Time of Revenge

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    • Zu Beginn des Gesprächs entschuldigte sich der Dunkelhaarige für den Ausraster am Morgen. Allerdings war er immer noch nicht bereit, mit Frau Krüger zu reden. Zu tief saß der Stachel in ihm drinnen, den ihr Misstrauen, ihre Vorwürfe und ihre Schuldzuweisungen in ihm hervorgerufen hatten.

      Nach dem Telefongespräch erwachte in Ben der Wunsch, er wollte Julia besuchen. Vielleicht hatte er Glück und Peter war im Büro. Irgendwie brauchte er die Gewissheit, dass diese nicht weiter in Lebensgefahr schwebte, sondern weiter auf dem Wege der Besserung …

      Hier erwartete ihn die nächste Enttäuschung. Sein Vater hatte verfügt, dass er bis auf weiteres Julia nicht besuchen durfte. Völlig erbost stürmte er aus der Uni-Klinik und rief seinen Vater außer sich vor Wut an. Er stand auf dem Besucherparkplatz neben seinem Motorrad. Ungeduldig wartete er darauf, dass sich Konrad Jäger am anderen Ende der Leitung meldete. Endlich erklang dessen Stimme.

      „Ben hier!“ …

      „Hallo Junge! … Es ist gerade unpassend! In fünf Minuten beginnt eine wichtige Besprechung!“ versuchte Konrad Jäger ihn geschäftsmäßig abzuwimmeln, denn er ahnte, warum sein Sohn ihn anrief.

      „So nicht Papa! … So nicht! Spare dir diese Floskeln für deine Geschäftspartner auf. Du schuldest mir eine Antwort! … Warum darf ich Julia nicht besuchen?“ fauchte der Dunkelhaarige ins Handy.

      „Tut mir leid Ben! … Julia braucht absolute Ruhe und ich kann es nicht riskieren, dass du und Peter nochmals an ihrem Krankenbett an einander geraten werdet. … Außerdem was hast du dir dabei gedacht Julia anzurufen? Du wusstest doch genau, dass sie kein Auto mehr fahren soll? … Warum?“, brummte Konrad Jäger gereizt zurück.

      Ben schloss seine Augen und holte tief Luft. „Papa … bitte … wie oft denn noch? So glaubt mir doch endlich! Warum geht das nicht in deinen Kopf rein, ich habe Julia nicht angerufen!“ Vergeblich bettelte er … flehte er … seinen alten Herrn an, seine Entscheidung nochmals zu überdenken. Wenn er vor ihm gestanden wäre, wäre er auf die Knie gefallen und hätte ihn angebettelt.

      „Nein!“, knurrte dieser als Antwort. „Es bleibt dabei! Julia entscheidet selbst, wann sie dich wiedersehen will. … Ich bin enttäuscht von dir mein Junge, maßlos enttäuscht. Ich hätte nie gedacht, dass du mich anlügst. Deine Schwester und ihr Baby in Gefahr bringen würdest. Wo bleibt denn dein Verantwortungsgefühl? Denn die Tatsachen sprechen eine andere Sprache. Egal was du behauptest! … Ich habe gelernt mich im Geschäftsleben an die Fakten zu halten, und jetzt lass mich in Ruhe! Ich habe ein Unternehmen zu führen!“

      Konrad Jäger beendete das Gespräch und sein Sohn hörte nur noch das monotone tut …tut … tut … in der Leitung.
      Sein angeschlagenes Nervenkostüm war sehr dünnhäutig geworden. Die Ansage seines alten Herren empfand er wie eine Tracht Prügel, die er sich als Unschuldiger eingefangen hatte. Seine bedrückenden Gedanken fingen an sich wie im Kreis zu drehen, aus dem er keinen Ausweg mehr fand. Angst … ja richtige Angst … vor dem was da auf ihm zukam machte sich in ihm breit. Das Gefühl eine Lawine, die aus Gewalt und Bedrohung bestand, würde sich unaufhaltsam auf ihn zu wälzen, drohte ihn zu überrollen, machte sich in ihm breit. Er musste raus … weg … einfach nur weg und dem Ganzen entfliehen. Völlig aufgewühlt fuhr Ben zuerst orientierungslos durch die Stadt und anschließend über die Landstraßen der Kölner Umgebung.

      *****

      Der Polizist war so mit sich beschäftigt, dass er gar nicht bemerkte, wie ihm der schwarze Toyota RAV4 folgte. Im Wagen saßen zwei sehr ungleiche Männer. Der Fahrer hatte seine besten Jahre schon hinter sich gebracht. Die grauen Haare waren kurz geschoren und unterstrichen noch sein brutales Aussehen. Die dunkelgraue Cargohose zusammen mit dem schwarzen T-Shirt und der schwarzen Lederjacke verstärkten noch den Eindruck. Einige Narben zierten sein Gesicht, aus dem seine dunklen Augen hervorstachen. Auf dem Rücken seiner rechten Hand, mit der er das Lenkrad führte, war das Tattoo eines Skorpions. Es war das Erkennungszeichen seiner ehemaligen Einheit im Bosnienkrieg.

