Ben fiel unglücklich, denn Stroganof begrub ihn unter sich. Er schlug mit den Fäusten zu und versuchte sich zu befreien. Doch Stroganof schien unbändige Kräfte zu haben. Er setzte sich auf Ben und schlug nun seine Fäuste in Bens Oberkörper. Ein Schlag ging an die Schläfe die Ben augenblicklich die Orientierung verlieren ließ. Er schlug ins Leere. Stroganof bekam immer mehr Oberwasser und es dauerte nicht lange, bis er Bens Arme mit seinen Beinen festklemmen konnte. Der Nachteil war auch, das der Raum nicht wirklich Platz für großartige Fight lieferte. Es hagelten Schläge für Ben, der langsam das Bewusstsein verlor. „War das genug?“, fauchte Stroganof. Er zog ein Messer vom Schrank und hielt es Ben an die Kehle. „Noch eine Bewegung und du läufst leer...“, warnte er ihn. Ben rührte sich nicht. Angst spiegelte sich in seinen Augen wieder. „Okay...“, stieß er mühsam aus. Stroganof packte mit einer Hand die Handschelle die immer noch am Tischbein war und fesselte Bens Arm daran. „Ich kenne dich nicht, aber ich werte es als einen kleinen Ausrutscher. Noch einen und du landest bei den Fischen da draußen. Setz dich an den Tisch!“, befahl Stroganof und erhob sich. Ben musste klein bei geben. Es hätte ja klappen können. Nun musste er doch auf Semir warten.
Dieser fühlte sich nach dem starken Grog als könnte er fliegen. Die Übelkeit, die ihn auf dem Wasser quälte, war weg. Er sah alles irgendwie verschwommen. „Tolles Zeug. Was ist da drin?“, fragte er. „Rum, Wasser, Zucker und einen kleinen Schuss Zitrone...“, erklärte Lasse in einem perfekten Hochdeutsch. „Whow... das Zeug ist echt gut... ich versteh dich alten Seebär sogar...“, kam von Semir. „Das liegt daran, dass ich auch perfektes Deutsch sprechen kann. Aber ich mache das ungern. Hier ist es toll, wenn man platt spricht. Nun ja... Wie wollen Sie nun vorgehen?“, wollte Lasse wissen. „Zunächst lassen wir das Sie weg. Ich bin Semir. Und was das Andere angeht... ich werde mich an Bord des Schiffes begeben und meinen Freund dort rausholen.“, erklärte Semir und reichte Lasse die Hand. „Lasse, also gut. Und dann?“, harkte der Fischer nach. Semir zog die Schultern hoch. „Ich weiß es ehrlich gesagt noch nicht. Lasse... wenn ich dort an Bord bin, dann versuch uns zu folgen, ja? Und halte die Leute auf dem Laufenden. Ich weiß nicht, wie es auf dem Wasser abgeht, was nach dieser Drei-Meilen-Zone passiert. Wer dafür zuständig ist... aber ich vermute mal, dass Stroganof dann mich und meinen Partner umbringt.“
Lichtenhagen, der auch an Bord war sah Semir an. „Das werde ich nicht zulassen. Es reichen zwei Tote. Mehr müssen nicht sein und notfalls werde ich meine Kompetenzen überschreiten, aber ich greife auch außerhalb unserer Hoheitsgewässer zu. Ich bin schließlich ein Fischer und für die gilt das Gesetz des Stärkeren. Wenn Sie an Bord gehen, dann werde ich meine Kollegen informieren die nicht weit von hier sind. Sie folgen uns seit wir abgelegt haben. Alles Fischer und alles brave Leute. Sobald Sie diesen Stroganof ablenken, werden wir das Boot entern und ihn dingfest machen.“, versprach Lichtenhagen. „Das halte ich eigentlich für eine gute Idee, nur wird Stroganof sich nicht so einfach überrumpeln lassen. Geben Sie ihm ein oder zwei Tage zeit. Wenn ich ihn richtig einschätze, wird er uns nicht gleich umbringen. Nur wenn Sie sofort zugreifen, wird es gefährlicher für uns. Er würde ohne zu zögern schießen.“, gab Semir zu bedenken. „Also gut... und was wenn Sie in den beiden Tagen sterben?“, wollte Lichtenhagen wissen. Semir grinste leicht. „Tja... dann habe ich ein sehr nasses Grab. Nur keine Sorge...ich bin auch nicht ganz ohne.“, meinte er nur und sah auf das Wasser. „Wie weit ist es noch?“, wollte er nach einer Weile wissen. „In einer Stunde sind wir da.“, gab Lasse bekannt.
Ben hatte sich von den Schlägen soweit erholt. Langsam löffelte er die Suppe in sich hinein, dabei immer von Stroganof beobachtet. Er wusste, dass er so keine Chance hatte, zumal die Handschellen wieder fest um seine Hand geschlossen waren. „Nun mach... iss auf. Dann geht’s zurück in die Kammer.“, schrie Stroganof ihn an. Doch Ben ließ sich davon nicht mehr einschüchtern. Er aß einfach weiter und hoffte sehr, dass Semir einen Plan hatte, wie er diesen Wahnsinnigen überwältigen und ihn hier rausholen wollte. Stroganof schien nicht der Mann von langer Geduld zu sein. Mit einem hastigen Ruck riss er Ben die Schüssel weg, stellte sie in der Spüle ab und hielt ihm dann die Pistole unters Kinn. „Wehe, du machst irgendwelche Dummheiten, wenn ich jetzt die Handschellen löse.“, zischte der Pole und beugte sich unter den Tisch, um mit der freien Hand die Schellen zu öffnen, was mit einer Hand und dann auch noch der falschen, er war von Natur aus Rechtshänder, sehr schwierig war. In Ben arbeitete es... Sollte er es noch einmal wagen? Doch ehe er diesen Gedanken zu ende gedacht hatte, erschien schon wieder sein Bewacher und zog ihn aus der Bank raus, stieß ihn nach unten, die Treppe runter und in die Kabine wieder rein. „Los, in die Dusche.“, zischte der Pole erneut und stieß Ben die Waffe in den Rücken. Wieder musste Ben in die kleine Duschkabine und wurde dann wieder mit Handschellen am Rohr festgemacht. Der Pole löschte abermals das Licht und schloss die Tür hinter sich. Wieder stand Ben in tiefschwarzer Dunkelheit. Gespenstisch hörte er, wie die Wellen gegen den Rumpf schlugen und der Motor brummte. Er hoffte nur, dass er bald hier raus kam. „Was für ein beschissener Urlaub.“, dachte er und zerrte weiter am Rohr und an den Handschellen herum.