Mosner ansprach, da er dessen Ansichten genau kannte. „Wow, wow, wow, nun mal langsam! Oder ich nehme Sie gleich wegen Beamtenbeleidigung mit!“

    Erst jetzt schien Mosner zu begreifen, dass Semir ein Polizist war. Er räusperte sich und verschränkte majestätisch die Arme. „Ich will zu meinem Sohn!“, verkündete er und Ben stemmte die Hände in die Hüfte. „Er wird noch obduziert. Solange haben Sie leider nicht die Möglichkeit, Ihren Sohn zu sehen“, versuchte er so ruhig wie möglich zu antworten, „woher wissen Sie überhaupt schon, was passiert ist, wir hatten Sie noch nicht informiert…“
    „…aber ich…“, kam es kleinlaut von Kim und sie sah bedrückt zu Boden, als Semir und Ben ihre Blicke ihr zuwendeten.
    „Ihre Chefin hatte mich informiert, und nun will Sie mir nichts preisgeben, also bin ich hier her gekommen, das Wohl meines Sohnes, stand für mich an erster Stelle!“ Sieht aber nicht danach aus, dachte sich Ben und erwiderte, „auch wenn er Ihre Ansichten nicht geteilt hätte?“ Mosner sah Ben mit hochgezogener Augenbraue an. „Wie meinen Sie das?“, fragte er nach und Semir sah Ben kopfschüttelnd an. „Ihr Sohn hatte eine Affäre, mit einem Mann…“ Mosner lachte auf und winkte ab. „Nicht mein Kleiner! Kein schlechter Scherz mein Junge…“ „…ich scherze nicht“, sagte Ben entschlossen und das schien auch Mosner zu bemerken, denn er stampfte auf Ben zu und wollte ihn am Kragen packen, doch der junge Kommissar war schneller. Er packte Mosners Hand. „An Ihrer Stelle würde ich aufpassen junger Mann, Sie wissen nicht, mit wem Sie es zu tun haben!“
    „Das weiss ich sehr wohl!“

    Mosner riss sich frei und schritt aus dem Büro, dabei schlug er die Türe so zu, dass das Fenster sichtlich zitterte.
    „So ein Arschloch!“, schimpfte Semir und Kim hob die Hand. „Mässigen Sie sich Gerkan, vergessen Sie bitte nicht, wer das ist!“
    „Der Mann, der Sie gerade versucht hat zu schlagen!“, erwiderte Semir sauer und wies nach draussen. „Er wollte Ihnen eine Ohrfeige geben Chefin!“ Kim lächelte gequält. „Ist mir auch aufgefallen, danke…“, erwiderte sie sarkastisch und fuhr sich kurz durchs Haar. „Chefin wenn ich etwas hasse, dann das man eine junge, unschuldige Frau schlägt, tut mir leid wenn ich ausfallend werde aber das treibt mich in den Wahnsinn!“
    „Jung und unschuldig?“ Semir sah Ben nach dessen Frage an und sah ein breites Grinsen im Gesicht seines Partners. „Wie auch immer, ich hab den Kerl jetzt schon gefressen!“

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    So Leute, wahrscheinlich war das der letzte Teil bis montag, morgen arbeite ich nämlich nur halbtags und am Nachmittag heisst es, Köln ich komme, da ich das Konzert von Tom Beck besuchen werde! :)
    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!
  • So endlich gehts weiter :)

    David betrat das Krankenzimmer, wo sein Partner müde und blass im Bett lag. „David…“, flüsterte er leise zur Begrüssung und David setzte sich ans Bett.
    „Wie fühlst du dich Kumpel?“
    „Als hätte ich einen Autounfall gehabt!“, versuchte Noah zu scherzen, doch sein Lächeln verzog sich zu einer Grimasse, da eine Schmerzwelle seinen Körper übermannte. David wollte sich besorgt aufrichten, doch Noah winkte ab. „Is‘ gleich vorbei…“, knirschte er und sah seinen Kumpel an. „David…ich weiss wirklich nicht was passiert ist, du musst mir glauben…“ David nahm die gesunde Hand Noahs.
    „Ich weiss doch Partner…“
    „Was ist mit…du weisst schon…die Kollegen von der Autobahnpolizei haben echt schräg geguckt…“ David atmete tief durch. Er wollte seinen Partner nicht anlügen aber die Wahrheit war auch nicht gerade gut verdaulich für jemanden, der gerade mit Verletzungen im Krankenhaus lag. „…Noah…Mosner ist….“ Noah ahnte, wie dieser Satz endete, Tränen sammelten sich in seinen Augen und er schüttelte mit dem Kopf. „Nein…wie…wo?“, fragte er schluchzend und David schluckte. „Im Kofferraum des Wagens, den du ohne deines Wissens gefahren hast!“ Noah erstarrte. Nur noch seine Hände zitterten, da er diese noch vor den Mund legen wollte. David setzte sich auf die Bettkannte und nahm seinen Partner in den Arm, der laut schreien wollte, doch mehr wie ein stilles Seufzen kam nicht heraus. „Ich war es nicht, bitte du muss mir glauben…“, flüsterte er immer wieder, „ich könnte ihn nicht umbringen…“ David drückte Noah fest an sich und strich ihm über den Rücken. „Ich weiss es…der eine von beiden ist ein guter Kumpel von mir und ein spitze Polizist, er wird die Wahrheit ans Licht bringen!“

    „Nichts, nicht nichts!“, schrie Semir, als er Hartmuts Bericht durchlas und warf ihn entnervt auf den Schreibtisch. „Ganz ruhig mein türkischer Hengst“, murmelte Ben, der sich den Bericht des Gerichtsmediziners durchlas und dabei sich einen Brezel genehmigte. „Ich soll mich beruhigen, wir haben noch nicht mal angefangen und stecken schon in einer Sackgasse!“, grummelte Semir, verschränkte die Arme und wirkte wie ein kleines Kind. Ben sah von der Akte auf und musste grinsen. „Wenn du nun brav weitermachst, fahr ich dich auch nach Hause“, scherzte er und Semir zog eine Augenbraue hoch, danach faltete er ein leeres Blatt Papier zu einem Flugzeug zusammen und liess es so fliegen, dass es in Bens Haaren stecken blieb.
    „Was für eine erwachsene Antwort!“, grummelte Ben und fischte das Papier aus seinen Haaren um es dann in den Mülleimer zu werfen.
    „Ich tue was ich kann!“ Seit längerem lächelte Semir wieder und Ben rollte mit den Augen. „Also, laut dem Gerichtsmediziner sind die Male auf den Handgelenken Beider wirklich seltsam. Er vermutet Fesselmale!“ Semir richtete sich auf. „Das könnte aber heissen, dass Noah Riemann unschuldig ist!“ Ben hob eine Hand. „Jedoch ist er sich nicht sicher, und rate mal, wer den Fall bearbeiten wird, von der Staatsanwaltschaft her…“ Semir wusste genau, auf den Ben ansprach. „Na super, die hat mir noch gefehlt…“, stöhnte er und liess sich wieder in den Schreibtischsessel fallen.
    „Wir müssen den zweiten Bericht Hartmuts abwarten, was anderes bleibt uns nicht übrig…“ Semir nickte niedergeschlagen. Ben sah nach draussen und sah, wie die Sonne schon unterging.

