Zurück in der Hölle

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    • Es dauerte noch etwas bis Kim Krüger Lukas Bährle erreichte. Der hatte sich gleich nach seinem letzten Gespräch mit Ben auf den Weg zur Ravensburger Polizei gemacht und Anzeige gegen Sabrina Schmied erstattet. Dass er mit Ben und Alex unabhängige Zeugen hatte, verstärkte seine Glaubwürdigkeit deutlich - seine impulsive Art war hingegen wenig hilfreich. Zurück in der Klinik traf er immerhin auf Ärzte, die verhalten optimistisch waren, dass seine Laura das Bewusstsein doch wieder erlangen könnte. Dass ihm dabei jedoch gleichzeitig prognostiziert wurde, sie würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bleibende Beeinträchtigungen zurückbehalten, zerstörte alle Freude in ihm. Kurz ertappte er sich sogar bei der Frage, ob es nicht besser für alle Beteiligten wäre, wenn seine geliebte Frau bereits voran gehen dürfte. Und wer sollte sich künftig um Marie kümmern? Wovon würden sie leben, wenn sie die Bäckerei aufgeben müssten? Beim Stichwort "Leben" kam ihm schmerzlich die Ungewissheit, was sein jüngstes Kind anging, ins Bewusstsein. Er dachte daran, wie er bei der Geburt dabei gewesen war - hilflos war er sich vorgekommen, so wie jetzt auch. Aber am Ende, da hatte ihm jemand dieses kleine perfekte Menschlein in den Arm gedrückt. Das seine Hand in den Mund gesteckt und ihn mit großen Augen angesehen hatte - als wäre er, Lukas, ein Alien. Und was war danach gekommen?
      Er hatte gearbeitet, Laura hatte sich um die beiden Kinder gekümmert. Am Abend waren sie beide müde gewesen - er hatte kaum etwas von Leon und Marie gehabt. Leon hatte vor ein paar Tagen sogar gebrüllt, als er ihn auf dem Arm gehalten hatte - wie bei einem Fremden. Ja, das beruhte auf Gegenseitigkeit: Leon war ihm irgendwie fremd geblieben, er war eben ein Baby und das Zentrum von Leons Welt war Laura. Und jetzt waren beide getrennt. Als er gerade darüber nachdachte, erreichte Kim Krüger den Bäcker auf dem Handy. Vielleicht war sein Leon gefunden worden - lebend! Aber was, wenn er es nicht wäre? Außerdem: Jetzt nach Köln fahren und Laura alleine lassen? Sabrina freie Bahn lassen, seine Bäckerei schließen? Kam nicht in Frage! Er sah sich außerstande, die Identifizierung vorzunehmen. Aber Anja war ja ohnehin da - er würde sie schicken.
      "Gibt es denn ein eindeutiges Merkmal, das dabei helfen könnte, ihren Sohn zu identifizieren," fragte ihn die Polizistin.
      "Ja. Er hat am Po einen großen hellbraunen Fleck. Ich hab zuerst gedacht, da wäre was aus der Windel...naja..."
      "Kennt Ihre Schwestern den Fleck auch?"
      Nun musste Lukas Bährle trotz allen Leids lächeln - auch Anja hatte sich zuerst vor dem Fleck geekelt: "Jeder, der das nackte Ärschle mal gsehen hat, kennt den Fleck!"