      Remzi Berisha musterte seinen wesentlich jüngeren Beifahrer, der mit seinem Alter von Mitte zwanzig locker sein Sohn hätte sein können. Rashid legte sehr viel Wert auf sein äußeres Erscheinungsbild. Seine schwarzen Haare waren sorgfältig nach hinten gekämmt und zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Er bevorzugte eine modische Kleidung, die seine sportliche Figur zur Geltung brachte. Er war der Typ Mann auf DEN die Frauen flogen.
      Seit Ben Jäger seinen sterbenden Vater in dem Hospiz besucht hatte, war der junge Mann am Ausflippen. Das Gespräch mit der Krankenschwester, die Rashid anschließend angerufen hatte, trug zusätzlich dazu bei, seinen Zorn zu schüren. Seine Augen glühten hasserfüllt auf.

      Der Boss hatte Remzi beauftragt, darauf zu achten, dass der junge Mann, der als Heißsporn galt, keine Fehler machte und damit das gesamte Vorhaben zum Scheitern brachte. Als der junge Mann das Gespräch beendet hatte, schimpfte er nur vor sich hin, bis es Remzi zu bunt wurde. Wütend blaffte er den Beifahrer an „Halt dein Maul Jüngelchen, sonst stopfe ich es dir. Wir halten uns an den Plan! Verstanden!“

      Rashid äffte Remzi nach „Wir halten uns an den Plan … auf was warten wir noch? Dieser Jäger kommt uns schon verdammt nahe auf die Spur! … Wie lange sollen wir ihn noch an der langen Leine laufen lassen? Wie lange noch Remzi?“

      „Lass ihn erst mal zu seiner Freundin.“ Über das Gesicht des Serben huschte ein hämisches Grinsen. Zu gerne, würde er bei der Unterredung der beiden jungen Leute Mäuschen spielen. „Und dann Rashid, …holen wir uns den Dreckskerl! Verstanden! … Der Rest läuft wie besprochen!“

      Der Jüngere zog eine Schnute und gab sich geschlagen, was der Söldner mit einem wohlwollenden Grunzen zur Kenntnis nahm. Mit gebührendem Abstand verfolgten sie mit Hilfe des Peilsenders die weiteren Aktivitäten von Ben Jäger.
    • Als die Abenddämmerung einsetzte, fand Ben sich vor dem Haus, in dem sich die Wohnung seiner Freundin befand, wieder zurück im Hier und Jetzt. Ein Blick zur Uhr zeigte ihm, dass Anna noch zu Hause sein müsste. Er brauchte dringend jemand zum Reden, jemanden, der ihm das Gefühl gab, nicht der einsamste Mensch der Welt zu sein. Kurz entschlossen, parkte er sein Motorrad am Straßenrand und sprintete die Treppe hoch bis zur Dachwohnung. Nach zweimal Klingeln wurde die Tür geöffnet. Beim Anblick seiner Freundin schrak er zurück.

      Anna hatte geweint. Ihr Gesicht war verquollen und die Augen rot unterlaufen. Sie schluchzte haltlos vor sich hin.
      „DU?“, waren ihre einzigen Worte zur Begrüßung und ihm schwante nichts Gutes.

      Vergessen waren in diesem Moment all seine Probleme. Seine gesamte Aufmerksamkeit und Sorge galt seiner Freundin. So aufgelöst hatte Ben sie noch nie erlebt.

      „Hey, mein Engel was ist los? Was ist passiert Anna?“, fragte er mitfühlend bei ihr nach. Er betrat die Wohnung, schloss die Eingangstür hinter sich und ging auf sie zu und wollte sie tröstend in den Arm nehmen.

      „Geh weg! Fass mich nicht an!“
      Fast schon aggressiv schleuderte sie ihm diese Bemerkungen ins Gesicht, bevor sie erneut gequält aufschluchzte.
      „Anna, was ist los? …“
      Trotz ihrer ablehnenden Haltung versuchte Ben erneut seiner Freundin zärtlich über das Gesicht zu streichen. Sie wich vor ihm zurück.
      „Ich versteh DICH nicht. Was habe ich denn getan?“ er konnte sich des Gefühls nicht erwehren, dass hier ein neues Desaster auf ihm zukommt.

      Anna versuchte sich zu sammeln. Sie fasste in die Hosentasche ihrer Jogginghose und zog ein kleines goldenes Armkettchen hervor und hielt es Ben vor die Nase.