    „Wann fahren Andrea und die Kinder zu deiner Schwiegermutter?“
    „Morgen“, antwortete Semir und streckte sich kurz. „Dann fahr nach Hause mein türkischer Hengst, lenk dich ab und geniess den letzten Abend mit deiner Frau, danach wirst du dich mit mir begnügen müssen!“
    „Sicher?“
    „Sicher!“
    Semir stand auf, zog sich seine Jacke an und verabschiedete sich von Ben mit einem Handschlag, danach war er aus dem Büro verschwunden. Als Ben sicher war, dass Semir weg war, öffnete er die digitale Akte Noah Riemanns, die er hinter Semirs Rücken angefordert hatte. Er tat es nicht gern, doch er musste wissen, ob dieser Riemann Dreck am Stecken hatte, oder er wirklich ein Saubermann war.
    Laut Akte, war Noah Riemann ein gewissenhafter Polizist. Er war bei den Kollegen beliebt und war sehr gerechtigkeitsorientiert. „Ein Saubermann, wie er im Buche steht“, murmelte Ben, als er mit der Maus die nächste Seite anklickte. Nichts, er fand nichts. Semirs Vertrauen hatte sich also bestätigt gehabt, der Mann schien ein flotter Kerl zu sein.
    Doch in dem Moment klingelte Bens Handy und er sah auf den Display. Es war Hartmut. Ben nahm ab. „Na Feuerpinsel, was gibt’s?“ Ben wusste genau, dass Hartmut gerade versuchte, diesen Satz zu ignorieren, ja gar zu verdrängen, da er diesen Kosenamen überhaupt nicht ausstehen konnte. Und genau dieser Gedanke zauberte dem Autobahnpolizisten ein Lächeln auf die Lippen. „Ich habe das Messer untersucht, das in Mosners Brust steckte und habe Fingerabdrücke gefunden!“
    „Schiess los…!“, forderte Ben auf und je mehr Hartmut berichtete, umso dunkler wurde Bens Gesicht.
    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!
  • Tut mir leid das die Teile so unregelmässig kommen - Bewerbungsstress...:(

    „…Danke Hartmut…“, mit diesen Worten hängte Ben auf und fuhr sich kurz über die Haare. „Verdammter Mist…okay Jäger…was nun?“, fragte er sich selbst laut und sah auf die Uhr. Inzwischen war es elf Uhr abends. Das Gespräch mit Hartmut hatte lange gedauert gehabt. Doch ans Nach-Hause-Gehen, dachte Ben noch lange nicht. Viel mehr stand nun sein innerlicher Konflikt im Vordergrund. Die Fingerabdrücke die Hartmut gefunden hatten, stammen von Riemann selbst, ohne jeglichen Zweifel. Semir würde sich, wenn er das erfahren würde, wieder in lauter Theorien stürzen, die wie immer total skurril klangen. Andererseits hatten Semir und Ben sich versprochen gehabt, immer die Wahrheit zu sagen und das Schlimmste an Semirs Theorien war ja, dass sie immer wahr waren.
    Ausserdem, wie oft hatte Semir schon ihm geholfen gehabt und dabei einiges riskiert? Er wusste es nicht mehr, jedenfalls war es oft.
    Ben strich sich durchs Haar und stand auf. In dem Moment klingelte das Telefon auf Susannes Schreibtisch. Ben ging aus dem Büro und nahm den Anruf entgegen. „Autobahnpolizei Hauptkommissar Jäger, hallo?“, begrüsste er den Anrufer und es war eine junge Frau.
    „Tut mir leid Sie zu stören Herr Jäger, aber ich bin die behandelnde Schwester von Herrn Riemann und da sind zwei komische Gestalten aufgetaucht, als ich mich umgedreht hatte, ich denke die wollen zu Riemann…und da dachte ich…“
    „Das haben Sie richtig gemacht, ich komme sofort vorbei!“ Ben hängte auf und nahm seine Jacke, die er während des Ganges zum Wagen anzog.
    Mit Eiltempo fuhr er mit seinem Mercedes zum Krankenhaus. Er parkte seinen Wagen und lief danach zum Empfang, wo eine junge Schwester stand. Ben zeigte seinen Ausweis. „Oh Herr Jäger, das ging schnell, vielen Dank!“
    „Wo sind die Typen?“
    „Ich hab sie das letzte Mal im Flur gesehen, das Sicherheitspersonal hat schon nach denen gesucht, ohne Erfolg.“
    „Wo ist Riemanns Partner?“
    „Nach Hause, schon vor längerer Zeit!“

    Ben nickte dankend und lief zum Zimmer Riemanns. Vielleicht war es nichts, doch er wollte nichts riskieren, er klopfte und wurde hereingebeten.
    Riemann lag in seinem Bett und wirkte so, als wäre er gerade aufgewacht. „Herr Jäger?“, begrüsste er Ben schlafgetrunken. „Tut mir sehr leid Sie geweckt zu haben Herr Riemann…aber ist Ihnen in der Zeit, wo ihr Kollege nach Hause gegangen ist, etwas aufgefallen?“ Noah schüttelte mit dem Kopf. „Nein, ich bin sofort eingeschlafen…wieso?“
    Ben sah sich um, erblickte aber nichts verdächtiges, also widmete er sich wieder Noah zu. „Nicht so wichtig…Herr Riemann, können Sie sich inzwischen schon an etwas erinnern?“ Niedergeschlagen schüttelte Noah mit dem Kopf. „Leider nicht…sind Sie schon weitergekommen?“ Ben nickte und erzählte Noah die bittere Wahrheit. An der Tatwaffe und am Wagen, wurden nur seine Fingerabdrücke gesichert worden. Noahs Augen weiteten sich.
    „Das kann nicht…habe ich…“
    „Noch ist damit nichts entschieden Herr Riemann…“ Noah sah Ben mit einem eindeutigen Blick an. „Herr Jäger, ich hab zwar eine Lücke in meinem Gedächtnis und sehe aus wie nach einem Fight mit Mike Tyson, doch ich bin immer noch Polizist und nicht blöd…“ Ben musste ihm zustimmen.

