Zurück in der Hölle

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    • Semir wollte sich von Ben zur Kurklinik zurückfahren lassen. Sein Oberschenkel bereitete ihm heftige Schmerzen, so dass er sich kaum auf das konzentrieren konnte, was Ben ihm aus der Notaufnahme berichtete. Und in seinem Kopf spukte immer noch eine Nachtschicht auf verschneiten Autobahnen bei Köln herum. Wenn er die Augen schloss, vermischten sich Bilder von der verletzten Frau mit seiner Erfahrung. Wie er selbst um jeden Atemzug hatte kämpfen müssen, wie ihm die Sinne geschwunden waren und er sich später langsam wieder ins Leben hatte zurück kämpfen müssen. Immer wieder fuhr er mit seiner Hand am Hals entlang. Er wusste nicht, was gerade schwerer wog: Die immer noch nicht völlig abgeheilte Schussverletzung oder die Zweifel, die er an seiner geistigen Gesundheit hegte.
      Kurz bevor sie die Kurklinik erreichten, fragte ihn Ben: "Weißt du, was seltsam ist?"
      "Hm?" Semir öffnete die Augen und sah seinen Freund an. Der fuhr fort:
      "Sorry, ich weiß, du hast Schmerzen und willst deine Ruhe..."
      Semir machte eine abwehrende Bewegung. Jede Abwechslung war ihm willkommen. Ben nickte leicht und sah ihn kurz an:
      "Als ich Laura Bährle heute Morgen zum ersten Mal auf dem Spielplatz gesehen habe, hatte ich das Gefühl, ich hätte schon mal was mit ihr zu tun gehabt..."
      Jetzt musste Semir grinsen: "Da sieht Ben ein hübsches Mädel und fragt gleich " kennen wir uns nicht? "..."
      Ben zog eine Schnute.
      "Im Ernst jetzt. Ich glaube sogar, du warst dabei. Mal auf Streife..."
      Plötzlich richtete sich Semir auf und murmelte etwas vor sich hin, was Ben nicht verstand. Bevor der noch fragen konnte, bat ihn Semir:
      "Ben bitte fahr' nochmals zu dem Parkplatz am See. Ich muss da was nachsehen..." und leise dachte er bei sich:"Wenn Ben meint, Laura Kern schon mal begegnet zu sein, vielleicht bin ich dann doch nicht verrückt...."

      "Ich dachte, du wolltest dich ausruhen?"

      "Kann ich danach bestimmt besser..."meinte Semir und griff zum Smartphone. Kurz darauf hatte er Susanne am Apparat. Die freute sich, ihn mal wieder zu hören, aber Semir war nicht nach Geplänkel.
      "Sag mal, kannst du nachsehen, ob Ben oder ich dienstlich mal etwas mit einer Laura Kern oder Laura Bährle zu tun hatten? Kann auch schon 10 Jahre her sein...Bährle schreibt man Berta, Ärger, Heinrich Richard Ludwig Emil"

      "Tut mir leid, beide Namen tauchen hier nicht auf!"

      "Schade. Danke dir! Gute Schicht noch!"

      "Semir? Ihr seid aber schon noch krank geschrieben oder? Ich meine, vor fünf Minuten rief Alex an und wollte Hartmut, der mal wieder das Telefon nicht gehört hatte, jetzt du...Hat das was mit der Entführung heute Morgen zu tun?"

      "Vielleicht" sagte Semir kurz angebunden "Danke für deine Hilfe, Susanne! Wünsche dir noch eine gute Schicht."
      "Danke, grüß mir Andrea."

      Ben hatte zugehört und zuckte mit den Schultern.
      "Dann habe ich mich wohl getäuscht..."
      Semir sah nachdenklich aus dem Fenster, wo er bald schon den Parkplatz am Stadtsee entdeckte.

      Im Licht des Spätnachmittags flogen Schwalben und Mauersegler zwitschernd über ihren Köpfen hinweg. Aber Semir schenkte ihnen keine Beachtung. Er betrachtete intensiv den Boden vor sich, den die örtliche KTU in den letzten Stunden abgesucht hatte. Vielleicht erinnerte er sich hier an etwas, was er unterbewusst wahrgenommen hatte? Dabei fiel sein Blick auf das Gras neben dem Begrenzungsstein, vor dem der Nissan gestanden hatte. Er nahm seine Krücken zu Hilfe - sein Oberschenkel ließ heute keine Belastung mehr zu - und humpelte dorthin. Er bewegte das Gras mit den Krücken hin und her. Tatsächlich! Dort lag ein Zigarettenstummel... Natürlich könnte der auch dorthin gekommen sein, seit die KTU das Feld geräumt hatte. Oder schon länger dort liegen.
      "Ben! Hast du noch eine saubere Tüte?"
      Der dunkelhaarige Freund schüttelte seine Haarpracht.
      "Aber ich," rief da eine bekannte Stimme. "Eine hab ich noch!"
      Es war Alex, den Semir darüber informiert hatte, dass sie zum Stadtsee gefahren waren. Er ging mit der Beweismitteltüte zu Semir, wo er geschickt die Zigarettenstummel aus dem Gras fischte. Währenddessen berichtete er von seinen Erkenntnissen.
      "Wir sollten unbedingt mal in Weingarten bei Sabrina Schmied vorbei. Die Adresse habe ich schon über das Melderegister abgefragt. Das ist die Ex von Lukas Bährle und hat ihm wohl früher mal gedroht, dass er die Trennung noch bereuen würde. Sie wollte unbedingt Kinder von ihm... "