      „Kennst du das?“, zischte sie ihn aufgebracht an, während das Kettchen in ihren Fingern tanzte.
      „Ja klar, das hast du mir zu Weihnachten geschenkt. Wo hast du es gefunden? Du weißt doch, dass ich es seit dem letzten Besuch im Fitnessstudio vor unserem Urlaub vermisst habe!“

      Seine Stimme klang verwundert, was sich auch auf seinem Gesicht wiederspiegelte. Er verstand nicht, worauf Anna raus wollte. Mit fragenden Augen blickte er sie an. Doch der Gewittersturm, der anschließend über ihn hereinbrach, zog ihn förmlich den Boden unter den Füßen weg. Noch nie hatte Ben seine Freundin so außer sich vor Zorn erlebt.
      „Kennst du eine Jessica Habermann?“
      „Ja, klar kenne ich eine Jessica Habermann. Wir sind mal zusammen zur Schule gegangen. Aber was hat Jessi mit dem Armkettchen zu tun!“
      Er konnte schon bei seiner Antwort erkennen, dass diese Anna noch mehr erregte.
      „DU GIBST ES AUCH NOCH ZU!“, schrie sie ihn erbost an. „Du besitzt tatsächlich die Frechheit es zuzugeben!“
      „Was Anna? … Was gebe ich zu? Erkläre es mir doch bitte!“, flehte er sie an.
      Sie schnaufte tief durch und fauchte ihn erneut wütend an: „Du hast ein Verhältnis mit ihr Ben. Während du mir was von ewiger Liebe erzählst, hältst du dir nebenbei noch eine Freundin! …. So ein billiges Flittchen!“
      „Bitte was? … Wie kommst du auf solch einen verrückten Gedanken? Wer erzählt dir so einen Mist Schatz? … Ja, ich hatte mal was mit ihr, während unserer Schulzeit und kurz danach … aber das ist schon eine gefühlte Ewigkeit her! Bitte glaube mir doch, du bist die Liebe meines Lebens, die Frau die ich schon immer gesucht habe. ….“
      „HÖR AUF BEN!“, fiel sie ihm ins Wort. „HÖR AUF! … HÖR AUF!“ Anna presste ihre Hände auf die Ohren. „Lüg mich nicht an!“

      Ihre Augen blitzten ihn wütend an und der Erbteil ihres italienischen Temperaments kochte hoch und ging mit ihr durch. Sie stampfte zornig mit dem Fuß auf und hatte ihre Hände zu Fäusten geballt. Auf ihrer Stirn hatten sich tiefe Zornesfalten gebildet. Ihr Körper bebte vor Erregung und mit einer merkwürdig ruhigen Stimme fuhr sie fort.
      „Sie war hier Ben. Diese Jessica Habermann war hier … Deine Ex oder noch Freundin war bei mir in der Wohnung! Sie hat mir das Schmuckstück gebracht. Du hast es bei deinem letzten Date mit ihr vor unserem Urlaub auf ihrem Nachttisch vergessen. Auf dem Kettchen steht ja eine Widmung für dich. Sie wollte mich vor der gleichen Dummheit bewahren, die sie gemacht hat!“

      Ben blickte seine Freundin immer verständnisloser an. Was war hier nur passiert? Ihre nächsten Worte trafen ihn wie Hammerschläge. Er wurde immer blasser.

      „Sie hat mich darüber aufgeklärt, dass EIN Jäger niemals eine Frau heiraten würde, die nicht mindestens so viel Kohle auf dem Bankkonto hat, wie er selbst. Pscht sei ruhig!“ Er wollte ihr ins Wort fallen. „Oder bestreitest du, dass dein Vater und dein lieber Schwager Peter gegen unsere Beziehung sind, weil ich denen zu arm bin! Klar hat meine Familie nicht so viel Kohle, wie der große Baulöwe Konrad Jäger. Von der Geschichte mit dem Privatdetektiv reden wir mal gar nicht …Sag mir die Wahrheit Ben! … Wäre es mir so ergangen, wie dieser Jessica? …. Deine Familie war damals dagegen, dass du Jessi heiratest, obwohl sie von dir schwanger war?“ Sie sah wie seine Augen feucht glitzerten, Tränen sich ihren Weg über seine Wangen bahnten … und Anna empfand es als sein Schuldeingeständnis. „Ja, sie hat mir Fotos von eurem gemeinsamen Sohn gezeigt. Einen glücklichen Ben Jäger, der mit einem kleinen Jungen auf einem Spielplatz rumalbert, auf einem Bolzplatz Fußball spielt! Bestreite es nicht Ben! Wie konntest du mir das nur antun? … Wie konntest du nur? … War sie etwa die Frau, die letztes Jahr im Krankenhaus ständig nach dir gefragt hat? …“ Sie holte tief Luft. „Ich dämliche Kuh habe deinen Liebesschwüren, deinen Versprechungen geglaubt. Geh jetzt Ben, geh! Verlasse meine Wohnung! Ruf mich nicht mehr an! Da hast du deinen Schlüssel und gib mir meinen sofort! Deine Sachen bringt dir Anja vorbei! Und jetzt raus! … Raus! … Verschwinde!“ Ihre Stimme überschlug sich zum Schluss.