    Was beide nicht merkten, hinter ihnen öffnete sich der Kleiderschrank für die Patienten. Erst als es schon zu spät war, stiess Noah einen spitzen Schrei aus und Ben wurde von hinten gepackt. Der Angreifer wirkte zierlich und nicht gerade stark, so das Ben seinen Arm anwinkeln und seinen Ellbogen dem Angreifer direkt in den Magen stossen konnte. Ben wurde sofort losgelassen, doch in dem Moment sprang ihn ein zweiter Typ an und drückte ihn zu Boden. Beide waren maskiert. Der Mann, den Ben nun vor sich hatte, war viel kräftiger und grösser.
    „Was soll das, Raubüberfall von Dick und Doof?“, knirschte der junge Kommissar und in dem Moment drückte der Angreifer seine Kniescheiben auf Bens Achseln und machte ihn somit bewegungslos. „Los, nimm Riemann!“, befahl der Grosse dem Kleinen. Dieser nickte, drehte sich um, doch das Bett war leer. In dem Moment rauschte etwas silbernes auf den Dürren zu, erwischte ihm im Nacken und er ging mit einem Ächzen zu Boden.
    „Verdammt was…“ Ben sah dieses silberne Ding nochmal, doch dieses Mal wurde es von dem Typen abgefangen. Jedoch musste sich dieser dazu leicht erheben und die Knie verloren ihren Druck. Ben richtete sich auf und verpasste dem Bullen mit seinem Kopf einen heftigen Schlag auf die Stirn. Mit schmerzerfülltem Gesicht ging er zu Boden.

    Noah stand auf zittrigen Beinen vor ihm, seinen Infusionsständer in der Hand. „Verdammt…“, flüsterte er und stellte das verbogene Ding wieder neben sich. Ben richtete sich auf und ging zu Noah. „Alles okay?“, fragte er besorgt und der Angesprochene nickte. „Ja…meine Beine sind zwar wie Gummi, dafür geht’s mit den Armen wieder…“ Noah verzog sein Gesicht zu einer schmerzverzerrten Fratze und er hielt sein gebrochenes Handgelenk. „Danke…“, sagte Ben leise und Noah lächelte.
    In dem Moment richtete sich der Bulle hinter den Beiden wieder auf, zückte ein Messer und holte aus. Ben erkannte Noahs geschockten Blick und drehte sich um. Das Messer versank im Unterarm des Kommissars und Ben stiess einen grellen Schrei aus.
    Schritte waren zu hören und der Mann sprang aus dem Fenster, da sich Noahs Zimmer im Erdgeschoss befand und war verschwunden.
    Die Tür schlug auf und Sicherheitsleute kamen herein. „Was ist passiert?“ fragten sie synchron und erblickten den ohnmächtigen, schmächtigen Maskierten. „Nehmt ihn fest!“, befahl Ben mit zitternder Stimme und die Angesprochenen taten, wie ihnen befohlen. „Und holt einen Arzt!“, fügte Noah an, der sich die Wunde ansah.
    Das Messer war so lang, das die Klinge unten wieder austrat. Blut tropfte auf den Boden und saugte sich in den Teppich ein. „Scheisse“, wimmerte Ben und Noah zerriss sein T-Shirt, dass er inzwischen anhatte, passend zu der Trainingshose. Krankenhaushemde konnte der Polizist nämlich nicht ausstehen.
    Er legte einen provisorischen Druckverband an, um das Messer herum da es ein grosses Risiko, dieses einfach herauszuziehen. „Noah…?“ Der Angesprochene sah Ben an. „Ich weiss nicht wie es Ihnen geht…aber ich glaube…das war ein Wink von dem Typen da oben an mich…“
    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!
  • Semir rannte durch die Gänge des Krankenhauses, wo vor Noah Riemanns Zimmer Kim Krüger stand. Sie wies gerade Hotte und Dieter an, welche nickten und sich ins Zimmer begaben. „Chefin!“, rief Semir und die Angesprochene drehte sich zu ihm um. „Gerkan – sehr gut!“, begrüsste sie ihn und Semir versuchte wieder zu Atem zu kommen. „Danke dass Sie mich angerufen haben…wo ist er?“ Die Chefin wies auf das Ende des Ganges.
    „Letztes Zimmer rechts. Er wird gerade behandelt!“
    „Und Riemann?“
    „Wir haben ihn in ein anderes Zimmer verlegen lassen, bis wir eine Lösung gefunden haben. Allerdings wird er nun bewacht, was da geschehen ist, darf kein zweites Mal passieren, ein Glück, hat die Schwester und auch Jäger so schnell reagiert gehabt, sonst wäre Riemann nun tot. Er hat er starke Medikamente gegen die Schmerzen bekommen, er schläft gerade! Er hatte sich ziemlich verausgabt gehabt. Sein Partner will in Kürze vorbei kommen…Gerkan, mir ist zu Ohren gekommen, in welcher Beziehung sie zu Riemanns Partner stehen…“ Semir schluckte und nickte langsam. „Aber glauben Sie mir Chefin, das beeinflusst mich überhaupt nicht, ich werde ganz normal an diesem Fall arbeiten…das verspreche ich Ihnen!“
    „Das hoffe ich, ansonsten mache ich Ihnen die Hölle heiss, ist das klar?“
    Semir nickte und lief dann zum Ende des Ganges, wo die Türe offenstand.
    Ben sass in seinem Unterhemd da. Bleich und immer wieder schwer schluckend. In einem Arm ragte das Messer, am anderen wurde in den Handrücken eine Infusion gelegt.
    Ein junger Notarzt war gerade dabei, das Messer vorsichtig aus der Wunde zu ziehen. „Ben…“, sagte Semir geschockt und konnte sein Blick beinahe nicht von dem Messer nehmen, dass sich durch den ganzen Unterarm gebohrt hatte. Ein Kampfmesser, das erkannte Semir genau, und wenn er es genau anschaute, stellte er fest, dass es einer der Verbotenen war.
    „Sie sind?“, fragte der Arzt nach.
    „Oh tut mir leid, Gerkan, ich bin sein Partner…“
    Semirs Füsse lösten sich langsam wieder vom Boden und er ging auf Ben zu. „Meine Güte…“, stiess er aus und Ben sagte nichts. Er hielt sich immer wieder die Hand an den Kopf. „Herr Jäger, wenn Ihnen schwindlig und schlecht wird, legen Sie sich besser hin…“, riet ihm der Notarzt und Ben winkte ab. „Noch geht’s“, würgte er hervor und versuchte, die aufkommende Übelkeit zu unterdrücken. Semir stellte sich hinter ihn und legte die Arme auf die Schultern.