      Semir war ganz froh, dass Alex eine plausible Spur hatte. Er stieg zu Ben in den Wagen, gemeinsam fuhren sie hinter Alex her. Die Fahrt über schwieg Semir. Wie kämen sie wohl an die mutmaßliche Entführerin heran? Einfach nur klingeln und nachfragen? Oder einfach die örtliche Polizei informieren und die ihren Job machen lassen? Wieder brachte sich seine Verletzung schmerzhaft in Erinnerung...
    • 2008

      Ich fand es nett, dass er mich abholt. Schließlich ist ziemlich widerliches Wetter mit Schneetreiben und Schneematsch. Ich habe mich gefreut, dass er mich zu meiner Mutter bringen will, die seit gestern aus der Klinik ist. Ich dachte, er hätte sich wieder eingekriegt. Aber kaum war ich eingestiegen, meinte er, ich sei ja noch gar nicht verkleidet.
      "Dieses Jahr ist mir nicht nach Fasching dafür geht's einfach meiner Mutter zu schlecht," sage ich und er nickt. Ich dachte, wir würden jetzt - wie vereinbart - zu ihr fahren. Aber stattdessen fährt er, los Richtung Kölner Innenstadt. Er will sich amüsieren - ich will zu meiner Mutter, die schon wartet. Er will, dass wir auf Karneval gehen, lässt sich nicht davon abbringen. Ich sage:
      "Lass mich bitte aussteigen." Aber er lacht und verriegelt die Türen! Und an meine Tasche auf dem Rücksitz, in dem das Handy ist, komme ich so leicht nicht dran.
      "Was machst du? Willst du mich jetzt entführen?"
      "Ach komm, hab dich nicht so! Auf einen Abend mehr oder weniger kommt es bei deiner Mutter doch auch nicht mehr an."

      Ich bin kurz sprachlos. Hat er das gerade wirklich gesagt?
      "Aber sie würde sich freuen und es war für heute ausgemacht!"
      Er macht eine abwertende Geste mit der Hand. Ich bin sauer.
      "Halt sofort an! Lass mich aussteigen!"
      Er lacht nur.
      "Ich ziehe die Handbremse, wenn du mich jetzt nicht sofort aussteigen lässt," drohe ich. "Traust dich ja doch nicht!"
      Ich schaue mich um. Tatsächlich ist es keine so gute Idee, die Handbremse zu ziehen, hier mitten im Verkehr. Keine Ahnung, was dann passiert. Wir halten an der Ampel. Neben uns auf der rechten Spur hält ein BMW. Der Fahrer ist ein Mann mit kurzen Haaren, dunklen Augen und einer Lederjacke. Der Beifahrer Beifahrer ist etwas jünger, mit dunklen wuscheligen Haaren. Sie diskutieren. Vielleicht kann ich sie darauf aufmerksam machen, dass ich hier in dem Auto sitze und nicht rauskomme? Ich klopfe gegen die Scheiben. Ich winke, ich schreie.

      "Hör auf mit dem Scheiß! Hab dich nicht so."
      Da wird es grün. Er startet durch.

      Zur gleichen Zeit im Auto daneben :
      Ben : " Ach komm, du kannst mich doch nicht verhungern lassen..."
      Semir :"Ich lass dich nicht verhungern. Ich will nur endlich nach Hause zu Andrea und Ayda. Und außerdem will ich nicht, dass das Auto wieder vollgesaut wird. Du kannst ruhig noch ein bisschen warten, fällst schon nicht vom Fleisch."
      Ben: "Ich verspreche:Ich mache den Wagen sauber, aber lass mich endlich was essen..."
      Semir: "Ja, ja. Dein Wagen sauber machen kenne ich : Einmal kurz drüber wischen, das war's."
      Ben: "Hey, guck mal da drüben! Meinst du, da ist alles in Ordnung?"
      Semir: "Keine Ahnung. Können wir ja gleich mal schauen. Jedenfalls meint der auch, er wäre in Hockenheim und nicht in Köln...."

      Semir fuhr hinter dem weißen BMW her, der jetzt plötzlich am rechten Fahrbahnrand hält.

      Er entriegelt die Tür, motzt:
      "Na, dann geh doch zu deiner Mama... "
      Es gelingt mir gerade noch, meine Tasche vom Rücksitz zu angeln, bevor er schon wieder Gas gibt.