      Anna warf ihm seinen Wohnungsschlüssel vor die Füße. Ben stand vor ihr, wie versteinert, zu keiner Regung fähig. Ihre Worte hatten ihn mitten ins Herz getroffen. Sie raubten ihn fast den Verstand. Er startete einen letzten Versuch mit ihr zu reden, beschwor sie förmlich

      „Bitte Anna! Bitte hör mich doch an! … Es ist alles nicht so wie du denkst!“, flehte er sie an. Doch als Antwort erhielt er von ihr eine schallende Ohrfeige auf die Wange. Sie brannte wie Feuer… es brach ihm das Herz …
      „HAU AB, Ben! RAUS! … RAUS! … Verschwinde aus meiner Wohnung! …Hau ab aus meinem Leben! …Was hast DU mir nur angetan!“

      Anna hämmerte mit ihren kleinen Fäusten wutentbrannt auf seine Brust ein. Jeder Satz traf ihn wie eine erneute Ohrfeige … brannte in seinem Herz … und taten so unendlich weh.

      Er setzte nochmals zum Sprechen an und erntete als Antwort eine weitere Schelle. Seine Lippe platzte auf. Ein blutiger Geschmack breitete sich in seinem Mund aus. Das war zu viel für ihn. Ohne ein weiteres Wort bückte er sich, hob das Kettchen und seinen Wohnungsschlüssel auf. Tränen rannen über sein Gesicht, als er sich umdrehte und ihre Wohnung verließ.
    • Als die Wohnungstür hinter Ben ins Schloss fiel, wankte Anna zur Tür. Während ihr Verstand weiter schrie … verschwinde aus meinem Leben Ben Jäger, sprachen ihr Herz und ihre Seele eine völlig andere Sprache. Der Mann, den sie über alles liebte, war über diese Türschwelle gegangen, würde aus ihrem Leben verschwinden, weil sie ihn rausgeworfen hatte.

      Gut so, sagte ihr Gehirn, super gemacht Mädchen! Der Mistkerl hat dich betrogen, Dich genauso verarscht wie dein EX Andre. Das verdammte Schwein hat ein Kind mit einer Anderen. So ein Kerl hat DICH doch gar nicht verdient Anna!

      Ihr Herz sprach … Nein! Nein, das würde DIR Ben nie antun. Niemals! Du kannst doch gar nicht mehr ohne ihn leben. Hole ihn dir zurück du dumme Gans! Das ist der Mann, mit dem du den Rest deines Lebens verbringen willst. Der Mann ist dein Seelenverwandter, dein zweites ICH.

      Dieser Widerspruch in ihr zerriss Anna förmlich, trieb die junge Frau an den Rand des Wahnsinns.
      In einem ersten Impuls siegte ihr Herz. Sie wollte die Tür aufreißen … ihm hinterherrufen „Bleib bei mir! Verlasse mich nicht!“ …Ben hinterherrennen … ihn aufhalten, er gehörte doch zu ihr, er war die andere Hälfte von ihr. Was hatte sie nur gerade getan?

      Ihr Kopf lag am Türblatt. Ihr Körper gehorchte ihr nicht. Ihre Arme, ihre Hände waren wie gelähmt. Sie hörte noch wie ihr Freund mehr die Treppe runterstolperte als lief, hörte seine verzweifelten Aufschreie, bevor die Geräusche im Treppenhaus verstummten. Mit einem dumpfen Knall fiel die Haustür ins Schloss.
      Zu spät! Zu spät! Alles zu spät!

      Der Boden um sie herum begann zu wanken, ihre Knie gaben nach und Anna sackte haltlos in sich zusammen. Weinkrämpfe schüttelten ihren Körper.

      Nie würde sie den Ausdruck seiner Augen vergessen. Nein, Augen konnten nicht lügen, das hatte ihre Mutter ihr immer gesagt! Sieh einem Menschen in die Augen und du wirst erkennen, ob er dir die Wahrheit sagt, mein Kind.
      Und Ben? Diese Fassungslosigkeit … diesen Schmerz, den seine Augen wiederspiegelt hatten … Jeder Vorwurf, den Anna ihm entgegengeschmettert hatte, hatte ihn tief in seiner Seele verletzt … sie hatte es in seinen Augen lesen können! … Sein Herz schien in viele tausend Teile zerbrochen zu sein … so wie das Ihre, als er ihre Wohnung verlassen hatte. Warum hatte sie ihm nicht zugehört … ihn zu Wort kommen lassen … Warum? Warum???? Ohne dass es ihr bewusst war, schrie sie dieses Wort mehrfach hysterisch heraus.
      Das Chaos ihrer Gefühlswelt raubte ihr fast endgültig den Verstand.