    „Man, warum hast du mich nicht benachrichtigt!“, schimpfte Semir und Ben sah seinen Partner an. „Weil ich dir zufälligerweise einen Abend mit Andrea gönnen wollte?“, gab Ben zurück, was allerdings ziemlich lächerlich klang da er immer wieder schlucken musste. „Wofür ist die Infusion Doktor?“
    „Zur Stabilisierung, zwar ist der Blutverlust nicht lebensgefährlich, aber Sie sehen ja, wie es Ihrem Partner geht…“ Ben schenkte dem Arzt nur einen kurzen, grimmigen Blick. „Allerdings können Sie sich glücklich schätzen Herr Jäger. Das Messer hat anscheinend nur ihren Knochen gestreift. Muskel und Nerven sind heilgeblieben!“ Semir musste lächeln. „Der Typ da hat immer glück“, sagte er und Ben nickte zum Arzt. „Machen Sie bitte schnell, damit wir’s hinter uns haben!“ Der Arzt hob eine Augenbraue.
    „Herr Jäger, Sie sind zwar einer Operation knapp entkommen, aber trotzdem muss ich achtsam sein, wenn ich es schnell rausziehen, werden Sie noch eine Weile hier verbringen müssen!“
    „…in dem Fall, tun Sie was Sie tun müssen“, erwiderte Ben wimmernd und Semir, klopfte ihm auf die Schulter. „Du wirst es schon überleben Partner…“, meinte er dann aufmunternd und der Arzt begann zu ziehen. Ben stiess immer wieder kleine Laute aus, die Semir nicht definieren konnte und wurde immer bleicher im Gesicht.
    „Gut, wir haben‘s!“, meinte der Doktor erleichtert, legte das Messer in eine Aservatentüte und Ben kippte leicht nach vorne, doch Semir fing ihn auf. „Komm, leg‘ dich hin…“, meinte der Deutschtürke und drückte Ben auf die Liege. „Scheisse ist mir schlecht…“, jammerte dieser und der Arzt nahm seine Utensilien hervor, um Ben die Wunden zuzunähen.

    „Sollten Sie den Drang haben, erbrechen zu müssen, sagen Sie es mir einfach bitte früh genug…“, bat der Mediziner mit einem Lächeln und Ben nickte bloss. „Ist das normal?“, fragte Semir besorgt. „Ja, wie eben schon erwähnt, der Blutverlust ist nicht hoch in dem Sinne, dass wir eine Bluttransfusion durchführen müssten, allerdings schwächelt der Kreislauf, deshalb das Mittel, das wir über die Infusion verabreichen…“ Semir nickte verstanden und nahm einen Stuhl, stellte ihn zur Liege und setzte sich hin. „Was zur Hölle ist eigentlich passiert Ben?“ Ben sah Semir an. „Hat dir die Chefin nichts erzählt?“
    „Nein…sie hat mir lieber eine Mahnung verpasst!“, erwiderte Semir grummelnd und verschränkte die Arme. Ben atmete tief durch und erzählte die ganze Geschichte. Semir hörte ihm aufmerksam zu und seufzte dann.
    „Semir, du könntest recht haben mit allem, oder zumindest, dass er’s nicht alleine war…wieso wurde Noah Riemann bloss angegriffen,? Was sollte die Aktion?“
    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!
  • Es dauerte noch eine Stunde, bis Ben wieder Farbe im Gesicht hatte und sich wieder aufrichten konnte. In der Zwischenzeit hatte der Notarzt die Wunde genäht und verbunden gehabt und auch noch die Infusion entfernt.
    Er reichte Semir eine Armschlinge, da Bens Knochen ja leicht verletzt war.
    „Sollten Sie keine Schmerzen mehr haben, können Sie es auch ohne versuchen, im Moment, würde ich Ihnen aber raten, die Schlinge zu gebrauchen…“, riet er Ben und Semir nahm die Schlinge entgegen, da sein Partner sich, mal wieder ohne nach Hilfe zu fragen seinen Pullover wieder anzog. Der Stoffteil, wo sich das Messer reingebohrt hatte, wurde abgeschnitten, so war der Verband deutlich sichtbar.
    „Danke Herr Doktor.“ Der Arzt nickte auf Semirs Dank hin und reichte dem Deutschtürken noch ein Döschen mit Pillen. „Eine pro Tag sollte reichen“, mit diesen Worten verabschiedete er sich.
    „Okay…“, murmelte Semir und steckte die Pillendose in die Brusttasche seiner Jacke, er sah, wie Ben ihn ansah. „Geht’s wieder?“, fragte Semir besorgt und Ben nickte. „Fühl mich zwar immer noch leicht wie auf einem Trip, aber dafür tut mein Arm im Moment nicht so weh.“ Semir wusste genau, worauf Ben hinauswollte.
    „Das Ding wird angelegt!“, sagte er mit gespielter, väterlicher Strenge in der Stimme. „Aber Semir…“, jammerte Ben wie ein kleines Kind zurück. „Nichts aber, du hast den Arzt gehört. Erst wenn er nicht mehr weh tut und im Moment sollst du sie tragen!“
    „Ein Brunch gegen?“
    „Du weisst, dass ich mit Essen nicht zu bestechen bin, im Gegensatz zu gewissen anderen Leuten hier im Raum!“ Ben zog einen Schmollmund und Semir stellte sich vor ihn. Ben liess sich helfen, wenn auch mit so manchem Grummeln. Semir legte seinem Partner die Schlinge an. „So, am besten sehen wir nach, was nun läuft!“ Semir lief voraus und Ben blieb skeptisch stehen. „Einfach so?“, fragte er und Semir drehte sich nach ihm um. „Einfach was?“, fragte der Deutschtürke zurück und Ben ging auf ihn zu – sein Gang war sicher. „Du lässt mich einfach weitermachen? Kein“, er begann Semir nachzuäffen, „Ben du solltest dich lieber hinlegen, oder ich halte das nicht für eine so gute Idee!“ Semir grinste, das erste Mal seit langem, wieder. „Würde bei dir sowieso nichts bringen, ich hab ja schon alles versucht was ich kann, aber dir ist ja nicht zu helfen“, antwortete er und lief weiter. Ben zog eine Augenbraue hoch, dann begriff er.

    „Oh, miese Tour! Ganz miese Tour Freundchen!“, zischte er, lief hinterher und gesellte sich dann neben Semir, „Einem Schwerverletzten ein schlechtes Gewissen zu machen! Du hast wohl keine Skrupel!“
    „Ach, auf einmal bist du schwer verletzt?“ Ben wollte zur Erwiderung ansetzten, hörte aber noch rechtzeitig auf da er wusste, dass diese Diskussion nur Semir gewinnen konnte. „Gemeiner Schachzug!“, protestierte Ben und Semir zuckte mit den Achseln. „Hey, ich bin der Vater von zwei Mädchen, an dir kann ich mich perfekt für deren Pubertät vorbereiten!“ Ben sagte nichts. Der Klügere gab bekanntlich nach, obwohl er sich nicht sicher war, ob er bei dieser Neckerei wirklich der Klügere war, trotzdem liess er es einfach im Raum stehen.
    Sie kamen zu dem Zimmer, wo der Überfall geschah. Hartmut war inzwischen eingetroffen und schoss Fotos. Kim stand an der Türschwelle und beobachtete jeder seiner Bewegungen. „Chefin!“, rief Semir und zeigte so, dass sie kamen.