      Die Beifahrertür öffnete sich, kurz darauf stieg eine junge Frau aus. Der BMW fuhr gleich darauf weiter, während Semir nun an dessen Stelle anhielt. Ben ließ das Fenster herunter:
      "Alles in Ordnung bei Ihnen?"

      Die Männer aus dem Wagen neben uns hatten mich tatsächlich bemerkt. Der mit dem Wuschelkopf fragt, ob alles okay ist. Ich nicke nur, sage irgendwas wie
      "Ja, ja. Danke!"
      Er sieht mich noch einen Moment an, scheint mir nicht zu glauben.
      "Alles okay," lüge ich ihn mit meinem freundlichsten Lächeln an. Was soll ich ihm auch sagen? "Mein Mann wollte mich gerade zum Karneval entführen, obwohl meine todkranke Mutter in Koblenz auf mich wartet?" Klingt doch völlig irre! Jetzt lächelt er auch. Der Fahrer nickt mir freundlich zu. Er fährt wieder an.
    • Heute
      Sabrina Schmied schloss die Tür zum Wohnzimmer. Sie setzte sich auf ihr großes breites Sofa, trank den letzten Rest Cognac aus ihrem Glas. Ihre nackten Füße streiften immer wieder über die Flokati-Teppiche, der wie das Haus und die vielen Kissen Erbstücke ihrer Großmutter gewesen waren. Genau diese Dame hatte ihr stets erklärt :
      " Wenn du etwas willst, wirst du es auch bekommen. Du musst nur dafür arbeiten - vielleicht manchmal auch mit weniger akzeptierten Methoden..."
      Sabrina sah ihre Großmutter vor sich, wie sie mit Augenzwinkern diesen Satz sagte. Dann blickte sie durch die weite Fensterfront hinaus in den Garten. Seit sie als Kind hier gespielt hatte, war es immer ihr Traum gewesen, dass hier auch ihre Kinder spielen würden. Und daran hielt sie fest, auch jetzt, mit Ende 30.
      Sie öffnete die Champagnerflasche und goss sich genüsslich ein Glas ein. Sie war hundemüde, aber heute war der Tag ihres Erfolges. Jahrelang hatte sie auf diesen Tag hingearbeitet! Und niemand würde ihr diesen Triumph zerstören können. Sie prostete sich selbst zu.
      "Gut gemacht, Sabrina! Jetzt bekommt Lukas endlich, was er verdient hat!"
      Sie trank das Glas auf ex und goss sich ein zweites Glas ein. Bei diesem ließ sie den Champagner langsam innen den Hals hinunter laufen, prickelnd, kitzelnd, wärmend. Was für ein erhebendes Gefühl! Sie hatte die ganze letzte Nacht die letzten Vorbereitungen getroffen und heute Mittag endgültig dafür gesorgt, dass zukünftig in der Bäckerei Bährle nichts mehr so sein würde wie bisher. Sie goss sich das dritte Glas ein und prostete in die Luft:
      "Auf dich, mein Lieber! Dem ich meine besten Jahre und Chancen geopfert habe!"
    • Langsam zeigte der Alkohol Wirkung. Gemeinsam mit der Müdigkeit ergab sich eine angenehme Schwere. Sabrina legte ihren eher breit gebauten Körper auf dem Sofa ab.

      Sie griff nach den Zigaretten, die auf dem Couchtisch lagen und zündete sich eine an. Genüsslich zog sie daran, atmete den Rauch in ihre Lungen und blies ihn mit spitzen Lippen wieder aus. Mit dem nächsten Zug grinste sie breit. Sie setzte sich nochmals kurz auf, nahm einen weiteren Schluck und rückte ihre Brüste in den BH-Schalen zurecht. Sie strich sich über den Oberkörper bis hinab zu den Knien.
      "Alles hättest du haben können, Lukas. Alles..."
      Dann ließ sie sich in die Kissen zurück fallen und sog erneut den Rauch ein.

      Semir und Ben waren Alex gefolgt, der im Feierabendverkehr durch Weingarten fuhr. An einer Ampel auf einer zweispurigen Straße hielt Ben neben ihm und rief:

      "Hast du eigentlich den Kollegen vor Ort Bescheid gesagt?"

      Alex sah ihn unverwandt an:
      "Nein, meiner Oma! Mensch Ben! Klar hab ich das gemeldet. Aber es hieß nur, sie würden dem nachgehen. Spricht doch nichts dagegen, dass wir nachsehen - wenn da schon alles geklärt ist, umso besser, oder?"

      Semir war müde. Er hatte Schmerzen - so heftig, dass ihm fast übel war - und auch Zweifel daran, dass dieser Fall noch heute gelöst werden würde. Selbst wenn - für die Familie würde noch lange nichts mehr so sein wie heute morgen. Wenn überhaupt jemals wieder. Er konnte das sehr gut verstehen. Er zückte sein Handy und schrieb Andrea eine kurze Nachricht :
      "Ich liebe dich und freue mich nachher auf eine Pizza mit euch!" Auch wenn es ihm gerade nicht nach Essen war. Immerhin : Er spürte, gut es ihm tat, wieder zu ermitteln.

