Auf den Spuren von Rascar Capac

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Seit nunmehr 20 Jahren flimmert Deutschlands erfolgreichste Actionserie „Alarm für Cobra 11“ über die TV Bildschirme. In dieser Zeit durften die Zuschauer dabei zusehen, wie unzählige Dienstwagen zerstört, viele Gangster aus dem Verkehr gezogen und tausende Kugeln verschossen wurden. Zum 20-jährigen Jubiläum hielten wir es für angebracht, zum Beginn der Serie zurückzublicken und reisten nach Berlin, wo im Jahr 1995 die erste Klappe zum Pilotfilm „Bomben bei Kilometer 92“ fiel.

Bereits während der Vorbereitung und Recherche stellten wir fest, dass es kein einfaches Unterfangen werden würde, die ehemaligen Drehorte ausfindig zu machen, da es kaum Infos zu den damaligen Berliner Drehorten gibt. Lediglich das Autobahnpolizeirevier, das sich am ehemaligen Grenzübergang Dreilinden befindet und die Autobahn A115 sind unter den Fans bekannt. Doch durch eine genaue Bildanalyse des Pilotfilms ist es uns gelungen noch weitere Drehorte zu identifizieren.

 

Das erste Ziel unserer Reise war selbstverständlich das ehemalige Autobahnpolizeirevier der Serie, das am Autobahnkreuz Zehlendorf an der A115 steht. Auf dem zugehörigen Parkplatz angekommen, fällt schnell auf, dass die glänzenden Tage dieses Gebäudes längst vorbei sind. Nur durch einen Metallzaun mit Stacheldraht ist das verlassene Gebäude noch zu begutachten. Der Schriftzug „Dreilinden“, der in großen Lettern oben am Gebäude prangert, war bei "Cobra 11" nie zu sehen. In der Serie gab es drei Variationen der Beschriftung. So wurde zu Beginn der Schriftzug einfach entfernt. Im Verlauf der ersten Staffel brachte man dann aber einen kleinen grünen Schriftzug „Autobahnpolizei“ über dem Erdgeschoss an und ersetzte diesen in der zweiten Staffel durch einen großen Schriftzug mit weißen Buchstaben auf grünem Grund, welcher sich auf Höhe der Beschriftung „Dreilinden“ befand. Auch die Zufahrtstraße zum höher gelegenen Zugang des Gebäudes existiert heute nicht mehr. Wo vor vielen Jahren noch einige Streifenwagen des Autobahnpolizeireviers 11 parkten, wuchern heute nur noch Bäume und Sträucher.

Ebenfalls auf dem Gelände des ehemaligen Grenzübergangs „Checkpoint Bravo“ befindet sich das Gebäude des fiktionalen Autobahnrestaurants "Waldenau“. Die Gaststätte ist in den ersten Folgen das Stammlokal der Mitarbeiter des Autobahnreviers und auch häufiger Handlungsort während den Folgen.
Frank Stoltes Freundin Mareike arbeitete dort als Kellnerin. Während der ersten Staffel konnte man ihn häufiger dabei beobachten, wie er von seinem Büro aus, mit einem Fernglas seiner Freundin bei der Arbeit nachgeht. Unvergesslich für Fans erster Stunde werden wohl die Cheeseburger aus der "Waldenau" sein, welche für ordentlich Gesprächsstoff zwischen Polizeihauptmeister Rieder und dem Verdächtigen Richie Weber sorgten.

Keine 500 Meter von Dreilinden entfernt, beginnt das ehemalige Teilstück der A115, auf dem in diesen Jahren die meisten Autobahnszenen gedreht wurden. Die 28 Kilometer lange Strecke eignete sich ideal für die Dreharbeiten, da die Teilstrecke Albrechts Teerofen – Postdamer Chaussee nach Verlegung des Checkpoint Bravo im Jahr 1969 stillgelegt wurde.
1991 wurde ein kleiner Teil der Fahrbahn für die Produktion des Films „Superstau“ renoviert, um es für die Dreharbeiten nutzen zu können. Anschließend investierte die damalige Produktionsfirma Polyphon in das Teilstück und brachte es mit einer neuen Teerdecke, Leitplanken, Fahrbahnmarkierungen, etc. für die „Autobahnpolizei“ wieder auf Vordermann. Dadurch konnte während der Produktionszeit im Raum Berlin ungestört und ohne großen Aufwand auf der Autobahn gedreht werden. Nach knapp zweieinhalb Jahren Nutzung, beschloss die Politik im Jahr 1997 die Renaturierung der Strecke und so bereitete man ihr schon mit einer Brückenexplosion in der Episode „Gift“ einen ersten Todesstoß. Heutzutage ist kaum noch erkennbar, dass dort mal eine Autobahn verlief. Lediglich die alte Stammbahnbrücke, welche in einigen Episoden zu sehen ist, so wie einige Asphaltreste weisen noch auf die alte Autobahn hin. Den Rest hat sich die Natur bereits zurückgeholt.