    „Herr Jäger – na, geht’s wieder?“, fragte sie nach und Ben nickte. „Sieht schlimmer aus, als das es in Wirklichkeit ist.“, antwortete er und Semir prustete kurz, vorauf Ben ihm mit dem gesunden Arm, eine in die Seite puffte. Kim ignorierte dies. „Der Angreifer, der von Riemann ausgeknockt wurde, ist gerade auf den Weg zum Verhörraum. Wenn Sie Lust haben!“ Semir sah zu Ben und dieser nickte. „Mit dem hab‘ ich noch ein Hühnchen zu rupfen!“, knurrte er und lief voraus.
    „Ihr Kollege ist bereits bei Riemann Gerkan, allerdings würde ich ihn momentan nicht stören…“ Semir begriff. „Danke…“, sagte er knapp und rollte dann mit den Augen als Ben ein lautes „Kommst du endlich?“, von sich gab. „Sehen Sie, allzu schlecht kann es ihm wirklich nicht gehen!“ Kim nickte zustimmend. „Wenn er Ihnen schon wieder so auf den Senkel gehen kann“, fügte sie noch zwinkernd hinzu und Semir verabschiedete sich mit einem kurzen Winken.
    Schnell rannte er zu Ben und gemeinsam gingen sie hinaus. „Tut mir leid, dass ich dir deinen Abend mit Andrea versaut habe“, sagte Ben dann leise, als sie beim Wagen warn. Semir winkte ab. „Vergiss‘ es, war sowieso im Eimer“, grummelte er und Ben zog eine Augenbraue hoch. „Nun wird sie doch zu meiner Schwiegermutter fahren und…na ja…“
    „Lass mich raten, mein türkischer Hengst hat wieder gemeckert wie ein altes Waschweib!“ Semir sah in Bens Gesicht und nickte dann mit gerümpfter Nase. „Oh man Semir, du müsstest echt lernen, dein Temperament zu zügeln…“
    „Und du solltest lernen, nicht immer in Schwierigkeiten zu geraten!“, gab Semir pampig zurück und gemeinsam stiegen sie in den Wagen ein, um in die PAST zu fahren.
    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!
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    Auf der Autobahn herrschte gähnende Leere und eine beinah unangenehme Stille. So auch im Wagen. Semir sass am Steuer und blickte starr auf die Strasse. Der Blick war emotionslos und die Augen rührten sich nicht.
    Ben hasste das. Er hasste es, wenn Semir keinen flotten Spruch von sich gab, oder sich wenigstens über seine Schwiegermutter beschwerte. Doch Ben wusste genau, warum sein Partner so still war. „Über was denkst du nach?“, fragte er direkt und riss Semir somit aus seiner Trance. „Ich frage mich, wieso man Riemann an den Kragen will…“ Ben zuckte mit den Achseln. „Das wird uns vielleicht der Typ sagen…Riemann ist auf jeden Fall weisser als weiss…“ Semir zog eine Augenbraue hoch. „Woher willst du das wissen?“, fragte er nach und Ben schluckte. „Ich hab halt noch recherchiert“, murmelte er in seinen Bart und Semir reagierte zunächst nicht, wollte abwarten. Er wusste genau, wenn er noch ein wenig warten würde, dann…“ja ich hab nachgeschaut und mit Hartmut telefoniert!“, gestand Ben und Semir stöhnte kurz. „Wann hast du geplant, mir das zu sagen?“ Ben sagte nichts. „Wieso hast du das gemacht?“
    „Ich wollte auf Nummer sicher gehen Semir! Und trotz dieser Attacke bin ich ehrlich zu dir: Noch stehen die Zeichen schlecht für Riemann, aber ich hab nun schmerzlich erfahren, dass vielleicht mehr dahinter stecken könnte!“
    „Ich kann’s einfach nicht fassen! Nur auf Nummer sicher zu gehen? Vertraust du mir etwa nicht?“
    Genau einer solchen Diskussion hatte Ben eigentlich entgehen wollen. Er atmete tief durch. „Doch Semir, natürlich vertraue ich dir, aber darf ich dich daran erinnern, dass du solche Aktionen auch schon hinter meinem Rücken gestartet hast?“
    „Das ist nicht dasselbe!“, wehrte sich Semir. „Doch Semir. Doch! Du hast schon vieles getan, weswegen ich dich am liebsten geköpft hätte! Doch ich war nicht eingeschnappt!“ Bens Worte prallten an Semir ab. Er hatte schon gar nicht mehr zugehört gehabt. Er bog in die Einfahrt zur PAST ein und stieg wortlos aus. Ben löste einarmig seinen Sicherheitsgurt und stieg ebenfalls aus. Er schlug die Autotüre so zu, dass Semir sich umdrehte. „Willst du mich nun etwa ignorieren?“, fragte Ben auffordernd und Semir schnaubte. „Du hast hinter meinem Rücken einfach recherchiert!“ Ben hob die gesunde Hand. „Semir das bestreite ich auch nicht. Aber ich will dir helfen, ich wollte einfach auf Nummer sicher gehen! Oder ist das etwa falsch?“

    „Es IST falsch, wenn du mich nicht informierst! Genauso wie die Aktion vorhin. Warum hast du mich nicht angerufen gehabt, dann hättest du nicht als lebendes Schaschlik Spiess enden müssen!“
    „Hör mal, vorhin war das für dich noch in Ordnung, nur weil Andrea dich so angeraunzt hat und du zurückgewiehert hast kann ich nichts dafür!“
    „Darum geht es nicht“, erwiderte Semir schreiend und er stampfte auf den Boden, „es geht darum, dass du mir nicht vertraust!“
    Ben glaubte, sich verhört zu haben. „Ich vertraue dir sehr wohl! Du kannst nicht, nur weil ich mich nur abgesichert habe, mir unterstellen, dass ich dir nicht glaube!“ Semir winkte ab. „Vergiss‘ es! Nimm‘ dir ein Taxi, fahr‘ nach Hause!“, brummte er und lief in die PAST und liess Ben stehen. Dieser wollte hinterher, doch irgendwas hielt ihn auf. Ob es sein verletzter Stolz war oder die ungeheure Unterstellung von Semir – er wusste es nicht. Er setzte sich auf den Kofferraum von Semirs BMW und schlug sich vor Wut auf den Oberschenkel. „Super hingekriegt Herr Jäger – kannst du nicht einmal deine grosse Klappe halten? Nur einmal?“ Er griff in seine Hosentasche und wollte sein Handy hervorholen, aber er liess es bleiben. Er hatte gerade Lust auf gar nichts. Ausserdem pochte es in seinem Unterarm heftig und sein Kreislauf war ebenfalls immer noch nicht auf der Höhe, was sich durch leichten Schwindel zeigte.