      Schließlich, in einem Wohngebiet mit vielen kleinen Häusern aus den 30er Jahren,wurde Alex langsamer - offensichtlich suchte er nach Hausnummer oder Parkplatz.
      Etwas weiter oben sah Semir ein bekanntes Gesicht.

      "Ben, fahr mal zu dem jungen Mann da vor. Ich glaube, ich kenne ihn..."
      Semir ließ das Fenster herab und beugte sich soweit er konnte zu dem Mann auf dem Gehsteig.
      "Na, Feierabend," fragte er freundlich.

      Der junge Mann wurde feuerrot im Gesicht. "Ja," antwortete er knapp.
    • Neu

      "Matthias, richtig," fragte Semir, um nach dem Nicken des Rettungsassistenten weiter zu fragen:"Du wohnst doch nicht wirklich hier? Und es ist auch kein Zufall..."

      "Nein," antwortete Matthias wiederum einsilbig.

      "Sabrina Schmied, hm?" Matthias schaute nach oben - er war schon immer ein schlechter Lügner und dieser kleine Mann verstand etwas von seinem Job. Also gab er zu: "Ja, zu der will ich."

      "Warum? Meinst du, sie war's?"
      Matthias zuckte mit den Schultern und beugte sich weiter zu Semir. "Ich weiß nur, dass Sie Lukas gedroht hat, er würde es noch bereuen."
      " Das scheint also ein offenes Geheimnis zu sein," meinte Semir und forderte Matthias dann auf: "Komm mit. Vielleicht kannst du uns helfen - auch wenn das eigentlich Polizeiarbeit ist und nichts für den Rettungsdienst.."
      "Hoffentlich," antwortete Matthias, der jetzt doch erleichtert war, dass Semir ihn mitnehmen wollte. Schließlich hatte er das Gefühl, Lukas den "Besuch" bei Sabrina zu schulden.

      Alex war schon vorangegangen. Er hatte sich versichert, dass das Namensschild an der Klingel auch auf Schmied lautete.
      Dann kam er zur Straße zurück, wo Ben ihm entgegen kam. Semir folgte ihm mit etwas Abstand in Begleitung von Matthias.
      "Ben, ich schlage vor, wir beide teilen uns auf. Ich gehe rechts,du links herum. Wir schauen einfach, ob wir etwas sehen, was auf die Kinder hindeutet. Wir halten per Handy Kontakt. Semir, du klingelst und lenkst die Frau oder andere Bewohner ab..."

      "Das kann ich auch übernehmen, " mischte sich Matthias ein "Ich hätte da nämlich schon eine Idee..."

      Alex sah vorsichtig in die Räume, die von der Straße aus zugänglich waren. Er sah in die Küche, die jedoch einen völlig aufgeräumten Eindruck machte. Plötzlich ertönte ein Alarm. Alex dachte zunächst an eine Alarmanlage und duckte sich. Aber mit Blick nach oben konnte er nichts entdecken, was auf das Vorhandensein einer Alarmanlage hingedeutet hätte.

      Ben hatte auf der anderen Seite des kleinen Hauses gerade das offene Fenster im Badezimmer bemerkt - offensichtlich hatte dort vor kurzem jemand ein Bad genommen und lüftete nun - als ihm der einsetzende Alarm einen Schreck versetzte. Allerdings hatte er bereits einen seltsamen Geruch wahrgenommen. Rasch drückte er sich am Beet vorbei zum Wohnzimmer. Schon beim ersten Blick schrie er:
      "Alex! Feuer! Es brennt!"

      Alex hörte Bens Ruf und beeilte sich, mit einem Sprung über die Hecke zu ihm zu kommen. Hinter der Glastür war eine deutliche Rauchansammlung an der Decke zu sehen. Es war dicker schwarzer Rauch, der offensichtlich vom Teppichboden und Sofa aufstieg. Nahe der Glastür standen mehrere Ordner und ein Papierstapel auf dem Boden. Mit dem Kopf über dem Sofa hängend, war eine Person zu sehen. Ihr Kopf und Rumpf war bereits vom dichten Rauch bedeckt, nur Beine und Füße die nackten Füße waren noch klar zu erkennen. Ben hatte bereits versucht, die Glastüre zu öffnen, was ihm jedoch nicht gelungen war. Alex war sofort zur Stelle. Ben rief ihm zu:
      "Ich versuche durch das Bad zu kommen - vielleicht kannst du die Glastür einwerfen! Da ist mindestens noch ein Mensch drin!"