      Sie hatte dieser Frau jedes Wort geglaubt, die Beweise, ihre Fotos: Ben im Krankenhaus mit dem Neugeborenen im Arm … die Spaziergänge am Rheinufer, als er den Buggy schob … auf dem Spielplatz als er mit dem dunkelhaarigen Jungen Fußball spielte … Im Kindergarten … Alles schien so eindeutig … es hatte sie innerlich so verletzt, was Ben ihr angetan hatte … doch jetzt … jetzt, wo sie Ben erlebt hatte, kamen Zweifel in ihr hoch, die alles nur noch schlimmer machten. Oh Gott, was war, wenn diese Frau gelogen hatte? Wenn ihre Schilderungen über die Erlebnisse der letzten Monate nicht der Wahrheit entsprochen hatten?

      Ihr Herz hämmerte wie wild, drohte ihre Brust zu sprengen. Vor ihre Augen verschwamm alles. Unfähig sich zu erheben, kroch sie über dem Boden zu ihrer Handtasche. Blind vor Tränen ertastete sie ihr Handy und wählte die Nummer ihrer Freundin. Nach einer gefühlten Unendlichkeit meldete sich diese… Anna setzte mehrmals an, bevor ein Laut aus ihrer Kehle kam … „Anja … Anja … ich brauche dich!“ Der Rest ging in ihrem Wimmern und Weinen unter. Das Handy entfiel ihrer Hand und gab Summtöne von sich, die von einer eingehenden Nachricht erzeugt wurden. Jedoch war die junge Frau unfähig es an sich zu nehmen, wie unter Krämpfen wand sie sich am Boden, zusammengerollt wie ein Igel lag sie da.

      *****

      Ben torkelte mehr als er lief zu seinem Motorrad. In ihm war nur noch Leere … grenzenlose Leere … Diese Anschuldigungen von Anna hatten ihn emotional den Rest gegeben. Ihre Worte hatten ihn so verletzt, hatten sich tief in seiner Seele sich eingebrannt … sein Herz gebrochen. Weg … alles war weg! Alles was ihm in seinem Leben wichtig war, hatte man ihm genommen! Seine Freundin … seine Familie … seinen Job.

      Er hatte das Gefühl in einen nicht enden wollenden schwarzen Abgrund abzustürzen. Ein unaufhaltsamer Tränenstrom bahnte sich seinen Weg, benetzte seine Jacke, tropfte auf den Sitz seines Motorrads, auf das er sich abgestützt hatte, um ein bisschen Halt zu finden. Er schlug sich selbst auf die Wangen, in der Hoffnung einfach aus diesen bösen Alptraum aufzuwachen. Das konnte doch alles nicht wahr sein. Doch er war weiterhin in diesem schwarzen Loch gefangen… sein Atem ging keuchend … seine Gedankengänge spielten verrückt.

      Welchen Sinn hatte sein Leben noch?

      Er starrte auf die Straße und die vorbeifahrenden Fahrzeuge. Was hielt ihn davon ab, sich auf sein Motorrad zu schwingen und mit Höchstgeschwindigkeit das Zweirad gegen die nächste Wand oder Brückenpfeiler zu setzen. …
    • Ben fischte in seiner Hosentasche nach dem Zündschlüssel. Seine Hände ertasteten das kleine Kettchen. Er zog es heraus. Seine Hände zitterten, als er es im Schein der Straßenlaterne betrachtete. Jessica! … Jessica, du elendes Miststück, dachte er bei sich. Du bist schuld! Du hast mir Anna genommen. Wie bist Du in Besitz von diesem Armkettchen gekommen? Seine Verzweiflung verschwand ein wenig und etwas anderes glomm in ihm hoch und überlagerte alles … grenzenlose Wut auf diese Frau, die überging in unbändigen Hass. Hass auf Jessica Habermann. Wie kam dieses heruntergekommene Frauenzimmer dazu, ihm und Anna das anzutun, zu behaupten er hätte eine Affäre mit ihr. Diese Geschichte von dem gemeinsamen Kind zu erzählen, dem kleine Nico, wie konnte sie das nur tun?

      Der junge Polizist versuchte sich zu beruhigen, murmelte leise beschwörend vor sich hin. Die Tränen versiegten. Seine Hände hatte er zu Fäusten geballt und auf dem Motorradsitz abgestützt. Langsam bekam er das Gefühlschaos, das in seinem Kopf tobte, unter Kontrolle. Nur nicht durchdrehen, sprach er sich selbst Mut zu. Keine Kurzschlusshandlung! Das wollte sein unbekannter Gegner doch nur. Neben ihm kannte noch jemand die Wahrheit. Jessica Habermann … Er musste Jessica finden und sie zwingen, notfalls mit Gewalt, Anna die Wahrheit zu sagen.

      Mit zitternden Fingern fischte er sein Pre-Paid-Handy aus der Hosentasche und wählte Annas Nummer. Besetzt! Ben wartete, ein Hoffnungsschimmer glomm in ihm auf. Erwartungsvoll blickte er auf sein Display … wartete auf den eingehenden Anruf! Doch nichts geschah. Erneut wählte er ihre Nummer … das Besetztzeichen erklang wieder, sie telefonierte mit jemand anderem … er keuchte enttäuscht auf.