    Semir führte das Verhör also alleine durch, doch weiter, brachte es ihn überhaupt nicht. Der Dürre schwieg. Selbst bei Anerbietung eines Deales, hatte er nicht angebissen gehabt. Er sagte immer wieder nur eins: „Fragen Sie doch Riemann“ – mehr kam nicht. Niedergeschlagen, nahm Semir seine Jacke vom Garderobenständer. Nicht nur, dass er sich mit Ben gestritten hatte, nein, die Schlinge um Riemanns Hals zog sich immer enger zu. Ausserdem begann er langsam sich zu fragen, ob er überreagiert hatte. Er hätte an Bens Stelle wahrscheinlich auch so gemacht. Und der Junge hatte es ja nicht böse gemeint. Semir nahm sich also vor, nochmals mit ihm zu reden. Besonders weil er ja eigentlich den grössten Mist damals mit Chem gebaut hatte – und Ben blieb an seiner Seite.
    Mit tausenden wirren Gedanken im Kopf ging er Richtung Parkplatz und sah Ben auf dem Kofferraum seines BMW’s sitzen. „Bist du fertig mit dem Verhör?“, fragte Ben als ob nichts geschehen wäre und Semirs schlechtes Gewissen steigerte sich ins Unermessliche. „Ja…aber gebracht hat es nichts…“, flüsterte Semir und blieb an Ort und Stelle stehen. Ben lächelte. „Willst du mich nicht nach Hause fahren?“ Semir nickte nur und stieg ein.
    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!
  • Semir fuhr Ben nach Hause und die ganze Fahrt wurde geschwiegen. Erst als Ben ausstieg, folgte Semir ihn und hielt seinen Partner an der Türe auf. „Ben…ich…“, begann er leise, kam jedoch nicht weiter. Der Angesprochene lächelte und klopfte dem Deutschtürken auf die Schulter. „Ich weiss Partner…“, sagte er leise und Semir schüttelte mit dem Kopf. „Nein du weisst nicht! Ich hab mich wie der letzte Vollidiot benommen…und…dafür möchte ich mich entschuldigen…“ Ben setzte sich auf die Eingangstreppe und klopfte auf den freien Platz neben sich. Semir verstand und gesellte sich zu ihm. „Semir…ich unterstützte dich so gut es geht! Ich zweifle seit diesem Angriff auch an der Sache, aber eines muss dir Bewusst sein – sollte Riemann doch Dreck am Stecken haben, kann ich auf deinen Kumpel keine Rücksicht nehmen…und ausserdem…ich hätte auch hinter deinem Rücken schnüffeln sollen – ich denke, wir sind Beide Vollidioten…“
    „Wahrscheinlich und…ich weiss, was du meinst…“, erwiderte Semir leise und blickte auf Bens Unterarm, „tut’s noch weh?“ Ben nickte ehrlich. „Pocht ganz schön…aber nun ja, was erwarte ich…als lebenden Schaschlik Spiess.“ Semir errötete leicht und Ben musste lachen. „Das habe ich nicht so gemeint gehabt…“
    In dem Moment klingelte Semirs Handy und er blickte auf die Nummer – sie war ihm nicht bekannt. Trotzdem nahm er ab. „Gerkan?“ Ben beobachtete die Mimik seines Partners und die liess nichts Gutes verheissen, denn sie verdunkelte sich und Semirs sichtbare Adern, begannen zu pulsieren. „Er ist was?“, schrie Semir laut und stand in einer Windeseile auf, „Wie? Sind Sie sich sicher?“ Der Deutschtürke entfernte sich etwas von Ben und dieser hob die Augenbrauen. Semir lief nervös hin und her und als er aufgelegt hatte, trat er gegen das Treppengeländer. „Ich…ich Vollidiot!“, zischte er, ging in die Knie und schlug mit der Faust immer wieder gegen die Wand. Ben stand auf und ging auf Semir zu. Er beugte sich zu seinem Partner.

    „Alles klar?“, fragte er besorgt und Semir schüttelte mit dem Kopf. „Das war die Krankenschwester…Riemann ist aus dem Krankenhaus geflüchtet! Und der Chefin hat’s sie’s auch schon gesagt!“, antwortete er direkt und Bens Augen rissen auf. „Er ist was? Und sie hat was?“, fragte er nochmals nach und Semir erwiderte nichts.
    „Ich meine...wie ist das passiert?“
    „Er hat David mit seinem eigenen Narkosemittel betäubt, ebenso den Polizisten, der auf ihn achten sollte…danach hat er’s irgendwie geschafft, rauszukommen, sie hätten es erst gemerkt als David aufgebracht zu ihnen kam…Gott…wie konnte ich nur so dumm sein? Und die Krüger weiss es nun auch – ich bin so ein Vollidiot! “ Normalerweise, freute sich Ben über einen Triumph, doch in diesem Falle, konnte er sich überhaupt nicht freuen. Besonders nicht, wenn er in Semirs niedergeschlagenes Gesicht sah. Er atmete tief durch und strich sich kurz durchs Haar.
    „Das muss noch gar nichts heissen…ausserdem würde ich an deiner Stelle diesem Polizisten sowas von den Arsch versohlen“, versuchte er Semir aufzumuntern und dieser sah seinen Partner mit einem eindeutigen Blick an. „Natürlich…er wollte nur frische Luft schnappen – eine Rauchen, macht man auch in einem solchen Zustand – wie so jeder Mensch auf dieser Welt.“, blaffte Semir.
    „Hör zu Semir, noch ist nicht aller Tage Abend…am besten ist’s wir verhören deinen Kollegen…sicher ist sicher!“
    „Was soll das bringen?“, frage Semir resigniert.
    „Ich weiss nicht, was, wenn David etwas gesagt hat, das Noah geschockt hat. Was, wenn er den Mund nicht halten konnte?“
    „Was meinst du damit?“
    „Ich meine momentan noch gar nichts, doch ich habe kein gutes Gefühl – und das reicht mir! Lass‘ uns gehen!“ Ben hielt seine gesunde Hand hin. Mit einem Grummeln schlug Semir ein und liess sich hochziehen.