      Während Ben in das Badfenster kletterte, suchte Alex einen größeren Stein. Er fand aber nur einen Spaten, mit dessen Metallseite er mit aller Kraft gegen die Scheibe des Wohnzimmers schlug. Diese war jedoch so stabil, dass sie nur einen großen Sprung bekam. Zugleich sah Alex, dass innen die Tür des Wohnzimmers geöffnet wurde. Ben tastete sich auf allen Vieren von der Gegenseite an die Glastür heran und öffnete sie. Sofort zog der Rauch auch nach draußen. Alex kam herein. Gemeinsam zogen sie den regungslosen Körper vom Sofa durch den Papierstapel nach draußen. Draußen angekommen, kam langsam wieder Leben in die Frau. Kräftiges Husten verriet, dass die Gerettete zumindest atmete und die Schutzreflexe funktionierten.
      "He," sprach Alex sie an: "Wo sind die Kinder?" Aber Sabrina gab außer weiterem Husten keine Antwort.

      Semir hatte die Hilferufe gehört und die Feuerwehr verständigt. Matthias hatte das mitbekommen und hatte ebenfalls losrennen wollen, aber Semir hielt ihn zurück:
      "Warte kurz. Wir haben noch einen Feuerlöscher im Auto - vielleicht bringt der ja was!"

      Mit dem Feuerlöscher im Arm kam Matthias zu Ben und Alex gerannt. Gerade sah er, wie diese wie die beiden Sabrina auf der Wiese ablegen.
      "Lasst mich das mal machen. Ich hab euch was mitgebracht."
      Ben nahm Matthias den Feuerlöscher ab. Er ging an die Glastür und zielte mit dem Schlauch des Feuerlöschers auf den vermeintlichen Brandherd auf Teppich und Sofa. Dabei fiel sein Blick zufällig auf die am Boden verstreut liegenden Papiere. Da waren verschiedene Dokumente, die er eher in der Bäckerei Bährle vermutet hätte, als hier. Es gab also tatsächlich einen Zusammenhang! Auch Alex waren ein paar der Papiere aufgefallen.

      "Wir müssen noch mal rein," schrie er "Was ist, wenn die Kinder da noch drin sind?"

      Matthias rüttelte seine in Seitenlage befindliche Patientin. Deren Fahne war trotz des Brandgeruchs deutlich wahrnehmbar.

      "Sabrina! Wo sind die Kinder?"

      Da murmelte sie stockend:"Ich... Habe... Keine... Kinder." Sie hustete wieder, antwortete jedoch nicht mehr, obwohl jetzt Alex kräftig an ihr rüttelte.

      Von Weitem hörten sie die ersten Martinshörner. Ben löschte stoßweise, wie ihm das bei der letzten Fortbildung beigebracht worden war, auch wenn der Qualm ihn ebenfalls husten ließ. Immerhin schien er Erfolg zu haben - Flammen waren keine mehr zu sehen und auch der Rauch wurde deutlich weniger.
      Alex wollte nochmal über das Badfenster ins Haus, aber Semir, der um die Ecke kam, hielt ihn davon ab:
      "Du, warte! Hier ist nichts, was auf ein Baby und kleines Kind hinweist. Keine Kindersitze im Renault, kein Wagen bei der Haustür, keine Fläschchen in der Küche - rein gar nichts! Vor allem : Kein Geschrei!"
      Bis zu diesem Wort hatte Semir seinen Freund erreicht. Er musste sich an ihm festhalten, so schlimm waren körperliche wie seelische Schmerzen. Traurig sagte er:
      "Alex, entweder hat sie damit nichts zu tun. Oder... Sie hatte nie vor, die Kinder lebend hier her zu bringen...."
    • Neu

      Inzwischen traf die Feuerwehr ein und auch die von Alex vor einer gefühlten Ewigkeit alarmierte Polizei hielt vor dem kleinen Haus in Weingarten.
      Als letzte Vertreter der Blaulichtorganisationen kam schließlich noch ein Notarzt mit zwei Rettungswägen-bei seinem Notruf hatte Semir bereits angegeben, dass möglicherweise auch noch zwei kleine Kinder in dem Haus waren.
      Matthias' Kollegen kümmerten sich sofort um Sabrina.

      Alex brachte indessen Semir zu seinem Auto :
      "War anstrengend heute," sagte er und legte Semir die Hand auf die Schulter. Dieser nickte traurig. Die Ungewissheit, was mit den entführten Kindern geschehen war, bedrückte beide. Alex wies auf die Polizisten hin:
      "Ich gehe mal meine Aussage machen und schick sie dann zu dir. Okay?"

      Semir nickte. Er lehnte sich zurück und schloss erschöpft die Augen.

      Zwei Feuerwehrleute mit Atemschutzmasken waren auf Ben zugekommen. Sie hatten ihm kollegial auf die Schulter geklopft und den Feuerlöscher abgenommen. Als Ben aus der Hocke aufstehen wollte, bemerkte er jedoch, wie es ihm schwindelig wurde. Vor seinen Augen tanzten 1000 Sterne. Er schwankte und wurde glücklicherweise von den beiden Feuerwehrleuten aufgefangen. Ben sah sie irritiert an.