 
Noch war unsere Reise in die Vergangenheit nicht beendet, und so klapperten wir noch einige weitere Handlungsorte des Pilotfilms ab, ganz gespannt ob sie noch existieren und wie sie heute aussehen würden.

Die erste gefundene Location (nach chronologischer Reihenfolge des Films) ist der Antiquitätenladen, bei dem Rascar Capac verschiedene „Tim & Struppi“-Fanartikel und einige Möbel gestohlen hatte, um damit Chaos auf der Autobahn anzurichten. Heute ist der Antiquitätenladen ein Tattoo Studio und befindet sich am Hackeschen Markt in Berlin. Wie im Vergleich unschwer zu erkennen ist, wurde die Brücke, über die am Anfang der Szene der ICE fährt, ausgetauscht und auch die Ladenfront wurde restauriert.

Kurze Zeit später wird Frank Stolte von Rascar Capac mit einem Funkgerät durch die Innenstadt gelotst und soll einen Seesack mit dem geforderten Geld wiegen. Am Hohenzollerndamm entdecken wir ein Gebäude mit der Aufschrift „Wiener Conditorei Caffeehaus“, welches von innen und außen identisch mit dem aus der Folge ist. Selbst das Telefon, wenn auch vermutlich ein neueres Modell, klingelt mit der gleichen Melodie, wie im Pilotfilm. Nur die Waage, mit der Stolte den Seesack wiegen sollte, existiert nicht mehr.

Nachdem die Übergabe ein erstes Mal gescheitert ist, soll der Kriminalhauptkommissar in einer Badeanstalt schwimmen gehen und die Millionen im Umkleidespind mit der Nummer 92 deponieren. Dabei handelt es sich um das kleine Schwimmbecken im Stadtbad Neukölln, dass wir durch seine abgerundete Form und die einzigartige Säulenkonstruktion relativ schnell ausfindig machen konnten. Das im Film gezeigte Kassenhäuschen, wo Stolte und Fischer sich jeweils Badeklamotten leihen, befindet sich genauso wie der Treppenaufgang ebenfalls dort, ist aber nicht mehr in dieser Funktion im Betrieb.

Anschließend soll Frank die Millionen und die drei Kilo Gold im Berliner Naturkundemuseum spazieren führen. Dort konnten wir den Raum der Konfrontation zwischen Stolte und dem Museumsangestellten schnell ausmachen, da dies der erste Raum nach dem Eingang ist. Der Raum wurde seit den Dreharbeiten etwas modernisiert und auch die beiden Dinosauriergerüste haben einen weiteren Spielgefährten hinzu bekommen. Die beiden menschlichen Skelette aus der Szene haben in diesem Raum jedoch nichts zu suchen und waren extra angefertigte Requisiten. Die Treppe, an welcher sich im Film die Garderobe befindet war aufgrund von Renovierungsarbeiten leider nicht zugänglich, jedoch konnten wir Ihren spiegelverkehrten Zwilling finden.

Kurz vor der ersten großen Autoverfolgungsjagd der "Cobra 11"-Geschichte kommt es im Pilotfilm dann doch noch zur Geldübergabe zwischen Stolte und Rascar Capac im „Hotel International“, das in Wirklichkeit das Hotel „Intercontinental“ ist und sich am Zoologischen Garten in Berlin befindet. Die Glaspyramiden am Eingangsbereich sind unverkennbar und auch die restliche Umgebung der Straße entspricht dem Beginn der Verfolgungsjagd im Film.

An diesem Hotel endet nun unsere kleine Reise in die Vergangenheit. Die sich damals an der A 111 befundene Raststätte „Stolper Heide“, die im Verlauf zweiten Staffel in den Vordergrund des Serie rückte, wurde mittlerweile abgerissen und vollständig renaturiert. Autobahnkilometer 92, der im Pilotfilm teils auf dem Teilstück der A115 (Unfall zu Beginn und der Bombenfund) und teils an einer anderen Autobahnstelle gedreht wurde (Frank Stolte mit Seesack an der Kilometertafel 92), hütet ein kleines Geheimnis. Denn die vermeintlich älteste Autobahn der Welt ist nur 28 Kilometer lang und somit wäre dort ein Kilometer 92 unmöglich. Wir fanden bei unserer Reise jedoch durch Zufall einen Kilometer 92 in der Nähe einer Raststätte der A10 und die Umgebung dort ähnelte stark der Szenenumgebung. Auf Rascar Capac trafen wir jedoch leider nicht.

Text: Marco Müller
Bilder: RTL, Berliner Bäder, Marcel Schöfer