    Sie wollten gerade zum Auto, als ein dunkelblauer Audi zufuhr. Eine blonde Frau mittleren Alters stieg aus und die beiden Autobahnpolizisten wussten genau, wer es war. „Ach du Scheisse…“, stiess Semir aus und auch Ben musste schlucken. „Frau Staatsanwältin“, säuselte er dann jedoch und diese schenkte dem jungen Polizisten nur einen giftigen Blick.
    „Gerkan, schön, ich dachte mir schon, dass Sie hier sind“, keifte sie und verschränkte die Arme vor dem Körper. „Der Hauptverdächtige Ihres Falles ist geflohen, Sie haben die Ermittlungen gehindert, wissen Sie, was das bedeutet?“ Ben stellte sich schützend vor Semir. „Hauptkommissar Gerkan ist nur allen Spuren gefolgt, er hat die Ermittlungen nicht behindert!“ Zum ersten Mal huschte ihr ein Lächeln über die Lippen. „Ach, deshalb hat er auch gerade erst den Verhafteten lauter Deals anerboten, um die Wahrheit zu verschleiern?“
    Ben atmete tief durch. „Wie schon gesagt, er wollte allen Spuren nachgehen!“ Sie wies auf seinen Arm. „Dass Sie ihn immer noch verteidigen Herr Jäger erstaunt mich jedes Mal. Sie sind doch immer der Leidtragende seiner Aktionen!“ Semir nahm Ben sanft am Arm und drückte kurz zu. „Ist schon okay Ben…“, sagte er leise. „Frau Staatsanwältin, meiner Meinung nach ist Noah Riemann nicht der Mörder von Mosner. Der Angriff hat doch bestätigt, dass da mehr Spiel sein muss.“
    „Hauptkommissar Gerkan – Sie sind zu befangen für diesen Fall. Ein guter Freund von Ihnen ist der Partner von Herr Riemann. Sie sind somit beeinflusst, mir bleibt keine andere Wahl, als Sie zu suspendieren!“
    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!
  • „Frau Staatsanwältin“, wollte Ben noch ansetzten, doch der Blick von der Schrankmann verriet alles. Ohne eine Verabschiedung, ging sie wieder in ihren Wagen und fuhr davon.
    „Was für eine blöde…“
    „Ben bitte!“, unterbrach Semir seinen Partner und atmete tief durch, „Ich hätte von Anfang an auf dich hören sollen!“ Ben seufzte. „Eine Suspendierung ist nicht aller Tage Abend…jedenfalls hat das dich noch nie aufgehalten!“ Semir nahm sein Handy auf Bens Satz hin hervor, als es klingelte und nahm ab. „Semir Gerkan?...David?“ Bens Ohren spitzen sich. „Ja…du hast es auch gehört…ja Suspendierung…nicht dein Problem Kumpel…“, in dem Moment kam Semir eine Idee, „du willst helfen? Gut – ich bin suspendiert und mein Partner hat ein leichtes Handicap, wir brauchen also deine Hi…bitte WAS?“ Lange sagte Semir nichts. Im Gegenteil. Er schnalzte immer wieder mit der Zunge. „Tu‘ nichts blödes David…warte dort, wir kommen sofort! Warte vor Mosners Wohnung bitte!“ Er hängte auf und sah Ben mit grossen Augen an. „David hatte eine Notiz auf dem Bett Riemanns, als er wieder aufgewacht war. Dort drin stand, das Riemann zu Mosner will – er solle ihm nicht nachkommen…“
    „Vielleicht konnte er sich wieder an Dinge erinnern…was, wenn Mosner wirklich dahinter steckt?“ Semir massierte sich kurz das Gesicht. Ben erkannte den inneren Kampf, den sein Partner führte. „Ach komm, das mit der Suspendierung haben wir einfach nicht gehört!“, grinste er darauf hin und Semir erwiderte das Grinsen.
    Sie stiegen in den Wagen und Semir fuhr los. In dem Moment klingelte Bens Telefon. Er kramte es aus seiner Tasche und nahm ab. „Hartmut was gibt’s?“, fragte er direkt, „Warte, ich stell‘ auf laut!“, er drückte auf die Lautsprechanlage und hielt das Handy so, dass Semir auch gut hören konnte.
    „Hört zu Leute, Riemann ist nicht von selbst gefahren! Ich habe Plastikrückstände an dem Lenkrad gefunden und im Motor war eine Vorrichtung angebracht!“
    „Vorrichtung?“, fragte Semir nach.
    „Genau Vorrichtung. Der Wagen wurde ferngesteuert. Ich habe es genau untersucht. Riemann muss bewusstlos gewesen sein. Die Hände waren an das Lenkrad gefesselt – wahrscheinlich hat die jemand noch heimlich entfernt, bevor bei Riemann angelangt wart.“
    „Gut, das erklärt aber nicht, wieso nur Fingerabdrücke von Riemann an der Waffe waren“, warf Ben ein und man hörte, dass Hartmut Luft holte.
    „Auch dazu habe ich eine Erklärung – der Mediziner hat leichte Hämatome auf den Fotos von Riemanns Händen gesehen…“
    „Jemand hat seine Hände gepackt und so das Messer geführt…“, schlussfolgerte Semir und bekam eine Bestätigung von Hartmut.
    „Super gemacht Hartmut, vielen Dank!“, sagte Ben und hängte auf. Danach zog er die Armschlinge ab.

    „Was um Himmels Willen machst du da?“, fragte Semir entsetzt und Ben zog seine Waffe hervor um sie zu überprüfen. „Riemann will Mosner bestimmt in der Wut fertigmachen. Sonst ginge er nicht einfach so zu ihm. Das ist die reinste Kamikazeaktion.“ Semir musste seinem Partner recht geben. „Sicher dass es geht?“
    „Sicher“, antwortete Ben direkt und Semir fuhr bei der Wohnung Mosners vor, wo auch gerade ein silberner Alfa hielt und David ausstieg. Wie auch Ben hielt er schon seine Waffe bereit. „Es tut mir leid Semir, ich hätte Noah niemals sagen sollen dass…“ Semir winkte ab und man hörte Geschrei in der Wohnung. „Verdammt!“, fluchte Ben und sie teilten sich auf.
    Semir begab sich zum Hintereingang, wo er durch die Scheibe der Türe durchsehen konnte. Riemann hielt eine Pistole in der Hand und richtete sie gegen Mosner, der zwar die Hände in der Luft hatte, ansonsten keine einzige Miene verzog. Dumpf konnte er hören, was sie sagten.
    „Du hast ihn umgebracht…warum?“ Riemanns Stimme bebte.
    „Er hat unsere Familie befleckt…ich stehe für Ehre und das Altbewährte! Einen Mann lieben – wie weit muss man sinken…ich habe meine ehemaligen Kollegen aus meiner Armeezeit gebeten, mir zu helfen…gegen ein kleines Sümmchen, waren sie dazu bereit.“
    „Du bist das Letzte“, zischte Riemann zurück und Semir entsicherte seine Waffe. „Und dich musste ich doch auch los werden Noah. Du hast ihn schliesslich dazu gebracht, so etwas Abstossendes zu werden!“ Semir wollte gerade hinein, als er Davids Stimme vernahm. „NOAH WAFFE RUNTER!“, schrie er mit seiner dunklen Stimme und diese ging wieder durch Mark und Bein.