      "Na, geht's," fragte ihn einer der Männer, was Ben mit einem "Ja, ja," bestätigte.

      Sie begleiteten den keuchenden Ben langsam und vorsichtig zum Rettungswagen.

      "Ich glaube, wir haben hier Kundschaft für euch. Hat wohl was von dem Rauch erwischt," sagte einer der Männer.

      Semir sah auf: Ein schlurfendes Geräusch, das von leisem Klirren begleitet war, näherte sich. Er drehte sich auf seinem Sitz um und sah zwei Feuerwehrmänner. Sie gingen mit Ben zwischen sich auf den Rettungswagen zu, der auf der Straße parkte angehalten hatte. Ben schien kaum noch selbst gehen zu können. Das versetzte Semir einen ordentlichen Schreck. Der Adrenalinstoß reichte aus, dass er zu sich aufraffen und mit den Krücken zu der Gruppe humpeln konnte.

      Er rief: "Ben, was ist mit dir?"

      Aber der antwortete gar nicht, sondern ließ sich mit letzter Kraft auf die Trage fallen, die die Rettungsdienstler bereit gehalten hatten. Ihm war ganz elend. Benommen registrierte er ein Stimmengewirr. Jemand hob seinen Oberkörper an. Irgendwer hielt ihm etwas vor Mund und Nase, was nach Plastik roch. Selbst als er nochmals Semirs Stimme hörte, war es ihm nicht möglich, die Augen zu öffnen. Er entfernte sich.

      Semir blieb nichts anderes übrig, als hilflos mitanzusehen, wie sein Freund das Bewusstsein verlor und eilig von den Rettungsdienstlern in den Wagen geschoben wurde.

      Den Notarzt hatte der Einsatzleiter der Feuerwehr gleich zu sich gerufen, nach dem der eingetroffen war.

      "Wissen Sie schon was von den Kindern," fragte der Notarzt.
      "Meine Männer suchen gerade das ganze Haus mit Wärmebildkameras ab. Sollte da irgendjemand sein, finden wir die."
      Dann räusperte er sich:
      "Das war zwar nur ein kleiner Brand. Aber so wie es aussieht, sind hier Federkissen und ein Woll-Kunstfasergemisch im Teppich in Brand geraten. Das gibt böse Rauchgasvergiftungen, ich sag' nur: Cyanid..."
    • Neu

      Alex stand noch bei den Polizisten, hatte Ihnen gerade berichtet, was er wusste, da erreichte diese der Funkspruch des Einsatzleiters. Trotz sorgfältiger Suche hatten sie keine Kinder gefunden - weder tot noch lebendig. Wirklich erleichtert war jedoch niemand. Alex ging zum Haus zurück, wo immer noch diverse Zettel im Beet und Gras verteilt lagen. Er besah sich die einzelnen Blätter, die zum Teil Kopien bereits zerknüllter oder aus Fetzen zusammengesetzter Kopien zu sein scheinen. Mit seinem Smartphone knipste er Bilder von allen Dokumenten, die er fand.
      Semir gab derweil alle notwendigen Daten von Ben an die Rettungskräfte weiter. Es tat ihm in der Seele weh, ihn so zu sehen und ihm weder die Hand halten geschweige denn sonst irgendwie helfen zu können. Dazu kamen seine blitzartige Erinnerungen: Er sah, wie die Verneblermaske auf Bens Gesicht saß. Und ihn überkam das Gefühl, auch er bekäme gerade wieder Hilfe beim Atmen - was ja tatsächlich mehrere Wochen gebraucht hatte. Er brauchte ein paar Atemzüge mit Blick in den freien Himmel, um sich klar zu machen, dass dahingehend bei ihm alles in Ordnung war. Mit etwas Erleichterung bemerkte er, dass Ben sich wieder etwas rührte, seit er ein Medikament bekommen hatte.

      Ben hatte einen Stich verspürt. Anschließend hatte jemand an seiner linken Hand gearbeitet. Irgendwer klebte ihm etwas auf den Oberkörper. Ansonsten nahm er seine Umgebung nur schemenhaft wahr. Er hörte Semirs Stimme, was ihm signalisierte, dass er nicht alleine unter Fremden war. Er hörte ein zischendes Rauschen direkt vor seinem Gesicht, hatte aber den Eindruck, dass die kühle feuchte Luft, die da ausströmte ihm gut hat. Er hörte ein rasches Piepsen, das ihn an die letzte Deep-House-Party erinnert hätte - wenn da nicht die Übelkeit gewesen wäre, die in ihm tobte. Er hörte wie ihn jemand anfasse und ihn mit seinem Namen ansprach:
      "Herr Jäger, hören sie mich?"

      Er versuchte zu nicken, doch alleine der Versuch der Bewegung verstärkte die Übelkeit massiv. Er konnte sie nicht mehr kontrollieren und begann zu würgen - schnell nahm der Sanitäter ihm die Maske vom Gesicht und hielt ihm eine Nierenschale unter. Doch trotz heftigen Würgens kam nur Magensaft.