      „Fuck!“, brüllte er lauthals in das Dunkel der Nacht und hieb mit der geballten Faust auf den Ledersitz des Motorrads ein. Was hatte er denn anderes erwartet. So einfach gab er nicht auf und schickte ihr eine SMS. Wieder wartete er einige Minuten. Doch nichts geschah. Kein Anruf … keine Antwort.

      Der dunkelhaarige Polizist warf einen letzten sehnsüchtigen Blick hoch zu den erhellten Fenstern der Dachwohnung, bevor er sich seinen Motorradhelm aufsetzte. Er schwang sich auf seine Harley und überlegte. Als er das letzte Mal Kontakt mit Jessica hatte, finanzierte sie sich ihren Lebensunterhalt durch Prostitution. Damals stand ihr Wohnwagen in einem Gewerbegebiet Nahe Köln in Hürth. Dies würde sein erster Anlaufpunkt werden.
      Wieder war Ben so mit sich selbst beschäftigt, dass er nicht bemerkte, wie ihm unauffällig ein Fahrzeug folgte.

      *****

      Der Telefonanruf von Anna war wie ein Notruf für Anja gewesen. Sie ahnte schon, dass etwas Fürchterliches passiert sein musste. Seit über zehn Jahren kannte sie mittlerweile die junge Frau, seit sie mit der Ausbildung zur Krankenschwester an der Uni-Klinik begonnen hatte. So leicht brachte nichts und niemand die junge Ärztin aus der Fassung. In Anja, die ebenfalls als Krankenschwester an der Uni-Klinik arbeitete, hatte Anna gleich zu Beginn ihrer Ausbildung eine sehr gute Freundin gefunden, obwohl diese vom Altersunterschied her, locker ihre Mutter hätte sein können.

      Als Anja ihr Auto am Straßenrand eingeparkt hatte, erkannte sie, dass die Dachwohnung ihrer Freundin hell erleuchtet war. Schon seit Jahren besaß die Krankenschwester einen Zweitschlüssel zu Annas Wohnung für besondere Notfälle. Als auf ihr Klingeln und Klopfen niemand öffnete, beschloss sie diesen zu benutzen.

      Sie öffnete die Eingangstür zur Wohnung. Zum Glück war die Sperrkette nicht vorgelegt. Einige Kleidungsstücke von Ben lagen wild verstreut im Flur herum. Aus dem Badezimmer drang ein leises Wimmern zu ihr durch.

      „Anna? …. Anna, ich bin es Anja!“ fragte sie leise, als sie die angelehnte Tür zum Bad aufstieß. Zusammengekauert mit verquollenen Augen saß die Dunkelhaarige vor der Toilette auf dem kalten Fliesenboden. Die Tränen liefen an ihren Wangen herunter und benetzten ihr hellblaues Shirt. Der Rotz tropfte aus der Nase. Spuren von Erbrochenen waren in der Toilettenschüssel und den Fliesen deutlich sichtbar. Anja kniete sich neben ihrer Freundin auf den Fliesenboden, nahm Anna in den Arm und drückte sie mitfühlend an ihre Brust.
      „Hey Mädchen, …. Scht … alles wird wieder gut …!“, sprach sie in einem beruhigenden Tonfall auf ihr ein. Sie streichelte über ihre dunklen Haare und merkte wie das Beben des Körpers etwas nachließ.

      „Anja … Anja … Furchtbares … geschehen!“, quetschte Anna mit tränenerstickter Stimme heraus.

      „Na, komm, Kindchen! …So schlimm wird es schon nicht sein. Wir haben doch die letzten Jahre schon einiges zusammen durchgestanden, da schaffen wir das auch. Komm hoch, wir gehen erst mal rüber ins Wohnzimmer und dann erzählst du mir, was passiert ist.“

      Anja half der jungen Frau auf die Beine, reichte ihr ein Taschentuch, in welches sie mehrmals geräuschvoll schnaubte. Im Wohnzimmer kauerte sich Anna auf dem Sofa zusammen. Ihren Kopf hatte sie auf Anjas Schoß abgelegt, die neben ihr saß und ihr mit der einen Hand beruhigend über das Haar strich, während sie mit der anderen Annas Hand umschlang.

      „So und jetzt mal raus mit der Sprache! Was ist passiert? … Irgendetwas mit Ben? Dein Vater wieder einmal? Oder was ist los?“

      Stotternd, von Aufschluchzen unterbrochen, vertraute sich Anna ihrer Freundin an. Sie erzählte ihr vom Besuch Jessica Habermanns und den anschließenden Rauswurf von Ben aus ihrer Wohnung. Die Ältere musste erst einmal diese Informationen ein bisschen verdauen. Es herrschte für einige Minuten Stille im Raum.