    Semir wartete ab und hörte, wie Ben hinter ihm auf ihn zukam. „Und?“ „Niemand ist sonst im Haus, ich bin sogar den Baum raugeklettert um nachzuschauen!“
    „Mit deinem Arm? Wie ging denn das?“ Ben zog eine Augenbraue hoch. „Och ging ganz einfach, ich umfasste die Äste und zog mich hoch. Hab ich schon mit vier Jahren gelernt.“ Semir schnaubte kurz und widmete sich wieder dem Geschehen.
    „Lass mich in Ruhe David – das ist meine Sache!“, sagte Riemann lauthals und spannte den Finger um den Abzug. „Tu’s nicht“, appellierte David nun sanfter und Riemann schüttelte mit dem Kopf. „Dieser Mann hat mir mein Leben genommen“, flüsterte er mit einem Schluchzen, „die Autobahn bemüht sich, sie bemüht sich, aber sie findet nichts! Ich werde im Knast enden! Also ist’s nur fair, dass ich auch wirklich in den Knast komme für etwas, was ich wirklich getan habe!“
    „Noah sie werden was finden, ganz bestimmt!“
    Semir und Ben wussten, dass sie einschreiten mussten, doch in dem Moment wurden die Beiden von hinten gepackt und verschwanden in der Dunkelheit des Waldes, er sich hinter dem Haus befand.
    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!
  • Zwei bullige Maskierte Männer, drückten Ben und Semir die Hand auf den Mund und der eine drückte Ben so aufs Handgelenk, dass dieser kurz aufzuckte und reflexartig die Waffe losliess. Mit einem kleinen dumpfen Geräusch fiel die Pistole in das Laub.
    Semir hingegen reagierte richtig, mit einem gezielten Schlag in den Magen konnte er sich von seinem Angreifer lösen und schlug diesen zugleich K.O. So war es kein Kunststück, dass er auch den zweiten Mann ins Reich der Träume schicken und sogleich Ben retten konnte.
    „Danke Kumpel“, keuchte der Jüngere und nahm seine Waffe auf. „Man das Arschloch hat mir voll auf die Naht gedrückt!“ Sie fesselten die beiden mit Handschellen aneinander. „Wahrscheinlich welche von Mosners Bulldogen“ stellte Semir fest und Ben stimmte ihm zu.
    Sie rannten zurück Richtung Haus und als sie beinahe am Ziel waren, viel ein Schuss. „Oh nein…“, stiess Semir aus und beschleunigte das Tempo. Ben lief ihm hinterher.
    Sofort stürmten sie das Haus.
    David stand mit der Pistole da, aus dessen Mündung es noch leicht rauchte. Mosner hingegen, stand quicklebendig da und blickte die Beiden an. „Sieh‘ an, Sie kommen aber auch erstaunlich früh“, erwiderte er sarkastisch und auf dem Boden sahen die beiden Riemann. Mit einem Loch in der Brust. Er war tot.
    „David…“, stiess Semir geschockt aus. In den Augen des blonden Polizisten, sammelten sich Tränen. „Er wollte Mosner erschiessen…scheiss polizeiliche Pflichten…ich musste es tun…“, schluchzte er und Mosner lächelte zufrieden. „Danke, dass Sie für mich die Schmutzarbeit erledigt haben!“ Davids Körper begann zu zittern, sein Kopf wurde feuerrot, er liess die Waffe fallen und stürmte auf Mosner zu. Semir reagierte rechtzeitig, er stellte sich vor David und schlang seine Arme auf ihn. „NICHT!“, schrie er bloss und hatte sichtliche Mühe, David zu bändigen. Trotzdem schaffte er es irgendwie, aus dessen Taschen die Handschellen zu schnappen und warf sie Ben zu.
    „Mosner – ich verhafte Sie wegen Mordes an Ihrem eigenen Sohn. Sie haben das Recht zu schweigen!“ Er legte die Handschellen an und setzte Mosner auf einen Stuhl. Danach lief er auf Semir zu und wollte ihm helfen. In dem Moment sank David jedoch auf die Knie und begann bitterlich zu weinen. Er krallte sich an Semir.

    Ben lief auf Riemanns Leiche zu und schloss dessen Augen, da sie noch geöffnet waren. Danach rief er der KTU und dem Gerichtsmediziner an.
    „Abschaum…alles Abschaum…“, zischte Mosner und Semir sah ihn an. „Halten Sie einfach Ihren Mund!“, zischte er und strich David über den Rücken. „Sie können mich so oft beleidigen wie Sie wollen Herr Gerkan, aber Sie müssen zugeben, mein Schauspiel bei Ihnen im Revier war perfekt!“ Semir musste sich zusammenreissen, nicht selbst auf Mosner zuzugehen.
    Ben hängte auf. „Sie können mir nichts nachweisen…“, säuselte Mosner und Ben schnaubte kurz. „Das werden wir noch sehen. Noch sind nicht alle Beweise ausgewertet – wir wissen, dass Riemann unschuldig war. Sie haben Ihn betäuben lassen nicht wahr?“ Mosner reagierte nicht. „Ohne meinen Anwalt, hören Sie nichts mehr von mir!“, war die knappe Antwort.
    „Ben bleibst du bei Mosner?“ Ben verstand und nickte. „Natürlich Partner…“
    Semir half David auf und führte ihn aus dem Haus. In dem Moment kam schon Hartmut vorgefahren. In seinem Wagen sass auch Kim Krüger. Sie stieg aus und ging auf Semir und David zu. „Herr Braske, Sie werden bei Ihrem Vorgesetzten erwartet…“, sagte sie knapp und emotionslos. David nickte. „Einer meiner Männer wird Sie dorthin begleiten – Gerkan bleibt jedoch hier!“ Einer der uniformierten Polizisten nahm sich David seiner an und begleitete ihn in einen Wagen, um loszufahren.
    Kim und Semir sahen ihm noch kurz hinterher, danach sah sie ihn mit ihrem durchdringenden Blick an. „Sie waren doch suspendiert“, begann sie und Semir schluckte. „Chefin, was hätte ich machen sollen…eigentlich wollten wir so etwas verhindern…“ Sie verschränkte die Arme, erwiderte jedoch nichts.
    „Ich konnte Ben doch da nicht alleine lassen…ausserdem…ich weiss doch auch nicht – aber es musste getan werden!“
    „Sie kennen meine Einstellung zu der alten Schreckschraube…ausserdem wissen wir nun, dass Mosner doch dahintersteckt…die Beweise sollten schnell gefunden sein…Irgendeiner der Männer wird schon reden – jedenfalls wenn ein guter Deal winkt. Auch wenn mir das nicht gefällt – aber solange ich dadurch Mosner drankriege, ist mir das egal!“
    Semir sah sie erstaunt an.

    „Jetzt schauen Sie nicht so überrascht…ich werde noch heute dafür sorgen, dass Ihre Suspendierung aufgehoben wird, jedoch wird sowas nie wieder vorkommen, klar?“ Er nickte. „Was wird nun aus David?“ Kim zuckte mit den Achseln. „Er hat polizeilich richtig gehandelt – das Andere…ist auch eine andere Sache…solange seine Familie ihm dabei hilft…kommt nur darauf an…wie Riemanns Familie darauf reagieren wird…“
    „Sie braucht es doch nicht zu wissen…“, warf Semir ein und Kim schüttelte mit dem Kopf. „Leider doch, selbst wenn wir es nicht preisgeben, wir haben die alte Meckerziege am Hals…die wird es sagen, darauf können Sie wetten!“
    „Ich wette nie auf Dinge, wo ich so oder so verlieren werde“, erwiderte Semir mit einem traurigen Lächeln.
    In dem Moment kam Ben hinzu. „Mosner und die anderen Beiden werden gerade abgeführt.“ Kim nickte und liess die Beiden alleine.
    „Tut mir leid dass es so weit kommen musste…“, seufzte Ben und Semir schüttelte mit dem Kopf. „Nein – mir tut es leid…“, erwiderte er nur und atmete tief durch. „Ich weiss nicht wie es dir geht Partner…aber ich könnt‘ ein Bierchen vertragen…“ Semir lächelte kurz auf Bens Vorschlag. „Find‘ ich gut…“


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    ENDE
    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

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