      "Oh je, Sie Armer," bedauerte ihn der Arzt. "Nichts gegessen und dann das...Moment, ich gebe Ihnen gleich etwas dagegen..."

      Ben spürte nur kurz einen Druck am Handrücken, dem er aber angesichts des Würgereizes keine Beachtung schenkte. Kurz darauf ließ der Brechreiz nach und Ben fiel erschöpft zurück auf die Trage. Der Sanitäter setzte ihm die Verneblermaske wieder auf und stimmte dem Notarzt zu, als der sagte: "Ich denke, wir schauen, dass wir schnell in die Klinik kommen..."

      Semir hatte inzwischen Andrea angerufen:

      "Andrea, mein Herz! Ich glaube, ihr müsst ohne uns Pizza essen. Wir müssen erst noch ins Krankenhaus. "

      "Semir! Alles in Ordnung? Was ist mit dir?"

      "Nichts. Andrea, mir geht es gut. Aber Ben liegt hier neben mir im Rettungswagen. Der Notarzt ist bei ihm..."

      "Um Gottes Willen! Warum?"

      "Er hat bei einem Brand gelöscht - ich denke, der Rauch...Aber er ist wohl ansprechbar. "

      "Oh je! Natürlich ist dann die Pizza nicht mehr so wichtig!"

      Nach kurzer Pause schlug Andrea dann vor: "Pass auf, wie wäre es, wenn wir uns in einer halben Stunde am Krankenhaus treffen? Wir können zu Fuß gehen. Ich bestelle Pizza und bringe Ben die Tasche mit seinen Sachen."

      Dieses Angebot zauberte Semir ein Lächeln ins Gesicht.

      "Das wäre ganz toll, Andrea! So machen wir das!"

      Sowohl der Rettungswagen mit Sabrina als auch der mit Ben waren losgefahren. Da kam zuerst Matthias und kurz darauf Alex um die Ecke. Alex hatte von Bens Zusammenbruch noch gar nichts mitbekommen und war entsprechend betroffen. Sie vereinbarten, gemeinsam zum Krankenhaus zu fahren - Matthias übernahm Bens Wagen, in dem die Kindersitze für Ayda und Lilly waren. Er wollte ohnehin nach seinem Freund Lukas sehen und er hoffte inständig, dass es Laura besser ging, als er anhand des ersten Eindrucks im Einsatz befürchten musste.
    • Neu

      Kaum am Krankenhaus eingetroffen, rief Alex Anja auf dem Handy an:
      "Anja, gut, dass ich dich erreiche! Wo bist du?"
      "Ich warte immer noch in der Klinik - bei Lukas. Es gibt immer noch nichts Neues!"
      "Das tut mir leid. Ich komme gleich zu euch."

      Nach kurzem Blick zu Semir - der ihm nickend bestätigte, dass er allein klar käme- lief Alex los. Kaum öffnete sich die Glastür zu dem Wartebereich, hörte Alex schon die ersten Worte von Lukas Bährle:

      "Na, da kommt ja unser Super-Kommissar," feixte der Bäcker. Alex überging die ironische Bemerkung.
      Er fixierte nur Anja mit den Augen und hätte sich so sehr gewünscht, jetzt mit ihr an einem völlig anderen Ort mit weniger Sorgen zu sein!
      "Ich komme gleich auf den Punkt : Wir waren bei Sabrina."
      Gerade da öffnete sich die Tür erneut und Matthias kam herein. Lukas stand auf, die beiden umarmten sich herzlich.
      "Mensch, Lukas, es tut mir echt leid," beteuerte Matthias.
      "Ich war auch bei Sabrina. Hat es Alex euch schon erzählt?"
      Alex fiel es schwer, der jetzt etwas verwunderten Anja von den Ereignissen zu berichten. Nach tiefem Luftholen begann er: "Also, es sieht danach aus, als wäre es Sabrina nicht gewesen. Wir haben die Kinder dort nicht gefunden und auch keine Spur von Ihnen. Allerdings hat es bei unserem Eintreffen gebrannt. Ben Jäger und ich konnten Sabrina gerade noch aus dem brennenden Wohnzimmer retten..."
      Ungläubig sahen die Geschwister Bährle den Autobahnpolizisten an. Matthias ergänzte:
      " Ja, sie und Ben sind mit einer Rauchvergiftung hier eingeliefert worden. Bei ihr ist es etwas kritischer als bei ihm..."
      "Was? Sabrina ist hier," fragte Lukas mit lauterem, bedrohlichen Ton in der Stimme.
      "Ja, aber nicht ansprechbar," stellte Matthias klar. Er fasste den impulsiven Bäcker am Arm.
      "Außerdem - wie gesagt - die Kinder wurden dort nicht gefunden. Und es gibt auch keinen Anhalt dafür, dass sie dort wären."
      "Es tut mir sehr leid," fügte Alex nochmals mit Blick auf die verzweifelte Anja hinzu.
      "Ich habe auch nicht viel erwartet," erklärte Lukas und ließ sich wieder auf den Sitz fallen." Dann kann man schon nicht enttäuscht werden." Er starrte weiter auf die Tür, aus der heraus hoffentlich bald Nachricht kommen würde.