      „Okay Anna!“ Anja schürzte ihre Lippen, zog die Fleece-Decke über Annas Schultern, da die Haut der jungen Frau sich noch immer eiskalt anfühlte und blickte auf ihr Gesicht herunter. „Was hat Ben zu den Vorwürfen gesagt? … Es zugegeben? ... Oder was hat die Welt untergehen lassen?“

      „Ich habe ihn gar nicht zu Wort kommen lassen, als er sich rechtfertigen wollte. …. Ich … habe … ihm … eine Ohrfeige verpasst …. und noch eine … und noch eine … ihn angeschrien … Ich …. Ich …. will keine Lügen mehr hören!“ jammerte sie leise schniefend vor sich hin.

      Anja atmete pustend ein und aus. „Du willst mir also allen Ernstes erklären, du hast einer fremden Frau, in diesem Moment mehr geglaubt und vertraut als Ben? …. Wir reden von BEN … nicht von Andre, der alles flach gelegt hatte, was nicht bei DREI auf dem Baum war ….. Puuuuh … Mädchen … Mädchen! … Wir reden von Deinem Ben!“ gab ihr Anja zu Bedenken und schüttelte dabei ungläubig den Kopf. Anna deutete ein leichtes Nicken ihres Kopfes an.
      „Anna! …. Ich kenne dich nun schon so lange. Du weißt, wenn ich Kinder hätte haben können, hätte ich mir nichts mehr gewünscht, als so eine Tochter, wie du es bist.“ Sie atmete mehrmals hörbar durch die Nase aus, bevor sie mit ihrer kleinen Ansprache fortfuhr. „Aber ich glaube, du hast einen riesigen Fehler gemacht. Tut mir leid für dich Herzchen ….“

      „Aber sie hatte doch diese Fotos … !“, unterbrach Anna die Ältere leise.

      „Anna, bitte! So wie ich Ben kennen und schätzen gelernt habe, nein … nein … der würde so etwas nicht machen. Dieser Mann würde dich nicht betrügen. Dafür würde ich meine Hand ins Feuer legen. Egal was dieses Flittchen dir erzählt hat. Egal, was die dir für Fotos gezeigt hat! … Er mag ja vielleicht der Vater ihres Kindes sein, mit ihr vielleicht auch mal früher eine Affäre gehabt haben. Schließlich hatte er auch eine Vergangenheit … doch der Rest von ihrer Story, dass er sie regelmäßig in den letzten Wochen besucht hatte … Nein Mädchen! Nein!“

      Anja drehte Annas Kopf leicht nach oben, so dass sich die beiden Frauen in die Augen blicken konnten.

      „So Mädchen, nun mal raus mit der Sprache! Was ist wirklich mit dir los? Ihr beide, du und Ben, ihr habt in den letzten Monaten wie Pech und Schwefel zusammengehalten, als eure Väter versucht haben, euch auseinander zu bringen und da kommt so eine Frau daher und es klappt!“ Die Krankenschwester schnippte mit den Fingern ihrer freien Hand, „Sei ehrlich zu mir Anna, was ist los mit dir? … Da ist nicht bloß das Temperament deiner italienischen Großmutter mit dir durchgegangen!“
    • Neu

      Anna schwieg und fing an zu zittern, was Anja in ihrer Meinung bestärkte, dass das noch nicht alles war. Da war noch mehr. Welches Geheimnis versuchte die junge Ärztin vor ihr zu verbergen?

      „Also raus mit der Sprache!“, forderte sie in einem etwas energischeren Ton.

      Es herrschte Stille im Raum. Man hätte das Fallen einer Stecknadel auf dem Fußboden hören können.
      Anjas Tonfall wurde noch intensiver und entschlossener, „Lass dir nicht jedes Wort einzeln aus der Nase ziehen!“
      Kaum hörbar murmelte Anna vor sich hin, „Ich … bin … schwanger Anja! … Heute Nachmittag … bevor …bevor … diese Frau kam … habe ich einen positiven Test … gemacht! …Und … und … und … ich war … so durcheinander Anja… das war nicht geplant …! Wie soll … es denn … nur … weitergehen? … Ich kann nicht mehr …. In mir herrscht nur noch Chaos.“

      Wieder bahnten sich die Tränen ihren Weg über Annas Wangen. So sehr sich die junge Frau bemühte, sie konnte sie einfach nicht unterdrücken. Beruhigend strich ihr Anja über den Rücken und die Haare. Tränenerstickt jammerte die junge Frau weiter.