      " Allerdings war etwas merkwürdig,"sagte Alex zu Anja: "Ich habe eine Menge Unterlagen bei Sabrina gesehen, die eigentlich nichts bei ihr verloren haben, wenn ich das richtig beurteile. Schau mal!"
      Er zückte sein Smartphone und zeigte zunächst Anja die gemachten Bilder. Doch schon nach den ersten Bildern fragte sie Alex:
      " Darf ich kurz?"
      Alex nickte und gab ihr das Smartphone. Sie reichte es an ihren Bruder weiter. Der wechselte darauf hin in rascher Folge die Gesichtsfarben von zunächst sehr weiß auf recht rot.
      "Lukas was ist das," fragte Anja ihn. "Das sind doch alles Unterlagen aus der Bäckerei. Was hat Sabrina damit zu schaffen?"
      "Keine Ahnung, wie sie da dran kommt."
      Es vergingen einige Minuten, in denen Lukas stumm vor sich herscrollte. Immer wieder schüttelte er den Kopf. Manchmal fluchte er leise vor sich hin. Als er Alex das Handy zurückgab, bedankte er sich zum ersten Mal bei ihm und sah ihm dabei fest an. Alex sah in den blauen Augen den Schmerz des kräftigen Mannes mit den rotblonden Haaren, der nun sagte:
      "Wenn ich dich irgendwie blöd angemacht habe - sorry echt!" Er atmete tief ein, sah aus dem Fenster und sagte stockend:
      "Heute Morgen... sehe ich meine Kinder und meine Frau schlafend im Bett - wenn ich jetzt heimkomme,... ist da niemand mehr...."
      Er sah betroffen auf den Boden und murmelte : "Meine Kinder, mein Baby, sind weg und ich weiß nicht, bei wem und ob sie noch leben. Ich weiß nicht, ob meine Frau die Nacht überlebt... "
      Er schluchzte auf, hielt sich die Hände vor das Gesicht. Matthias legte ihm tröstend die Hand auf die Schulter. Anja sah Alex flehentlich an. Vorsichtig tastete sie nach seiner Hand, als könnte er sie davor bewahren, im Strudel der Gefühle ihres Bruders weggeschwemmt zu werden.
      Der rang um Fassung bevor er sagte:
      "Dazu kommt : Ich habe ein paar Unstimmigkeiten entdeckt, in der Buchhaltung. Jetzt, wo ich sehe, was du bei Sabrina fotografiert hast... Dieses Miststück! Ich habe bloß gerade nicht den Nerv dazu, mir das alles genauer anzusehen. Es sieht so aus, als hätte sie unseren Müll durchwühlt - seit Monaten... "

      "Krass," entfuhr es Matthias, der sich nur schwer vorstellen konnte, dass sich Sabrina, die ihm sonst als etepetete in Erinnerung war, freiwillig im Müll wühlte.

      Alex nickte:" Ja, ich verstehe. Vielleicht gibst du das besser an die Kollegen hier vor Ort weiter. Ich meine: Richtige Polizisten, ja? "
      Er grinste dabei schief. Und fügte hinzu :
      " Hey, es tut mir wirklich leid mit Laura. Ich wünschte, ich könnte es ändern und ich hoffe ihr bekommt bald Nachricht... "

      Gerade als Alex das ausgesprochen hatte, öffnete sich die Tür und eine Ärztin kam heraus. Sie ging direkt auf die Gruppe zu, Alex trat einen Schritt zurück.
      "Herr Bährle, Sie können jetzt zu Ihrer Frau. Aber erschrecken Sie nicht und - Herr Bährle - Sie hat die Operation überstanden. Das heißt leider noch nicht, dass sie über den Berg ist. Nur, dass die Hirnblutung jetzt steht. "
      Lukas nickte. Er fühlte sich taub. Er stand auf, um der Ärztin zu folgen. Kurz vor der Tür fiel ihm ein, dass er noch etwas fragen wollte:
      "Darf meine Schwester auch mit? Sie ist Physiotherapeutin in der Kurklinik.."
      Die Ärztin nickte freundlich - insgeheim war sie erleichtert. Da kannte sich die Schwester sicher etwas aus und sie als Ärztin musste nicht jedes schmerzliche oder verunsichernde Detail erklären.
      Alex blieb mit Matthias auf dem Flur zurück und wandte sich nach einem kurzen Durchatmen an ihn:
      "Komm, wir gehen jetzt erstmal was essen. Oder?" Matthias nickte erleichtert - eine gute Idee!