      „Verstehst … du nicht! … Es ist alles aus! … Alles wofür ich … die vergangenen Jahre Opfer … gebracht habe … Vorbei! … Wovon ich geträumt habe, ist … zerplatzt wie eine Seifenblase! … Die Fortbildung … zum Facharzt … alles futsch! …“

      Nun war Anja einiges klar. Anna hatte vor wenigen Wochen ihre Weiterbildung zum Facharzt für Chirurgie anfangen. Sie wusste, dass Ben und Anna ihre Familienplanung noch bis zum Ende dieser Ausbildung aufschieben wollten.
      „Ach Kindchen!“, seufzte die Ältere auf. „Du bist nicht die erste Frau, die ungeplant schwanger wird und wirst auch nicht die Letzte sein!“ Sie umfasste Annas Kinn und strich ihr über die Wange. „Lass mal den Kopf nicht hängen! Das Würmchen da drinnen,“, dabei streichelte Anja über Annas Bauch „das wird auch groß werden und du wirst sehen, deinen Facharzt brauchst du noch lange nicht an den Nagel hängen. Rede mit dem Chef! Der wird schon eine Lösung für dich wissen!“, sprach sie der Jüngeren weiter Mut zu. Anna beruhigte sich wieder und bewegte ihren Kopf auf und ab.
      Fast unhörbar hauchte sie, „Du hast ja wieder einmal Recht!“
      Doch es ging Anja nicht aus dem Kopf, wer hatte diese wildfremde Frau zu Anna geschickt.
      „Diese Jessica Habermann! … Kann es sein, dass dein Vater dahintersteckt Anna? Nachdem du seinen letzten Heiratskandidaten vor versammelter Großfamilie hast abblitzen lassen! Vielleicht hättest du ihm doch einmal die Wahrheit über seinen zukünftigen Schwiegersohn offenbaren sollen!“

      Langsam richtete sich Anna auf. „Mein Vater … mein Vater, der kann mich mal. Wenn er Ben nicht als seinen zukünftigen Schwiegersohn akzeptiert, so wie er ist, sondern nur, weil dessen Vater ein noch dickeres Bankkonto hat, als er selbst. Vergiss es … Dann soll er dahingehen, wo der Pfeffer wächst. Von mir aus soll Papa doch weiter glauben, dass Ben nur ein armer Streifenpolizist ist!“, empörte sich die junge Frau.

      „Na siehst, du! So gefällst du mir schon viel besser! Das ist die Anna, die ich kenne! … So Kindchen!“ Anja reichte der Jüngeren ein Taschentuch, in welches sie geräuschvoll schnäuzte. „Zuerst rufst du Ben an und hörst dir seine Version der Geschichte mit dieser „Jessica“ an. Danach kannst du immer noch entscheiden, ob du ihm wirklich den Laufpass geben willst oder deinen Ben behältst. Auch wenn er nach dieser Geschichte vielleicht ein paar Fehler und Macken hat.“

      Langsam rappelte sich Anna vom Sofa hoch, suchte ihr Handy, das sie irgendwo auf dem Weg, als sie ins Bad gekrochen war, verloren hatte. Als sie fündig geworden war, tippte sie Bens Nummer. Doch statt seiner erhofften Stimme, erklang nur die mechanische Ansage „Der Teilnehmer ist zur Zeit leider nicht erreichbar ….“ Dann fiel ihr ein, dass ihr Freund zurzeit ein Pre-Paid-Handy benutzte. Doch auch diese Telefonnummer erwies sich als Fehlschlag. Kein Ben, sondern nur die Ansage, der Teilnehmer ist zurzeit nicht erreichbar. Als sie es auf der Festnetznummer probierte, erlebte sie die nächste Enttäuschung. Hier meldete sich nur der Anrufbeantworter, auf dem Anna ebenfalls eine Nachricht hinterließ, dass sich Ben so schnell wie möglich bei ihr melden sollte.

      Niedergeschlagen ließ sie sich auf das Sofa fallen. Ihr Blick war auf das Display des Handys gerichtet. Ein kleines Icon machte sie darauf aufmerksam, dass sie eine eingehende SMS hatte. Die Telefonnummer, die angezeigt wurde, gehörte zu Bens Pre-Paid-Handy. Es war eine Nachricht von Ben. Mit zitternden Fingern öffnete sie die elektronische Nachricht. Ihr Pulsschlag beschleunigte sich. Die junge Frau las die SMS:

      Anna bitte, ich flehe Dich an … lass es nicht so zwischen uns enden! Vertraue mir doch! Niemals könnte ich Dir so etwas antun. Verstehst DU? NIEMALS! Raube mir nicht meinen letzten Hoffnungsschimmer, Dir die Wahrheit zu beweisen. Du trägst meine Liebe … mein Herz in deinen Händen … Wenn Du es fallen lässt, zerbricht es …zerbreche ich daran in tausend Scherben … Ohne Dich kann ich nicht sein und will ich nicht sein, du bist die Liebe meines Lebens … Glaube mir, man kann mir alles nehmen, das ist mir egal. Aber Deine Liebe bedeutet mir alles, ohne diese kann ich nicht existieren … Denk an unsere Pläne und Träume, ich werde dafür kämpfen … bitte Du auch …
      in Liebe Ben

      Die junge Frau schrie gequält auf.
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